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Autor Thema: Natalja Koroljowa: S.P. Koroljow - Vater (1-3)  (Gelesen 4646 mal)

Offline Rori

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  • Beiträge: 225
Natalja Koroljowa: S.P. Koroljow - Vater (1-3)
« am: 25. September 2014, 21:22:54 »
Natalja Koroljowa: S.P. Koroljow - Vater

Band 1 ISBN 978-3-940541-19-2
Broschiert, 420 Seiten, 2009, 1. Auflage
Band 2 ISBN 978-3-940541-21-5
Broschiert, 366 Seiten, 2010, 1. Auflage
Band 3 ISBN 978-3-940541-22-2
Broschiert, 283 Seiten, 2010, 1. Auflage

Übersetzer und Herausgeber der deutschen Ausgabe: Dr. R. Meier, Elbe-Dnjepr-Verlag, 04862 Klitzschen




Hallo zusammen,

S.P. Koroljow ist der Begründer der sowjetischen Raumfahrt. Wer die Biographie seiner Tochter Natalja liest, sollte sich jedoch bewusst sein, dass das Hauptaugenmerk nicht auf seiner Rolle in den fünfziger und sechziger Jahren liegt, in denen die Sowjetunion auf dem Gebiet der Weltraumraketen eine Schrittmacherrolle einnahm. Die Jahre 1957 bis 1966 haben ihren Platz im dritten Band, mit rund 150 Seiten sind es aber doch weniger, als man sich als Raumfahrt-Enthusiast vielleicht wünscht. Koroljows Tochter hatte bestimmt auch eine andere Intention. Sie liefert ein Gesamtbild ihres Vaters und der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen er seinen Weg ging. Und dieser Weg hatte alle Zutaten eines Heldendramas: mühsamer Aufstieg, tiefer Fall, glanzvoller Wiederaufstieg und plötzlicher Tod.

Bei den Recherchen zur Biographie kam der Tochter ihr Zugang zu vielen Zeitzeugen entgegen, allen voran natürlich zu ihrer Mutter und der Großmutter väterlicherseits sowie zu einem Cousin ihres Vaters. So kommt es, dass der Einstieg über längere Ausführungen zum doch recht bürgerlichen Leben der Koroljow-Vorfahren im zaristischen Russland erfolgt. Das ist ganz interessant und soll die Hinwendung des jungen S.P. Koroljows zur aufkommenden (Segel-)Fliegerei erklären. Auch der Werdegang Koroljows in der frühen Sowjetunion wird ausführlichst erläutert und mit vielen Dokumenten bebildert. Um die Stätten seines Wirkens und Archive zu besuchen, scheute die Autorin keine noch so langen Wege. 

Koroljow war von seiner Idee besessen. In den USA würde man heute sagen, er war ein "technology driven guy", dem es weder auf ein ruhiges Leben noch auf ein hohes Einkommen ankam. Für das Verständnis der beruflichen Leistung Koroljows muss man sich vor Augen führen, unter welch' widrigen Umständen er in den zwanziger und dreißiger Jahre er mit seinem Kollektiv Kleinraketen entwickelte und zum Start brachte. Das gelingt dem Buch mehr als gut. Immerhin hatte Koroljow 1932 M.N. Tuchatschewskij, den stellvertretenden Vorsitzenden des Volkskommissariats der UdSSR für militärische und Marineangelegenheiten, vom Nutzen raketengetriebener Flugkörper überzeugt. Hilfreich war dabei sicher auch sein gutes Verhältnis zu K.E. Ziolkowskij, der in der Sowjetunion eine unbestrittene Autorität in Sachen theoretischer Raketenforschung war.

Richtig tragisch wird es, wenn man gegen Ende des ersten Bandes und im zweiten Band seinem Weg durch die Verhöre der Geheimpolizei NKWD in ein sowjetisches Arbeitslager verfolgt. Durch eine Intrige zum Volksverräter gestempelt, sollte er beiseite geräumt werden. Es war seiner eigenen und der Beharrlichkeit seiner Mutter zu verdanken, dass er dass in der stalinistischen Sowjetunion überlebte. Und es gehörte auch eine gehörige Portion Glück dazu, nicht nur wegen der Zustände im Lager. Den Gefangenen-Rückstellungsbefehl von der fernöstlichen Goldmine Maldjak  nach Moskau zur Klärung der Vorwürfe in der Hand, verpasste er am 12. Dezember 1939 das Schiff „Indigirka“ aus der Bucht von Nagaewo nach Wladiwostok. Das Schiff havarierte im Sturm, 745 von 1173 Menschen starben. Nur ganz wenige der in Schiffszellen eingeschlossenen Häftlinge überlebten. Er kam am 23. Dezember auf das nächste Schiff „Felix Dsershinskij“, passend benannt nach dem Gründer der ersten sowjetischen Geheimpolizei Tscheka.

Was dann zurück in Moskau folgte, war für Koroljow zwar auch kein Zuckerschlecken, aber zumindest war er einer unmittelbaren Todesgefahr entronnen. In einem Spezialgefängnis auf dem Gelände des Flugzeugwerkes Nr. 156 konnte er ab September 1940 als Flugzeugkonstrukteur unter dem ebenfalls inhaftierten A.N. Tupolew arbeiten. 1944 wurde er aus der Haft entlassen. Kurze Zeit später war seine Expertise bei der Begutachtung deutscher Raketentechnologie gefragt. Seine vollständige Rehabilitierung mit der Streichung entsprechender Vermerke in seinen Akten ließ aber noch einige Zeit auf sich warten. 

Spätestens mit den Erfolgen der frühen Sowjet-Raumfahrt wurde Koroljow zum Held, ein stiller Held, denn sein Name und seine Rolle unterlagen strengster Geheimhaltung. Die Tragik seines Lebens vollendete sich am 14. Januar 1966. Als "workoholic" ignorierte er körperliche Warnanzeichen. Als es wirklich nicht vermeidbar war, kam es zu einer Operation, die er nicht überlebte. U.a. wegen eines in den geheimpolizeilichen Verhören gebrochenen Kiefers gelang den Anästhesisten keine Luftröhrenintubation. Die alternative Maskennarkose war zuviel für sein Herz. Er starb mit 59 Jahren und hätte gerne noch die sowjetische bemannte Mondlandung miterlebt. Tragisch für ihn und tragisch für ein Land, dass es seinen Talenten derartig schwer machen kann.
 
Viele Grüße

Roland

Offline WvB77

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Re: Natalja Koroljowa: S.P. Koroljow - Vater (1-3)
« Antwort #1 am: 26. September 2014, 11:10:00 »
Danke Roland. Es scheint, in Deutschland haben gerade mal vier Bibliotheken Ausgaben von den Büchern. Sobald ich Zeit finde werde ich sie mir mal zukommen lassen.

Die FAZ hatte auch mal was zu den Werken geschrieben:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/natalja-koroljowa-s-p-koroljow-vater-fuer-die-kosmischen-farmen-gab-es-keinen-fuenfjahresplan-1999029.html

Ich finde es auch ganz interessant, dass auch von Braun Segelflieger war. Und das, obwohl er bis zu seinem Tod nicht einmal von Koroljow wusste.

Grüße,
WvB77

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