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Autor Thema: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist  (Gelesen 13898 mal)

Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #25 am: 15. November 2010, 01:49:16 »
Kostenkontrolle beim JWST:
http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/14112010105629.shtml

Der Redaktionsartikel schließt mit dem Satz:
"Die NASA ist laut Bolden verpflichtet, einen gangbaren Weg zu finden, auf dem mit realistischen Finanz- und Zeitplänen gearbeitet wird."

Das Diagramm dort zeigt den Unterschied zwischen letztes, von Obama bereits erhöhtes Astro-JWST-Budget (schwarze Linie) und der neuen Schätzung der Kommission (violette Linie).

Schauen wir mal, was die Kommission gemacht hat: -  Die hat 10 Wochen gearbeitet und Interviews geführt.
1. man nahm die Schätzung aus dem Projekt (Center Estimation),
2. hat diese angepasst aufgrund von 4 Veränderungen (Puffer Reserven für die restlichen Jahre; Launch in 2015; Risiken und Garantien; Aufwand für rückständige Arbeiten)
3. man hat die Zahlen mit einem Komplexitätsfaktor hochgerechnet.
Die Center Estimation liegt bei 6.0 Mrd., die angepaßte bei 6,2 und die der Kommision dann bei 6,5 Mrd. (im Budget sind bisher aber nur 5,0 Mrd.)

Was will Bolden oder das Management da jetzt machen? Nur das ausgeben, was bisher jährlich geplant war und das Programm strecken? Das ist genau das, was man 2008/2009 getan hat. Man hat mit der Brechstange das Jahresbudget eingehalten, aber so sind die notwendigen Aufwände für die nächsten Jahre nur höher angestiegen und der verschobene Start verursacht Mehrkosten.

Das wird richtig schwer.

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #26 am: 17. November 2010, 10:01:10 »
Das die Verantwortlichen nach so einer Blamage einen Kotau machen und Besserung geloben ist allerdings auch nichts neues ;)
Das Problem ist aber, das bei solch großen Behörden nur jeder einen hohen Posten mit dem entsprechenden Gehalt haben will, aber nicht die Verantwortung.
Und die, die in diesen Positionen sind, haben von der eigentlichen Materie wenig Ahnung aber gute Beziehungen in der Partei oder sonst wo, um in die Position zu gelangen.

D.h.aber auch das sie den Teufel tun werden um mit irgend was fest genagelt zu werden, was dem eigennen weiter kommen schadet. Diese Posten dienen ihnen nur oft als Reverrenz für den nächst höhren Posten in dieser oder einer anderen Behörde.

Mfg Collins
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websquid

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #27 am: 17. November 2010, 15:29:25 »
Und die, die in diesen Positionen sind, haben von der eigentlichen Materie wenig Ahnung

Das mag durchaus stimmen. Sollte die NASA ihre Führungspositionen also anders besetzen? Verdiente Ingenieure zu Wirtschaftsingenieuren weiterbilden, so dass sie sowohl von der Technik als auch von der wirtschaftlichen Führung Ahnung haben?

Wenn nur "Fachidioten" zur Verfügung stehen, kann das ganze scheinbar nicht funktionieren, also muss der Fokus darauf liegen, die Führungskräfte in mehreren Ebenen (technisch, organisatorisch, betriebswirtschaftlich) aus-/fortzubilden.

mfg websquid

Offline Crest

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #28 am: 17. November 2010, 19:10:00 »
Dann bleibt immer noch das Problem, dass aus (Projekt)-politischen Gründen die Kosten absichtlich zu niedrig angesetzt werden, um ein Projekt überhaupt durchzubringen.

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #29 am: 19. November 2010, 10:53:31 »


Wenn nur "Fachidioten" zur Verfügung stehen, kann das ganze scheinbar nicht funktionieren, also muss der Fokus darauf liegen, die Führungskräfte in mehreren Ebenen (technisch, organisatorisch, betriebswirtschaftlich) aus-/fortzubilden.

mfg websquid
[/quote]

1. Eine Ausbildung wie wir sie ihr in Deutschland kennen gibt es in der U.S.A. nicht.

2. Ein "ernannter" wird immer ihm getreue Leute auf wichtige Positionen setzen, wo er sicher sein kann das sie seine Liene durchsetzen. Egal wieviel sie von der Materie verstehn.
Es ist mehr ein politscher Akt als ein betreibswirtschaftlicher.

3. Die NASA ist ja nicht nur für den Weltraum zu ständig sondern auch noch für die Luftfahrt.

4.
Dann bleibt immer noch das Problem, dass aus (Projekt)-politischen Gründen die Kosten absichtlich zu niedrig angesetzt werden, um ein Projekt überhaupt durchzubringen.

Einige Projekte sind wirklich nur rein Politisch um Arbeitsplätze zu erhalten und damit dem Senartor die nächste Amtszeit zu sichern ( oder einen anderen Politiker).

Die wissen oft auch im voraus das einiges zu teuer ist, und offen durch weg lassen einiger Punkte (z.B. Starkosten), wenn das Projekt an gelaufen ist, das die weiter Finanzierung
irgendwie schon klappt.

Mfg Collins
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Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #30 am: 20. November 2010, 16:20:23 »
Ich wollte anmerken,
- die Großindustrie ist zwar anders aber ähnlich bürokratisch angelegt wie eine Behörde.
- Fortbildung ist immer gut, aber ich glaub nicht, dass mit ein bisschen Fortbildung solche Fehlschätzung wie beim JWST und anderswo erklärbar/lösbar sind.
- zu den Kernkompetenzen von Führungskräften gehört es, ihre Kostenstellen zu überwachen, da sollte man meinen, dass das mit Budgets ganz gut klappt. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Am meisten überzeugt mich noch das Argument, dass man zu Beginn große Ideen hat, deren Details und Auswirkungen man kaum abschätzen kann und den Verbindlichkeitscharakter einer Schätzung gar nicht zuläßt.
In der Industrie heißt das dann Risikobereitschaft und Unternehmertum. ;)

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #31 am: 22. November 2010, 16:41:41 »
@tomtom
Eine Großindustrie muß aber auch am Jahresende einen Gewinn erwirtschaften um zu überleben, und eine Behörde nicht. Da zahlt ein Unbekannter (hier der Steuerzahler) die Rechnung egal wie hoch sie ist.

Mfg Collins
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Offline tobi

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #32 am: 22. November 2010, 18:16:18 »
@tomtom
Eine Großindustrie muß aber auch am Jahresende einen Gewinn erwirtschaften um zu überleben, und eine Behörde nicht. Da zahlt ein Unbekannter (hier der Steuerzahler) die Rechnung egal wie hoch sie ist.

Mfg Collins

Das ist das Problem. Eine Behörde kann soviele Schulden machen wie sie will und wer muss das wohl ausbaden....? >:(
Ein Loch in der Sojus, 6 Menschen in Gefahr: große öffentliche Aufregung.

Eine Rakete fliegt über Kourou, Tausende Leben in Gefahr. Schweigen bei ESA/CNES.

Offline runner02

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #33 am: 22. November 2010, 19:28:09 »
Der Administrator?

Der wird im Notfall politisch 'geköpft'.


Ansonsten meintest du sicher den Steuerzahler...  ;D
(über Musk) “He wants to make people a multi-planet species, and he’s not going to quit. He’ll change the model, or he’ll spend more of his own money—he’ll do something. He’s not in it to build the rockets; that’s a means to an end. It’s a religion for him.”

Online Flandry

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #34 am: 22. November 2010, 19:43:31 »
@tomtom
Eine Großindustrie muß aber auch am Jahresende einen Gewinn erwirtschaften um zu überleben, und eine Behörde nicht. Da zahlt ein Unbekannter (hier der Steuerzahler) die Rechnung egal wie hoch sie ist.

Mfg Collins

Du "vergisst" da allerdings zwei Kleinigkeiten:

Eine Behörde darf keinen Gewinn machen.
Eine Behörde muss den ihr zugewiesenen Etat aufbrauchen.

Wenn sie das nicht tut, bedeutet das, dass ihr 'zuviel' Geld zugewiesen wurde -wurde ja nicht gebraucht-, und der Etat im nächsten Jahr entsprechend gekürzt wird.

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #35 am: 23. November 2010, 07:12:02 »
Und da liegt der Hase im Pfeffer.  8)

Mfg Collins
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Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #36 am: 20. Dezember 2010, 17:03:20 »
The Space Review macht einen weiteren Erklärungsversuch, warum Budgets und Zeitpläne in der Regel überschritten werden, speziell beim JWST. Genannt werden aber auch NPOESS, TSAT, Mars Sciences Laboratory, u.a.

- innovatives Technologieprojekt (zumindestens JWST galt jedoch als technisch gut geführt)
- steigende Leistung führt zu größerer Komplexität
- man ist einfach schlecht im Schätzen. Leute im Raumfahrt-Geschäft neigen dazu zu optimistisch zu sein.
- Die Leute wollen die Wahrheit nicht hören! Besonders Manager und Politiker.

Da ist was dran. ;)

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #37 am: 20. Dezember 2010, 21:33:04 »
Da stimme ich dir voll und ganz zu.   :)

Mfg Collins
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Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #38 am: 18. Februar 2011, 14:20:58 »
Das US Government Accountability Office (also quasi was hierzulande der Bundesrechnungshof ist) hat einen Bericht abgeliefert, in der auch die NASA vorkommt und in dem die massiven Schwierigkeiten mit der Planung und Planeinhaltung von Projekten untersucht wird. Man fordert u.a. Verbesserungen für die Entscheidungsträger durch unabhängige Planungsinformationen. Quelle
Zitat
- enhancing cost-estimating methodologies and as of 2009 ensuring that independent analyses are used to provide decision makers with objective representation of likely project cost and schedule results
- implementing a management review process in 2006 to enable it to more effectively monitor a project's performance, including cost, schedule, and cross-cutting technical and nontechnical issues.
Benannt ist natürlich auch das JWST-Projekt, dessen Review-Panel signifikatante Pannen im Management, Controlling und Kostenschätzung festgestellt hat.

Schaut man dann auf die Homepage von GAO, findet man sogar eine 420-seitige Guideline zum Thema Kostenschätzung! Quelle (sogar recht aktuell von 2009). Diese ist dann zu einem großen Anteil geprägt durch die Forderung nach der Earned Value Methode (EVM), was auch im Zusammenhang mit der Nasa des öfteren gefordert und dort auch praktiziert wird.

Ich selbst habe nicht nur gute Erfahrungen mit EVM gemacht und halte sie von daher für etwas überschätzt. Allein schon aus dem Grund würde ich dann doch eher ein Fan der NewSpaceCommercial Fraktion werden. ;)

Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #39 am: 23. Februar 2011, 00:26:09 »
Gemäß diesem Report
http://www.nasa.gov/pdf/518642main_11-02_AuditFinance.pdf
ist die Nasa seit April 2010 dabei, ein agenturweites System EVM Controlling einzuführen. Dabei hat man aber wohl erhebliche Problem und resultiert in der Aussage:
Nasa muß noch verstehen, wozu EVM bezüglich Kosten in der Lage ist oder nicht.

Na dann, viel Spass ;)
Zur Erläuterung, man verbindet damit gerne die Vorstellung, Projekte anhand von Kennzahlen zu steuern. Instrumente zur Steuerung machen natürlich Sinn, aber es ist jedoch ein bisschen so, als wolle man Autofahren nur nach Instrumenten durchführen, da fährt man dann allerdings sehr schnell gegen die Wand.

BTW: die Nasa will ihr Supply Management System auf SAP umstellen.

Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #40 am: 26. April 2011, 00:28:13 »
hier eine wie ich meine bemerkenswerte Studie von Edgar Zapata/ Russel-E. Rhodes über die Erfahrungen mit Kostenentwicklungen u.a. beim Shuttle und der Saturn V.

Eine Kernaussage darin ist, dass die üblichen Prozesse zur Kostenkontrolle im Rahmen von Budgetprozessen, Reporting Prozessen (incl. Earned Value Methode) und Assessment Prozessen (review boards, unabhängige Studien etc.) nicht wirklich zur Kostenkontrolle taugen, da keine dieser Prozesse effektiv sind, um durch Designänderungen wirksame Ergebnisse in der Optimierung von Produktions- Herstell- und Betriebskosten zu bewirken. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

http://science.ksc.nasa.gov/shuttle/nexgen/Shuttle_Shortfalls.htm


Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #41 am: 24. August 2011, 12:45:46 »
Auf der NASA-Seite wurde jetzt ein interessanter Beitrag zum Thema beblogged:
http://blogs.nasa.gov/cm/blog/mattatnasa/posts/post_1314035416289.html

"Anleitung, wie man ein Projekt vor die Wand fährt"

Schritt 1: Definiere ein Projekt  mit den Zielen A, B und C. Sorge für eine solide Finanzierung dieser Ziele.

Schritt 2: Das Projekt muß jetzt unter dem Einfluß von mehr als einer Person gestellt werden, die dem Projekt eine Richtung geben sollen.

Das geht auf verschiedene Art, zb. durch Kommitees, Verantwortungsgremien, Berichterstattung an diverse Manager und/oder mit Center of Guidance. Wichtig ist nur, dass am Ende mindestens zwei Leute da sind mit verschiedenen Prioritäten, die im Projekt was zu sagen haben.

Schritt 3: Ein Manager fügt nun Ziel D und E hinzu. Das Projekt bekommt dafür aber kein zusätzliches oder ausreichendes Geld.

Anfängliche Erfolge werden optimistisch dargestellt und in die Zukunft extrapoliert.

Schritt 4: Verbinden und Kabelpflaster

Jetzt fangen die Probleme an, man hat Ziele A, B, C, D und E, aber keine klaren Prioritäten. Man macht jetzt an allem, aber eben nur noch mangelhaft.

Schritt 5: Das Management ist uneinig über die Prioritäten

Die Projektmitarbeiter eskalieren die Probleme ins Management. Sie können nicht weitermachen, wenn nicht Aufgaben gestrichen oder die Ressourcen erhöht werden. Daraufhin
- Manager1: Ressourcen sind ausreichend für ABC. D und E sind unwichtig. Also gibt es nicht mehr Geld.
- Manager2: Ressourcen sind ausreichend für ADE. B und C sind unwichtig. Also gibt es nicht mehr Geld.
- usw.

Schritt 6: Rettungsmaßnahmen und Moral

In dieser Phase arbeiten die Projektmitarbeiter von Monat zu Monat. Solange das Management keine Lösung schafft, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Projektmitarbeiter demotiviert werden und das Projekt verlassen. Wenn das Management in dieser Phase die Dinge ändert, könnte das Projekt gesichert werden. Wenn nicht, dann ...

Schritt 7: Es ist zu spät

Nach diesem Schritt ist es wahrscheinlich zu spät, das Projekt zu retten. Auch wenn das Management Änderungen herbeiführt, können keine Verbesserungen eintreten, weil zwischenzeitlich zu viele Verluste an Personal, Goodwill, Reputation, etc. im Projekt eingetreten sind.

Projekt gescheitert.
« Letzte Änderung: 25. August 2011, 09:11:28 von tomtom »

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #42 am: 26. August 2011, 10:57:59 »
Schritt 8 :
Achte darauf das der andere und nicht du der schuldige ist.  8)

Mfg Collins
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Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #43 am: 04. Juli 2012, 00:48:06 »
Ich zitiere hier mal einen Bericht des Focus, der über die Probleme beim Flughafenbau Berlin berichtet. Es geht da also nichtmal um Raumfahrt. Der Flughafen soll zu 1,2 Mrd € Mehrkosten führen. Schlagzeilen machen andere Großprojekte. Raumfahrt scheint nicht mehr vorne in den Schlagzeilen zu stehen.

Der Focus gibt dabei der Politik die Schuld an Budget und Zeitüberschreitungen und läßt dabei auch den Wirtschaftswissenschaftler Werner Rothengatter zu Wort kommen. Auch in dem Bericht wird festgestellt, dass oft zu optimistische Annahmen vorangestellt werden, zuviel Optimismus in der Ausschreibungsphase zum Auftrag führen sollen und später Nachberechnet wird.

Das beim Flughafen BER als auch bei Stuttgard 21, u.a. diverse Probleme auftreten, ist leicht verständlich, aber offensichtlich hat wohl am meisten die Politik ihre Hausaufgaben zu überarbeiten.

Immerhin scheinen Raumfahrtprojekte noch nicht mit den Widerständen zu rechnen, mit denen Infrastrukturvorhaben wie neue Verkehrswege und Energietrassen zu kämpfen haben.

http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-26329/kosten-steigen-um-milliarden-die-luegenbilanz-der-deutschen-grossbauprojekte_aid_773780.html

Offline Kryo

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #44 am: 04. Juli 2012, 11:32:02 »
Raumfahrt ist überhaupt nicht präsent genug um auf Widerstand zu treffen. Und da für Raumfahrt keine wirklichen Großbaustellen notwendig sind, zumindest nicht in Europa bzw in dicht-besiedelten Teilen Europas, sondern höchstens große Firmengelände, gibt es keinen Grund, dass irgendwer Widerstand organisiert.

Selbst die Geldmengen, die zwar groß sind, sind verglichen zu anderen aktuellen Ausgaben so gering, dass auch hier kein Widerstand nie nicht zu erwarten ist.

Offline Collins

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #45 am: 06. Juli 2012, 23:23:38 »
Raumfahrt ist überhaupt nicht präsent genug um auf Widerstand zu treffen. Und da für Raumfahrt keine wirklichen Großbaustellen notwendig sind, zumindest nicht in Europa bzw in dicht-besiedelten Teilen Europas, sondern höchstens große Firmengelände, gibt es keinen Grund, dass irgendwer Widerstand organisiert.

Selbst die Geldmengen, die zwar groß sind, sind verglichen zu anderen aktuellen Ausgaben so gering, dass auch hier kein Widerstand nie nicht zu erwarten ist.

Ich glaube nicht das sich tomtom darauf bezog.
Er wollte damit sagen, das es sich mache zu einfach machen. Sie setzen Dinge vorraus, die dann in der Wirklichkeit nicht funktionieren oder nur nach einem total Umbau bzw. einer sehr aufwändigen Anpassung. Dies treibt dann den Preis in die Höhe.
Auch wird wie jetzt z.B. beim Flughafen BER die Zeit zu knapp kalkuliert. Da braucht nur einer ein Problem nicht in der vorgegebenen Zeit lösen, schon kommt das ganze Projekt in Zeit Not, weil der Rest auf Stand By gehalten werden muß.

Mfg Collins 
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Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #46 am: 28. August 2014, 12:11:17 »
Das SLS soll 7 Mrd $ kosten. Ein Anlaß, diese Thread mal wieder hervorzuholen :)
 
Leider gibts keine Detailinfos oder falls die jemand findet, bitte posten.

Aber ich fand eine Präsentation über Kostenschätzungen allgemein und siehe da:
Das NASA/USAF Schätztool NAFCOM gibt es nicht mehr, wird ersetzt durch "PCEC-Initiative (Projekt-Kosten-Schätzungs-Fähigkeit).

Außerdem wird dort das Key Decision Point C als Genehmigungsereignis zwischen PhaseA/B und Phase C/D erläutert.

Und dann werden da noch diese unsäglichen Sandbox-Diagramme für Projekt-Budgetverlaufe kritisiert.

http://nia-cms.nianet.org/RASCAL/PDFs/nASA-Cost-Estimating_14.aspx

Die NASA macht offensichtlich doch noch Fortschritte. :)

« Letzte Änderung: 28. August 2014, 12:35:26 von Schillrich »

Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #47 am: 17. Juli 2017, 23:18:43 »
Warum fallen Zeit-/Aufwandsschätzungen, auch oder gerade in der Raumfahrt, zu optimistisch aus?
https://futurism.com/new-tech-may-temper-space-companies-overly-optimistic-timelines/

Der Artikel erklärt es an einem Teilaspekt, das zu sehr best-case geschätzt wird, die eigenen Fähigkeiten überschätzt und zuwenig externe Faktoren berücksichtigt werden.

Was ursprünglich mal vor allem den staatlichen Projekten angelastet wurde, dass ihre Planungen meist nicht stimmen, trifft nun wohl auch auf die privaten Raumfahrtprojekte, die ja mal angetreten sind, es besser/schneller/billiger zu machen.

Offline Haus Atreides

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #48 am: 21. Juli 2017, 11:58:05 »
Guter Artikel und das Video darin sollte sich wirklich jeder mal anschauen.

Offline tomtom

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Re: Aufwand-Schätzungen - der Unterschied zwischen Plan und Ist
« Antwort #49 am: 15. Juni 2018, 16:03:19 »
Der Kongress und die NASA befassen sich mal wieder mit Zeit- und Budgetüberschreitungen, deren Gründe und wie man es vermeiden könnte. Das wäre schon nicht mehr erwähnenswert, weil eigentlich jeder schon mitbekommt, dass es laufend irgendwelche Verzögerungen oder Mehrkosten gibt.

https://gizmodo.com/congressional-subcommittee-grills-nasa-on-skyrocketing-1826839383
http://spacenews.com/hearing-identifies-wide-range-of-causes-for-nasa-cost-and-schedule-woes/

Neben den üblichen Erklärversuchen (Rocketscience, Man-sei-zu-dämlich, gute-Kostenschätzungen-zu-machen, es-ändert-sich-so-viel-im-Laufe-der-Zeit, etc.), sind ein paar Sachen dennoch bemerkenswert:

- Zunächst mal scheint das GAO festzustellen, dass das Problem immer größer wird. (noch längere Verzögerungen, noch höhere Mehrkosten in vielen verschiedenen Projekten). (Obwohl man ja nach der Constellation-Kündigung formal aus dem Planungsdruck raus wollte, hat man nicht viel auf die Kette bekommen).

- Von der Politik wird gefragt, ob der JCL-Ansatz (joint confidence level) richtig sei oder andere Werkzeuge zur Planung erforderlich wären. (JCL ist eigentlich wegen der Planungsprobleme erfunden worden, wurde aber zb. beim SLS nur sehr defensiv eingesetzt).

- Als Beispiele für Ursachen werden u.a. genannt:
--- die Mentalität "Kultur des Optimismus" - positiv Denken führt zur Unterschätzung von Aufwänden
--- die Mentalität "to-big-to-fail" - etwas ist zu groß, enthält zu viel Investments um noch Scheitern zu können und führt zu grenzenlosen Überschreitungen.
--- "Vermeidbare menschliche Fehler",
--- "Probleme bei Zulieferen",
--- Überalterung/Nachwuchssorgen ("die Hälfte der Mannschaft ist über 50"). Hab ich in der Raumfahrt so noch nicht gehört, scheint aber auch da angekommen zu sein. "Man braucht den Enthusiasmus von jungen Mitarbeitern". Und die sind dann frustriert von Paperwork anstatt motiviert von Hardware Erfahrungen. Die NASA ist dann gegenüber der Industrie unattraktiv.

Am Ende applelliert die Politik, Leistung zu bringen.

Man darf gespannt sein, wie es mit SLS/Orion/CCDev/JWST etc. und neuen Projekten LOP/WFIRST/EuropaClipper bezüglich Kosten/Zeitaufwand weitergeht.

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