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Autor Thema: Weltraummüll  (Gelesen 143871 mal)

Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #425 am: 15. Februar 2019, 21:17:29 »
Vielleicht noch ein paar Details dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=2nBSH_DVGkA

- RemoveDebris ist ein Projekt der EU, durchgeführt von der University of Surrey, Airbus und Surrey Satellites
- man macht noch weitere Demo-Experimente mit einer Harpune und einem Segel an Bord des Großen ... ohne die beiden CubeSats
- derzeit verschiebt sich die Freigabe für den Flug aus Sicherheitsgründen für die ISS

Ich vermute mal, bei der Sicherheit geht's v.a. darum die komplexe Maschine an Bord der ISS sicher zu beherrschen. Immerhin sind hier ja offenbar ein paar mechanische Energiespeicher an Bord, um die verschiedenen Mechanismen auszulösen.

Offenbar hat heute die Harpune des Satelliten geschossen ...
https://www.surrey.ac.uk/news/harpoon-successfully-captures-space-debris


https://www.youtube.com/watch?v=3oryJMdonUA

... und sie hat ihr Ziel getroffen und offenbar gehalten.
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Offline Pirx

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Re: Weltraummüll
« Antwort #426 am: 16. April 2019, 08:54:30 »
Aktueller Bericht zum Müll im Orbit:
https://orbitaldebris.jsc.nasa.gov/Quarterly-News/pdfs/ODQNv22i4.pdf

...   Im August hat sich die Centaur-Oberstufe von USA 257 CLIO aus 2014 zerlegt. Man verfolgt 70 entdeckte Objekte.

In den letzten Tagen gab es 3 neue Einträge im Objektkatalog, die dieser Mission zugeordnet werden ... offenbar zerlegt sich die CENTAUR weiter?
Den Centaur von CLIOs Verwandtem PAN alias USA 207 hat es mittlerweile auch zerlegt:

"Gelegenheit zur Untersuchung von Trümmerbildung

Eine Raketenexplosion bietet seltene Gelegenheit zur Untersuchung von Trümmerbildung. Die ausgediente Oberstufe einer vor fast 10 Jahren gestarteten Rakete ist kürzlich explodiert. Eine Information der Europäischen Raumfahrtagentur (European Space Agency, ESA). "

Weiter im Portal: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/16042019084524.shtml

Gruß    Pirx
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Offline Sensei

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Re: Weltraummüll
« Antwort #427 am: 16. April 2019, 11:03:18 »
Uhh, nicht gut!
34.700 km x 6.675 km? Das dauert doch ewig bis diese Trümmer wieder aus dem Orbit sind.
Und da regt man sich über den Abschuss von Microsat-R tiefen LEO auf :/

UND: Warum wurde bitte die Oberstufe weder aus dem GTO deorbitet um die 25 Jahresfrist einzuhalten noch der Treibstoff abgelassen? War das nicht geplant oder gab es Fehler in der Centaur?

PS: Sehe ich das richtig, dass weder im Portalartikel noch im ESA Artikel die Mission genannt wurde bei der die Centaur/ Objekt 2009-047B gestartet wurde? (bis auf die Verweise am Ende)

Und im Missionsthread zu "PAN alias Nemesis 1" das Zerlegen der Centaur Oberstufe auch noch nicht erwähnt wird?
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Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #428 am: 16. April 2019, 11:07:35 »
25 Jahre gelten nicht für den GTO, sondern für "operating in or crossing LEO protected region". Nach IADC-Richtlinien hört das das bei 2000km Höhe auf.

Zusatz: Wenn man sich die Regeln genau anschaut, gelten die 25 Jahre doch, sobald das Objekt nach Missionsende innerhalb von 100 Jahren von außen kommend da erste Mal die 2000km unterschreitet.

Seltsame Regel. Wer hat denn da noch die Kontrolle und Verantwortung, um sich dann um die 25 Jahre zu kümmern? Im schlimmsten Fall ist das Ding seit 99 Jahren abgeschaltet ...
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Offline MarsMCT

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Re: Weltraummüll
« Antwort #429 am: 16. April 2019, 11:46:25 »
Ich würde mich in diesem Fall nicht über das fehlende Deorbit ärgern. Da oben ist es ziemlich leer und die Stufe würde zehntausende Jahre brauchen um abzusinken. Schon in 1200km Höhe sind es 1000 Jahre, bis sie unten sind. Wirklich ärgerlich ist das mangelhaftge safen. Batterien kontrolliert entleeren und die Tanks lüfte muß drin sein. Auch ältere amerikanische Spionagesatelliten explodieren gerne mal mangels richtigem safen.

Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #430 am: 16. April 2019, 12:09:26 »
Das die neuen Centaurs hier ein Problem haben, scheint für mich aber kein "böswilliges Vergessen/Ignorieren" zu sein, sondern man hat wohl im Design etwas falsch gemacht/übersehen. Das Passivieren hat wohl nicht vollständig funktioniert.
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Offline holleser

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Re: Weltraummüll
« Antwort #431 am: 16. April 2019, 14:19:28 »
Was geht denn in den Centauern nach so vielen Jahren hoch? Wasserstoff dürfte doch bereits nach einigen Wochen vollständig weg diffundiert sein. Ist es die Batterie? Kann die so  viel kinetische Energie freisetzen? Es ist doch dann wohl eher ein platzen der Gehäuse wegen überdruck durch chemische Zerstzung. Kann es hier wirklich zu einem zerlegen der gesamten Stufe kommen?

Offline Pirx

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Re: Weltraummüll
« Antwort #432 am: 25. April 2019, 16:59:30 »
Aktueller Bericht zum Müll im Orbit:
https://orbitaldebris.jsc.nasa.gov/Quarterly-News/pdfs/ODQNv22i4.pdf

...   Im August hat sich die Centaur-Oberstufe von USA 257 CLIO aus 2014 zerlegt. Man verfolgt 70 entdeckte Objekte.

In den letzten Tagen gab es 3 neue Einträge im Objektkatalog, die dieser Mission zugeordnet werden ... offenbar zerlegt sich die CENTAUR weiter?
Den Centaur von CLIOs Verwandtem PAN alias USA 207 hat es mittlerweile auch zerlegt: ...

Weiter im Portal: https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/16042019084524.shtml

Gruß    Pirx
Und noch ein Centaur - vom Start des AEHF 4 (USA 288) - hat sich zerlegt:

https://twitter.com/18SPCS/status/1121184362559496192

"#18SPCS confirmed breakup of ATLAS 5 CENTAUR R/B (2018-079B, #43652) on April 6, 2019. Tracking 14 associated pieces – no indication caused by collision."

Gruß   Pirx
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Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #433 am: 25. April 2019, 19:25:25 »
Also tatsächlich noch eine? Irgendwie ging das heute "durcheinander", da manche Kanäle erst jetzt das Ereignis der PAN/USA-207-Centaur-Stufe aufgegriffen und verbreitet haben.
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Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #434 am: 03. Mai 2019, 06:47:28 »
Es gibt wieder einen Quartalsbericht Orbital Debris Quarterly News:
https://orbitaldebris.jsc.nasa.gov/quarterly-news/pdfs/ODQNv23i1.pdf


Ende 2018 ist ORBCOMM FM-16 auf 783km x 780km x 45° zerbrochen. Man verfolgt 12 Trümmerteile. Was mich bei den Daten wundert: die sind alle auf einer höheren Bahn gelandet (ca. 3 - 4 Minuten mehr Umlaufzeit):


Quelle: NASA - ORBITAL DEBRIS PROGRAM OFFICE - ODQN, Volume 23, Issues 1 & 2


Für die Centaur-Stufe von USA 257 sieht es so aus: 71 Objekte werden verfolgt. Sie sind "gut" und weit nach oben und unten verteilt mit einem Umlaufdelta von bis zu 140+ Minuten.


Quelle: NASA - ORBITAL DEBRIS PROGRAM OFFICE - ODQN, Volume 23, Issues 1 & 2

Außerdem hat sich eine Oberstufe und ein Adapter der der japanischen H-IIA zerlegt, die GOSAT 2 im Oktober gestartet hat. Die Stufe ist offenbar auf 590 km x 493 km x 98.8° zerbrochen. Man verfolgt sieben Objekte. Gleichzeitig (am selben Tag) soll auch der konische Adapter aus der Dual-Nutzlast-Encapsulation auf 629 km x 594 km x 97.85° fünf Objekte verloren haben.
Es gab vorher offenbar vier Vorfälle mit der H-II: 1998-011B, 2006-002B, 2006-037B, 2007-005E) ... dreimal die Oberstufestufe, einmal "mission related debris object / Adapter".
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Offline -eumel-

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Re: Weltraummüll
« Antwort #435 am: 03. Mai 2019, 12:14:16 »
Sind die Satelliten von Weltraummüll getroffen worden?
Oder zerlegen die sich selbst - ohne äußeren Anlass?  ???
Die haben doch sicher keine Schraube locker, oder?

Weltraumschrott kann sich prächtig vermehren.

Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #436 am: 03. Mai 2019, 12:22:34 »
Bei den Stufen geht man derzeit doch am ehesten davon aus, dass ihrgendein Energiespeicher nicht vollständig passiviert wurde und nach einiger Zeit birst. Bei Satelliten trifft das an sich auch zu. Das ist derzeit die wahrscheinlichste Ursache.

Mal schauen, ob man bei den Orbcomms noch mehr herausfindet ... davon sind ja noch ein paar da oben.
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Offline Rücksturz

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Re: Weltraummüll
« Antwort #437 am: 20. Juni 2019, 19:20:14 »
"Kooperation zur Reduzierung von Weltraummüll

So wie der Klimawandel und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung, ist auch das Thema Weltraummüll zu einem globalen Anliegen geworden, da die Auswirkungen alle betreffen, die im Alltag satellitenbasierte Dienstleistungen nutzen. Eine Information der Europäischen Raumfahrtagentur (European Space Agency, ESA)."

Weiter in der Pressemeldung der ESA:
https://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/30052019120916.shtml

Viele Grüße
Rücksturz

Offline Astrogy

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Re: Weltraummüll
« Antwort #438 am: 23. Juni 2019, 16:56:57 »
Moin,

ich habe jetzt vor kurzem gelesen, dass sich bereits über 100 Millionen Teile und Kleinstteile im Erdorbit befinden und für die künftige Raumfahrt eine große Gefahr darstellen; ja in einer bestimmten Zeit sogar unmöglich machen.

Dieser *Raumfahrtschrott* besteht aus Resten von Satelliten, Raketen und auch militärischen Gegenständen.

Wissenschaftler meinen, dass ab sofort kein Müll oder Schrott mehr anfallen darf und das versucht werden muß, einen Großteil der vorhandenen Objekte einzufangen und sicher zum entsorgen. Die Entsorgung bzw. Verhinderung von Weltraummüll wird eine große Herausforderung der nächsten Generation sein oder die Raumfahrt schränkt sich drastisch von selbst ein.

Hier zeigt sich ganz einfach die typische *NachmirdieSintflut-Praxis* der Menschen. Es kann ja wohl keiner behaupten, dass man mit diesem Müll nicht hätte rechnen können. Da sonnen sich einige dieser Weltraumagenturen in erreichten Weltraumerfolgen, aber die negative Seite wird natürlich nicht gezeigt.

Jerry

 

Zu dem Thema habe ich erst kürzlich einen interessanten Artikel gelesen (von der DGLR): https://www.openpr.de/news/1034669/Weltraummuell-DGLR-raet-zum-nachhaltigen-Umgang-mit-dem-Weltraum.html
Ich finde es krass wieviel Teile da rumdüsen ... und das wird immer mehr

Online Schillrich

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Re: Weltraummüll
« Antwort #439 am: 04. August 2019, 20:10:29 »
NASA hat die nächsten Orbital Debris Quarterly News veröffentlicht:
https://orbitaldebris.jsc.nasa.gov/quarterly-news/pdfs/ODQNv23i3.pdf

Eine weitere CENTAUR hat sich zerlegt: im April hat sich die Oberstufe von USA 288 (AEHF 4) zerlegt, gestartet 2018, auf Orbit 35092 km x 8526 km, 12,2°.

Was hier "helfen" würde, meiner Meinnung nach: Missionsdesign! Der finale Aussetzorbit sollte ein niedriges Perigäum haben! Die Oberstufe könnte ihre Energie lieber in den Inklinationsabbau stecken, anstatt in die große Halbachse!

Es gibt auch einen Bericht zu Großkonstellationen. Dazu werde ich im passenden Thread schreiben.
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Offline Sensei

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Re: Weltraummüll
« Antwort #440 am: 05. August 2019, 10:37:56 »
Zitat
Was hier "helfen" würde, meiner Meinnung nach: Missionsdesign!
Und, anscheinend, effektives Passivieren.  :-\

Satelliten zerlegen sich ja nicht einfach so - dazu braucht es einen Auslöser.
Und diese Auslöser sind im Satelliten selbst so weit wie möglich zu vermeiden.
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Offline rok

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Re: Weltraummüll
« Antwort #441 am: 05. August 2019, 11:40:27 »
Der "Auslöser" ist meistens extern. Bei Raketenstufen und bei "passivierten" Satelliten fubktioniert das Temperatur-Management nicht mehr. Durch die Sonneneinstrahlung können einzelne Bereiche so stark erhitzt werden, dass die dort verbauten Druckspeicher, Tanks, Akkus platzen.

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Re: Weltraummüll
« Antwort #442 am: 05. August 2019, 13:03:44 »
Nicht wenn die Druckspeicher und Tanks passiviert und gelüftet sind. Darum geht es ja gerade.
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Offline Progress100

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Re: Weltraummüll
« Antwort #443 am: 15. August 2019, 09:51:53 »
Eine weitere Endstufe hat sich zerlegt, ohne Anzeichen für eine Kollision.
Diesmal eine Ariane. Mit ihr wurde 1992 TOPEX-POSEIDON gestartet.
Bisher 7 Fragmente registriert.

https://twitter.com/18SPCS/status/1161740449029115904
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Offline Progress100

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Re: Weltraummüll
« Antwort #444 am: 25. Oktober 2019, 15:00:23 »
...
Eine weitere CENTAUR hat sich zerlegt: im April hat sich die Oberstufe von USA 288 (AEHF 4) zerlegt, gestartet 2018, auf Orbit 35092 km x 8526 km, 12,2°.
...

Mittlerweile wurden 54 Fragmente registriert.

https://twitter.com/planet4589/status/1187588835955351554
Hold on to your dreams !

Offline Sensei

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Re: Weltraummüll
« Antwort #445 am: 26. Oktober 2019, 13:21:11 »
...welche auch die GTO-Orbits kreuzen :/

Tory Buro selbst hat auch selbst geantwortet und gemeint, dass:

Zitat
All Centaurs placed in disposal orbit have been passivated (Fuel and gasses blown down, batteries depleted, valves opened, etc) as a standard practice.

Centaurs-Oberstufen werden wohl alle passiviert - was aber ja anscheinend nicht so gut klappt ...
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Offline Sensei

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Re: Weltraummüll
« Antwort #446 am: 19. November 2019, 00:29:49 »
Ich bin auf Twitter auf einen sehr interessanten Acc gestoßen:

Professor Hugh Lewis, Head of the Astronautics Research Group at the University of Southampton

In den letzten Tagen hatte er 3 längere Twitterfäden geöffnet in denen er verschiedene Aspekte der Modellierung von Space Debris und der Annäherung an das Kessler-Sydrom dargelegt hat:

1. Bedeutung von Orbithöhen:

https://twitter.com/ProfHughLewis/status/1195814899366211586



Wie ihr alle erkennt muss man sich vorzugsweise um die 1400km Orbits kümmern! ;)

2.Teil der Critical Thinking Reihe: Einfluss einer modellierten Megakonstellationen (1200km Orbit, keine Kollisionen beim Betrieb, 5% Ausfallrate) auf den Weltraummüll
https://twitter.com/ProfHughLewis/status/1196169080652341248

3. Teil: 200-Jahre Projektion einer Weltraummüllentwicklung mit festgehaltenen Bedingungen:
https://twitter.com/ProfHughLewis/status/1196539441181024258



Wenn euch das Thema interessiert solltet ihr auch Unbedingt die Threads lesen! :)
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Offline Han_Solo

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Re: Weltraummüll
« Antwort #447 am: 20. November 2019, 12:02:27 »
... wird mehr und mehr. Schon erschreckend wie es mittlerweile über uns aussieht. Noch nicht gesehen, dann schaue hier:

http://www.stuffin.space/

Interessanter Beitrag dazu: "Kessler-Syndrom"
https://www.heise.de/ct/artikel/Wie-Weltraummuell-alle-be-trifft-4578044.html


edit tomtom: Thread in den bereits vorhandenen geschoben.



« Letzte Änderung: 20. November 2019, 12:39:11 von tomtom »
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Offline Gertrud

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Re: Weltraummüll
« Antwort #448 am: 06. Dezember 2019, 17:21:15 »
Hallo Zusammen,

Ausmaß der Herausforderung, Weltraumdebris zu verhindern, aufgedeckt.

Auf der ersten internationalen Weltraumdebriskonferenz vom 9.12 bis 12.12.2019 in  Sugar Land, USA wird  Professor Hugh Lewis den Delegierten das Ergebnis des Weltraumdebrismodell der University of Southampton vorstellen.
Das derzeitige Niveau der Weltraumaktivität ist möglicherweise nicht nachhaltig, auch ohne die Einführung sogenannter „Mega-Konstellationen“, wie eine neue Studie der Universität von Southampton gezeigt hat.

Er hat damit festgestellt, dass die Aufrechterhaltung einer geringen Anzahl von Satelliten im Orbit in einer Höhe von über 1000 km zu mehr Kollisionen und einem exponentiellen Wachstum von Weltraummüll führen kann. Er untersuchte, wie die nachverfolgbare Weltraummüllpopulation reagieren könnte, wenn die Richtlinien zur Emissionsminderung weitestgehend übernommen und die jüngsten Weltraumaktivitäten unverändert fortgesetzt würden.

Die IADC hat eine Reihe von Richtlinien zur Reduzierung von Weltraummüll festgelegt, die für diese Region gelten, insbesondere die 25-Jahres-Regel, die Satellitenbetreiber anweist, die Zeitspanne zu verkürzen, die ihre Satelliten  nach dem Ende ihrer Mission in der geschützten Region verbringen. Es wurde davon ausgegangen, dass diese Maßnahmen die Erzeugung neuen Weltraummüll im Schutzgebiet verhindern würden.
Um die 25-Jahres-Regel in den Simulationen zu erfüllen, führte jeder Satellit, der in einer Höhe von über 600 km gestartet wurde, am Ende seiner Mission ein Manöver durch. Diese Manöver führten unterhalb von 600 km zu zusätzlichem Verkehr, was zu einer starken Zunahme von Kollisionen führte.
Anstatt sich, wie in vielen anderen Studien, auf die nächsten 200 Jahre Weltraumaktivität zu konzentrieren, untersuchte Professor Lewis die Auswirkungen der nächsten 1000 Jahre.
Das Problem ist, dass die  besten Gegenmaßnahmen das Tempo der kaskadierenden Kollisionen so stark verlangsamen, dass es in den aktuellen 200-Jahres-Simulationen nicht mehr zu beobachten ist. Durch ihre Ausweitung auf 1000 Jahre wurde die wahre und fast unvermeidliche Natur des Problems aufgedeckt.  Ungefähr ein Viertel aller katastrophalen Kollisionen, die in den Simulationen beobachtet wurden, betrafen Satelliten, die die 25-Jahres-Regel erfolgreich erfüllt hatten.
"Etwas, von dem angenommen wurde, dass es eine effektivste Gegenmaßnahme ist, stellt sich als mögliche Quelle für Kollisionen heraus. Obwohl diese besonderen Kollisionen nicht unbedingt zu einem unkontrollierten Wachstum der Weltraummüllpopulation führen, können sie durchaus ein erhebliches Sicherheitsproblem für Satelliten darstellen, die unter 600 km Höhe operieren möchten, einschließlich einiger großer Konstellationen. "sagte Professor Lewis.

Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, Raumfahrzeuge und Oberstufen in niedrigeren Flughöhen als angenommen zu manövrieren, wobei die verbleibenden Lebensdauern wesentlich kürzer als 25 Jahre sind.

Quellen:
https://www.southampton.ac.uk/news/2019/12/space-debris.page
https://www.hou.usra.edu/meetings/orbitaldebris2019/orbital2019paper/pdf/6097.pdf
 
Beste Grüße
Gertrud
die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
***
Die Gabe des Staunens lässt uns die Welt aufgeschlossener sehen und ihre Wunder würdigen. (Richard Henry Lee)

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Re: Weltraummüll
« Antwort #449 am: 06. Dezember 2019, 18:28:05 »
Zitat
Obwohl diese besonderen Kollisionen nicht unbedingt zu einem unkontrollierten Wachstum der Weltraummüllpopulation führen, können sie durchaus ein erhebliches Sicherheitsproblem für Satelliten darstellen, die unter 600 km Höhe operieren möchten, einschließlich einiger großer Konstellationen. "sagte Professor Lewis.

Das wollen wir für diese Konstellationen doch nicht hoffen ;)


Nur um das noch einmal heraus zu stellen: die wohl primäre Erkenntnis ist, dass ein Anhäufen von Trümmern im hohen LEO unterschätzt wurde und über die Jahrhunderte ein exponentielles Wachstum erfahren würde.
Ein Kessler-Effekt, der so noch nicht unbedingt erwartet wurde.

Kollisionen unter 700 km bleiben der Simulation stabil, aber eben auch relativ häufig.

Meine Schlüsse:
- Da hier nur die bisherige Raumfahrt unverändert weiter in die Zukunft projektiert wurde müsste man in einer Folgestudie auswirkungen verschiedener Änderungen (generell mehr Sats. einfluss verschiedener Großkostellationen) durchtesten.

- Außerdem müsste man die Auswirkungen verschiedener Deorbit- und Reinhalteverfahren (Regel für <<25Jahre, Bremssegel, deorbit durch 3. Sattelliten, Laser..) durchspielen

- für Panik ist es zu früh. Kesslersyndrom ist eher ein Langfristproblem (ich sehe soo häufig dass für die nächsten Jahrzehnte schon davor gewarnt wird)

- es wurden nur Trümmer über 10cm betrachtet. welchen unterschied würde z.b. eine <1cm Simulation machen?

Sehr gute und hilfreiche Grafiken von seinem Twitteracc:



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