Navigation

Raumcon-Seiten

Benutzer im Chat: 6

15. November 2019, 08:17:06
Raumcon
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Neuigkeiten: Unser Unterforum für Rezensionen zu Büchern aus der Astronomie und Raumfahrt
   Erweiterte Suche

Autor Thema: Der Kampf mit dem Tau  (Gelesen 3410 mal)

Offline Grassithor

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 100
Der Kampf mit dem Tau
« am: 25. Mai 2016, 17:19:16 »
Hallo,

Ich bin letztens nach einem warmen Tag so ab 22:30 rausgegangen und wollte mir Mars Jupiter und den Vollmond mit verschidenen Farbfiltern ansehen, was auch super funktioniert hat. Allerdings nicht lange.
Ca. nach einer Stunde begann meine gesamte Ausrüstung zu beschlagen, die Farbfilter waren schnell unbrauchbar. Auch die Okulare beschlugen irgendwann und der Tubus von meinem 150/750 Newton Reflektor war pitschnass. Der Fang- und Hauptspiegel waren noch trocken, aber ich hatte dann irgendwann keine Lust mehr.
Jetzt meine Frage:
Wie geht ihr mit dem Tauproblem um? Kann man es irgendwie Verhindern, oder hat man einfach pech gehabt? Ich weiss dass es solche "Tauschutzhülsen" gibt, aber die verhindern ja nicht das beschlagen der Okulare etc.

Ausserdem möchte ich mich in naher zukunft intensiver mit Astrofotographie beschäftigen und dabei die SLR Canon 70d von einem Kumpel verwenden. Die geht doch kaputt bei der feuchtigkeit oder?

Wäre sehr dankbar für Tipps und Ratschläge wie man seine Ausrüstung und Kamera vor dem Tau schützen kann.

Gruß Stefan

Offline Hugo

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2110
Re: Der Kampf mit dem Tau
« Antwort #1 am: 25. Mai 2016, 18:14:03 »
Wasser kondensiert immer, wenn die Luftfeuchtigkeit 100% erreicht an einer bestimmten Stelle.

Wenn Luft abkühlt, steigt die Luftfeuchtigkeit, da kalte Luft weniger Wasser aufnehmen kann als warme.

Kondensation tritt somit dann auf, wenn kalte Gegenstände auf Warme Luft treffen. Als Brillenträger kennt man das, wenn man im Winter von draußen in ein Gebäude kommt. Die Brille ist kalt, die Luft kondensiert sofort.

Und genau das ist bei Dir jetzt passiert. Vermutlich ist die warme Feuchte Luft des Tages nachts so stark abgekühlt, daß die Luftfeuchtigkeit auf 100% gestiegen ist. Dagegen machen kann man leider nichts, außer sich einen besseren Tag aussuchen.

Was natürlich technisch geht, ist wenn Du eine Digitalkamera z.B. in eine Tüte packst. In der Tüte sollte dann trockene Luft sein. Wenn Du jetzt draußen bist, wo Feuchte Luft ist, dann bleibt die Luft in der Tüte ja trocken. Sinkt die Temperatur, steigt innerhalb und außerhalb der Tüte die Luftfeuchtigkeit, aber innerhalb der Tüte bleibt sie unter 100%, da die Luft schon vorher trocken war. Legt man Messgerät für die Luftfeuchtigkeit mit in die Tüte kann man das ganze sogar messen. Man kann sie auch senken, wenn man Wasser absorbierendes Material mit in die Tüte gibt. Salz ist z.B. sehr gut geeignet, während das Salz natürlich absolut nicht mit der Kamera in Berührung kommen darf. Aber Salz in einem Kaffefilter eingeklebt würde gehen.

Offline McPhönix

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2749
Re: Der Kampf mit dem Tau
« Antwort #2 am: 25. Mai 2016, 20:03:24 »
Es genügt ja, ein halbes Grad über dem Taupunkt zu bleiben.
Nur mal so als Idee - Autobatterie + Autoheizlüfter, dann mit Folie eine Art oben offenes Zelt angemessener Größe und Höhe bauen (evtl. 4 Stöcke und außen herum Malerfolie gewickelt) und da hineingeblasen. Während des Fotografierens ausmachen und ein paar Minuten warten sollte auch Hitzeschlieren abklingen lassen. Zwischendurch immer mal nachheizen. Wichtig ist ja nur eine etwas wärmere Luftblase.
Wie gesagt - nur eine Idee. In Automaten wird ja auch eine Lampe oder ein Miniwiderstand betrieben, falls die Elektrik zu wenig Wärme liefert.
Ich habe keine Angst vor Aliens. Solange sie über uns lachen wegen dem kleinkarierten Raketengefummel auf der Erde, tun sie uns nix.

Offline Grassithor

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 100
Re: Der Kampf mit dem Tau
« Antwort #3 am: 25. Mai 2016, 21:19:33 »
Hallo und danke erstmal für die Antworten. Das mit den Ursachen für Tau und der Zusammenhang mit der Lufttemperatur ist mir bekannt, seit ich einen feuchten Keller habe  :-\
Die Lösungsvorschläge klingen dann doch eher danach, als müsste mann für so eine Beobachtungsnacht erheblich mehr Zeit einplanen.
Gibt es da auch Geographische Zusammenhänge? Zb bessere vorraussetzungen in alpiner gegend etc. Im Sommer ist es vor einer potentiellen Beobachtungsnacht ja eigentlich immer warm und dann kalt, also hat man immer das Problem mit der Luftfeuchtigkeit.
Wenn man die Kamera in warmer Umgebung behält und nur für die fotos kurz rausholt, sollte ihr denke ich nichts passieren oder?

Gruß Stefan

Offline Steffen

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 920
Re: Der Kampf mit dem Tau
« Antwort #4 am: 25. Mai 2016, 22:01:39 »
Hallo,

ein einfaches, improvisiertes Zeltdach, ohne jede Heizung, müsste an einem windstillen Tag ausreichen, den Tau aufzufangen und sich darunter befindende Gegenstände zu schützen. Die kondensierende Feuchtigkeit fällt aus der abends und nachts abkühlenden Luft einfach nach unten und benetzt alles was gerade da ist. Die Folge ist ein nasser Rasen, Tropfen auf dem Autodach und eben auch Feuchtigkeit auf dem Tubus und dem nach oben zeigenden Okular. Spiegel und Fangspiegel wurden vom Tubus geschützt und sind darum trocken geblieben.

viele Grüße
Steffen

Offline -eumel-

  • Raumcon Moderator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 13961
Re: Der Kampf mit dem Tau
« Antwort #5 am: 25. Mai 2016, 23:15:34 »
Gibt es da auch Geographische Zusammenhänge? Zb bessere vorraussetzungen in alpiner gegend etc. Im Sommer ist es vor einer potentiellen Beobachtungsnacht ja eigentlich immer warm und dann kalt, also hat man immer das Problem mit der Luftfeuchtigkeit.

Na klar, deshalb hat die Europäische Südsternwarte ESO ihre Teleskope auf dem Berg Paranal (2600 m) in der chilenischen Atacama-Wüste aufgebaut.
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 29. November 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Tags: