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Autor Thema: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?  (Gelesen 2512 mal)

Online Terminus

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Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« am: 18. November 2017, 22:30:06 »
Eigentlich stellen wir uns ja vor, dass aus einer sogenannten "Staubscheibe" unter günstigen Bedingungen ein Sonnensystem mit einem Stern in der Mitte und ihn umrundende Planeten entsteht.

Die Größe des Sterns in der Mitte variiert. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Braunen Zwerge, also kleine Sterne mit nur schwacher Strahlung nicht nur häufig, sondern sogar die Regel.

Ist eigentlich auch der Fall denkbar, dass der sich im Zentrum bildende Körper so klein ausfällt, dass er überhaupt nicht zündet? Mit anderen Worten: Im Zentrum solcher Planetensysteme würde eine erkundende Raumsonde keinen Stern vorfinden, sondern wiederum auch nur einen Planeten (bzw. einen nichtstrahlenden Körper von Planetengröße)?

Solche dunklen Welteninseln zwischen den funkelnden Sternen wären für uns ja komplett unsichtbar. Wie häufig könnten solche Systeme wohl sein?

Offline Doc Hoschi

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #1 am: 18. November 2017, 23:34:51 »
Darf man einen Braunen Zwerg überhaupt Stern nennen? Die gehören doch trotz eigenem Fusionsprozess (aber eben nicht Wasserstoff) zur Grauzone zwischen größtem Gasriesen und kleinstem Stern.

Ich denke was du meinst sind Braune Zwerge planetarer Masse, also Gasriesen, die sich durch Kontraktion einer stellaren Gaswolke entwickelt haben, dabei aber unter der Masse eines Braunen Zwergs blieben und somit nicht zünden konnten.

Zitat
Da diese Objekte keine Sterne und auch keinen Sternsystemen zugeordnet sind, werden sie von manchen Astronomen als „vagabundierende Planeten“ angesehen, während andere die Bezeichnung Planet für diese Objekte ablehnen, da sie nicht im Orbit eines Sternsystems entstanden und aus diesem ausgebrochen sind.
Quelle: Wiki

Glaube nicht dass so ein Objekt genügend Schwerkraft erzeugen kann, um wiederum andere Planeten in einem Orbit zu halten und wenn ja, dann wären das doch eigentlich Monde, oder?
Douglas Adams: "In an infinite universe, the one thing sentient life cannot afford to have is a sense of proportion."

Offline Prodatron

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #2 am: 19. November 2017, 01:42:22 »
Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Braunen Zwerge, also kleine Sterne mit nur schwacher Strahlung nicht nur häufig, sondern sogar die Regel.
Gibt es hierzu schon Nachweise/Theorien oder verwechselst Du das gerade mit roten Zwergen, welche ja tatsächlich die häufigsten Sterne darstellen?

Ist eigentlich auch der Fall denkbar, dass der sich im Zentrum bildende Körper so klein ausfällt, dass er überhaupt nicht zündet? Mit anderen Worten: Im Zentrum solcher Planetensysteme würde eine erkundende Raumsonde keinen Stern vorfinden, sondern wiederum auch nur einen Planeten (bzw. einen nichtstrahlenden Körper von Planetengröße)?
Das sind dann ja quasi die sogenannten isolierten Braunen Zwerge, oder? Sowas gibt es ja.
Interessant hierbei ist, wie sich dann die Mini-Staubscheibe um solche Zentralkörper verhält. Bei einer Zündung des Zentralsterns wird ja viel verbleibendes Scheibenmaterial ins interstellare Medium weggeblasen, was bis dahin nicht großartig verklumpt ist. Ein solches Ereignis sollte auch die Migration von Orbitern stoppen, die ansonsten durch die Bremswirkung immer weiter nach innen wandern müßten.
Ein Brauner Zwerg zündet aber derartig nicht und bläst daher auch nichts um sich herum weg. Daher müßte der Mechanismus in der umgebenden Staubscheibe anders ablaufen:
Wird es dann weniger (weil alle durch den bremsenden Staub nach innen wandern und in den Zentralkörper klatschen) oder sogar mehr Orbiter (weil das Material nicht weggeblasen wird) geben im Vergleich zu einem Sternensystem?

Offline AndiJe

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #3 am: 19. November 2017, 07:26:16 »
In einer nicht nur aus Wasserstoff, sondern schon gut mit anderen chemischen Elementen durchmischten Wolke könnten sich willkürlich Asteroiden bilden, die irgendwann kollidieren und größere Objekte bilden, ist alles nur eine Frage der Zeit. Die Wolke dürfte sich nicht zu drehen beginnen, da sich dann im Zentrum ein Stern bildet. Da sich in unserer Nachbarschaft relativ viele kleinere Sonnen befinden, dürfte sich sehr unwahrscheinlich sein, daß so ein Nebel lange statisch sein kann.
Der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben, daher geht's ab sofort in die Krabbelstube!

Offline SFF-TWRiker

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #4 am: 19. November 2017, 08:01:46 »
9 der 12 nächsten Nachbarn unserer Sonne sind rote Zwergsterne und mindestens 2, Proxima Centauri und Ross 128 haben mindestens je 1 Steinplaneten in etwa in Erdgröße und im Abstand von ca 0,05 AU mit einem Orbit von ca 10 Tagen. Braune Zwergsterne und Super-Jupiter gibt es auch viele. Wenn man bedenkt, wie groß die Abstände der äußersten Jupitermonde von Jupiter sind, dann sollte es nicht außergewöhlich sein, wenn da was in ein paar Dutzend Mio km um solche planetary Mass Objecte gravitativ gebunden ist. Sie zu detektieren ist aber selbst in relativer Nähe zu unserem Planetnsystem schwierig.
So verschieden bis "individuell" wie die bisherigen Planetensysteme sind, und das mit den bisher noch ziemlich begrenzten Möglichkeiten, sollte einen bei neuen Entdeckungen fast nichts mehr völlig überraschen.
Seit Apollo und Star Trek Classic Astronomie, Raumfahrt und SciFi-Fan.

TWR genügt als Anrede

Offline rok

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #5 am: 19. November 2017, 16:24:58 »
Auch ein Planetensystem ganz ohne Zentralstern ist möglich (Klemperer-Rosette):

https://en.wikipedia.org/wiki/Klemperer_rosette

Allerdings wird sich sowas nicht "natürlich" bilden und es ist außerdem hochgradig instabil, da bereits eine geringe externe Bahnstörung zur Veränderung der Gravitationsverhältnisse und damit der Abstände der Planeten führt. Relativ stabil ist dabei ein hexagonales System, da die einzelnen Planeten sich auf den Lagrange-Punkten 4 und 5 der jeweiligen Nachbarn befinden.

Robert

Offline Sensei

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #6 am: 19. November 2017, 23:28:25 »
In einer nicht nur aus Wasserstoff, sondern schon gut mit anderen chemischen Elementen durchmischten Wolke könnten sich willkürlich Asteroiden bilden, die irgendwann kollidieren und größere Objekte bilden, ist alles nur eine Frage der Zeit. Die Wolke dürfte sich nicht zu drehen beginnen, da sich dann im Zentrum ein Stern bildet. Da sich in unserer Nachbarschaft relativ viele kleinere Sonnen befinden, dürfte sich sehr unwahrscheinlich sein, daß so ein Nebel lange statisch sein kann.

Nein, da dürfte die Dichte des Staubes nicht reichen. In einer planetaren Scheibe hat sich im Vergleich zur Ursprungswolke die Dichte des Staubes WESENTLICH erhöht.

Offline Pham

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Re: Planetensysteme ohne Stern - denkbar?
« Antwort #7 am: 22. November 2017, 17:51:37 »
Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Braunen Zwerge, also kleine Sterne mit nur schwacher Strahlung nicht nur häufig, sondern sogar die Regel.
Gibt es hierzu schon Nachweise/Theorien oder verwechselst Du das gerade mit roten Zwergen, welche ja tatsächlich die häufigsten Sterne darstellen?

Ist eigentlich auch der Fall denkbar, dass der sich im Zentrum bildende Körper so klein ausfällt, dass er überhaupt nicht zündet? Mit anderen Worten: Im Zentrum solcher Planetensysteme würde eine erkundende Raumsonde keinen Stern vorfinden, sondern wiederum auch nur einen Planeten (bzw. einen nichtstrahlenden Körper von Planetengröße)?
Das sind dann ja quasi die sogenannten isolierten Braunen Zwerge, oder? Sowas gibt es ja.
Interessant hierbei ist, wie sich dann die Mini-Staubscheibe um solche Zentralkörper verhält. Bei einer Zündung des Zentralsterns wird ja viel verbleibendes Scheibenmaterial ins interstellare Medium weggeblasen, was bis dahin nicht großartig verklumpt ist. Ein solches Ereignis sollte auch die Migration von Orbitern stoppen, die ansonsten durch die Bremswirkung immer weiter nach innen wandern müßten.
Ein Brauner Zwerg zündet aber derartig nicht und bläst daher auch nichts um sich herum weg. Daher müßte der Mechanismus in der umgebenden Staubscheibe anders ablaufen:
Wird es dann weniger (weil alle durch den bremsenden Staub nach innen wandern und in den Zentralkörper klatschen) oder sogar mehr Orbiter (weil das Material nicht weggeblasen wird) geben im Vergleich zu einem Sternensystem?
Vermutlich eher sogar mehr. Als Beispiel nehme ich die Systeme unserer gasriesen, welche deutlich mehr Monde haben, als unsere Sonne Planeten, auch wenn ich mal annehme, dass es zu beginn mehr Planeten gab, von denen einige in der turbulenten Anfangsphase des Sonnensystems weg geschleudert wurden.

Grundsätzlich nehme ich an, dass solche Systeme sogar deutlich häufiger vorkommen als die von "gezündeten Sternen". Man beobachtet, dass Sterne umso häufiger werden, je weniger Masse sie haben. So ist der überwiegende Teil der Sterne unserer Galaxie rote Zwerge. Weshalb sollte diese Zunahme in der Häufigkeit irgend wann abbrechen? Das einzige beschränkende Element das ich mir vorstellen kann, ist der notwendige Mindestmasse einer protostellaren Wolke, unterhalb derer sie nicht mehr aufgrund der Eigengravitation nicht mehr kollabiert.
Müssten wir allein dem gesunden Menschenverstand vertrauen, so wäre die Welt noch immer eine Scheibe.

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