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Autor Thema: Hitzeschutzschild  (Gelesen 17451 mal)

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #25 am: 19. Juni 2007, 23:42:38 »
Wichtig ist nicht (nur) die Leistung (Watt), sondern vor allem die in der Batterie gespeicherte Arbeit, also die Wattsekunden. Es geht ja darum wie lange man die Leistung liefern kann.

Ein anderes Problem bei einem starken Magnetfeld: Im Bereich der Kapsel wäre es am stärksten. Wie sind die die physiologischen Effekte auf den Menschen? Solche Ideen gibt es ja auch, um geladene Teilchen aus der kosmischen Strahlung von Raumschiffen/Stationen fern zu halten. Da plant man dann ein 2. "Gegenfeld" im Inneren, so dass das Innere dann neutral ist.
\\   //    Grüße
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Matthias1

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #26 am: 19. Juni 2007, 23:50:22 »
Wattsekunden ist doch eigentlich Energie in Joule, oder? Das ist so doppelt verneint wie Kilowattstunden ;)

1kW/s = 1000J/1s*1s = 1000 J
Stimmt das so? Spricht man heute eigentlich hauptsächlich von  Joule oder Kilowattsekunden?


Matthias

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #27 am: 19. Juni 2007, 23:56:13 »
so: kWs=kJs/s=kJ

Dein Stromlieferant nutzt kWh für seine Angaben ;-), und nicht J. Je nach technischem Problem ist die Angabe in der Form dann schon sinnvoll.
« Letzte Änderung: 19. Juni 2007, 23:56:52 von Schillrich »
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Waldi

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Re: NASA-Raumschiff *Orion*
« Antwort #28 am: 20. Juni 2007, 00:02:52 »
Zitat
Ich könnte mir vorstellen das ein Diskus besser steuer- und stabilisierbar ist als eine Glocke
Und aus welchen Grund sollte ein Diskus besser steuer- und stabilisierbar sein? Oder meinen Sie sowas wie eine schell drehende Frisby-Scheibe? Meine Vorstellungsvermögen zeichent mir ganz klar, was mit so einem Diskus passiert, wenn das Steuerungssystem versagen sollte - nämlich einen Totalverlust.
Außerdem habe ich noch nie gehört, daß die Sojus- und Apollo-Besatzungen sich wegen schlechter Stabilität der Kapsel beklagt haben oder gar verloren gegangen. Ganz im Gegenteil...
Zitat
Ausserdem verteilt sich die Hitze schön gleichmäßig da sie sich niergends stauen kann
Können Sie diese Behauptung beweisen? Wenn ich die beiden Kliper-Varianten ansehe - mit flachen Bauch und mit dem Kiel (http://img187.imageshack.us/img187/8351/klipertermoxe1.jpg), dann sehe ich keinen Vorteil beim Diskus, was "ungleich mäßige Hitzerstaus" :-) angeht, eher umgekehrt. Außerdem - die ARD, Sojus, Apollo und Orion bilden eine Glocken- bzw. Konusform mit halbrunden Bremsschild. Und das hat (immer) funktioniert. Und wieviel Flüge haben die Japaner mir ihren Diskus hinter sich? Bisland sind die nicht gerade sehr bekannt in bemannter Raumfahrt.
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 00:50:29 von Waldi »

Offline alswieich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #29 am: 20. Juni 2007, 00:14:43 »
Zitat
...  die Plasma erhitzt sich ja irgendwie oder? ...
Zunächst ist es gar kein Plasma sondern Luft. Erst wenn die Luft an der Oberfläche des Hitzeschildes reibt entsteht das Plasma (ionisierte Luft). Wenn du nun versuchst dieses Plasma fernzuhalten kühlt es sich ab und ist ja dann gar keins mehr...
Siehe dazu auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Plasma_%28Physik%29#Erzeugung_von_Plasmen

Um es mit ganz einfachen Worten zu sagen: Der Hitzeschutzschild ist die Bremse des Raumfahrzeuges und funktioniert wie die Scheibenbremse beim Auto.
 :o
Ja. Wie die Scheibenbremse beim Auto: Ein Stoff (Bremsbacken) reibt an einem anderen Stoff (Bremsscheibe) und wandelt somit kinetische Energie in Wärme um.
Beim Raumflugkörper ist es genau das gleiche Prinzip: Ein Stoff (Luft) reibt an einem anderen Stoff (Oberfläche des Raumflugkörpers) und wandelt somit kinetische Energie in Wärme um. Die Oberfläche des Raumflugkörpers besteht an den heißesten Stellen aus besonders hitzebeständigem Material (Hitzeschutzschild).
 8-)
Wenn du nun durch was auch immer verhinderst, daß die Luft an der Oberfläche des Raumflugkörpers reibt ist das genauso wie wenn du verhindern würdest daß die Bremsklötze des Autos an den Bremsscheiben reiben: bumm-peng.
 :o
 :-?
Was das "bumm" bedeutet dürfte klar sein und mit "peng" ist der Airbag gemeint.
 ;D

Aber es gibt noch eine Möglichkeit einen Raumflugkörper ohne Hitzeschutzschild abzubremsen: Mit der Rückstoßmethode wie beim Start. Aber man müßte ja dann schon beim Start und während der ganzen Mission den Bremstreibstoff ständig mit sich führen. Und die dafür benötigte Menge wäre gewaltig und würde die Rakete beim Start noch viel gewaltiger werden lassen. Kann man also vergessen...
 :-/
Jedenfalls wenn man auf der Erde Landen möchte. Auf dem Mond sieht die Sache schon anders aus, denn da ist es die einzig machbare Bremsmethode.


Gruß
Peter

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #30 am: 20. Juni 2007, 00:23:28 »
Hallo Peter

Um eine Kraft zu erzeugen, muss nicht wirklich physischer Kontakt bestehen. Der Transrapid beschleunigt und bremst ja
auch mittels Magentfelder. Ein Teil des Magnetfelds muss einfach "fest" mit dem Körper (Kapsel/Transrapid) verbunden sein und mit dem Gegenstück (Atmosphäre/Bahnstrecke) interagieren.
Aber da kommt dann natürlich das Problem für die Kapsel: Das Magnetfeld kann nur mit einem Plasma interagieren und das muss die Kapsel selbst erzeugen. Und das wiederum schafft sie nur durch Hitze/Reibung ... die dieser vorgeschlagene Ansatz ja anscheinend verhindern will ... damit hast du dann Recht ;).
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 00:24:38 von Schillrich »
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Waldi

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #31 am: 20. Juni 2007, 00:45:40 »
Zitat
Ein Stoff (Luft) reibt an einem anderen Stoff (Oberfläche des Raumflugkörpers) und wandelt somit kinetische Energie in Wärme um
Im übertragenen Sinne (als Autobremse) ist Ihre Erklärung zwar verständlich, fachlich ist sie aber falsch. Die Hitze bei dem Wiedereintritt wird im Wesentlichen durch schlagartige Komprimierung in Stoßwellen bei schnellen Hyperschallflug erzeugt, und nur im geringen Umfang durch direkte Reibung Luft/Oberfläche. Und je abgerundet sind die Kanten des Raumschiffes, desto weiter kann man die Stoßwellen von der Oberfläche fernhalten, und desto weniger wird die von der Wärmestrahlung der Plasma aufgeheizt. Schaut auf die Flügelforderkanten von Space Shuttle bzw. Buran. Ideal in diesem Sinne sind die halbrunde Hitzeschilde von Apollo, Sojus, Orion etc.

knt

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Re: NASA-Raumschiff *Orion*
« Antwort #32 am: 20. Juni 2007, 00:49:54 »
Zitat
Außerdem habe ich noch nie gehört, daß die Sojus- und Apollo-Besatzungen sich wegen schlechter Steuerbarkeit der Kapsel beklagt haben oder gar verloren gegangen. Ganz im Gegenteil...
Kannst du das beweisen? Ich denke das gerade die bessere Steuerbarkeit ein Argument gegen Kapselformen und für Gleiterformen wie den Klipper ist.

Zitat
Können Sie diese Behauptung beweisen?
Das könnte ich, brauche es aber nicht da du mir anscheinend zustimmst, denn du schreibst:

Zitat
Ideal in diesem Sinne sind die halbrunde Hitzeschilde von Apollo, Sojus, Orion etc.
Mit "halbrunden Bremsschild" meinst du bestimmt ein in der längsten Achse halbierte Diskus Form der Hitzeschilde - und nicht etwa eine Halbkugel :) Ziel des Hitzeschildes ist es die Hitze gleichmäßig zu verteilen und abzuleiten. Wie man am Bauch von Klipper und Shuttel sieht ist der (halbierte) Diskus nicht die einzige Form mit dieser Eigenschaft - wohl aber die einfachste, weshalb sie bisher (meistens) funktioniert hat.

Zitat
Und wieviel Flüge haben die Japaner mir ihren Diskus hinter sich?
Ich wuste nicht mal das die Japaner einen bemannten Diskus planen? Geflogen ist der sicher noch nicht, das hätte ich schon mitbekommen, es sei den die verschwommenen UFO-Bilder sind echt.

Ich bin übrigends der Meinung das Glocke und Kegel die derzeit idealsten Formen für eine Kapsel sind, wobei ich eher zur Glocke tendiere die theoretisch eine bessere Platznutzung hat. Es kann aber gut möglich sein, das eine Kegelform für Größere Kapsel (wie Orion) besser eignet - da kenn ich mich nicht gut genug aus.

Abgesehn davon bin ich der Meinung das man Kapseln aufgrund ihrer Zuverläßigkeit und Robustheit allenfalls als Rettungsboote zu benutzen - sich ansonsten aber auf die Entwicklung von effizienteren Gleitern konzentrieren sollte.

gruß knt
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 01:01:49 von knt »

Waldi

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #33 am: 20. Juni 2007, 01:19:30 »
Na, haben wir plötzlich ein Gedächnisschwund? Wer hat's erfunden?:Aus dem Thread NASA-Raumschiff *Orion* (http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=3760.msg57077#msg57077):
ILBUS Antworten #240 - am: 15. Juni 2007 um 16:51: 'ich meine ein koplett wiederverwenbarer Raumschiff soll weniger wie eine Glocke aussehen, sondern viel mehr wie eine Untertasse'.
KNT Antworten #243 am 16. Juni 2007 um 13:53: 'Aerodynamisch hat auch ein Diskus natürlich enorme Vorteile gegenüber einer Glocke'.
Also das kann man nur so verstehen, als ein Diskus im Form von einer Frisby-Scheibe mit planer Oberfläche unten besprochen wird - als Gegenstück zu herkömmlichen Wiedereintrittkapseln mit abgerundeten Hitzeschildern.
Ich habe vor paar Jahren so ein Projekt von Jaxa gesehen - der sah echt wie ein UFO aus. Ich dachte, daß Sie diesen Projekt auch meinten.
Wegen Steuerbarkeit - ich meinte vorhin eher die Flugbahn- und Lagestablilität der Kapsel, auch beim Ausfall von Steuersystemen. Schon was von ballistischen Wiederauftritt gehört? Schon mehrmals passiert. 2-3 Sojus-Kapseln haben sowas schon überstanden - in Gegesatz zu Kolumbia.
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 01:35:43 von Waldi »

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #34 am: 20. Juni 2007, 06:36:19 »
Zitat
Und je abgerundet sind die Kanten des Raumschiffes, desto weiter kann man die Stoßwellen von der Oberfläche fernhalten, und desto weniger wird die von der Wärmestrahlung der Plasma aufgeheizt. Schaut auf die Flügelforderkanten von Space Shuttle bzw. Buran. Ideal in diesem Sinne sind die halbrunde Hitzeschilde von Apollo, Sojus, Orion etc.


Bei Hitzeschildkonzepten verweise ich noch mal auf das SHEFEX-Projekt:

http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=251.0
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=251.0


Bei diesem Projekt geht es darum, die abgerundete Form (blunt-nose-design) durch eine 'kantige' Geometrie zu ersetzen. Dadurch lassen sich standardisierte Kacheln für alle Bereich verwenden. Das macht natürlich nur bei einem Gleiter Sinn, da eine Kapsel ja schon eine einfach Geometrie des Bodens hat.
Bei diesem kantigen Design liegen die Stoßwellen natürlich an den Kanten an. Damit wird das Material stärker erhitz. Deshalb benötigt man auch andere Wiedereintrittstrajektorien, die gemächlicher abbremsen und mehr Auftrieb erzeugen als es bei heutigen Techniken der Fall ist.
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 06:38:12 von Schillrich »
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knt

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #35 am: 20. Juni 2007, 09:38:20 »
Zitat
Na, haben wir plötzlich ein Gedächnisschwund?
Nein, schaut eher nach einem Mißverständniss aus.

Ich nehme aber an du bist neu im Internet oder zumindest in einem Diskusion-Foren. Herzlich Willkommen! Das würde auch deine degenerierte Diskusionskultur, schon der zweite Post den du feindselig beginnst, ausreichend entschuldigen. Mein Tip: Schreibe betont neutral wenn du selber nicht auf einen Streit aus bist. Durch das Fehlen etlicher Kommunikations-Dimensionen, wirkt das geschriebene Wort sehr stark, was leicht zu Mißverständnissen deiner Intention führt.

Zitat
Also das kann man nur so verstehen, als ein Diskus im Form von einer Frisby-Scheibe mit planer Oberfläche unten besprochen wird - als Gegenstück zu herkömmlichen Wiedereintrittkapseln mit abgerundeten Hitzeschildern.
Ah, hier liegt das Problem. Nein, ein Diskus ist keine Frisby sondern eine Stark abgeflachte Kugel. Ein anderes Wort für Diskus wäre Linsenform - mathematisch wohl ein Ellipsoid. Entschuldige, da habe ich mich anscheinend nicht so verständlich ausgedrückt wie es für dich nötig gewesen wäre.

Zitat
Wegen Steuerbarkeit - ich meinte vorhin eher die Flugbahn- und Lagestablilität der Kapsel, auch beim Ausfall von Steuersystemen.
Nach dem Ausfall der Steuersysteme von Steuerbarkeit zu reden ist lächerlich.
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 09:53:01 von knt »

ILBUS

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #36 am: 20. Juni 2007, 11:26:02 »
Waldi vergelicht hier die Glocke mit einem Duskus unter dem Aspekt des Wärmehaushalts. Ein Diskuss bätte da, meiner Meinung nach, auch Vorteile.

Ein Körper der erhitzt wird, pendelt seine Temperatur in dem Bereich ein, bei dem die abgestrahlte (oder auf eine andere weise abtransportierte) Hitze gleich der Zugefügten ist. Als die Angriffsfläche betracte man nur den Schild. Flächenbelastung durch die Masse ist beim Diskuss geringer, also ist auch die Energiezufuhr pro Fläche geringer (Stefan-Bolzman Gesätzt):



Durch grössere Fläche kann man auch eine flachere Wiedereintrittbahn einleiten, und somit auch geringere Hitzezufuhr pro Zeit erreichen.  Zusammen, vermutte ich, würden diese Effekte eine leichtere Ablativschicht erlauben. Vielleicht wäre sogar ein Verzicht auf diese denkbar.

Ein Vergleich des Diskus mit der Frissbiescheibe ist nur bedingt angebracht. Die Geometrie des Diskuss kann so gewählt werden, dass es auch ohne Rotation eine selbststabielisieremde Lage einnimt, und somit eine erhöchte Sicherheit für den Fall des Steuersystemausfalls hat. Die Aerodynamischen Charakteristika wären immer noch nicht mit dem eines Flugzeugs vergleichbar, aber eine durchschnittliche Gleitzahl von etwa 5 wären denkbar, was im Vergleich zu den heutigen Kapseln (je nach Flugprofil 0.3 bis 1) ein deutlicher Vorteil wäre. (Bessere Landepunktgenauigkeit)
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 14:53:24 von ILBUS »

knt

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #37 am: 20. Juni 2007, 11:52:56 »
Zitat
Die Aerodynamischen Charakteristika wären immer noch nicht mit dem eines Flugzeugs vergleichbar, aber eine durchschnittliche Gleitzahl von etwa 5 wären denkbar, was im Vergleich zu den heutigen Kapseln (je nach Flugprofil 0.3 bis 1) ein deutlicher Vorteil wäre.
Wikipedia sagt 5, ist in etwa die Gleitzahl eines (Sport-)Segelflugzeugs bei der Landung - stimmt das? Wie hoch schätz du die Gleitzahl von Klipper? und wie hoch ist die vom Space Shuttel zum Vergleich?
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 11:59:00 von knt »

ILBUS

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #38 am: 20. Juni 2007, 13:21:02 »
Ich habe bei www.buran.ru in der russischen Version eine Vergleichsreferenz gefunden, die Verdeutlichen soll wie sanfter ein Wiedereintritt bei einem Gleiter (oder eben einem anderen Vehikel mit guten Gleiteigenschaften) ist. Die Flugdauer des Burans in der Phase, bei der sich die Plasma bildet ist in etwa drei mal länger, als bei den Sojuszkapseln: die Abbremsung ist also wirklich deutlich sanfter, was für mich auch eine geringere Heizleistung der Plasma bedeutet.

Auf der selben Seite wird angegeben, dass der Buran von der 50km Höhe 550km zur Landebahn bewältigt hat. Also ist die durchschnittliche Gleitzahl höher als 11 (vermutlich gilt das Gleiche für den Shuttle). Bei dem Clipper werde ich auf den Wert 7 bis 8 tippen.

 Hier muss ich darauf hinweisen, dass die Gleitzahl doch sehr Flugprofil abhängig ist: beim Überschall kann sie komplet anderes sein, als beim Hyper- oder Subschal. Man kann sie aktiv variieren: so besitzen Leistungssegler und Ultraleichtflieger eine Gleitzahl höher als 20, manche sogar viel höher. Bei einer Landung halten aber diese Fluggeräte Geschwindigkeiten zwischen 80 und 160 km/st, bei Sinkgeschwindigkeiten unter 10 m/s, beim Toutchdown natürlich noch geringer. Somit kann es im Landeanflug durchaus den Wert 5 annehmen.

Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung und die Technologie der Hitzeschutzschilder unter Umständen das Design der Wiedereintrittskörper grundsätzlich beeinflussen kann. Einige können sich an die ständige veränderungen des Clippers erinnern, ich vermutte wegen in der Zeit sich ändernden Befunden über den Hitzeschutz.
« Letzte Änderung: 20. Juni 2007, 14:58:59 von ILBUS »

knt

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #39 am: 20. Juni 2007, 16:49:23 »
Das war interessant, vielen Dank Ilbus!

Offline alswieich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #40 am: 21. Juni 2007, 01:37:51 »
Zitat
Im übertragenen Sinne (als Autobremse) ist Ihre Erklärung zwar verständlich, fachlich ist sie aber falsch. Die Hitze bei dem Wiedereintritt wird im Wesentlichen durch schlagartige Komprimierung in Stoßwellen bei schnellen Hyperschallflug erzeugt, und nur im geringen Umfang durch direkte Reibung Luft/Oberfläche....
Das hat mir natürlich keine Ruhe gelassen und ich habe etwas gestöbert. Meistens wird immer nur von der Reibungshitze geschrieben. Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperschall_%28Geschwindigkeit%29
Wenn man dann aber bei der Strömungslehre nachschaut wird die Sache schon komplizierter. Da ich keine komplizierten Sachen mag habe ich es wiedermal etwas vereinfacht und (zumindest für mich) verständlicher formuliert:
Wenn ich gehe verdränge ich die Luft vor mir und sie strömt mir ausweichend an meinen Seiten vorbei. Soweit so gut. Wenn ich mich aber immer schneller bewege (z. B. mit einem Überschallflugzeug) hat die Luft mit steigender Geschwindigkeit immer mehr Mühe mir auszuweichen. Masse ist nunmal träge. Das geht soweit, daß die Luft vor mir komprimiert wird bevor sie an mir vorbeiströmen kann. Je höher die Geschwindigkeit desto stärker diese Kompression. Wenn man ein komprimierbares Medium wie z. B. Luft komprimiert erhöht sich dessen Temperatur. Das kennt wohl jeder von der Fahrradluftpumpe. Diese erwärmt sich auch bei der Benutzung. Allerdings wird die Luft beim Wiedereintritt eines Raumflugkörpers extrem stark komprimiert und entsprechend extrem hoch sind auch die Temperaturen der komprimierten Luft. Da diese heiße Luft den Raumflugkörper berührt und an ihm reibt erhitzt sich dieser. Diese heiße Luft vom Raumflugkörper fernzuhalten wäre also gar keine schlechte Idee. Allerdings bisher nicht machbar, weil es wohl zu viel Energie kosten würde, die man ja erstmal in Form von was auch immer mitschleppen müsste. Wenn die Wissenschaftler wüssten wie man sowas realisieren könnte hätten sie es ja auch schon längst getan.

Ich glaube, daß ich es jetzt begriffen habe. Danke Waldi.

Wer es genauer und komplizierter mag (mit Formeln) kann ja mal hier anfangen zu schmökern:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Fwelle
http://de.wikipedia.org/wiki/Mach
http://de.wikipedia.org/wiki/Verdichtungssto%C3%9F
http://de.wikipedia.org/wiki/Str%C3%B6mungslehre
http://de.wikipedia.org/wiki/Kompressibilit%C3%A4t
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberschallflug


Gruß
Peter

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #41 am: 21. Juni 2007, 06:26:57 »
Noch ein Nachtrag zum "Ausweichen" der Luft. Bei Überschall kann man sich den Untschied zur Unterschallströmung etwas anschaulich so vorstellen:

(Druck-)Informationen breiten sich in der Luft mit Schallgeschwindigkeit aus. Dadurch werden bei Unterschall die Moleküle "vorgewarnt", dass gleich etwas kommt. Bei Überschall geht das natürlich nicht mehr. Da werden die Moleküle vom "vorbeiflitzenden" Körper überrascht. Dadurch kommt es zum Verdichtungsstoß, also der extremen Kompression, die wir dann als Überschallknall beim Vorbeifliegen hören.

Im Normalfall liegen solche Verdichtungsstöße an scharfen Kanten an. Deshalb ist die beste Überschallgeometrie ein spitzes/scharfkantiges Design, wie es auch bei Flugzeugen angewandt wird. Bei einem "rundlichen" Design (blunt nose) wie beim Shuttle liegen die Verdichtungsstöße nich an, sondern bilden sich vor der Kante aus. Strömungstechnisch ist das ineffizienter und bietet mehr Widerstand. Aber beim Shuttle geht es aber u.a. darum den extrem heißen Verdichtungsstoß von der Zelle fern zu halten.
« Letzte Änderung: 21. Juni 2007, 06:31:58 von Schillrich »
\\   //    Grüße
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ILBUS

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #42 am: 23. Juni 2007, 10:53:19 »
Ich habe mich noch eine Weile mit Wiedereintrittskörpern beschäftigt und stosse dabei auf einen Artikel im GEO. Dort wird ein Landeanflugtest des verkleinerten Hoppermodels Phoenix beschrieben. Dabei wird ein Sturzwinkel von 23 grad erwähnt was auf eine Gleitzahl von 2.5 hindeutet. Ich muss deswegen meine Schätzung für den Klipper runter auf zwischen 3 und 5 korrigieren.
« Letzte Änderung: 23. Juni 2007, 11:08:27 von H.J.Kemm »

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #43 am: 23. Juni 2007, 11:07:44 »
Hallo ILBUS,

das ist richtig so, glaube ich. Für einen reinen effizienten Raumgleiter sollte man schlechte Gleitwerte annehmen. Das Shuttle ist dabei wiederum ein schlechter Vergleich, denn das hat ja "extra" große Tragflächen bekommen, um für die Air Force möglichst gut und weit gleiten zu können.
\\   //    Grüße
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hibi

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #44 am: 23. Juni 2007, 12:18:18 »
@ Schillrich

Kann es sein, das ich das dann falsch verstanden habe, also ich mal in einem Film (mir ist entfallen welcher) gehört habe, das das Shuttle eigentlich wie ein Stein vom Himmel fällt und deshalb schwer zu steuern ist .... *kopfkratz*

Offline Schillrich

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #45 am: 23. Juni 2007, 12:37:52 »
@hibi

Nee, das stimmt schon, es fällt wie ein Stein vom Himmel. Daher kommt auch sein Name "flying brick". Aber es geht noch schlechter ;). Das Shuttle hat auf Anforderung der Air Force eine große "cross-range" bekommen. Es sollte also relativ weit (ca. 1500km wenn ich mich recht entsinne) quer zur Orbitrichtung in der Atmosphäre fliegen können. Deshalb hat es relativ große Tragflächen bekommen. Im Vergleich zu einem "echten" Flugzeug ist das Verhalten aber immer noch schlecht. Man kann ja auch beim Landeanflug sehen, wie steil es "fällt".
Als Beispiel wie die Flugeigenschaften eines normalen Fliegers modifiziert werden müssen, muss man sich nur anschauen, was die STA (Shuttle Training Aircraft) machen, um das Shuttle zu simulieren.

Aber vielleicht wissen unsere Shuttle-Freaks mehr.
« Letzte Änderung: 23. Juni 2007, 12:38:24 von Schillrich »
\\   //    Grüße
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H.J.Kemm

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #46 am: 24. Juni 2007, 18:33:15 »
Moin,

eigentlich finde ich alles was ich hier im Forum suche; aber da ist eine Sache, die finde ich nicht.

Es handelt sich um ein *Hitzeschutzmaterial*, welches in Deutschland entwickelt wurde (Stuttgart??). Darüber haben wir auch irgendwo hier im Forum in einem Thread etwas geschrieben. Kann sich jemand daran erinnern oder weiß jemand sonst etwas über diese Sache?

Jerry


Waldi

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Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #48 am: 25. Juni 2007, 13:01:01 »
Zitat
Es handelt sich um ein *Hitzeschutzmaterial*, welches in Deutschland entwickelt wurde (Stuttgart??)
Kann sein, daß Sie die X-38 meinen?

Hier http://www.c-hoffmann.de/x38.htm unter "5. Das Wärmeschutzsystem" gibt's was nachzulesen, z.B. "Aus dem ... Kohlenstofffaserverstärkte Sliciumkarbid wird die Nase, der erste Nasenring, die Seitenruder, die Leading-edges sowie die Heckklappe gefertigt".
Oder hier: http://www.uni-stuttgart.de/uni-kurier/uk86/forschung/fw58.html - wird über Stuttgart gesprochen.
« Letzte Änderung: 25. Juni 2007, 13:04:28 von Waldi »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Hitzeschutzschild
« Antwort #49 am: 25. Juni 2007, 13:18:22 »
Moin,

danke an knt & Waldi.

Ich glaube, daß ich Shefex und auch PYREX-KAT38 nicht meine, denn der Bericht, den ich vor höchstens 1 1/2 Jahren  gelesen habe, bezog sich auf eine brandneue Sache und man ging auf die Ruhephase der Shuttlestarts wegen des letzten großen Unglücks ein.

Wenn ich den RFK wieder auf dem aktuellen Stand habe (war mehrfach abgestürzt) dann gehe ich an die Suche.

Jerry

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