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Autor Thema: Das NASA Discovery Programm  (Gelesen 27549 mal)

SpaceMech

  • Gast
Das NASA Discovery Programm
« am: 18. März 2015, 20:24:12 »
Es gibt zwar zu einzelnen ausgewählten bzw vorgeschlagenen Discovery-Missionen bereits Threads hier , aber ich habe noch nichts zum allgemeineren Programm, zB der aktuell gerade laufenden Auswahlrunde, hier gefunden.
Die letzte ausgewählte Discovery-Mission war InSight, die sich z.Zt. in der Integrationsphase befindet : http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=10692.0

Am 5. Nov. 2014 gab es den nächsten Call for Proposals von der NASA; die Deadline für die Abgabe der Proposals war der 16. Feb. 2015. Am 2. Mai 2015 wird NASA den Wettbewerb auf zwei der Kandidaten einengen und im September 2015 bekanntgeben, wer diesmal das Rennen gemacht hat. Der Start der ausgewählten Mission soll im Jahr 2021 erfolgen.

Leider wird um die eingereichten Vorschläge immer eine ziemliche Geheimnistuerei gemacht, angeblich um die Chancen und die Rechte der Teams zu schützen, die zwar diesmal nicht ausgewählt wurden, aber -etwas aufgerüscht- durchaus wieder in einer neuen Runde antreten könnten.
 Obwohl von der deutschen Funding Agency (DLR) signalisiert wurde, dass es zur Zeit keine Unterstützung für solche bilateralen Vorhaben geben würde, scheint es auch in der aktuellen Runde eine deutsche Beteiligung an einem US-Vorschlag zu geben (Kamerasystem auf einer Asteroidenmission)...

   Gruss   HHg

SpaceMech

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #1 am: 19. März 2015, 11:22:20 »
Kurzer Rückblick :

Das NASA Discovery Programm wurde Anfang der 90er Jahre vom damaligen NASA Administrator Dan Goldin ins Leben gerufen, unter der Devise "Faster -better-cheaper !".
(Es sollte sich aber herausstellen, dass davon immer nur ZWEI Forderungen gleichzeitig erfüllbar waren ..).

Die "cost cap" (Deckelung der Missionskosten) liegt mittlerweile bei 450 Mio US$.
(Zum Vergleich: Missionen aus dem NewFrontiers-Programm: bis 850 Mio US$)

Bisher wurden folgende Missionen ausgewählt und gestartet:

     NEAR                              Start: 17 Feb 1996
     Mars Pathfinder              Start: 04 Dec 1996
     Lunar Prospector            Start: 06 Jan 1998
     Stardust / NEXT              Start:  07 Feb 1999
     Genesis                           Start: 08 Aug 2001
     Contour                           Start: 03 Jul  2002
     Messenger                      Start: 03 Aug 2004
     DeepImpact / Epoxi         Start: 12 Jan 2005
     Dawn                               Start: 27 Sep 2007
     Kepler                              Start: 06 Mar 2009
     Grail                                 Start: 10 Sep 2011
     InSight                             Start       Mar 2016

Weiter Informationen: http://discovery.nasa.gov/missions.cfml
                                     http://de.wikipedia.org/wiki/Discovery-Programm

   Gruss  HHg

Offline tul

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #2 am: 20. März 2015, 21:30:21 »
Eine Mission zum Jupitermond Io ist im Wettbewerb.
http://pirlwww.lpl.arizona.edu/~perry/io_images/B-IVO-Fact%20Sheet_20150217-public.pdf
Start wäre um den 29.5.2021 herum, nach einmal Schwung holen an der Erde würde der Orbiter dann im Februar 2026 in die Umlaufbahn um den Jupiter einschwenken und Io dabei um 500 Kilometer nahe kommen. Der Orbiter wird Io selbst nicht umkreisen sondern seine Beobachtungen mittels Vorbeiflügen realisieren. Es soll 8 weitere Vorbeiflüge in 22 Monaten geben.Die Gesamtmasse beträggt 1551 Kilo und die Stromversorgung läuft mittels Solarzellen. Als Zusatzaufgabe würde der Orbiter auf seinem Flug zum Jupiter optische Kommunikationsverbindungen testen.

Offline Terminus

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #3 am: 21. März 2015, 10:43:43 »
DAWN ist "nur" eine Discovery-Mission? Wow, wusste ich noch nicht. Um so besser. :)

SpaceMech

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #4 am: 21. März 2015, 12:57:40 »
Eine Mission zum Jupitermond Io ist im Wettbewerb.

Na - das würde mich mal interessieren, wie die das (realistisch) innerhalb der cost cap für Discovery-Missionen (450 Mio US$) schaffen wollen ...

 Zum Vergleich: der NASA-Anteil an EJSM-Laplace, also der Jupiter Europa Orbiter (JEO), war mit knapp 5 Mrd US$ angesetzt (und ist daran auch 2011 "verstorben").
Der jetzt wieder aktuelle Europa Clipper Vorschlag (ohne RTGs, nur mit Sonnenzellen) wird mit 2 Mrd US$ angesetzt - wo zaubert man den Faktor 4,5 bei den Kosten jetzt so einfach her ?

   Gruss HHg

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #5 am: 21. März 2015, 13:46:54 »
Es kommt darauf an, wie man die Mission auslegt. Vielleicht verwendet man einen schon entwickelten Bus, den man lediglich modifiziert. Auch bei den Instrumenten könnte man eine ganze Reihe von bereits entwickelten Instrumenten einsetzen. Ich vermute, dass man versucht, speziell die Daten zu gewinnen, die bei Galileo wegen der ausgefallenen Hauptantenne entfallen mussten und die von JUNO nicht erfasst werden. Das sind vor allem die optischen Beobachtungen durch hochauflösende Kameras und IR- und UV-Spektrometer. Wenn man so viel wie möglich von anderen Missionen übernimmt, halte ich eine Mission in diesen Kostengrenzen zwar für ambitioniert, aber doch für machbar.

Kritisch ist vor allem der Strahlenschutz. Io liegt mitten in den Strahlungsgürteln des Jupiters, die Sonde muss also sehr viel Strahlung einstecken, selbst wenn man sich mit kurzen Vorbeiflügen begnügt (ein Orbiter würde nur ein paar Wochen überleben). Da die heutige Elektronik weniger strahlentolerant ist die Elektronik von Galileo, braucht man eine sehr starke Abschirmung. Die Flugbahn im Jupitersystem legt man vermutlich so an, das man die Sonde die meiste Zeit im äußeren Jupitersystem hält (wo die Strahlung noch gering ist) und sie nur für die Vorbeiflüge an Io für ein paar Stunden ins innere Jupitersystem fliegen lässt. Wenn man sich ansieht, was Galileo in der letzten Missionsphase (GMM) an Strahlung abbekommen hat, kann man sich vorstellen, wie gut die Abschirmung sein muss, damit die Sonde mindestens 8 Vorbeiflüge funktionsfähig übersteht.

Ein Fragezeichen ist aber noch hinter der benötigten Trägerrakete. Die Sonde soll nur 1500 kg wiegen und mit einem Erdvorbeiflug 4 Jahre bis zum Jupiter unterwegs sein. Mit einer (teuren) Atlas V 551 könnte man die Sonde direkt starten, da man aber einen zusätzlichen Erdvorbeiflug absolvieren will, dürfte man wohl einen kleineren Träger einplanen (Atlas V 421 ? ? ?), um die Kosten zu senken. Offenbar ist die um 1,5 Jahre längere Flugzeit billiger als ein stärkerer Träger. Vermutlich hat ULA dann aber bereits ihren neuen Träger (Atlas 6 ? ? ?) im Einsatz, so das man heute noch nicht sagen kann, wie die Startrakete genau aussieht.

Wissenschaftlich halte ich die Mission für sehr sinnvoll und lohnend. In meinen Augen ist Io der interessanteste Mond des gesamten Planetensystems. Eine Mission ausschließlich zu Io ist überfällig. Bei Galileo musste sehr viel entfallen, vor allem die Bilder. Gerade von Io konnte man nur eine Handvoll guter Bilder gewinnen, da man die Sonde erst recht spät in der Mission bis zu Io lenkte und dann durch die hohe Strahlung immer wieder Ausfälle auftraten. Cassini und New Horizon waren lediglich Vorbeiflugsonden mit völlig anderen Zielen und auch JUNO wird kaum in der Lage sein, gute Bilder der Jupitermonde zu liefern. Bleibt zu hoffen, dass diese Mission tatsächlich eine Chance bekommt und nicht wieder der X-ten Mars- oder Asteroidenmission der Vorzug gegeben wird...

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #6 am: 21. März 2015, 14:46:17 »
Ich hab mir jetzt das PDF durchgelesen. Das deckt sich weitgehend mit meiner Vermutung. Die Strahlungsabschirmung ist sehr massiv, geplant sind 372 krad hinter 100 mm Aluminium. Galileo war ausgelegt auf 200 krad hinter 7,5 mm Alu und erreichte in der letzten Missionsphase (GMM) 1200 krad. Allerdings häuften sich dann die Ausfälle. Das Sendesystem mit einer 2,1 m HGA und 25 W Sender ähnelt dem von New Horizon und soll mehr als 10 kbit/s zu den 34 m Antennen des DSN erreichen (nach den Erfahrungen mit New Horizon bei Jupiter sollten bis zu 40 kbit/s möglich sein). Vermutlich nimmt man nur in den wenigen Stunden in der Nähe von Io Messungen vor, speichert alles zwischen und überträgt die Daten dann über mehrere Wochen hinweg zur Erde. Dadurch kann man auch die Nutzung der teuren 70 m Antennen vermeiden.

Insgesamt eine bereits jetzt sehr schön ausgearbeitete Mission. Ich drück die Daumen...

Offline Terminus

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #7 am: 21. März 2015, 14:54:22 »
Da die heutige Elektronik weniger strahlentolerant ist die Elektronik von Galileo, braucht man eine sehr starke Abschirmung.

Das bringt mich auf eine laienhafte bis ketzerische Idee: Wenn die Galileo-Elektronik robuster war, warum setzt man sie dann nicht so oder so ähnlich wieder ein? Könnte man damit soviel Abschirmung einsparen, dass eine preiswertere Rakete reichen würde :-\ ? Okay, vielleicht würden die Programmierer stöhnen, dass sie sich mit so alter Technologie nochmal neu beschäftigen müssten. Aber Galileo hat ja auch funktioniert und es lag letztlich nur an dem Malheur mit der Falt-Antenne, dass der "Science Return" nicht so befriedigend war wie z.B. bei Cassini, denke ich mal?

Zitat
Wissenschaftlich halte ich die Mission für sehr sinnvoll und lohnend. In meinen Augen ist Io der interessanteste Mond des gesamten Planetensystems. Eine Mission ausschließlich zu Io ist überfällig. Bei Galileo musste sehr viel entfallen, vor allem die Bilder ... Bilder ... gute Bilder ...

Na ich weiß nicht. Natürlich würden wir alle gerne mehr von Io sehen, spektakulärer gehts ja fast nicht mehr :) . Aber das beste Argument, Raumsonden finanziert zu bekommen, ist sicher die Suche nach Leben bzw. nach dem Ursprung des Lebens. Und da sind eindeutig die Eismonde als Favoriten gesetzt.

SpaceMech

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #8 am: 21. März 2015, 15:09:34 »
I Die Strahlungsabschirmung ist sehr massiv, geplant sind 372 krad hinter 100 mm Aluminium. Galileo war ausgelegt auf 200 krad hinter 7,5 mm Alu und erreichte in der letzten Missionsphase (GMM) 1200 krad.
Kleine Korrektur: dort ist die Rede von 372 krad hinter 100 mil Aluminium -
1 mil ist ein Tausendstel Zoll; also sind 100 mil = 2,54 mm.
Bei 100 mm Aluminium bliebe nicht viel Nutzlast übrig...

Bei Europa Clipper will man die gesamte Bordelektronik in einer Art "Panzerschrank" (=vault) mit zentimeterdicken Wänden aus Titan unterbringen, damit der Satellit im Strahlungsgürtel überleben kann - die Instrumente der Nutzlast sind allerdings nach wie vor draussen und haben entsprechende Probleme.
Beim JUICE SWI Instrument rechnen wir in der Receiver Unit mit 50 Mrad total dose - Teflon ist da schon zerbröselt...

Gruss    HHg

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #9 am: 21. März 2015, 15:30:29 »
Das bringt mich auf eine laienhafte bis ketzerische Idee: Wenn die Galileo-Elektronik robuster war, warum setzt man sie dann nicht so oder so ähnlich wieder ein? Könnte man damit soviel Abschirmung einsparen, dass eine preiswertere Rakete reichen würde? Okay, vielleicht würden die Programmierer stöhnen, dass sie sich mit so alten Computern nochmal beschäftigen müssten. Aber Galileo hat ja auch funktioniert und es lag letztlich nur an dem Malheur mit der Falt-Antenne, dass der "Science Return" nicht so befriedigend war wie z.B. bei Cassini, denke ich mal?

Das Problem ist, diese Elektronik fertigt heute keiner mehr. Entweder man entwickelt mit einem bedeutenden finanziellen Aufwand neue strahlentolerante Elektronik oder man setzt Elektronik von der Stange (also für normale Satelliten) ein und schirmt sie besser ab. Der letztere Weg ist da eindeutig der sinnvollere Weg. Flash-Speicher braucht zudem zwingend eine gute Abschirmung. Natürlich könnte man auch wie Galileo einen Bandrekorder verwenden, aber dieser kann nur eine geringere Menge an Daten speichern. Um die gleiche Menge an Daten pro Vorbeiflug zu gewinnen, brauchte man dann zwangsweise auch eine größere Antenne und stärkere Sender. Zudem ist so ein Rekorder auch mechanisch sehr empfindlich, das das immer die Gefahr von Datenverlust besteht.

Nein, da ist es auf jeden Fall die bessere Wahl, aktuelle Elektronik zu verwenden und sie gut abzuschirmen.

Na ich weiß nicht. Natürlich würden wir alle gerne mehr von Io sehen, spektakulärer gehts ja fast nicht mehr :) . Aber das beste Argument, Raumsonden finanziert zu bekommen, ist sicher die Suche nach Leben bzw. nach dem Ursprung des Lebens. Und da sind eindeutig die Eismonde als Favoriten gesetzt.

Wenn es auf den Eismonden Leben gibt, dann vielleicht in den Eismond-Ozeanen, speziell bei Europa. Allerdings sind diese Ozeane beim aktuellen Stand der Technik für uns fast unerreichbar. Zudem, wer sagt denn, das es auf Io kein Leben gibt? Auf Io gibt es Schwefel, Wärme und sogar eine dünne Atmosphäre aus Schwefeldioxid. Es ist nicht auszuschließen, das es auf Io primitive Bakterien gibt, einige Meter tief im Boden, außerhalb der starken Strahlung. Wenn es nach dem Ursprung des Lebens geht, ist auch Io ein erstklassiges Wissenschaftliches Ziel, den Vulkane haben hier auf der Erde entscheidend mit zur Entwicklung des Lebens beigetragen. Mit dieser Argumentation lässt sich also auch auf jeden Fall eine Mission zu Io rechtfertigen.

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #10 am: 21. März 2015, 15:39:48 »
Kleine Korrektur: dort ist die Rede von 372 krad hinter 100 mil Aluminium -
1 mil ist ein Tausendstel Zoll; also sind 100 mil = 2,54 mm.
Bei 100 mm Aluminium bliebe nicht viel Nutzlast übrig...


Mm, ich hab das eigentlich als 10 mm Alu interpretiert (die 100 waren ein Schreibfehler), aber du hast Recht.

Die Abschirmung ist so allerdings recht dünn. Die Elektronik dürfte die gleiche Strahlentoleranz haben wie bei JUNO, 372 krad mit einem Sicherheitsfaktor von 2, allerdings statt 7,5 mm Alu nur 2,5 mm Alu Abschirmung. Da muss man die Bahnen sehr genau planen und wirklich nur ganz kurz im inneren Jupitersystem verbleiben, damit die Sonde 22 Monate und 9 Vorbeiflüge übersteht.

Offline Youronas

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #11 am: 21. März 2015, 18:28:36 »
Noch ein PDF mit ein paar zusätzlichen Informationen: http://meetingorganizer.copernicus.org/EGU2015/EGU2015-14564.pdf

Der IVO ist bereits 2010 schonmal in der Discovery-Auswahl gescheitert. Damals allerdings noch ein einem Konzept mitz RTG statt Solarzellen. Das DLR wäre zudem mit einem Termal Mapper beteiligt, die Uni Bern mit einem Massenspektrometer. Durch eine um 40 Grad zu Jupiter geneigte Bahn wird die zu erwartende Strahlendosis auf ein Zehntel derer von JUICE gesenkt.
Würde mich auf jeden Fall sehr über eine solche Mission freuen, Io steht in meiner persönlichen Liste ganz weit oben, schon alleine wegen der zu erwartenden, grandiosen Bilder.

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #12 am: 21. März 2015, 19:37:38 »
Der IVO ist bereits 2010 schonmal in der Discovery-Auswahl gescheitert. Damals allerdings noch ein einem Konzept mitz RTG statt Solarzellen.

Würde mich auf jeden Fall sehr über eine solche Mission freuen, Io steht in meiner persönlichen Liste ganz weit oben, schon alleine wegen der zu erwartenden, grandiosen Bilder.

Die damalige Mission war sogar mit Sterling RTGs geplant. Da man deren Entwicklung eingestellt hatte, war fast klar, das aus der damaligen Mission nichts werden konnte. Mit Solarzellen und reduzierten Budget dürfte die Mission aber durchaus eine Chance auf Verwirklichung haben.

Bei mir steht eine Mission zu Io auf Nummer 1, weit vor jeder Mars- oder Asteroidensonde.

SpaceMech

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #13 am: 22. März 2015, 17:23:20 »
Die aktuelle Runde :

Anscheinend sind in der aktuellen Runde 28 Vorschläge eingegangen; unter anderem:

zum Mond:
NanoSWARM–-Cubesat Discovery mission to study space weathering, lunar magnetism, lunar water and small-scale magnetospheres
MARE (Moon Age and Regolith Explorer)--lunar lander

zu Phobos/Deimos:
PANDORA (Phobos ANd Deimos ORigin Assessment)--JPL Phobos/Deimos mission
PADME--Ames Phobos/Deimos mission
Mars-Moons Exploration, Reconnaissance and Landed Investigation (MERLIN)

zur Venus :
Venus Atmosphere and Surface Explorer--Venus atmospheric mission
RAVEN (Radar At VENus)--Venus radar mission
VERITAS (Venus Emissivity, Radio Science, InSAR Topography and Spectroscopy)--Venus radar mission

zu Io :
Io Volcanic Observer

Telescopes :
Whipple--selected for tech funding in last round
NEOCam--JPL mission selected for tech funding in last round
Kuiper--planetary telescope to be discussed at OPAG

zu Main Belt Asteroids :
Psyche--zum Metall-Asteroiden gleichen Namens
Multiple (9) asteroid mission

zu den Trojaner Asteroiden (auf der Jupiter-Bahn):
Lucy

zu Near Earth Objects :
DARe Dark Asteroid Rendezvous
BASiX (Binary Asteroid in-situ Explorer)

zu Kometen :
CORE-COmet Radar Explorer

zu Enceladus :
Enceladus Life Finder

zu Mars :
Mars Icebreaker Life--Ames mission based on Phoenix lander

Einzelheiten zu diesen Proposals sind nur in Ausnahmefällen verfügbar;
man muss halt im Netz suchen...

   Gruss   HHg
« Letzte Änderung: 22. März 2015, 21:01:31 von SpaceMech »

Online Sensei

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #14 am: 22. März 2015, 17:36:23 »
Und davon wird in dieser Runde nur eine Mission finanziert? Das ist ja dann genug Forschungsarbeit für Jahrzehnte ..  :-[


ps: Interessant. Nur eine Marsmission.
“If the schedule is long, it's wrong; if it's tight, it's right." E.M.

Beiträge in Blaugrün sind Äußerungen in offizieller Funktion als ein Moderator des Forums.

SpaceMech

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #15 am: 22. März 2015, 17:53:22 »
ps: Interessant. Nur eine Marsmission.

Die Mars-Missionen nach Mars Pathfinder, also:
 - Mars Polar Lander
 - Mars Climate Orbiter
 - Mars Odyssey Orbiter
 - Mars 2001 Lander (später PHOENIX)
 - Mars Reconnaissance Orbiter
 - Maven
   sowie die diversen Rover (Opportunity, Spirit, Curiosity) werden in einem eigenen Mars Exploration Programm geführt, nicht als Discovery-Missionen.

   Gruss HHg

Offline Drohne Willi

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #16 am: 22. März 2015, 19:56:33 »
Was ist denn aus SpaceX´s Vorschlag des Red Dragon geworden, das wollten die doch auch über das Discovery Programm finanzieren lassen?

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #17 am: 22. März 2015, 20:16:12 »
Wirklich wissenschaftlich interessant sind in meinen Augen nur drei Missionen (in der dargestellten Reihenfolge):

- Io Volcanic Observer
- Enceladus Life Finder
- Venus Atmosphere and Surface Explorer

Die Venusmission ist auf jeden Fall interessant, allerdings ist unser Wissen über die Venus dank zahlreicher russischer, amerikanischer und europäischer Missionen deutlich höher als von Io oder Enceladus. Gegen die Enceladus-Mission wiederum spricht, das irgendwann nach 2025 eine neue Saturn-Mission geplant ist (Tandem), die sich neben Saturn und Titan vor allem auch auf Enceladus konzentrieren wird (so sie denn durchgeführt wird). Eine weitere billige Enceladus-Mission ist da überflüssig und könnte ehr sogar dazu führen, das man Tandem streicht...

In den nächsten 10 Jahren sind zwar auch 2 weitere Missionen zu Jupiter geplant (JUICE und Europa Clipper), aber diese Missionen konzentrieren sich vor allem auf die Eismonde. Io wird man (wenn überhaupt) nur wenig anfliegen können, um die Strahlungsbelastung gering zu halten und mehr Zeit am eigentlichen Ziel zu haben (schon die Strahlung um Europa ist ziemlich stark). Aus dieser Sicht wäre IVO eine sehr gute Ergänzung zu diesen beiden Missionen. 

Missionen zum Mond, Mars und zu Asteroiden gab es bereits genug. Es lohnt sich nicht, immer wieder das gleiche zu erforschen.

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #18 am: 22. März 2015, 20:24:27 »
Was ist denn aus SpaceX´s Vorschlag des Red Dragon geworden, das wollten die doch auch über das Discovery Programm finanzieren lassen?

Da sich nirgendwo etwas dazu findet, hat Space die Planungen dazu entweder eingestellt oder die NASA hatte kein Interesse daran.

Ich halte das eh für zweifelhaft. Die Mars-Atmosphäre ist vollkommen anders aufgebaut, um eine Dragon sanft auf dem Mars zu landen, müsste das Landesystem komplett umgebaut werden. Zudem dürfte es ein Problem sein, die Instrumente auszuladen. Angesichts dessen, das die NASA mittlerweile mit dem Skycrane und dem Landesystem von Phönex ein weitaus effektiveres Landesystem.

Führerschein

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #19 am: 22. März 2015, 20:57:15 »
Was ist denn aus SpaceX´s Vorschlag des Red Dragon geworden, das wollten die doch auch über das Discovery Programm finanzieren lassen?

Da sich nirgendwo etwas dazu findet, hat Space die Planungen dazu entweder eingestellt oder die NASA hatte kein Interesse daran.

Ich halte das eh für zweifelhaft. Die Mars-Atmosphäre ist vollkommen anders aufgebaut, um eine Dragon sanft auf dem Mars zu landen, müsste das Landesystem komplett umgebaut werden. Zudem dürfte es ein Problem sein, die Instrumente auszuladen. Angesichts dessen, das die NASA mittlerweile mit dem Skycrane und dem Landesystem von Phönex ein weitaus effektiveres Landesystem.

Red Dragon war nie ein SpaceX Projekt. Das Konzept wurde entwickelt von einer NASA Arbeitsgruppe mit Unterstützung durch Daten von SpaceX. Selbstverständlich wurden die neuesten Mars Atmosphären Modelle dabei berücksichtigt. Verwendet wurde dabei im letzten Konzept ein Landeprofil, das dem von Curiosity entspricht. Also zunächst aerodynamischer Abtrieb, um nicht zu schnell wieder aus der Atmosphäre auszutreten. Dann, wenn die Geschwindigkeit weit genug gesunken ist, aerodynamischer Auftrieb, um die Phase der atmosphärischen Bremsung so lang wie möglich zu halten. Dann Landung mit den SuperDraco ohne Fallschirmphase. Red Dragon verdoppelt so das maximal mögliche Landegewicht des Sky Crane Konzeptes in etwa von 1t auf 2t im letzten Modell. NASA hatte erklärt, daß das Konzept mit Fallschirmen bei etwa 1t seine Grenze erreicht und neue Methoden möglich werden.

All das kann Dragon. Im Wesentlichen müßte ein Paket für interplanetare Kommunikation integriert werden.

Das größte Problem ist tatsächlich, wie man eine schwere Nutzlast aus der Kapsel rauskriegt. Dazu hat die erste NASA-Arbeitsgruppe aber schon gesagt, da die Nutzlast nicht auf Druck angewiesen wäre wie Astronauten, kann man leicht die Tür wesentlich größer gestalten. Also auch das ein lösbares Problem.


Offline Drohne Willi

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #20 am: 22. März 2015, 22:32:26 »
Red Dragon war nie ein SpaceX Projekt.

Ach so, das wusste ich nicht, ich dachte das wäre eine Idee von denen um Geld abzugreifen um ihre "Marsfähigkeiten" auszubauen. Daher hatte ich auch die leise Hoffnung die würden das auch ohne Finanzierungszusage der NASA weiterverfolgen. Aber dann ist das Projekt wohl tatsächlich tot:(

Führerschein

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #21 am: 22. März 2015, 22:42:44 »
Red Dragon war nie ein SpaceX Projekt.

Ach so, das wusste ich nicht, ich dachte das wäre eine Idee von denen um Geld abzugreifen um ihre "Marsfähigkeiten" auszubauen. Daher hatte ich auch die leise Hoffnung die würden das auch ohne Finanzierungszusage der NASA weiterverfolgen. Aber dann ist das Projekt wohl tatsächlich tot:(

Noch nicht ganz sicher. Falls sie Lander auf dem Mars für ihre eigenen Pläne brauchen, könnten sie das Konzept herausholen. Es gibt keinen einfacheren Weg, mittlere Nutzlasten auf dem Mars zu landen. Bei der hinreichend genauen Kalkulation der atmosphärischen Gegebenheiten würden sie aber wohl NASA Hilfe brauchen. Aber das wird OT. Ich lasse es dabei.

Offline MR

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #22 am: 23. März 2015, 01:21:23 »
Beim Enceladus Life Finder habe ich massive Zweifel, wie man das Budgetlimit einhalten will. Um in einer einigermaßen vertretbaren Zeit zum Saturn zu kommen, braucht man selbst bei einer recht kleinen Sonde einen starken Träger. Selbst wenn man nicht die stärkste Atlas nimmt, kann man mindestens mit 200 Mio rechnen. Dazu kommen noch mal 100 Mio für einen RTG (ohne dürfte bei Saturn nichts laufen). Damit bleiben für die Entwicklung und Bau der Sonde und aller Instrumente nur 150 Mio Dollar.

Oder sind in der Budgetvorgabe die Startkosten nicht enthalten?

Führerschein

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #23 am: 23. März 2015, 05:50:46 »
Oder sind in der Budgetvorgabe die Startkosten nicht enthalten?

So ist es, Start geht beim Discovery Preis extra. Sonst wäre da wirklich nichts zu machen.

Offline blackman

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Re: Das NASA Discovery Programm
« Antwort #24 am: 23. März 2015, 06:30:01 »
Naja wenn die Falcon Heavy mit ihren 90 Mio auf den Markt kommt dann könnte es ja auch in Budget reingerechnet werden.

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