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Raumcon
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Autor Thema: Das Problem Mars Sample Return  (Gelesen 3870 mal)

Offline tul

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Das Problem Mars Sample Return
« am: 12. Mai 2007, 05:03:49 »
Weil ESA von  einer Mars Sample Return Mission spricht


Generell: mit einem festen Körper in direkten Kontakt zu tretten um dann eine Bodenprobe zu entnehmen und diese schließlich zurück zur Erde zu bringen ist die komplexeste und daher schwierigste Mission auf die man sich einlassen kann. Hinzu kommt, dass die Testmöglichkeiten hierfür auf der Erde beschränkt sind.
Folge: es ist äußerst unwahrscheinlich, dass dies bei dem ersten Versuch gelingen wird.
(Die Sowjetunion hat für die automatische Rückführung von Mondproben auch mehrere Anläufe gebraucht und die Schwierigkeiten der Hayabusa Sonde unterstreicht dies noch)

Man kann aber davon ausgehen, dass das Geschrei bei einem Scheitern gewaltig ist. Hinzu kommt, dass ein solcher Versuch sehr teuer ist.

Was wird passieren? Der erste Versuch wird scheitern,  das Geschrei ist gewaltig und das Programm wird zusammengestrichen.  :'(

Warum sollte sich eine Raumfahrtagentur auf sowas einlassen?

Online Schillrich

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #1 am: 12. Mai 2007, 07:07:26 »
Gegenbeispiel:

Das größere und komplexere Apolloprogramm hat bis zur ersten Mondlandung ohne Versagen funktioniert. Natürlich vergleiche ich da ein wenig Birnen mit Äpfeln, aber es kann funktionieren.
Außerdem ist das nicht das einzige Programm mit technischem Neuland. Das Risiko bei der Rosettamission halte ich auch für sehr hoch. Da kann auch eine Menge schief gehen. Die Huygenslandung war für Europa auch etwas neues und hat funktioniert.
Den Mars zu umkreisen oder ein Labor auf den Boden zu bringen, gab es jetzt schon oft genug. Man kann versuchen den nächsten Schritt zu gehen ... auch wenn die ESA da wenig Erfahrung hat.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

knt

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #2 am: 12. Mai 2007, 07:22:14 »
Zitat
Das größere und komplexere Apolloprogramm hat bis zur ersten Mondlandung ohne Versagen funktioniert.

Zitat
Der erste bemannte Flug im Rahmen des US-amerikanischen Apollo-Programms war unter der internen Bezeichnung AS-204 geplant. Während eines Tests auf der Startrampe brach jedoch ein Feuer in der Kapsel aus, in dem die drei Astronauten ums Leben kamen. Das amerikanische Mondlandeprogramm wurde dadurch weit zurückgeworfen. Diese Mission, die nie durchgeführt wurde, bekam rückwirkend die Bezeichnung Apollo 1.

http://de.wikipedia.org/wiki/Apollo_1
« Letzte Änderung: 12. Mai 2007, 07:23:08 von knt »

Online Schillrich

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #3 am: 12. Mai 2007, 07:37:06 »
@knt:

touché ;)

Ich bezog mich aber mehr auf die Mondlandung und die Rückkehr selbst als technische Herausforderung.
\\   //    Grüße
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Offline Mary

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #4 am: 12. Mai 2007, 15:25:59 »
Zitat
Gegenbeispiel:

Das größere und komplexere Apolloprogramm hat bis zur ersten Mondlandung ohne Versagen funktioniert. Natürlich vergleiche ich da ein wenig Birnen mit Äpfeln, aber es kann funktionieren.
Außerdem ist das nicht das einzige Programm mit technischem Neuland. Das Risiko bei der Rosettamission halte ich auch für sehr hoch. Da kann auch eine Menge schief gehen. Die Huygenslandung war für Europa auch etwas neues und hat funktioniert.
Den Mars zu umkreisen oder ein Labor auf den Boden zu bringen, gab es jetzt schon oft genug. Man kann versuchen den nächsten Schritt zu gehen ... auch wenn die ESA da wenig Erfahrung hat.
Beim Apolloprogramm hat es aber vorher umfangreiche Tests des Raumschiffes vorher gegeben: Apollo 7-10
So etwas würde man bei einer Mars Sample Return Mission wohl kaum machen. Allerdimgs kann man das wirklich nicht vergleichen: Wenn bei so einer unbemannten Mission etwas schief geht und man die Raumsonde verliert, dann sind eine Menge Arbeit und Geld dahin. Aber wenn man noch will und das Geld zur Verfügung hat, kann man eine neue, verbesserte Version der Raumsonde bauen. Bei einer bemannten Mission kann man zwar das Raumschiff auch neu bauen, aber die Crew wird man nie wieder ersetzen können.

Aber wer sagt denn überhaupt, dass es schief gehen muss? Mit einem guten Team lässt sich bestimmt ein entsprechendes Raumschiff entwerfen und auch zum Mars und wieder zurückbringen. Ein gewisses Risiko ist gewiss dabei, aber wenn wir so ein Risiko nicht eingehen, werden wir auch nicht weiterkommen. Wenn wir Menschen kein Risiko eingegangen wären, wären weder Juri Gagarin noch Alan Hepard und John Glenn ins All geflogen, Neil Armstrong, Buzz Aldrin, Pete Conrad und Alan Bean (und noch 8 weitere) wären nicht am Mond spazieren gegangen und womöglich wüssten wir noch nicht mal, dass es Amerika gibt.

Offline tul

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #5 am: 13. Mai 2007, 04:44:39 »
Bei der Apollo Mission konnten Menschen direkt eingreifen, sonst wäre z.B. Apollo 11 an der Mondoberfläche zerschellt.

Allgemein zu Marsmissionen: Es sollte nicht vergessen werden, dass die meisten Marsmissionen gescheitert sind. In den 80iger und 90iger Jahren 7 von 9 wenn ich mich nicht irre. Seit 2001 waren zwar alle erfolgreich, aber das muss nicht so bleiben. Kurz: Ich glaube nicht, dass der Marsfluch bereits gebrochen wurde.

Was ESA betrifft, so hatte die Organisation in den letzten Jahren einen unglaublichen "Home Run" mit Hyugens, Mars Express, Venus Express und Smart-1. Smart-1 hing aber auf Messers Scheide und hätte auch anders ausgehen können. (Siehe Spiegel Artikel hierzu) Glück gehört auch dazu.
 ESA Mitarbeiter meinten hierzu auch, dass sie auf Grund dieser Erfolge befürchten, dass die Erwartungshaltung dadurch ins Unermessliche steigert. Tretten dann aber Fehlschläge auf, ... ... .

Zitat
Aber wer sagt denn überhaupt, dass es schief gehen muss? Mit einem guten Team lässt sich bestimmt ein entsprechendes Raumschiff entwerfen und auch zum Mars und wieder zurückbringen.

Das Problem ist, dass das vorher noch nie jemand versucht hat. Man kann also nur vermuten wie es funktioniert. Wissen tut man es vorher nicht. Gleichzeitig muss man versuchen zu ahnen welche Probleme auftreten könnten. Aber im All kann alles mögliche passieren.

Zitat
Wenn wir Menschen kein Risiko eingegangen wären, wären weder Juri Gagarin noch Alan Hepard und John Glenn ins All geflogen, Neil Armstrong, Buzz Aldrin, Pete Conrad und Alan Bean (und noch 8 weitere) wären nicht am Mond spazieren gegangen und womöglich wüssten wir noch nicht mal, dass es Amerika gibt.

Das ist richtig. In den 60iger wurde es aber auch noch akzeptiert, das man (mit unbemannten Missionen) manchmal mehrere Anläufe braucht. Bedingt aber durch die schwachsinnige Diskussion, - "das Geld kann man ja viel besser ausgeben" - seit den 70iger Jahren ist dies nicht mehr vorhanden.

Kurz:  Wir müßten dringen wieder zurück zu dem Geist der 60iger Jahre.



Speedator

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #6 am: 16. Mai 2007, 19:05:10 »
Zitat
Bedingt aber durch die schwachsinnige Diskussion, - "das Geld kann man ja viel besser ausgeben" - seit den 70iger Jahren ist dies nicht mehr vorhanden.

Kurz:  Wir müßten dringen wieder zurück zu dem Geist der 60iger Jahre.

Klar für dich als vielleicht unabdingbaren Raumfahrtfan ist das keine Diskussion wert, aber das kannst du nicht einfach so verallgemeinern. Selbst wenn man andere Faktoren außerhalb der Raumfahrt außen vorlässt, ist es auch innerhalb diese sicherlich umstritten. Warum ausgerechnet so viel Geld etc. für genau dieses Projekt und nicht für andere.

Um nochmal auf diesen unpassenden Apollovergleich zu kommen. Man schaue sich nur diesen Aufwand an allen Mitteln an, die dafür gebraucht wurde. Sowas ist absolut fern von Realität für solch ein Projekt, auch wenn es sicherlich im vergleich nicht diese Komplexität aufweisst und man das runterrechnen würde.

Wiedermal kommen wir hier zu der Frage: "Raumfahrt über alles?"

rolli

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #7 am: 16. Mai 2007, 20:41:05 »
Hallo @

Zitat
Kurz: Wir müßten dringen wieder zurück zu dem Geist der 60iger Jahre.

NEIIIIN !

Das nicht. 60-ziger ist ja wohl überwunden. Da war die Berliner-Mauer, die Atom-Raketen-Drohung Russki/Amerikanski.
 Schlag drauf, ich bin der beste, der erste.

Nee, das brauchen wir nicht mehr.

SCHLUSS

Heute geht es um sinnvolle Zusammenarbeit, in allen Gebieten, auch der Raumfahrt. Wenn die Russen mit Europa/USA/China/Japan/Indien etc. zusammenarbeiten wollen, dann los.

Ja, ich könnte jetzt noch viele Zeilen schreiben, mach ich nicht.

Ein bisschen frustriert

 :-[

knt

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #8 am: 17. Mai 2007, 01:15:03 »
Zitat
Kurz:  Wir müßten dringen wieder zurück zu dem Geist der 60iger Jahre.
Wünsch dir nicht den Teufel an Hals, er könnte es höhren!

Die aktuellen Beziehungen zwischen Russland und den USA sind beschissen. Seid Putins taktisch unkluger (aber exzelenter!) Rede bei der Müncher Konferenz für Sicherheit sind beide Staaten auf Kollisionskurs. Ich bin ganz sicher niemand der in einem Gut-Böse Schema denkt - alle Staaten sind Verbrecher - meiner Meinung nach ist es aber diesmal sehr deutlich wer eskaliert und wer "nur" irrational (über-)reagiert! Ich hoffe der Konflikt bleibt halbwechs friedlich bis diese Kriegshetzer abgesetz und durch Menschen ersetzt werden.

Das Problem von Etatkürzungen nach "verunglückten" Versuchen ist kein generelles Problem. Nimm z.B. Millitärische Forschung oder die Medizin - auch da sind Rückschläge normal, werden jedoch nicht mit Etatkürzung beantwortet.

Das Problem liegt eher darin, das Raumfahrt und Forschung von vielen Entscheidungsträgern noch als Luxus angesehen wird. Als etwas das man macht wenn man zuviel Geld hat, und etwas was man zusammen kürzt wenn man zu wenig Geld hat. Vieleicht liegt der wirkliche Grund auch noch tiefer, bei Verteilungskämpfen zwischen Industrien..
« Letzte Änderung: 17. Mai 2007, 01:29:55 von knt »

Offline tul

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #9 am: 17. Mai 2007, 03:36:51 »
Sorry falls ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe. Mit Rückkehr zum Geist der 60iger Jahre bezog ich mich auf einen Teilaspekt der Raumfahrt, dass es okay ist wenn man mal mehrere Versuche bis zum gewünschten Erfolg braucht.
(Von Berliner Mauer habe ich eigentlich nichts erwähnt ... ::))


Zitat
Das Problem liegt eher darin, das Raumfahrt und Forschung von vielen Entscheidungsträgern noch als Luxus angesehen wird. Als etwas das man macht wenn man zuviel Geld hat, und etwas was man zusammen kürzt wenn man zu wenig Geld hat.

Deswegen warten manche Entscheidungsträger ja nur darauf das etwas schief geht ...

Offline alswieich

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #10 am: 17. Mai 2007, 04:35:10 »
Zitat
... Das Problem liegt eher darin, das Raumfahrt und Forschung von vielen Entscheidungsträgern noch als Luxus angesehen wird...
Das sehe ich auch so. Aber vielleicht wird für einige Staaten die Raumfahrt nun wieder etwas interessanter: http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=.msg#msg

Allerdings wird es dann keine Mars Sample Return Mission sondern eine problematische GJ 436-Wasserabbau- und Transportmission.


Gruß
Peter

Online Schillrich

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #11 am: 17. Mai 2007, 06:44:45 »
Zitat
Sorry falls ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe. Mit Rückkehr zum Geist der 60iger Jahre bezog ich mich auf einen Teilaspekt der Raumfahrt, dass es okay ist wenn man mal mehrere Versuche bis zum gewünschten Erfolg braucht.

Hallo,

ich dachte mir von Anfang an, dass du das so (rein positiv) meinst. Mann muss aber sehen, dass Raumfahrt damals nicht um der Raumfahrt und Forschung Willen betrieben wurde. Den Entscheidungsträgern und auch der Gesellschaft ging es oft nur um das Wettrennen (und wer den Längsten hat ... ;)). Das Problem dabei war dann auch, dass nicht alles sinnvoll war und noch mehr Geld verpulvert wurde.
Das beste Beispiel ist dabei Apollo selbst. Es ging nur um das Erreichen des Mondes. War das geschafft, war es nicht mehr interessant. Dann gab es keine Spur von ernsthafter Forschung (nur ein Geologe war auf dem Mond) oder sinnvoller Weiterentwicklung .... es ging nur um das "Posing".
Man kann sich also nicht nur die positiven Teilaspekte der 60er raus picken. Es ist ja auch nur deswegen positiv, weil technische viel erreicht wurde. Wie der Erfolg erreicht wurde ist eigentlich das genaue Gegenteil ....
\\   //    Grüße
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Offline tobi

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #12 am: 11. Juli 2008, 11:49:36 »
Eine Mars Sample Return Mission ist nun für 2018 geplant. 500g sollen zur Erde gebracht werden. Das Missionsdesing sieht so aus: Im Jahre 2018 startet eine Atlas V einen Marsrover zu Mars, dieser soll Gesteinsproben sammeln. Mit dabei ist auch ein Marsaufstiegsmodul. Ein Jahr später startet eine Ariane 5 ECA einen Marsorbiter, der im Marsorbit dann die Proben übernimmt und diese zur Erde zurückbringt.

Kosten: 4-8 Milliarden $.

Quelle:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/7500371.stm

Ziemlich teuer. :o
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

Offline Vierer

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #13 am: 11. Juli 2008, 21:37:21 »
Hier noch ein Beitrag vom Deutschlandfunk über das Thema.
Es von einer mehrteiligen Mission, gesprochen. Fällt ein Teil aus, könnte ein Ersatz hinterhergeschickt werden.

Zum Lesen: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/813823/
Zum Hören: http://podster.de/episode/661734

Gruß
Vierer

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*Link entfernt von Schillrich
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« Letzte Änderung: 18. September 2008, 13:29:11 von Schillrich »

Cosmo

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #14 am: 11. Juli 2008, 23:18:39 »
Zitat
Kosten: 4-8 Milliarden $.
Ziemlich teuer. :o
So sieht es aus, leider.

Die ESA ist meiner Meinung nach gut beraten auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Bevor man grossspurig die nächsten Milliarden für eine einziges Projekt aus dem Fenster wirft sollte man erstmal die Finanzlöcher bei ExoMars und BepiColombo in den Griff bekommen und zusehen das sich bei den nächsten Missionen nicht wieder plötzlich doppelte Kosten aus heiterem Himmel einstellen.
Nichts für ungut, aber irgendwie wiedersprechen sich diese ganzen Meldungen, auf der einen Seite hat man kein Geld für BepiColombo, und wenige Wochen später möchte man so ziemlich gleich ein Multimilliardenprojekt namens Mars Sample Return aus dem Boden stampfen, eins das obendrein auch noch technologisch mehr als anspruchsvoll ist.
Aber vielleicht ist das auch einfach nur eine Meldung die ganz schnell wieder vergessen wird. Ich sehe jedenfalls kein MSR 2018 von der Erde abheben.

Online Nitro

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #15 am: 12. Juli 2008, 11:13:29 »
Ich dachte die ganze Zeit, das wäre nur eine Studie. Da ist doch nocht gar nichts beschlossen. Weder auf ESA noch auf NASA Seite ist sowas bisher abgesegnet worden. Was die ESA angeht können wir da mit konkreten Antworten nicht vor der Ministerratskonferent rechnen, meiner Meinung nach.
Bevor man einen Beitrag letztendlich abschickt sollte man ihn sich noch ein letztes Mal durchlesen und sich dabei überlegen ob man ihn genau in diesem Wortlaut auch Abends seinem Partner und/oder Kindern ohne Bedenken vorlesen würde.

Online Schillrich

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #16 am: 12. Juli 2008, 17:56:02 »
Hallo zusammen,

das vorgestellte Konzept und die Kosten sind ja erst mal ein Vorschlag und eine Kalkulation. Damit kann/möchte man mal abschätzen, was technisch möglich ist und was es kosten würde. Wie man sieht, ist es aufwändig und teuer. Aufgrund solcher Studien wird dann entschieden ob und wie weiter verfahren wird.
Das "nächste Milliardengrab" ist das also noch nicht ...
\\   //    Grüße
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Cosmo

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #17 am: 12. Juli 2008, 22:57:00 »
Sicher ist dies "nur" eine Studie, im Prinzip wie alle Missionen bis diese tatsächlich operationell eingesetzt werden (also nach dem Launch). Und Studien zu Mars Sample Return werden schon seit Jahren gemacht. Man weiss schon länger das dies technologisch herausfordernd ist und auch sehr viel Geld kostet.

Aber wir reden hier immerhin vom Aurora-Programm der ESA (2001 ins Leben gerufen), mit entsprechender Roadmap. Hier sind die Ziele bereits abgesteckt: neben ein paar Technologiedemonstrationen sind die Schlagwörter Flagship Missionen wie ExoMars und Mars Sample Return sowie schliesslich die bemannte Marslandung. Es handelt sich hier also nicht um "irgendeine" Studie welche mit 10 anderen Studien um einen der heissbegehrten M-Class oder L-Class Cosmic Vision Finanzierungsslots im KO-System kämpft. Hier geht es um weit mehr. Und solange man einer bemannten Marsmission als mittelfristiges Ziel festhält kommt man um Mars Sample Return nicht drumrum.
Die ganze Situation mag sich in den nächsten 18 Monaten komplett ändern (politisch gesehen), wer weiss das schon. Wenn man aber an 2018/2020 als Startdatum festhält, kann (muss) dieses Projekt 2009/2010 anlaufen. Und das ist bald. Naja mal sehen, die nächste Aurora Konferenz sollte 2010 stattfinden, wenn ich mich recht erinnere, spätestens dann wird wohl klar sein wohin es geht.

Mir ging es auch darum aufzuzeigen, ob es Sinn macht sich auf wenige oder gar nur eine Mission zu konzentrieren, bei dem kleinen Raumfahrtbudget hier in Europa. Anders gesagt: die ganzen Projekte sind alle fantastisch und schreien förmlich danach das ESA Budget zu verdoppeln oder verdreifachen. Wenn nicht kann solch ein Prestigeprojekt sehr schnell "langweilig" werden, denn bekannterweise haben andere Projekte dann das Nachsehen. Und eins sollte einem klar sein: die Mischung macht's!

Offline redmoon

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #18 am: 30. August 2008, 22:23:21 »
Hallo,

eine Studie aus dem Juli besagt, dass sich die Kosten für eine Sample Return Mission auf 5 Mrd. Dollar + X belaufen würden.

http://www.marssociety.de/html/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=1407

Quelle : Mars Society

Das ist in meinen Augen schon sehr viel Geld, besonders wenn man bedenkt, dass es doch möglich ist, gewonnene Proben durch Lander oder Rover auch direkt vor Ort zu untersuchen. Klar, die Instrumente eines Rovers können wahrscheinlich Untersuchungen nicht in dem Umfang un der Genauigkeit durchführen, wie das hier auf der Erde möglich wäre. Von daher ist es eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung.
Das Risiko eines Fehlschlages sehe ich zwar, aber das ist für mich "vernachlässigbar". Raumfahrt ist immer noch relatives Neuland für uns und mit jedem Erfolg und auch mit jedem Misserfolg lernen wir dazu für das nächste Mal.
Ich glaube allerdings, dass es sehr schwer sein wird, eine solche Mission und die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen der Öffentlichkeit nahezubringen.
Meiner Meinung nach sollten Untersuchungen von Marsproben, sollen sie denn direkt von Menschen durchgeführt werden, vor Ort unternommen werden. Womit wir bei einer bemannten Mission wären...Die wäre zwar 20 X teurer ( ? ), aber DAS wäre mal was. Okay, ich träume....

Trotzdem schöne Grüße aus Hamburg - Mirko
Nicht ewig bleibt die Menschheit auf der Erde - Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski

Offline tul

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #19 am: 31. August 2008, 05:25:44 »
Zitat
Das Risiko eines Fehlschlages sehe ich zwar, aber das ist für mich "vernachlässigbar". Raumfahrt ist immer noch relatives Neuland für uns und mit jedem Erfolg und auch mit jedem Misserfolg lernen wir dazu für das nächste Mal.
Ich glaube allerdings, dass es sehr schwer sein wird, eine solche Mission und die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen der Öffentlichkeit nahezubringen.

Das Risiko ist leider nicht vernachlässigbar. Ich erinnere nur daran was los war als der Mars Polar Lander verloren ging. Oder Nozomi. Beides waren sehr schwere Rückschläge in der Öffentlichkeit. Man kann sich leider Fehlschläge als Zwischenschritt zum Erfolg nur noch bedingt leisten.


Offline redmoon

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #20 am: 02. September 2008, 19:40:26 »
Hallo tul,

ich habe mich da etwas sehr ungeschickt ausgedrückt. Was ich persönlich denke, ist selbstverständlich nicht die Meinung der Bevölkerung, die mit ihren Steuergeldern letztendlich solche Missionen bezahlt. Und jeder Fehlschlag ist ein weiteres Argument für die Gegner solcher Unternehmungen und senkt die Akzeptanz dafür in der Öffentlichkeit.

Eine Sample-Return-Mission ist um ein vielfaches komplexer und damit auch in ihrem Erfolg gefährdeter, als 'normale' Landungen und Probenanalysen vor Ort. Sollte es zu einem Fehlschlag kommen, so wäre dies aufgrund der investierten Finanzmittel und der nicht erfüllten Erwartungen wohl ein echtes Fiasko. Von daher stehe ich einer solchen eher skeptisch gegenüber und favorisiere stattdessen die jetzt geplanten Rover-Missionen MarsScienceLaboratory bzw. Exo-Mars. Sie sind erheblich kostengünstiger und es besteht schon eine gewisse Erfahrung - Routine möchte ich jetzt nicht schreiben, das wäre falsch.

Auf jeden Fall aber wünsche ich Fobos-Grunt jetzt schon mal viel Glück und Erfolg!!!
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=4187.0    

Gruß aus Hamburg - Mirko
Nicht ewig bleibt die Menschheit auf der Erde - Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski

ilbus

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Re: Das Problem Mars Sample Return
« Antwort #21 am: 03. September 2008, 09:11:36 »
Ich denke, neben der knappen Finansierung war Erfolgsdruck die wichtigste Fehlerquelle. Meistens kamm der Druck seitens Politik. An sich ist es nicht verkehrt, doch wenn als Ziele des Erfolgs allein das Prallen und politische Propaganda gestellt werden, war es auf langer Sicht immer einer zweifelhafte Anstrengung.

Das Gelichgewicht zwischen den Kompromissen bei technischen Lösungen und den angegangenen Risiken darf nicht schon vor dem Start negativ ausfallen. Machbarkeitsstudien, die durchaus zu Streichung des Projekts, oder Ansazwechsel führen, sind zwar kostenspielig, doch , meiner Meinung nach, ein unabdingbarer Teil jedes Erfolges. Und daran zu sparren ist ein sicherer Weg zu bösen Überaschungen.

Immerhin mit einem erfolgreich absolvierten Programm kann man nicht nur die Gemüter der Geldgeber besänftigen, sondern auch weitere Schritte plannen. Die Evolution der Marsrover ist ein guter Paradebeispiel dafür.

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