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  • Sojus-FG (Nr.740), Sojus MS-10, Baikonur 1/5, 10:40MESZ: 11. Oktober 2018

Autor Thema: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG  (Gelesen 58266 mal)

Offline errsu

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #500 am: 03. November 2018, 22:35:55 »
Noch Mal zur eigentlichen Ursache:

Es soll ja durch (massiven) Einsatz eines falschen Werkzeugs ein nicht all zu dünner Sensorstifft aus Stahl verbogen sein.

So weit ich weiß wird aber gerade die Montage von Raketen akribisch überwacht. Jeder Montageschritt steht incl Werkzeug und Handgriffe auf einer Checkliste. Außerdem wird man ja wohl immer im Team arbeiten und zumindest bei wichtigen Schritten wird einer davon für die Überwachung und Dokumentation zuständig sein.

Stimmt das so?
Wird das in Russland auch so gehandhabt?

In der Pressekonferenz sagte der Mann von der Start-Firma in Baikonur, dass sie die Videoaufzeichnung ausweiten wollen und die Booster-Montage aus zusätzlichen Kamerawinkeln aufnehmen. Es gab also scheinbar Kontrollprozesse, aber mit Aufzeichnungslücken. Mich würde mal interessieren, ob die Videos nach der Montage zwecks Kontrolle durchgeschaut werden, oder nur zu Beweiszwecken (wenns zu spät ist). Es wurden ja schon öfters Videos von der Montage gezeigt, anstelle von Typen mit Checklisten sah ich eher herumstehende gelangweilte Drittpersonen, die aussahen wie die typischen Kumpels und Verwandten, die auch mal dabei sein wollten (Sorry, das war jetzt vielleicht ein bisschen unfair). Ich kann mir auch vorstellen (rein spekulativ), der tonnenschwere Booster hängt am Kran, die rote Schutzklappe wird von der Kugel genommen, ein kleiner Schwenk, ein kurzer Ditsch, Sensor krumm, keiner merkts. Also im Sinne das es keine Hemdsärmligkeit war (wird schon kein Problem sein) sondern ein unzuverlässiger Prozess. Leider wurde auf der Pressekonferenz sehr viel über den Flug und die Absturzursache gesagt, aber wenig über das eigentliche Problem bei der Montage. Was auch niemand thematisiert hat: ob es verallgemeinerungsfähige Schlussfolgerungen aus der Havarie gibt, d.h. ob man nicht den ganzen Montageprozess auf ähnliche Lücken durchforsten müsste. Alle waren nur auf den einen Sensor fixiert. Das würde mir als Ingenieur Sorgen machen, denn trotz allem ist das System komplex und beim nächsten mal ist es eine andere Kleinigkeit, wenn der Prozess nicht stimmt.

/errsu

Online F-D-R

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #501 am: 04. November 2018, 12:16:33 »
Ich kann mir gut vorstellen, das man versucht alles lückenlos aufzuklären. Aber intern.
Dabei gehe ich davon aus, dass in alle Richtungen ermittelt wird.
Schlamperei, Zufall, Unglückliche Umstände, Sabotage etc.
Speziell um letzteres auszuschließen (und das ist sehr wichtig), werden da Organe am Werk sein, die wir hier (natürlich) nicht benannt bekommen werden.

Ich glaube, dass hier nichts mehr für die Öffentlichkeit kommt und man die Ergebnisse in Form einer eventuell veränderten Montagetechnologie etc. merken wird.

Online Progress100

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #502 am: 04. November 2018, 13:00:49 »
Ich denke auch, dass die Pressekonferenz eine Art Schlusstrich war.
Man weiss nicht, wer der Schuldige ist oder will es nicht öffentlich breittreten.
Neue Erkenntnisse wird es für uns nicht geben.
Bleibt die Hoffnung, dass man aus dem Fehler lernen kann.
Schade, dass eine jahrzehntelange Serie von fehlerfreien Starts in der russischen bemannten Raumfahrt unterbrochen wurde.

Offline rok

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #503 am: 04. November 2018, 14:51:36 »
Mal aus einer etwas anderen Perspektive:
Jedes Jahr werden Millionen Pkw in die Werkstatt zurück gerufen, weil wegen eines Defektes, einer falschen Montage, Materialmängeln u.ä. mehrere Unfälle passiert sind. Die Fahrer sind davon direkt und persönlich betroffen, ich habe aber noch nie gehört, dass deswegen die Videodokumentation der einzelnen Montageschritte veröffentlicht werden soll, um den Leuten Ängste zu nehmen oder warum auch immer.

Ich gehe davon aus, dass das Qualitätsmanagement seine Schlüsse aus dem Vorgang gezogen hat und daher dieser Fehler bzw. diese Fehlerursache nicht mehr auftreten wird.

Offline Sensei

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #504 am: 04. November 2018, 15:26:08 »
Das fordert hier aber wohl auch niemand. Namensnennung oder Videobeweise sind hier nicht wichtig.

Aber es ist wichtig dass nicht nur der direkte 'verursacher' zur Rechenschaft gezogen wird sondern dass zuständige QM streng mit analysiert wird..
Und da wären Aussagen, das sie genau dies machen, schon vertrauensbildend.

Offline HausD

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #505 am: 04. November 2018, 16:03:55 »
Ursache ist genannt und man handelt ...

Die Sensoren, die den Befehl zur Trennung geben, werden an allen Seitenblöcken der Sojus-FG-Rakete ausgetauscht, die am 16. November mit dem Progress MC-10-Frachtschiff vom Kosmodrom Baikonur starten soll. (so schreibt es RIA Novosti mit Bezug auf Quellen aus der Industrie)

Von "Progress" Samara fuhr ein Team nach Baikonur, das am 5. November den Abbau der Sensoren vornimmt  und werksneue Sensoren installiert.

Dazu wurden in Baikonur vier Blöcke der ersten Stufe von der zweiten Stufe der Sojus-FG-Rakete wieder abgebaut.
Die Demontage wurde durchgeführt, um sicherzustellen ob die Rakete fehlerfrei montiert wurde.
Es stellte sich dabei heraus, dass es keine Beanstandungen der Sensoren an der installierten Rakete gab.

Um die Zuverlässigkeit zu erhöhen, wurde jedoch entschieden, dass die Sensoren durch neue ersetzt werden.

Der Start der Sojus-FG mit Progress MS-10 ist für den 16. November um 21.14 Uhr (MSK) geplant.

Gruß, HausD

Offline wulfenx

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #506 am: 04. November 2018, 18:18:13 »
Toll, Danke für Deine Informationen.
Besonders interessant, daß man die Sensoren ausgebaut hat, und diese in Ordnung waren.

Offline Sensei

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #507 am: 04. November 2018, 21:41:45 »
Das Problem waren doch nicht ursächlich die Sensoren.

Das Problem war wohl ein Arbeiter der das falsche Werkzeug nahm um die Sensorstifte zu installieren. Und das dieser Fehler nicht aufgefallen ist.

Solche Fehler können prinzipiell heute bei diesem Sensor passieren und 'morgen' bei einem anderen Montageschritt.

^das ist als hätte man nach dem Amos-6 Unfall nur den Schluss gezogen jetzt einfach alle streben des Zulieferers prüfen. Und würde nicht auch generell das QM von Teilen von Zulieferern überprüfen...

Disclaimer:
Ja ich halte die russische Raumfahrt an sich trotzdem weiterhin für relativ sicher.
Ja, ich kann mir durchaus denken, dass hier auch das QM gecheckt wurde. (Aber wissen tun wir es nicht)

Offline Hugo

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #508 am: 04. November 2018, 21:59:35 »
Bleibt die Hoffnung, dass man aus dem Fehler lernen kann.
Schade, dass eine jahrzehntelange Serie von fehlerfreien Starts in der russischen bemannten Raumfahrt unterbrochen wurde.
Ich glaube, man wird ganz sicher lernen. Auch finde ich es nicht schade, daß es passiert ist, sondern ich finde es gut, daß dabei kein Mensch zu Schaden kam. Zum einen zeigt es, daß die Rettungsraketen funktionieren, zum anderen dürfte es jede Idee, auf die Rettungsraketen zu verzichten, da ja eh nichts passiert, im Keim ersticken.

Offline jakda

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #509 am: 05. November 2018, 07:32:22 »
Hallo Hugo,
das ist zwar etwas frevelhaft, aber ich gebe dir prinzipiell recht. Den Zeitpunkt hätte man nicht besser wählen können (will auf keinen Fall behaupten, dass das je gewollt wäre).
Es stehen neue bemannte System in den USA kurz vor dem Start - da sollten die Systeme für die Sicherheit eine maximale Rolle spielen, in jeder Phase des Fluges...
Und - wer hat Schuld? - Russland

Offline HausD

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #510 am: 23. November 2018, 08:48:43 »
Bioprinter und "Landung"

RIAN hat Informationen zum "gelandeten" Bioprinter und hat auch Fotos davon, die jedoch nicht mit veröffentlicht wurden:

Er überlebte den Absturz während des Unfalls der Sojus-FG im Orbitalteil des Sojus MS-10, aus einer Höhe von 60 Kilometern.

"Anfangs berichteten die Medien, dass das Orbitalteil des Sojus MS-10 in der Atmosphäre verbrannt wäre. Dann gab es die Information, dass der Bioprinter ("Organaut") nach dem Sturz vollständig zerstört worden sei.
Der Organaut hat jedoch (teilweise) überlebt, die Kameras und das Gehäuse sind gebrochen, aber er funktioniert noch"
, so RIA Novosti.
-> (s. auch hier und hier einschließlich diesem Zitat daraus: Firma «Invitro»(ru.:«???????») !!!)

Der Pressedienst der Firma Invitro, die im 3D Bioprinting Solutions-Labor die Schaffung eines Bioprinters finanzierte, stellte fest, dass der "Organaut" bei dem Absturz eine Überlastung von mehr als 100 g standhielt. Nach dem Aufprall auf dem Boden überlebte eine Küvette mit Biomaterial. Die Fotos zeigen auch die eingravierten Namen der Teammitglieder, die am Gerät mitgearbeitet haben.

Gruß, HausD

An die Redaktion:
«Invitro»(ru.:«???????») !!!   - so ist keine Originalsuche mehr möglich - Bitte um (Rück-)Verbesserung

Offline HausD

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Re: Sojus MS-10 - (Nr.740) - Sojus-FG
« Antwort #511 am: 05. Dezember 2018, 18:52:54 »
Sojus MS-10 - Sojus MS-12

Im Thread Sojus MS-12 habe ich eine Reihe von Beiträgen gefunden, in denen über Sojus MS-10 diskutiert wird.
Das wichtigste dazu

Was war überhaupt die Gipfelhöhe von Sojus MS-10? Ist das jetzt Nick Hague 1. oder 2. Flug in den Weltraum?
Antwort:

Wenn ich es richtig verstehe 93 km.
https://www.raumfahrtkalender.de/raumfahrtchronik/2018/oktober/
1. Flug
https://de.wikipedia.org/wiki/Tyler_N._Hague
Antwort (... und Zitat von anik (NK und NSF Admin) :
Die Frage zur Gipfelhöhe:  90,3 km
"I was told today that Soyuz MS-10 maximum altitude was 90.3 km, not 93 km, as per last data from Russian specialists."
https://forum.nasaspaceflight.com/index.php?topic=46546.msg1884159#msg1884159

Fazit:
 Sojus MS-10       Gipfelhöhe:  90,3 km     

Gruß, HausD

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