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Autor Thema: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur  (Gelesen 45262 mal)

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #50 am: 10. November 2005, 19:03:14 »
Moin Lunik,

lt. ESA kostet die Mission VENUS-EXPRESS ~ 220 Millionen €, wobei die Sonde *nur* ~ 82 Millionen € kostet.
MARS-EXPRESS war noch um ~ 90 Millionen € teurer. Ein echtes Schnäppchen.


Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #51 am: 22. Februar 2006, 12:45:33 »
Moin,

hundert Tage nach dem Start zur Venus wurde das Haupttriebwerk der VENUS - EXPRESS Sonde der ESA erfolgreich gestartet und getestet.

Mehr Information gibt es hier >>>


Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #52 am: 27. März 2006, 16:42:21 »
Moin,

hier die neuesten Informationen von der ESA über die laufende Mission und die Vorbereitung zum Orbit von *Venus-Express*:


27 März 2006
Das Venus Express-Team im Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) befindet sich in einer intensiven Vorbereitungsphase für die Ankunft der Raumsonde an ihrem gleichnamigen Ziel, die für den 11. April vorgesehen ist.
 
Das für nächsten Monat geplante Einschwenken in eine Bahn um die Venus kennzeichnet die Ankunft der ersten ESA-Mission an der Venus, die als einer der rätselhaftesten Planeten des Sonnensystems gilt.

Das Einschwenken in die Umlaufbahn erfordert eine Reihe von ferngesteuerten Aktionen, Triebwerkzündungen und Manövern, die Venus Express von ihrer Geschwindigkeit unmittelbar vor der ersten Zündung (29.000 km/h im Verhältnis zur Venus) auf eine rund 15 Prozent niedrigere Einschwenkgeschwindigkeit abbremsen müssen, damit die Raumsonde von der Schwerkraft des Planeten „eingefangen” werden kann.
 
  
Um 08.03 Uhr (alle Uhrzeiten MEZ auf der Erde) am 11. April beginnen die Flugkontrolleure, die Raumsonde mit der Triebwerkdüse in Bewegungsrichtung zu drehen. In dieser Lage wird das Venus Express-Haupttriebwerk ab 09.19 Uhr für ungefähr 51 Minuten gezündet.

Um das Risiko einer übermäßigen mechanischen Last während der Triebwerkzündung herabzusetzen, werden auch die Solarpaneele in eine geeignete Position gebracht.

Im Verlauf der nachfolgenden Tage erfolgen eine Reihe zusätzlicher Zündungen zum Senken des Apozentrums (planetenfernster Punkt) der Umlaufbahn und Halten des Perizentrums (planetennächster Punkt). Ziel ist es, bis Anfang Mai eine 24-stündige Bahn um den „Treibhausplaneten“ zu erreichen.
 
Während der Triebwerkzündung geht die Raumsonde außerdem in Okkultation. Das bedeutet, dass sie im Funkschatten des Planeten verschwindet, der Venus Express aus Sicht der Erde verdecken wird und für einen fast zehnminütigen Abbruch des Funkkontakts verantwortlich sein wird. Mit dem Austritt aus dem Funkschatten um 09.56 Uhr werden die Flugkontrolleure genaustens auf die Wiederherstellung des Funkkontakts achten.


Q: ESA-Info (Auszug)


Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #53 am: 31. März 2006, 16:56:54 »
Moin,

die neueste Info zur Mision von der ESA:

Nr. 12-2006 – Paris, 31. März 2006

Venus Express bald am Ziel

Nach ihrem Start am 9. November 2005 und ihrem fünfmonatigen Flug über eine Distanz von 400 Millionen km innerhalb unseres Sonnensystems wird die ESA-Sonde Venus Express am 11. April ihr Ziel, die Venus, erreichen.

Die Missionskontrolleure im Raumflugkontrollzentrum der ESA (ESOC) in Darmstadt bereiten sich gründlich auf diesen Tag vor, da die Einbringung der Sonde in ihre Umlaufbahn eine Reihe von Fernsteuerungsbefehlen, Triebwerkzündungen und Manövern erfordert, um sie gegenüber ihrer Geschwindigkeit von 29 000 km/h unmittelbar vor der ersten Zündung um 15 % abzubremsen, so dass sie vom Schwerefeld der Venus erfasst werden kann.

Für dieses Abbremsmanöver und die Einbringung in eine stark elliptische Umlaufbahn um den Planeten muss die Sonde ihr Haupttriebwerk für eine Dauer von 50 Minuten zünden. Hierbei wird der größte Teil der von ihr mitgeführten 570 kg Treibstoff verbraucht. Die Sonnenzellenflügel der Sonde werden während der Triebwerkzündung so positioniert, dass eine übermäßige mechanische Belastung vermieden wird.

An den folgenden Tagen wird durch eine Reihe weiterer Triebwerkzündungen das Apozentrum der Umlaufbahn gesenkt und ihr Perizentrum kontrolliert. Anfang Mai soll die Sonde eine 24-Stunden-Bahn um die Venus erreichen.
 
Der ESA-Fernsehdienst wird das Ereignis vom ESOC aus live und unverschlüsselt übertragen. Die Rundfunkanstalten seien darauf hingewiesen, dass sämtliche Einzelheiten zur Satellitenübertragung unter http://television.esa.int abgerufen werden können.

Unter http://venus.esa.int sind auch im Internet zahlreiche Informationen über das Ereignis sowie regelmäßige Aktualisierungen zu finden, darunter der Videomitschnitt der Pressekonferenz und der Podcast aus dem Kontrollraum des ESOC.


Q: ESA-Informationsdienst /Auszug



Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #54 am: 07. April 2006, 04:12:47 »
Moin,

hier eine weitere Information von *Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt* aus DLR-Portal vom 4. April 2006 (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-1/86_read-2968/):



Seit 153 Tagen rast die europäische Sonde Venus Express mit einer Geschwindigkeit von rund 29.000 Kilometer pro Stunde auf unseren Nachbarplaneten Venus zu. Am 9. November 2005 um 04:33 Uhr MEZ vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan an Bord einer Sojus-Trägerrakete gestartet, hat sie rund 400 Millionen Kilometer zurückgelegt, bevor sie am 11. April um 9.19 Uhr MESZ eins der wichtigsten Manöver absolvieren wird: Dann muss sie ihre Geschwindigkeit um 1.310 Meter pro Sekunde (= 4.716 Kilometer pro Stunde) reduzieren, um in die anvisierte Venus-Umlaufbahn einzuschwenken. Dieses Bremsmanöver ist für die Mission von entscheidender Bedeutung: das Einschwenkmanöver in die Umlaufbahn erfolgt mit dem einzigen Haupttriebwerk der Raumsonde, das kaum größer als ein Schuhkarton ist. Das Triebwerk, das bereits Mitte 2003 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen bei Heilbronn erfolgreich getestet wurde, entwickelt bei diesem Manöver einen Schub von bis zu 400 Newton (N), was umgerechnet etwa einer Leistung von 850 PS entspricht. Das Triebwerk wird am 11. April 2006 für insgesamt 51 Minuten gezündet, um in die Venus-Umlaufbahn einzuschwenken.

DLR in Lampoldshausen testete bereits 2003 das Haupttriebwerk der Venus-Sonde

Alle Triebwerke von Raumfahrzeugen und Sonden, die im Vakuum des Weltraums gezündet werden und nach einer solch langen Flugzeit reibungslos funktionieren müssen, werden vorher intensiv getestet. Lange bevor sich das Haupttriebwerk der Sonde Venus Express der wichtigen Bewährungsprobe im Weltraum bei Ankunft an der Venus stellen muss, kam es auf einen der Triebwerks-Prüfstände des DLR. Bereits im Juni 2003 haben Mitarbeiter des DLR-Instituts für Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen in einem Abnahmetest die Funktionsfähigkeit unter Vakuumbedingungen sowie die Wiederzündbarkeit des Triebwerks mit einer Betriebsdauer von rund 20 Minuten erfolgreich erprobt. Dieser Test am Prüfstand P1.0 des DLR-Standortes Lampoldshausen erfolgte im Auftrag von EADS Space Transportation, die die Triebwerke für Venus Express gebaut hat.

DLR-Höhensimulationsanlage für realistische Triebwerkstests im Vakuum

Eine wichtige Voraussetzung für einen realistischen Triebwerkstest ist die exakte Simulation der im Weltraum existierenden Bedingungen wie Kälte und insbesondere Vakuum, denn Triebwerke von Weltraum-Sonden werden bei sehr geringem Umgebungsdruck gezündet. Diese im Weltraum vorherrschenden, extrem geringen Druckverhältnisse werden am Prüfstand P1.0 in Lampoldshausen nachgebildet.

Die Höhensimulationsanlage muss dafür während der gesamten Versuchsdauer von maximal zwei Stunden kontinuierlich einen Druck von wenigen Millibar aufrecht erhalten. Der hochenergetische Dampf, der im so genannten Raketendampferzeuger produziert wird, wird dabei über die Ejektordüsen so in das Leitrohrsystem eingebracht, dass die Gase wie Strahlpumpen wirken und in der Höhenkammer für Vakuumbedingungen sorgen. Das System wird hierbei mit 10 Kilogramm Dampf pro Sekunde versorgt. Das Triebwerk wird mit Distickstofftetroxid (N2O4) und Monomethylhydrazin (MMH) betrieben. Es handelt sich hierbei um lagerfähige Stoffe, die hypergol reagieren, d.h. sie entzünden sich beim Zusammentreffen selbstständig. Das Triebwerk, kaum größer als ein Schuhkarton, entwickelt dabei einen Schub von bis zu 400 Newton und zerrt mit umgerechnet etwa 850 PS an seinen Verankerungen - Kräfte, die beim Versuch am Prüfstand unter Kontrolle gehalten werden müssen.

Darüber hinaus führt das DLR in Lampoldshausen im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA an Großprüfständen ausgiebige Triebwerkserprobungen der Trägerrakete Ariane 5 durch. Im Betrieb und in der Errichtung von Höhensimulationsanlagen besitzt das DLR-Institut für Raumfahrtantriebe in Europa eine einmalige Kompetenz.

Erste erfolgreiche Test-Abbremsung bereits am 17. Februar 2006 erfolgt

Genau 100 Tage nach dem Start der ESA-Sonde Venus Express fand bereits am 17. Februar 2006 - während der so genannten "Cruise Phase" - eine Testzündung von drei Sekunden des Haupttriebwerks statt. Diese Zündung verlief erfolgreich, und sie reduzierte die Geschwindigkeit der Sonde schon damals um drei Meter pro Sekunde. Anfang März 2006 passierte Venus Express erstmals die Bahn der Venus. Im Augenblick nähert sie sich dem Planeten innerhalb seiner Umlaufbahn.

Langsame Annäherung an den heißen Planeten Venus

Nach der erfolgten Zündung des Haupttriebwerks am 11. April 2006 wird der so genannte Initialorbit von Venus Express hochelliptisch sein - mit der größten Annäherung (Perizentrum) in circa 250 Kilometer Höhe und der weitesten Entfernung (Apozentrum) in rund 220.000 Kilometer über der Venus. Nach fünf Tagen wird am 16. April 2006 das Haupttriebwerk im Perizentrum noch einmal gezündet, um das Apozentrum auf 66.000 Kilometer abzusenken. Nach weiteren Zündungen wird schließlich ein 24-stündiger polarer Orbit um die Venus erreicht. Die Dauer des Orbits wurde so gewählt, um die Bedienung der Sonde und der Experimente von der Erde aus zu erleichtern. Wenn Venus Express den festen Orbit um die Venus erreicht hat, sind nur noch acht kleine Lageregelungs-Triebwerke von jeweils 10 Newton Schub für die Feinsteuerung der Sonde verantwortlich.



Jerry
« Letzte Änderung: 07. April 2006, 04:15:33 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #55 am: 07. April 2006, 15:41:12 »
Moin,

Betreff:               Presseinformation N° 02-2006 - ESA-Sonde Venus Expess nähert sich ihren Ziel
      
Datum:               Fri, 07 Apr 2006 13:33:46 +0200



Am 9. November vergangenen Jahres hob die ESA-Sonde Venus Express an Bord eines Sojus-Fregat-Trägers von der kasachischen Wüste ab. Nach einer Reise von 400 Millionen km, die sie in knapp fünf Monaten zurückgelegt hat, befindet sie sich nun im Anflug auf die Venus. Das Rendezvous der Sonde mit ihrem Zielplaneten findet am 11. April statt.

Erster Schritt: Das Rendezvous mit der Venus

Bevor sie mit der Erforschung des heißen und dunstigen „Schwesterplaneten“ der Erde beginnen kann, muss Venus Express zunächst die größte Herausforderung seit dem Start meistern und mittels einer Reihe komplexer Abläufe und Manöver eine Umlaufbahn um die Venus erreichen. Mit dem Manöver zur Einbringung in die Venusumlaufbahn (VOI) wird die Sonde abgebremst, sodass sie vom Schwerefeld der Venus erfasst werden kann. Es ist insofern kritisch, als es exakt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort erfolgen muss.

Die Phase der Einbringung der Sonde in die Venusumlaufbahn hat eigentlich schon am 4. April begonnen und wird bis zum 13. April dauern. Sie gliedert sich in drei wesentliche Teilphasen. Die erste besteht darin, die Sonde auf das eigentliche Erfassungsmanöver vorzubereiten („Initalisierung“), um zu verhindern, dass sie in den abgesicherten Modus übergeht, sollten VOI-unabhängige Parameter der Sonde außer Kontrolle geraten.
 
Die zweite Teilphase, das eigentliche Erfassungsmanöver, erfordert die Zündung des Haupttriebwerks für eine Dauer von rund 50 Minuten am Vormittag des 11. April, die um 09.17 Uhr MESZ beginnen soll.

In der dritten und letzten Phase schließlich werden sämtliche Funktionen der Sonde, insbesondere die Kommunikation mit der Erde, reaktiviert und die während des ersten Umlaufs (auf einer stark elliptischen Bahn, dem so genannten „capture orbit“) auszuführenden Befehle an die Sonde gesendet.

Die Erfassung der Sonde durch das Schwerefeld des Planeten wird durch eine automatische Sequenz vorab festgelegter Befehle kontrolliert, die vier Tage vor der VOI herauf geladen werden. Diese Sequenz umfasst das Minimum der für die Zündung des Haupttriebwerks notwendigen Befehle.

Für die Kontrolle und Steuerung des gesamten Ablaufs ist das Venus-Express-Bodenkontrollteam im Raumflugkontrollzentrum der ESA (ESOC) in Darmstadt zuständig.

Zeitlicher Ablauf der wesentlichen VOI-Ereignisse (Änderungen möglich)

Am 4. April wurde das an die Niederleistungsantenne angeschlossene Sendegerät der Sonde eingeschaltet. Während ihres Flugs zur Venus kommunizierte die Sonde über ihre beiden Hochleistungsantennen mit der Erde; dies wird auch während des wissenschaftlichen Teils der bevorstehenden Mission der Fall sein. Während der Erfassung durch das Schwerefeld des Planeten können diese beiden Antennen jedoch wegen der dann erforderlichen Positionierung der Sonde nicht benutzt werden.

Die Niederleistungsantenne überträgt ein schwaches, aber unmittelbar erkennbares Signal und wird dieses während aller VOI-Phasen senden. Dadurch können die Bodenkontrolleure die Veränderung der Geschwindigkeit der Sonde während der Triebwerkzündung beobachten; für den Empfang werden sie die 70-Meter-Antenne für interplanetare Missionen der NASA in der Nähe von Madrid verwenden. Während der Triebwerkzündung ist keine andere Form der Kommunikation mit der Erde möglich.

5. und 9. April: Kurskorrekturmanöver. Für etwaige Kurskorrekturen stehen zwei Zeitfenster zur Verfügung. Da jedoch die Ende März durchgeführte Kurskorrektur äußerst präzise verlaufen ist, befindet sich Venus Express gegenwärtig auf der richtigen Flugbahn für einen erfolgreichen Eintritt in die Venusumlaufbahn, weswegen es unwahrscheinlich ist, dass diese beiden zusätzlichen Zeitfenster in Anspruch genommen werden müssen.

10. bis 11. April: letzte Vorbereitungen auf das Manöver. Zwischen 24 und 12 Stunden vor der VOI werden die Kontrolleure Venus Express endgültig für die Triebwerkzündung konfigurieren. In den letzten 12 Stunden werden sie den Zustand der Sonde überwachen, bereit, bei Bedarf eine letzte Kurskorrektur vorzunehmen oder die Dauer der Triebwerkzündung zu ändern.

11. April, 08.03 Uhr MESZ: „Schwenkmanöver“ der Sonde. Bei diesem etwa halbstündigen Manöver wird Venus Express gedreht, sodass ihr Haupttriebwerk in die Flugrichtung zeigt und die anschließende Zündung die Sonde abbremst und nicht beschleunigt.

11. April, 09.17 Uhr MESZ: Zündung des Venus-Express-Haupttriebwerks. Wenige Minuten nach der Zündung der Triebwerke der Sonde, die dafür sorgt, dass der Treibstoff in die Leitungen zum Haupttriebwerk gelangt, beginnt die 50-minütige Zündung des Haupttriebwerks, die bis 10.07 Uhr dauert.

Durch diesen Schub wird die ursprüngliche Geschwindigkeit der Sonde von 29 000 km/h um 15 % verringert, sodass das Schwerefeld der Venus sie erfassen kann. Venus Express beginnt ihren ersten Umlauf um die Venus auf einer stark elliptischen Bahn; dieser Umlauf dauert etwa neun Tage. Zum Zeitpunkt der Erfassung wird Venus Express rund 120 Millionen km von der Erde entfernt sein; ihr venusnächster Punkt liegt rund 400 km über der Oberfläche des Planeten.

Während der Triebwerkzündung wird Venus Express um 09.45 Uhr MESZ für eine Dauer von etwa 10 Minuten hinter der Venus verschwinden. Während dieser Okkultation ist die Sonde von der Erde aus nicht „sichtbar“. Sie kann also selbst mit dem Signal der Niederleistungsantenne nur während der ersten Hälfte der Zündung und anschließend während der letzten sechs Minuten direkt mitverfolgt werden. Der Empfang des Signals der Sonde nach der Okkultation wird das erste positive Zeichen einer erfolgreichen Einbringung in die Umlaufbahn sein.

11. April, 11.13 Uhr MESZ: Wiederherstellung der Kommunikation zwischen Venus Express und der Erde. Nach der Abschaltung des Haupttriebwerks muss Venus Express eine Reihe von Befehlen automatisch ausführen. Unter anderem müssen die Sonnenzellenflügel wieder zur Sonne und eine der Hochleistungsantennen (die kleinere mit der Bezeichnung „Hochleistungsantenne 2“) wieder zur Erde ausgerichtet werden. Wenn alles läuft wie geplant, müsste die Sonde um 11.13 Uhr erstmals Kontakt mit der ESA-Bodenstation in Cebreros bei Madrid aufnehmen. In den nächsten Stunden wird sie dann die lange erwarteten Informationen über ihren Zustand übermitteln. Angaben zu ihrer Flugbahn wird das Flugdynamik-Team im ESOC ab etwa 12.30 Uhr MESZ machen können.

12. bis 13. April: Beginn der vollen Reaktivierung der Sonde. In den 24 Stunden nach dem Eintritt in die Venusumlaufbahn werden alle Funktionen der Sonde reaktiviert, darunter die gesamte interne Überwachungskapazität. Bis zum Morgen des 13. April wird die größere „Hochleistungsantenne 1“, die bisher nicht benutzt wurde, korrekt ausgerichtet und dann einsatzbereit für die Kommunikation mit der Erde sein. Die beiden Hochleistungsantennen, die an unterschiedlichen Seiten der Sonde angebracht sind, sollen während der Mission abwechselnd genutzt werden, um zu vermeiden, dass kritische Außenbordkomponenten der Sonne ausgesetzt werden.

Erreichung der Zielbahn

Bevor Venus Express nach einer Reihe weiterer Manöver ihre endgültige Einsatzbahn erreicht, werden noch viele Tage vergehen. Die erste 9-Tage-Umlaufbahn ist elliptisch mit einem Apozentrum von 350 000 km und einem Perizentrum von weniger als 400 km.

In dieser Zeit werden sieben weitere Triebwerkzündungen erfolgen (davon zwei mit dem Haupttriebwerk), um in den folgenden Umläufen das Apozentrum schrittweise zu senken. Die Zielbahn, eine polare Umlaufbahn in 250 bis 66 000 km über der Venusoberfläche, deren Perizentrum bei über 80° nördlicher Breite liegt, wird am 7. Mai nach 16 Umläufen erreicht sein.

Am 22. April beginnt die orbitale Inbetriebnahme der Sonde. Ihre Instrumente werden bis zum 13. Mai nacheinander eingeschaltet und gründlich durchgeprüft, anschließend werden sie alle zusammen bzw. in Gruppen betrieben. Dies gestattet die gleichzeitige Beobachtung von zu testenden Phänomenen, sodass zum Beginn der nominalen wissenschaftlichen Phase am 4. Juni alles startklar ist.

Beobachtungen von der Erfassungs-Umlaufbahn

Bereits der 9-tägige Umlauf auf der ersten Bahn wird eine gute Gelegenheit für wissenschaftliche Beobachtungen sein. Diese werden jedoch frühestens 30 Stunden nach der VOI und nur dann stattfinden, wenn nicht andere kritische Vorgänge vorrangig durchgeführt werden müssen. Die erste Gelegenheit zur Erfassung wissenschaftlicher Daten ergibt sich am 12./13. April.

Während der ersten Umläufe wird sich die gesamte Scheibe der Venus im Blickfeld der abbildenden Instrumente von Venus Express befinden, was während der nominalen Phase aufgrund der dann geringeren Abstände zur Oberfläche nicht mehr möglich sein wird. Diese Beobachtungen werden sich hauptsächlich auf die südliche Hemisphäre konzentrieren, die bei früheren Missionen nur unzureichend erforscht wurde.

Vor allem die Geometrie der ersten Umlaufbahn ermöglicht die kontinuierliche und eingehende Beobachtung der Dynamik der Atmosphäre aus einer größeren Entfernung über einen den vollen Rotationszyklus der Atmosphäre am oberen Ende der Wolken (die nach wie vor nicht erklärte viertägige „Super-Rotation“) übersteigenden Zeitraum hinaus. Die Erforschung der Atmosphäre ist denn auch eines der Hauptziele der Mission.

Beispielsweise kann das abbildende Spektrometer im sichtbaren und nahen Infrarotbereich (VIRTIS) aus Entfernungen von über 200 000 km Schnappschüsse der gesamten Scheibe des Planeten und seiner Atmosphäre machen. Während der nominalen wissenschaftlichen Phase hingegen müssen die Abbildungen der Atmosphäre als „Mosaik“ zusammengefügt werden.

Mit dem Gerät zur Analyse von Plasma und energiereichen Atomen (ASPERA) werden erstmals aus großer Entfernung der ungehindert einwirkende Sonnenwind beobachtet und Daten über Entweichungen in die Atmosphäre auf einem Planeten ohne magnetischen Schutz gesammelt werden können.

Mit Ausnahme des Radiosondierungsexperiments VeRA und des PFS-Spektrometers können auf der ersten Umlaufbahn alle Venus-Express-Instrumente zu ausgewählten Zeitpunkten für einige Stunden pro Tag Beobachtungen durchführen.

Eine Fülle wissenschaftlicher Untersuchungen

Venus Express soll über zwei Venustage, was 486 Erdtagen entspricht, wissenschaftliche Beobachtungen durchführen. Die Mission könnte um denselben Zeitraum verlängert werden.

Trotz intensiver früherer Erforschungstätigkeiten (die Venus ist nach dem Mond und dem Mars das am dritthäufigsten besuchte Himmelsobjekt) ist dieser Planet nach wie vor äußerst geheimnisvoll. Die einzigartigen Instrumente zur Planetenexploration an Bord von Venus Express wurden so entworfen, dass sie Erkenntnisse aus früheren Missionen nutzen und den Rätseln der Venus mit bisher nicht gekannter Präzision auf den Grund gehen können.

Die „Augen“ der Sonde umfassen eine Kombination aus Spektrometern (das Planeten-Fourier-Spektrometer PFS und das Atmosphärenspektrometer im ultravioletten und Infrarotbereich SpicaV/SOIR), abbildenden Spektrometern (das abbildende Spektrometer im ultravioletten, sichtbaren und nahen Infrarotbereich VIRTIS) und Abbildungsgeräten (die Venus-Beobachtungskamera VMC).

Diese Instrumente sind in unterschiedlichen elektromagnetischen Wellenlängen vom Ultraviolett- bis zum Infrarotbereich äußerst empfindlich und werden eine eingehende Untersuchung der Atmosphäre und ihrer Wechselwirkung mit der Oberfläche der Venus gestatten. Außerdem führt die Sonde das Magnetometer MAG und die bereits erwähnten Instrumente ASPERA und VeRA mit, die die Wechselwirkung zwischen der Atmosphäre und dem nie nachlassenden Sonnenwind erforschen werden.

Venus Express wird sich erstmals die so genannten „Infrarot-Fenster“ zunutze machen, kleine atmosphärische Lücken im Infrarotbereich des Spektrums. Durch diese Fenster lassen sich wertvolle Erkenntnisse über die unteren Schichten der Atmosphäre und sogar die Oberfläche gewinnen.

Die Mission wird dazu beitragen, eine Reihe von Fragen zu beantworten. Wie etwa funktionieren die komplexe Dynamik der Atmosphäre und das Wolkensystem? Was verursacht die schnelle „Super-Rotation“ der Atmosphäre an der Obergrenze der Wolken? Und wie kommt es zu dem doppelten Wirbel am Nordpol?

Die Sonde wird außerdem Licht in die Abläufe bringen, die die Chemie der lebensfeindlichen Atmosphäre der Venus bestimmen, die an der Oberfläche Temperaturen von bis zu 500°C erreichen kann und hauptsächlich aus Kohlendioxid sowie Wolken aus Schwefelsäuretropfen besteht. Auch die Rolle des gewaltigsten Treibhauseffekts des Sonnensystems bei der Gesamtentwicklung des Klimas der Venus soll erforscht werden. Und es soll ein Beitrag zur Beantwortung der Frage geleistet werden, ob die Venus eine mögliche Vorschau einer künftigen Erde bietet.

Die kombinierte Analyse der dichten Atmosphäre und der Oberfläche schließlich wird uns Einblicke in die Geologie der Venus verschaffen und etwaige Anzeichen gegenwärtiger vulkanischer oder seismischer Aktivität feststellen.

„Venus Express an Bodenkontrolle“

Während ihrer nominalen Mission wird die Sonde über die ESA-Bodenstation in Cebreros bei Madrid mit der Erde kommunizieren. Die ESA-Station im australischen New Norcia wird zur Unterstützung des VeRA-Radiosondierungsexperiments eingesetzt.



Jerry
« Letzte Änderung: 07. April 2006, 15:41:44 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #56 am: 11. April 2006, 08:23:37 »
Moin,

bitte beachtet den Live Stream im Raumfahrer.net unter:




Jerry

Offline -eumel-

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #57 am: 11. April 2006, 09:55:53 »
Dieser Live-Stream hat´s nicht leicht, weil es wenig aktuelle Daten gibt.
Die Funkübertragung von der Venus dauert ja auch ca. eine viertel Stunde.
Ich glaube, zur Zeit sendet VenusExpress ohnehin nur einen einzigen Ton zur Ermittlung der Geschwindigkeitsänderung anhand des Doppler Effektes.

Im Augenblick ist völlige Funkstille, weil VenusExpress hinter dem Planeten ist.

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #58 am: 11. April 2006, 12:28:58 »
Moin,

neueste Presseinfo der ESA ( Auszug ):

Nr. 13-2006 – Paris, 11. April 2006

Neuer planetarer Erfolg für Europa: Venus Express erreicht Umlaufbahn

Nach einer 153-tägigen, 400 Millionen km langen Reise durch das innere Sonnensystem, die mit dem Start am 9. November 2005 begonnen hatte, hat die ESA-Sonde Venus Express heute morgen um 09.17 Uhr MESZ ihr Haupttriebwerk für die Dauer von 50 Minuten gezündet und ist dadurch auf eine Umlaufbahn um die Venus gelangt. Mit der Zündung verringerte die Sonde ihre Geschwindigkeit von 29 000 auf 25 000 km/h und wurde vom Schwerefeld der Sonde erfasst. Dieses Manöver zur Einbringung in die Umlaufbahn war ein voller Erfolg.

In den kommenden vier Wochen wird Venus Express eine Reihe weiterer Manöver absolvieren, die sie auf ihre Einsatzbahn für ihre wissenschaftliche Mission befördern werden. Gegenwärtig befindet sie sich auf einer stark elliptischen Bahn mit 9-tägigem Umlauf; ihre Zielbahn ist eine polare Umlaufbahn mit 24-stündigem Umlauf und einem Apozentrum von 66 000 km. Von dieser Bahn aus wird die Sonde mindestens zwei Venustage (486 Erdtage) lang eingehende Beobachtungen der Struktur, Chemie und Dynamik der Venusatmosphäre durchführen.



Jerry

rolli

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #59 am: 11. April 2006, 18:18:52 »
Tolle Leistung

es gibt ja Theorien, nachdem in der dichten Atmosphäre von Venus Leben möglich sei. Die Venus-Express soll ja die Venus-Luft genauestens unter die Lupe nehmen. Vielleicht finden die tatsächlich was: Mikroben, Würmer mit Flügeln ( ;D) oder sonst was Verrücktes das lebt...

 [smiley=evil.gif]

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #60 am: 13. April 2006, 18:54:22 »
Moin,

nächste Presseinfo von der ESA:

Europas erste Bilder von der Venus - unerwartete Details vom Südpol!
 
13. April 2006 - die ESA-Sonde Venus Express hat einzigartige Bilder vom Südpol der "Klimahölle" Venus geliefert. Die Aufnahmen wurden mit 2 wissenschaftlichen Instrumenten in einer Entfernung von ca. 200 000 km gemacht und zeigen überraschend klare Strukturen und überraschende Details des Nachbarplaneten der Erde. Die Bilder wurden von der Sonde am 12. April während des Einschwenken in den Venus-Zielorbit aufgenommen.




Jerry
« Letzte Änderung: 13. April 2006, 21:17:22 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #61 am: 09. Mai 2006, 07:22:56 »
Moin,

wie bereits bei *Mars Express* scheint der Spiegel des *PFS* sich nicht zu bewegen. Somit würde eine wichtige Arbeit der *Venus Express Sonde* völlig entfallen.
Das PFS (Planetares Fourier-Spektrometer), eine Weiterentwicklung des bereits auf *Mars Express* benutzten PFS, soll die Venus-Atmosphäre bezüglich Zusammensetzung, Temperaturverteilung und Zirkulation untersuchen.

Hierzu gibt es auch einen Bericht auf einer Partnerseite >>>>>

Jerry
« Letzte Änderung: 09. Mai 2006, 07:27:23 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #62 am: 09. Mai 2006, 18:36:12 »
Moin,


die Raumsonde *Venus Express* erreicht ihre endgültige Umlaufbahn.

Paris/Darmstadt (dpa) - Die europäische Raumsonde «Venus Express» hat ihre endgültige Umlaufbahn um den Nachbarplaneten erreicht. Wie die europäische Raumfahrtagentur ESA am Dienstag mitteilte, umfliegt die Sonde die Venus einmal in rund 24 Stunden.

Die stark elliptische Bahn in einer Höhe zwischen 66 000 und 250 Kilometern führt dabei über die Pole des Planeten. «Die Instrumente der Sonde werden jetzt eins nach dem anderen angeschaltet und ausführlich getestet», sagte Projektmanager Don McCoy. Die wissenschaftliche Phase der ersten europäischen Expedition zur Venus beginnt am 4. Juni.

Mehr zu lesen gibt es >>>>



Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #63 am: 21. Juli 2006, 09:49:49 »
Moin,

lesenswert ist hierzu der Beitrag im Raumfahrer.net von unserem Autor Axel Orth >>>>>


Jerry

jps-fan

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #64 am: 23. Juli 2006, 08:00:47 »
Ich habe den vom Chef-Mod empfohlenen Bericht gelesen (und auch noch andere Berichte über Venus-Express).
Was mich nur wundert, ist, daß es überhaupt kein Bild von der Venus-Oberfläche gibt. Man sieht in allen Veröffentlichungen nur Wolken; diese zwar in allen Falschfarben die es gibt, aber sonst nichts.
Könntet Ihr bitte mal hinterfragen, wann es >richtige< Bilder von der Venus gibt.

Gruß vom jps-fan


H.J.Kemm

  • Gast
Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #65 am: 23. Juli 2006, 08:17:53 »
Moin jps,

vorab begrüße ich Dich hier im Forum als Mitglied, nachdem Du ja lange Zeit als Gast mitgemacht hast.

Zur Sache:

Ich habe den vom Chef-Mod empfohlenen Bericht gelesen (und auch noch andere Berichte über Venus-Express).

Das ist ja sehr lobenswert, aber ich muß feststellen, dass Du den Hauptgrund der Mission *Venus-Express* nicht richtig nachgelesen hast oder Du hast den Grund noch nicht verstanden.

Ich zitiere hier das genau beschriebene Ziel von *Venus-Express* aus Wiki:
Zitat
Venus Express resultierte aus dem Aufruf der ESA nach einer Wiederverwendung des Ingenieursmodells von Mars Express (2003). Durch die Verwendung schon existierender Teile, auch wissenschaftlicher Instrumente (von den Sonden Mars Express und Rosetta), ist Venus Express eine „preiswerte“ Raumsonde. Nach einer Bauzeit von nur drei Jahren konnte EADS Astrium die Sonde fertig stellen. Der 1.270 kg schwere Orbiter führt 93 kg Nutzlast und 570 kg Treibstoff mit sich. Die Instrumente, die verbaut wurden, sind zumeist Nachbauten von Instrumenten, die für die Kometenmission Rosetta vorgesehen waren. Die Mission soll 220 Millionen Euro, davon 82,4 Millionen Euro für den Sondenkörper, kosten.

Wichtigstes Ziel der Mission ist die Erforschung der Atmosphäre der Venus mit ihrer rund 20 km dicken und dichten Wolkendecke. Aus den Untersuchungen erhoffen sich die Wissenschaftler Rückschlüsse und Erkenntnisse auf die zukünftige Entwicklung des Klimas der Erde. Im Vordergrund stehen zudem Fragen zur Venus, nach dem Funktionieren ihres Wolkensystems, nach der Rolle des Treibhauseffekts bei der Klimabildung, nach den Gründen der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre, nach dem Vorhandensein von Wasser und nach vermuteten seismischen und vulkanischen Aktivitäten. Die Primärmission im Venusorbit ist für 486 Tage ausgelegt, für genau zwei Rotationen der Venus gegenüber den Sternen, was gut vier Venustage (relativ zur Sonne) bedeutet. Venus Express umkreist den Planeten in einer elliptischen Umlaufbahn in einer Entfernung von 250 bis 66.000 km. Bei gutem Zustand der Sonde soll die Mission um weitere zwei siderische Venusrotationen verlängert werden.

Wie Du hieraus entnehmen kannst, *soll* und *wird* die Sonde eine klare Aufgabe nachvollziehen und hoffentlich gut; von anderen Aufgaben, so wie von Dir gewünscht, ist nicht die Rede. (Obwohl ich mir auch mal Aufnahmen von ähnlicher Qualität wie von *Cassini* von der Venus-Oberfläche wünsche, aber das wäre dann wohl eine andere Baustelle).


Jerry
  

Offline chris

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #66 am: 23. Juli 2006, 18:17:59 »
Das Problem der visuellen Erforschung (sprich: Bildmaterial) der Venusoberfläche hat hauptsächlich 2 Hintergründe:
1. Die immens hohen Drücke in der Atmosphäre (vermutlich über 90 bar) setzen der
    Technik erheblich zu.

2. Die hohen Temperaturen an der Oberfläche lassen die Kameras schon nach kurzer
    Zeit versagen.

Die Russen haben damit schon Erfahrung gesammelt. Die meisten ihrer Sonden sind an den genannten Problemen gescheitert.

H.J.Kemm

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #67 am: 23. Juli 2006, 18:36:33 »
Moin Chris,

Du hast völlig Recht mit Deiner Feststellung; wobei aber noch einmal betont werden sollte, dass es überhaupt nicht die Aufgabe von *Venus Express* ist, sich an diese Aufgabe heranzuwagen.

Entweder man schickt eine Sonde zur Venus für Oberflächenaufnahmen oder, wie hier der Fall, für Untersuchungen der Atmosphäre und den machbaren Erweiterungen.

Jerry

Offline dido64

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #68 am: 14. Oktober 2006, 07:04:33 »
Hallo alle zusammen.

Ich wollte diesen Thread nochmal nach oben holen.

Ironie-Modus einschalten!

Man hört ja sehr wenig von "unserem" Venus-Express. :( Aufgrund der sehr spärlichen Nachrichten, wird in dem amerikanischen Forum http://www.unmannedspaceflight.com schon über eine neue Mission gewitzelt, die "Venus-Express Express"-Mission.

Missionsziele:

Zitat
I propose that NASA send a new probe to be named Venus-Express Express.  It's mission is to go to Venus and check on what Venus Express is doing, and see if it is even still there.

Das heißt soviel wie:
Zur Venus fliegen, nachschauen was Venus-Express so macht und ob die Sonde noch da ist. >:(

Nun soll auch noch die Merkur-Sonde Messenger diese Aufgabe übernehmen, wenn am 24.10.2006 der Venus-Flyby stattfindet.
http://www.unmannedspaceflight.com/index.php?s=335626af9f57d34aba3496084e0fc0c8&showtopic=893&view=findpost&p=72252

Ironie-Modus Ausschalten!

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Beteiligten über die Bahndaten unterhalten haben, damit es zu keinem Zusammenstoss kommt. Das hätte uns gerade noch gefehlt.

Gruß dido
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr ...........

robinson

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #69 am: 14. Oktober 2006, 08:04:41 »
Dido hat geschrieben:
Zitat
Nun soll auch noch die Merkur-Sonde Messenger diese Aufgabe übernehmen, wenn am 24.10.2006 der Venus-Flyby stattfindet.
Au ja, denn <Messenger> holt sich erneut Schwung bei <Venus>, mit dem zweiten Swing-by in einer Höhe von nur 3140 km, dabei kann sie mal nachschauen, wie es <Venus-Express> so geht und die nötigen Informationen an die ESA weitergeben, so ´ne Art <Nachbarschaftshilfe>, man is´ja schließlich Kumpel, gelle?  Robinson

Offline tobi

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #70 am: 14. Oktober 2006, 19:00:03 »
Es gibt sie, die Nachrichten von der Venus! ;)

z.B. diese von gestern, auf der ESA Seite gefunden:

Complex meteorology at Venus
 
13 October 2006
In its relentless probing of Venus's atmosphere, ESA's Venus Express keeps revealing new details of the Venusian cloud system. Meteorology at Venus is a complex matter, scientists say.
 
New night-side infrared images gathered by the Ultraviolet, Visible and Near-Infrared Mapping Spectrometer (VIRTIS) in July 2006, clearly show new details of a complex cloud system.

The first (false colour) view - the composite of three infrared images acquired by VIRTIS, was taken on 22 July when the spacecraft was flying around the apocentre of its orbit (point of maximum distance from the planet surface) at about 65 000 kilometres altitude. Venus was in the night side.

Using its capability to observe at 1.7-micrometre wavelenght, VIRTIS could probe at about 15-20 kilometres altitude, below the thick cloud deck situated at about 60 kilometres from the surface. The thermal radiation coming from the oven-hot surface of Venus is represented by the intensity of the colours: the brighter the colour (towards white), the more radiation comes from the surface, so the less cloudy the region in the line of sight between the view and the spacecraft is.

The edge of the images, taken at a time interval of about 30 minutes from each other, do not precisely match. This is due to the fact that clouds on Venus move very rapidly and constantly vary their shape. Venus’s atmosphere is certainly the most dynamic among the terrestrial planets that have one, taking only four days to completely rotate around the planet.

"Clouds at Venus present repetitive patterns and recurrent features, but they are very variable in position both on short and long time scales," said Giuseppe Piccioni who, with Pierre Drossart, is the instrument co-Principal Investigator. "This makes meteorology a very complex matter for this planet."

Since the thermal radiation from the surface of Venus is in practice modulated by the presence of the clouds, taking the negative of the image it is possible to see directly the clouds structure on the night side, and so study its morphology and dynamics.

This was done for this other night-side image, acquired by VIRTIS on 29 July around apocentre from a distance of about 65 000 kilometres from the surface.

The 2.3-micrometre wavelength used for this image brought the 'view' again down below the cloud deck. The large cloud visible in the centre of the image and extending toward the bottom-right part is about 2000 kilometres long and 500 kilometres wide.

This cloud presents the familiar and peculiar shape of clouds at Venus. They are usually elongated due to the very high-speed winds – reaching up the formidable velocity of 360 kilometres per hour and being caused by the 'super-rotation' of the atmosphere.

The very cloudy region visible at the top-right of the image is situated beyond 60º South latitude, and represents the transition to the region where the atmosphere is dominated by the effects of the powerful South double polar vortex.


Quelle:
http://www.esa.int/esaCP/SEM65OV74TE_index_0.html

H.J.Kemm

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #71 am: 16. Oktober 2006, 20:01:44 »
Moin,

hier eine Info zu *Venus Express*:

Zitat
MOSKAU, 16. Oktober (RIA Novosti). Mit Hilfe von Spezialinstrumenten, die an der europäischen Weltraumsonde Venus-Express installiert sind, haben Wissenschaftler detaillierte Bilder des südlichen Polarwirbels und des sogenannten Dipols der Venus erhalten.

"Der Polardipol ist ein dynamisches Element der Venus-Atmosphäre", sagte Viktor Titow, Mitorganisator des Venus-Express-Projekts, auf einer internationalen Konferenz am Institut für Mars- und Venusforschungen, die im Andenken an Prof. Wassili Moros gewidmet war.

Titow zufolge hoffen russische und europäische Wissenschaftler durch eine umfassende Erforschung der Venus-Atmosphäre ihre Dynamik besser zu verstehen. Dabei werden auch Forschungen von Wolken und chemischen Prozessen unter Beteiligung von Wasserdampf, Kohlendioxid, Schwefelsäure sowie des Treibhauseffekts in der Venus-Evolution vorgenommen.

Außerdem werden auch die Verluste der Atmosphäre und der Einfluss von Sonnenwind erforscht, fügte Titow hinzu.

Der Flug der Raumsonde stellt eine Ellipse in einer Umlaufzeit von 24 Stunden und einer Höhe des Peripunktes von 250 km und des Apopunktes von 66 000 km um die Venus dar.

In dieser Umlaufbahn sind hochauflösende Beobachtungen in Nähe des Peripunktes und die Erforschung globaler Prozesse mit einer größeren Erfassung entfernterer Umlaufbahnen möglich.

Titow zufolge ist die europäische Weltraumsonde, die am 9. November 2005 vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) mit der russischen Trägerrakete Sojus gestartet wurde, mit besonders modernen Instrumenten für Spektralforschungen und Kartierungen ausgerüstet: vom Ultraviolett- bis zum Infrarotbereich des Spektrums der elektromagnetischen Strahlung.

"Dies ermöglicht, mit Nutzung des sogenannten Fensters der Strahlungsdurchlässigkeit die Venus-Atmosphäre auf allen Ebenen zu erforschen - von ihrer Obergrenze in 200 km Höhe bis hin zur Oberfläche", sagte Titow.

Auf Venus-Express sind sechs Forschungsgeräte installiert: ein Fourier-Planetenspektrometer, ein Kartierungs-Spektrometer, ein Ultraviolett- und Infrarot-Atmopshärenspektrometer, ein Analysator von Plasma und neutralem Gas, ein Magnetometer und eine Kammer für das Venus-Monitoring.

Es wäre ja mal schön, wenn wir diese Bilder auch mal sehen könnten.

Jerry

Offline Martin

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #72 am: 16. Oktober 2006, 20:21:36 »
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H.J.Kemm

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #73 am: 16. Oktober 2006, 20:26:02 »
Moin Martin,

danke; so schön wie vom Mars oder vom Mond werden die natürlich nicht, aber für die Wissenschaft sicherlich informativ.

Jerry

Offline Martin

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Re: Venus Express (VEX) auf Soyuz-FG/Fregat ST14 von Baikonur
« Antwort #74 am: 10. November 2006, 12:04:43 »
Venus Express hat gestern seinen ersten Geburtstag im All gefeiert. dazu hier einige Bilder:

dünne Wolkenbänder über dem Südpol


Venusexpress im Orbit (künstler. Darstellung)


Doppelwirbelstruktur über dem Südpol, das kleine Video zeigt das Aussehen des Wirbels in unterschiedlicher Höhe zwischen 60 und 70km


Infrarotbild des Südpols:


http://www.esa.int/esaCP/SEMCTD0CYTE_index_0.html

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