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Autor Thema: Clean Space-Initiative der ESA  (Gelesen 3567 mal)

Offline Uliversum

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Clean Space-Initiative der ESA
« am: 06. Januar 2015, 19:39:19 »
Hallo zusammen,

ich weiß nicht, ob die "Clean Space"-Initiative der ESA schon bekannt ist? Über die Suchfunktion habe ich nichts dazu gefunden, daher stelle ich sie mal ein:

http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Engineering_Technology/Clean_Space

Im Kern geht es darum, Raumfahrt grüner, ökologischer, nachhaltiger zu machen, sowohl auf der Erde, als auch im All:

"With the Clean Space initiative, ESA is devoting attention to the environmental impacts of its activities, both on Earth an in space".

Tätigkeitsfelder sind z. B.:
- Ungiftige(re) Treibstoffe als z. B. Hydrazine (Die Gegend rund um Baikonur ist ziemlich verseucht, beim chinesischen Raumfahrtbahnhof soll es auch nicht bessern sein)
- Wiederverwertbarkeit von Metallen (z.B. von Satelliten)
- Vermeidung von Weltraummüll
- etc.

Also bei mir rennen die damit offene Türen ein:
- immer mehr Weltraummüll
- Verschwendung von kostbaren Rohstoffen wie Metallen: eine riesige Trägerrakete startet zum Orbit oder zum Mond, zurück kommt eine kleine Kapsel - der Rest ist verglüht, liegt in irgendwelchen Umlaufbahnen oder liegt als Müll auf dem Mond oder Mars.
- verseuchte Startplätze wie Baikonur
- Rover/Sonden mit Plutonium-Batterien -> hier gab es schon Unfälle!
Und selbst wenn beim Start nichts passiert, dann ist das Plutonium z. B. auf dem Mars dann!

Im Internet gibts Listen "menschlicher Objekte" auf Mond und Mars. Ich fürchte, wenn das so weitergeht, verhüllen wir mit jeder Mission Mond und Mars über Jahrzehnte und Jahrhunderte mehr und mehr. Das ist nicht optimal.
Ist wie beim Everest, der heute auch eine Müllhalde geworden ist. Dorthin kommen um jeden Preis, und den Müll dann zurücklassen.
So sehr ich auch ein Apollo-Fan bin, aber jeder Apollo-Landeplatz ist eine kleine Müllhalde. Mit künftigen bemannten Mondmissionen wird's vermutlich auch wieder so sein. Hier sollte man andere Mittel und Wege beschreiten.

Vielleicht könnte man das Shuttle modern und modifiziert wiederbeleben? Mit einer starken Trägertechnologie in höhere Orbits senden oder gar bis zum Mond? Großer Stauraum inklusive und ein Lander der als ganzes zum Shuttle zurückkommt. Oder das Shuttle gleich ganz auf dem Mond landen lassen? Nur so ein paar "spinnerte" Gedanken  ;)

Jedenfalls finde ich die Initiative der ESA sehr löblich. Mögen ihr noch viele Raumfahrtnationen folgen.
Russland hat jedenfalls bei seiner neuen Trägerrakete auch bereits auf umweltverträglichere Treibstoffe gesetzt, wie ich las.

Viele Grüße, Uli
Die Wahrheit tut weh. Verdammt weh.

Offline tomtom

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #1 am: 06. Januar 2015, 22:55:39 »
Hallo Uli,

damit du dich nicht wieder beschwerst, hier eine Antwort. Im Prinzip haben wir das bisher im Thread "Konzepte gegen Weltraummüll" abgehandelt. Da ist zb. der Animationsfilm zu finden, den die ESA unter ihrer Clean Space Initiative präsentiert.

Gegen Clean Space ist natürlich nichts einzuwenden, immer super und auch trendy. Wir können das auch in einem ESA-Thread ausdifferenzieren, aber dann sollten wir auch bei der ESA bleiben.

Mit deinen Vorstellungen von Apollo-Landeplätze = Müllplätze gehst du mE. zu weit. Man diskutiert da eher in Richtung Kulturerbe und will es unter Schutz stellen.

Wenn schon eigener Thread, dann sollten wir ins ESA-Eingemachte gehen. Die ESA teilt ein in Eco-Design, grüne Technologien, Weltraummüllvermeidung und Weltraummüllentsorgung.

Es handelt sich also bestenfalls um ein Programm, in dem alle möglichen Projekte aufgeführt werden, die sich unter "Clean Space" zusammenfassen.

Das ist für mich erstmal viel Marketing und wenig Substanz. Falls jemand Substanz findet, ließe sich darüber diskutieren.

Ein weiteres Thema ist der Code of Conduct (Verhaltensmaßnahmen), den die ESA zwar formuliert hat, aber nicht durchsetzen kann, weil die USA sich da nichts vorschreiben lassen wollte.

McFire

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #2 am: 07. Januar 2015, 00:27:33 »
Ich wollte grad ein  ;D hersetzen, aber tomtom hat es schön  erklärt. Zu "USA nix vorschreiben lassen" würde ich allenfalls noch hinzufügen "Rußland und China auch nicht". Und andere haben vlt Geld, was hochzuschießen, aber auch nicht ein Taler mehr, um sich um Unprofitables zu kümmern. Und insgesamt : Wer hört schon auf die ESA ..... ::)

Es wird sein wie immer : Es muß erst krachen und plauzen und "oben" Zusammenbrüche geben, die zu Zusammenbrüchen hier unten führen, dann vielleicht....

Offline Schillrich

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #3 am: 07. Januar 2015, 06:06:07 »
Der "Code of Conduct" ist heute eigentlich veraltet. Der Inhalt zu Weltraummüll ist praktisch in den entsprechenden ISO-Standard gewandert. Den müssen Missionen jetzt nur anwenden ...

Aber warum so mit dem Finger auf die anderen Staaten deuten? Verhalten die sich pauschal so unverantwortlich? Verhalten wir uns so vorbildlich? Man schaue sich mal den Envisat-Schlamassel der ESA an ... anstatt früh Vorsicht walten zu lassen, hat man versucht die Mission immer länger zu betreiben ...
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

Offline Uliversum

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #4 am: 07. Januar 2015, 11:03:42 »
Moinsen,

mit Fingern zeigen will ich nicht. Ich finde allerdings jeden Ansatz begrüßenswert, Raumfahrt "grüner", ökologischer, nachhaltiger zu machen, soweit möglich.

Wie erwähnt hat Russland auch mit seiner neuen Trägerrakete auf andere Treibstoffe umgestellt:
"Die "Angara", die vom Raumfahrtkonzern "Chrunitschew" kommt, ist für Nutzlasten zwischen 1,5 und 35 Tonnen ausgelegt und fliegt mit umweltfreundlichem Flüssigsauerstoff und Kerosin." (Spiegel online)

"Einmalig ist außerdem der umweltfreundliche Charakter der neuen Angara-Rakete. Als Treibstoff nutzen ihre Triebwerke nicht das giftige Geptil (auch: UDMH - unsymmetrisches Dimethylhydrazin), sondern Kerosin mit Sauerstoff als Oxidator." http://de.sputniknews.com/german.ruvr.ru/2014_12_23/Russland-erlangte-unabhangigen-Zugang-zum-Weltall-6331/

Solche Meldungen "mit toxischen Wolken nach Fehlstart" sollten dann somit auch bald Vergangenheit sein:

" neue schwere Rakete soll dann auch die "Proton" ersetzen, die in Baikonur in letzter Zeit vor allem durch spektakuläre Fehlstarts von sich reden gemacht hat. Da sie mit hochtoxischen Treibstoffen fliegt, richtet sie bei Havarien in den Absturzgebieten nach Ansicht der kasachischen Behörden verheerende Umweltschäden an, deren Beseitigung die Russen viele Millionen Dollars kostet." http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/angara-russland-startet-neues-weltraum-rakentenprogramm-a-977609.html

Oder hier: http://www.focus.de/panorama/videos/600-tonnen-hochgiftiger-treibstoff-russische-rakete-explodiert-live-im-tv_vid_39841.html

Die Wahrheit tut weh. Verdammt weh.

Online -eumel-

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #5 am: 08. Januar 2015, 02:47:46 »
"Einmalig ist außerdem der umweltfreundliche Charakter der neuen Angara-Rakete. Als Treibstoff nutzen ihre Triebwerke nicht das giftige Geptil (auch: UDMH - unsymmetrisches Dimethylhydrazin), sondern Kerosin mit Sauerstoff als Oxidator." http://de.sputniknews.com/german.ruvr.ru/2014_12_23/Russland-erlangte-unabhangigen-Zugang-zum-Weltall-6331/

Diesen Artikel hat wohl jemand geschrieben, der bisher noch nicht viel mit Raumfahrt zu tun hatte.
Einmalig ist der "umweltfreundliche Charakter" des Treibstoffs Kerosin (RP-1) und Sauerstoff nicht.
Im Gegenteil das ist in der Geschichte der Raumfahrt der traditionell dominierende Treibstoff.
Während das deutsche Aggregat-4 und die amerikanische Redstone noch mit Alkohol und Sauerstoff flogen,
wurden seit 1957 hauptsächlich Kerosin und Sauerstoff eingesetzt.
Schon die weltweit erste Interkontinentalrakete, die russische R-7, flog mit RP-1.
Gagarin ist schon mit RP-1 zum ersten bemannten Raumfug gestartet.
Die Atlas Raketen, die Mercury und Gemini starteten, flogen seit 1957 mit RP-1.
Die Mondflüge auf Saturn/Apollo starteten mit RP-1.
Auch die russische Mondrakete N-1 wurde mit Kerosin angetrieben.
Die russischen Raketen Wostok, Luna, Molnija, Woschod und Poljot verwendeten RP-1.
Die amerikanischen Raketen Vanguard (1957), Juno 2 (1958), Jupiter, Thor, Delta (1962-1972) und Titan (1959) flogen mit Kerosin.
Die Sojus Raketen, die die Raumfahrer zur ISS bringen, laufen mit RP-1.
Die Booster der mächtigen Energija Rakete, die Buran startete, liefen mit Kerosin.
Auch die europäische Europa-Rakete (1966) startete damit.

Daran ist also nichts einmaliges. Und sie haben jetzt auch nichts besonders umweltfreundliches erfunden.
Und vom Raketen-Startplatz Plessezk startet die R-7 schon seit 1959 mit Kerosin.

Diese giftigen Treibstoffe werden aber weiterhin von den militärischen Raketen benutzt, weil sie lange lagerfähig und schnell einsatzfähig sind.
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 27. Dezember 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Online proton01

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #6 am: 08. Januar 2015, 07:14:14 »
Nur zur Klarstellung: 

RP-1 ist das amerikanische Raketen-Kerosin (Rocket Propellant 1). Das wird von Atlas, Saturn, usw. verwendet.

Die russische R-7, Wostok, Sojus, usw. fliegen mit russischem Kerosin T-1. Davon gibt es per GOST-Standards einige Varianten, die auch ausprobiert wurden, teilweise wird z.B. RG-1 verwendet (schwefelärmer).
« Letzte Änderung: 08. Januar 2015, 16:21:57 von proton01 »

McFire

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #7 am: 08. Januar 2015, 12:51:14 »
@ -eumel- Ich vermute der Verfasser hat "einmalig" nicht im Sinn von erstmalig, sondern im Sinn von bemerkenswert verwendet. Weil ja sonst, wo die Militärs ihre Pfoten drin haben, schnell mal wieder auf Heptyl und Co. gegriffen wird....

Offline tomtom

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Re: Clean Space-Initiative der ESA
« Antwort #8 am: 23. Dezember 2018, 10:04:03 »
Die ESA will in Zukunft einen allgemeineren Ansatz verfolgen. Ursprünglich hatte man 2013 im Sinn, ENVISAT zu entsorgen, aber das stellte sich als zu riskant heraus.

Jetzt will man es mit dem Commercial-Ansatz verbinden, die Unternehmen sollen eigene Design-Lösungen finden und einen BusinessCase entwickeln. Die ESA will nicht Dauerzahler sein.

Die Liste der Vorschläge wird auf sechs reduziert, dann auf zwei, die der Ministerratskonferenz vorgelegt werden sollen. Dann wird man sehen, ob es dafür Geld gibt.

http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Engineering_Technology/Clean_Space/ESA_s_e.Deorbit_debris_removal_mission_reborn_as_servicing_vehicle
https://spacenews.com/european-space-agency-overhauls-satellite-servicer-program/

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