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Autor Thema: Buch: AMALTHEA  (Gelesen 2635 mal)

Offline Lumpi

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Buch: AMALTHEA
« am: 06. März 2016, 18:45:46 »
Titel: "AMALTHEA"
Autor: Neal Stephenson
Verlag: Manhattan
ISBN: 978-3-442-54762-3
Gebundene Ausgabe, 1055 Seiten, 2015, 1. Auflage
Englischer Originaltitel: "Seveneves"


Image by Weta Workshop, © by Neal Stephenson


Hallo ins Forum,


ich bin gerade dabei mich durch diesen "Wälzer" zu arbeiten, den mir meine Frau vor ein paar Tagen in die Hand gedrückt hat.  ;)

Dieses Buch handelt davon, dass der Mond durch eine Kollision mit einem "Agens" zerstört wird. Die verbliebenen Bruchstücke kollidieren mit der Zeit miteinander und "zerbröseln" immer weiter, so dass die Erde über Jahrtausende einem Meteoritensturm ausgesetzt ist.

Die Erdoberfläche verwandelt sich in eine unbewohnbare Wüstenei. Um die Menschheit vorm Aussterben zu bewahren, wird eine Flotte von Archen ins All geschickt. Der ursprünglich zu Forschungszwecken an die ISS angedockte Asteroid Amalthea soll der Kolonie als Schutzschild dienen.

Das Buch ist in 3 Teile gegliedert. Der erste Teil beschreibt die ersten zwei Jahre nach Zerstörung der Mondes bis zum Einsetzen des "harten Regens". Die Handlung im zweiten Teil spielt dann in den folgenden 5 Jahren. Schließlich gibt es einen Zeitsprung von 5000 Jahren, wo dann der 3. Teil handelt. Hier kehren die Bewohner der Archen auf die Erdoberfläche zurück und treffen dort auf primitive Siedler, die die Katastrophe auf bzw. unter der Erde überlebt haben. Soweit bin ich aber im Stoff noch nicht vorgedrungen...

Im Buch gibt es auch ausführliche, detaillierte technische Beschreibungen zur Funktion der Weltraumtechnik, bspw. beim Bau der Habitate, eine Verbindung von Fiktion und wissenschaftlichen Fakten.

Die Idee zum Buch kam dem Autor Neal Stephenson übrigens um 2006, als er in Teilzeit bei Blue Origin tätig war und sich für das Problem des Weltraummülls in der erdnahen Umlaufbahn zu interessieren begann.

Die ISS, im Buch "IZZY" (1.Umschlagseite):

Image by Weta Workshop, © by Neal Stephenson
Das Bekannte ist endlich, das Unbekannte unendlich.

Offline Jörch

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Re: Buch: AMALTHEA
« Antwort #1 am: 08. März 2016, 18:46:06 »
Das Buch habe ich jetzt gelesen - oder besser: Ich wollte es nicht weglegen, war teuer genug. Der Autor verliert sich auf etwa einem Fünftel der Seiten in wissenschaftlichen (oder vielleicht auch pseudowissenschaftlichen - dazu weiter unten) Erläuterungen über Orbitalmechanik und behält darüber seine Figuren nicht mehr im Auge. Das könnte ich noch akzeptieren, manches ist wirklich gut erklärt.
ABER: Sein Weltbild ist doch reichlich von gestern:
- Noch nach fünftausend Jahren gibt es Börsen, gibt es Kapitalisten, gibt es Manager im Anzug, gibt es eine "BLAUE" und eine "ROTE" Interessenssphäre. Die Blauen sind wohl die guten, die Roten keine Kommunisten, sondern Erben der letzten US-Präsidentin (!!!).
- Er versucht sich zwar mit einigen Äußerungen davon zu distanzieren, aber letztendlich sind seine "Völker", die nach fünftausend Jahren die Erde und ihr Umfeld beherrschen, genetische Stereotypen - und das ist nichts anderes als Rassismus. Eine soziale Entwicklung gibt es im Grunde nicht, alles wie gehabt: Konkurrenz, Soldaten, Kleinkriege...
- Auch die in der unmittelbaren Zukunft spielenden Hauptfiguren verkörpern nichts anderes als nationale/ rassistische Vorurteile des Autors - man achte insbesondere bei der Schilderung der Russen darauf.

Zusammengefasst: Wenn die Zukunft so ist, wie es Stephenson sich vorstellt, wäre es durchaus zu überlegen, ob die Erde nicht doch besser vor die Hunde gegangen - bzw. nicht wieder von Menschen bewohnt worden wäre. Sparen Sie sich das Geld für das Buch!

Offline Lumpi

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Re: Buch: AMALTHEA
« Antwort #2 am: 13. März 2016, 09:46:38 »
Ich habe das Buch jetzt komplett durch!  :)

Sicherlich hätte man, um die Handlung schneller voran zu bringen, ein paar Seiten mit ausführlichen Beschreibungen von Antriebstechniken, Orbitalmechanik, Nats, Ausstattung der Habitate, den Tücken der Raumfahrt im Allgemeinen, einsparen können. Andererseits macht es das für Raumfahrt und Astronomie-Interessierte ja gerade interessant. Auch hätte der Autor das Buch durchaus mit dem Ende des 2. Teils, der Ankunft bei "Kluft", einem großen Brocken vom Kern des auseinandergebrochenen Mondes, enden lassen können. Der 3. Teil, 5000 Jahre in der Zukunft, befasst sich viel mit Genetik und den Früchten des "Terraformings" und mündet schließlich in der Frage nach "Dem Zweck".

@Jörch:
Dem Autor aber Rassismus vorzuwerfen ist absolut absurd!  Er beschreibt lediglich die Merkmale der verschiedenen Ethnien und die Gesellschaftsstrukturen untereinander.

Die US-Präsidentin war übrigens nur eine von drei Urmüttern der "Roten". Diese Gruppe besteht also maximal aus 1/3 von Nachkommen der US-Präsidentin, eher weniger, weil sie ja bei ihrer Ankunft auf "Kluft" schon im fortgeschrittenen Alter war und folglich weniger Nachkommen hervorbrachte als die anderen Urmütter.

Dass es in 5000 Jahren noch Börsen, also Handelsplätze und Manager in Anzügen geben soll, finde ich jetzt keine Katastrophe. Die kriegerischen "Scharmützel" schon eher, aber die gibt es ja schon seit der Menschwerdung. Schön, wenn es die in Zukunft nicht mehr gebe, Stephenson glaubt aber offensichtlich nicht an eine heile Welt, auch nicht in 5000 Jahren...

Wo bitte sind denn die "Russen" am Anfang so schlecht geschildert worden? Das traf doch eher auf die Amerikaner, in Figur der US-Präsidentin, zu. Sie hat schließlich den Kernschlag gegen Venezuela befohlen und sich dann, entgegen aller internationaler Abmachungen, noch auf den Weg in den Weltraum begeben, wo sie beim Leser im Folgenden aber keine Sympathiepunkte einheimsen konnte.

OK, meine Wertung: 4 von 5 Sternen.


Gruß Lumpi



Das Bekannte ist endlich, das Unbekannte unendlich.

Offline wernher66

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Re: Buch: AMALTHEA
« Antwort #3 am: 13. März 2016, 22:27:20 »
Eure Berichte haben mich jetzt so neugierig gemacht, daß ich dieses Buch auf meine Wunschliste gesetzt habe. Dankeschön !
 ;)

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