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Autor Thema: Reise zur Sonnenfinsternis in Chile 2019  (Gelesen 1777 mal)

Online fl67

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Re: Reise zur Sonnenfinsternis in Chile 2019
« Antwort #25 am: 09. Oktober 2019, 02:38:15 »
Donnerstag, 27.06.2019, Tag 8: Fahrt nach Antofagasta

Wir verlassen San Pedro und fahren mit dem Bus etwa 300km nach Antofagasta an die Küste.
Unterwegs halten wir in der Geisterstadt Chacabuco und am Eisenbahnmuseum Baquedano.

Zunächst fahren wir durch die staubtrockene Wüstenlandschaft.
(wenn hier nur [Limit reached] zu sehen ist, die Seite neu laden...)

Wir sehen die riesigen Abraumhalden (genannt "Torten") der nahen Kupfertagebaue.
Der Berg im Hintergrund ist künstlich aus dem Abraum der Kupfermine entstanden.
Man beachte den Lieferwagen vor der "Torte" als Größenvergleich (Bild gaaanz groß anzeigen).

Einmal müssen wir rechts ranfahren und anhalten, weil ein Convoy von Tiefladern mit Überbreite entgegen kommt.
Die Tieflader sind mit neuen gewaltigen Muldenkippern beladen, mit denen das Kupfererz aus den Tagebauen transportiert wird.
An einer Raststätte sehen wir so einen Muldenkipper. Dieser ist offenbar (so verstaubt wie er ist) ein gebrauchter.
Es fehlt die Kippmulde, die separat auf einem anderen Tieflader transportiert wird. Die Reifen haben ein Durchmesser von etwa 4 Metern.
Dies ist ein Modell 789D der Firma Caterpillar. Der Motor hat 2100 PS bei 78 Liter Hubraum.  :o
Er wiegt leer ohne Mulde, wie hier zu sehen, 99 Tonnen, und kann 181 Tonnen Erz aufnehmen. Es gibt andere Modelle, die doppelt soviel Nutzlast haben.
https://www.cat.com/de_DE/products/new/equipment/off-highway-trucks/mining-trucks/18107706.html

Diese Tankwagen bringen Schwefelsäure zur Kupfermine. Die Schwefelsäure wird benötigt, um das Kupfer aus dem Erz zu lösen.
"Evite el contacto del ácido con el agua" = "Vermeiden Sie Kontakt der Säure mit Wasser"

Zur Technik der Kupfergewinnung aus dem Erz gibt es hier eine gute Beschreibung:
https://www.geo.fu-berlin.de/geol/institutsleben/exkursionen/chile/tag10/5_kupfergewinnung/index.html


Fotos: fl67


Fortsetzung folgt...


Online Gertrud

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Re: Reise zur Sonnenfinsternis in Chile 2019
« Antwort #26 am: 11. Oktober 2019, 21:29:00 »
Hallo fl67,
nach meinem Urlaub habe ich jetzt Deine wunderbare Erzählung mit Worten und den aussagekräftigen Bildern der sagenhaften Reise nachgelesen.
Diese wunderbare Weite, diese karge Landschaft mit den schnurgraden Straßen beeindrucken mich sehr. An den Grasbüscheln ist toll zu sehen, woher der Wind weht.
Du bringst uns die Natur und Tiere so anschaulich nahe. :)

Bei dem Bild von den Kakteen habe ich einige kleinere Steine gesehen.
War es Euch erlaubt einen kleinen Stein als Andenken mitzunehmen.?
Da hätte ich arg mit meiner Versuchung kämpfen müssen. ::)

Danke für das Mitnehmen in diesen Teil unserer Welt, :)
von Gertrud
die Erklärung zu meinem Avatar:
http://de.wikipedia.org/wiki/NGC_2442
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/ap070315.html
***
Die Gabe des Staunens lässt uns die Welt aufgeschlossener sehen und ihre Wunder würdigen. (Richard Henry Lee)

Online fl67

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Re: Reise zur Sonnenfinsternis in Chile 2019
« Antwort #27 am: 12. Oktober 2019, 15:40:51 »
Bei dem Bild von den Kakteen habe ich einige kleinere Steine gesehen.
War es Euch erlaubt einen kleinen Stein als Andenken mitzunehmen.?

Freut mich, dass es dir gefällt, Gertrud !   :D
Wir hätten jede Menge Steine mitnehmen können, es gibt da ja genug davon !
Ich habe aber stattdessen einen Kaktusstachel als Souvenir mitgenommen.  8)

Online fl67

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Re: Reise zur Sonnenfinsternis in Chile 2019
« Antwort #28 am: 13. Oktober 2019, 18:35:48 »
Donnerstag, 27.06.2019, Tag 8: Fahrt nach Antofagasta

Zwischenstop in Chacabuco

Chacabuco ist eine der vielen verlassenen ehemaligen Siedlungen um Salpeterminen in Chile.
Salpeter werden verschiedene Nitratsalze genannt. In Chile kommt es vor allem in Form von Natriumnitrat NaNO3 vor.
Salpeter wird u.a. zur Herstellung von Dünger und Sprengstoff verwendet. Bereits 1870 wurde von Chile aus 147.000 t Chilesalpeter nach Liverpool und Hamburg verschifft. Die zunehmende Profitabilität der Salpeterexporte führte zwischen 1879 und 1884 schließlich zum Salpeterkrieg zwischen Chile einerseits und Peru und Bolivien andererseits um die Gebiete im heutigen Norden Chiles, wo die ergiebigsten Vorkommen von Chilesalpeter zu finden waren. Chile hat den Krieg gewonnen, und die Gebiete fielen Chile zu, wodurch Bolivien den Zugang zum Pazifik verlor.
Das Salpeterwerk Chacabuco wurde zwischen 1922 und 1924 von der britischen Firma The Lautaro Nitrate Co. Ltd. für mehr als 1 Mio Pfund gebaut. Monatlich wurden etwa 15.000 t Salpeter produziert. Hier arbeiteten zwischen 1400 und 1700 Menschen, meist unter schlechten Bedingungen und bei niedriger Bezahlung. Alles in allem zählte Chacabuco 5-7000 Einwohner.
Durch die zunehmende industrielle synthetische Herstellung von Nitraten kam der Abbau von Salpeter zum Stillstand. Die Produktion hielt nur bis 1940 an, dann wurde Chacabuco geschlossen.
Nach dem Militärputsch durch Pinochet 1973 wurde Chacabuco für 2 Jahre als Gefängnis für politische Gefangene genutzt.
Heute ist Chacabuco ein Nationales Historisches Monument und ein Open-Air-Museum.


Alles ist verfallen, aber es gibt Bestrebungen, die Gebäude zu erhalten und z.T. wieder aufzubauen. Das Goethe-Institut und das deutsche Entwicklungshilfeministerium tragen zur Finanzierung bei.

Blick zu den Arbeiterhäusern:

Das ehemalige Theater ist das am besten erhaltene Gebäude und beherbergt auch eine kleine Ausstellung.

Vom Dach des Theaters hat man einen ganz guten Überblick über das Gelände:

Der ehemalige Supermarkt:

Wassertürme gibt es nicht nur in Boca Chica, sondern auch in Chacabuco. Dieser hier ist fast 100 Jahre alt, kann aber nicht fliegen.
(Die Namensähnlichkeit zwischen Boca Chica und Chacubuco ist kein Zufall, da bin ich sicher.)

Reste der Produktionsanlagen, gebaut in England:


Die gehobenen Angestellten hatten auch ein Kaminzimmer:

Die Stadt ist ein Paradies für Freunde von "Lost Places"....   einige Impressionen:






Fotos: fl67


Fortsetzung folgt...


Online fl67

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Re: Reise zur Sonnenfinsternis in Chile 2019
« Antwort #29 am: Gestern um 01:22:26 »
Donnerstag, 27.06.2019, Tag 8: Fahrt nach Antofagasta

Zwischenstop in Baquedano

Baquedano ist ein weiteres Relikt der Salpeterära. Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke zwischen Calama und Antofagasta. Von hier führt ein Abzweig Richtung Norden.
Die großen Mengen des abgebauten Salpeters wurden mit Güterzügen zur Küste gebracht, wo sie auf Schiffe verladen und in alle Welt exportiert wurden. Nach dem Ende des Salpeterabbaus verlor der Bahnhof an Bedeutung.
Das abgebaute Kupfer wird aber weiterhin per Bahn transportiert, allerdings hält kein Zug mehr in Baquedano.

1873 wurde mit dem Bau der Eisenbahnlinie begonnen. Das Bahnhofsgebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet.

Heute beherbergt das Gelände ein Eisenbahnmuseum, das Museo Ferroviario de Baquedano, und ist ein Nationales Historisches Monument.
Die Lokomotiven und Waggons scheinen dem Verfall preisgegeben zu sein, der Zustand ist z.T. ziemlich erbärmlich.

Alte verfallene Personenwaggons:

Jede Menge alter Güterwaggons:

Wo es Dampfloks gibt, darf ein Wasserturm nicht fehlen:

In einem halbrunden hölzernen Lokschuppen stehen sechs alte Dampfloks aus deutscher und nordamerikanischer Produktion:

...mit einem Drehteller in der Mitte:

Lokomotive Nr. 3525  (die 6 Loks haben die Nummern Nr. 3511, Nr. 3518, Nr. 3501, Nr. 3525, Nr. 3523 und Nr. 3573):

Der Zustand der Lokomotiven lässt zu wünschen übrig, diese ist besonders verstaubt:

Position auf Google Maps: https://www.google.com/maps/place/23%C2%B020'05.8%22S+69%C2%B050'20.8%22W/@-23.334931,-69.839106,1112m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x0:0x0!8m2!3d-23.334931!4d-69.839106


Gegen 17:30 Uhr erreichen wir unser Hotel in Antofagasta, unsere Station für die nächsten drei Nächte, mit Blick auf den Pazifik.  8)

Fotos: fl67


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