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Autor Thema: Ginge Terraforming auf der Venus?  (Gelesen 6189 mal)

Offline MHN

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Ginge Terraforming auf der Venus?
« am: 09. September 2018, 21:04:44 »
Ich habe mal die Suchfunktion benutzt, aber außer dem Thread "Terraforming (Mars)" keinen passenden Thread zum Thema Terraforming Venus gefunden.
Daher mache ich den mal auf, da ich zu dem auch ein paar Fragen habe.

Die entsprechenden Wikipedia Artikel habe ich dazu schon gelesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Venuskolonisation#Terraforming_der_Venus
https://de.wikipedia.org/wiki/Terraforming#Venus
https://en.wikipedia.org/wiki/Terraforming_of_Venus

Mal angenommen, es gelänge uns in ferner Zukunft die Dichte der Venusatmosphäre auf 1 bar Druck durch Entfernung eines großen Anteils des CO2 zu reduzieren und die Zusammensetzung der Luft in der Atmosphäre durch weitere Schritte, wie z.B. Entfernung des Kohlenstoffanteils aus dem CO2, auf erdähnliche  Verhältnisse zu verändern.
Ebenso würden wir einen Teil des Sauerstoffs im Kohlendioxid aus dem CO2 trennen und mit Wasserstoff von den äußeren Gasplaneten zu Wasser umwandeln, so dass auf der Venus auch ein oder mehrere Ozeane entstehen können.
Wieviel Masse an CO2 und C müsste man dann der Venusatmosphäre entziehen?

Mich interessiert die Masse deswegen, weil in einem weiteren oder nahezu gleichzeitig stattfindenen Schritt in einer Umlaufbahn um die Venus aus dem entfernten Kohlenstoff ein künstlicher Mond gebaut werden sollte, der die Venus dann umkreist. Und hier würde mich interessieren, welche Masse der dann ungefähr haben würde und ob man mit diesem die Venus in Eigenrotation versetzen und auf der Venus ein Magnetfeld aufbauen könnte.
Die Eigenroration soll dazu dienen, dass der Tag auf der Venus nicht mehr so lange dauert.
In welcher Geschwindigkeit und in welcher Höhe müsste dazu der künstliche Mond die Venus umkreisen?

Und dann noch eine weitere Frage. Die Venus ist ja deutlich näher an der Sonne als die Erde. Würde es aus biologischen Gesichtspunkten Sinn machen, den Druck der Atmosphäre nicht auf nur 1 bar, sondern bspw. auf noch von Memschen verträgliche 1,2 bar zu reduzieren, damit die Atmosphäre etwas dichter ist und der Mensch auf der Oberfläche dann vor der Sonne etwas besser geschützt wäre?

EDIT:
Der in der Atmosphäre enthaltene Schwefel müssten wir noch im Gestein irgendwie binden.

Offline Klakow

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #1 am: 09. September 2018, 23:00:27 »
Gesetzt den Fall man hätte die Kernfusion im Griff gäbe es zwar Möglichkeiten sowas zu machen, aber der Planet ist wirklich ein Höllenplanet da wäre selbst Pluto freundlicher.
Da er wohl ziemlich alles an Wasser verloren hat das er vielleicht mal hatte wäre er ein ziemlich unfreundlicher Ort und dann die Umlaufzeit, brrrr da schüttelt es mich.

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #2 am: 09. September 2018, 23:22:47 »
Gesetzt den Fall man hätte die Kernfusion im Griff gäbe es zwar Möglichkeiten sowas zu machen, aber der Planet ist wirklich ein Höllenplanet da wäre selbst Pluto freundlicher.
Da er wohl ziemlich alles an Wasser verloren hat das er vielleicht mal hatte wäre er ein ziemlich unfreundlicher Ort und dann die Umlaufzeit, brrrr da schüttelt es mich.

Pluto ist nicht mehr in der habitablen Zone. Die Temperatur der Venus resultiert überwiegend aus deren dichten Atmosphäre. Reduziert man die Dichte deutlich, dann würde ein Großteil der Wärmeenerige, die sie von der Sonne erhält, wieder in das Weltall abstrahlen können.
Natürlich ist im Gestein des Planeten selbst noch viel Wärmeenerige gespeicht, hier bräuchte man Zeit und begünstigend noch einen Wasserkreislauf.

Das Wasser bzw. der Wasserstoff müsste man von irgendwo anders, z.B. den äußeren Gasplaneten oder Asteroiden heranschaffen.
Da man den Sauerstoff für das Wasser aus dem CO2 der Venus gewinnen könnte, wäre nur Wasserstoff nötig.

Eventuell könnte es notwendig sein, einen Masseausgleich zu schaffen. D.h. man transportiert eine gleiche Masse C oder O2 von der Venus weg, wie die Masse bestehend aus H2, die man heranschafft. Ob das aber notwendig ist, hängt von der Masse an Wasserstoff ab, die man überhaupt benötigt, denn wenn das sehr viel Masse sein sollte, dann  wird man das gravitative Gleichgewicht zwischen den Planeten behalten wollen.

Die geringe Eigenrotation ist ein großes Problem, deswegen müsste man die ändern. Deswegen dachte ich da an einen künstlichen Mond dessen Rohstoffe man von der Venus in eine Umlaufbahn um die Venus schießt und dort quasi gleichzeitig die Rohstoffe zum Errichten des künstlichen Mondes verwendet. Als Rohstoff wäre Kohlenstoff das Mittel der Wahl, da man ja die CO2 Atmosphäre reduzieren möchte.

Positiv wäre aber die vergleichsweise ähnliche Graviation wie die der Erde. Im Gegensatz zu Pluto hätte die Venus somit wenigstens einen Hauch einer Chance durch Terraforming erdähnliche Bedingungen zu erlangen. Beim Pluto sehe ich die gar nicht, also nicht ohne Kuppeln und wenn dann nur erst dann, wenn die Sonne zum roten Riesen wurde und sich die habitable Zone etwas nach außen verschoben hat. Wenn das passiert, dann wäre natürlich auch die Venus Geschichte, aber bis dahin könnte man sie vielleicht viele tausende von Jahren nach dem Terraforming Prozess als zweite Erde verwenden.


EDIT:
Bezüglich dem Punkt "den Kohlenstoff in eine Umlaufbahn schießen", könnte man hier bspw. eine überdimensionale Railgun getragen von Gasballons in der noch nicht zu dichten Atmosphäre aufstellen. Den Kohlenstoff gewinnt man wie oben beschrieben direkt aus der Atmosphäre und konstruiert damit einen dichten leitfähigen ein paar Tonnen schweren Zylinder aus bspw. Graphit oder Nanotubes. Und da Graphit bzw. die Nanotubes elektrisch leitend sind, kann man dieses gleich mit den beiden Schienen der Railgun unter Strom setzen, so dass ein Strom durchfließt und das Graphit, welches hier auch als Schlitten dient, in eine Richtung beschleunigt.
Den Rückstoss müsste man entweder mit Propellern ausgleichen oder ein weiteres Projektil gleicher Masse in die entgegengesetzte Richtung schießen.
Siehe dazu foglender Abschnitt für genauere Details:
https://de.wikipedia.org/wiki/Railgun#Funktionsweise

Wenn der Graphitzylinder dann sein Apogäum erreicht müsste man ihm dort noch einmal einen Schub verpassen, so dass er in eine Umlaufbahn einschwenkt und als Baumaterial für den künstlichen Mond verwendet werden kann.
Schießt man ein paar Millionen solcher Zylinder so in eine Umlaufbahn, dann erhält man so genug Baumaterial für den künstlichen Mond und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich die Eigenumdrehung der Venus ändert.


Offline MR

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #3 am: 10. September 2018, 00:03:44 »
Egal was man unternimmt, aber die Venus ist zu nah an der Sonne. Sie ist außerhalb der habitablen Zone. Selbst bei einer erdähnlichen Atmosphäre dürfte es zu warm für Leben sein. Außerdem wird die Sonne immer heißer. Selbst wenn man etwas machen könnte, von großer Dauer wäre es nicht. Da wäre eine Basis auf Callisto oder Ganymed weitaus sinnvoller!

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #4 am: 10. September 2018, 00:18:53 »
Das ist mir neu. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass die Venus noch knapp innerhalb der habitablen Zone liegt und lediglich die dichte Atmosphäre zu einem derart hohen Treibhauseffekt führt, dass sie momentan kein Leben erhalten kann.

Sollte aber dem so sein, dann könnte man die Sonneneinstrahlung auf die Venus vielleicht durch entsprechende Konstruktionen im Weltraum reduzieren, so das ein Leben nach dem Terraformingprozess trotzdem möglich werden würde.

EDIT:
Ich habe jetzt mal nachgesehen.
Die Venus ist ungefähr 0,723 AU von der Sonne entfernt. Und es gibt eine einzige Schätzung, die die innere Grenze der habitable Zone noch bis auf 0,38 AU schätzt:
https://en.wikipedia.org/wiki/Circumstellar_habitable_zone#Solar_System_estimates
Bei allen anderen wäre die Venus in der Tat außerhalb der habitablen Zone. Bei ein paar wenigen Schätzungen, die mit 0,725 bis 0,75 AU Entfernung wäre sie ganz knapp außerhalb der habitablen Zone. 

Offline rok

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #5 am: 10. September 2018, 05:57:31 »
Es gibt bei der Venus aber noch 2 weitere Probleme, das eine ist das fehlende Magnetfeld, so dass die Partikel des Sonnenwindes bis in die Atmosphäre eindringen.

Das andere Problem ist die fehlende Plattentektonik. Auf der Erde ist die Kruste wahrscheinlich wesentlich dünner, so dass die Wärmeabgabe über Hotspots bzw. den Vulkanismus relativ gleichmäßiger erfolgen kann als auf der Venus. Dort scheint die Wärmeabgabe über große Schildvulkane in ziemlich katastrophalen Phasen abzuspielen, die das planetare Klima schlagartig sehr stark verändern können.

Offline Klakow

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #6 am: 10. September 2018, 07:29:50 »
Eine Siedlungsstätte oder Habitat ist dort wo man als Mensch leben kann und wo es Rohstoffe und Energie gibt um diese Umgebung so zu gestalten das man darin gut Leben kann.
Das Schlimmste an der Venus ist sicher die Tageslänge und wenn man mal ausrechnet wieviel Energie benötigt würde um dies zu ändern wird eines klar, man braucht nicht nur wahnsinnig viel Energie, vermutlich sogar mehr als das was man mit den Resten an allem noch vorhandenem Wasserstoff noch gewinnen könnte, sonder man braucht auch gleich mal ne ordentliche Zeitmaschine um das Ding danach mal ne schleppe Milliarde Jahre altern zu können, eine wo die Venus rein passt.

Hätte man wirklich die Kernfusion super im Griff ist der beste Platz auf Dauer (Millionen Jahre), nicht mal die Erde, sondern der Saturn. Ordentliche Tageslänge, ca. 10,44m/s², sehr viel Platz, genug Wasserstoff für die nächsten 13,7 Milliarden Jahre (=Fusion...)     

Offline Tachyonman

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #7 am: 10. September 2018, 10:15:21 »
Ich nehme an, es geht bei dieser Betrachtung um den Plot für ein Buch? Wie auch immer, man kann das Ganze ja mal rein theoretisch anschauen:

Die Venusatmosphäre hat etwa die 90-fache Masse der Erdatmosphäre und besteht zu 96,5 % aus CO2. Die Masse der Erdatmosphäre beträgt ca. 5,15*10^18 kg. Das ergibt also 4,47*10^20 kg CO2 in der Venusatmosphäre.

Wenn man dies auf erdähnliche Zustände reduzieren wollte, müsste man das CO2 mehr oder weniger komplett entfernen. Wird dieses nun aufgespalten, bleiben 1,22*10^20 kg Kohlenstoff übrig (Atommassen CO2:44, C:12, O:16).

Diesen Kohlenstoff bringt man also nun in einen Orbit und schüttet ihn zu einem Mond zusammen. Reiner Kohlenstoff hat zwei Modifikationen, Graphit (2,26 g/cm^3) und Diamant (3,51 g/cm^3). Jemand der die Venusatmosphäre absaugen kann, sollte auch in der Lage sein, den Kohlenstoff zu Diamant zusammenzusetzen, also rechnen wir mit der Dichte von Diamant weiter.

1,22*10^20 kg Kohlenstoff als Diamant mit einer Dichte von 3,51 g/cm^3 ergibt ein Volumen von 3,48*10^7 km^3. Das entspricht einer Kugel mit einem Radius von 202 km.

Der Mond aus Venusatmosphärenkohlenstoff hätte also gut 400 km Durchmesser.

Alle Angaben auf eigene Gefahr, bitte vorsichtshalber noch mal nachrechnen ;-)

Die Auswirkungen auf die Venusrotation müsste jemand anders mal betrachten, da bin ich nicht wirklich versiert. Aufgrund der vergleichsweise geringen Größe und Masse des künstlichen Mondes würde ich aber eher davon ausgehen, dass die Rotation der Venus in menschlichen Zeitskalen kaum beeinflusst werden würde.

Offline Klakow

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #8 am: 10. September 2018, 13:01:02 »
Ich denke die Venus hat irgendwann einen riesigen Treffer abbekommen, dabei ist wohl fast alles an Wasser verschwunden, seine Rotation gestoppt und vermutlich noch seine Bahn merklich verändert. Da die meisten Planeten entgegengesetzt zur Rotation um die Sonne rotieren vermute ich das ein Körper in etwa größe des irdischen Mondes ihn entgegen seiner ursprünglichen Rotation getroffen hat.
Interessante frage dann noch ob entgegen der Bahnbewegung oder mit. Möglicherweise ist das Ding sogar heute noch Geologisch viel aktiver als die Erde weil die Folgen dieses Einschlages immer noch zur inneren Wärme einen großen Beitrag leisten.

Aber egal wie, da ist mir sogar unser Mond sympatischer und der hat schon viele Mängel.

Offline stillesWasser

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #9 am: 10. September 2018, 17:19:16 »
Woher kommen deine Vermutungen?
"Dragon 2 is designed to be able to land anywhere in the solar system. Red Dragon Mars mission is the first test flight."- https://twitter.com/elonmusk/status/725364699303301120

Offline Klakow

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #10 am: 10. September 2018, 21:21:12 »
Die meisten Planeten in unserem Sonnensystem rotieren wie die Erde, also entgegend der Rotation um die Sonne, dies ist sicher kein Zufall sondern hat wohl was mit Entstehung des Sonnensystem zu tun.
Vermutlich würde man das auch in anderen Sonnensystemen sehen nur leider gibts da vermutlich noch keine Messergebnisse.
Merkur ist hier ein anderer Fall und Uranus könnte vielleicht nicht mal in unserer Akredationscheibe endstanden sein, aber da könnte ich auch kompltt daneben liegen.
Das Venus keinen Mond hat ist etwas komisch obwohl sogar der kleine Mars zwei hat.
Fakt ist aber Venus hat nicht nur eine sehr langsame Rotation in der falschen Richtung  sondern hat auch noch fast alles Wasser verlohren obwohl er nicht gerade eine dünne Atmosphähre hat.
Ich vermute deshalb das beides die gleiche Ursache hat .
Hierzu könnte man mal annehmen das die ursprüngliche Venus eine ähnliche Tageslänge wie die Erde hatte, dann entwedem einen Zusammenstoß mit dem eigenen Mond hatte der vielleicht eine sehr eliptische Bahn hatte und vorher selber abgelenkt wurde oder ähnlich dem des einen Narsmo den der irgendwann einschlagen solm, eingeschlagen ist und dabei die Rotatin etwas mehr als  nur gestopt hat.
Dabei könnte die Ursprüngliche Venus und der zweite Körper so heis geworden sein das die Venus die leichteren Wassermodekühlt weitgehend verlohren hat.
Möglicherweise wurde sogar der heise Kern nach ausen aufgebrochen. Das könnte man vielleich sogar beweisen. ( sorry, geht nicht weiter, habe Kopfweh.

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #11 am: 10. September 2018, 21:42:48 »
Ich denke die Venus hat irgendwann einen riesigen Treffer abbekommen, dabei ist wohl fast alles an Wasser verschwunden,

Der Verlust des Wassers der Venus wird hier beschrieben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tropopause#Bedeutung_der_Grenze_oberhalb_der_Wolken
Sowie hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Terraforming#Das_Problem_des_Wassers_und_der_nicht_ausreichenden_Temperaturinversion

Wenn ein anderer Himmelskörper die Venus getroffen haben soll, hätte dann nicht wie bei der Erde auch ein Mond enstehen müssen der die Venus umkreist?

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #12 am: 10. September 2018, 21:53:42 »
Ich nehme an, es geht bei dieser Betrachtung um den Plot für ein Buch?
Eigentlich nur um allgemeine Fragen und ob und was man in ferner Zukunft bezüglich der Venus überhaupt machen könnte.
Die ferne Zukunft kann hier alles oberhalb  von sagen wir mal 500 Jahre sein. Also auch 10000 oder 100000 Jahre, wer weiß, wie weit die Menschheit sich dann technologisch weiterentwickelt hat.

Zitat
Wie auch immer, man kann das Ganze ja mal rein theoretisch anschauen:
...
Diesen Kohlenstoff bringt man also nun in einen Orbit und schüttet ihn zu einem Mond zusammen. Reiner Kohlenstoff hat zwei Modifikationen, Graphit (2,26 g/cm^3) und Diamant (3,51 g/cm^3). Jemand der die Venusatmosphäre absaugen kann, sollte auch in der Lage sein, den Kohlenstoff zu Diamant zusammenzusetzen, also rechnen wir mit der Dichte von Diamant weiter.
Erstmal Danke für die Rechnung.

Diamant würde ich nicht nehmen wollen, weil dieser Sonnenlicht reflektieren kann und damit die Venus selbst im Sonnenschatten angeleuchten werden könnte, womit man unnötig Wärmeenergie in die Venus induziert.
Die Machbarkeit von so einem großen Diamanten halte ich auch für unwahrscheinlich.

Graphit wäre da einfach, das kann man auch gut stapeln. Mit Kohlenstoffnanoröhrchen oder bspw. Kohlenstofffasern könnte man den Mond sogar innen hohl bauen und mit Strukturen versehen.


Zitat
1,22*10^20 kg Kohlenstoff als Diamant mit einer Dichte von 3,51 g/cm^3 ergibt ein Volumen von 3,48*10^7 km^3. Das entspricht einer Kugel mit einem Radius von 202 km.

Der Mond aus Venusatmosphärenkohlenstoff hätte also gut 400 km Durchmesser.
...
Die Auswirkungen auf die Venusrotation müsste jemand anders mal betrachten, da bin ich nicht wirklich versiert. Aufgrund der vergleichsweise geringen Größe und Masse des künstlichen Mondes würde ich aber eher davon ausgehen, dass die Rotation der Venus in menschlichen Zeitskalen kaum beeinflusst werden würde.

Es könnte eventuell notwendig sein, auch noch einen großen Teil des Sauerstoffs aus der Venus zu entfernen, um so den notwendigen Druck und erdähnliche Zusammensetzung der Luft zu erhalten. Damit wärde die Masse, die man in den Weltraum schießen muss und mit der man die Eigenumdrehung erhöhen könnte, eventuell sogar etwas größer.

Lediglich den ganzen Stickstoff und einen kleinen Teil des Sauerstoffs und Kohlenstoffs müsste man auf der Venus übrig lassen.

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #13 am: 10. September 2018, 21:59:07 »
Das Schlimmste an der Venus ist sicher die Tageslänge und wenn man mal ausrechnet wieviel Energie benötigt würde um dies zu ändern wird eines klar, man braucht nicht nur wahnsinnig viel Energie, vermutlich sogar mehr als das was man mit den Resten an allem noch vorhandenem Wasserstoff noch gewinnen könnte, sonder man braucht auch gleich mal ne ordentliche Zeitmaschine um das Ding danach mal ne schleppe Milliarde Jahre altern zu können, eine wo die Venus rein passt.
Warum bräuchte man eine Zeitmaschine?

Zitat
Hätte man wirklich die Kernfusion super im Griff ist der beste Platz auf Dauer (Millionen Jahre), nicht mal die Erde, sondern der Saturn. Ordentliche Tageslänge, ca. 10,44m/s², sehr viel Platz, genug Wasserstoff für die nächsten 13,7 Milliarden Jahre (=Fusion...)   
Der Saturn ist ein Gasriese.

Offline Klakow

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #14 am: 10. September 2018, 22:20:19 »
Wenn man versuchen wollte die Venus in Rotation zu versetzen reist man unweigerlich die feste Oberfläche auf den man kann das benötigte Drehmoment ja nur auf die Oberfläche übertragen.
Dabei wird das Ding unweigerlich noch heißer als sie eh schon ist und um da wieder einer Erdkruste zu bekommen braucht es verdammt viel Zeit, also Zeitmaschine wenn man nicht so lange warten will.

Klar der Saturn ist ein Gasriese, aber wenn man Fusionsenergie hat kann man ganze Städte in den Wolken aufhängen, schön auf der Höhe wo der Druck erträglich ist

Offline Prodatron

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #15 am: 10. September 2018, 23:31:13 »
dabei ist wohl fast alles an Wasser verschwunden
Das Wasser ist meines Wissens nach durch die starke Hitze/Strahlung verschwunden. Die hat die Aufspaltung in O und H gefördert (siehe Fukushima), das H ist dann in der Athmosphäre nach oben gewandert und vom Sonnenwind weggeweht worden bzw. einfach so ins All geflohen. Dadurch ist die Venus heute einer der wasserärmsten Objekte im Sonnensystem.

Offline Prodatron

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #16 am: 10. September 2018, 23:35:15 »
Zitat von: MHN
Zitat von: Klakow
Hätte man wirklich die Kernfusion super im Griff ist der beste Platz auf Dauer (Millionen Jahre), nicht mal die Erde, sondern der Saturn. Ordentliche Tageslänge, ca. 10,44m/s², sehr viel Platz, genug Wasserstoff für die nächsten 13,7 Milliarden Jahre (=Fusion...)   
Der Saturn ist ein Gasriese.
Der Saturn wird irgendwann allerdings schon ein schöner Ort zum Leben sein, da stimme ich Klakow zu :) Da gab es schon einige Überlegungen drüber. Ist hier jetzt allerdings off-topic.

Klar der Saturn ist ein Gasriese, aber wenn man Fusionsenergie hat kann man ganze Städte in den Wolken aufhängen, schön auf der Höhe wo der Druck erträglich ist
Siehe "Die Wolken des Saturn" von Michael McCollum :)

Offline Prodatron

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #17 am: 10. September 2018, 23:45:32 »
Egal was man unternimmt, aber die Venus ist zu nah an der Sonne. Sie ist außerhalb der habitablen Zone. Selbst bei einer erdähnlichen Atmosphäre dürfte es zu warm für Leben sein. Außerdem wird die Sonne immer heißer. Selbst wenn man etwas machen könnte, von großer Dauer wäre es nicht. Da wäre eine Basis auf Callisto oder Ganymed weitaus sinnvoller!

Sehe ich auch so.
Die Venus hat drei gravierende Nachteile:
1.) super langsame Rotation
2.) kein Wasser
3.) zu nah an der Sonne
Krimskrams wie keine Plattentektonik, Magnetfeld, stabilisierender Mond usw. hab ich jetzt mal weggelassen ;)

Punkt 1. ist mit aktuellen Technologien absolut nicht zu lösen, Punkt 2. ist so energieaufwändig, daß man besser den Mars terraformen könnte, Punkt 3. ist dann das eigentliche No-Go, denn bereits in 500 Millionen Jahren wird es selbst auf der Erde zu warm. Warum sollte man dann "vorher" noch zur Venus?

Offline MR

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #18 am: 11. September 2018, 00:56:17 »
Genau. Wir sollten uns lieber Gedanken darüber machen, wie wir die Erde im Zuge der immer heißer werdenden Sonne langsam von der Sonne wegbewegen. Ansonsten ist es spätestens in 1 Mrd Jahre mit dem Leben auf der Erde vorbei. In 2 Mrd Jahren haben wir dann sogar venusähnliche Bedingungen auf der Erde.

Offline Dominic

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #19 am: 11. September 2018, 03:43:43 »

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #20 am: 11. September 2018, 05:38:34 »
Mir fiel gerade folgender Gedanke ein.

Könnte man die Venus nicht auch dadurch zum Drehen bringen, in dem man eine Hälfe der Venus mit einem großen Sonnensegel vom Sonnenwind abschirmt oder diesen umleitet?
Dann würde der Sonnenwind nur noch an einer Seite der Venus entlangströmen, das müsste die Venus doch dann in eine Eigenumdrehung versetzen.

Ich stelle mir das vor wie ein frei aufgehängter Ball, den man auf einer Seite unter den Wasserstrahl eines Wasserhahn hält. Hier würde der Ball auch anfangen zu drehen.

Die Energie würde dann direkt von der Sonne kommen.

Offline HausD

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #21 am: 11. September 2018, 07:06:06 »
...Ich stelle mir das vor wie ein frei aufgehängter Ball, den man auf einer Seite unter den Wasserstrahl eines Wasserhahn hält. Hier würde der Ball auch anfangen zu drehen.
Die Energie würde dann direkt von der Sonne kommen. ...
Nur schade, dass der Sonnenwind von beiden Seiten auf den 500°C heissen Venusball kommt, nicht wie der einseitige Wasserstrahl auf den Ball, ...

Offline MHN

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #22 am: 11. September 2018, 07:37:14 »
...Ich stelle mir das vor wie ein frei aufgehängter Ball, den man auf einer Seite unter den Wasserstrahl eines Wasserhahn hält. Hier würde der Ball auch anfangen zu drehen.
Die Energie würde dann direkt von der Sonne kommen. ...
Nur schade, dass der Sonnenwind von beiden Seiten auf den 500°C heissen Venusball kommt, nicht wie der einseitige Wasserstrahl auf den Ball, ...

Wie das, bei folgender Bedingung?
Zitat
in dem man eine Hälfe der Venus mit einem großen Sonnensegel vom Sonnenwind abschirmt oder diesen umleitet?

Offline Klakow

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #23 am: 11. September 2018, 08:22:21 »
Ich habe gerade mal etwas nachgeschaut, wenn ich keinen Fehler gemacht habe steckt in der Erdrotation ca. 217*10^27Ws drin oder 60,4*10^12 TWh, oder für ein Jahr 165*10^9 TW-Jahre.
Jetzt die Frage, wie groß müsste ein hypothetischer Venusmond gewesen sein damit er bei einer bestimmten Bahngeschwindigkeit die Venusrotation nahezu gestoppt hätte.
Das selbe dann nochmals mit einem Asteroiden.

@Prodatron: Das Buch habe ich schon mehrmals gelesen, sehr zu empfehlen und auch die andern Bücher von dem Autor sind gut bis sehr gut.

 

Offline rok

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Re: Ginge Terraforming auf der Venus?
« Antwort #24 am: 11. September 2018, 09:32:58 »
"Krimskrams wie keine Plattentektonik, Magnetfeld, stabilisierender Mond usw. hab ich jetzt mal weggelassen"

Allerdings ist dieser Krimskrams im Wesentlichen für den jetzigen Zustand der Venusoberfläche verantwortlich. Auf der Erde sorgt das Magnetfeld dafür, dass die Partikel des Sonnenwindes im Van-Allen-Gürtel großräumig um den Planeten herumgeleitet werden. Die kurzzeitige Abschwächung (s. "Polsprung") würde zumindest zu einer Zerstörung der Ozonschicht führen. Lanfristig führt das allerdings zu chemischen Prozessen in der Atmosphäre, wie der Aufspaltung von Wassermolekülen und der Entfernung des Wasserstoffs aus der Gashülle, der Sauerstoff wird dabei als Oxid in der Oberfläche gebunden.

Auf der Erde hat der Mond wahrscheinlich zum Einsetzen der Plattentektonik geführt, weil die Erdkruste durch die Gezeitenkräfte, die damals deutlich stärker waren als heute, aufgebrochen wurde. Dadurch war es möglich, dass das Innere des Planeten die Wärme leichter abgeben konnte, über z.B. Hotspots mit Vulkanen, mittelozeanischen Rücken. Außerdem ist die Erdkruste relativ dünn, weil sie durch das Abtauchen in den Erdmantel ständig recycelt wird und nur noch wenige Bruchstücke existieren, die seit mehreren Milliarden Jahre auf dem Erdmantel schwimmen ("Schilde").

Auf der Venus waren die Verhältnisse seit der Entstehung anscheinend relativ stabil, so dass sich eine geschlossene Kruste gebildet hat, unter der die Wärme aus dem Planeteninneren gestaut wird, bis sie sich durch die dickere Kruste einen Weg bahnt und zu gewaltigen Ausbrüchen führt.

Aber es scheint so, dass diese Diskussion in eine ziemlich spekulative Richtung führt, zu der ich nichts sinnvolles beitragen kann. Daher tschüß,

Robert

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