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Autor Thema: Der Devontraum  (Gelesen 416 mal)

Offline Siliziumdioxid

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Der Devontraum
« am: 18. September 2019, 00:01:46 »
Hallo mal wieder,
hatte einen so krass realen Traum aus der Erdgeschichte von der Entstehung des höheren Lebens und habe ihn am nächsten Tag gleich aufgeschrieben. Weiß nur nicht, ob und wo er hier hereinpasst, also gerne löschen oder verschieben. Danke.

Der Traum war aus dem Blickpunkt eines unabhängigen Beobachters über zig Mio. Jahre.
Also:

Traum vom Devonmeer
12.08.2019 6-8.30 im Kurzurlaub, Ort: Später Franken

Der unabhängige Blickpunkt senkt sich herab…
Überblick von der stürmisch gepeitschten See aus schräg oben auf die Küste.

Dunkelheit.
Durch die rasenden Wolkenfetzen lugt ein viel zu großer Mond, welcher über 2/3 des Himmels einnimmt. Dann wieder andauernd gussartiger Wolkenbruch. Blitze zucken endlos und erhellen kurz eine kahle leblose Szenerie an Land, nur splittriger Fels ohne jedes Leben, der so schnell erodiert, dass er kaum Zeit hat, rund zu werden. Der Donner erfolgt in Sekundenbruchteilen.

Schluchten waschen rumpelnd und scherbelnd große Geröllhalden ins wabernde Meer und schütten riesige Fächer grober Körnungen in tektonisch stark aktive Mulden voll Wasser – Inselbögen werden laufend an Kontinente angeschweißt und wieder vom nahen, flüssigen Erdmantel teils verschluckt.
Im Hintergrund brechen dunkelrot vom Dampf und Staub umwallt 2-3 mächtige Vulkane auf den hochaktiven Subduktionszonen aus, die Luft grollt dumpf in der Ferne durch Donner und Dauerregen, die Asche wird fortwährend aus der sich seit 1 Milliarde Jahre durch Mikroorganismen bildenden Atmosphäre ins Meer gewaschen und bildet schnell mächtige Schlammschichten, die wieder am Meeresgrund gepresst werden.

Der betrachtete Kontinentalrumpf ist noch wüst und leer, aus nackten Geröllhalden zwischen schroffen Felszinnen, Gebirgen und Tälern, die gewaltig die Niederschläge gegen den Weltozean abführen.
Seit dem Ordovizium gibt es noch mal einen Rückschlag für das Leben auf dem Land - an geschützteren Buchten gedeihen die ersten Luftalgen in Symbiose mit Pilzen und werden fortwährend entwurzelt und ins Meer gespült.

Sie werden bald glitzernd in der Nacht die Zeiten überdauern und vollständig das Land erobern. Die Atmosphäre wurde schon fast eine Milliarde Jahre früher von Mikroorganismen aus dem Meer mit Sauerstoff angereichert – der Co²-O² Zyklus begann zu rasen, das freie Eisen wurde etwa bis 200 Millionen Jahre früher durch die Einzeller abgebaut.

Der Blickpunkt…Änderung 

Es ist Nacht. Der Blickpunkt nähert sich der Meeresoberfläche im weitem Abstand von der momentanen Küstenlinie dem Wasserspiegel unter dem riesigen, schneeweiß scheinenden Mond. Gewaltige Brecher branden entfernt an die Küste. Die Wellen sind 2-5 Meter hoch, die Gezeiten erzeugen einen abnormen Tidenhub von 10er Metern, weiße Gischt rieselt von ernormen, kahlen Felsen an der Küste.

Die Vorfahren der Pflanzen kletten sich tapfer an sie und beginnen wie viel später als Tiere genannte Lebensform den Ausstieg an die zunehmend sauerstofferfüllte Atmosphäre an Land.

Der Blickpunkt…
…erreicht die gischtende Meeresoberfläche und taucht ein. Ruhe vor dem Krawall – alles gedämpft. Es blubbert  und wirbelt beim Eintauchen in das sehr salzhaltige Wasser – es brennt sehr salzig auf der Haut. Der in Fetzen fraktalartig verzerrt erkennbare, riesige Mond belichtet unter der Meeresoberfläche nurnoch engräumig hektisches Treiben endlos dicht gedrängter, durch die stark bewegte Oberfläche und die Strömung des ölig schwarzen Ozeans zusammengedrängter, wabernder und rhythmisch hektisch zuckender Leiber des bereits sehr lange mannigfaltigen, marinen Lebens.

Vorfahren der tintenfischartigen Cephalopoden, Mollusken, Geradhörner, welche sich durch Rückstoss ruckartig, zuckend fortbewegen und mit symmetrisch regelmäßig um Freßmünder angeordneten, mit Fanghaken oder Saugnäpfen bestückten Tentakeln gegenseitig dicht gedrängt jagen.

Als Teil einer sich unentwegt fortentwickelnden, untermeerischen Fauna mit hoher Individuendichte, Körper an Körper im regen Treiben teils in Größe von mehreren Metern werden durch vereinzeltes Blitzezucken auch in der Tiefe noch erhellt.

Tote Schalen kompliziert aufgebauter Rostren von Orthoceraten mit Druckkammern treiben im Wasser, sedimentieren durch Wellenschlag und Strömung an Riffen oder werden vorher am Ufer zu Schill zermahlen und dann in weicher kalkiger Matrix mit den Resten von Trilobiten, Brachiopoden, Seelilien und den ersten, echten Korallen eingebettet.
 
Manchmal lässt ein heftiges Seebeben die Ablagerungen unter Tsunamibildung rülpsend in die aufreißenden Tiefseegräben abfahren.  Der Devon ist angebrochen.  Die Orthoceraten rollen sich zu Goniatiten auf und die Knochenfische als unsre Vorfahren gehen auf Jagt.       

Dröges Aufwachen
Beißen - ein winzig kleines Säugetierjunges, Raubtier als Katze namens Erna-Berta zaust 380 Millionen Jahre später um 7.30 im Jahre 2019 doldig an meinen Fingern, miaut kurz wo ich aufwache  - und dann ist von dem ganzen Spuk nur ein schwarzer, splittrig gepresster Stein mit merkwürdigen Fossilien und ein neuer immer wieder unglaublicher Tag geblieben…         

So in Erinnerung weil gleich in der Früh aufgeschrieben.
Egal was Ihr davon haltet - für mich war - und ist es ein ganz großes Erlebnis, einfach so beim Aufwachen.

Grüße und Glück Auf an alle,
SiO2
Alles ist eins und eins ist Alles - Wir sind Quarks - Atome - Sternenstaub - Meteoriten - die Erde - Leben - System - Galaxien - Cluster - Universum - Alles, Es und Wir erschafft sich selber. Gemeinsam. Und dürfen es dann in aller Pracht bewundern - zum Genießen bleibt keine Zeit...

Offline McPhönix

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Re: Der Devontraum
« Antwort #1 am: 18. September 2019, 00:22:09 »
Wert zu bewahren, allemal.
Der Blickpunkt wird sich zu gegebener Zeit der Neugier einer anderen Person bemächtigen.
Und sich auf den Text senken.
Ich habe keine Angst vor Aliens. Solange sie über uns lachen wegen dem kleinkarierten Raketengefummel auf der Erde, tun sie uns nix.

Offline Siliziumdioxid

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Re: Der Devontraum
« Antwort #2 am: 18. September 2019, 01:03:49 »
Hallo auch,
und Danke, McPhönix, des Lobes, es war ja nur ein Traum. Der Blickpunkt liegt immer nur im Auge des einzelnen Betrachters.
Grüße und GA
SiO2
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Offline Prodatron

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Re: Der Devontraum
« Antwort #3 am: 18. September 2019, 01:26:47 »
Allerdings war der Mond im Devon schon viel weiter weg ;) Er wird damals kaum größer zu sehen gewesen sein als heute.

Wenn man die aktuellen 3,8cm pro Jahr auf ca. 500Mio Jahre zurückrechnen würde, sind wir bei ca. 20.000km näher. Ein recht geringer Unterschied zu heute.
Das Linear zu rechnen ist sicherlich nicht korrekt, aber die Größenordnung dürfte in etwa stimmen.

Um den Mond heftig näher zu bekommen, müßte man wohl mindestens zurück ins Archaikum gehen.

Siehe auch hier:

https://www.youtube.com/watch?v=4SW06l4AuVw

Dein Traum könnte daher 1-2 Mrd. Jahre vorher stattgefunden haben.

Offline Siliziumdioxid

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Re: Der Devontraum
« Antwort #4 am: 19. September 2019, 01:39:35 »
Hallo auch wieder,
spitzenmäßige Kurzdoku über die geologisch „beobachtbare“ Frühzeit;-) Kannte ich noch nicht, Pr.Dr.Heubeck war am Anfang auch noch richtig Nervös im Interview - Wie ich es nun auch bin.

Dieser Traum kann viel Zeit überspannen, die Traumbezeichnung „Devontraum“ rührt eher vom Ende des Traumes her.

Prodatron, Du hast recht, der Graph der Mondentfernung ist ja -wie physikalisch bestimmt- abnehmend zum Jetzt – Nähe, viel Gezeitenreibung – Ferne weniger – also Anfangs schnelle Abbremsung und Entfernung des Mondes, später immer weniger. Zudem traten ja die Pflanzen bereits im Silur auf - da war schon marines Leben satt im Ozean, aber am Anfang keine Pflanzen im Traum.

Der Traum hatte bestimmt Zeitsprünge und ich kann nur wiederholen. Ich habe in erster Linie Biostratigraphie angewandt. Erst Fels, dann Algen-Pflanzen-an Land und die Orthoceraten und am Schluss die Gonis usw. Leitfossilien. Danke des Hinweises eines unabhängigen Beobachters – als Träumer kann man auch für Sachen im eigenen Traum blind werden und der Anfang verwischt gegen das Ende?

Eine komische Entwicklung wenn man sich das Heute anschaut, aber doch irgendwie plausibel. Fakt ist, dass die Steine der Erde mit den Fossilien darin aus verschiedenen Zeitaltern die einzigen Beweise für diese kosmologisch gesehen kurze Entwicklung von Uns darstellen. Wir. Die Steine sagen mir: Zufall, Glück, Eine Chance. Jetzt, für Uns.

Danke und Grüße an alle,
SiO2

PS.: Das Kommt davon wenn man am WoE von früh bis spät solch Zeug ausbuddelt. Die Orthoceraten haben mich schon als Kind fasziniert / wie war das Leben vor 480 Mio Jahren? Orthoceraten in Bohrkernen der Pb Zn Ag Lagerstätten meines Vaters als Geologe bestaunt. Was war das?
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