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Autor Thema: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)  (Gelesen 14858 mal)

Offline tomtom

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Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« am: 14. August 2009, 13:24:10 »
Im HSF (Human Space Flight Committee) macht man sich große Hoffnungen auf eine kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS. Das steht auch im Fachartikel dieses Forums:
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/13082009153755.shtml

Wikipedia sagt zum Thema COTS:
http://de.wikipedia.org/wiki/Commercial_Orbital_Transportation_Services

Nachdem hier so ziemlich alles bzgl. man-rated schnell in der Luft zerrissen wird, ist doch sehr die Frage, ob kommerzielle Firmen da überhaupt was zu stande bringen könnten, wenn AresI/Orion schon in Frage gestellt wird und ganz Europa sich raushält.
Der relevante Zeitrahmen wäre auch bis max. 2020.

Frage also, was läßt die Damen und Herren da so optimistisch urteilen, um da 2,5 Mrd zu investieren. Gibts da überhaupt was belastbares oder ist das auch eine nur Luftblase, auf der man jetzt die nächste Planung aufbaut ?


Änderung durch Schillrich:
Habe den Titel angepasst.
« Letzte Änderung: 14. August 2009, 13:28:17 von Schillrich »

Offline Schillrich

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #1 am: 14. August 2009, 13:30:45 »
Hatten wir nicht irgendwo schon einen dezidierten COTS-Thread? Ich kann ihn gerade nicht finden. Weiß jemand mehr?
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Offline tobi

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #2 am: 14. August 2009, 14:07:57 »
Wir hatten diesen Thread:
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=3407.0

Aber der ist ja nur "unbemannt". ;)
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Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #3 am: 14. August 2009, 14:35:56 »
hab es erst durch meinen Eintrag entdeckt ;)

COTS und Bemannt wird im Thread "SpaceX und Dragon" thematisiert.
http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=3806.135

ganz interessant nachzulesen...
erst ein "15min Entwurf", man-rated scheint bei der Falcon9 kein Thema zu sein, aber ob das funktionieren wird ???
Warum soll das funktionieren, was bei Delta so zeitaufwändig ist.
Warten wir ab... - Noch andere Alternativen?

knt

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #4 am: 14. August 2009, 17:55:28 »
Sagen wir mal die ersten unbemannten aus dem COTS fliegen 2011 zur ISS UND die ISS Lebenszeit wird bis 2020 verlängert. Nach 9 Jahren COTS gibt es plözlich keine Ziel mehr. Ja, und dann? Das COTS Programm ist so kurzfristig gedacht das es weh tut...

Welchen Sinn hat die Entwicklung eines bemannten Raumschiffes - dessen Nutzlosigkeit in 9 Jahren überaus wahrscheinlich ist? Keinen! Darum wird es keine bemannte Dragon geben, es sei den andere Gründe als die logischen setzen sich durch...

Offline tobi

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #5 am: 14. August 2009, 19:24:06 »
Klar gibt es Ziele. So wie ich das verstanden habe, ist die Schwerlastrakete nicht man rated und da es in den meisten Konzepten kein Ares I gibt.... bleibt nur kommerzielle Crewstartmöglichkeit.

Übrigens wäre die bemannte COTS Auschreibung völlig unabhängig von dem bisherigen COTS Programm.
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knt

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #6 am: 14. August 2009, 19:53:59 »
Klar gibt es Ziele.
Welche? Du meinst das Orion unbemannt startet und Dragon die Crew hinterherschickt? Das ist doch affig und peinlich im Quadrad! (Mal ganz zu schweigen von dem zusätzlichem Kopplungsmanöver und dessen Risiken)

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #7 am: 12. Mai 2010, 19:54:34 »
... hab einiges gelesen und glaube, es jetzt durchschaut zu haben, wie das mit CommercialCrewTransport gelaufen ist.
Da wäre ich gespannt auf Deine Schlussfolgerungen, notfalls auch per PM...
Daruf bin ich auch gespannt!

Gruß   Thomas

schön, da bin ich ja wenigstens nicht der einzige, den diese Frage interessiert. ;)

Das ich neue Erkenntnisse liefern kann, glaub ich ja nicht. Und ich kann auch nur soweit gehen, wie Informationen im Netz verfügbar sind. Ich will mir hier auch nicht Kenntnisse oder Urteile ohne Kompetenzen anmaßen, es ist halt nur meine Meinung. Hier der Versuch einer Zusammenfassung:

Ich fragte ja schonmal, ob irgendwer per Studie untersucht hat, ob Com-Crew auch funktionieren kann. Diese Analyse konnte ich nicht finden, es scheint sie nicht zu geben. Stattdessen verbindet sich damit ein Prozess, in der stückenweise dieses Vorhaben als denkbar und schließlich als neue US-Politik festgelegt wurde.

Nebeneffekt war, dass einerseits eine Auffassung entstand, dass die NASA eine überbürokratisierte Organisation sei, in der Projekte nicht in Zeit und Budget fertiggestellt werden (organisatorische Defizite), das AresI-Konzept umstritten ist und andererseits ein gewisse Faszination von kleinen, schnellen Firmen wie SpaceX, Virgin Galactic ausgehen. Eine gewisse Rolle spielt vielleicht auch, dass man mit den Russen eine derartige "Geschäftsbeziehung" führt, in der Sitzplätze von Jahr zu Jahr gekauft werden und man sich dieses auch gegenüber der eigenen Industrie "wünscht".

Es gibt eine Reihe von Beratern, die das Thema "Commercial" besetzten und treiben. So hat man das Thema Commercial Cargo&Crew als Versuchsballon aufgesetzt. Bei Cargo hat eigentlich niemand Probleme sich das vorzustellen, denn es gibt reichlich Alternativen und wenn da was abstürzt, ist es verschmerzbar. Man hat aber immer "Cargo&Crew" in einem Atemzug genannt, ohne den grundlegenden Unterschied zu sehen.

Jetzt ist es aber so, dass Com-Cargo zumindestens seitens der neuen Startups auch allenfalls auf dem Weg ist und im Ergebnis noch nicht viel unter Beweis gestellt hat.

Die neue Dimension entstand, als "ComCargo&Crew" nicht nur ein Versuchsballon, sondern plötzlich die einizige Variante sein sollte. Das hat ganz offenbar auch die überzeugtesten Vertreter erschreckt. SpaceX, die sich im Mittelpunkt der Erwartungshaltung sahen, relativierten schon. Die Aussage, man solle doch besser auf ULA schauen, spricht für sich. Die ULA sagt wiederum, für "Cost-plus" machen wir alles, was natürlich mit den Vorstellungen von Wettbewerb und Kauf von Service statt Rakete aus dem Weißen Haus nicht vereinbar ist. Die ULA sieht da keine Business-Case, mit anderen Worten, es gibt kein Angebot. Selbst wenn die ULA anbieten würde, was sie (bisher) verneint, ergibt sich noch kein Wettbewerb.

Die einzige Grundlage, für das Funktionieren von "Com-Crew" scheint die Betrachtung zu sein, man hätte das mit Gemini in drei Jahren auch geschafft (und das die notwendige Größenordnung von Raketen heute durch Firmen wie SpaceX realisierbar wäre).

Die Entscheidung, auf "Com-Crew" zu setzen, liegt im Weißen Haus. Es mag sein, dass man dort der bemannten Raumfahrt keine Priorität einräumte oder dass man nach dem Shuttle auch wenig Lust verspürte, mit einer Kapsel-Lösung als Nachfolger daherzukommen. Da hat die "Com-Crew"-Lösung schon mehr Anspruch. Die zentrale Rechtfertigung für das Weiße Haus für diese Entscheidung könnte nun m.E. das HSF-Komitee-Ergebnis sein, in der die Option "Com-Crew" so prominent zum Ausdruck gebracht wurde.

Also lohnt sich weiterer Forschungsaufwand, wie es in diesem Komitee zu der Option "Com-Crew" gekommen ist.
Meines Erachtens konnten sich da Berater austoben, die "Commercial" weiterbringen wollten. Alle "wünschten" sich das Thema und es hat niemanden gegeben, der das Thema eingebremst hat. Zudem hatte man eigentlich ein anderes, übergeordnetes Thema zu behandeln, zu dem die "Teil-Lösung" Com-Crew zu passen schien, ohne genauer zu hinterfragen, ob das überhaupt realistisch ist. Das würde ich als Fehler bezeichnen, aber der eigentliche Fehler liegt (wie so oft) im Folgezug, nämlich das diese Einschätzung einfach übernommen wurde.

Ich halte das Ganze für einen entscheidungsorganisatorischen Betriebsunfall, bei der eine Annahme gemacht wurde, die nie richtig überprüft wurde bzw. bei der einfach etwas übertragen wurde (aus Cargo wurde Crew), ohne die Bedingungen nochmal zu prüfen.

Wenn die Annahme "Com-Crew-funktioniert" richtig ist, hat man bestenfalls Glück gehabt, wenn nicht, trägt die neue US-Politik genauso den Keim des Scheiterns in sich, wie die Constellation-Strategie.

websquid

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #8 am: 13. Mai 2010, 15:53:23 »
Schöne Zusammenfassung, das trifft es wohl ganz gut, was du da schreibst, tomtom :)

Zitat
Wenn die Annahme "Com-Crew-funktioniert" richtig ist, hat man bestenfalls Glück gehabt, wenn nicht, trägt die neue US-Politik genauso den Keim des Scheiterns in sich, wie die Constellation-Strategie.

Leider ist das nichts neues in den USA. Jedes Programm nach Apollo hatte ein massives Risiko zu scheitern, weil man immer technisch oder bezüglich der Kosten (hier auch wieder) extrem ambitionierte Programme hatte. Beim Space Shuttle hat man "Cost-Plus" in Kauf genommen, alle anderen hat man abgebrochen (Venture Star, NASp etc..). Man muss kein Prophet sein, um zu vermuten, dass das auch bei Commercial Crew die Alternativen sein werden, wenn man nicht wirklich Glück hat. Einen Abbruch des Programms werden sich die USA wohl kaum leisten können, da sie dann wirklich von den Russen (oder China ::) ) abhängen, um bemannt ins All fliegen zu können.

Ich persönlich denke, dass es ein ziemlich teures Programm wird, aber an einen Abbruch glaube ich letztlich nicht.

mfg websquid

Offline GG

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #9 am: 13. Mai 2010, 19:29:17 »
Ich bin (noch immer) optimistisch. Eigentlich sollte es ja 50 Jahre nach Beginn der staatlich geforderten und geförderten bemannten Raumfahrt möglich sein, dass selbst mittelständische Firmen ein Raumfahrzeug entwickeln, bauen und einsetzen können. Das wäre für mich ein Schritt in eine (lange erwartete) Normalität.

Allerdings sind die Anforderungen an die Sicherheit heute andere als vor 50 Jahren. Trotzdem: auch in der Luftfahrt akzeptiert man das Risiko, zumindest in Einzelfällen zu scheitern. Deshalb wird aber niemand auf die Idee kommen, die Luftfahrt einzustellen.

Es ist ein mutiger Schritt, ganz auf kommerzielle Anbieter zu vertrauen, bietet für diese aber einen größeren Anreiz, als wenn man mit einem staatlich (über-)finanzierten System konkurrieren müsste.

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #10 am: 18. Mai 2010, 01:09:37 »
Das HSF-Komitee spielt bei der Frage eine bedeutende Rolle. Außer den beiden Optionen, die dicht am Constellation-Programm ausgerichtet waren, wurden in 6 Optionen die Commercial-Lösung vorgeschlagen. (alle Doks zum HSF-Komitee finden sich unter: www.nasa.gov/offices/hsf/related_documents/index.html)

Im HSF-Komitee gab es eine Sub-Group mit dem Thema LEO-Access. Deren Diskussion kann man hier nachlesen auf den Seiten 16-41. http://www.nasa.gov/pdf/378379main_080709_Huntsville_Transcript.pdf
Mitglieder waren: Bohdan Bejmuk, Edward Crawley, Wanda Austin und Sally Ride. Man ließ sich unterstützen von Aerospace Corporation. Die Expertise hat wohl das ganze befördert. Interessant aber, dass Aerospace Corporation sich jetzt mehr oder weniger von den Angaben über Kosten und Zeiten distanziert hat und diese als Vorgaben des HSF-Komitees darstellt. http://www.spaceref.com/news/viewsr.html?pid=34081

Zu E. Crawley ist bekannt, dass er die neue Politik befürwortet, aber für schlecht erklärt hält. In einem Papier stellt er auch die Frage:
c. Who are the commercial partners for crew launch and what is the form of NASA investment and safety assurance? (2011)
(Quelle: http://web.mit.edu/press/images/reports/space-report.pdf)
Zu B. Bejmuk ist bekannt, dass er Vorsitzender der NASA Advisory Council Exploration Committee ist.
Dieses Committee kommt hier am 29.04.10 zu dem Schluß:
http://www.nasa.gov/pdf/450884main_10-04_ExplorationCommittee.pdf

Zitat
"With cancellation of Constellation Program, we observe that there are no active human exploration development programs or projects."

Ein weitere Beteiligter ist John Logsdon, auch ein CC-Befürworter. Der wurde interviewt und fand BEO aufregend und LEO langweilig. http://www.jaxa.jp/article/interview/vol26/p2_e.html

Ohne Programme und Projekte (egal von wem) wird man sich wohl in der Situation sehen, nichtmal den LEO zu erreichen.

Offline tobi

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #11 am: 18. Mai 2010, 08:27:37 »
Also lohnt sich weiterer Forschungsaufwand, wie es in diesem Komitee zu der Option "Com-Crew" gekommen ist.
Meines Erachtens konnten sich da Berater austoben, die "Commercial" weiterbringen wollten. Alle "wünschten" sich das Thema und es hat niemanden gegeben, der das Thema eingebremst hat. Zudem hatte man eigentlich ein anderes, übergeordnetes Thema zu behandeln, zu dem die "Teil-Lösung" Com-Crew zu passen schien, ohne genauer zu hinterfragen, ob das überhaupt realistisch ist. Das würde ich als Fehler bezeichnen, aber der eigentliche Fehler liegt (wie so oft) im Folgezug, nämlich das diese Einschätzung einfach übernommen wurde.

Das stimmt nicht. Bo Bejmuk hat in jeder Sitzung für die Sicherheit von Ares I argumentiert und die anderen Komiteemitglieder genervt, was man in den öffentlichen Sitzungen sehr gut sehen kann (insbesondere in der letzten Telefonkonferenz). Bei COTS Crew hat er als erster die Frage gestellt, ob nur "Newcomer" bei diesem Programm involviert werden sollen, worauf Crawley und Augustine sofort gesagt haben, dass das Programm für alle offen ist, also auch Boeing & Lockheed.  General Lyles hat außerdem auch später nach dem Komitee für die Fortsetzung von Constellation argumentiert.
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #12 am: 18. Mai 2010, 21:11:49 »
Ja, es hat sicher kritische Nachfragen gegeben, aber im Ergebnis hat man "Commercial Crew" vorgeschlagen. Es ist im HSF-Komittee viel darüber geredet worden, aber soweit ich sehe immer nur unter der Maßgabe, dass das ja ne gute Idee ist und Freiraum für andere Sachen verschafft. Man hat Annahmen getroffen:
1. Das System funktioniert (man kennt zwar NewSpace-Firmen und Space Industry, aber wer es machen kann, kann man nicht benennen.)
2. Der Erstflug wird für 2016 erwartet. (Aus welchen Gründen auch immer das realisierbar sein soll).
3. Die geschätzten Kosten liegen bei 2,5 bis 5 Mrd $

Ich lasse mal das Thema Sicherheit außen vor, auch wenn das von einigen Gegner angeführt wird. Sicherheit kostet Geld und Zeit, aber ich nehme auch an, dass eine Industrie genauso Sicherheit herstellen kann, wie es eine Regierung tut. Ich lasse auch das Thema Workforce außen vor, weil ich annehme, dass (zumindestens heute) genügend Mitarbeiter in den Entwicklungsabteilungen vorhanden sind, mehrere Crew-Launcher zu entwickeln.

Was ich nicht außen vor lasse ist die Frage, wer denn nun Anbieter sein werden. Ich halte es für unzulässig, wenn man bei Zweifeln gegenüber der Newspace-Industrie auf Boeing und Lockheed verweist. Das bedeutet dann nämlich, dass diese Firmen ein ComCrew Angebot machen müßten. Beide sind nur mit Subsystemen, insbesondere der Orion engagiert, oder treten als eine Organisation auf (ULA). Selbst wenn sie wollten, es wäre nur ein Anbieter, und beide zeigen sich sehr reserviert. Erst wenn Boeing/LM erklären würden, dass sie ComCrew anbieten wollen, wäre ich beruhigter.
Das ComCrew-Konzept bedarf aber mindestens zwei realistische Anbieter, um eine Wettbewerbssituation herzustellen. Mit anderen Worten, die Nasa muß die Industrieanbieter so umbauen, dass da (mindestens) zwei Industrie-Konsortien so zusammenarbeiten, dass da im Jahr 2016 zwei US-Raketen+Raumschiffe an der ISS andocken.

Wie gesagt, es ist kein technisches Problem, es ist ein industrieorganisatorisches Problem. Dass die Amis diese zwei Konsortien bis 2016 hinbekommen, (wo sich dann noch einige Newspace-Firmen tummeln können), zudem in einer Phase, in der zwei Großprogramme gestoppt werden (STS und Constellation), glaub ich nicht. Je schneller man sich da was vernünftiges überlegt, desto besser. Aber ich verfolge gerne die weitere Entwicklung. ;)

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #13 am: 25. Mai 2010, 10:55:08 »
Auf einem aktuellen Nasa-Workshop gibts neue Infos zu Commercial Crew Transportation (CCT):
http://www.nasa.gov/pdf/457442main_EEWS_CommercialCrew.pdf

Interessant ist eigentlich nur der Zieltermin 2015 und der Zeitplan.

Nach der Zeitplanung will man Ende 2013 einen (oder mehrere) Anbieter für CCT-Services, also dem bemannten Transport, beauftragen. Das bedeutet, dass Firmen sich bis Ende 2012 entsprechend aufgestellt haben müßten.

Ich frage mich, kann man eine Firma mit dem Service "bemannten Transport" beauftragen, die das noch nicht mit einem System unter Beweis gestellt haben. (Falls nein, müßte bis Anfang 2013 diese Demonstration erfolgen). Die dazu erforderlichen Entwicklungs- und Integrationsarbeiten sind aber mit ziemlicher Sicherheit nicht in 2 Jahren zu schaffen, selbst wenn sie adhoc beauftragt würden, was ja auch nicht passiert.

Offline tobi

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #14 am: 25. Mai 2010, 16:06:08 »
Bei CRS hat man den Auftrag auch vergeben, obwohl bisher weder Falcon 9 noch Taurus II geflogen sind, geschweige denn eine der beiden Kapseln. Man wird einfach schauen wieweit die Firmen bis dahin sind und dann entsprechend entscheiden vermute ich.
Jean-Yves Le Gall: "CNES: The Future of Space!", "Le CNES, The Place to Be!!!"

Offline Ruhri

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #15 am: 25. Mai 2010, 22:39:58 »
Nun ja, aber bemannte Flüge bedeuten doch noch eine ganz andere Qualität als reine Frachtmissionen.

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #16 am: 27. Mai 2010, 14:02:35 »
Ein interessantes Detail des gestrigen Hearings im SenatKongress war die Aussage von Bolden zum Thema Orion-lite (Rescue) Finanzierung.

Das war ja das einzige Zugeständnis, dass Obama am 15.04. am KSC gegeben hat. Klar war auch, dass es nicht mehr Geld als die 19 Mrd $ geben sollte. Es liegt ja nahe, die geschätzen 5-7 Mrd Entwicklungskosten in den nächsten 5 Jahren aus dem Constellation-Topf zu nehmen. Diesen Topf gibt es aber nach aktueller Planung nach Auslaufen des Programm nicht mehr.

Aussage von Bolden war jetzt, dass zur Finanzierung die Budgets Technologieentwicklung und Commercial Crew herangezogen werden, aber auf keinen Fall der Bereich Science und Aeronautics.

Das dürfte dann wohl zeigen, wo die Prioritäten liegen und dass das US-HSF am Ende ist (falls nicht neue Leute irgendwann mal einen neuen Richtungsschwenk machen).
http://spacepolicyonline.com/pages/index.php?option=com_content&view=article&id=917:congress-still-waiting-for-answers-on-obama-plan&catid=67:news&Itemid=27
« Letzte Änderung: 27. Mai 2010, 18:29:12 von tomtom »

Offline runner02

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #17 am: 27. Mai 2010, 15:02:54 »


Zitat Obama: ''Ich stehe voll und ganz hinter der bemannten Raumfahrt...''

Zitat
dass zur Finanzierung die Budgets Technologieentwicklung und Commercial Crew herangezogen werden


Dem ist nichts mehr hinzuzufügen
(über Musk) “He wants to make people a multi-planet species, and he’s not going to quit. He’ll change the model, or he’ll spend more of his own money—he’ll do something. He’s not in it to build the rockets; that’s a means to an end. It’s a religion for him.”

Offline Schillrich

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #18 am: 27. Mai 2010, 15:05:17 »
Hallo runnner,

dem ist etwas hinzuzufügen.

Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Geld (mit Wert) wächst nicht auf Bäumen. Natürlich muss das Geld aus irgendeinem Budgettopf kommen und das NASA-Budget ist gedeckelt. Wieso sollten wir mehr Geld erwarten?
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Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #19 am: 27. Mai 2010, 17:01:49 »
dazu gleich wieder neue Infos:
Ein Sprecher dementierte, dass zur Finanzierung der Orion-lite die zusätzlichen 6 Mrd $ für Commercial Crew herangezogen werden, stattdessen aber was "anderes" im Bereich Human Space Flight Program.
http://www.spacepolitics.com/2010/05/27/other-notes-from-yesterdays-hearing/

Was kann das denn noch sein?
Die ISS? (Die halten ja auch schon einige für ein Klotz am Bein ;). ) Es wird sicher nicht mehr lange dauern und irgendwer hält es für eine gute Idee, dass die ISS unbemannt fliegt - als seelenlose, internationale Kooperation ;)

Offline Schillrich

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #20 am: 27. Mai 2010, 17:52:47 »
;) ::)
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Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #21 am: 04. Juli 2010, 11:38:03 »
KSC-Chef Cabana hat u.a. bekannt gegeben, dass man ein Commercial Crew Development Project Office eingerichtet hat, dass einen Request for Proposal in der 1.ten Hälfte 2011 herausbringen würde, dass dann in der 2.ten Hälfte 2011 beauftragt werden soll. Die Systementwicklung würde 2012 und 2013 erfolgen und Space Taxis könnten US-Astronauten ab 2014/2015 ins All transportieren.
http://flametrench.flatoday.net/2010/06/nasa-prepared-to-execute-obama-space.html

Das entspricht der Zeitplanung aus dem Dokument eines Workshops von Ende Mai (sh. Post #13). Während ich die technische Entwicklung in diesem Zeitraum vielleicht noch für realistisch halte, halte ich die Entwicklung eines Services für komplett unrealistisch. Am Beispiel der Russen sieht man eigentlich, dass eine sehr große Routine vorhanden sein muß, bis Services funktionieren.

Jetzt ist ja ULA der Commercial Spaceflight Federation beigetreten, die bisher nur aus kleineren Newspace-Vertretern bestand. Interessanterweise hieß es dazu, die ULA wolle ihre Atlas V und  Delta IV Raketen potentiellen Commercial Crew Providern anbieten, von denen viele Mitglied dieser Vereinigung sind. Dh. ULA sieht sich selbst nicht als CC-Provider und ich frage mich, welche Firma da jetzt CC-Provider sein könnte und dazu Atlas oder Delta kaufen würde?
http://www.commercialspaceflight.org/?p=1270

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #22 am: 27. Juli 2010, 18:23:12 »
Eigentlich wartete ich auf Informationen, was aus dem Request for Information CCT geworden ist, es ist aber trotzdem interessant, was McAlister gesagt hat. Er ist der leitende Programmmanager für Commercial Crew bei der NASA, der auf der Newspace 2010 Conference anscheinend wenig Neues zu sagen hatte:
  • Nasa´s eigener Bedarf für Transport zu und von der ISS, insbesondere aufgrund der Betriebsverlängerung der ISS bis 2020, stelle einen realen, zuverlässigen Markt für Astronautentransport durch Commercials dar.
  • Transport zum LEO und zurück sind technisch nichts besonderes und seit dem Gemini Programm in den 60er bekannt.
  • Die größten Risiken sind nicht technischer Art, sondern liegen auf der Business Seite.
  • Zum Business Case der vorgeschlagenen Systeme kann er nichts sagen, weil diese Systeme nicht existieren und deren Kosten unbekannt sind.
  • Erfolg definiert er, wenn mehrere Transport Vehikel zu mehreren Zielen im LEO fliegen.
Quelle
http://www.thespacereview.com/article/1671/1
http://www.parabolicarc.com/2010/07/23/newspace-2010-orbital-spaceflight/#more-15587


websquid

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #23 am: 28. Juli 2010, 15:23:19 »
Na sowas ???:
Erfolg definiert er, wenn mehrere Transport Vehikel zu mehreren Zielen im LEO fliegen
Mehrere Ziele? Wo die NASA die ISS schon kaum fertig bekommt? Da müssen die ja schon sehr viel vertrauen in Bigelow etc haben, dass die privaten eine (oder sogar mehrere 8)) Raumstation aufbauen. Die NASA selbst wird auf absehbare Zeit sicher nicht mehr als eine Station (die ISS oder vllt irgendwann einen Nachfolger) zugleich betreiben. Das heißt dann aber auch, dass ein privater Markt für bemannte Raumfahrt enstehen muss - aber bei den zu erwartenden Preisen wird das nicht in großem Maßstab sein. Momentan gibt es schließlich kaum private Forschung in der ISS, sondern vor allem staatlich-institutionelle. Wie soll sich das auf einmal ändern? Eine echte Killer-Kapsel, die diesen Markt schaffen wird, wird es nicht geben, weil alle dafür zu wenig Preisvorteile im Vergleich zu aktuellen Systemen bieten.

mfg websquid

Offline tomtom

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Re: Kommerzielle bemannte Raumfahrt zur ISS ? (COTS)
« Antwort #24 am: 28. Juli 2010, 17:54:23 »
"mehrere" ist nachvollziehbar (wobei damit wohl eher 2 gemeint ist), weil ja ein Wettbewerb angestrebt wird. Bei Trägersysteme ist das logisch, bei "mehreren" LEO-Zielen ergibt sich das aus folgender Überlegung:
Der Bedarf an Crew-Transport für die ISS ist bekannt. Und dieser ist zu klein, um zwei (oder mehr) Anbietern einen Markt zu bieten. Das ist zumindestens die Ansicht von Boeing.
Bigelow will nun weiteren Bedarf für CrewTransport schaffen, für Touristen und für andere Länder wie es heißt. Die Finanzierung ist aber auch völlig offen.

Beiträge der Newspace 2010 sind auf Spacevidcast bzw. Youtube zu finden, aber leider nicht der zum Thema Orbital Spaceflight.

Tags: cots