InSpace Magazin #522 vom 28. Juli 2014

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #522
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Mars: Wind und Eis formten die Hellespontus Montes

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

der Trägerverein dieser Webseite hat einen offenen Brief an einige Verantwortliche der Rosettamission geschrieben. Worum es darin geht und was es für Reaktionen gab bisher, finden Sie in dieser Ausgabe.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen

Simon Plasger

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• Ein Komet - Drei Ansichten «mehr» «online»
• Messengers Ende weckt Freude bei Forschern «mehr» «online»
• Das staubige Geheimnis einer Supernova «mehr» «online»
• Offener Brief: Echtzeit-Bilder von Rosetta «mehr» «online»
• Open Letter: Rosetta`s pictures in realtime «mehr» «online»
• Rosettas Komet besteht aus zwei einzelnen Körpern! «mehr» «online»
• New Horizons: Kurskorrektur auf dem Weg zum Pluto «mehr» «online»
• Brief für Echtzeit-Bilder von Rosetta: Ein Rückblick «mehr» «online»
• Die Natur der schnellen Radiostrahlungsausbrüche «mehr» «online»
• Der offene Sternhaufen NGC 3293 «mehr» «online»
• Rosettas Komet: Ein erster Blick auf die Oberfläche «mehr» «online»


» Ein Komet - Drei Ansichten
10.07.2014 - Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres sechsten Kurskorrekturmanövers befindet sich die Rausonde Rosetta mittlerweile in einer Entfernung von weniger als 20.000 Kilometern zu dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Fotoaufnahmen vom 4. Juli 2014 zeigen dessen unregelmäßig geformten Kern.
Nach einer Flugdauer von mehr als zehn Jahren, in denen eine Entfernung von rund 6,4 Milliarden Kilometern zurückgelegt wurde, nähert sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Rosetta ihrem eigentlichen Ziel, dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, gegenwärtig immer weiter an. Um am 6. August 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometen eintreten zu können muss die Raumsonde allerdings zuerst noch mehrere Kurskorrekturmanöver (engl. "Orbit Correction Manoeuvre", kurz "OCM") durchführen, mit denen die relative Geschwindigkeit der Raumsonde zu 67P/Tschurjumow-Gerasimenko schrittweise weiter reduziert werden soll. Das bisher letzte OCM wurde am 9. Juli absolviert und hatte eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung von rund 26 Metern pro Sekunde zur Folge. Seit dem heutigen Tag befindet sich Rosetta in einer Entfernung von weniger als 20.000 Kilometern zu dem Kern des Kometen.

Neue Aufnahmen lassen die unregelmäßige Gestalt des Kometenkerns erahnen

Ebenfalls am heutigen Tag wurden von der ESA drei weitere Aufnahmen des Kometenkerns für die Öffentlichkeit freigegeben, welche bereits am 4. Juli 2014 von der NAC-Kamera, der Telekamera des OSIRIS-Kameraexperiments, angefertigt wurden. Bei OSIRIS handelt es sich um die vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelte und betriebene Hauptkamera an Bord von Rosetta. Zum Zeitpunkt der Anfertigung dieser Aufnahmen befand sich die Raumsonde noch in einer Entfernung von etwa 37.000 Kilometern zu dem Kometen.

Die Aufnahmen wurden dabei in Abständen von jeweils vier Stunden angefertigt und decken somit einen vollständigen Rotationszyklus des Kometenkerns ab. Für eine Drehung um seine Rotationsachse, so ein erstes Resultat der bisherigen Untersuchungen des Kometen, benötigt 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eine Zeitdauer von 12,4 Stunden (Raumfahrer.net berichtete). Trotz der immer noch geringen Auflösung von etwa 700 Metern pro Pixel lassen sich durch diese Fotos erste Erkenntnisse gewinnen.

"In diesen Aufnahmen zeigt sich 67P als unregelmäßig erscheinender Körper", so Dr. Holger Sierks vom MPS, der wissenschaftliche Leiter des OSIRIS-Teams.

Obwohl der im Mittel rund vier Kilometer durchmessende Kern des Kometen in diesen Fotos lediglich eine Fläche von etwa 30 Pixeln überdeckt, deutet sich bereits jetzt an, dass 67P/Tschurjumow-Gerasimenko über eine ’kartoffelförmige’ Gestalt verfügt. Die Oberfläche, so das Ergebnis einer ersten Auswertung der Aufnahmen, scheint drei ausgeprägte Strukturen aufzuweisen. Die Fotos deuten zudem darauf hin, dass sich auf dem Nukleus auch eine größere Vertiefung befindet.

Unregelmäßige Formen sind bei realtiv kleinen kosmischen Objekten wie Asteroiden und Kometen nicht unüblich. Bisher wurden fünf Kometen - 1P/Halley, 19P/Borrelly, 81P/Wild, 9P/Tempel und 103P/Hartley - von Raumsonden besucht und im Rahmen von Vorbeiflügen eingehender untersucht. All diese Kometen verfügen über eine unregelmäßige Form. Zuletzt präsentierte sich der Komet Hartley den Kamerasystemen der NASA-Raumsonde Deep Impact am 4. November 2010 als ein in die Länge gestreckter Körper (Raumfahrer.net berichtete).

Öffentlichkeitsarbeit und zeitnahe Freigabe der Aufnahmen

"Zu sehen wie 67P seine einzigartiges Aussehen nach und nach enthüllt, ist ein unglaubliches Abenteuer", so der OSIRIS-Wissenschaftler Jean-Baptiste Vincent vom MPS zu den am heutigen Tag veröffentlichten Aufnahmen.

Mit dieser Aussage liegt der Planetologe absolut richtig. Leider ist es jedoch ebenfalls richtig, dass die interessierte Öffentlichkeit von diesem wirklich großen Abenteuer bisher weitgehendst ausgeschlossen ist. Sowohl die vom MPS betriebene OSIRIS-Kamera als auch die Navigationskamera von Rosetta haben während der letzten Monate immer wieder Aufnahmen von dem Zielkometen angefertigt, welche allerdings - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht im Internet veröffentlicht werden. Selbst diese wenigen Aufnahmen sind dabei in der Regel bereits eine Woche alt. Gerade in der jetzigen Phase der Annäherung an den Kometen wäre es überaus interessant, die von ihrer Auflösung her täglich besser werdenden Aufnahmen ’in Echtzeit’ im Internet zu betrachten.

Laut dem aktuellen Stand der Planungen sollen weitere Aufnahmen des Kometen jedoch lediglich in einem wöchentlichen Abstand für die Öffentlichkeit ’freigegeben’ werden. Diese - wahrscheinlich eher wenigen - Fotos sollen in der Rosetta-Bildgalerie sowie im Rosetta-Blog der ESA erscheinen.

Es wäre wirklich wünschenswert, wenn die für den Betrieb der Navigationskamera verantwortliche ESA und die Mitarbeiter des OSIRIS-Kameraexperiments diese derzeitig angedachte Politik der Bildfreigabe neu überdenken und die von Rosetta angefertigten Aufnahmen in Zukunft mit einer höheren Frequenz und zudem zeitnah im Internet zur Verfügung stellen. Dies wäre ein wichtiger Schritt, um die Öffentlichkeit auch in den kommenden Monaten für den weiteren Verlauf der Rosetta-Mission zu begeistern.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, ESA)


» Messengers Ende weckt Freude bei Forschern
12.07.2014 - In einigen Monaten wird die MESSENGER Mission zu einem Ende kommen, indem die Sonde gezielt zum Absturz gebracht wird. Die durch die hochelliptische Bahn immer näher an die Oberfläche des Planeten kommende Sonde wird dadurch neue Daten mit noch nie dagewesener Auflösung produzieren können.
Die MESSENGER Sonde hat vor wenigen Tagen ein Bahnmanöver zur Anhebung des Periels durchgeführt. Dies war das erste von insgesamt vier Manövern zur Verlängerung der Lebensdauer der Sonde. Die nächsten Manöver finden im September, Oktober und schließlich im Januar 2015 statt.

Dabei werden für einige Minuten am entferntesten Punkt von Merkur die Einstofftriebwerke gezündet. Dies hat eine Anhebung des planetennähesten Punktes zur Folge, was wiederum heißt, dass die Sonde länger um den Planeten kreisen kann, bevor sie auf der Oberfläche zerschellen wird. Leider reicht der Treibstoff nur noch für diese drei Manöver aus. Danach wird MESSENGER voraussichtlich im März 2015 auf Merkur einschlagen. Trotz dieser und anderer Schubmanöver ist im Laufe der Mission dabei der merkurnächste Punkt von etwa 200 Kilometer auf bis zu 50 Kilometer angesunken.

Was ein baldiges Ende für die Raumsonde bedeutet, ist aber gleichzeitig Glück für die Wissenschaftler, denn ja näher die Sonde und somit die Instrumente an die Oberfläche des Planeten kommen, desto höher ist deren Auflösung und sind die Daten entsprechend aussagekräftiger.


Durch die extreme Nähe der Sonde zur Oberfläche profitieren insbesondere drei Sparten: Geologie, Geochemie und planetare Gravimetrie sowie Magnetologie. Die Geologie kann die Daten der Instrumente Mercury Dual Imaging System (MDIS), Mercury Laser Altimeter (MLA) und das Mercury Atmospheric and Surface Composition Spectrometer (MASCS) am besten verwerten und dabei Rückschlüsse auf den Ursprung des Vulkanismus auf Merkur ziehen, vulkanischen Schmelzflussverläufe beobachten und auch tektonische Eigenschaften bestimmen. Darüber hinaus werden Phänomene wie die hohe Anzahl der Einschlagkrater untersucht oder die planetare Schrumpfung, welche Merkur in seiner frühen Phase durchlebte. Durch die geringere Höhe der Sonde kann all dies besser untersucht werden und selbst unerwartete Ergebnisse wie Permafrost in Kratern, der Schichtaufbau der Kraterwände und die Höhlenbildung können intensiver erforscht werden als bisher.

Die Daten des X-Ray Spectrometer (XRS) und des Gamma-Ray and Neutron Spectrometer (GRNS) stehen im Dienst der Geochemie und analysieren die Oberflächenbeschaffenheit unseres innersten Planeten. Dabei steht die Geschichte des Planeten ebenso im Fokus wie seine Gegenwart. Auch diese Instrumente erfahren eine signifikante Auflösungssteigerung durch das Absenken der Flugbahn.

Schließlich gibt es an Bord noch das Magnetometer (MAG) und das Energetic Particle and Plasma Spectrometer (EPPS), welche für gravimetrische und magnetische Messungen zuständig sind. Mithilfe dieser Instrumente und der verbesserten Auflösung sind die Wissenschaftler in der Lage, Aussagen darüber zu machen, wie das innere und äußere Magnetfeld aufgebaut ist, da die beiden besser von einander differenziert werden können. Auch sind Aussagen über Aufbau und Struktur des Mantels möglich, was wiederum Fragen zur Geschichte von Merkur lösen kann. Es ist schade, dass der Zeitraum der Beobachtungen mit dieser niedrigen Flugbahn von so kurzer Dauer ist. Die wissenschaftliche Ausbeute ist kaum abzuschätzen und man darf gespannt sein, über was sich die Wissenschaftler so freuen.

Autor: Stephan Keller

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit in Raumcon-Forum:


(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Johns Hopkins University / NASA)


» Das staubige Geheimnis einer Supernova
15.07.2014 - Eine Gruppe von Astronomen konnte bei Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der ESO in den Nachwirkungen einer Supernova die Bildung von Sternenstaub untersuchen. Hierbei zeigte sich, dass sich die Staubkörner in dieser kosmischen Staubfabrik in einem zweistufigen Prozess bilden, welcher bereits kurz nach der Explosion beginnt, aber noch Jahre lang andauert. Die Ergebnisse lassen zudem auf überraschend große Staubpartikel schließen, welche die auftretenden zerstörerischen Einflüsse überstehen können.
Viele Galaxien sind von großen Mengen an interstellarem Staub durchsetzt. Dieser Staub besteht hauptsächlich aus Silizium- und Graphitpartikeln - Mineralien, welche auch auf der Erde in großen Mengen zu finden sind. Der Ruß einer Kerze ist dem kosmischen Staub sehr ähnlich. Allerdings verfügen Rußpartikel typischerweise über die zehnfache Größe der kosmischen Staubpartikel.

Dieser interstellare Staub nimmt bei der Entstehung von Sternen und bei der Bildung von Planeten innerhalb der so genannten protoplanetaren Scheiben, welche noch relativ ’junge’ Sterne umgeben, eine entscheidende Rolle ein. Hierbei muss sich dieser Staub jedoch zu größeren Brocken verbinden.

Wie entsteht ’kosmischer Staub’?

Der Ursprung des kosmischen Staubs stellt immer noch eines der großen ungelöstes Rätsel der Astrophysik dar. Astronomen gehen jedoch allgemein davon aus, dass insbesondere im frühen Universum Supernovae die Hauptquelle für diesen Staub darstellten. Allerdings war die Beweislage für die Staubproduktionsfähigkeit von Supernovae bisher eher dünn. Außerdem konnten durch solche Sternexplosionen die großen Mengen an Staub, welche speziell in jungen Galaxien beobachtet werden, bisher nicht ausreichend erklärt werden.

Zudem ist immer noch unklar, wie und wo die dabei erzeugten Staubkörner entstehen. Die dabei gegebenen ’kosmischen Umweltbedingungen’ müssen eine Kondensation der Staubpartikel ermöglichen und außerdem sicherstellen, dass diese anschließend zu einer Größe anwachsen können, welche es ermöglicht, einer durch die destruktiven Eigenschaften der rauen Umgebung einer Galaxie mit aktiver Sternentstehung bedingten Zerstörung entgehen zu können. Zum Beispiel hochenergetische Strahlung, hohe Temperaturen oder auch Kollisionen untereinander können die zuvor gebildeten Partikel wieder aufbrechen.

Tatsächlich ließen sich in der Vergangenheit in den Überresten von Supernovae-Explosionen große Mengen an Staub nachweisen. Wie diese Staubpartikel allerdings im Detail entstanden sind und wie sie anschließend ’überleben’ können, ist dagegen noch nicht ausreichend erklärt. Durch neue Beobachtungsergebnisse könnte sich dies jetzt allerdings ändern.

Die Supernova SN2010jl

Ein internationales Astronomenteam hat eine mit dem Namen "SN2010jl" belegte Supernova in den Monaten nach ihrer Entdeckung neun Mal mit dem X-Shooter-Spektrografen des Very Large Telescope (VLT), welches sich am Pananal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in den nordchilenischen Anden befindet, im sichtbaren und im infraroten Spektralbereich beobachtet. Eine zehnte Beobachtungskampagne, bei der das langsam schwindende Licht der Supernova erneut analysiert wurde, erfolgte zweieinhalb Jahre nach der Sternexplosion.

Die ungewöhnlich helle Supernova SN2010jl - im Bereich des sichtbaren Lichtes verlief sie etwa zehn mal leuchtstärker als eine typische Supernova - ereignete sich in der unscheinbaren Zwerggalaxie UGC 5189A, welche sich in einer Entfernung von rund 160 Millionen Lichtjahren im Bereich des Sternbildes Löwe befindet. Entdeckt wurde die kurz darauf als eine Supernova des "Typ IIn" klassifizierte Sternexplosion am 3. November 2010. Nachfolgende Abgleiche mit vorherigen Beobachtungen der gleichen Himmelsregion führten zu dem Ergebnis, dass der Ausbruch bereits mehrere Wochen zuvor Anfang Oktober 2010 begann.

Supernovae vom Typ II entstehen bei der gewaltigen Explosion eines Sterns mit mindestens acht Sonnenmassen. Der Untertyp IIn - das "n" steht hierbei für "narrow", also schmal - zeigt in seinem Spektrum schmale Wasserstofflinien. Diese Linien sind das Resultat einer Wechselwirkung zwischen dem Material, welches von der Supernova abgestoßen wird und dem Material, das den Stern bereits vor der Explosion umgeben hat.

"Indem wir die Daten der ersten neun Beobachtungen kombinierten, konnten wir die erste Messung der Absorption verschiedener Wellenlängen im Staub um eine Supernova durchführen", so Christa Gall von der Universität Aarhus/Dänemark, die Erstautorin eines Fachartikels über die entsprechenden Messungen. "Hierdurch konnten wir mehr über diesen Staub herausfinden, als uns bisher möglich war."

Die an der Kampagne beteiligten Astronomen stellten fest, dass die Staubbildung demzufolge bereits kurz nach der Explosion des Sterns beginnt und sich anschließend über einen längeren Zeitraum fortsetzt. Die neuen Messungen zeigten auch, wie groß die Staubkörner sind und woraus sie bestehen. Diese Entdeckungen gehen einen Schritt weiter als die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse des Radioteleskopverbundes Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (kurz "ALMA"), laut denen die Überreste der Supernova 1987A große Mengen von frisch gebildeten Staub enthalten (Raumfahrer.net berichtete).

Unerwartet große Staubpartikel

Eine der größten offenen Fragen des in diesem Zusammenhang veröffentlichten Fachartikels war, wie die Staubkörner die zerstörerische Umgebung in den Überresten von Supernova 1987A und von Supernovae allgemein überstehen können. Bei der Auswertung der gewonnenen Daten von der Supernova SN2010jl kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass sich in dem verhältnismäßig dichten Material, welches den ursprünglichen Stern umgibt, ungewohnt große Staubkörner bilden.

Diese verfügen über Durchmesser von mehr als einem tausendstel Millimeter. Obwohl sie damit für ’menschliche’ Verhältnisse immer noch winzig sind, fallen sie für kosmische Staubteilchen doch überraschend groß aus. Diese ’Größe’ wiederum macht sie zugleich auch bis zu einem gewissen Grad resistent gegenüber den destruktiven Prozesse, welche sich in der Umgebung einer Supernova abspielen.

"Unser Nachweis großer Staubkörner kurz nach der Supernovaexplosion bedeutet, dass es einen schnellen und effizienten Prozess geben muss, in deren Rahmen sie sich bilden", ergänzt Jens Hjorth vom Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen in Dänemark, einer der an der Publikation beteiligten Koautoren. "Wir verstehen allerdings noch nicht genau wie das eigentlich passiert."

Die Astronomen glauben allerdings zu wissen, woraus sich der Staub gebildet haben muss - nämlich aus dem Material, welches der Stern noch vor seiner Explosion in die Umgebung abgestoßen hatte, und das ihn daraufhin wie ein Kokon umgeben hat. Als die Schockwelle der Supernova expandierte, traf sie auf diese Staubhülle und verdichtete diese. Eine auf diese Weise erzeugte relativ kühle und zugleich dichte Hülle aus Gas ist die Art einer ’kosmischen Umgebung’, in der Staubkörner zunächst kondensieren und anschließend ’wachsen’ könnten.

Staubbildung in zwei Phasen

Die Ergebnisse der Beobachtungen deuten außerdem darauf hin, dass der Bildungsprozess lange anhält und zudem in einem zweiten Schritt - beginnend nach einigen hundert Tagen - ein beschleunigter Prozess der Staubbildung stattfindet, an dem dann auch Material, welches direkt bei der Supernova-Explosion abgegeben wird, beteiligt ist. Wenn die Staubproduktion in SN2010jl auch weiterhin dem bisher beobachteten Trend folgt, so wird die gesamte Staubmasse in der Umgebung von SN2010jl etwa 25 Jahre nach der Supernova-Explosion ungefähr der halben Masse der Sonne entsprechen. Dies entspricht in etwa der Menge an Staub, welche auch bei anderen Supernovae wie zum Beispiel SN 1987A zu beobachten ist.

"Bisher haben Astronomen viel Staub in den Überresten von Supernovae gefunden, der erst nach der Explosion entstanden ist. Allerdings haben sie auch Beweise für kleine Mengen an Staub gefunden, die tatsächlich in der Supernovaexplosion selbst entstanden sind. Diese beachtlichen neuen Beobachtungen erklären, wie dieser scheinbare Widerspruch gelöst werden kann", so Christa Gall.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 9. Juli 2014 von Christa Gall et al. unter dem Titel "Rapid formation of large dust grains in the luminous supernova SN 2010jl" in der Fachzeitschrift "Nature" publiziert.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit in Raumcon-Forum:

Fachartikel von Christa Gall et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, NASA)


» Offener Brief: Echtzeit-Bilder von Rosetta
15.07.2014 - Bislang veröffentlicht die ESA neue Bilder ihrer Flaggschiff-Mission Rosetta nur im Wochentakt. Dass das deutlich häufiger geschieht, fordert der Vorstand des Raumfahrer Net e.V. Ein offener Brief an die Verantwortlichen bei ESA, DLR, dem Max-Planck-Institut in Göttingen und anderen Instituten.
[English version]

Nachtrag 26. Juli 2014
Die ESA hat mitgeteilt, dass sie nun doch täglich ein Bild veröffentlichen wird - vorerst befristet zur Ankunft am Kometen am 6. August. Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung. Und wir hoffen, dass es während Rosettas danach folgender Orbitphase häufiger als wöchentlich neue Bilder geben wird - soweit dies die Missionsplanung zulässt. Bis dahin drücken wir die Daumen, dass alles gut geht!

Nachtrag 17. Juli 2014
Die ESA hat mittlerweile eine Antwort formuliert, in der sie ihre Position erklärt. Wir freuen uns, dass die Raumfahrtagentur einen Dialog gestartet hat.

Die Mission Rosetta ist das Raumfahrtereignis des Jahres und tritt am 6. August 2014 in ihre heiße Phase ein. Dann wird sie als erste Mission überhaupt einen Kometenkern umkreisen. Leider hat die ESA bislang nur sporadisch neue Bilder der Annäherung veröffentlicht. Deshalb richtet der Raumfahrer Net e.V. folgenden offenen Brief an beteiligte Missionswissenschaftler und Verantwortliche:

Sehr geehrter Herr Sierks, liebe Rosetta-Veranwortliche,

wir sind eine Gruppe von Menschen, die Ihre Arbeit wertschätzen. Wir interessieren uns für Raumfahrt und Astronomie. Wir sind überwiegend Laien – und doch sind wir süchtig. Süchtig nach Informationen aus dem All, nach neuen Bildern. Wo immer etwas passiert, sind wir hautnah dabei. Wir verfolgen jeden Raketenstart auf NASA TV. Wir laden uns die Rohbilder von Curiosity herunter, um daraus selbst Anaglyphen oder Panoramen zu basteln. Wir tun das nicht, um Forschern wie Ihnen Konkurrenz zu machen. Das könnten wir auch nicht. Wir tun das, weil wir das Gefühl lieben, an Wissenschaft teilhaben zu können.

Lieber Herr Sierks, am 6. August beginnt für uns das Raumfahrtereignis des Jahres. Wir werden jeden Orbit von Rosetta um Tschurjumow-Gerasimenko verfolgen. Wir werden jubeln und bei Problemen bangen. Die europäische Raumfahrt vollbringt aus unserer Sicht derzeit etwas Einmaliges, was bisher niemand versucht hat. Wir wissen um die Risiken der Raumfahrt und erkennen sie an, auch wenn solche Missionen viel Steuergeld kosten. Wir verstehen, dass ein raketengebremster Marsrover bei allem Risiko genauso notwendig ist wie ein Kometensatellit samt Lander.

Was wir dagegen überhaupt nicht nachvollziehen können ist die gegenwärtige Öffentlichkeitsarbeit der europäischen Wissenschaftler bei Institutionen wie der ESA und beim MPS. Uns stört Ihre derzeitige Politik, nach der Bilder über Monate von der Öffentlichkeit ferngehalten werden. Uns stört, dass nur winzige Häppchen sofort in die Öffentlichkeit gelangen sollen von vielen Gigabytes, die ab August vom Kometen 67P kommen.

Eine solche Datenweitergabe ist aus unserer Sicht eine Öffentlichkeitsarbeit aus dem letzten Jahrtausend.

Damals genügte es, wenige Bilder an Journalisten zu streuen, die sie dann gelegentlich auf Titelseiten druckten. Rosetta verfolgen heute dagegen Millionen Menschen über das interaktive Internet. Sie wollen nicht nur möglichst in Echtzeit von der Mission erfahren. Sie sind es längst von anderen Weltraummissionen gewöhnt: Foto-Aufnahmen von Cassini, Opportunity oder Curiosity werden von den beteiligten Wissenschaftlern im Roh-Format nahezu in Echtzeit im Internet bereitgestellt. Das Rosettateam verschickt dagegen bisher nur winzige Häppchen. Gegenüber amerikanischen Missionen scheint Rosetta (und vor allem ihre Kameraexperimente) hinter verschlossenen Türen stattzufinden, wo die Öffentlichkeit nur durchs Schlüsselloch luken darf.

Wir verstehen, dass Wissenschaftler solcher internationalen Missionen miteinander konkurrieren. Wir verstehen, dass nicht sofort alle Rohdaten ins Internet gelangen können, weil Sie und Ihre Kollegen teilweise seit Jahrzehnten an diesem Projekt arbeiten, das jetzt Früchte tragen soll. Wir erkennen an, dass es einen Kompromiss geben muss zwischen dem Interesse der beteiligten Forscher und uns, der für Ihre Arbeit aufgeschlossenen Öffentlichkeit.

Wir erwarten aber, dass seitens der ESA, dem DLR, dem MPS und anderer Institute überhaupt über solche Kompromisse nachgedacht wird. Wir wünschen uns, dass in vermeintlich eher unkritischen Phasen wie der aktuellen (Anflug mit gerade pixelgroßem Kometen) nicht im Abstand von Wochen wenige Bilder ins Netz gestreut werden. Wie fordern, dass auch nach der Ankunft niedrig aufgelöste Bilder ohne hohen wissenschaftlichen Wert in Echtzeit veröffentlicht werden, ähnlich der Webcam von Mars Express. Wir fordern, dass nicht die Konkurrenz zwischen einzelnen Kameras an Bord Rosettas (OSIRIS und NavCam) dazu führen, dass Bilder zurückgehalten werden, wie kürzlich von ESA-Missionsmanager Fred Jansen zugegeben.

Lieber Herr Sierks, wir vertreten einen großen Teil der raumfahrtinteressierten Öffentlichkeit in Deutschland. Das Portal Raumfahrer.net besuchen täglich mehr als 5000 Menschen. Das übertrifft die Abrufzahlen des DLR-Portals und der deutschsprachigen ESA-Seite. Wir repräsentieren zwar nur einen kleinenTeil der internationalen Raumfahrtfans. Doch auch die US-Enthusiasten blicken sehr besorgt auf Ihre Informationspolitik. Wir wünschen uns, dass das OSIRIS-Team gemeinsam mit Ihren Kollegen einen Weg findet, die Öffentlichkeit stärker und regelmäßiger einzubinden. Wir versprechen, dass es der Raumfahrt nicht schaden wird – denn nur gemeinsam können wir den Rest der Gesellschaft überzeugen, dass eine Milliarde Euro für eine Kometensonde sehr gut investiertes Geld sind. Denn eine gut eingebundene Fangemeinde ist heute unabdingbar, um auch für zukünftige, noch umzusetzende Weltraummissionen eine wohlgesinnte breite Öffentlichkeit zu schaffen. Und eine gut informierte Internetgemeinde ist dabei weit effizienter als jede nett bebilderte Titelseite einer Tageszeitung. Das ist unser Versprechen.

Herr Sierks, wir drücken die Daumen für Rosettas heiße Phase im Kometenorbit. Und wir hoffen wie Sie, dass die Mission auch weite Teile der Gesellschaft inspirieren wird, wie es einst die erste Mondlandung und kürzlich die Landung von Curiosity tat. Wir fürchten uns wie Sie davor, dass das Interesse an der Raumfahrt zurückgeht. Das sollten wir gemeinsam versuchen zu verhindern. Eine zeitnahe Freigabe der durch die OSIRIS-Kamera angefertigten Aufnahmen würde die Erfüllung dieser Zielsetzung in unseren Augen ungemein erleichtern.

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand des Raumfahrer Net e.V.

Thomas Weyrauch
Oliver Karger
Ilka Meuer
Simon Plasger
Karl Urban


Dieser Brief ging an:
  • Holger Sierks, Chefentwickler der leistungsstarken Kamera OSIRIS an Bord von Rosetta
  • Fred Jansen, Rosetta-Projektmanager
  • Matthew Taylor, Rosetta-Projektwissenschaftler
  • Stefano Mottola, verantwortlich für niederiger auflösende Navigationskamera an Bord von Rosetta
  • Jean-Pierre Bibring, Chefentwickler der Landerkamera an Bord von Philae

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Raumfahrer.net)


» Open Letter: Rosetta`s pictures in realtime
15.07.2014 - Until now, ESA published new pictures from its flagship mission Rosetta just weekly. The board of Raumfahrer Net e. V. now demands a more frequent publication. This open letter is directed to scientists of ESA, DLR, the Max-Planck-Institut for Solar System Research and other institutions.
[German version]

Update 26 July 2014
ESA just announced that it will now publish a daily picture of comet 67P. We are very happy about that decision. We hope this also will be the case after Rosetta’s arrival on August 6. Right now we are crossing our fingers for the approach to the comet. Good look, Rosetta!

Update 17 July 2014
ESA just published a reply to our letter where the agency tries to explain its position. We are happy that they initiated a dialogue.

Rosetta`s mission will be the space event of the year. On August 6 the European spacecraft is about to orbit a comet for the first time. Unfortunately Europe`s space agency ESA did not yet publish many pictures of the comet itself, 67/P Churyumov-Gerasimenko. Therefore Raumfahrer Net e.V. (the non-commercial German society running this website) publishes this open letter:

Dear Mr. Sierks, dear managers of the Rosetta mission

We really value your work. We are not only interested in space. We are hobby space geeks addicted to all information from space including new images. When something happens we want to be as close as possible. We follow every rocket launch on NASA TV. We download raw images of Curiosity to render anaglyphs or panporama ourselves. We do not want to compete with researchers. We could not compete with you and your colleagues. We just like the feeling to be a part of science.

Dear Mr. Sierks, on August 6, the space event of the year will start. We will follow every orbit of Rosetta around Churyumov-Gerasimenko. We will cheer and – in case of problems – tremble. ESA tries to accomplish something unique which nobody has tried before. We know of the risks of space and approve them even though they cost a lot of taxpayer’s money. We understand that a Mars rover slowed down by rocket engines is as inevitable as trying to orbit a comet and land on it.

But we do not understand the current public relation policies of institutions like ESA, DLR or MPS. We are bothered by your current policy hiding many images from the public over months. We are worried that just a tiny fraction of many gigabytes of images will reach the public immediately when Rosetta arrives at 67P in August.

From our point of view such a constrained release policy stands for public relations from the last millennium.

Back then, it was sufficient to hand out a few images to handpicked journalists who then printed them on their front pages. Today Rosetta will be traced by millions of people over the interactive web. They not just want to learn from the mission in realtime. They got used to it: Raw images from Cassini, Opportunity or Curiosity are published on the web as they are available. On the other hand, Rosetta’s team has published just small appetisers until today. Compared to American missions Rosetta (and especially its camera experiments) takes place behind closed doors. The public is just allowed to look through a keyhole.

We understand that scientists of international missions compete with each other. We understand that not all raw data can be published online. You and your colleagues have been working for years on experiments which now have to bear fruit. We acknowledge the needs of a compromise between the interests of the researchers and of us, the interest of the open minded public.

But what we expect is that ESA, DLR, MPS and other institutions are open towards compromises at all. We wish that more images are made available shortly in rather uncritical mission phases like today while Rosetta is just approaching the comet. The current practice of presenting new images on a weekly basis is unbearable. We demand that low resolution images of less scientific value will be made available in realtime after Rosetta’s arrival, like it is done by the Mars Express’ webcam. We demand that competition between single cameras onboard Rosetta (OSIRIS and NavCam) does not lead to a retention of images – as recently stated by Rosetta`s project manager Fred Jansen.

Dear Mr. Sierks, we represent a great deal of the space-interested public in Germany. The web portal Raumfahrer.net is visited by 5000 people daily. This exceeds the page impressions of DLR and the German ESA website. We represent a smaller fraction of international space fans. But US fans are also concerned about your PR policy. We wish that the teams of the camera experiments onboard Rosetta and Philae find a way to integrate the public better and more frequently. We promise that this will not harm space science. It is only together that we can convince the broader public that a billion Euro for a comet mission is well invested. Today, you reach much more people by having a well-informed fan community than by presenting a nicely illustrated newspaper front page. That is our promise.

Mr. Sierks, we keep our fingers crossed for Rosetta’s approach at the comet. We hope that the mission will inspire as many people worldwide as the moon landing and more recently Curiosity’s descent on Mars did. We fear like you that the interest in space could decline. We should try to avert this. Releasing Rosetta’s and Philae’s images in realtime would really help to reach that goal.

Yours sincerely,

The board of Raumfahrer.Net e. V.

Thomas Weyrauch
Oliver Karger
Ilka Meuer
Simon Plasger
Karl Urban


This letter is adressed to mission scientists and mission staff:
  • Holger Sierks, principal investigator of the high resolution camera OSIRIS onboard Rosetta
  • Fred Jansen, Rosetta project manager
  • Matthew Taylor, Rosetta project scientist
  • Stefano Mottola, principal investigator of navcam, a low resolution camera onboard Rosetta
  • Jean-Pierre Bibring, principal investigator of the camera onboard the Philae lander

Related Links:


(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Raumfahrer.net)


» Rosettas Komet besteht aus zwei einzelnen Körpern!
16.07.2014 - Versehentlich im Internet veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Rosetta zeigen, dass es sich bei deren Ziel - dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko - offenbar um ein aus zwei einzelnen Objekten bestehenden Kometenkern handelt. 67P besteht demzufolge aus zwei sich berührenden Körpern, von denen einer deutlich kleiner ausfällt.
Nach einer Flugdauer von mehr als zehn Jahren, in denen eine Entfernung von rund 6,4 Milliarden Kilometern zurückgelegt wurde, nähert sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Rosetta ihrem eigentlichen Ziel, dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, gegenwärtig immer weiter an. Um am 6. August 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometen eintreten zu können muss die Raumsonde allerdings zunächst mehrere Kurskorrekturmanöver (engl. "Orbit Correction Manoeuvre", kurz "OCM") durchführen, mit denen die relative Geschwindigkeit der Raumsonde zu 67P/Tschurjumow-Gerasimenko schrittweise weiter reduziert werden soll.

Das bisher letzte dieser insgesamt zehn Korrekturmanöver, das OCM-7, wurde vor wenigen Stunden erfolgreich durchgeführt. Durch eine 22 Minuten und 34 Sekunden andauernde Zündung der hierbei eingesetzten Triebwerke wurde eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung von rund 11 Metern pro Sekunde erreicht. Derzeit nähert sich die Raumsonde Rosetta ’ihrem’ Kometen mit einer relativen Geschwindigkeit von nur noch 7,9 Metern pro Sekunde an. Die Distanz zwischen der Raumsonde und dem Kometen beträgt dabei mittlerweile weniger als 10.000 Kilometer.

Die nächsten beiden OCMs sind für den 23. Juli und für den 3. August vorgesehen. Im Rahmen des finalen OCMs wird Rosetta schließlich im Rahmen einer kurzen Zündung der Triebwerke am 6. August 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eintreten, welche zunächst in einer Höhe von rund 100 Kilometern über dessen Oberfläche verlaufen wird. Für den anschließenden Verlauf der Mission ist dann eine weitere Absenkung der Umlaufhöhe vorgesehen. Nicht nur diese drei noch ausstehenden Manöver, sondern auch der weitere Missionsverlauf werden die daran beteiligten Wissenschaftler und die für die Steuerung der Raumsonde verantwortlichen Mitarbeiter der ESA fordern.

’Unerwartete’ Bilder vom Kern des Kometen

Am 15. Juli wurde auf der Internetseite der ebenfalls beteiligten französische Raumfahrtagentur CNES offenbar ohne Absprache mit den an der Rosetta-Mission beteiligten Wissenschaftlern eine Fotoserie veröffentlicht, welche erst wenige Tage zuvor mit dem OSIRIS-Kameraexperiment angefertigt wurden. Bei der OSIRIS-Kamera handelt es sich um die vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelte und betriebene Hauptkamera an Bord von Rosetta. Zum Zeitpunkt der Anfertigung dieser Aufnahmen (11. Juli 2014) befand sich die Raumsonde noch in einer Entfernung von etwa 17.000 Kilometern zu dem Kometen.

Trotzdem ist auf diesen insgesamt neun Aufnahmen, welche nahezu einen kompletten 12,4 Stunden andauernden Rotationszyklus dokumentieren, deutlich erkennbar, dass der Kern des Kometen offensichtlich aus zwei Objekten besteht, welche in einem direkten Kontakt zueinander stehen. Somit scheint es sich bei 67P/Tschurjumow-Gerasimenko um einen so genannten "contact binary" zu handeln - ein Objekt, bei dem zwei Einzelkörper durch gravitative Kräfte mehr oder weniger stabil aneinander gebunden sind.

Hierbei handelt es sich definitiv um eine bedeutende und so nicht erwartete Entdeckung. Aufgrund der Bilddaten der Weltraumteleskope Hubble und Spitzer sowie diverser erdgestützter Groß-Teleskope wurde bereits seit längerer Zeit davon ausgegangen, dass 67P/Tschurjumow-Gerasimenko über eine sehr unregelmäßige Gestalt verfügen muss. Die jetzt tatsächlich erkennbare Form dürften jedoch nur wenige Wissenschaftler ernsthaft in Betracht gezogen haben. Einerseits werden die Planetenforscher jetzt erst einmal damit beschäftigt sein, zu ergründen, wie sich 67P zu einem "contact binary" entwickeln konnte.

Allererste Vermutungen gehen dahin, dass die beiden Komponenten mit einer geringen Geschwindigkeit ’kollidiert’ sein könnten und anschließend verbunden blieben. Ein weiterer Erklärungsansatz: Die beiden Teile bildeten ursprünglich einen einzigen Kern, der im Laufe der Zeit auseinanderbrach, aber immer noch verbunden ist.

Dieser ’doppelte’ Kern - wie auch immer er zustande gekommen sein mag - stellt auf jeden Fall kein Problem für Rosetta dar. Die Raumsonde kann auch weiterhin wie vorgesehen in einen Orbit eintreten und den Kometen mit den mitgeführten elf Instrumenten über Monate hinweg untersuchen, abbilden und analysieren. Hierbei können durch den Einsatz der Instrumente auch weitere Daten über die ’Kontaktzone’ gewonnen werden.

Deutlich komplizierter dürfte dagegen in Zukunft die Mission und dabei in erster Linie die Landung des von Rosetta mitgeführten Kometenlanders Philae verlaufen. Nach dem jetzigen Planungsstand soll dieser Lander am 11. November 2014 auf der Oberfläche des Kometenkerns niedergehen und diesen anschließend mit weiteren zehn Instrumenten eingehend untersuchen.

Die ungewöhnliche Form des Kerns des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko dürfte die Arbeit der für diese Operation verantwortlichen Missionsmitarbeiter eindeutig komplizieren. Bisher wurde für die Landung von Philae eine Region auf der südlichen Hemisphäre des Kometen favorisiert (Raumfahrer.net berichtete). Diese Überlegungen müssen jetzt wohl allerdings unter Einbeziehung der neuesten Daten überdacht und überarbeitet werden. Besonders interessant, so Pedro Lacerda vom MPS in einem Gespräch mit der Zeitschrift "New Scientist", wäre hierbei eine Landung in der Region, wo sich die Kontaktzone zwischen den beiden Körpern befindet. Speziell in diesem Oberflächenbereich lassen sich vermutlich die aus wissenschaftlicher Sicht wertvollsten Daten gewinnen. Gleichzeitig dürfte diese Region aber auch aus der technischen Sicht die anspruchsvollste Landezone darstellen.

Öffentlichkeitsarbeit und zeitnahe Freigabe der Aufnahmen

Wie bereits erwähnt... Diese Aufnahmen - und die daraus resultierenden Spekulationen - fanden den Weg zu der an der Rosetta-Mission interessierten Öffentlichkeit offenbar lediglich durch eine voreilig erfolgte Veröffentlichung auf der CNES-Internetseite. Bereits wenige Stunden später war der entsprechende Artikel nicht mehr abrufbar. Obwohl die entsprechenden Bilder und die damit verbundenen Inhalte trotzdem innerhalb kürzester Zeit ihre ’Runde’ durch das Internet drehten und dabei von diversen Internetforen und Nachrichtenagenturen aufgegriffen wurden, hat die ESA bisher noch keine offizielle Stellung zu diesen Aufnahmen bezogen.

Die nächste Freigabe von ’offiziellen’, von allen an der Rosetta-Mission beteiligten Partnern abgesegneten Bilddaten soll am 17. Juli erfolgen. In der entsprechenden Ankündigung wird auch erwähnt, warum die Freigabe der bisher von Rosetta gewonnenen Bilddaten so schleppend erfolgt. Trotz dieser einleuchtenden Erklärung wäre es nach wie vor wünschenswert, wenn die ESA im weiteren Verlauf der Mission dazu übergehen würde, auch zukünftig zu gewinnende Aufnahmen möglichst zeitnah für die Öffentlichkeit freizugeben. Hierzu ein von dem Vorstand des Vereins Raumfahrer.net e.V. verfasster offener Brief an die für die Mission verantwortlichen Mitarbeiter.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CNES, ESA, New Scientist)


» New Horizons: Kurskorrektur auf dem Weg zum Pluto
17.07.2014 - Auf ihrem Weg zu dem Zwergplaneten Pluto hat die Raumsonde New Horizons am 15. Juli ein Kurskorrekturmanöver durchgeführt. Durch eine minimale Erhöhung der Geschwindigkeit wurde dabei sichergestellt, dass die Raumsonde den Pluto im kommenden Sommer zu dem vorgesehenen Zeitpunkt erreichen wird.
Die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde New Horizons soll am 14. Juli 2015 nach einem 9,5 Jahre dauernden Flug durch unser Sonnensystem den Zwergplaneten Pluto erreichen und dessen Oberfläche im Rahmen eines Vorbeifluges in einer Entfernung von rund 10.000 Kilometern passieren.

Fast auf den Tag genau ein Jahr vor diesem Ereignis hat die Raumsonde in den Morgenstunden des 15. Juli 2014 ein Kurskorrekturmanöver durchgeführt, in dessen Rahmen die Geschwindigkeit von New Horizons noch einmal minimal verändert wurde. Ohne dieses Manöver hätte die Raumsonde den Pluto im nächsten Sommer rund 36 Minuten später erreicht als vorgesehen.

Durch die frühe Durchführung dieses für den Erfolg der Mission zwingend notwendigen Manövers konnte der damit verbundene Verbrauch an Treibstoff minimiert werden, so Mark Holdridge, der für die Encounter-Planung verantwortliche Missionsmanager vom Applied Physics Laboratory (JHU/APL) an der Johns Hopkins University in Laurel im US-Bundesstaat Maryland, von wo aus die Mission geleitet wird.

Im Rahmen der knapp 88 Sekunden andauernden Triebwerkszündung wurde die Geschwindigkeit der Raumsonde um 1,08 Meter pro Sekunde erhöht. Dabei wurden etwa 250 Gramm Treibstoff verbraucht. Weitere rund 53 Kilogramm befinden sich noch in den Tanks von New Horizons und können bei zukünftigen Manövern eingesetzt werden. Hierfür kommt in erster Linie eine nach der Pluto-Passage durchzuführende Kursänderung in Frage, durch welche die Raumsonde in die Lage versetzt werden könnte, einen weiteren Himmelskörper im Bereich des inneren Kuiper-Gürtels anzufliegen (Raumfahrer.net berichtete).

Derzeit wird die Raumsonde einem ausführlichen "Annual Checkout" - einer umfassenden Systemüberprüfung - unterzogen, welche noch bis zum 29. August 2014 andauern wird (Raumfahrer.net berichtete). Aktuell erfolgte dabei am heutigen Tag eine Kalibrierung von einem der sieben Instrumente, welche sich an Bord der Raumsonde befinden. Das Radiowellenexperiment REX soll nach dem Vorbeiflug am Pluto genutzt werden, um durch das Empfangen von Radiosignalen Daten über die dünne Atmosphäre des Pluto zu gewinnen.

Die Flugbahn der Raumsonde wurde zu diesem Zweck so geplant, dass sie sich rund 51 Minuten nach dem Passieren des Zwergplaneten von der Erde aus gesehen direkt hinter dem Pluto befinden wird. In den Minuten vor und nach dieser Okkultation wird New Horizons Radiowellen empfangen, welche zuvor von einer der Antennen des Deep Space Network in Richtung Pluto abgegeben wurden.

Diese Radiowellen werden beim Durchdringen der Pluto-Atmosphäre leicht verändert. Die Analyse der so gewonnenen Daten ermöglicht Aussagen über deren Zusammensetzung und Temperatur. Auf die gleiche Weise soll nochmals 85 Minuten später auch untersucht werden, ob der größte der bisher fünf bekannten Monde des Pluto - der etwa 1.200 Kilometer durchmessende Mond Charon - eventuell ebenfalls über eine Atmosphäre verfügt.

Gegenwärtig befindet sich New Horizons in einer Entfernung von rund 4,32 Milliarden Kilometern zur Erde. Bis zum Erreichen des Pluto müssen noch weitere 2,88 Astronomische Einheiten - dies entspricht in etwa 432 Millionen Kilometern - zurückgelegt werden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net

Diskutieren Sie mit in Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JHU/APL)


» Brief für Echtzeit-Bilder von Rosetta: Ein Rückblick
18.07.2014 - Am Montag veröffentlichte Raumfahrer.net einen offenen Brief, gerichtet an führende Wissenschaftler der Rosetta-Mission. Die ESA hat mittlerweile geantwortet. Internationale Medien haben berichtet. Wir danken für den breiten Zuspruch. Wir werden den begonnenden Dialog fortführen.

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Karl Urban - Quelle: Raumfahrer.net)


» Die Natur der schnellen Radiostrahlungsausbrüche
20.07.2014 - Die Entdeckung eines nur Sekundenbruchteile andauernden Radiostrahlungsausbruchs mit dem Arecibo-Radioteleskop auf Puerto Rico liefert den Astronomen wichtige neue Daten zu diesen rätselhaften und in der Vergangenheit nur extrem selten beobachteten Ausbrüchen, deren Ursprung sich anscheinend in Entfernungen von Milliarden von Lichtjahren befindet.
Bei den so genannten schnellen Radiosstrahlungsausbrüchen oder "Radioblitzen" (engl. "Fast Radio Bursts", kurz "FRB") handelt es sich um kurzzeitig auftretende Phänomene mit einer Dauer von lediglich wenigen Millisekunden, welche erstmals im Jahr 2006 mit dem 64-Meter-Radioteleskop des Parkes-Observatorium in Australien aufgezeichnet wurden. Erste Vermutungen gingen damals dahin, dass diese Signale ihren Ursprung in Entfernungen von mehreren Milliarden Lichtjahren zu unserer Heimatgalaxie haben könnten.

Die Tatsache, dass entsprechende Ergebnisse jedoch mit keinem anderen Teleskop der Erde bestätigt werden konnten, führte zwischenzeitlich zu der Annahme, dass das australische Radioteleskop Signale von Quellen auf der Erde oder in deren unmittelbaren Umgebung aufgezeichnet haben könnte. Ab dem Jahr 2009 erfolgende ausführlichere Suchen nach weiteren solchen FRBs und die Analyse der dabei entdeckten Radiostrahlungsausbrüche führte in den folgenden Jahren zu der Erkenntnis, dass die Quellen dieser FRBs tatsächlich weit außerhalb unserer Heimatgalaxie angesiedelt sind. Die kürzlich erfolgte Entdeckung eines weiteren FRBs bestätigt diese Resultate und liefert zudem wichtige neue Daten über die Natur und Häufigkeit dieser rätselhaften Ausbrüche.

Der besagte Strahlungsausbruch mit der Bezeichnung "FRB 121102" wurde am 2. November 2012 mit dem Arecibo-Radioteleskop beobachtet, dessen Radioreflektor über einen Durchmesser von 304,8 Metern verfügt. Zum ersten Mal wurde ein solcher Radiostrahlungsausbruch dabei in der nördlichen Hemisphäre des Himmels beobachtet. Die Position des neu entdeckten Radiostrahlungsausbruchs liegt in Richtung des Sternbilds Fuhrmann (lateinischer Name Auriga). Gleichzeitig handelt es sich dabei um die erste Detektion eines FRBs, welche nicht mit dem Parkes-Observatorium erfolgte. Die daraus resultierenden Forschungsergebnisse eines internationalen Teams von Astronomen unter der Leitung von Dr. Laura G. Spitler vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie wurden am 10. Juli 2014 in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal" unter dem Titel "Fast Radio Burst discovered in the Arecibo Pulsar Alfa Survey" veröffentlicht.

Fast Radio Bursts

Schnellen Radiostrahlungsausbrüche dauern jeweils nur wenige Millisekunden an und konnten aufgrund ihrer kurzen Dauer bisher kaum beobachtet oder gar eingehender untersucht werden. Die Beobachtungen mit dem Arecibo-Teleskop führen jedoch zu dem Schluss, dass - verteilt über den gesamten Himmel - pro Tag rund 10.000 dieser ungewöhnlichen kosmischen Ereignisse auftreten sollten. Diese erstaunlich große Anzahl ergibt sich aus Berechnungen, wie lange ein wie großer Abschnitt des Himmels beobachtet wurde, um die bisherigen wenigen Entdeckungen zu erhalten.

"Statistisch gesehen sollte es nur sieben Ausbrüche pro Minute über den ganzen Himmel verteilt geben. Es gehört also schon eine Menge Glück dazu, dass man sein Teleskop zur richtigen Zeit auf die richtige Position am Himmel ausrichtet", so Dr. Laura Spitler. "Sowohl die Eigenschaften unseres mit dem Arecibo-Teleskop gefundenen Radioblitzes wie auch die daraus abgeleitete Häufigkeit des Auftretens solcher Ereignisse stimmen sehr schön mit dem überein, was wir aus den vorher bereits mit Parkes beobachteten Ausbrüchen abgeleitet haben."

"Unser Forschungsergebnis ist vor allem deshalb so wichtig, weil es auch den letzten Zweifel ausräumt, dass diese Radioblitze wirklich aus den Tiefen des Universums stammen", ergänzt Victoria Kaspi, Professorin für Astrophysik an der McGill-Universität in Montreal/Kanada und leitende Wissenschaftlerin des Arecibo-Pulsarbeobachtungsprojekts, in dessen Rahmen der Radioausbruch entdeckt wurde. "Die Radiosignale zeigen alle Anzeichen, dass sie tatsächlich weit außerhalb unserer Milchstraße erzeugt wurden - das ist eine sehr aufregende Entdeckung!"

Wie genau diese Radioblitze entstehen, stellt derzeit allerdings immer noch ein ungelöstes Rätsel für die Astrophysiker dar. Die gegenwärtigen Vermutungen drehen sich dabei um eine Reihe von exotischen astrophysikalischen Phänomenen wie zum Beispiel verdampfende Schwarze Löcher, miteinander verschmelzende Neutronensterne oder Strahlungsausbrüche auf Magnetaren - einer speziellen Unterklasse von Neutronensternen, welche über extreme starke Magnetfelder verfügen.

"Eine andere Möglichkeit wäre ein Phänomen wie die bei manchen Pulsaren beobachteten Riesenpulse, aber mit einer wesentlich höheren Helligkeit", so James Cordes, Professor für Astronomie an der Cornell-Universität in Ithaca im US-Bundesstaat New York und einer der Co-Autoren der aktuellen Veröffentlichung.

Wie aus der Messung eines als Plasmadispersion bekannten Effekts abgeleitet werden kann, stammen die Radioblitze aus einem Bereich des Universums, welcher sich weit außerhalb der Umgebung unserer Heimatgalaxie befindet. Im Rahmen der Plasmadispersion lassen sich Signale, welche über größere Strecken durch das Universum laufen, von künstlichen, auf der Erde erzeugten Signalen durch den Einfluss von interstellaren Elektronen unterscheiden. Diese führen dazu, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Radiowellen bei niedrigeren Radiofrequenzen abnimmt. Bei den mit dem Arecibo-Teleskop entdeckten Strahlungsausbrüchen ist die Dispersion dreimal größer als man von einer Quelle mit Ursprung in unserer Milchstraße maximal erwarten könnte.

Die hier kurz vorgestellte Entdeckung erfolgte im Rahmen von Beobachtungen für das "Pulsar Arecibo L-Band Feed Array"-Projekt (kurz "PALFA"), in dessen Rahmen sich die daran beteiligten Astronomen auf die Suche nach bisher unentdeckten Pulsaren begeben. Im Rahmen dieses Himmelsdurchmusterungsprojektes konnten bisher mehr als 100 zuvor unbekannte Pulsare entdeckt werden. Einige davon werden gegenwärtig zwecks der Erforschung von fundamentalen Eigenschaften von Neutronensternen und zur Überprüfung von verschiedenen Theorien der Gravitationsphysik weitergehend untersucht.

Zukünftige Untersuchungen der Fast Radio Bursts

Die Suche nach weiteren "schnellen Radiostrahlungsausbrüchen" hat sich mittlerweile zu einem vorrangigen Projekt für derzeitig bereits aktive beziehungsweise noch in der Planungsphase befindliche Radio-Observatorien entwickelt.

"Unser Radioteleskop in Effelsberg hat großes Potential, um noch eine Menge dieser Ausbrüche zu entdecken", schließt Dr. Laura Spitler. "Wir sind uns sicher, dass eine Reihe davon bereits jetzt in den Archivdaten von Radio-Pulsar-Durchmusterungen mit dem 100-m-Teleskop stecken und wir arbeiten hart daran, ein Softwaresystem zu entwickeln, das diese Ausbrüche bereits in Echtzeit entdecken kann. Die Echtzeit-Entdeckungen bedeuten einen wichtigen Schritt vorwärts, da wir Folgebeobachtungen mit Instrumenten bei anderen Beobachtungsfrequenzen direkt anschließen können. Sie werden entscheidend dazu beitragen, das Rätsel zu entschlüsseln."

Zukünftige Radioteleskop-Projekte wie das "Square Kilometre Array" (SKA) und dessen bereits existierenden ’Pfadfinder’-Projekte stellen für die auf deren Suche spezialisierten Astronomen extrem effektive Werkzeuge dafür dar, um Radioblitze systematisch aufzuspüren und den Wissensstand über dieses Phänomen entscheidend zu verbessern.

Leider sieht es nach dem derzeitigen Stand allerdings so aus, dass Wissenschaftler aus Deutschland aufgrund einer kürzlich getroffenen Entscheidung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) weitestgehend von den damit verbundenen Forschungen des SKA - und von den Arbeiten mit dem SKA allgemein - ausgeschlossen sein werden. Einen entsprechende Bericht finden Sie hier auf der Internetseite der Zeitschrift "Spektrum".

Nicht nur aufgrund der jetzt publizierten Ergebnisse zu dem im Jahr 2012 entdeckten FRB ist somit zu hoffen, dass das BMBF seine getroffene Entscheidung überdenkt und revidiert!

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Fachartikel von L. G. Spitler et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Radioastronomie)


» Der offene Sternhaufen NGC 3293
23.07.2014 - Eine am heutigen Tag von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt den offenen Sternhaufen NGC 3293. Die dort konzentrierten Sterne haben sich erst vor etwa zehn Millionen Jahren gebildet. Offene Sternhaufen stellen für Astronomen ein Feldlabor zur Überprüfung der Sternentstehungstheorien dar.
Einige der in unserer Heimatgalaxie befindlichen Sterne sind mit einem Alter von über 13 Milliarden Jahren nur wenige hundert Millionen Jahre jünger als das Universum, dessen Alter von den Astronomen auf etwa 13,8 Milliarden Jahre geschätzt wird. Mit einem Alter von ’lediglich’ rund 4,6 Milliarden Jahren handelt es sich bei dem Zentralgestirn unseres Sonnensystems somit um einen noch verhältnismäßig jungen Stern, welcher gerade einmal die mittlere Phase seines Lebens erreicht hat. Andere Sterne der Milchstraße verfügen jedoch über ein noch deutlich geringeres Alter von lediglich wenigen Millionen Jahren.

Diese Sterne haben sich - in astronomischen Zeiträumen betrachtet - erst vor kurzer Zeit in sogenannten Sternentstehungsgebieten entwickelt. Aus so einer H-II-Region geht in der Regel jedoch nicht nur ein einzelner, isolierter Stern hervor. Vielmehr reicht die Anzahl der sich zeitgleich in einem H-II-Gebiet bildenden Sterne von einigen Dutzend bis hin zu mehreren Tausend Sternen, welche nach dem Abschluss der Sternentstehungsphase in dieser Region des Weltalls zunächst einen offenen Sternhaufen bilden.

Der offene Sternhaufen NGC 3293

Bei einem der mehr als 1.000 offenen Sternhaufen, die den Astronomen derzeit in unserer Heimatgalaxie bekannt sind, handelt es sich um den im Sternbild Carina (zu deutsch "Schiffskiel") gelegenen Haufen NGC 3293. Entdeckt wurde NGC 3293 bereits im Jahr 1751 von dem französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille. Bei einer Ausdehnung von sechs Bogenminuten erreicht der rund 8.000 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegenen Sternhaufen eine scheinbare Helligkeit von 4,7 mag und kann somit als einer der hellsten Sternhaufen des südlichen Himmels unter guten Beobachtungsbedingungen bereits mit dem bloßem Auge betrachtet werden.

Eine am heutigen Tag von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt diesen Sternhaufen in seiner ganzen Pracht. Die Sterne von NGC 3293 konzentrieren sich dabei vor einem Hintergrund aus Wolken leuchtenden Gases und ’Schneisen’ von interstellarem Staub. Die Aufnahme wurde mit dem Wide Field Imager (WFI) des MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskops am La Silla-Observatorium der ESO in den nordchilenischen Anden angefertigt. Der hohe Anteil an sehr hellen und bläulich leuchtenden jungen Sternen, der auf diesem Foto zu erkennen ist, ist in offenen Sternhaufen wie NGC 3293 üblich.

Trotz einiger Hinweise, welche darauf hindeuten, dass im Bereich von NGC 3293 auch in der Gegenwart noch eine aktive Sternentstehung stattfinden könnte, gehen die Astronomen davon aus, dass die meisten - wenn nicht sogar alle - der rund fünfzig Sterne in diesem Sternhaufen in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind. Das Alter von NGC 3293 wird dabei mit rund zehn Millionen Jahren angegeben.

Offene Sternhaufen - Ein Feldlabor zur Überprüfung der Sternentstehungstheorien

Offene Sternhaufen stellen aufgrund der Art und Weise ihrer Entstehung - alle Sterne bildeten sich ursprünglich zur selben Zeit aus der gleichen Materiewolke, weshalb sie auch über die gleiche chemischen Zusammensetzung verfügen - perfekte Beobachtungsziele für Astronomen dar, um die verschiedenen Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Sternen zu überprüfen. Obwohl diese Sterne in etwa gleich alt sind, scheinen sie sich zum Beispiel in unterschiedlichen Phasen ihres Daseins zu befinden. Einige der Mitglieder von NGC 3293 erscheinen deutlich älter als die meisten ihrer ’Geschwister’. Hierdurch erhalten die Astronomen die Möglichkeit, zu untersuchen wie und warum Sterne sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickeln.

Ein entscheidender Faktor für das Tempo der Weiterentwicklung von Sternen ist die Ausgangsmasse, über welche ein Stern bei seiner ’Geburt’ verfügt. Je höher diese Masse ausfällt, desto schneller wird in der Folgezeit in dessen Innerem durch den Kernfusionsprozess Wasserstoff in Helium umgewandelt und desto schneller geht dieses Material dann letztendlich auch zur Neige. Dies hat wiederum zur Folge, dass massereiche Sterne das Ende ihres Daseins bereits erreichen, während zeitgleich entstandene masseärmere Sterne sich immer noch in der Hauptreihenphase - dem Zeitraum der langen, stabilen, mittleren Periode im Leben eines Sterns - befinden.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der helle orangefarbene Stern unten rechts in dem Sternhaufen. Hierbei handelt es sich um einen Roten Riesen, der zu den massereichsten und leuchtkräftigsten Sternen des Haufens gehört. Als der Stern nach nur wenigen Jahrmillionen den für die Kernfusion notwendigen Brennstoff in seinem Inneren aufgebraucht hatte, veränderte sich auch seine interne Dynamik. Er begann sich abzukühlen und blähte sich zu dem Roten Riesen auf, als der er heute zu beobachten ist. Einige seiner ’Schwestersterne’ befinden sich dagegen immer noch in der Vor-Hauptreihenphase. Auf der ESO-Aufnahme erkennt man diese Sterne als hell leuchtende Objekte vor einem rötlichen und staubigen Hintergrund.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Rosettas Komet: Ein erster Blick auf die Oberfläche
24.07.2014 - Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres achten Kurskorrekturmanövers befindet sich die Raumsonde Rosetta mittlerweile in einer Entfernung von weniger als 3.500 Kilometern zu dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Fotoaufnahmen vom 20. Juli 2014 zeigen dessen unregelmäßig geformten Kern und geben erstmals Aufschluss über dessen Oberfläche.
Auf ihrem Weg zu dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko (der Einfachheit halber ab hier abgekürzt "67P") hat die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Rosetta am 23. Juli 2014 ein weiteres Kurskorrekturmanöver (engl. "Orbit Correction Manoeuvre", kurz "OCM") durchgeführt. Durch eine 16 Minuten und 27 Sekunden andauernde Zündung der hierbei eingesetzten Triebwerke wurde eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung von 4,82 Metern pro Sekunde relativ zu 67P erreicht. Derzeit nähert sich die Raumsonde Rosetta ’ihrem’ Kometen mit einer relativen Geschwindigkeit von nur noch 3,5 Metern pro Sekunde an. Die Distanz zwischen der Raumsonde und dem Kometen beträgt dabei mittlerweile weniger als 3.500 Kilometer.

Das nächste Korrekturmanöver, das OCM-9, ist für den 3. August 2014 vorgesehen und soll eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung von etwa drei Metern zur Folge haben. Am 6. August wird Rosetta dann im Rahmen eines finalen Manövers in eine Umlaufbahn um den Kometen eintreten, welche zunächst in einer Höhe von rund 100 Kilometern über dessen Oberfläche verlaufen wird. In den folgenden Wochen und Monaten - so der gegenwärtige Plan - soll die Höhe der Umlaufbahn dann schrittweise noch weiter abgesenkt werden, bis Rosetta ihren Zielkometen schließlich in einer Höhe von nur noch rund zehn Kilometern umkreist und diesen dabei auf dessen weiteren Weg in das innere Sonnensystem ’begleitet’.

Vor der Bestimmung einer optimalen Umlaufbahn müssen jedoch noch verschiedene bisher unbekannte Faktoren ermittelt werden. Zum Beispiel stehen den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern zur Zeit keine beziehungsweise nur unzureichende Daten über die Masse des Kometen oder über dessen Gravitatiosnsfeld zur Verfügung. Auch die in den kommenden Monaten wahrscheinlich deutlich zunehmende Aktivität des Kometen muss hierbei berücksichtigt und einkalkuliert werden.

Weitere Aufnahmen von dem Kometen

Hierbei werden sich die Kometenforscher auf die Daten der 21 mitgeführten Instrumente - elf davon befinden sich direkt auf Rosetta, weitere zehn auf dem im November 2014 zum Einsatz kommenden Kometenlander Philae - stützen. Eines dieser Instrumente, die vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelte und betriebene OSIRIS-Kamera - die Hauptkamera an Bord von Rosetta - liefert dabei bereits seit mehreren Wochen wertvolle Dienste.

Anfangs konnte die OSIRIS-Kamera den rotierenden Kometenkern lediglich in geringer Auflösung wiedergeben (Raumfahrer.net berichtete). Am 11. Juli angefertigte Aufnahmen legten erstmals die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Kern von 67P um einen so genannten "contact binary" handeln könnte - ein Objekt, bei dem zwei Einzelkörper durch gravitative Kräfte mehr oder weniger stabil aneinander gebunden sind (Raumfahrer.net berichtete).

Auf den am heutigen Tag von der ESA veröffentlichte Aufnahmen lassen sich jetzt auch erstmals Details von der Oberfläche des Kerns erahnen. Die entsprechenden Bilder wurden von der OSIRIS-Kamera am 20. Juli aus einer Entfernung von rund 5.500 Kilometern zu dem Kometen aufgenommen. Die Auflösung der Aufnahmen beträgt 100 Meter pro Pixel.

Wie bereits die zuvor veröffentlichten Aufnahmen gezeigt haben, scheint der Kern von 67P aus zwei Teilen zu bestehen: einem kleineren ’Kopf’, welcher mit einem größeren ’Körper’ verbunden ist. Speziell der Verbindungsbereich zwischen diesen beiden Komponenten, der ’Hals’, hat das Interesse der Forscher geweckt, da er auf den aktuellen Aufnahmen deutlich heller erscheint als der Rest von 67P.

"Momentan können wir mit Sicherheit lediglich sagen, dass der Halsbereich heller aussieht als der Kopf und der Körper des Kometenkerns", so Dr. Holger Sierks vom MPS, der wissenschaftliche Leiter des OSIRIS-Teams. Hierfür könnten verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel Unterschiede in der Zusammensetzung, unterschiedliche Korngrößen der dort auf der Oberfläche abgelagerten Partikel oder auch topographische Einflüsse verantwortlich sein.

Vergleich mit dem Kometen 103P/Hartley

Auch wenn die aktuellen Bilder noch nicht hochaufgelöst sind, so erinnern sie die an der Auswertung beteiligten Wissenschaftler doch an den Kometen 103P/Hartley, welcher im November 2010 von der NASA-Mission EPOXI im Rahmen eines Vorbeifluges untersucht wurde (Raumfahrer.net berichtete). Während die beiden Enden dieses in die Länge gestreckten Kometenkerns eine raue Oberfläche aufweisen, erscheint dessen mittlerer Bereich ’glatter’. Im Bereich dieser ’Taille’ befindet sich auch der Masseschwerpunkt des Kometen 103P/Hartley. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass sich hier Material abgelagert hat, welches zunächst im Rahmen des Ausgasungsprozesses emittiert wurde, dann aber den Einfluss des Schwerefeldes des Kometen nicht überwinden konnte und auf die Oberfläche zurückfiel.

Ob diese Überlegungen auch auf den ’Halsbereich’ von 67P zutreffen, ist derzeit allerdings noch unklar. Eine andere Erklärung für eine hohe Reflektivität in diesem Bereich könnte eine andere Oberflächenzusammensetzung sein. Das OSIRIS-Team hofft, in den nächsten Wochen spektrale Daten des Kamerasystems zu erhalten. Mit Hilfe verschiedener Filter kann die OSIRIS-Kamera verschiedene Wellenlängenbereiche aus dem reflektierten Licht herausfiltern. Auf diese Weise lassen sich charakteristische ’Fingerabdrücke’ bestimmter Materialien oder unterschiedliche chemische Zusammensetzungen identifizieren.

Zudem ist das OSIRIS-Team derzeit damit beschäftigt, aus den Daten der Kamera die dreidimensionale Form des Kometenkerns zu modellieren. Ein solches Modell - eine erste Version finden Sie weiter oben in diesem Bericht - kann den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern und den für den Flugbetrieb verantwortlichen Ingenieuren der ESA dabei helfen, einen besseren Eindruck von der Gesamtgestalt des Körpers zu gewinnen.

Aufnahmen der Navigationskamera von Rosetta

Während der vergangenen Wochen wurde die interessierte Öffentlichkeit nur sehr spärlich mit aktuellen Aufnahmen des Kometen versorgt. Aus diesem Grund wurde von dem Vorstand des Vereins Raumfahrer.net e.V. ein offener Brief an die für die Mission verantwortlichen Mitarbeiter verfasst, zu dem es auch diverse Reaktionen gab (Raumfahrer.net berichtete). Einen weiteren lesenswerten Beitrag zu dem Thema "Echtzeit-Bilder von Rosetta" und deren Notwendigkeit finden Sie hier.

Die nächste hochaufgelöste Aufnahme der OSIRIS-Kamera, so die ESA, soll erst am 31. Juli veröffentlicht werden.

In der Zwischenzeit beabsichtigt die ESA allerdings mittlerweile, während der weiteren Annäherungsphase an den Kometen auf einer täglichen Basis Aufnahmen der Navigationskamera von Rosetta zu veröffentlichen. Diese Kamera dient - wie der Name bereits sagt - in erster Linie der Navigation der Raumsonde und ist kein Bestandteil der wissenschaftlichen Nutzlast. Im Gegensatz zu der OSIRIS oder anderen rein wissenschaftlichen Instrumenten hat somit ausschließlich die ESA die Inhaberrechte an den Daten dieser Kamera. Aus diesem Grund können deren Aufnahmen auch bereits vor dem Ablauf der für die Instrumente vertraglich festgelegten Sperrfrist von sechs Monaten veröffentlicht werden.

Diese Navigationskamera verfügt zwar über eine deutlich niedrigere Auflösung als die Telekamera (NAC) des OSIRIS-Experiments, aber da sich Rosetta dem Kern des Kometen in den kommenden zwei Wochen immer weiter annähern wird, werden auch diese Aufnahmen immer mehr Details von 67P zeigen. Die Nachbearbeitung dieser im Roh-Format veröffentlichten Aufnahmen wird von der weltweiten Community der ’Weltraum-Enthusiasten’ bestimmt gerne und dankbar aufgegriffen. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden bestimmt dazu beitragen, um das Augenmerk der Öffentlichkeit auch weiterhin auf diese überaus spannende Weltraummission zu richten.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, ESA)



^ Nach oben

Mars Aktuell: Mars: Wind und Eis formten die Hellespontus Montes von Redaktion



• Mars: Wind und Eis formten die Hellespontus Montes «mehr» «online»


» Mars: Wind und Eis formten die Hellespontus Montes
11.07.2014 - Am gestrigen Tag veröffentlichte Aufnahmen der ESA-Raumsonde Mars Express zeigen die abwechslungsreiche Landschaft der Hellespontus Montes auf dem Mars. Dabei zeigen sich am westlichen Rand des Hellas-Impaktbeckens Spuren von Schnee, Eis und Wasser, welche diese Region bereits vor langer Zeit nachhaltig verändert haben.
Mit einem Durchmesser von 6.792 Kilometern ist der Mars nur etwa halb so groß wie unser Heimatplanet. Trotzdem kann unser äußerer Nachbarplanet mit einigen landschaftlichen Superlativen aufwarten, welche in unserem Sonnensystem ihresgleichen suchen. Das auf der südlichen Marshemisphäre gelegene Hellas Planitia verfügt zum Beispiel über einen Durchmesser von etwa 1.600 x 2.200 Kilometern und erreicht eine Tiefe von bis zu neun Kilometern. Nach dem Südpol-Aitken-Becken auf dem irdischen Mond handelt es sich hierbei nach dem bisherigen Wissensstand um das zweitgrößte Impaktbecken in unserem Sonnensystem.

Es entstand, als in der Zeitphase des Großen Bombardements vor etwa 4,1 bis 3,8 Milliarden Jahren ein mehrere Dutzend Kilometer durchmessender Asteroid mit dem Mars kollidierte. Durch die bei dem Impakt auftretenden Kräfte wurde zusätzlich zu dem Einschlagsbecken ein das Hellas Planitia umgebendes Ringgebirge gebildet, welches um bis zu 2.000 Meter über das umliegende Gelände aufragt. Infolge dieser enormen Massenbewegungen bildeten sich tektonische Verwerfungen, die zu weiteren Veränderungen des Geländes führten.

So sind auch die am westlichen Rand des Hellas Planitia gelegenen Hellespontus Montes durch massive vertikale Rutsch- und Sackungsbewegungen entstanden, welche sich stufenförmig in das Innere des Einschlagsbeckens fortsetzen. Im Laufe der Zeit wurde die Region durch Erosion und Verwitterung sowie durch zu späteren Zeitpunkten erfolgenden kleineren Impakten zu einer abwechslungsreichen Landschaft verändert.

Mars Express dokumentiert die Hellespontus Montes

Bereits seit dem 25. Dezember 2003 befindet sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express in einer Umlaufbahn um den Mars und liefert den an dieser Mission beteiligten Wissenschaftlern seitdem regelmäßig eine Vielzahl an Daten und Fotoaufnahmen von der Atmosphäre und speziell von der Oberfläche unseres Nachbarplaneten. Durch die Auswertung der gewonnene Daten und Bildprodukte ergeben sich für die Planetenforscher wertvolle Einblicke in dessen Entwicklungsgeschichte.

Am 13. Januar 2014 überflog Mars Express während des Orbits Nummer 12.750 die Hellespontus Montes und bildete bei dieser Gelegenheit einen Teilbereich dieser etwa 700 Kilometer langen Oberflächenstruktur mit der High Resolution Stereo Camera (kurz "HRSC"), einem der insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters, ab. Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern erreichte die HRSC dabei eine Auflösung von ungefähr 17 Metern pro Pixel.

Die bei diesem Überflug angefertigten Aufnahmen, welche am gestrigen Tag veröffentlicht wurden, geben einen bei etwa 41 Grad südlicher Breite und 45 Grad östlicher Länge gelegenen Ausschnitt der Marsoberfläche wieder. Die abgebildete Region Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von knapp 180 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 75 Kilometer in Ost-West-Richtung und ist damit fast so groß wie das Bundesland Schleswig-Holstein.

Der Wind gestaltete die Landschaft

Auf den Bildern sind verschiedene interessante Landschaftsmerkmale zu erkennen, welche im Laufe der Jahrmillionen durch die Einflüsse des Windes geformt wurden. Der größte hierbei erkennbare Einschlagskrater (in den verschiedenen Nadiransichten ’links oben’ zu erkennen) ist mit äolischen Sedimenten verfüllt, welche allerdings teilweise bereits wieder abgetragenen wurden. Aus diesen Ablagerungen ragen einige Tafelberge und Inselberge heraus, deren härteres Material den erosiven Einwirkungen durch den Marswind besser widerstehen konnte. Einige dieser Berge bilden dabei Hindernisse für den Wind, so dass sich in deren Windschatten kleine, wie Teile einer Perlenkette angeordnete Sicheldünen bilden konnten.

Die Form und Ausrichtung dieser Dünenketten zeigt, dass die vorherrschenden Winde von Osten nach Westen wehen - also von der weiter östlich gelegenen Hellas-Tiefebene (unterhalb des Bildes) kommend in Richtung des im Westen angrenzenden Marshochlandes. Weitere, zum Teil deutlich ausgedehntere Dünenfelder können in den Aufnahmen an anderen Stellen entdeckt werden. Neben den bereits erwähnten Barchan- oder Sicheldünen handelt es sich hierbei um kuppelförmige Dünen oder um geradlinig verlaufende, langgestreckte Dünenformationen.

Auffallend sind zudem auch mehrere Täler, welche sich in die sanft gewellte Oberfläche eingegraben haben und - dem Gefälle des Geländes folgend - zu dem weiter im Osten liegenden Hellas-Impaktbecken weisen. Die Planetenoberfläche besteht hier aus Ablagerungen, die sich wie ein Mantel über die bestehenden Strukturen gelegt haben. In diese Ablagerungen waren in der Vergangenheit vermutlich größere Mengen an flüchtigen Stoffen wie Wasser oder Eis eingebettet. An einigen etwas steileren Abhängen ist erkennbar, dass dieses offenbar nur wenig verfestigte Material in die tiefer liegenden Bereiche abgerutscht ist.

Schneefall führte vermutlich zu einer Gletscherbildung

Im Inneren von einigen kleineren Kratern ist außerdem zu erkennen, dass die dortigen Oberflächen auffällige gewundene Strukturen aufweisen. Die Planetologen bezeichnen derartige Oberflächenformationen auf dem Mars als "concentric crater fill" (zu deutsch: konzentrische Kraterfüllung). Sie weisen eine starke Ähnlichkeit mit den Blockgletschern auf der Erde auf. Diese von Felsblöcken und zerriebenem Lockermaterial durchsetzten Eisgletscher kommen auf der Erde vor allem in den Permafrostgebieten der Hochgebirgsregionen und in den polaren Breiten vor und gelten dort als ein typisches Landschaftselement.

Von den irdischen Blockgletschern ist bekannt, dass die eigentliche Eisschicht nicht offen an der Erdoberfläche liegt, sondern vielmehr unter einer Schicht aus oberflächlichem Gesteinsschutt, einer sogenannten Auftauschicht, verborgen ist. Der bedeckende Gesteinsschutt schützt das darunter befindliche Eis so über lange Zeiträume vor einer direkten Einstrahlung von Sonnenlicht und somit auch vor dem Abschmelzen. Die Ablagerungen werden dabei infolge der plastischen Eigenschaften von Eis bei hohem auflastenden Druck bis zu einem gewissen Grad ’fließfähig’ und so hangabwärts befördert.

Dank der Untersuchung von irdischen Blockgletschern - das Mengenverhältnis von Eis zu Gesteinsschutt beträgt hier etwa vier zu eins - sowie des bekannten Verhältnisses des Durchmessers eines Kraters zu seiner Tiefe und der Messung, bis zu welcher Höhe der Krater mit solchem Material angefüllt ist, lassen sich die hier wirksamen Eismengen in etwa abschätzen. Die Planetologen kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Eisströme dieser Blockgletscher vermutlich mehrere hundert Meter mächtig waren, was durchaus mit Gletschern auf der Erde vergleichbar ist.

Eine Erklärung dafür, dass einstmals große Mengen an Eis in dieser doch noch weit vom Südpol entfernten Region auf dem Mars vorhanden waren, sind Schneefälle, welche in der Frühzeit des Mars wohl regelmäßig erfolgten. Vor mehr als 3,7 Milliarden Jahren war die Atmosphäre des Mars nach dem derzeit allgemein anerkannten Kenntnisstand noch deutlich dichter als in der Gegenwart und enthielt auch mehr Wasser, welches in Form von Schnee auf die Oberfläche gelangte. Dieser lagerte sich unter anderem an den hoch gelegenen Bergen des Hellas-Ringgebirges ab.

An den windabgewandten Seiten der Berge erfolgte dabei durch eine anschließende Verfrachtung eine Akkumulation des Schnees. Vergleichbare Prozesse sind auf der Erde als Schneeverwehungen beziehungsweise Schneewechten bekannt. Das konzentrische Muster der Kraterfüllungen dürfte als Folge dieser Ansammlung von Schnee und Eis über viele solche Niederschlagszyklen entstanden sein.

Manche Wissenschaftler halten es für denkbar, dass auch heute noch Eis unter der nur wenige Dutzend Meter mächtigen Schicht aus Staub und Gesteinsblöcken vorhanden sein könnte. In den Kratersenken war dieses Eis vermutlich über viel längere Zeiträume vor der Sonneneinstrahlung und einer dadurch bedingten Sublimation, dem direkten Übergang vom festen Zustand in den gasförmigen Aggregatzustand, geschützt.

Bildverarbeitung und HRSC-Kamera

Die weiter oben gezeigte Nadir-Farbansicht der Hellespontus Montes wurde aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- beziehungsweise rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Aufnahmen der Stereokanäle der HRSC-Kamera berechnet. Das weiter unten zu sehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Marslandschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal der Kamera abgeleitet. Des Weiteren konnten die für die Bildauswertung zuständigen Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wurde, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann geleitet. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche wissenschaftliche Team besteht derzeit aus 52 Co-Investigatoren, welche von 34 Instituten aus elf Ländern stammen.

Die hochauflösende Stereokamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit mehreren industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des "Planetary Sciences Group" des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof erstellt.

Die hier gezeigten Aufnahmen der Region Hellespontus Montes finden Sie auch auf den entsprechenden Internetseiten des DLR und der FU Berlin. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:

Sonderseite des DLR:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: FU Berlin, DLR, ESA)



 

^ Nach oben


"InSpace" Magazin #522
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
28. Juli 2014
Auflage: 5068 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Timo Lange
Daniel Maurat
Kirsten Müller
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Peter Rittinger
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding
Hans Lammersen
Michael Clormann
Roland Rischer

Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Karl Urban und Ralf Mark Stockfisch.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2014 by Raumfahrer.net.