Navigation

Raumcon-Seiten

Benutzer im Chat: 8

10. Dezember 2018, 16:43:16
Raumcon
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Neuigkeiten: Unser Unterforum für Rezensionen zu Büchern aus der Astronomie und Raumfahrt
   Erweiterte Suche

Autor Thema: Exoplaneten  (Gelesen 327382 mal)

Offline m.hecht

  • Raumcon Administrator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2472
Re: Exoplaneten
« Antwort #1250 am: 29. November 2018, 00:06:35 »
nun ja, die Spekulationen hören sich schön an...

Nun, Spekulationen sind das nicht. Wenn man denkt MÖGLICHERWEISE einen Zusammenhang gefunden zu haben und diesen durch mehr Daten verifizieren oder falsifizieren möchte, ist das absolut seriöse Wissenschaft. Dann ist auch eine Veröffentlichung einer solchen Theorie legitim. Oft machen dann anderen Leute, die nicht zum eigentlichen Verfasserteam gehören eine Behauptung aus der Theorie. Das ist dann Spekulation und unseriös. Man muss da schon auf den genauen Wortlaut achten.


...aber die Wissenschaft hatte auch lange gedacht das unser Sonnensystem was sehr seltenes ist...

Nun, man irrt sich eben empor. Wie soll es auch anders gehen? Wenn man nicht über alle Möglichkeiten nachdenken und reden darf, werden sich die empirischen Wissenschaften nicht weiterentwickeln. Es wird nicht der Tag kommen, wo alles Wissen dieses Universums vom Himmel fällt. Somit bleibt nichts anderes übrig als einen Schritt nach dem Anderen zu tun. Man hat ja auch nicht über Nacht alles Wissen eingegeben bekommen, wie man z.B. Aluminium im Flugzeugbau richtig einsetzt. Um auf den heutigen Wissensstand zu kommen, war ne Menge Grundlagenforschung und viel (teils tragischer) Versuche und Irrtümer nötig.


...aber die Wissenschaft hatte auch lange gedacht das unser Sonnensystem was sehr seltenes st, ich denke aber mal liegt da komplett falsch.

Das z.B. ist reine Spekulation, sofern du diese Aussage nicht mit belastbaren Daten hinterlegen kannst.   ;)


Mane

Online Prodatron

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 1157
Re: Exoplaneten
« Antwort #1251 am: 29. November 2018, 16:18:42 »
Aber wie stellt man den Anteil schwerer Elemente im Kern unserer Sonne fest? Aus meiner Sicht ist auch das nicht möglich (zumindest nicht über Spektralanalyse). Wenn man also von der Metalizität eines Sterns spricht, spricht man immer von der Metalizität der äußeren Schicht des Sterns, weil man nur die "sehen" kann bzw. spektralanalytisch erfassen kann.
Denk ich auch. Von daher frage ich mich, was für einen Zweck diese Hypothese noch hat, wenn man eh nicht unterscheiden kann zwischen innen und außen.

Die Metallizität eines Sternes hängt ja auch oft mit seinem Alter zusammen (niedrig = alt, hoch = jung), da sich im Laufe der Jahrmilliarden durch Supernova-Explosionen immer mehr schwere Elemente im interstelaren Medium anreichern. Trotzdem heißt das nicht, daß zwei gleich alte und große Sterne exakt die selbe Metallizität haben müssen. Z.B. ist Epsilon Eridani mit unter 1Mrd. Jahre deutlich jünger als die Sonne, hat aber trotzdem eine geringere Metallizität.
Wenn die Metallizität also sowieso von Stern zu Stern deutliche Unterschiede aufweist, dann frag ich mich, warum man bei gleichalten und gleichgroßen Sternen bei einem Unterschied in der Metallizität auf Planeten schließen sollte. Die Ursprungswolke, aus der er entstanden ist, scheint viel mehr für die Unterschiede verantwortlich zu sein.

Die Frage, warum bei manchen Sternen in der Entstehung denn alles schwere Material der Scheibe in diesen reinplumpst, während sich bei anderen Planeten bilden, die das Material dem Stern dann vorenthalten, wäre auch noch zu klären. Wurde darauf in dem Artikel eingegangen? Sobald der Stern zündet, wird das lose Material ja mehrheitlich vom Stern weggeblasen. Vielleicht zünden Sterne unterschiedlich spät, so daß die Spätzünder mehr Metalle aus der Scheibe akkretieren können? Oder es ist ein unstabiles Planetensystem entstanden, bei dem einige Mitglieder von mehreren Erdmassen nach innen migrieren und schließlich in den Stern fallen?

Online SFF-TWRiker

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 656
Re: Exoplaneten
« Antwort #1252 am: 29. November 2018, 23:21:16 »
Die bisherigen Sternensysteme mit mindestens einem Exoplaneten sind so unterschiedlich, dass ich geneigt bin, zu glauben, dass man für jede, möglicherweise jetzt abstrus erscheinde Annahme, im Laufe der Zeit passende Systeme finden könnte.
Man geht jetzt ja davon aus, dass die meisten Exos Supererden und Subneptune sind und es gibt von diesen Typen keinen einzigen Planeten in unserem Sonnensytem und das obwohl, nach dem jetzigen Stand 8 Planeten in einem System ungewöhnlich viele sind, aber evtl ist die große Anzahl von Planeten die Ursache dafür, dass es hier keine Exos dieser Typen gibt, oder umgekehrt ist die Existenz von Exos dieser Typen in  anderen Stersystemen die Ursache dafür, dass dort nur wenige Planeten sind?
Seit Apollo und Star Trek Classic Astronomie, Raumfahrt und SciFi-Fan.

TWR genügt als Anrede

Online Prodatron

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 1157
Re: Exoplaneten
« Antwort #1253 am: 30. November 2018, 00:20:26 »
Man geht jetzt ja davon aus, dass die meisten Exos Supererden und Subneptune sind und es gibt von diesen Typen keinen einzigen Planeten in unserem Sonnensytem
Das liegt doch am Beobachter-Selektions-Effekt: Solche Planeten sind am einfachsten aufzuspüren mit unseren derzeitigen Mitteln. Ist wie bei einem Fischer, der ein sehr grobmaschiges Netz benutzt. Er wird nur große Fische fangen. Die kleineren flutschen durch die Maschen und entkommen, er bekommt sie nicht zu sehen. Daraus schließt er, daß es im Meer insgesamt nur große Fische gibt, was sich irgendwann als falsch herausstellt.
Es ist immer noch kaum möglich, ein komplettes Planetensystem (Gasriesen viel weiter draußen, Gesteinsplaneten in größerem Abstand zum Stern, der am besten vom G-Typ ist), das unserem ähnelt, aufzuspüren. Und weil das aktuell noch nicht geht, macht es weniger Sinn, darüber zu spekulieren, was "typisch" für ein Planetensystem ist.

Offline Pham

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 1032
Re: Exoplaneten
« Antwort #1254 am: 30. November 2018, 10:10:55 »
Aber wie stellt man den Anteil schwerer Elemente im Kern unserer Sonne fest? Aus meiner Sicht ist auch das nicht möglich (zumindest nicht über Spektralanalyse). Wenn man also von der Metalizität eines Sterns spricht, spricht man immer von der Metalizität der äußeren Schicht des Sterns, weil man nur die "sehen" kann bzw. spektralanalytisch erfassen kann.
Denk ich auch. Von daher frage ich mich, was für einen Zweck diese Hypothese noch hat, wenn man eh nicht unterscheiden kann zwischen innen und außen.

Die Metallizität eines Sternes hängt ja auch oft mit seinem Alter zusammen (niedrig = alt, hoch = jung), da sich im Laufe der Jahrmilliarden durch Supernova-Explosionen immer mehr schwere Elemente im interstelaren Medium anreichern. Trotzdem heißt das nicht, daß zwei gleich alte und große Sterne exakt die selbe Metallizität haben müssen. Z.B. ist Epsilon Eridani mit unter 1Mrd. Jahre deutlich jünger als die Sonne, hat aber trotzdem eine geringere Metallizität.
Wenn die Metallizität also sowieso von Stern zu Stern deutliche Unterschiede aufweist, dann frag ich mich, warum man bei gleichalten und gleichgroßen Sternen bei einem Unterschied in der Metallizität auf Planeten schließen sollte. Die Ursprungswolke, aus der er entstanden ist, scheint viel mehr für die Unterschiede verantwortlich zu sein.

Die Frage, warum bei manchen Sternen in der Entstehung denn alles schwere Material der Scheibe in diesen reinplumpst, während sich bei anderen Planeten bilden, die das Material dem Stern dann vorenthalten, wäre auch noch zu klären. Wurde darauf in dem Artikel eingegangen? Sobald der Stern zündet, wird das lose Material ja mehrheitlich vom Stern weggeblasen. Vielleicht zünden Sterne unterschiedlich spät, so daß die Spätzünder mehr Metalle aus der Scheibe akkretieren können? Oder es ist ein unstabiles Planetensystem entstanden, bei dem einige Mitglieder von mehreren Erdmassen nach innen migrieren und schließlich in den Stern fallen?

Du zeigst eine weitere Hypothese für den Gehalt der Metallizität von unserer Sonne vergleichbaren Sternen auf.
Je nach Art der Bildung von Planetensystemen können mehr oder weniger Planetesimale oder Planeten während der turbulenten Entstehungsphase in die Sonne gestürzt sein.
Im Fall unserer Sonne mit geringerem Gehalt eben weniger.

Das könnte(!) dann aber wieder im Endeffekt auf das in Schillrichs Beitrag angedeutetes Ergebnis hinaus laufen:
Wenn mehr Planeten in den Stern stürzen erhöht das den Gehalt an Metallizität und verringert im Durchschnitt somit aber auch den Anteil an Planeten um diese Sonne (höhere Metallizität -> weniger Planeten).
Müssten wir allein dem gesunden Menschenverstand vertrauen, so wäre die Welt noch immer eine Scheibe.

Online SFF-TWRiker

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 656
Re: Exoplaneten
« Antwort #1255 am: 30. November 2018, 11:12:44 »
Man geht jetzt ja davon aus, dass die meisten Exos Supererden und Subneptune sind und es gibt von diesen Typen keinen einzigen Planeten in unserem Sonnensytem
Das liegt doch am Beobachter-Selektions-Effekt: Solche Planeten sind am einfachsten aufzuspüren mit unseren derzeitigen Mitteln. Ist wie bei einem Fischer, der ein sehr grobmaschiges Netz benutzt. Er wird nur große Fische fangen. Die kleineren flutschen durch die Maschen und entkommen, er bekommt sie nicht zu sehen. Daraus schließt er, daß es im Meer insgesamt nur große Fische gibt, was sich irgendwann als falsch herausstellt.
Es ist immer noch kaum möglich, ein komplettes Planetensystem (Gasriesen viel weiter draußen, Gesteinsplaneten in größerem Abstand zum Stern, der am besten vom G-Typ ist), das unserem ähnelt, aufzuspüren. Und weil das aktuell noch nicht geht, macht es weniger Sinn, darüber zu spekulieren, was "typisch" für ein Planetensystem ist.
Dieses Selektions-Problem betraf in den ersten Entdeckungs-Jahren die Hot (Super-) Jupiter:
Große Planeten mit sehr kurzen Orbital-Zeiten, weil man zuerst fast nur mit der Radial-Geschwindigkeits-Methode exoplaneten fand.
Bei der Transit-Methode wurden immer häufiger wesentlich kleinere Planeten  gefunden.
Da Kepler seine Hauptmission abbrechen musste, hat man aber bisher nur wenige erdgroße Exos mit einem Orbite > 100d gefunden.
Aber wenn Super-Erden und Sub-Neptune sehr häufig sind (mit Orbitalzeiten < 100d) scheinen erdgroße Planeten in den habitablen Zonenwirklich  selten zu sein.
Seit Apollo und Star Trek Classic Astronomie, Raumfahrt und SciFi-Fan.

TWR genügt als Anrede

Offline m.hecht

  • Raumcon Administrator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 2472
Re: Exoplaneten
« Antwort #1256 am: 30. November 2018, 12:47:36 »
...

Das könnte(!) dann aber wieder im Endeffekt auf das in Schillrichs Beitrag angedeutetes Ergebnis hinaus laufen:
Wenn mehr Planeten in den Stern stürzen erhöht das den Gehalt an Metallizität und verringert im Durchschnitt somit aber auch den Anteil an Planeten um diese Sonne (höhere Metallizität -> weniger Planeten).

Dieser grundsätzliche Zusammenhang ist in der Theorie durchaus denkbar. Ich denke nur das die Fehlerbalken gigantisch sein dürften.

Nur so ein paar Punkte die mir gerade einfallen:

1) Die Massenunterschiede der Planeten alleine in unserem Sonnensystem sind richtig groß. Wenn ein Jupiter (mit über 300 Erdmassen) in den Stern stürzt verändert das die Zusammensetzung des Sterns viel viel stärker als würden nur "ein paar" Erdmassen an Gesteinsplaneten in den Stern stürzen.

2) Nicht nur der Sturz in den Stern ist ein Weg, dass ein Stern seine Planeten/Zwergplaneten los wird. Sie können in der Entstehungsphase auch einfach aus dem System geschleudert werden. Dann fehlen diese Planeten im System ohne die Zusammensetzung des Sterns zu ändern.

3) Die meisten Sterne entstehen in Doppel-Systeme. Das es auch Planeten um Doppelsysteme gibt, wissen wir. Aber bei der Entstehung eines Doppelsystems gibt es nochmal viel mehr Variablen als es ohnehin schon bei einem Einfachsystem gibt. Die Massen beider Sterne, der Abstand der beiden Sterne. Die Zusammensetzung beider Sterne und der dabei resultierende Sonnenwind. Die Masse an Staub in der Scheibe, die Verteilung der Staubscheibe. Die Schwerkraftverhältnisse in so einem System und und und.

4) Unabhängig von der isolierten Entstehung eines Sonnensystems kann es während oder auch erst nach der Entstehung sein, dass ein anderer Stern in einem hinreichend geringem Abstand am System vorbeizieht und das System dabei stört. Was dann passiert ist wieder von etlichen Faktoren abhängig. Es könnten z.B. wieder Planten aus dem System geschleudert werden.


Mane

Tags: Exoplanet