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19. Januar 2020, 11:07:31
Raumcon
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Autor Thema: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie  (Gelesen 12283 mal)

Offline Ringkolbenmaschine

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #175 am: 27. Dezember 2019, 10:09:40 »
Gertrud, dank für Link.
Für mich ist mehr ins Bewusstsein gerückt, dass es in meinen Breitengraden im Hochsommer nahe immerzu Beeinträchtigungen geben wird, da die Sonne in der Nacht nicht so tief hinter/unter dem Horizont wandert.

Nachtrag:
...äääh, die Sonne wandert nicht, ...die Erde dreht sich...  :)
Alle sagten: es funktioniert nicht.
Dann kam einer und machte es.

Online Sensei

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #176 am: 27. Dezember 2019, 13:44:29 »
Und noch etwas mehr im Norden hat man im Hochsommer gar keine Nacht mehr  ;)

Hat schon seinen Grund, warum hier in der Gegend Hobbyastronomie ein Winterhobby ist.
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Online stillesWasser

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #177 am: 02. Januar 2020, 18:02:44 »
Ich habe mich jetzt mal die letzte Zeit ein bisschen ausfühlicher mit dem beschäftigt, was Hugo angefangen hat, und habe mir angeschaut, zu welchem Zeitpunkt ein Stern durch Starlink blockiert wird. Ich habe mir zuerst wie er auch einen bestimmten Stern rausgesucht (wobei seine Wahl mit Polaris meiner Meinung nach ungünstig ist, da der eben die Sonderstellung hat, fix zu sein und damit nicht repräsentativ ist). Anders als er bin ich nicht an den Live TLE Daten interessiert, da man mit deinen keine sinnvolle Vorhersagen machen kann, weder über den Einfluss der Menge an Satelliten  (da noch nicht existent) noch über den Einfluss der verschiedenen Monate (da die TLEs nur ein paar Tage propagierbar sind)
Ich habe mir daher TLEs gebaut, die die Satelliten in 72 Planes mit je 22 Sats bei 53° Inklination verteilen, also der aktuell geplanten ersten Konstellation.
Als Beobachtungsort habe ich mir das VLT ausgesucht, damitdie Daten so gut wie möglich auf die professionelle Astronomie anwendbar sind. Verwendet man andere Orte an hohen Breitengraden wird die Bedeckung durch Starlink geringer, da die nur eine Inklination von 53° haben und damit weniger/keine im Weg sind wenn man Sterne mit großer Deklination beobachtet. Da Observatorien aber meist an niedrigen Breitengraden gebaut werden, fand ich das VLT bei 24 Grad Süd geeignet repräsentativ.
Außerdem ist es wichtig, zu berechnen, welche Satelliten von der Sonne angestrahlt werden, denn ansonsten befindet sich quasi dauerhaft ein Starlink Satellit in der Nähe (wie man gleich in den Plots sieht)
Wenn man den nähsten Winkelabstand berechnen möchte, muss man die TLEs leider in sehr kleinen Zeitschritten propagieren, damit man nicht den engsten Punkt verpasst. Insgesamt habe ich daher über ein TB an Daten produziert... ;)
Ich habe mich am Ende dazu entschieden, den Abstand nicht für einen speziellen Stern zu berechnen, sondern habe als Ziele ein Gleichmäßiges Grid in Deklination/Rektaszension zwischen -75 bis 75° / 0 bis 24h verwendet .
Für jeden Punkt habe ich einen kompletten Tag für jeden 1. Tag im Monat simuliert. Ich habe davor auch mal getestet, ob es auf den Tag ankommt, aber die Unterschiede zwischen zwei benachbarten Tagen sind vernachlässigbar.
Für jede Simulation lässt sich ein Plot ähnlich zu dem von Hugo erstellen, hier habe ich mal als Beispiel einen Plot vom 1.1. bei der Beobachtung von 15h, -60deg (der Plot stellt einen Extremfall für den Einfluss von Starlink dar):

https://gitlab.com/ckoern/starlink_vlt_plots/raw/master/JanuaryAnimation-Frame00848.png
Im Hintergrund ist die jeweilige Tageszeit als Colorcode dargestellt, nur der ganz dunkle Bereich zeigt die Astronomische Nacht. Der orangene Graph zeigt den nähsten Abstand zu allen Satelliten, die von der Sonne angestrahlt (also sichtbar) sind, der blaue Graph zu allen Satelliten inklusive nicht angestrahlten. Die schwarze gestrichelte Linie ist bei 5°, die gepunktete bei 2°. Ganz oben sind noch die Intervalle angezeigt, bei denen eine Beobachtung ohne Starlink (grün) oder mit (gelb) möglich ist, wobei dafür als Bedingung definiert ist, dass das Zielobjekt mindestens 15° über dem Horizont ist, astronomische Nacht ist und bei gelb kein Satellit näher als 5° ist. Ich habe hier 5° gewählt, weil meine Zeitschritte nicht fein genug sind, um auflösen zu können, ob das Artefakte durch die diskrete Zeit sind (also der Abstand zwischen den Punkten doch noch kleiner wird). Außerdem wird eigentlich fast immer auch in regelmäßigem, kurzen Abstand die 2° Marke unterschritten, wenn die 5° unterschritten werden. Auf der rechten Seite sieht man außerdem noch, an welcher Stelle im Himmel sich die Satelliten zu einem bestimmten Zeitpunkt befinden. Der Zeitpnunk ist der, an dem im rechten Plot die grüne Line ist (das ist eigentlich eine Animation und das hier nur ein einzelner Frame).

Wie gesagt, der obere Plot ist ein Extremfall, das andere extrem ist beispielsweise zu sehen, wenn man das gleiche Objekt, aber jetzt am 1.6. betrachtet:

https://gitlab.com/ckoern/starlink_vlt_plots/raw/master/JuneAnimation-Frame00848.png

Hier wird genau 0% Beobachtungszeit verloren
Wenn man jetzt für alle simulierten Beobachtungsobjekte und Monate die Ergebnisse kombiniert, erhalt man als Info, an welche Stellen und zu welchen Zeitpunkten eine Beeinträchtigung stattfindet. Hier dargestellt ist die verlorene Observationzeit je Zielposition und Monat.
[PLOT LOST TIME]

https://gitlab.com/ckoern/starlink_vlt_plots/raw/master/VLT_observation_map_lostTime.png

Man sieht zum einen die Bänder entlang der Kante der maximal sichtbaren Rektaszension, wo man oft sogar 100% der möglichen Zeit verliert. Das ist passend zu den oben gezeigten Plots: Die Satelliten müssen von der Sonne angestrahlt werden, obwohl astronomische Nacht ist, daher müssen sie tief am Horizont stehen. Also werden vor allem die Objekte beeinflusst, die nur niedrig am Himmel auftauchen, und zwar nur in dem Zeitraum, in dem es überhaupt noch angestrahlte Satelliten gibt. Allerdings wandert der sichtbare Bereich entlang des Jahres. Dazu kommt noch, dass man fast immer Beeinträchtigungen bei hohen negativen Deklinationen hat. Die Objekte sind aber länger sichtbar, sodass das hier eher 30% verlorener Observationszeit entspricht, man also in der selben Nacht noch die Möglichkeit hat, das Objekt zu beobachten (wenn die anderen Randbedingungen das zulassen)

Da ich selbst kein Astronom bin, möchte ich den Beitrag so objektiv wie möglich lassen und nicht anfangen, die Ergebnisse auf daraus resultierende Folgen für die erdgebundene Astronomie hin zu interpretieren. Das hebe ich mir für wann anders auf ;)
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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #178 am: 03. Januar 2020, 00:26:15 »
Tolle Analyse und Simulation.

Danke, 'stillesWasser'!

^ In dieser ersten Konstellation dürfte man (ja nach notwendigem freiem Gesichtsfeld) immer noch einige 5min - Löcher zwischen den störenden Satellitendurchgängen finden. Bei 31k Sats sähe das wohl schon schwieriger aus.
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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #179 am: 10. Januar 2020, 09:23:07 »
https://spacenews.com/spacex-astronomers-working-to-address-brightness-of-starlink-satellites/

Ein guter Artikel von Spacenews bezüglich einer Tagung zum Thema 'Auswirkungen der Megakonstellationen' auf dem 235th Meeting der American Astronomical Society (AAS):

- Neue Aussagen von SpaceX, dass sie Überrascht über die Helligkeit der Starlink Satelliten waren. (Patricia Cooper)
- Im Zielorbit sollen sie jetzt ~ Magnitude 5 haben und damit an dunklen Orten sichtbar sein.
- Der DarkSat von Starlink wird noch bis ende Februar brauchen um im Zielorbit anzukommen. Erst dann können konkrete Messungen des Effekts der Beschichtung beginnen. (Patrick Seitzer, Astronom an der University of Michigan)

Dazu noch drei englische Zitate:

Zitat
Cooper said that SpaceX would work quickly to reduce the brightness of its satellites, but didn’t give a specific timetable or state if other experimental satellites are in the works. In the meantime, the company will continue to launch the original design of Starlink satellites that are designed to be operational for five years, a plan that some astronomers at the meeting criticized.

“We don’t know yet if these mitigations are useful and effective,” she said. “We tend to work very quickly. We tend to test, learn and iterate.”

- einige der Astronomen kritisierten den iterativen Ansatz von SpaceX, den diese aber noch einmal betonten

Zitat
“We have not had to cajole SpaceX in any way. They’ve been very receptive and very proactive,” he [Jeff Hall, AAS Arbeitsgruppenvorsitzende] said. Those discussions, he said, initially focused on SpaceX’s Starlink deployment plans, but more recently have been more just “keeping in touch” as SpaceX prepared to launch its experimental DarkSat.

Hall added that it was premature to discuss regulations regarding satellite brightness.

- es gibt, hier zu mindest, kein großes Zerwürfnis zwischen SpX und den Astronomen. Man arbeitet schon eine Weile gut zusammen. SpX musste dazu nicht gedrängt werden
- der AAS meint, dass es noch zu früh ist um über Vorschriften zu diesem Thema zu diskutieren.

Zitat
Both astronomers and SpaceX said they hope, as an initial step to get the Starlink satellites dim enough to not be visible to the naked eye even in the darkest skies. The next step will be to figure out what else can be done to mitigate their effects on major observatories, specifically the Vera Rubin Observatory (formerly Large Synoptic Survey Telescope) under construction in Chile. Astronomers said that wide-field telescope was particularly threatened by Starlink and other megaconstellation satellites.

Hall said his AAS committee plans to start discussions with OneWeb later this month, shortly before the company begins full-scale deployment of its constellation. Six OneWeb demonstration satellites are currently in orbit, at altitudes higher than SpaceX. Seitzer said the satellites, at about eighth magnitude, are too dim to be seen by the naked eye, but pose in some cases greater concerns to professional astronomers than Starlink satellites because, at their altitudes, they may be visible all night during the summer, rather than just around sunset and sunrise.

- Mehrteiliger Ansatz bei SpaceX: Zuerst soll man die Satelliten dunkel genug bekommen dass sie auch an dunklen Standorten mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen sind. Danach 'will man mal sehen, was noch getan werden kann um die Beobachtungen der Observatorien (insb. des LSST) zu schützen'
- die AAS möchte noch im Januar mit OneWeb in Diskussion treten. Es ist laut der AAS zu vermuten dass diese zwar visuell dunkler sein werden, aber in einigen Fällen (aufgrund des nicht-Verdeckens der Satelliten durch den Erdschatten) größere Probleme breiten als StarLink
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Offline Pirx

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #180 am: 10. Januar 2020, 14:19:54 »
...
- Der DarkSat von Starlink wird noch bis ende Februar brauchen um im Zielorbit anzukommen. ....
Heisst das, es gibt jetzt genau einen Starlink-Satelliten mit versuchsweise geänderten Reflektionseigenschaften?

Gruß    Pirx
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Offline Hugo

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #181 am: 10. Januar 2020, 16:22:30 »
Heisst das, es gibt jetzt genau einen Starlink-Satelliten mit versuchsweise geänderten Reflektionseigenschaften?
Kurzfassung: Ja.

Langfassung: Das Problem ist, daß die Satelliten an dieser Seite ihre Wärme abstrahlen müssen. Man testet jetzt mit einem Satelliten, ob das Funktioniert, oder ob der Satellit jetzt im All von der Sonne "Geröstet" wird.

Wenn es gut geht, wird man alle Satelliten "schwarz anmalen".

Offline Gertrud

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #182 am: 10. Januar 2020, 18:38:45 »
Hallo @Pirx,

es gibt in Bezug der Helligkeit der Starlinks folgende Aussage(n). Wurde im Netz mehrfach erwähnt, aber der Artikel von Nature ist für mich die sicherste Quelle.

Dazu die Angaben:
Zitat
Several factors contribute to their puzzling brightness, astronomers reported at the meeting. SpaceX says the position of the solar panels might have something to do with it: at lower elevations, before the orbit boost, the satellites’ panels are positioned like an open book to reduce drag. That temporary orientation could make them reflect more sunlight. The speed at which a satellite moves across a telescope’s field of view is also important — the slower it moves, the more brightness accumulates per pixel of imagery.
Mehrere Faktoren tragen zu ihrer rätselhaften Helligkeit bei, berichteten Astronomen auf dem Treffen. Laut SpaceX hat die Position der Sonnenkollektoren möglicherweise etwas damit zu tun: In niedrigeren Lagen werden die Satelliten wie ein offenes Buch positioniert, um den Luftwiderstand zu verringern. Durch diese vorübergehende Ausrichtung könnten sie mehr Sonnenlicht reflektieren. Die Geschwindigkeit, mit der sich ein Satellit über das Sichtfeld eines Teleskops bewegt, ist ebenfalls wichtig. Je langsamer er sich bewegt, desto mehr Helligkeit entsteht pro Pixel Bild.

Zitat
Twilight zone
Calculations suggest the Starlink trails will interfere with astronomy most significantly during the hours surrounding twilight and dawn. That’s a particular problem for observations that need to be made during twilight, such as searches for some near-Earth asteroids. And on short summer nights, the satellite trails could be visible all night long.
Berechnungen legen nahe, dass die Starlink-Pfade die Astronomie in den Stunden um die Dämmerung und den Sonnenaufgang am stärksten beeinträchtigen. Dies ist ein besonderes Problem bei Beobachtungen, die in der Dämmerung durchgeführt werden müssen, z. B. bei der Suche nach erdnahen Asteroiden. Und in kurzen Sommernächten könnten die Satellitenspuren die ganze Nacht sichtbar sein.

Zitat
That leaves darkening as a leading option. With DarkSat, SpaceX engineers painted surfaces on the satellite that scatter light or reflect light diffusely, says Cooper. That could make them faint enough to be invisible to anyone looking up at a typical night sky — but almost certainly still visible to most astronomical research telescopes.
Das lässt eine Verdunkelung als führende Option übrig. Mit DarkSat haben SpaceX-Ingenieure Oberflächen auf dem Satelliten gemalt, die Licht streuen oder diffus reflektieren, sagt Cooper. Das könnte sie so schwach erscheinen lassen, dass sie für jeden unsichtbar sind, der in einen typischen Nachthimmel schaut - aber für die meisten astronomischen Forschungsteleskope mit ziemlicher Sicherheit immer noch sichtbar.
Die Quelle dazu:
https://www.nature.com/articles/d41586-020-00041-4


Zitat
The Starlink satellites are brighter than 99% of the existing satellites in orbit. #AAS235
Die Starlink-Satelliten sind heller als 99% der vorhandenen Satelliten im Orbit. #AAS235
Quelle:
https://twitter.com/DanielCaton/status/1215010918913855488

Zitat
Concerning: @SpaceX is going to continue to launch the original bright satellites until they figure out how to effectively decrease the satellite brightness. #AAS235
Bezüglich: @SpaceX wird die ursprünglichen hellen Satelliten weiter starten, bis sie herausfinden, wie die Satellitenhelligkeit effektiv verringert werden kann. #AAS235
https://twitter.com/vbaldassare/status/1215022953177313280

Beste Grüße
Gertrud
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Offline Gertrud

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #183 am: 10. Januar 2020, 18:51:43 »
Hallo @Pirx,

ein Nachtrag, nur der Darksat hat eine abdunkelnde Beschichtung erhalten.
Ob diese Farbe auch auf die Solarpanel aufgebracht wurde ?, vermute ich mal eher nein.
Er hat die Nummer 1130.

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Offline Hugo

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #184 am: 10. Januar 2020, 19:12:50 »
In niedrigeren Lagen werden die Satelliten wie ein offenes Buch positioniert, um den Luftwiderstand zu verringern. Durch diese vorübergehende Ausrichtung könnten sie mehr Sonnenlicht reflektieren.
Ist ja zum Glück nur vorübergehend. Wenn man überlegt, daß ein Satellit 2 Monate  braucht um in den Orbit zu  kommen und dort dann 72 Monate verbleibt, dann ist die Aufstiegszeit der Satelliten <3% der Lebensdauer.

Offline Pirx

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #185 am: 10. Januar 2020, 23:47:52 »
Guten Abend!

Ich habe noch nicht gelesen, dass jemand auf die ausser Dienst gestellten, absteigenden Satelliten, von denen es ja künftig eine erheblich Anzahl geben wird, reflektiert ( ;D) hätte. Oder ist mir das schlicht entgangen?

Gruß   Pirx
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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #186 am: 11. Januar 2020, 00:19:01 »
Nur, was die Gefahr durch Treffer/als Weltraummüll betrifft. Noch nicht bezüglich der Lichtverschmutzung.

Aktiv versenkt dauert das ja nicht lange. Man muss ja auch nur den tiefsten Punkt senken und nicht den ganzen Orbit.
Schwierig wird es wohl nur bei toten Satelliten.
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Offline MarsMCT

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #187 am: 11. Januar 2020, 15:25:23 »
ein Nachtrag, nur der Darksat hat eine abdunkelnde Beschichtung erhalten.
Ob diese Farbe auch auf die Solarpanel aufgebracht wurde ?, vermute ich mal eher nein.
Er hat die Nummer 1130.

Die Solarpanels sind in Betriebslage sowieso praktisch unsichtbar. Nur in der Übergangszeit, wenn sie warten, tragen sie nennenswert zur Helligkeit bei.

Interessant ist die Beschreibung der Beschichtung. Also nicht einfach dunkel durch Lichtabsorption. Das würde den Satelliten aufheizen und Infrarotstrahlung verursachen, was Infrarotastronomie stören könnte. Sie verwenden stattdessen Streuung, was ich ja schon vorgeschlagen hatte als Riffelung der Oberfläche. Die Helligkeit sinkt dadurch wohl nicht so stark aber genug, um mit dem Auge nicht mehr sichtbar zu sein.

Offline Gertrud

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #188 am: 17. Januar 2020, 16:22:57 »
Hallo Zusammen

Die Genehmigung von SpaceXs Starlink Mega Constellation durch die FCC war möglicherweise rechtswidrig.

Ein neues Papier deutet darauf hin, dass die Behörde bei der Genehmigung der Satelliten gegen das US-amerikanische Umweltrecht verstoßen und bei einer Klage vor Gericht die FCC wahrscheinlich verlieren würde

Ein neues Papier, das später in diesem Jahr im Vanderbilt Journal of Entertainment and Technology Law veröffentlicht werden soll, argumentiert, dass die Federal Communications Commission,(FCC) die für die Lizenzierung des Betriebs dieser Konstellationen in den USA zuständige Behörde, die Auswirkungen dieser Satelliten auf die Umwelt und den Nachthimmel hätte berücksichtigen müssen. Wenn die FCC ein wichtiges Element der Umweltgesetzgebung des Bundes ignoriert, könnte sie vor Gericht verklagt werden und verlieren, und es würde möglicherweise weitere Starts von Mega-Konstellationen aufhalten, bis eine ordnungsgemäße Überprüfung durchgeführt wird.
Es gibt dieses Gesetz, das National Environmental Policy Act [NEPA], das die Bundesbehörden auffordert, ihre Handlungen genau zu überdenken. Die mangelnde Überprüfung dieser kommerziellen Satellitenprojekte durch die FCC verstößt gegen NEPA und wäre daher im einfachsten Sinne rechtswidrig.

Es ist möglich, dass während einer Klage vor Gericht verhandelt wird, die mehrere Jahre dauern kann, und eine einstweilige Verfügung verhängt werden kann, um den Start weiterer von der FCC lizenzierter Satelliten, von Starlink oder anderen Unternehmen, zu verhindern. Sollte die Agentur verlieren, könnte sie aufgefordert werden, vorhandene Lizenzen neu zu bewerten und entsprechende NEPA-Überprüfungen durchzuführen.

Quelle:
 https://www.scientificamerican.com/article/the-fccs-approval-of-spacexs-starlink-mega-constellation-may-have-been-unlawful/

Beste Grüße
Gertrud
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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #189 am: 17. Januar 2020, 19:13:12 »
Nicht ganz richtig.

Es wäre wohl JEDER von der FCC geprüfter Satellit(enstart) möglicherweise rechtswidrig, nicht nur die der Starlink Konstellation. Denn wenn eine Umweltprüfung hätte stattfinden müssen dann wohl bei jedem Satellit.

Es gibt noch keine Klage. Es gibt ja noch nicht einmal das Paper, denn dieses ist laut Spektrum der wissenschaften noch nicht Veröffentlicht.
Der zitierte Autor Ramon J. Ryan ist im Jurastudent im 2. Jahr an der Vanderbilt University.


Mal sehen ob jemand das Fass aufmacht, jeden US Satellitenstart (seit 1970) für rechtswidrig zu erklären..
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Offline Gertrud

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #190 am: 17. Januar 2020, 20:32:21 »

Meine Angaben entsprechen den Berichten in beiden Artikeln.
Sie werden auch bei Spektrum bestätigt.

Nicht ganz richtig.

Es wäre wohl JEDER von der FCC geprüfter Satellit(enstart) möglicherweise rechtswidrig, nicht nur die der Starlink Konstellation. Denn wenn eine Umweltprüfung hätte stattfinden müssen dann wohl bei jedem Satellit.

Es gibt noch keine Klage. Es gibt ja noch nicht einmal das Paper, denn dieses ist laut Spektrum der wissenschaften noch nicht Veröffentlicht.
Der zitierte Autor Ramon J. Ryan ist im Jurastudent im 2. Jahr an der Vanderbilt University.


Mal sehen ob jemand das Fass aufmacht, jeden US Satellitenstart (seit 1970) für rechtswidrig zu erklären..

In dem Bericht von Spektrum wird genau mein Beitrag bestätigt.
Zitat
Nun deutet eine – bislang noch nicht veröffentlichte – Studie im »Vanderbilt Journal of Entertainment and Technology Law« an, dass die für die Freisetzungserlaubnis zuständige US-Behörde Federal Communications Commission (FCC) gegen geltendes Umweltrecht verstoßen haben könnte
Quelle:
https://www.spektrum.de/news/freisetzung-der-starlink-satelliten-war-womoeglich-rechtswidrig/1699698

(…)
Ein neues Papier, das später in diesem Jahr im Vanderbilt Journal of Entertainment and Technology Law veröffentlicht werden soll(....)

In meinen Beitrag steht auch von jetzt mir hervorgehoben und unterstrichen:
es geht nicht um jeden gestarteten Satelliten:
Zitat
Es gibt dieses Gesetz, das National Environmental Policy Act [NEPA], das die Bundesbehörden auffordert, ihre Handlungen genau zu überdenken. Die mangelnde Überprüfung dieser kommerziellen Satellitenprojekte durch die FCC verstößt gegen NEPA und wäre daher im einfachsten Sinne rechtswidrig
.

Die FCC könnte solch langwierige rechtliche Schritte vermeiden, indem sie ihre Praktiken in Zukunft ändert. "Um eine Anfechtung vor Gericht zu verhindern, sollte die FCC die Umweltauswirkungen kommerzieller Satellitenprojekte anhand des Modells der NASA bewerten", schreibt Ramon Ryan in seinem Papier. „Auf diese Weise würde die FCC Standards in der kommerziellen Satellitenindustrie schaffen, die das Wirtschaftswachstum und die Stabilität fördern und gleichzeitig das Mandat des Kongresses an die Bundesregierung erfüllen, die Umweltauswirkungen ihrer Maßnahmen proaktiv zu berücksichtigen.

In einer per E-Mail versendeten Erklärung sagte ein Sprecher der FCC, es sei "aufgrund von Presseartikeln und Anfragen von Reportern bekannt, dass Bedenken hinsichtlich der Auswirkung von Satelliten im Starlink-System auf Beobachtungen von Astronomen bei optischen Wellenlängen bestehen." Der Sprecher stellte fest, dass das Problem „in keinem FCC-Verfahren zur Sprache gebracht worden ist“. Die Agentur antwortete nicht auf eine Aufforderung, sich dazu zu äußern, ob sie eine künftige Änderung ihrer Praktiken in Betracht ziehen würde oder ob sie den Nachthimmel als unter NEPA fallend ansieht.
Quelle:
https://www.scientificamerican.com/article/the-fccs-approval-of-spacexs-starlink-mega-constellation-may-have-been-unlawful/

Es könnten doch einige Menschen ihre Spardose für einen Prozess öffnen. ;D

Mit besten Grüßen
 Gertrud
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Offline James

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #191 am: Gestern um 11:21:21 »
Ein Schlüsselsatz im Bericht von Spektrum.de ist für mich dieser:
Zitat
Manche Behörden können allerdings einen kategorischen Ausschluss von NEPA beantragen, wenn sie glaubhaft versichern können, dass bestimmte Vorhaben überhaupt keinen Einfluss auf die Umwelt nehmen. Auf die FCC und von ihnen beaufsichtigte Weltraumprojekte treffe dies wohl zu, so »Scientific American«.
Doch Ryan denkt, dass diese generelle Ausnahmeregelung heute nicht mehr haltbar ist, da sie aus Zeiten stamme, in denen noch keine privaten Firmen groß angelegte Satellitenprogramme an den Start gebracht hätten. Die Autoren der Studie gehen deshalb davon aus, dass bei einer Klage die Ausschlussgenehmigung fallen dürfte
Möglicherweise gibt es diese generelle Ausnahmeregelung derzeit noch. Dann wären die bisherigen Starts legal.
Aber vielleicht gibt es sie nicht mehr lange. Und rein von meiner persönlichen Sichtweise sind für solche Vorhaben durchaus "Umweltverträglchkeitsprüfungen" notwendig.
Vielleicht muss man auch einsehen, daß hier ein nicht sehr zukunftsträchtiger Weg beschritten wird.
Gerade weil ich ein Raumfahrtanhänger bin, möchte ich nicht, daß mein Interessensgebiet für Einschränkungen in anderen Forschungsbereichen, oder Lebensbereichen, verantwortlich ist.
"Wir werden einen anderen, einen besseren Weg finden".
Und falls jemand darauf antwortet: "Dann erlebe ich es nicht mehr." Ich auch nicht mehr, aber das ist doch in der Sache egal.

Online Dublone

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Re: Beeinträchtigung erdgebundener Astronomie
« Antwort #192 am: Gestern um 12:58:34 »
Das ganze bringt doch nix, wenn es nicht interationale Regelungen gibt  ::)
Da regelt man sich in den USA zu Tode und der rest der Welt lacht sich schlapp.

Europäische oder Chinesische Sats machen kein Bogen um Amerika.

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