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  • ca. 12:00 Bundestag debattiert über Raumfahrt: 07. November 2014

Autor Thema: Raumfahrt-Politik in Deutschland  (Gelesen 109708 mal)

Offline klausd

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #25 am: 26. Oktober 2009, 18:02:22 »
Wenn es einen Teil der Wirtschaft gibt der nicht konkurrenzfähig ist, dann muss er in der Freien Marktwirtschaft auch Pleite bzw. Insolvent gehen.

Mit der Meinung hast Du Dich politisch klar positioniert. Jetzt einen Lagerkampf vom Damm zu brechen wird sich nicht lohnen... Im Endefekt entscheiden die Bürgerinnen und Bürger ob Sie in einer von Dir gut geheißenen Ellenbogengesellschaft leben wollen oder nicht.
Zumindest Herr Westerwelle sollte sich aber schonmal vorsorglich um ein neues Volk bemühen wenn er sagt, dass er mit "Depris" nicht gerne zusammenarbeitet aber sein halbes Volk daraus besteht.

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #26 am: 26. Oktober 2009, 18:46:18 »
zur Versachlichung und Re-Fokussierung auf Raumfahrt, hier eine Aussage von G. Oettinger (Nov. 2006):
Zitat
Deutschland ist im weltweiten Wettbewerb weder in der Geschwindigkeit der Innovation noch in der Intensität der Forschung und deren Finanzierung, noch in der Betriebsgröße unserer Unternehmen alleine überlebensfähig. Ein Binnenmarkt von 83 Millionen Menschen reicht für unsere Unternehmen nicht aus.
Also brauchen wir Europa. Die beste ökonomische Idee, die Europa bisher gehabt hat, war die, die zu den neuen Arbeitsplätzen in Hamburg und Toulouse geführt hat. Ich rede von Airbus und EADS. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass wir in den Bereichen Raumfahrt und Luftfahrt die Kräfte bündeln. Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland – alle diese Länder müssen zusammenarbeiten,
wenn wir in diesem Bereich die Marktführerschaft erreichen bzw. behaupten wollen. Daraus können dann Zigtausende von Arbeitsplätzen entstehen – auch in der Zulieferbranche.
Wir brauchen jetzt 10 neue Ideen wie den Airbus. Wir brauchen 10 Ideen, in denen die europäische Bündelung der Kräfte, die arbeitsteilige Kooperation in Forschung und Produktion, zum Tragen kommen können.
(Quelle: http://www.ueberseeclub.de/vortrag/vortrag-2006-11-28.pdf)

Das hört sich doch schonmal vielversprechend an.

Offline paygar

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #27 am: 26. Oktober 2009, 20:33:20 »
Wenn es einen Teil der Wirtschaft gibt der nicht konkurrenzfähig ist, dann muss er in der Freien Marktwirtschaft auch Pleite bzw. Insolvent gehen.

Mit der Meinung hast Du Dich politisch klar positioniert. Jetzt einen Lagerkampf vom Damm zu brechen wird sich nicht lohnen... Im Endefekt entscheiden die Bürgerinnen und Bürger ob Sie in einer von Dir gut geheißenen Ellenbogengesellschaft leben wollen oder nicht.
Zumindest Herr Westerwelle sollte sich aber schonmal vorsorglich um ein neues Volk bemühen wenn er sagt, dass er mit "Depris" nicht gerne zusammenarbeitet aber sein halbes Volk daraus besteht.

Du packst mich ins falsche Lager. ;)
Aber lassen wir das Thema...denn anders wirds auch mit dieser Regierung nicht werden.
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Offline klausd

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #28 am: 26. Oktober 2009, 20:35:32 »
Du packst mich ins falsche Lager. ;)

Wer ist denn noch der Meinung man sollte Opel pleite gehen lassen außer der FDP?

Offline paygar

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #29 am: 26. Oktober 2009, 20:50:27 »
Ich hätte es vllt allgemeiner formulieren sollen, mein Grundgedanke war eigentlich der, dass wenn in einem großen Unternehmen Fehler gemacht werden, auch Dieses dafür haften muss, und nicht der Steuerzahler...denn das führt unweigerlich (durch zunehmende Staatsverschuldung) auch zur Ellenbogengesellschaft.

Ich zum Beispiel arbeite in einer Mittelständischen Firma, denkst du irgendwenn wird es jucken, wenn die 25 Mitarbeiter Arbeitslos werden...Nein...und die Besitzer werden noch für den Schaden haftbar gemacht...was aber passiert einer großen Firma?

Auch wenn mir bewusst ist, dass der gesamtwirtschaftliche Schaden größer ist wenn 10.000 anstatt 100 arbeitslos werden. Wo ist da die soziale Marktwirtschaft? Wem sollten man helfen, 1000 kleinen Unternehmen oder einem Großen?

Das war eigentlich was ich ausdrücken wollte, hoffentlich rehcnet man mich nicht immernoch der FDP zu.
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Offline klausd

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #30 am: 26. Oktober 2009, 20:56:43 »
wenn in einem großen Unternehmen Fehler gemacht werden, auch Dieses dafür haften muss, und nicht der Steuerzahler...

Die Konsequenz eines insolventen Opel hätten sehr viele Mittelständler in der Region gemerkt. Vielleicht sogar mehr Mitarbeiter im Mittelstand als bei Opel selber...


Offline Spock

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #31 am: 26. Oktober 2009, 21:00:31 »
Ich finde es egoistisch einer Firma einen Vorteil zu verschaffen und dies auch noch auf Kosten der Steuerzahler. Wer Opel subventioniert vernichtet bei Daimler, Audi und BMW genau die Arbeitsplätze die er bei Opel rettet.

Ausserdem erhöhen wir durch Subventionen die Steuerlast in Deutschland was langfristig unsere Konkurrenzfähigkeit verringert. Dadurch werden noch mehr Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet.

Schließlich haben wir (noch) einen funktionierenden Sozialstaat und ich wünsche mir dass wir uns den auch noch weiterhin leisten können!


Offline vostei

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #32 am: 27. Oktober 2009, 07:07:52 »
@Spock: Bei vielen Firmen geht und ging es nicht um Geldgeschenke - Bürgschaften sind etwas anderes, als Kohle verbrennen.

Und speziell im Fall Opel geht es auch um Know How - GM hat es genutzt und will es weiter nutzen und sich an dt. Steuergeldern bereichern, nachdem sie zuhause die Hand aufhielten. Sie hatten und haben ihre Entwicklungsabteilung voll auf Opel aufgebaut - der Hauptgrund weshalb sie so schwer loslassen wollen und die Anderen so scharf drauf sind, sich billig zu bereichern.

Ein Beispel noch: Die Schaeffler KG - hier ging es um Bürgschaften, man wollte das Geld zurückzahlen, hat sich zu einem hohen Preis aber selbst geholfen - ZF war die erste Firma, die wie Du als Wettbewerber (und Kunde) laut aufschrie von wegen Wettbewerbsverzerrung. Und ZF ist JETZT die erste Firma unter den Zulieferern, die fett Kohle aus dem Konjunkturpaket 2 kassiert und irgendwann mal zurückzahlen will. Nichts anderes wollte Schaeffler auch.

Klartext: Wie kommt es dazu? Ganz einfach - die Schaeffler KG ist (noch!) eine Personengesellschaft - ZF, ebenso wie die ehemalige Adam Opel GmbH eine AG - also ein fester Teil der Finanzwirtschaft.

Die Finanzwirtschaft ist imho der Verursacher UND Profiteur der Krise und hat uns alle inkl der Politik fest in der Hand. Qed. Arbeitnehmer sind sekundär - die Arbeitslosen wurden von Hartz nicht umsonst so billig gemacht - man kann sie sich künftig leisten. So schaut Dein funktionierender Sozialstaat aus.

Sry, dass ich es so drastisch formuliere, aber ich sehe schwarz für die Zukunft vieler u.a. auch meiner. :( (Ich war und bin nicht arbeitslos - aber alt)

So. Und zwecks Offtopic und so ;) - das MUSS ich jetzt noch loswerden: Schaeffler bewegt auch Shuttle und Ariane, Canadarm, Rover u.v.m. - nur so nebenbei.
Lieber fünf vor Zwölf, als keins nach Eins

Offline tobi

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #33 am: 31. Oktober 2009, 14:54:43 »
Es gibt eine Petition zur deutschen Mondmission:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=6495

Leider ist die Mitzeichnungsfrist schon abgelaufen und es haben nur 304 dafür getimmt.

Wäre etwas mehr Werbung dafür gemacht worden, dann hätten diese sicherlich mehr unterzeichnet. Aber leider war zumindestens mir (und ich vermute den meisten anderen hier im Forum auch) diese Petition nicht bekannt.
Ein Loch in der Sojus, 6 Menschen in Gefahr: große öffentliche Aufregung.

Eine Rakete fliegt über Kourou, Tausende Leben in Gefahr. Schweigen bei ESA/CNES.

Offline GlassMoon

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #34 am: 31. Oktober 2009, 17:51:48 »
Ich finde Alleingänge innerhalb der ESA ehrlich gesagt nicht so ganz richtig.
Diesbezüglich ist mir die ESA ein wenig zu "föderalistisch".
Trotzdem - wäre es nicht eine Überlegung wert, noch eine Petition aufzusetzen, aber dann mit besserer Organisation (muss ja nicht eine rein-deutsche Mission werden)?
42/13,37 ≈ Pi

Offline bonsaijogi

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #35 am: 01. November 2009, 12:02:28 »
Ich finde Alleingänge innerhalb der ESA ehrlich gesagt nicht so ganz richtig.
... (muss ja nicht eine rein-deutsche Mission werden)?

Ich finde genau da liegt der Hund begraben:

Solange der Mensch denkt es sei einer einzelnen Nation,
oder einer Gruppierung einzelner Nationen vorbehalten den
Weltraum zu erobern, werden Ausflüge zum Mond oder Mars
nur ein riskantes rumgegurcke im Weltraum bleiben!
... nix Halbes und nix Ganzes ...

Um erfolgreich und zeitnah in unser Sonnensystem zu
expandieren (was ich prinzipiell für möglich halte) wäre
es nötig, weltweit sämtliche Resourcen zu bündeln und
eine WELTraumorganisation zu gründen, die unabhängig
von kleinen Flaggen auf den Raumanzügen der Astronauten
agieren kann.

Wenn die verschiedenen Weltraumnationen weiterhin alle
ihr eigenes Süppchen kochen, anstatt ihr Know-How und ihre
Budgets zu verschmelzen, werden viele von uns es wahrscheinlich
nicht mal erleben, dass WIR noch zum Mars fliegen.

tomtom hatte ein Zitat von Öttinger eingefügt:
Zitat
Ich rede von Airbus und EADS. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist,
dass wir in den Bereichen Raumfahrt und Luftfahrt die Kräfte bündeln.
Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland –
alle diese Länder müssen zusammenarbeiten, wenn wir in diesem
Bereich die Marktführerschaft erreichen bzw. behaupten wollen.

Öttinger hat das (fast) richtig erkannt, es muß zusammen gearbeitet
und geforscht werden. Will man jedoch in den Weltraum, muß man sich
von dem Begriff "Marktführerschaft" verabschieden!

In diesen Dimensionen kann man nicht mehr nur national, europäisch
oder global denken, sondern ... ich sag mal, man muß es ... naja,
galaktisch betrachten  ;)

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #36 am: 09. Dezember 2009, 18:48:51 »
Peter Hintze bleibt Koordinator. (sh Pressemitteilung BMWi).
Zitat
Die Bundesregierung hat in ihrer heutigen Kabinettsitzung erneut Herrn Parlamentarischen Staatssekretär Peter Hintze zum Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt bestellt.

Bundesminister Rainer Brüderle gratuliert dem Koordinator für die Luft und Raumfahrt: "Mit diesem Amt trägt die Bundesregierung der herausragenden Bedeutung der Luft- und Raumfahrtindustrie für den Innovations- und Technologiestandort Deutschland Rechnung."

In dieser Legislaturperiode stehen mit der weltraumgestützten Klimaforschung, dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo und der Entwicklung umweltschonender Flugzeuge wichtige Projekte im Bereich der Luft- und Raumfahrt an.

Neuer EU-Kommissar soll Günther Oettinger werden, der aber nicht unbedingt das Ressort „Unternehmen+Industrie“ übernimmt, in dem die EU-Space-Policy enthalten ist.
Nachfolger von Verheugen (Unternehmen+Industrie) soll Tajani werden, der bisher Verkehr+Transport (also Galileo) gemacht hat.
Nachfolger von Tajani soll der aus Estland stammende Siim Kallas werden. Er gilt als Experte für EU-Auftragsvergabepraxis.
EDIT: Allerdings wird Tajani Galileo in sein neues Ressort übernehmen und bleibt dafür zuständig.
« Letzte Änderung: 11. Dezember 2009, 20:18:06 von tomtom »

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #37 am: 13. Januar 2010, 20:01:10 »
Wer hätte das gedacht, dass Bayrische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie hat eine "Vision einer starken und zukunftsfähigen deutschen Raumfahrt"
  • - Robotik/On-Orbit-Servicing
  • - Große Missionen mit Kleinsatelliten
  • - Strukturen und Antriebe
  • - Wissenschaften im Weltraum
  • - Raumfahrt-Technologie für Sicherheit
  • - Nutzung der Weltraumtechnik
Bemannte Raumfahrt kommt da gar nicht vor.
Quelle: http://www.verwaltung.bayern.de/Anlage3995936/VisioneinerstarkenundzukunftsfaehigendeutschenRaumfahrt.pdf

websquid

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #38 am: 13. Januar 2010, 21:33:27 »
Da spielt offensichtlich die Frage mit rein, welchen Sinn bemannte Raumfahrt eigentlich hat - wenn man kommerzielle und wissenschaftliche Raumfahrt betreiben will, kann man auf bemannte Programme verzichten. Will man Prestige, scheinen Astronauten nötig zu sein, da es sonst keine Aufmerksamkeit bekommt. Das Programm scheint mir für günstige Kosten optimiert zu sein, bei maximalen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Ertrag - ein guter Weg meiner Meinung nach
mfg websquid

Offline tul

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #39 am: 14. Januar 2010, 19:36:12 »
Wer hätte das gedacht, dass Bayrische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie hat eine "Vision einer starken und zukunftsfähigen deutschen Raumfahrt"

Etwas zynisch. Mit dem Geld was die in der Bayrischen Landesbank versenkt haben, und die Probleme mit der Bank reichen bis in die 90er Jahre zurück, hätte man natürlich in der Richtung tun können.

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #40 am: 17. März 2010, 12:24:42 »
wir hatten es schon unter Galileo aber ich poste es mal hier rein, folgende kleine Abfolge:
Na mal sehn, wie es weitergeht ;)

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #41 am: 29. April 2010, 14:51:39 »
Die FAZ zeichnete ein düsteres Bild des Projekts Galileo.
Ursprünglich wollte man ja mit China kooperieren, wobei die Europäer an Kostenteilung gedacht haben, während die Chinesen Technologietransfer meinten. Nun scheint eher Wettbewerb angesagt. Man streitet sich um Frequenzen, was China nicht davon abhält, sein eigenes System aufzubauen.
http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E0D897CF5A0444474B630840A61C06BA3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Daraufhin hat jetzt die Fraktion der Grünen eine "Kleine Anfrage" zu den Perspektiven von Galileo an die Bundesregierung gestellt.
http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/015/1701516.pdf

Jedenfalls eine interessante Konstellation zwischen Wirtschaftlichkeit und politischen Dimensionen.

Offline Riker

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #42 am: 04. Mai 2010, 14:28:43 »
Ich bin mir nicht sicher, ob das folgende Bilddokument nicht doch eher unter Satire abzulegen ist...
Es zeigt aber, dass sich zumindest die Vorgängerregierung sternenflottenbegeistert darstellte:


Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #43 am: 26. Mai 2010, 22:02:02 »
Nicht nur in den USA wird über Raumfahrtstrategie diskutiert, sondern auch in Deutschland. Da hat man aber ganz andere, spezifische Probleme.

Bei der Bundesakademie für Sicherheitspolitik gibts eine interessante Diskusion der Herren Liebig, Wörner und Dudok dazu. (Das Video ist interessant, die Vorträge weniger.)
http://www.baks.bund.de/DE/Veranstaltungen/Rueckblick/Raumfahrt_2010/Raumfahrt.html

Die nationale Raumfahrtstrategie ist offen (DLR hat ein Konzept vorgelegt), soll aber dieses Jahr beschlossen werden. Wörner favorisiert den Top-Down-Ansatz zur Strategiebildung, man muß das Ziel kennen um den Weg definieren zu können.

Die Baustellen werden erfrischend offen angesprochen:
- D hat keine Führungsrolle in der EU, nicht mal da, wo es am meisten bezahlt
- EU - ESA - Nat. ist ein kompliziertes Gebilde
- in der Erdbeobachtung ist man stark, aber es gibt Lücken
- Explorationsthema ist unterentwickelt
Auch die Position des RF-Koordinators und die Ressort-Frage wird diskutiert.

Offline Martin

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #44 am: 10. Juni 2010, 05:17:40 »
Der Forschungs- und Bildungssektor soll vom 80 Mrd Euro Sparpaket der Bundesregierung ausgenommen sein. Bis 2014 (also in diesem Zeitraum will man die Staatsausgaben um 80 Mrd senken) sollen sogar 12 Mrd mehr in diesem Bereich ausgegeben werden.

http://news.bbc.co.uk/2/hi/science_and_environment/10271637.stm
Dein Posting kommt ohne Sand nicht an sein Ziel. Wir sind überall. Deine Geo- & Montanwissenschaften | www.wir-sind-ueberall.de

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #45 am: 28. Juni 2010, 12:26:23 »
Die USA bringen eine neue Space Policy raus, was macht Deutschland?
Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung ist es, innerhalb eines Jahres eine Raumfahrtstrategie festzulegen und ansonsten mit der High-tech-Strategie weiterzumachen.

Die deutsche Raumfahrtpolitik ist Bestandteil dieser Strategie. Dort heißt es: "Innovationen für ein kommunikatives und mobiles Leben - Für die Erde ins All - Satelliten für Erdbeobachtung und Navigation."
Diese High-Tech-Strategie ist eigentlich für den Zeitraum 2006-2009 geschrieben worden (hat also ihr Fälligkeitsdatum überschritten ;) ). Die Bundesregierung hat Anfang des Jahres einfach und vermutlich sinnvollerweise gesagt, man wolle die Hightech-Strategie weiterführen.
Nun könnte man meinen, dass die Robotik ein neues Feld ist, was man in Zukunft intensiver fördern möchte. Da gibt es ja diesen Justin-Roboter. (Auf der ILA hatte ich ein sehr informatives Gespräch mit einem Mitarbeiter des Instituts. Justin hat in der Tat wenig mit Raumfahrt zu tun und zielt eher darauf, ein menschlicher Serviceroboter zu sein.).
  • Interessanterweise steht in der Hightech-Strategie noch nicht viel über Robotik drin, tatsächlich aber in Bezug auf Unterwasser-Robotik im Zusammenhang mit maritimer Technik und Öl-Offshoring.
  • Interessanterweise spielt aber dieses Anwendungsgebiet m.W. beim DLR-Institut für Robotik und Mechatronik in Bayern überhaupt keine Rolle.


Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #46 am: 18. Juli 2010, 10:08:48 »
Es gibt jetzt doch eine neue Hightech-Strategie 2020 des BMWI.
http://www.bmbf.de/pub/hts_2020.pdf

Diese betrifft natürlich Technologie insgesamt und da kommt Raumfahrt nur am Rand vor. Substantiell steht drin, dass die Bundesregierung sich für den Erhalt der ESA einsetzt und ansonsten die Hightech-Strategie "nach Europa tragen" will. Als Bedarfsfeld hinzugekommen ist Kommunikation.

Ausgeführt wird ein missionsorientierter Ansatz und definiert "Zukunfsprojekte". (Sowas kennt man ja aus der Raumfahrt.) Raumfahrtbezogene Zukunftsprojekte wären wohl vor allem Mobilität (Galileo), Klima (GMES), Schutz der Kommunikation und Wissen zugänglich machen. Warten wir mal weiter ab, was dann in der Raumfahrtstrategie der Bundesregierung festgelegt wird.

Andererseits, wenn wir auf Galileo angewiesen wären, würden wir derzeit in unserer Mobilität wohl ziemlich feststecken.

Klar ist, 2014 wird das noch nichts und die budgetierten 3,4 Mrd € werden nicht reichen. Die EU sucht jetzt händeringend nach Lösungen und weiteren Finanzmitteln. Der Ausschuß für Industrie, Forschung und Energie befaßte sich Anfang Juni mit dem Thema (Video mit interessantem Einblick, wie es bei der EU so zugeht):
Interessant ist eigentlich nur der Anfang und die 15 min im Bereich von 9:49 - 10.04 (Fragen/Antworten)
http://www.europarl.europa.eu/wps-europarl-internet/frd/vod/player?category=COMMITTEE&eventCode=20100601-0900-COMMITTEE-ITRE&format=wmv&byLeftMenu=researchcommittee&language=de#anchor1
Mehrkosten werden wohl vor allem aufgrund höherer Startkosten ins Feld geführt bzw. angedeutet, dass man Kosten senken könnte, wenn man nicht von Kourou, sondern von Russland aus startet, was politisch aber aktuell keine Option ist.

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #47 am: 18. August 2010, 11:25:32 »
Die Bundesregierung lädt am 21.+22. Aug. die Bürger zum Tag der offenen Tür ins Bundespresseamt ein und dort soll die Frage beantwortet werden, was wir angesichts der hohen Kosten von der Raumfahrt haben.
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2010/08/2010-08-16-deutsche-hightech-im-all-und-im-bundespresseamt.html

Die Pressemeldung gibt schonmal Auskunft:
Zitat
Eine moderne Industriegesellschaft braucht Raumfahrt als unverzichtbares Instrument für Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Raumfahrt leistet heute entscheidende Beiträge zur Förderung von Forschung und Entwicklung, Bildung und Innovation, zu Wachstum und hochqualifizierten Arbeitsplätzen. Sie erhöht die Lebensqualität, schätzt die Erde, und trägt zur Sicherheit und internationalen Zusammenarbeit bei.
Raumfahrt ist ein zentraler Pfeiler der Hochtechnologiepolitik der Bundesregierung. Mit der Hightech-Strategie hat die Bundesregierung die Aufwendungen für die Raumfahrt um etwa zehn Prozent pro Jahr gesteigert.

Ich hoffe, dass gelingt dort besser als auf der Webseite zur Hightech-Strategie. Raumfahrt gilt als Schlüsseltechnologie, fehlt jedoch in der Aufzählung der entsprechenden Webseite :(
http://www.hightech-strategie.de/de/687.php

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #48 am: 17. Oktober 2010, 17:28:34 »
Viel war ja über die neue, deutsche Raumfahrtstrategie noch nicht zu lesen, die ja vor einem Jahr angekündigt wurde. Tatsächlich gibt es jetzt ein Peter Hintze Interview in der Zeitschrift Flugrevue, immerhin mit der Äußerung:
Zitat
"... werden wir das Explorationsziel Mond in das neue nationale Raumfahrtprogramm der Bundesregierung aufnehmen, das wir noch in diesem Jahr verabschieden werden."

Offline tomtom

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Re: Raumfahrt-Politik in Deutschland
« Antwort #49 am: 29. November 2010, 10:59:17 »
Die neue deutsche Raumfahrtstrategie will die Bundesregierung am 01.12.10 im Kabinett  beschließen und diese dann am Nachmittag in einer Veranstaltung der Öffentlichkeit vorstellen.
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/veranstaltungen,did=367860.html

Was drin steht ist nicht wirklich bekannt, man kann es aber vermuten. Den Unterlagen entlocken kann man:
Zitat
..., wie die vorgelegte Raumfahrtstrategie entlang den Leitlinien der Politik zur Ausrichtung auf Nutzen und Bedarf, der Orientierung am Prinzip der Nachhaltigkeit und der intensiven internationalen, vor allem europäischen Zusammenarbeit mit Leben erfüllt werden kann.
Der Tagesspiegel berichtet darüber:
"Zukunftsweisende nationale Missionen oder solche, bei denen Deutschland eine klare Führungsrolle hat, werden nicht genannt.

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