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Autor Thema: ALH 84001 / Marsmeteorit  (Gelesen 13619 mal)

M.P.

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ALH 84001 / Marsmeteorit
« am: 17. Dezember 2006, 20:28:06 »
GAB ES LEBEN AUF DEM MARS?     Möglicherweise ja:  Im Marsmeteorit ALH84001 wurden vielleicht fossile Bakterien gefunden.
Zitat
   * Strukturen in Elektronenmikroskopaufnahmen, die als fossilierte Bakterien gedeutet werden. Es wird jedoch eingewendet, dass diese Strukturen auch Artefakte der benutzten Aufnahmetechnik sein könnten. Zudem ist die Größe der Strukturen nur im Bereich von einigen Nanometer und damit viel kleiner als gewöhnliche irdische Bakterien. Zwar wurden „Nanobakterien“ angeblich auch auf der Erde entdeckt, bisher ist dieser Befund jedoch selbst noch umstritten.

    * Karbonateinschlüsse, welche Magnetite in einer Form enthalten, wie er auf der Erde von Bakterien produziert wird. Es ist bisher jedoch nicht auszuschließen, dass diese Magnetite auch durch nichtbiologische Prozesse erzeugt werden können.

    * Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH, von engl. Polycyclic Aromatic Hydrocarbons) innerhalb der Karbonate, welche beim Zerfall von Bakterien entstehen können. Auch hier ist es schwierig zu zeigen, dass es keine nichtbiologischen Prozesse gibt, welche das gleiche Muster von PAH's erzeugt wie es in ALH84001 gefunden wurde.
Dies sind die Argumente der Forscher, die ALH84001 untersuchten.
Weiteres Interessantes:
Zitat
Die Thesen werden bis heute kontrovers diskutiert. Es wurden inzwischen auch in zwei anderen Marsmeteoriten, Shergotty und Nakhla, mögliche Relikte von früherem Leben gefunden.

Sind dies nicht schon genug Beweise für frühes marsianisches Leben?
Sind wir nur zu eingebildet, sodass wir diese Beweise nicht richtig ernst nehmen oder sind dies wirklich keine eingeschlossenen Bakterien??

Was meint ihr zu dieser Sache???
M.P.   :)
« Letzte Änderung: 27. November 2009, 11:52:14 von Kreuzberga »

Offline Mary

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #1 am: 17. Dezember 2006, 20:55:59 »
Warum gibt es wohl so viele Sonden auf dem Mars? Sie alle versuchen, mehr über den Mars und damit auch über Möglichkeiten von Leben herauszufinden.
Es ist ja bisher auch nur von "möglicherweise" die Rede.
Zitat
Sind wir nur zu eingebildet, sodass wir diese Beweise nicht richtig ernst nehmen oder sind dies wirklich keine eingeschlossenen Bakterien??
Am Mars sind so viele Raumsonden wie auf keinem anderen Planeten (außer der Erde) Wieso also eingebildet? Wir suchen doch schon nach weiteren Anhaltspunkten!

rolli

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #2 am: 09. Januar 2007, 09:34:40 »
Zur Ergänzung:

Bei den beiden Viking-Marssonden hat man eventuell falsch experimentiert:

Zitat
Nasa könnte Mars-Mikroben getötet haben
Bei Experimenten auf dem Mars vor 30 Jahren könnte die US-Raumfahrtbehörde Hinweise auf außerirdisches Leben übersehen haben - weil sie bei den Versuchen Mikroben überhitzt und ertränkt habe. Das behauptet ein deutscher Astrobiologe, der eine neue Theorie über Leben auf dem Mars vorgestellt hat.

Seit Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach Leben auf dem Mars - und wurden nie fündig. Kein Wunder, glaubt Dirk Schulze-Makuch. Möglicherweise habe man die winzig kleinen Lebewesen übersehen, ja sogar zerstört und deswegen nicht bemerkt, sagte der Astrobiologe und Geohydrologe am gestrigen Sonntag auf einer Konferenz der American Astronomical Society (AAS) in Seattle.

Schulze-Makuch von der Washington State University hält es für möglich, dass bei der Auswertung von Experimenten, die die Sonden "Viking 1" und "Viking 2" in den Jahren 1976 und 1977 auf dem Mars durchgeführt haben, Hinweise auf fremde Mikroben übersehen wurden. Die Wissenschaftler hätten damals nur auf Lebensformen geachtet, in deren Zellen die Flüssigkeit aus Salzwasser besteht und die somit den Organismen der Erde ähnlich seien. Auf dem kalten und trockenen Mars gebe es hingegen möglicherweise Lebensformen, die auf einer Mischung von Wasser und Wasserstoffperoxid basieren, erklärte er.

Eine solche Flüssigkeit gefriere nicht bei Temperaturen bis minus 55,6 Grad und zerstöre selbst beim Gefrieren keine Zellen, schreibt der Forscher zusammen mit einem Kollegen in einem Bericht, der demnächst in Fachmagazin "International Journal of Astrobiology" erscheinen soll. Die "Viking"-Experimente seien Schulze-Makuch zufolge meistens bei 15 Grad Celsius durchgeführt worden, bei einem Versuch sei die Temperatur noch weiter erhöht worden - was für Mars-Verhältnisse zu warm ist. Die Mikroorganismen seien dadurch überhitzt und getötet worden. Bei einem anderen Experiment wurde Wasser auf den Mars-Boden geschüttet - die Mikroorganismen könnten laut Schulze-Makuch dadurch regelrecht ertränkt worden.

"Man findet nur, wonach man sucht"

Die toten Mikroben hätten die "Viking"-Geräte nicht erkennen können: Die Zellen seien auseinandergefallen, das in ihnen enthaltene Wasserstoffperoxid sei freigesetzt worden und hätte alle organischen Stoffe zerstört, sagte Schulze-Makuch zu SPIEGEL ONLINE. Deswegen hätten die "Viking"-Sonden keine organischen Moleküle gefunden, also auch kein außerirdisches Leben aus Wasserstoffperoxid.

"Wir wussten aber von Meteoriten, dass es organische Moleküle auf dem Mars gibt", sagte Schulze-Makuch. "Das Problem war, dass die Forscher zu dieser Zeit keinen Anhaltspunkt für die Umwelt auf dem Mars hatten. Jetzt haben wir mehr Ahnung, wie die Lebensbedingungen auf dem Mars sind."

Direkt beweisen kann Schulze-Makuch die Existenz von Mars-Mikroben nicht. Dazu müsste man "die Mikroben auf dem Mars kultivieren und dann unter einem Mikroskop ansehen", so der Forscher. Trotzdem halte er seine Theorie für durchaus schlüssig. Gestützt würde seine Behauptung dadurch, dass in letzter Zeit Lebewesen an den unwirtlichsten Orten der Erde gefunden wurde - etwa in einem ultrasauren spanischen Fluss, eisbedeckten Seen in der Antarktis oder in Gegenden mit besonders viel Radioaktivität.

Auch Katherine Freeman von der Pennsylvania State University hält die die Existenz von Mars-Mikroben für möglich: "Man findet nur, wonach man sucht." Möglicherweise sei man bisher bei der Suche nach extraterrestrischem Leben zu erdzentriert vorgegangen, so die Wissenschaftlerin.

Auszug aus:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,druck-458416,00.html

Dann fängt man halt wieder von Vorne an mit Mikrobensuche...

 :o

H.J.Kemm

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #3 am: 09. Januar 2007, 09:50:24 »
Moin,

nach Leben auf dem Mars soll die Marssonde *Phoenix* suchen.
Unter *unbemannte Raumfahrt* http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?topic=2447.0 gibt es die ersten Informationen.

Jerry
« Letzte Änderung: 09. Januar 2007, 19:47:19 von H.J.Kemm »

rolli

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #4 am: 22. Januar 2007, 20:18:27 »
Noch ne interessante Theorie:

Zitat

 Kam das Leben vom Mars?
Neues Experiment stützt Panspermie-These

 Milton Keynes/ England - Panspermie beschreibt die Vorstellung, dass das Leben in Form von Mikroben erst durch Kometen auf die Erde kam und hier die notwendigen Vorausetzungen für eine weitere Evoltution fand. Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, stützen die Ergebnisse eines neues Experiments diese Theorie.

Einige Wissenschaftler gehen sogar noch weiter und sehen den Mars als Quelle der Lebenssaat. Nach dieser Theorie soll ein Einschlag auf dem Mars entsprechende Trümmerstücke Richtung Erde katapultiert haben, und tatsächlich stammen viele Meteoriten, die auf der Erde entdeckt wurden, wie etwa der berühmte ALH84001, direkt vom Mars.

Bei dem jüngsten Experiment setzten die Wissenschaftler um Charles Cockell von der "Open University" Mikroorganismen, wie etwa die zur Photosynthese fähigen und auf Steinen lebenden Cyanobakterien und das sporenbildenden Bacillus subtilis, extremen Umweltbedingungen aus. Damit wollten die Forscher testen, ob diese nicht nur die Reise durch den lebensfeindlichen Raum und die Erdatmosphäre, sondern auch den Einschlag auf unserem Planeten überlebt haben könnten. Dabei simulierten die Forscher Umstände, die den Voraussetzungen für den postulierten Kometenritt gleichkämen.

Selbst zu ihrem eigenen Erstaunen stellten die Wissenschaftler fest, dass die Bakterien und Flechtensporen die simulierten Druckverhältnisse von bis zu 45 Millionen Pascal überlebten.


Cyanobakterium Anabaena spherica


Somit stützen die Ergebnisse nicht nur die Panspermie-Theorie, sondern auch jene der Lithospanspermie, wonach sich das Leben durch Meteoriten von Planet zu Planet verbreitet.

Quelle:
 guardian.co.uk

Vielleicht sind wir alle Marsianer ?

 :o :o


streber11

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #5 am: 26. Januar 2007, 20:07:16 »
Ich könnte hier das Buch "Die Jagd nach Leben auf dem Mars" von Donald Goldsmith empfehlen. (Scherz-Verlag, ISBN: 3-502-15260-8) Es handelt sich aber um ein etwas älteres Buch (1996) und einen absoluten Ladenhüter (Ich habs vor ca. 3 Jahren für einen Euro gekauft). Ist aber trotzdem sehr interessant!


Grüße aus dem schönem Frankenland

Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #6 am: 25. November 2009, 17:29:42 »
Anscheinend verdichten sich die Hinweise, dass die auf dem Ende der Neunziger Jahre berühmt gewordenen Marsmeteoriten ALH 84001 befindlichen Spuren möglicherweise doch biologischen Ursprungs sind.

Untersuchungen mit Mitteln die damals noch nicht zur Verfügung standen legen diesen Schluss jedenfalls nahe. Zumindest sehen das die Wissenschaftler so, die damals schon mit ihrer Hypothese für Furore sorgten. Der Großteil der Fachleute wies damals die Beschreibung der auf dem Meteoriten gefunden Magnetitkristalle als biologischen Ursprungs zurück und erklärte die gefundenen magnetischen Fossilien als Ergebnis rein thermischer Prozesse.

Möglicherweise wandelt sich diese Sichtweise nun. Mal sehen, was da noch kommt!

Hier der SPN-Artikel dazu: http://spaceflightnow.com/news/n0911/24marslife/

Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #7 am: 26. November 2009, 12:40:19 »
Hier ist das ausführliche Paper Origins of magnetite nanocrystals in Martian meteorite ALH 84001, aus dem Journal Geochimica et Cosmochimica Acta, 73,21: 6631-6677.

Mal sehen, wann die Presse darauf aufmerksam wird. Bisher hat ja anscheinend nur Spaceflightnow etwas dazu gebracht.

In ihrem Fazit formulieren die AutorInnen sehr vorsichtig:
Zitat
We suggest that the majority of ALH 84001 magnetites has an allochthonous origin and was added to the carbonate system from an outside source. This origin does not exclude the possibility that a fraction is consistent with formation by biogenic processes
- In etwa: Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit der ALH 84001-Magnetite einen allochtonen Urpsrung hat und zum Carbonatsystem von einer äußeren Quelle hinzugefügt wurden. Dieser Ursprung schließt die Möglichkeit nicht aus, dass ein Teil der Formationprozesse biologischer Natur waren.  
« Letzte Änderung: 26. November 2009, 21:10:00 von H.J.Kemm »

Offline Pham

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #8 am: 26. November 2009, 17:51:02 »
Dieses Artefarkt und die Spekulationen darum sind insofern interessant und spannend, da das Gestein (und damit die vermeintlich versteinerten Fossilen) ca. 4 Milliarden Jahre alt sind (bzw. sein können).

Die versteinerten "Bakterien" sind nach meinem Wissen deutlich kleiner als irdische (heutige) Bakterien.
Sollte sich der biologische Ursprung der Versteinerungen erhärten, wäre das ein Hinweis, dass das Leben auf dem Mars biochemisch und biologisch grundsätzlich anders aufgebaut ist und das Leben auf dem Mars (wenn es denn so existierte) sich völlig unabhängig vom irdischen entwickelt hat.
Die Panspermtheorie hätte einen deutlichen Dämpfer.

Allerdings glaube ich nicht, dass es auf der Erde ähnlich alte Fossilien gibt. Meines Wissen sind die ältesten rund 3Milliarden Jahre alt.
... und das wo die Erde auch rückwärts als der geeignetere Plante für die Entstehung von Leben gilt.
Womöglich könnte das bedeuten, das das Leben(!) auf dem Mars sogar noch vor dem auf der Erde entstanden ist.

So knapp nach der Bildung des Sonnensystems wäre das ein deutlicher Hinweis, dass Leben wirklich mit sehr hoher wahrscheinlichkeit überall eentsteht, wo die Bedingungen das irgendwie zulassen.
Durch diese Erkenntnis sollte man dann auf Venus, Europa, Titan und Mimas (und auch "auf" dem Jupiter selbst) nochmal GANZ genauc hinschauen.


Bis dahinn, sind da allerdings noch verdammt viel "wenn"s drin.
Müssten wir allein dem gesunden Menschenverstand vertrauen, so wäre die Welt noch immer eine Scheibe.

Offline redmoon

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #9 am: 26. November 2009, 23:28:57 »
Hallo Pham,

Zitat von Dir :  "Die versteinerten "Bakterien" sind nach meinem Wissen deutlich kleiner als irdische (heutige) Bakterien..." 

Die Größe der eventuellen Bakterien in ALH 84001 soll doch zwischen 20 und 100 Nanometern betragen ( http://www.lpi.usra.edu/lpi/meteorites/life.html - unter B.1: "Shapes that Resemble Bacteria" ). Das ist eindeutig kleiner, als es von "normalen" irdischen Bakterien her bekannt ist. Aber  es gibt da auch eine allerdings etwas kontrovers geführte Debatte über die eventuelle Existenz sogenannter Nanobakterien auf der Erde.

Die in dem verlinkten Wikipedia-Artikel aufgeführten Argumente scheinen mir eher gegen die Existenz solcher Nano-Bakterien als selbstständig lebensfähige Lebensformen zu sprechen. Andererseits, so meine ich, wissen wir bisher noch viel zu wenig über die Prozesse, welche zur Entstehung von Lebensformen führen können. Und noch viel weniger wissen wir über das, was dann letztendlich bei diesen Bildungsprozessen "heraus kommt". Wie groß müssen solche organischen Lebensformen im Minimalfall sein, wie funktioniert dann ihr Stoffwechsel, wie erfolgt die Reproduktion und die daraus resultierende Weitergabe der DNA-Informationen...

Sollte es sich jedoch bestätigen, dass es diese sogenannten "Nano-Bakterien" wirklich auf der Erde gibt, dann würde die geringe Größe der eventuellen Marsbakterien auf bzw. in ALH 84001 nicht dagegen sprechen, dass diese ( eventuellen ) Bakterien mittels Meteoritentransport von einem Planeten zum anderen gereist sind und als Panspermien, ausgehend von einem Planeten, den nächsten Planeten "infiziert" hätten. In welche Richtung die "Infizierung" zuerst erfolgt sein könnte ( vom Mars Richtung Erde oder umgekehrt ), das dürfte dann allerdings nur sehr schwer zu klären sein...

Auch in Bezug auf die Panspermien-Theorie, welche ich zwar prinzipiell nicht ablehne, aber doch eher "etwas weiter wegschieben möchte", bleibt es also auf jeden Fall weiterhin spannend...

An Stelle der Panspermien-Theorie vertrete ich persönlich allerdings eher die Meinung, dass sich auf jedem Himmelskörper, welcher theoretisch die Bedingungen für die Entstehung von Leben aufweist oder früher vorweisen konnte ( in erster Linie wäre dies für mich "flüssiges Wasser" ), auch biologisches Leben in unserem Sinne gebildet haben könnte. Hier stimme ich Die dann wieder voll und ganz zu! Wir müssen "bloß mal nachschauen"...

Schöne Grüße aus Hamburg und bis morgen in Berlin - Mirko
Nicht ewig bleibt die Menschheit auf der Erde - Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski

Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #10 am: 27. November 2009, 00:05:53 »
Die Größe der eventuellen Bakterien in ALH 84001 soll doch zwischen 20 und 100 Nanometern betragen

Hallo Pham und Mirko,

so wie ich es verstehe geht es doch gar nicht um die Größe der Bakterien, die als Fossile in dem Meteoriten zu finden sein könnten. Vielmehr weiß man seit den Siebziger Jahren, dass es Bakterien gibt, die einen bestimmten, länglichen Kristallkomplex aus Fe3O4 oder Fe3S4 in sich tragen, der als Dipolmagnet fungiert und den Bakterien so die Orientierung an einem Magnetfeld erlaubt. Diese magnetischen Nanokristalle nennt man als Bestandteil der bakteriellen Zelle Magnetosomen und eben diese Magnetosomen, bzw. Kristallstrukturen hat man in ALH 84001 gefunden.

Laut des Papers ist es vor allem der chemische Reinheitsgrad dieser Spuren im Gestein, der mehr auf einen biologischen als auf einen thermischen/geologischen Ursprung hindeutet.

Im Sommer diesen Jahres wurden in einem Kratersee in Indien, der durch einen Meteoriteneinschlag vor 50.000 Jahren entstand, ebenfalls solche Bakterien entdeckt: http://www.ias.ac.in/currsci/apr102009/957.pdf

Auch dort sind die Magnetosomen nur wenige Nanometer groß/lang. Zitat aus dem oben verlinkten Dokument: "The magnetic nano-crystals in the 4.5-Ga-old Martian meteorite ALH84001 are found to be similar to the bacterial magnetosomes." - "Die magnetischen Nanokristalle in dem 4,5 Mrd. Jahre alten Marsmeteoriten ALH 84001 entsprechen bakteriellen Magnetosomen."

Auch manches irdisches Gestein hat seine Magnetizität durch den Einschluss von Magnetosomen fossiler Bakterien erhalten.

Bis morgen in Berlin,
Timo

H.J.Kemm

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #11 am: 27. November 2009, 11:51:00 »
Moin,

da Timo und ich annehmen, dass dies Thema noch interessant wird, haben wir die bisherigen Beiträge hier zusammengefügt.

Jerry

astro112233

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #12 am: 28. November 2009, 10:15:56 »
Hallo zusammen,

Frage:
Wie kommen Mars- oder Mondmeteorite auf die Erde?

So funktioniert das.







Gruß Konrad

Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #13 am: 28. November 2009, 16:48:48 »
Was mich der Aussicht gegenüber, dass es sich bei den Spuren in ALH 84001 tatsächlich um Spuren biologischer Aktivität handelt, am skpetischsten macht, ist das geschätzte Alter des Meteoriten: 4,5 Mrd. Jahre. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie sich auf einem nur wenige hundert Millionen Jahre alten Mars Leben entwickelt haben soll.

Online -eumel-

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #14 am: 28. November 2009, 21:36:58 »
Naja, das Leben muß ja nicht zusammen mit dem Stein entstanden sein.
Das Gestein ist vor 4,5 Milliarden Jahren enstanden und wurde vielleicht vor 10 Millionen Jahren von den Mikroorganismen besiedelt.
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 25. Oktober 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Offline Brainstorm64

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #15 am: 28. November 2009, 22:36:16 »
Dazu müsste die Frage beantwortet werden, wann der Meteorit vom Mars abgesprengt wurden, und seine Reise durch das Sonnensystem in Richtung Erde begann. Das wäre dann auch der letzte Moment, wo er von Bakterien besiedelt werden konnte (da wärt Ihr jetzt nicht draufgekommen) ;)

Was also ist mit den 4,5 Mrd Jahren Alter gemeint? Der Zeitpunkt als das Gestein überhaupt entstanden ist, oder der Zeitpunkt zu dem der letzte Kontakt zum Mars bestand? Oder etwas ganz anderes?
Schödingers Katze ist jetzt 77 Jahre alt, glaubt Ihr wirklich daß die noch lebt?

H.J.Kemm

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #16 am: 28. November 2009, 22:41:06 »
Moin,

Im Vergleich zu anderen Marsmeteoriten, welche meist ein relativ junges geologisches Alter haben, entstand ALH 84001 bereits vor zirka 4 Milliarden Jahren. Gemäß Messung des Bestrahlungsalters wurde ALH 84001, vermutlich durch den Impakt eines Asteroiden auf dem Mars, vor etwa 15 Millionen Jahren von der Marsoberfläche weggeschleudert und landete vor etwa 13.000 Jahren auf der Erde.

So steht es in WIKIPEDIA.

Jerry

Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #17 am: 29. November 2009, 14:23:32 »
Naja, das Leben muß ja nicht zusammen mit dem Stein entstanden sein.

Das stimmt natürlich. Man geht ja davon aus, dass der Stein erst vor 16 Millionen Jahren seine Reise zur Erde angetreten hat. Aber kann man denn Aussagen über das Alter der magnetischen Nanokristalle treffen?

Nebenbei: Wie hat man überhaupt das Alter des Meteoriten bestimmt? Und wie kommt man auf die 15-16 Mio. Jahre Reisezeit?

Online -eumel-

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #18 am: 29. November 2009, 15:46:39 »
Das ist eine gute Frage.
Auf welcher Grundlage wird sowas ermittelt?

Auf der Erde wird zur Altersbestimmung von Fossilien oft die C14 Methode angewendet.
Ist die im Falle von Mars-Fossilien auch anwendbar?
Ist das Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope überall gleich?

Aber wie will man den Zeitpunkt ermitteln, als der Stein seine Reise vom Mars begonnen hat und wann er auf der Erde aufgeschlagen ist? ???
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Offline Schillrich

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #19 am: 29. November 2009, 16:00:10 »
Hallo Jörg,

mit C14 kommst du aber nicht auf Millionen Jahre als erfassbaren Zeitraum, das sind eher ein paar 10000 Jahre, die man damit "sicher" erfassen kann.

Überall gleich ist die Isotopenzusammensetzung nicht, zumindest nicht pauschal. Das ist ja eine der "Schwächen" von C14. Man muss eine Annahme zur damaligen Zusammensetzung treffen, um von da an rechnen zu können.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"Failures are ammo in your arsenal, not baggage that weighs you down." (JPL)

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #20 am: 29. November 2009, 16:06:49 »
Dachte ich mir doch.
Deshalb kann ich mich auch nicht erinnern, etwas über das Alter des Fossils gelesen zu haben.

Wie wird das dann ermittelt?
Vor allem das Alter des Steins, Beginn und Ende der Reise.



 
Nächster Berliner Stammtisch am Freitag, dem 25. Oktober 2019 ab 19:30 Uhr in der Bar Gagarin.

Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #21 am: 29. November 2009, 16:59:11 »
Zur Bestimmtung der Länge der Reisezeit:

Da macht man es anscheinend so, dass man nach den Produkten der kosmischen Strahlung im Gestein schaut.

Durch die permanente Bombarbierung mit Protonen und Alphateilchen entstehen im Gestein so genannte kosmogene Nuklide, also Atomkerne, die durch den Beschuss mit Teilchen der kosmischen Strahlung entstanden sind, auch Spallationsprodukte genannt.

An Hand der Menge dieser Spallationsprodukte kann man abschätzen, wie lange der Stein ungeschützt im Weltraum umhergefallen sein muss.

Hier gibt es etwas darüber: http://lexikon.astronomie.info/meteorite/

Online -eumel-

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #22 am: 30. November 2009, 00:54:18 »
Gut. Wieder was gelernt.

Aber woher weiß man, welche Atome ursprünglich im Stein vorhanden waren und wieviel Strahlung er bereits auf dem Mars ausgesetzt war?
Wie stark ist die kosmische Strahlung auf dem Mars?
Immerhin hat der Mars keine nennenswerte Atmosphäre und kein schützendes Magnetfeld.
In welcher Tiefe hat er zuvor auf dem Mars gelegen?
Wie viele Spallationsprodukte werden in einer Million Jahren wirklich gebildet?
Wann begann die Reise?
Wie stark war die kosmische zu diesem Zeitpunkt?
Wie waren die Umweltbedingungen auf dem Mars zu diesem Zeitpunkt?
Wie genau kann aufgrund dieser Ungewißheiten die Bestimmung der Reisedauer sein? 
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Staufi

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #23 am: 30. November 2009, 03:20:10 »
Hier ist ein Artikel vom vermuteten Ursprungsort von ALH 84001: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/257711.html


Offline Kreuzberga

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Re: ALH 84001 / Marsmeteorit
« Antwort #24 am: 30. November 2009, 13:00:53 »
Laut des Artikels entspricht die Zusammensetzung des Meteoriten recht genau derjenigen in der Region Eos Chasma im südlichen Valles Marinares auf dem Mars. Sollte der Meteorit dort her stammen, hier mal ein Bild zur Illustration:


Bild: ESA/DLR/FU-Berlin (G. Neukum)

Die Krater auf dem Bild haben teilweise Durchmesser von mehr als 20km (zumindest die beiden Großen rechts). So ein Impakt hätte die Energie gehabt Material auf die Fluchtgeschwindigkeit des Mars zu beschleunigen. Vielleicht sehen wir dort also tatsächlich den Entstehungsort des Meteoriten?  8)

@eumel: Alles berechtigte Fragen! Vielleicht findet sich hier im Forum ja noch jemand, der sich damit auskennt. Martin vielleicht?

Mich würde auch interessieren, ob es möglich ist zu bestimmen, aus welcher Tiefe der Gesteinsbrocken ursprünglich stammt.

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