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Autor Thema: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck  (Gelesen 5548 mal)

Offline Martin Walter

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Re: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck
« Antwort #25 am: 09. März 2017, 18:06:08 »
Danke Robert! Ich hatte mir auch schon überlegt, ob Person A kurzzeitig das Loch verstopft. Auch wenn das ziemlich morbid ist, erscheint es mir als eine adäquate Lösung. Mal sehen, wie ich das umsetze.
Und danke Philip für den Link. Sehr interessant, auch wenn daraus leider nicht hervorgeht, wie groß der Schaden an der Mir bzw. dem Spektr-Modul war. Da werde ich nochmal ein wenig recherchieren.
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Offline Martin Walter

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Re: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck
« Antwort #26 am: 21. März 2017, 15:55:34 »
Ich bin nun mit der Rohfassung der Szene fertig und wollte sie euch gerne mal vorstellen. Mir ist bewusst, dass ihr keine Literaturkritiker seid, würde mich aber sehr über Kritik vor allem im Hinblick auf den Realismusgrad freuen.  :)

Er zieht Liliam noch näher an sich heran, schließt seine Augen und will gerade seine Lippen auf die ihren pressen, als ein heftiger Knall durch die Kabine sowie Mark und Knochen dringt und die beiden beim Austausch amouröser Zärtlichkeiten unterbricht.
"Was ist hier los?", kreischt Liliam mit weit aufgerissenen Augen, während ein gewaltiges Beben die Raumstation erschüttert. Das Licht flackert; erlischt dann vollends. Dunkelheit. Dann schaltet sich die Notstromversorgung und mit ihr die rote Notfallbeleuchtung ein.
"Alarm! Beschädigung der Station. Ziehen Sie umgehend die Notfallraumanzüge an!", schallt es durch die Lautsprecher, gefolgt von einem schrillen Warnsignal. Immer noch perplex stehen Liliam und Neto Arm in Arm in dessen Suite. Schließlich kann er sich aus dem Schockzustand lösen. Er rennt zu seinem Kleiderschrank und wühlt darin herum. "Wo sind die verdammten Anzüge?" Er kramt weiter, bis sie ihm entgegenfallen. "Gott sei Dank gibt es in jedem Zimmer zwei von den Dingern." Er wirft Liliam einen zu und schält sich selbst schnellstmöglich in den anderen.
Seine Beine und Arme hat er bereits in den Anzug gezwängt, als er sieht, dass Liliam Probleme beim Anziehen hat. Er stülpt sich den Helm über und will ihr zur Hilfe eilen, doch eine neuerliche Erschütterung reißt ihn und Liliam zu Boden. Etwas hat ein knapp einen halben Meter durchmessendes Loch in die Außenwand geschlagen. Kleinteile fliegen um sie herum und werden kurz darauf durch den Riss gesaugt. Das ohrenbetäubende Rauschen des nach außen gerichteten Luftstroms erfüllt das Zimmer. Geistesgegenwärtig hält sich Neto mit der rechten Hand an der Klinke des Kleiderschranks fest, während er mit der rechten Liliams Hand ergreift. Im Gegensatz zu ihm, hat sie es nicht geschafft, komplett in den Raumanzug zu schlüpfen. Wie eine Fahne im Wind hängen die beiden in der Luft, während der durch den Unterdruck verursachte Sog unablässig an ihnen zieht. "Halt dich fest! Bloß nicht loslassen!", schreit er durch seinen Helm hindurch auf sie ein.
Unbändige Schmerzen durchziehen Netos Arme. Doch schlimmer als dieses Leid erscheint ihm, was er nun bemerkt: Liliams Finger lösen sich langsam Glied um Glied von seinen. "Festhalten!", brüllt er noch einmal voller Inbrunst. "Ich... Ich kann nicht mehr...", wimmert Liliam mit tränenverquollenem Gesicht. Doch rührt ihre Aufgedunsenheit nicht allein daher. Der Unterdruck macht sich an ihrem bis vor kurzem so wunderschönen Gesicht zu schaffen. Äderchen platzen. Die Luft im Raum geht langsam zuneige und Liliams Haut verfärbt sich zunehmend ins Bläuliche.
Dann verliert sie vollends den Halt. Neto möchte nachgreifen, doch erwischt er sie nicht. Die Barkeeperin der Avalon wird von dem Sog erfasst und schleudert gegen die Wand. Bereits beim Aufprall muss sie sich etliche Knochen gebrochen haben. Doch als wäre dies nicht bereits grauenvoll genug, bietet sich Neto nun ein noch abscheulicheres Bild, sodass er sofort seinen Blick abwenden muss. Liliams Körper blockiert das Loch, jedoch nur kurzzeitig. Dann deformiert sich ihr Leib auf grässlichste Weise und wird schließlich in die erbarmungslose Kälte des Alls hinausgezogen. Auch Neto kann sich nun nicht mehr länger halten. Schnell versucht er eine gestreckte, senkrechte Position einzunehmen und wie ein Turmspringer in Figur einer Kerze das Leck zu durchstoßen, um nirgends dagegen zu prallen.
Es gelingt ihm. Als Neto seine Augen öffnet, befindet er sich in der schwarzen Leere des Weltraums.
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Offline Lumpi

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Re: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck
« Antwort #27 am: 21. März 2017, 17:26:07 »
Was mir komisch vorkommt ist, dass einem in der Schwerelosigkeit etwas (hier ein Raumanzug) entgegenfallen kann. OK, vielleicht verfügt das Raumschiff der Zukunft ja über eine ordentliche künstliche Schwerkraft.  In dem Satz "Die Luft im Raum geht langsam zuneige" stört mich das Wort langsam. Gar keine Beachtung findet zudem der Aspekt, dass man bei einem halben Meter großen Loch in der Außenwand plötzlich nicht nur dem Vakuum, sondern auch den extremen Temperaturen im Weltraum ausgesetzt wäre.

Das Bekannte ist endlich, das Unbekannte unendlich.

Offline Doc Hoschi

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Re: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck
« Antwort #28 am: 21. März 2017, 17:30:00 »
Hallo Martin,
hier mal mein persönliches kritisches Feedback:

Das ohrenbetäubende Rauschen des nach außen gerichteten Luftstroms erfüllt das Zimmer.
Ich habe meine Zweifel ob das so ohrenbetäubend ist, siehe nachfolgender Grund

Wie eine Fahne im Wind hängen die beiden in der Luft, während der durch den Unterdruck verursachte Sog unablässig an ihnen zieht.
Dass ein Mensch abhebt bzw. wie eine Fahne im Wind baumelt, bedarf es schon extremer Windstärken (deutlich >140 km/h Windgeschwindigkeit (je nach Körpergewicht und Profil)). Überlege bitte mal wieviel Luftmasse eine Person dann pro Sekunde umströmt.
Wenn die Luft des Raums mit den Protagonisten mit dem Tempo von a nach b strömen würde, wäre innerhalb einer Sekunde alles vorbei. Mit anderen Worten: Woher soll die Luftmasse und die Strömung kommen, wenn der Vorgang des Luftentweichens so lange wie in der Erzählung dauert (die beiden Personen sollen ja sogar noch genug Zeit haben, um zu baumeln und sich dramatisch aneinander quälende Sekunden lang festzuhalten)?
In der Zeit ist die Luft in einem solchen Raum (mit einem Loch in erwähnter Größe) zwar sicherlich "spürbar" in Bewegung, aber eben kaum in Orkanstärke.
Es ist nun einmal in Filmen und Geschichten viel dramatischer, wenn die Leute in der Luftströmung horizontal hängen, aber dazu braucht es schon rießige Luftmengen, die extrem schnell strömen. Alien 2 war da denke ich von den dafür notwendigen Bedingungen her realistischer dran (ein Riesenhangar (also viel Luftmasse), eine meterweit offene Luftschleuse (also viel Sog) und Ripley klammert sich direkt davor im Luftstrom). 

...in die erbarmungslose Kälte des Alls hinausgezogen.
Ds klingt zwar schön gruselig, aber der Weltraum ist nicht kalt. Nur die Gegenstände darin werden ohne ständigen Energienachschub sehr kalt, weil sie permanent Energie abstrahlen.
Douglas Adams: "In an infinite universe, the one thing sentient life cannot afford to have is a sense of proportion."

Offline rok

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Re: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck
« Antwort #29 am: 21. März 2017, 18:41:16 »
Moin Martin,

mal so aus eigenen Erfahrungen. Du bist in dem Moment einfach in einer Paniksituation. Dann schaust du nicht in das Gesicht eines Menschen und denkst in diesem Moment nicht darüber nach, da geht es nur noch um dich. Du krallst dich verzweifelt an irgendwas fest und hast definitiv keinen Gedanken dafür, die Haltung eines "Turmspringers" einzunehmen, sondern schaust nur noch auf deine Finger, die dich nicht mehr halten können. (Dafür gibts kein Smiley)

Und dann musst du sehen, wie du den Charakter deines Helden anlegst, scheckt er (nach dem Rausflutschen) zunächst seinen Anzug auf Dichtigkeit, Kommunikation, Energiereserven oder trudelt er hilflos in der Gegend rum und stirbt letztendlich an der Unfähigkeit mit der Situation adäquat und effektiv umzugehen. ;)

Robert

Offline Martin Walter

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Re: "Luftabsaugen" in einer Raumstation durch ein Leck
« Antwort #30 am: 22. März 2017, 21:59:13 »
Vielen Dank für eure Kritik und Hinweise! Ich versuche, sie bestmöglich umzusetzen.

@Lumpi: Ja, eine künstliche Gravitation an Bord der Raumstation soll durch Rotation erzeugt werden.
@rok: Danke, dass du darauf hinweist. Ja, viel wird einem in so einer Notsituation wirklich nicht durch den Kopf gehen, außer: Wie überlebe ich den Scheiß?  :o
 
Andererseits muss man auch einen Kompromiss finden. Ich versuche zwar möglichst realistische Hard Science-Fiction zu schreiben, dennoch denke ich, kommt man um einige Vereinfachungen aber auch Dramatisierungen nicht herum, um die Leser bei der Stange zu halten  ;)
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