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Autor Thema: Gamma Ray Bursts (GRBs)  (Gelesen 37945 mal)

H.J.Kemm

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #25 am: 03. April 2008, 09:29:26 »
Moin,



      
Hier der *Screen shot* des ESO`s Very Large Telescope, der auf den *GRB* hinweist, wenn die Konsole den Rapid Response-Modus auslöst. Die aktuelle Beobachtung wird beendet und das Teleskop ist voreingestellt auf den *GRB*. Der ganze Vorgang dauert nur ein paar Minuten.

Jerry

steam01

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #26 am: 01. Juni 2008, 17:51:02 »
Ich möchte diese Thema nochmal aufgreifen,mich bei der Gelegenheit als "Neuer" vorstellen und alle hier recht herzlich Grüssen.

Die Natur der Gammabursts zu erklären, ist eine grosse Herausforderung. Zahlreiche Theorien existieren schon, aber sind nicht- oder nur unzureichend erklärt.
Mit den Theorien der langen Bursts kann ich mich anfreunden, weil verstehen. Doch was die ernergiereichen, kurzen Bursts angeht, bestehen Zweifel.

In den Anfängen der Registrierung wurden innerhalb 3 Jahre ca. 1000 Bursts beobachtet. Das ergibt ca. 1 Burst pro Tag.
Nach den bisherigen Theorien nimmt man an, dass die Strahlen nicht über die gesamte Fläche des Objekts , sondern über dessen Polkappen abgestrahlt werden, da sonst ein ungeheuer großer Energiebeitrag abgegeben wird.
Wir sehen diese Bursts also nur, weil wir zufällig in dieser "Blickrichtung" liegen, also erhalten wir nur einen Teil von Gammainfos aus dem All.
Wenn wir (optimistisch gesehen) 10% von allen Gammabursts im Universum erfassen, ergäbe es eine noch unglaublichere Zahl von Blitzen dieser Art.
Es wundert mich, dass nicht annähernd eine entsprechende Anzahl von Supernova-Ausbrüche registriert wurde. Solche Ausbrüche kann man auch noch über große Entferunugen nachweisen. Diese sollten aber die Voraussetzung dafür sein, dass hinterher Neutronensterne, bzw. Schwarze Löcher entstehen.
Gehen wir davon aus, dass die Zahl der Gammabursts vorerst nicht weiter abnimmt, umso erstaunlicher ist diese Tatsache.

Bei beobachteten 1000 Bursts in 3 Jahren und 10%, die wir überhaupt beobachten können, ergäbe das die erstaunliche Zahl von 10.000 Bursts (ungefähr) 10 Pro Tag.
Bei dieser Menge kommen mir ernsthafte Zweifel an den gegenwärtigen Theorien.
 
Wir müssten also heute pro Tag eine unglaubliche Zahl von Supernavae beobachten, weil sie -anders als Gammabursts- über die ganze Fläche des Objekts abgestrahlt werden, die dann in vielen Jahrhunderten -oder sogar Jahrzehnten  :)-  als verschmelzende Neutronensterne oder Schwarze Löcher Gammabursts produzieren könnten.
Das Universum ist sehr aktiv, aber das 10 Gammabursts pro Tag, bei denen es egal ist, ob sie bei der Verschmelzung zweier Neutronensterne oder bei der Enstehung von Schwarzen Löchern abgestrahlt werden, halte ich für unwahrscheinlich.
Nachweislich stammt die grosse Zahl der Bursts aus Regionen, als das Universum recht jung war. Das zu dieser Zeit bereits eine so grosse Zahl an schwazen Löchern enstanden sein kann, finde ich sonderbar, schließlich sprechen wir über eine Zeit, wenige Milliarden Jahre nach dem Urknall, bei der die Masse an Sternen noch in den Kinderschuhen steckte.
Die meisten Bursts komen aus weit entfernten Regionen zu uns und sicher sind auch einige Blitze dabei, die von ehemaligen Hyperriesen stammen.

Ebenso merkwürdig ist die Tatsache, dass in unserer unmittelbarer Umgebung, sprich den nächsten Galaxien unserer Nachbarschaft keine kurzen Gammabursts beobachtet werden, denn bei der grossen Zahl müsste auch in unserer Nähe kurze Gammabursts zu erfassen sein. (wohlgemerkt mit dem gleichen Energierbeitrag)

Sollte es so sein, dass wir in einem solch unruhigem Universum leben, können wir von Glück reden, dass unser Planet noch existiert.

Einzig, die Enstehung supermassiver schwarzer Löcher in galaktischen Zentren könnten diese Theorie einigermaßen erklären, doch dann müssten wir einen stetigen Abfall der Blitzzahl bemerken was bisher nicht geschehen ist.
Ich denke, dass uns diese Blitze noch einiges an neuen Erkenntnissen und Überraschungen unserer Physik bringen werden. Wenn wir sie überhaupt verstehen können.
Gruß
steam01
 


Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #27 am: 13. Oktober 2008, 21:15:40 »
Das Gammastrahlen-Teleskop der ESA, INTEGRAL hat wahrscheinlich eine neue Klasse von GRBs entdeckt.

Dabei handelt es sich um sehr schwache GRBs, weshalb man zunächst an sehr weit entfernte Ereignisse denken würde. Tatsächlich sind diese schwachen GRBs aber in unserer relativen Nachbarschaft, in den umgebenden Galaxienclustern zu verorten. Als Ursache vermutet man nicht ganz so massive Ereignisse wie Kollisionen von Neutronensternen (kurze, starke GRBs), sondern möglichweise Kollisionen von Weißen Zwergen miteinander oder mit einem Neutronenstern oder Schwarzen Loch.

Quelle:
http://www.esa.int/esaCP/SEMX2MSG7MF_index_0.html

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #28 am: 26. November 2008, 17:18:32 »
[split] [link=http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=.0][splithere][/link][splithere_end]

Offline klausd

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #29 am: 21. Februar 2009, 00:11:44 »
Spiegel Online schreibt dazu:

Diese Explosion schlägt alle: Mit dem Fermi-Teleskop haben Forscher nun einen Gammablitz beobachtet, der 9000 Mal heller ist als eine durchschnittliche Supernova. Doch ein Rätsel konnten sie auch mit den neuen Aufnahmen nicht lösen.

hier der Link zum Video: http://www.spiegel.de/video/video-52428.html
« Letzte Änderung: 21. Februar 2009, 00:12:25 von klausd »

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #30 am: 21. Februar 2009, 00:34:53 »
Bei dem Ereignis, aufgezeichnet am 16. September 2008 durch das Fermi-Weltraumteleskop, handelt es sich um den stärksten bisher beobachteten GBR.  

Jochen Greiner vom MPI für extraterrestrische Physik hat mit Hilfe des 2,2m-Teleskops der ESO in La Silla eine Lichtlaufzeit von 12,2 Milliarden Jahren festgestellt.

Dank Fermis großer Sensitivität konnte festgestellt werden, dass die Gammastrahlen mit sehr hoher Frequenz etwas zeitverzögert zu denjenigen mit mittlerer Frequenz auf der Erde eintrafen.

Dies kann im wesentlichen zwei Gründe haben:

- Die höherfrequenten Gammastrahlen wurden bei dem Ereignis etwas später freigesetzt (das ist die profane Möglichkeit)

- Etwas sorgte dafür, dass die höherfrequenten Gammastrahlen sich nicht ganz so schnell ausbreiten konnten wie die niederfrequenten (das ist die aufregende, spekulative Möglichkeit)

Die zweite Möglichkeit würde für ziemlich viel Wirbel sorgen, sollte sie stimmen (zumindest unter Physikern). Verantwortlich für das Abbremsen wären dann nämlich Quantenfluktuationen des Vakuums, deren Wirkung die hochenergetischen Gamma-Photonen zu spüren bekommen würden. Diese Beobachtung würde übereinstimmen mit einigen theoretischen Modellen aus dem Bereich der Quantengravitation und wäre eine tolle experimentelle Bestätigung.

Um zu klären, was genau hinter der Zeitverzögerung steckt, muss Fermi noch viele weitere GBRs beobachten und miteinander vergleichen. Genaueres sollten wir also spätestens in ein paar Jahren wissen.  

Einen wissenschaftlichen Aufsatz mit den genauen Beobachtungsergebnissen gibt es hier: http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/1169101v1
« Letzte Änderung: 21. Februar 2009, 00:43:06 von Kreuzberga »

Online Schillrich

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #31 am: 21. Februar 2009, 07:19:14 »
Genau so ein Ergebnis "wollte" man finden. Das Fermi das jetzt so schnell geschafft hat, ist wirklich spektakulär. Aber wie schon gesagt: jetzt muss das bestätigt werden.
Gibt es denn viele GRBs aus so großer Entfernung, mit einem so hohen Alter? Oder müssen wir jetzt lange warten bis eine vergleichbare Messung möglich ist?
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #32 am: 26. Februar 2009, 17:28:14 »
Im neuen ESA-Bulletin auf S. 92 f. steht etwas Interessantes in Bezug auf die Zeitverzögerung bei GRB (s.o.) und ich bin mir nicht sicher, ob es einen Zusammenhang zwischen den Messungen Integrals und Fermis gibt.

Jedenfalls wurden bei einer Auswertung aller bisher von Integral beobachteten GRBs (ca. 1400 Stück/Woche) zwei verschiedene Typen von Zeitverzögerung zwischen dem Eintreffen der hochenergetischen und dem der niederenergetischen Photonen festgestellt. Beim ersten Ty ist die Zeitverzögerung klein (<0,75 s), beim zweiten länger, wobei es sich dabei immer um Ereignisse an der Detektierungsgrenz des eingesetzten Instruments handelt.

Nachdem ich mir den Text nun nochmal richtig durchgelesen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Zusammenhang mit den Messungen des Fermi-Teleskops gibt. Zum einen handelt es sich im Falle von Fermi um viel härtere Gammastrahlung, zum anderen traf diese bei dem beobachteten Ereignis nach der weichen Strahlung ein.

Die Zeitverzögerung erklärt man sich bei den von Integral beobachteten GRBs daher wahrscheinlich mit internen Prozessen und nicht wie bei dem von Fermi beobachteten GRB mit Wechselwirkungen der Photonen mit virtuellen Teilchen im Vakuum.

Für die schwachen von Integral beobachteten GRBs macht man Supernovae vom Ibc verantwortlich.

juice(Guest)

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #33 am: 06. Oktober 2005, 17:46:53 »
Mal ne frage zu den gammestrahlenausbrüchen: gammestrahlen bewegen sich mit lichtgeschwindigkeit oder? d.h. wenn wir die auswirkungen eines gammestrahlenausbruches registrieren können liegt dieser schon lange in der vergangenheit, ein solcher ausbruch in astronmisch gesehener nähe würde doch verherende folgen für das leben auf der erde haben bzw. dieses sogar vollständig auslöschen oder? Entstehen diese nur bei sternenexplosionen oder kollisionen von extrem massereichen objekten(schwarze löcher, neutronensterne)?

Offline Volker

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #34 am: 06. Oktober 2005, 18:26:31 »
Gammastrahlen sind elektromagnetische Wellen, so wie optisches Licht oder Radiowellen, und bewegen sich daher mit Lichtgeschwindigkeit. Diese Ausbrueche, die wir beobachten, finden in grossen Entfernungen statt, gleichmaessig verteilt im Universum. Man geht davon aus, dass diese Ausbrueche entstehen, wenn ein extrem grosser Stern in einer Supernova explodiert. Es ist also der Entstehungsmoment eines Schwarzen Lochs. Die Strahlung wird wahrscheinlich nicht in alle Richtungen gleichmaessig abgestrahlt, sondern gebuendelt in einem Strahl - deshalb kann man dieses Phaenomen in so grosser Entfernung noch beobachten.
Ein Gamma-Strahlungsausbruch in der naeheren Umgebung des Sonnensystems waere allerdings fatal. Ist aber nicht zu erwarten. Der naechste Kandidat fuer eine Supernova in der Naehe waere wohl Beteigeuze, aber das ist kein super massiver Stern, wie er fuer einen Gammastrahlungsausbruch noetig waere.
Kleinere Gammastrahlungsausbrueche entstehen wahrscheinlich bei der Kollision zweier Neutronensterne.
Die Haeufigkeit von Gammastrahlungsausbruechen ist etwa 1000 pro Jahr, bei einhundert Milliarden Galaxien im Universum also etwa alle 100 Millionen Jahre pro Galaxie - allerdings treten Supernovae zumeist in jungen Galaxien auf in denen eine Menge Sterne entstehen. Also haben wir wohl keine gute Chance einen Ausbruch in der Naehe zu beobachten.
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GG

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #35 am: 06. Oktober 2005, 21:58:49 »
Hallo Juice,

im Jahre 1996 haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München mit einem Computer den Zusammenstoß zweier Neutronensterne simuliert. Neutronensterne sind Reste ehemals leuchtender Sterne, die nach einer Supernovaexplosion in sich zusammengestürzt sind. Ihre Materie ist so dicht wie in einem Atomkern. Ein Kubikzentimeter eines Neutronensterns hat eine Masse von bis zu 1 Million Tonnen. In der Computersimulation ließ man unterschiedliche Szenarien ablaufen. Waren die Sterne etwa von derselben Größe, so bildete sich in der Mitte ein Schwarzes Loch, das spiralförmig von Restmaterie umgeben war. Kollidierten dagegen Neutronensterne unterschiedlicher Größe, so wurde der kleinere vollkommen zerrissen und anschließend von dem größeren verschluckt. Zurück blieb hier ein Ring aus Sternmaterie. Bei beiden Simulationen aber traten starke Gravitationswellen und Gammastrahlungsblitze auf. Ein Gamma-Blitz in unserer Galaxis hätte allerdings möglicherweise negative Auswirkungen auf das irdische Leben. Die Spekulationen gingen sogar soweit, dass Gammablitze für das Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten auf der Erde verantwortlich sein könnten.

1998 wurde die Erde von einer deutlich messbaren Gammastrahlenwelle getroffen. Quelle der Strahlung war offenbar ein Magnetar im Sternbild Adler, der 20000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Die Welle traf die Erde auf der Nachtseite und war etwa so stark wie die Gammastrahlung der Sonne bei Tag. Da eine derartige Strahlung von der Erdatmosphäre absorbiert wird, bestand keine Gefahr für das Leben auf der Erde. Auswirkungen gab es jedoch auf Satellitentechnik. Mehrere Satelliten schalteten für mehrere Stunden ab. Ein Magnetar ist einem Pulsar ähnlich. Er sendet &quot;weiche&quot; Gammastrahlung aus und ist nur etwa 20 bis 30 km groß. Sein Magnetfeld aber ist 800 Billionen Mal stärker als das der Erde. Auslöser der Gammastrahlenwelle könnte ein Sternbeben gewesen sein.

Hier noch Hinweise auf neuere Informationen zu Gamma-Ray-Bursts:

http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=249752
http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=256781
http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=239016
http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=239264
http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=204045

Viel Spaß beim Stöbern,

GG

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #36 am: 12. März 2009, 03:50:08 »
Die NASA hat heute die erste All-Sky-Gamma-Ray-Karte basierend auf den Messungen Fermis veröffentlicht. Sie stellt die bisher beste und genaueste Karte des Gamma-Himmels dar. Hier ein erster Eindruck:


GRAU
http://www.nasa.gov/centers/goddard/news/gammaray_best09_21.html

Morgen mehr dazu.


Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #37 am: 12. März 2009, 16:54:42 »
Ok, also nochmal zur obigen Gamma-Ray-Karte Fermis.

Wir sehen dort eine gesamte Himmelsansicht (360°) in galaktischen Koordinaten. Punkte ganz links und ganz rechts, sowie ganz oben und ganz unten liegen also in Wirklichkeit nah beieinander.

In der Mitte sehen wir die Milchstrasse, bzw. unser galaktisches Zentrum, so wie sie uns erscheinen würde, könnten wir mit unseren Augen Gammastrahlen sehen.

Besonders auffällig ist die Spur, die unsere Sonne hinterlässt während der rund dreimonatigen Beobachtungszeit, die für diese Karte aufgewandt wurde hinterlässt. Alle anderen Objekte scheinen stationär, nur die Sonne nicht, was daran liegt, dass sich Fermi mit der Erde um die Sonne dreht, diese also ihre relative Position im Vergleich zu den Hintergrundobjekten verändert. Gammastrahlen emittiert unsere Sonne eigentlich nur bei intensiven Flare-Ereignissen, was im Moment, dank der geringen Sonnenaktivität nicht so oft der Fall ist. Dass die Sonne also überhaupt sichtbar ist, liegt an Kollisionen mit hochenergetischen Partikeln mit der Sonne, bzw. dem umgebenden Gas - dabei entsteht "ein bißchen" Gammastrahlung.

Die anderen im Bild markierten Objekte gehören zu den von den Fermi-Astronomen ausgewählten Gammaquellen, die sie als besonders interessant eingestuft haben. Ein wissenschaftliches Paper, das demnächst erscheint wird mehr als 200 weitere Gammaquellen behandeln.

Eine Übersicht über die TOP 10-Gammaquellen mit kleiner Erklärung gibt es hier.

Hier ein paar ausgewählte Beispiele:

LSI +61 303: Das ist ein ungewöhnliches Binärsystem, in dem sich ein großer und heißer Stern der Klasse B und ein Neutronenstern umkreisen. Neben den Gammaemissionen erzeugt dieses System auch periodische Strahlungsausbrüche im Radiobereich. Wie das genau funktioniert, ist bisher noch unklar. Wahrscheinlich ist aber, dass der Neutronenstern große Mengen an Materie von dem Stern absaugt und verschlingt.

PSR J1836+5925: Das ist ein Pulsar, also ein besonders schnell rotierender Neutronenstern. Dieser spezielle hier gehört zu der von Fermi neu entdeckten Klasse von Pulsaren, die ausschließlich im Gamma-Bereich strahlen und nicht wie sonst üblich auch im Röntgenbereich. Darüber hatten wir schon ab hier diskutiert.

3C 454.3:Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Blazar. Das ist eine spezielle Form von Aktiven Galaxien, in deren Zentrum ein supermassives Schwarzes Loch Unmengen von Materie verschlingt, welche dabei extrem verdichtet wird und in der Folge ordentlich strahlt. Durch einen noch nicht vollständig verstandenen Prozess erzeugen diese Aktiven Galaktischen Kerne so genannte Jets, in denen Materie mit nahezu Lichtgeschwindigkeit ausgestoßen wird. Diese Jets können Millionen von Lichtjahre in den Weltraum hinein reichen. Zum Blazar wird so eine aktive Galaxie in dem Moment, in dem einer der beiden Jets genau auf unser Sonnensystem zeigt. Dadurch erscheint das Objekt am Himmel extra hell. Genau das ist bei 3c 454.3 der Fall. Die Galaxie liegt rund 7,2 Milliarden Lichtjahre entfernt in der Konstellation Pegasus. Über Phänomene dieser Art diskutieren wir hier.

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #38 am: 12. März 2009, 21:05:44 »
Im Portal gibt es nun auch einen Artikel zu Obigem: http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/12032009185558.shtml. Danke dafür, Günther!  :)

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #39 am: 07. April 2009, 12:52:35 »
Mit ESAs Gammastrahlen-Weltraumteleskop INTEGRAL ist es gelungen, bei dem außerordentlich strahlungsintensiven GRB 041219A aus dem Jahr 2004 die Polarisation der eingefangenen Gammastrahlung festzustellen. Dies ist ein tolles Forschungsergebnis, das dazu beitragen kann, Modelle der genauen Funktionsweise von GBRs zu stützen bzw. andere Modelle unwahrscheinlicher erscheinen zu lassen.

Diego Götz, der Leiter der Untersuchung, meint dazu, dass die Ergebnisse darauf hindeuten, dass die Gammastrahlung durch Synchrotronstrahlung erzeugt wird. Synchrotronstrahlung entsteht immer dann, wenn geladene Teilchen durch ein Magnetfeld beschleunigt/ abgelenkt werden.

Götz geht davon aus, dass Jets aus geladenen Teilchen in Wechselwirkung mit einem extrem starken Magnetfeld im Verlauf des GBR die Gamma-Synchrotronstrahlung erzeugen. Doch wie genau?

Hierfür erscheinen 3 verschiedene Szenarien möglich (genaueres siehe Link). Götz favorisiert aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung das erste: Teile des Magnetfeldes des Zentralobjekts (z.B. Schwarzes Loch) werden mit dem Jet hinaus in den Weltraum getragen.

Um diese Annahme zu bestätigen, sind weitere Beobachtungen nötig. Allerdings muss man auf den nächsten außerordentlich großen GBR warten, da Integrals Sensitivität nicht ausreicht, um die Bestimmung der Polarisationsrichtung bei normalen, vergleichsweise schwachen GBRs zuzulassen.

http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=44561


 

Offline Volker

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #40 am: 28. April 2009, 15:07:18 »
NASA's Swift Satellit hat am 23. April 2009 einen Gamma-Ray Burst (GRB) beobachtet. Nichts besonderes, sollte man meinen, aber Nachbeobachtungen im optischen und im Radiobereich haben gezeigt, dass die Galaxie, in der dieser Ausbruch erfolgte, hoechstwahrscheinlich jenseits von z=7, und wahrscheinlich bei z=8 liegt. Damit waere das Universum zum Zeitpunkt des Ausbruchs erst 600 Millionen Jahre alt gewesen, und das Licht des GRB waere nach 13 Milliarden Jahren bei uns eingetroffen...
Sollte z=8 sich fuer GRB 090423 tatsaechlich bestaetigen, dann ist dieses Objekt sehr viel weiter entfernt als die entferntesten Quasare und Galaxien fuer die man bisher die Entfernung bestimmen konnte.

Eine etwas trockene Zusammenfassung der Ergebnisse ueber GRB 090423 gibt es hier:
http://heasarc.gsfc.nasa.gov/docs/swift/archive/grb_table/grb_lookup.php?grb_name=090423
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Hansjuergen

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #41 am: 28. April 2009, 22:47:19 »
Hierzu gibt es auch einen Bericht der ESO:

Sternenforscher haben das bislang fernste Objekt im All erspäht. Am vergangenen Donnerstagmorgen wurde ein Gammastrahlenblitz beobachtet, teilte die Europäische Südsternwarte (ESO) mit. Das sei eine Spur der Explosion des frühesten und am weitesten entfernten Objekts im Weltall, das je beobachtet worden sei.
Mehr darüber hier: http://www.eso.org/public/outreach/press-rel/pr-2009/pr-17-09.html

Offline klausd

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #42 am: 28. April 2009, 23:06:59 »

Offline Volker

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #43 am: 29. April 2009, 09:06:36 »
Jetzt hat die NASA auch noch eine Seite mit ein paar Animationen und Bildern ins Netz gestellt:

http://www.nasa.gov/mission_pages/swift/bursts/cosmic_record.html
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Offline ad_Astra

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #44 am: 29. April 2009, 15:03:39 »
Ich bin da in der Materie leider nicht ganz so bewandert und hätte dazu mal ne Frage:
Soll das heißen das wir mittlerweile bis auf 630 Millionen Jahre nach dem Urknall schauen können?  :o


Grüßle, Andi
Quelle: Falls nicht anders angegeben NASA oder NASA-TV
Alle Infos zu den aktuellen Shuttle-Missionen gibts hier!

Offline Kreuzberga

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #45 am: 29. April 2009, 17:33:12 »
Soll das heißen das wir mittlerweile bis auf 630 Millionen Jahre nach dem Urknall schauen können?  :o

Bei diesem GRB und wenn sich die Messungen bestätigen lassen, ja. Zu überprüfen, ob die Rotverschiebung wirklich so groß ist, ist nicht ganz einfach. Dafür wäre es z.B. sinnvoll, das Spektrum der Galaxie aufzufangen, in welcher sich der GRB ereignete. Bis wir solch eine Galaxie aber überhaupt nur entdecken werden können, wird noch ein wenig Zeit vergehen.

H.J.Kemm

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #46 am: 29. April 2009, 17:55:41 »
Moin Andi,

das bis jetzt benannte Datum des Urknalls stammt aus Theorien und Hochrechnungen. Keiner der Wissenschaftler behauptet, dass die Altersangabe verbindlich ist. Wenn wir noch bessere Teleskope bekommen, dann könnten sich Daten ergeben, die wir bis jetzt für unmöglich ansehen.

Jerry

Offline Olli

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Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #47 am: 08. Juni 2009, 11:53:03 »
Hallo zusammen,

es gibt neue Erkenntnisse, die die Existenz von GRBs erklären könnten.
Wissenschaftler der Queens University in Belfast, des italienischen Nationalinstituts für Astrophysik und des Max-Planck-Instituts für Astrophysik haben eine sog. düstere Supernova entdeckt, die aufschlussreiche Ergebnisse zur GRB-Bildung liefern könnte.

Eine düstere Supernova ist das weit weniger spektukuläre Analogon zu einer Supernova - sie sind deutlich energieärmer, etwa der Faktor 10^3, und dementsprechend intensitätsschwächer. In nun beobachtete düstere Supernova SN 2008ha weist in ihrem Spektrum keinerlei Wasserstoff auf. Dies deutet daraufhin, dass der Stern bereits vor der Explosion seine Wasserstoffhülle abgestoßen hat.
Hierfür gibt es zwei mögliche Erklärungen:
  • aufgrund der Wechselwirkung mit einen Partnerstern oder  
  • wegen stellarer Winde wurde die Hülle des Vorsterns in den Raum geblasen.
Das zweiten Szenario kommt nur  für massereiche Sterne in Frage. Hier hätte sich der kollabierte Kern des Sterns in ein schwarzes Loch verwandeln müssem, welches den größten Teil jener radioaktiven Materie verschluckt, die
im Zuge einer Supernova synthetisiert wird.

Klick auf Bild für größere Auflösung

Die Explosionswolke von SN 2008ha enthält, so zeigen die Spektren, nur wenig radioaktives Material. Trifft dieses zweite Szenario zu, dann lassen sich aus SN 2008ha Erkenntnisse gewissen, die besonders wichtig für das Verständnis des Zusammenhangs zwischen Supernovae und den GRBs sind. Schon seit längerem wird vermutet, dass die GRB bei sehr starken Supernovae entstehen. Der Zusammenhang zwischen düsteren Supernovae und GRB liegt nahe, da zwei GRBs beobachtet wurden, die nicht von großen stellaren Explosionen begleitet waren.

Für das Verständis als problematisch galt bisher, dass bisher lediglich wasserstoffreiche düstere Supernovae bekannt waren. Diese waren bisher jedoch als mögliche Kandidaten ausgeschieden, da ihre ausgedehnten Wasserstoffhüllen die Bildung von Gammablitzen verhindern würden - die die bisherige einhellige Meinung. Mal schauen, welche Ergebnisse die Beobachtung von SN 2008ha noch weiter erzielen, und ob dort auch ein GRB zu beobachten sein wird.

Quelle: astronews.com

Grüße,
Olli
Einmal mitfliegen - was gäb' es Schöneres? Nichts!

Hansjuergen

  • Gast
Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #48 am: 31. Oktober 2009, 07:57:02 »
Gegen Ende des Mittelalters hat GRB 090423 "Mega-Rumms" :) gemacht und jetzt haben wir es gesehen und trägt zum weiteren Vertsändnis bei der Entstehung des Weltraums bei, mehr Infos darüber hier: http://www.spacedaily.com/reports/Mega-star_explosion_most_distant_object_ever_seen_999.html
und hier:
http://www.nature.com/news/2009/091028/full/news.2009.1043.html

Hansjürgen
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2009, 14:25:33 von Kreuzberga »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Gamma Ray Bursts (GRBs)
« Antwort #49 am: 31. Oktober 2009, 11:08:05 »
Moin,

zu *GRB 090423* gibt es in diesem Thread ab Beitrag 216 schon Informationen.

Ausserdem haben wir im Portal einen Bericht von GG über Neues am weitesten entferntes Objekt im All

Jerry
« Letzte Änderung: 09. März 2010, 11:29:43 von H.J.Kemm »

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