Navigation

Raumcon-Seiten

Benutzer im Chat: 10

11. Juli 2020, 22:44:53
Raumcon
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge
Neuigkeiten: Unser Unterforum für Rezensionen zu Büchern aus der Astronomie und Raumfahrt
   Erweiterte Suche

Autor Thema: Warum zum Mars?  (Gelesen 5844 mal)

M. Gerner(Guest)

  • Gast
Warum zum Mars?
« am: 16. Juni 2005, 07:56:23 »
Die Frage "Warum zum Mars?" wurde ja schon erläutert zwecks Forschung, Spuren von evtl. Leben entdecken etc...

Die Frage, die ich aufwerfe ist:"Warum eine bemannte Mission zum Mars?" Sonden, Roboter und Marssatteliten können das unter den dort herrschenden Bedingungen wesentlich genauer und zeitlich gesehen länger. Und das alles für einen Bruchteil einer bemannten Mission.

Gruß Marco

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #1 am: 17. Juni 2005, 21:32:46 »
Ich versuche mal eine etwas provokative Antwort: Da unsere Entscheidungen bekanntlich nur zu 20% rational fundiert sind (manche sagen auch: zu 5%), ist eher die Frage: Wird es mal einen genügend potenten Spinner geben, der ein Marsprojekt finanziert?
Rational spricht immer alles dafür, zu Hause zu bleiben. Was sogenannte Entdecker und Eroberer gemacht haben (Alexander, Hanibal, Cortez, Pizarro, Napoleon, Kennedy - der mit dem Apollo-Programm) war kaum begründbar....

Wenn Menschen also zum Mars fliegen werden, dann weil jemand, dessen verkorkste Kindheit ihm diesem unzähmbaren Wunsch eingegeben hat, genügend Geld dafür beschaffen konnte (klassisches Beispiel: Columbus) ... Gründe dafür wird ER sich ausdenken müssen... Was dann daraus wird (wirtschaftlich, wissenschaftlich,...) bleibt abzuwarten. So etwas ist noch nie korrekt prognostiziert worden.

Beverly

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #2 am: 18. Juni 2005, 17:26:53 »
Es gibt genügend rationale Gründe, zum Mars und zu anderen Welten zu fliegen.
Mit Sonden und Robotern ist man schnell am Ende der Untersurchungsmöglichkeiten angelangt. Eine systematische Grabung, um anhand von vorhandenen oder nichtvorhandenen Fossilien zu klären, ob es Leben auf dem Mars gab (noch gibt?) ist mit Sonden kaum möglich.

Mit dem "zuhause bleiben" ist es so eine Sache: das verzahkte Ehepaar bleibt zu Hause, aus Langeweile und Frust brennen alle Sicherungen durch und am nächsten Tag steht mal wieder eine Familientragödie in der Zeitung.

In der Geschichte blieben - nach beachtlichen Anfangserfolgen auch Phönizier (Umsegelung Afrikas), Skandinavier (Entdeckung Amerikas), Chinesen (Erkundung des Indischen Ozeans von Fernost bis zur Arabischen Halbinsel) wieder zu Hause. So überließen sie das Feld Spaniern, Holländern und Engländern, mit den bekannten Folgen.
Während die halbbarbarischen Europäer die Welt unsicher machten, versackte nach der Einstellung der internkontinentalen Seefahrt im 15. Jahrhundert China in Stagnation.

Heute sollten sich Amis, Chinesen und Russen lieber im All austoben, als "zu Hause" zu bleiben. Die zu Hause bleibenden Großmächte rechnen dann z. B. den Irak - USA - den Kaukasus - Rußland - oder am Ende ganz Eurasien - China - zu ihrem "Zuhause".
Und die EU bleibt ja auch zu Hause und stellt trotz des Anfagserfolges der Titan-Mission Raumfahrt nicht in den Vordergrund. Mit dem "Erfolg", dass die EU-Verfassung gescheitert ist, die EU in kleinliches Gezänk über Geld versackt und die Europäer immer mehr von "Brüssel" genervt sind.

Ich glaube, zu Hause bleiben, ist ebenso irrational wie rausgehen und manchmal ist es klüger, raus zu gehen, um zu Hause kein Desaster zu erleben.

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #3 am: 18. Juni 2005, 18:56:00 »
Beverly, grundsätzlich gebe ich Dir recht. Du hast aber vor allem auf einer Meta-Eben argumentiert: Irgendwie wird es sich immer auszahlen, an und über die Grenzen hinauszustoßen.

Das ist aber - im engeren Sinne - nicht rational. (Oberflächlich) rational sind die Voksentscheidungen der Franzosen und Holländer und die Streitigkeiten der EU-Politiker. In igendeine Thread hier wurde auch angedacht, ob es für China nicht richtiger wäre, seine Milliarden für die ärmere Bevölkerung auszugeben, statt für (in der Tat!) obskure Raumfahrtprojekte...

Es gab für die Grönländer auf Neufundland wirkich nicht viel zu holen; die Karthager haben ihre Afrikafahrten nur als Auftragsarbeit für die Ägypter durchgeführt; wenn man das wundersame Buch von Menzies liest ('1421'), dann lernt man auch, dass die Chinesischen Kaiser sehr gute Gründe dafür hatten, die Seefahrt für alle Zeiten einzustellen...

Handfeste Gründe für einen Besuch von Menschen auf dem Mars (in Relation zu den Kosten und Risiken) sehe ich in diesem Sinne auch nicht. Ich denke, solche Begründungen haben viel mit einem unreflektierten Fortschritssdenken zu tun.

Deshalb sehe ich auch nur durch eine gehörige Portion Irrationalität (Quasi-Religion, oder auch Ablenkung von innenpolitischen Problemen...) die Möglichkeit einer Marsexpedition, nicht durch rationale Argumente. Columbus hat seine Expedition auch nur bekommen, weil man endlich einen nervigen Quälgeist loswerden wollte....

Offline Tobias Kolkmann

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 614
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #4 am: 18. Juni 2005, 23:06:44 »
Ich sehe das ganze nicht so negativ.
Es ist eine Herausforderung, andere Planeten zu besiedeln. Es macht Spaß, den Erfolg der Menschheit zu beobachten, wie sie den nahen Weltraum besiedelt.
Die Menschen sind nicht Rational, ganz im Gegenteil. Ihr sagt es selber, der Mensch denkt eher sehr gefühlsmäßig, aber das ist es doch was uns ausmacht! Wir sind Menschen und sollten unsere Neugier und unseren Drang, Herausforderungen zu bewältigen, dankend annehmen.
Den Mars zu besiedeln ist eine Herausforderung, und es zu schaffen macht die Menschen (und die Menschheit) stolz auf das, was sie vollbracht haben.

Wofür forschen wir? Damit wir ein besseres Leben haben, mehr Luxus, damit alles leichter wird. Darauf kommt es doch alles hinaus - ein wenig Forschung geht dabei in die Gefahrenvermeidung, das ist vielleicht rational, aber jede andere Forschung ist, wenn man das so weiterspinnt, irrational, da vieles nur darum geht es letztendlich den Menschen gemütlicher zu machen.

Und deswegen ist es auch gut zu versuchen, Menschen zum Mars zu schicken. In ein paar hundert Jahren bietet der Mars vielleicht sogar platz fuer die Menschen der überbevölerten Erde, dann schließlich kann man das einen rationalen Grund nennen, damit Menschen mehr Lebensraum haben und die Natur auf der Erde noch einigermaßen erhalten koennen.
Also, wenn ihr unbedingt einen rationalen Grund haben wollt dann seht es von dieser Seite, es muss geforscht werden, wie der Mensch auf dem Mars am Besten überleben kann.
Ansonsten freut euch einfach mit dem Rest der Menschheit, wenn der erste Mensch den Fuß auf den Mars setzt und... genießt den Augenblick, seid stolz auf "unsere Rasse", dass sie es so weit gebracht hat. Freut euch einfach, dass Menschen auf anderen Planeten leben können. Denn kein anderes Geschöpf in diesem Sonnensystem hat so viele Gefühle wie der Mensch, und diese Gefühle prägen unser aller Leben.


PS (für diejenigen, die mich bereits in irgendwelche Schubladen einordnen):
Einige Begriffe haben im Laufe der Zeit einen negativen Beigeschmack bekommen. Wenn ich sage "unsere Rasse" dann beziehe ich mich auf die Menschheit allgemein, im unverfälschten Sinne des Wortes.
"Stolz sein" ist auch eine Emotion, die jedoch gerade bei den Deutschen unterdrückt wird aufgrund unserer Geschichte, dennoch ist es kein negatives oder destruktives Gefühl.
Vielleicht habe ich euer Vorurteil der "aroganten" Menschheit bestätigt, aber wie definieren wir Aroganz ohne etwas, demgegenüber wir uns arogant verhalten?
Wenn wir einmal intelligente außerirdische Lebensformen treffen, können wir immernoch u.A. über  Besitzansprüche reden, aber bis dahin... sollten wir nicht versuchen, die Menschheit so weit wie möglich voran zu bringen? Auf wen müssen wir Rücksicht nehmen außer auf unseren "eigenen" Planeten?

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #5 am: 19. Juni 2005, 09:42:42 »
Ich sehe das auch nicht so negativ - nur etwa skeptischer. Ich habe ja auf die Notwendigkeit von 'irrationalen' Kräften hingewiesen, und genau das beschreibt Tobias: Ich würde seinen Ansatz mal als den 'sportlichen' klassifizieren....

Zuerst einmal brauchen wir Geld, 10 bis 100 mal soviel wie heute für Raumfahrt und -forschung ausgegeben wird. Jeder könnte z.B. 100 Euro im Jahr zahlen (in Deutschland kämen dann 8 Mrd zusammen, das ist nicht soviel aber für eine 5-köpfige Familie schon eine nicht unerhebliche Belastung ...) - auf internationaler Ebene sollte man aber 500 Mrd/Jahr zusammenbekommen.

Wenn man bedenkt, was man mit diesem Geld stattdessen machen könnte (Bildung, Armut, Kriminalität, Krankheit,....), dann ist das politisch aber 100% nicht durchsetzbar, dies in eine Marsexpedition zu stecken...

Denn was käme da langfristig bei raus? 'Terraforming' ist ein klasse Gedanke! Nun kann man sich leicht überlegen, dass es preiswerter ist, die Sahara oder die Antarktis in einen blühenden Lebensraum zu verwandeln, als den Mars. Und für beides steht uns im Moment keine Technologie zur Verfügung, aber wir können da ja mal zu forschen.

Unabsehbare Eingriffe in die irdische Ökosphäre? Und auf dem Mars wären die absehbar??? Ach, der hat ja gar keine Ökosphäre...

Dann haben wir noch die Kontinentalschelfe; da kann man prima Unterwassersiedlungen und Algenfarmen bauen. Wenn denn Kolonisation wegen Überbevölkerung überhaupt ein Thema sein kann....

Nehmen wir mal an, die Erde platzt aus allen Nähten, 10 Mrd Menschen, die sich aus unklaren Gründen jährlich (netto) mit 1% vermehren müssen. Also müssen 100 Mio jedes Jahr weg. Ins Zwischendeck der Mega-Marsfrachter passen 1000 Passagiere; ich brauch wohl nicht auszurechnen, dass man dafür 100.000 Frachter braucht, oder sogar 200.000, wenn Hin- und Rückflug je ein Jahr dauern. Fast jede Minute ein Start oder eine Landung: 'Space-Control' hat zu tun....

Nebenbei: Ich habe immer gerne ScienceFiction gelesen; auf dieser (englischen) Seite hier findet der interessierte Leser einige breit ausgemalte Szenarien über die nächsten 10.000 Jahre, die allerdings sehr von Stanislaw Lems futuristischen Ansichten inspiriert sind: http://www.orionsarm.com/main.html Natürlich ist auch Raumfahrt ein Thema, aber mehr Technologie (Nano-, Bio-) und der Impakt künstlicher Intelligenz: Was macht ein 'Wesen' das 1 Million mal 'klüger' ist als wir?

Beverly

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #6 am: 19. Juni 2005, 18:53:29 »
Ob Investitionen in die Raumfahrt Sinn machen, hängt auch vom Zeitrahmen ab, in den man denkt. Kurzfristig amortisieren sie sich nicht, langfristig könnten sie eine Goldgrube sein.

Es wird auch immer davon geschrieben, dass die Ressource, welche für die Raumfahrt ausgegeben werden, sozusagen woanders 1 zu 1 fehlen. Und komischerweise fehlen sie immer bei sozialen Projekten, vielleicht auch bei Umwelt.

Im konkret angesprochenen Fall China könnte es aber ebensogut sein, dass 2 Mrd. Dollar für die Raumfahrt 2 Mrd. Dollar weniger für Rüstung, Staatsapparat und Privilegien der Herrschenden sind. Dass die bei einem Verzicht auf die bemannte Raumfahrt das eingesparte Geld unter den Armen verteilt hätten, glaube ich nicht.

Dazu kommt noch, dass Raumfahrt z. T. Ressourcen aktiviert, die sonst nicht genutzt würden, und Menschen Arbeit gibt, die sonst keine hätten.
Die eigentliche Hürde ist es, Raumfahrt so weit voran zu treiben, dass sie nicht mehr auf Ressourcen von den Erde angewiesen ist. Wenn z. B. eine Mondkolonie oder Marskolonie überwiegend mit Wasser, Materialien und Energie vor Ort betrieben wird, mag sie zwar auch noch astronomische Kosten erzeugen. Aber wenn diese Kosten nicht nur im Weltraum entstehen sondern auch dort beglichen werden, sind sie weder für irdische Haushalte noch Ressourcen eine Belastung.

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #7 am: 19. Juni 2005, 21:19:22 »
Um da nicht missverstanden zu werden: Ich glaube, dass jeder Euro, den man in ernsthafte Forschung steckt, sich immer hundertfach bezahlt macht... wenn vielleicht auch nicht immer bei demjenigen, der den Euro gezahlt hat ;D

Aber eine gut ausgestattete Marsexpedition ist nicht von Pappe. Nehmen wir mal an, das Marswasser kann irgendwie genutzt werden, dann vielleicht auch Sonnenenergie, wo es auf dem Mars aber nicht so weit mit her ist... Dann brauchen wir eine sturmfeste Kuppel mit einem sicheren Lebenserhaltungssystem: Algentanks, andere Pflanzen.... Eine kleine Krankenstation, Küche, Diele, Bad... Das ganze baut man sicherheitshalber gleich mehrfach auf. Das ist einiges an Masse, was man da zum Mars schleppen muss. Und ausprobieren sollte man es auch vorher http://lexikon.freenet.de/Biosph%C3%A4re_2

Jetzt kommen wir endlich zum 'Business Case', wie man das heute nennt: Was bekommt man zurück?
+ Erfahrung
+ Planetologische Erkenntnisse

Ganz sicher nicht Silber, Gold und Diamanten. Andere 'Bodenschätze'? Unwahrscheinlich. Besondere Produktionsbedingungen unter der geringen Schwerkraft? Eher nichts, was man nicht auch in einer Erdumlaufbahn installieren könnte.

Wir sehen also: Der 'Busines Case' rechnet sich ofenbar nicht. Gründe für eine Marsexpedition sind also irrational. Das macht ja nichts, da sollte man sich nur im Klaren drüber sein...

Wir haben in unserer westlichen Kultur heute noch ein anderes Problem bei solchen Projekten: Wir können nicht offen über die erwartete Zahl von Todesopfern sprechen. Letztendlich ist sowas auch schwer zu schätzen, aber ein Projektleiter würde wahrscheinlich gezwungen, auf "Null" zu rechnen, mit allen Konsequenzen für die Kosten. Es scheint mir aber nicht unwahrscheinlich, dass die erste große Expedition trotzdem einfach total missglückt. Fraglich, ob man dann weiter macht...

Offline Tobias Kolkmann

  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 614
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #8 am: 19. Juni 2005, 21:42:25 »
nochmal zurück zu meinem Beitrag:
Ich habe nichts zu den wissenschaftlichen Erfolgen einer Marsexpedition gesagt, sondern habe versucht zu begründen warum der Mensch emotional so gerne zum Mars will was ja, wie hier gesagt wurde, einen großen Teil der menschlichen Entscheidungskraft ausmacht.

Wirtschaftlich ist eine Marsexpedition so lange kein Vorteil, wie auch nichts begehrtes auf dem Mars zu finden ist. Wahrscheinlich gibt es keine Waren, die mit unserer derzeitigen Technologie eine Reise zum Mars profitabel machen.
Wissenschaftlich kann man das Geld besser in Stationen auf der Erde und ihrer Umlaufbahn anlegen um das Universum zu erforschen, ein paar Rover und Satelliten mehr auf und um den Mars und man weiß alles "wichtige" über ihn.

M. Gerner(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #9 am: 20. Juni 2005, 12:30:00 »
Worum geht es uns beim Mars? Vordringlich doch eher um Wissen. Die paar Experimente, die eine bemannte Mission erreichen kann, steht in keinem Verhältnis, welches Roboter in der Lage sind zu leisten. Siehe Spirit und Oppertunity. Beide arbeiten jetzt ca. 500 Marstage und wahrscheinlich noch unbestimmte Zeit länger. Keine bemannte Mission könnte das in den nächsten 30 Jahren erreichen. Verständlich, das es Menschen gibt, die da am liebsten nen Astronauten auf'em Mars sehen wollen. Aber zu welchem Preis? Das Thema Überbevölkerung auf der Erde werden wir nicht lösen können, indem wir ein paar Leute dorthin aussiedeln. Abgesehn vom logistischen Problem und den fehlenden Umweltbedingungen, die der Mensch nebst Tieren und Pflanzen dort zum überleben brauch. Ebenso Terraforming- Wir kriegens ja noch nicht mal gebacken unsere Erde in Schuß zu halten. Meiner Meinung nach also absolute Utopie.

Ich hoffe mir nimmt keiner meine direkte Art böse.

Gruß Marco

M. Gerner(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #10 am: 20. Juni 2005, 13:43:47 »
Was ich noch vergaß...
Theoretisch der Mars wäre bewohnbar und wie einer der Vorredner schon erwähnt hat, das dann ca. 100.000 Raketen starten müßten, haben wir immer noch das Problem mit den Abgasen. Sicherlich arbeiten die neusten Trägerraketen mit Wasserstoff und produzieren Wasserdampf. Aber bei solchen Startintervallen glaube ich nicht wirklich, das das unserer Umwelt guttut. Wasserdampf in solchen Mengen kann man getroßt zu den Treibhausgasen stecken. Uns stehn leider nur die chemischen Antriebe zur Verfügung, um den Orbit zu erreichen. Alle anderen Systeme arbeiten entweder nur im Vakuum, oder sind zu gefährlich für die Zivile Nutzung (z.B. alle Formen der Nukleartechnik!). Darüber hinaus fehlen uns dann die Ressourcen auf der Erde.

Es wird von Befürwortern der bemannten Raumfahrt immer wieder darauf hingewiesen, das der Mensch komplexe arbeiten ausführen und Probleme flexibel lösen kann, die heutige Roboter nicht mal ansatzweise tätigen können. Dem stimme ich in soweit zu, solange der Mensch sich in seiner gewohnten Umgebung (Erde) und nicht in einem Schutzanzug steckt, den er auf'em Mars brauch und Roboter ausschließlich auf ihre KI angewiesen wären. Da die Roboter aber von Menschenhand gesteuert werden und komplexe Probleme somit aus der Distanz über Funk gelöst werden können, sehe ich keinen Grund um Menschen zum Mars zu schicken. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, nur unter diesen Gesichtspunkten bin ich gegen eine bemannte Mission.

Gruß Marco

Offline pikarl

  • Raumcon Administrator
  • Gold Member
  • *****
  • Beiträge: 4862
    • AstroGeo: Podcast und Blog
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #11 am: 20. Juni 2005, 18:27:34 »
Ich stimme dir insofern zu, dass eine Besiedlung des Mars mit konventioneller Raketentechnik wenig Sinn macht. Neben dem (absolut wesentlichen!) ökologischen-klimatologischen Problemen spielt aber auch der Kostenfaktor dabei sicher eine große Rolle. Konventionelle Raketen machen durch ihren ungemein ungleichen großen Preis für das Kilo Nutzlast (beim Shuttle sind es IMHO 10.000 € pro Kilogramm) die Sache sehr teuer.

Allerdings ist ja bereits angedacht, sogenannte Orbitalseile zu bauen: Riesige Seile die vom Erdboden in eine geostationäre Orbithöhe reichen, wo eine Plattform angebaut ist. So könnte man mit ungleich geringerem Energieaufwand mit einem Fahrstuhl Material billig in den Orbit 'schießen'. Das Ganze ist sicher eine großtechnische Aufgabe wie die Besiedlung des Mars selbst, aber vermutlich im Laufe der technolischen Entwicklung im 21. Jahrhundert machbar. Zumindest gibt es bereits aussichtsreiche Materialien (Nanotubes) die dabei auftretende Kräfte überstehen könnten.

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #12 am: 20. Juni 2005, 18:51:04 »
Ich fasse die bisherige Diskusion mal zusammen: Der OP hatte gefragt: 'Warum sollte ein Mensch auf den Mars?'

Nachdem wir übereinstimmend festgestellt haben, dass dies ein sehr, sehr kostspieliges Unterfangen sein könnte, dessen mitelfristiger Nutzen etwas unklar ist, diskutieren wir nun darüber, dass es aber doch wenigstens konkret möglich sein könnte....

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #13 am: 20. Juni 2005, 19:05:22 »
Jetzt habe ich doch glatt vergessen, den Link hinzuzufügen...
http://www.raumfahrtgeschichte.de/space16/mars.htm

M. Gerner(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #14 am: 21. Juni 2005, 08:22:40 »
Von diesen Lastenaufzug in'en Orbit hab ich zum ersten mal auf dieser Homepage gehört. Wäre interessant zu wissen, ob's realisiert werden kann. Der Energieaufwand wird dadurch zwar nicht geringer (ca. 17,4kWh pro Kg Masse bis in den Parkorbit) Aber man könnte die komplizierten Raketen einsparen.

Gruß Marco

Gero_Schmidt

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #15 am: 22. Juni 2005, 01:28:32 »
Warum zum Mars?
 
Drei Gründe: Erstens wird eine einzige bemannte Marsmission uns mehr Wissen über diesen Planeten verschaffen als alle vorangegangenen (unbemannten) Missionen zusammengenommen. Ein ausgebildeter Geologe vor Ort kann in ein paar Stunden die Arbeit leisten, für die ein Rover wie Spirit Wochen oder gar Monate braucht.
Klar wird es Fortschritte in der Robotik geben aber auf absehbare Zeit (mindestens 30 Jahre) werden sie dem Menschen weiterhin klar unterlegen sein.
Aber eben nur auf absehbare Zeit und das bringt mich zu Punkt zwei und drei und diese sind die eigentlich wesentlichen: Eine bemannte Marsmission sollte als erster Schritt hin zu einer Besiedlung/Kolonisierung des Mars verstanden werden. Hier können uns Roboter logischerweise nicht die Arbeit abnehmen oder wir sprechen nicht mehr von Kolonisierung im üblichen Sinn; eine reine Maschinenkolonie erschiene mir jedenfalls ziemlich unsinnig.
 
Es geht dabei nicht darum, die Probleme der Erde zu lösen (jedenfalls nicht in erster Linie) sondern darum, der Menschheit ein zweites Standbein zu verschaffen. Was auch immer auf der Erde passieren mag (Naturkatastrophen, menschengemachte Desaster), die Menschheit würde fortbestehen. Allein das rechtfertigt in meinen Augen den Aufwand.
 
Drittens: Robert Zubrin argumentiert in The Case for Mars und Entering Space sehr überzeugend, dass nicht weniger als das Fortbestehen der westlichen Zivilisation mit ihren pluralistischen/offenen/demokratischen Gesellschaften davon abhängt, ob es uns gelingt, im Weltraum Fuß zu fassen und Ableger unserer Zivilisation zu gründen. Er stützt sich dabei auf die so genannte Frontier-Thesis des amerikanischen Historikers Turner, die im Grunde besagt, dass die Entstehung freier, offener Gesellschaften (wie die, in der wir (noch) leben) ein in der Menschheitsgeschichte einmaliges Phänomen ist und unmittelbar durch das Vorhandensein einer offenen Grenze bedingt ist. Erst durch die Entdeckung Amerikas und der restlichen Welt während der Rennaissance und die folgende Eroberung/Besiedlung dieser Erdteile wurden alte verkrustete Strukturen in Europa aufgebrochen und konnten neue Ideen erprobt werden, wie Menschen zusammenleben sollten (Demokratie statt Feudalismus, Meinungs- und Religionsfreiheit, usw.).
 
Heute gibt es keine offenen Grenzen mehr und deshalb, so argumentiert Zubrin, laufen wir Gefahr, zu stagnieren und früher oder später in totalitäre, repressive Gesellschaftsformen zurückzufallen. Wir müssen den Mars besiedeln, um so eine neue Frontier zu schaffen, wo Menschen experimentieren können und ihnen keiner, nicht die Nationalstaaten, nicht die UN oder sonstwer reinreden kann. Wenn sie erfolgreich sind und bessere Gesellschafts- oder Wirtschaftsmodelle (oder auch technologische Neuerungen) entwickeln, dann werden diese von den Zurückgebliebenen auf der Erde kopiert werden, ähnlich wie die USA in der Gründungszeit den Europäern ein Vorbild waren.
 
 
Ich denke, es gibt somit weit mehr gute Gründe für eine bemannte Marsmission als dagegen.
« Letzte Änderung: 22. Juni 2005, 01:36:05 von Gero_Schmidt »

Michael(Guest)

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #16 am: 22. Juni 2005, 22:16:07 »
Guter Punkt, Gero!
Ich glaube aber nicht, dass in den nächsten 100 Jahren der Weltraum als frontier anzusehen sein wird. In der Science Fiction schon: Die ganze amerikanische Romantik wird dort ausgebreitet: Unendliche Weite, (Raum)piraten, Rebellen, Auswanderung, Flucht aus der Unterdrückung, aus einem restriktiven politischen System, Freiheit, Abenteuer, Selbstbehauptung.... StarTrek, StarWars,..

Das Synonym zu frontier ist m.M. nach Ausbruch aus der Kontrolle; das wird aber bei einer Mars'kolonisation' erst einmal nicht der Fall sein. Auf Jahrzehnte hinaus werden die Mars-Astronauten in jeder Hinsicht zu den best kontrollierten Menschen der Welt gehören: Selektion nach allen möglichen Kriterien, regelmäßige (medizinische) Beobachtung, wahrscheinlich lauter implantierte Chips,..... Nirgendwo wird man leichter zu finden und zu überwachen sein, als in einer Druckkupel auf dem Mars oder dem Mond!

Ansonsten wird eine Fahrkarte in die große Freiheit nicht unter 100 Mio Dollar zu haben sein....

Das könnte sich in der Tat ändern, wenn die Rauschiffe irgndwann einmal lernen wie Pferde zu grasen...

Gero_Schmidt

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #17 am: 22. Juni 2005, 23:47:39 »
Das kommt ganz darauf an. Natürlich werden die Mitglieder staatlicher Kolonisationsprogramme selektiert und gut 'überwacht' werden. Aber auch das wird nur bis zu einem bestimmten Punkt funktionieren. Ich glaube nicht, dass sich eine Kolonie von sagen wir 5000 Leuten (mit derzeitiger/absehbarer Raketentechnik kein Problem), die über mehrere Jahrzehnte gewachsen ist, mit Kindern, die auf dem Mars geboren wurden, noch so leicht kontollieren ließe. Wenn sich die Siedler entscheiden würden, eigene Wege zu gehen, wer sollte sie daran hindern?

Vielleicht müssten auch erst noch größere Siedlungen entstehen damit es zu solchen Abspaltungsbewegungen käme, es ist aber fast sicher, dass die Dinge sich früher oder später dahin entwickeln würden, vor allem, wenn die Mehrzahl der Menschen in der betreffenden Kolonie nicht auf der Erde, sondern auf dem Mars geboren wurde.

Außerdem erscheint es mir durchaus realistisch, dass spätestens gegen Mitte dieses Jahrhunderts private Unternehmen Menschen zum Mars transportieren werden. Warum sollten sie nicht (gegen entsprechende Bezahlung) bestimmten Gruppen zur Ausreise verhelfen? Wahrscheinlich wären die Kosten immer noch so hoch, dass die, die mitwollen, auf der Erde alle aufgeben/verkaufen müssten, um den Preis für die 'Überfahrt' bezahlen zu können, aber das war ja für viele Siedler, die nach Amerika kamen auch nicht anders.

Gero_Schmidt

  • Gast
Re: Warum zum Mars?
« Antwort #18 am: 22. Juni 2005, 23:50:42 »
Zitat
Das Synonym zu frontier ist m.M. nach Ausbruch aus der Kontrolle

Das trifft es sehr gut.

Tags: