InSpace Magazin #547 vom 7. Oktober 2015

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #547
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

bestimmt haben Sie den Vorbeiflug von New Horizons am Pluto und seinen Monden miterlebt, und bestimmt - geben Sie es zu - haben Sie ihn schon wieder halb vergessen. Dennoch bringt sich New Horizons immer wieder ins Gedächtnis, denn nachträglich kommen die Bilder und Daten herein. Und das wird auch noch lange so bleiben, denn aufgrund der riesigen Entfernung musste die Sonde alle Daten zwischenspeichern und kann sie nur nach und nach übertragen. In diesem Inspace-Magazin gibt Roland Rischer einen Überblick über die neuesten Ergebnisse.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

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• Arianespace für Argentinien und Australien «mehr» «online»
• ULA aus USA bringt Morelos 3 für Mexiko ins All «mehr» «online»
• Pluto – die Überraschung des Jahres 2015 «mehr» «online»
• SSL baut, Arianespace startet BSAT 4a «mehr» «online»
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» China: Navsat BeiDou-3 I2-S gestartet
01.10.2015 - Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 3B hat am 29. September 2015 einen weiteren chinesischen Navigationssatelliten ins All befördert. Der Start erfolgte von der Startrampe Nr. 3 des Satellitenstartzentrums Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan.
Das chinesische Satellitennavigationssystem BDS (BeiDou System / BeiDou Navigation Satellite System) alias Compass stellt nach Angaben aus China seit 2012 Navigationssignale für den asiatisch-pazifischen Raum zur Verfügung. Mit der jetzt begonnenen dritten Ausbaustufe hofft man auf eine weltweite Abdeckung ab dem Jahre 2020. Dann soll die aktive Satellitenkonstellation 35 Raumfahrzeuge umfassen.

Für das auch als BeiDou-3 bezeichnete System sind 27 Satelliten auf Erdumlaufbahnen in mittleren Höhen, MEO für Medium Earth Orbit genannt, vorgesehen. Außerdem sind fünf Satelliten für Positionen im Geostationären Orbit (GEO) gedacht. Komplettiert wird die geplante Konstellation durch drei weitere Raumfahrzeuge auf inklinierten geosynchronen Orbits (IGSO).

Als exakter Startzeitpunkt am 29. September 2015 in Universalzeit wird 23:13:04.225 Uhr UTC genannt. Die staatliche Organisation für Satellitennavigation Chinas meldete mit Datum vom 30. September 2015, dass am selben Tag um 7:13 Uhr Pekinger Zeit (1:13 Uhr MESZ) eine Rakete vom Typ Langer Marsch 3B mit Chinas 20. Navigationssatelliten an Bord gestartet sei.

Der neue Navigationssatellit ist für einen Einsatz auf einem IGSO, also einer geosynchronen, das heißt an die Erdrotation "gebundenen", inklinierten, also gegen den Erdäquator geneigten Bahn circa 35.786 Kilometer über der Erde bestimmt. Die Projektion einer solchen Flugbahn auf die Erdoberfläche ergibt eine Figur in der ungefähren Form einer Acht, deren Zentrum auf dem Äquator liegt.

Am 30. September 2015 befand sich das Raumfahrzeug auf einer 192 x 35.827 km-Bahn mit einer Neigung von 55,04 Grad gegen den Erdäquator. Für das Erreichen einer kreisförmigen Bahn im Bereich von rund 35.786 Kilometern über der Erde wird BeiDou-3 I2-S auf den eigenen Antrieb zurückgreifen müssen.

Das mutmaßlich von der chinesischen Akademie für Weltraumtechnik (China Academy of Space Technology, CAST) gebaute Raumfahrzeug dürfte mit dem Treibstoff für die Banhzirkulisation sowie Bahnkorrekturen und Lageregelung eine Startmasse im Bereich von 4.200 Kilogramm besessen haben.

Aufgabe des Satelliten ist es nach Informationen der staatlichen chinesischen Organisation für Satellitennavigation unter anderem, Verbindungen zwischen Satelliten (inter-satellite links) zu testen. Dabei will man ein neu entwickeltes Datenübertragungsprotokoll einsetzen, das die mögliche Datenrate ungefähr verdoppelt.

An Bord von BeiDou-3 I2-S befindet sich nach Angaben der schon genannten Quelle außerdem eine neue, hochgenaue Wasserstoff-Atomuhr. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Wasserstoff-Maser-Uhr. Zu Beginn seines Navigationssatellitenprogramms hatte China noch Rubidium-Uhren des Schweizer Lieferanten Temex, heute SpectraTime (SpT), eingesetzt.

Reverse Engineering beim Bau von Atomuhren für Navigationsnutzlasten wird China verschiedentlich unterstellt. Das Institut für Physik und Mathematik aus Wuhan (Wuhan Institute of Physics and Mathematics, WIPM) hatte 2005 ein Testmodell einer Rubidium-Uhr fertiggestellt, das 2006 für den Einsatz im Weltraum qualifiziert werden konnte.

Von Wissenschaftlern aus Schanghai entwickelte Wasserstoff-Maser-Uhren auf chinesischen Navigationssatelliten sollen die Genauigkeit von BeiDou-3 künftig steigern. Anvisiert ist eine Genauigkeit im Bereich eines halben Meters.

Das Astronomische Observatorium Schanghai (Shanghai Astronomical Observatroy, SHAO) arbeitet seit einiger Zeit an der Entwicklung vom Atomuhren zum Einsatz an Bord von Raumfahrzeugen. Dabei wird insbesondere auf geringes Gewicht der Konstruktion und eine hohe Ganggenauigkeit geachtet. Das SHAO hatte im Jahr 1972 die erste chinesische Atomuhr verwirklicht.

An raumfahrttauglichen passiven Wasserstoff-Maser-Uhren (passiv hydrogen maser, PHM) forscht man in Schanghai seit 2005. Das BeiDou-Bodensegment ist übrigens ebenfalls auf hochgenaue Atomuhren angewiesen. Sogenannte sapphiere active hydrogen clocks, also aktive Wasserstoff-Maser-Uhren - auch ein Arbeitsgebiet des SHAO -, haben sich zwischenzeitlich für den Einsatz im Bodensegment qualifiziert.

BeiDou-3 I2-S (BD-3 I2-S, BD-3I 2S) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.938 und als COSPAR-Objekt 2015-053A.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: www.bjd.com.cn, www.beidou.gov.cn, http://www.cast.cn, CSNC, CCTV, mil.huanqiu.com, Xinhua)


» Arianespace für Argentinien und Australien
01.10.2015 - Am 30. September 2015 startete um 22:30 Uhr MESZ vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch-Guayana eine Ariane-5-Trägerrakete mit zwei Kommunikationssatelliten an Bord. Die Erdtrabanten für den Netzbetreiber NBN (National Broadband Network) aus Australien und die Empresa Argentina de Soluciones Satelitales SA (AR-SAT) aus Argentinien wurden nach rund einer halben Stunde Flug erfolgreich ausgesetzt.
Verwendet wurde eine Ariane-5-ECA von Airbus Safran Launchers (ASL), die von der Startrampe ELA-3 zum fünften Flug einer Ariane 5 im Jahr 2015 abhob. Transportiert wurden bei der Mission VA226 der Kommunikationssatellit Sky Muster (Masse beim Start 6.440 kg) und der Kommunikationssatellit ARSAT 2 (Startmasse 2.977 kg).

Beide Satelliten waren zusammen unter einer 17 Meter hohen Nutzlastverkleidung mit einem Durchmesser von 5,4 Metern und einer Masse von 2,4 Tonnen untergebracht. Sky Muster wurde als erster der Satelliten knapp 28 Minuten nach dem Start ausgesetzt, er saß zuoberst auf der 5,8 Meter hohen Nutzlasttragstruktur SYLDA 5 C (SYLDA ist die Abkürzung von "Système de Lancement Double Ariane", Ariane-Doppelstartvorrichtung). Nach Abstoßen der SYLDA 5 C knapp 30 Minuten nach dem Start wurde ARSAT 2 rund 32,5 Minuten nach dem Start freigegeben.

Die zwei Satelliten werden aus dem Geotransferorbit (GTO) mit einem geplanten Perigäum von 250 km über der Erde (249,4 laut Airbus Defense and Space) und einem geplanten Apogäum von 35.786 km über der Erde mit eigenen Antrieben den Geostationären Orbit (GEO) ansteuern. Die Antriebe müssen auch den Abbau der Rest-Inklination, der verbliebenen Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, von geplanten 6 Grad bewerkstelligen.

Bei Sky Muster handelt es sich um ein von Space Systems / Loral (SSL) aus Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien auf Basis des Satellitenbus´ 1300 entworfenes und gebautes Raumfahrzeug, dessen Grundkörper Maße von rund 8,5 auf 3,5 auf 3 Meter aufweist. Ursprünglich hieß der Satellit NBN Co 1A, wurde jedoch nach Vorschlag eines sechsjährigen Mädchens - der Gewinnerin eines Wettbewerbs von NBN - umbenannt.

Der dreiachsstabilisierte Satellit ist dazu gedacht, Empfänger in Australien und auf den Inseln in der Region von einer Position zwischen 135 und 150 Grad Ost im GEO mit breitbandigen Datenverbindungen zu versorgen. Dementsprechend ist die über 10 Kilowatt leistende Kommunikationsnutzlast von Sky Muster mit 202 Ka-Band-Transpondern ausgestattet, die 101 Ausleuchtzonen bedienen sollen. Darunter sind Ausleuchtzonen für die Inseln Christmas, Cocos, Lord Howe, Norfolk und Macquarie.

Die Energieversorgung der Satellitensysteme von Sky Muster erfolgt durch zwei Solarzellenausleger, die dem Raumfahrzeug eine Spannweite von rund 26 Metern geben. Am Ende der projektierten Einsatzdauer von über 15 Jahren sollen die Solarzellenausleger von Sky Muster noch mindestens 16,4 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen können. Für die Stromspeicherung besitzt der Satellit drei Lithium-Ionen-Akkumulatorensätze.

Der mit Monomethylhydrazin (MMH) und einer Mischung von Stickstoffoxiden (MON-3, Stickstofftetroxid mit 3% Stickstoffmonooxid) betriebene Apogäumsmotor von Sky Muster besitzt einen Nominalschub von 455 Newton. Er wird für die Anhebung und Zirkulisation der Bahn des Satelliten benötigt. Dabei wird ein großer Teil der rund 2.700 Kilogramm Treibstoffe an Bord von Sky Muster verbraucht werden.

Für die Lageregelung sowie das Halten oder Verändern der Position des Satelliten besitzt der Satellit außerdem eine Anzahl von 22 Newton starken, MMH und MON-3 verwendenden Zweistofftriebwerken sowie elektrische Triebwerke des Typs SPT-100 (SPT steht für stationary plasma thruster) bzw. SPD-100 vom russischen Konstruktionsbüro Fackel bzw. Fakel aus Kaliningrad. Die elektrischen Triebwerke verwenden das Edelgas Xenon als auszustoßende Stützmasse. Sie haben einen Schub von jeweils nur 83 Millinewton (80 Millinewton bei 1,5 kW Leistungseingang), lassen sich jedoch sehr ausdauernd einsetzen.

Nach Angaben von SSL mit Datum vom 1. Oktober 2015 wurden initiale Tests nach dem Aussetzen des Satelliten bereits abgeschlossen, die Solarzellenausleger sind entfaltet. Der Satellit ist für die angesetzten Bahnanhebungsmanöver bereit. Das erste dieser Manöver ist für den 2. Oktober 2015 geplant.

In zwei bis drei Monaten will NBN den kommerziellen Betrieb von Sky Muster an der vorgesehenen Position im GEO aufnehmen. Sky Muster war der 52. Satellit für eine Position im GEO von SSL, der auf einer Ariane-Rakete gestartet wurde. Eigenen Angaben zu Folge hat Arianespace aktuell Aufträge für Starts mit weiteren zwölf Satelliten von SSL.

ARSAT 2 ist eine Konstruktion der INVAP aus Argentinien, basiert auf einem ARSAT-3K genannten Satellitenbus und entstand unter maßgeblicher Mitwirkung des französisch-italienischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Thales Alenia Space (TAS). Über 50 Prozent der Bestandteile von ARSAT 2 wurden aber in Argentinien selbst hergestellt.

AR-SATs neuer Satellit soll im GEO eine Position im Bereich von 81 Grad West beziehen. Verwenden will AR-SAT den neuen Erdtrabanten zur Versorgung von Nutzern in den beiden amerikanischen Kontinenten, von Argentinien im Süden bis Kanada im Norden. Via ARSAT 2 sollen eine große Bandbreite von Kommunikations- und Datendiensten sowie Fernsehprogramme ausgestrahlt werden.

Ausgestattet ist ARSAT-2 mit einer Kommunikationsnutzlast mit 26 bzw. 20 Ku- und 10 bzw. 6 C-Band-Transpondern. Sie umfasst außerdem zwei ausklappbare und eine fest montierte Parabolantennen (vom Typ Gregory). Die Gesamtleistung der Kommunikationsnutzlast liegt im Bereich von 3,5 Kilowatt.

Mit elektrischer Energie versorgt wird die Kommunikationsnutzlast von ARSAT 2 durch zwei Solarzellenausleger, die dem Raumfahrzeug mit einem Hauptkörper von 4,9 x 2,2 x 1,8 Meter zusammen eine Spannweite von insgesamt 16,32 Metern geben. Die vorgesehene Standzeit des dreiachsstabilisierten, mit einem Lithium-Ionen-Akkumulatorensatz ausgestatteten Satelliten im Orbit beträgt mindestens 15 Jahre. Bei Einsatzende sollen die Solarzellenausleger immer noch mindestens 4,6 Kilowatt elektrische Leistung liefern können.

Der mit Monomethylhydrazin (MMH) und NTO betriebene Apogäumsmotor des Typs S400 von Airbus Defense and Space an Bord von ARSAT 2 besitzt einen Nominalschub von 400 Newton. Für die Lageregelung sowie das Halten oder Verändern der Position des Satelliten wurde der Satellit außerdem mit 16 kleinen, 10 Newton starken Triebwerken des Typs S10-18 von Airbus Defense and Space ausgerüstet.

Airbus Defense and Space bzw. Astrium steuerte für ARSAT 2 neben den Triebwerken auch einen Treibstofftank vom Typ OST 22/1, neun Pyroventile sowie elf Füll- und Ablaßventile bei.

Während der frühen Test- und Inbetriebnahmephase im All (Launch and Early Orbit Phase, LEOP) von ARSAT 2 wird das Raumfahrzeug von der argentienieschen Bodenstation Benavídez nördlich von Buenos Aires aus überwacht und gesteuert.

ARSAT 2 war der zweite Satellit, den Arianespace für AR-SAT ins All tranportiert hat. Der Start des ditten, ARSAT 3, ist gerade vertraglich verinbart worden, meldete Arianespace am 30. September 2015. Im Jahre 2019 soll ARSAT 3 von einer Ariane-5-Rakete auf eine Übergangsbahn zum GEO gebracht werden.

VA226 mit Sky Muster und ARSAT 2 auf der Rakete L580 aus dem Produktionslos PB war die 68. erfolgreiche Ariane-5-Mission in Folge. Bei der Mission VA226 wurde bei einer Gesamtstartmasse von rund 780 Tonnen (laut Airbus Defence and Space rund 773,8 Tonnen beim Abheben) eine Gesamtnutzlast von 10.203 kg transportiert.

Die Objekte, die nach dem Start Umlaufbahnen um die Erde erreichten, sind wie folgt katalogisiert:

  • NORAD Nr. 40.940, COSPAR-Objekt 2015-054A
  • NORAD Nr. 40.941, COSPAR-Objekt 2015-054B
  • NORAD Nr. 40.942, COSPAR-Objekt 2015-054C
  • NORAD Nr. 40.943, COSPAR-Objekt 2015-054D

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Airbus Defense and Space, Arianespace, AR-SAT, INVAP, NBN, SSL, TAS)


» ULA aus USA bringt Morelos 3 für Mexiko ins All
04.10.2015 - Der Kommunikationssatellit Morelos 3 wurde am 2. Oktober 2015 von einer Atlas-V-Rakete des Startanbieters United Launch Alliance (ULA) für das mexikanische Kommunikations- und Transportministerium in den Weltraum gebracht.
Der Start erfolgte nach einer Countdown-Verzögerung wegen Verletzung der auf Grund des Starts gesperrten Sicherheitszone um 6:28 Uhr EDT, das ist 12:28 Uhr MESZ, von der Startrampe 41 der Luftwaffenbasis Cape Canaveral (Cape Canaveral Air Force Station, CCAFS) im US-amerikanischen Bundesstaat Florida.

Startverzögerungen und Aufschübe sind in Florida nichts ungewöhnliches. Nicht immer sind gesperrte Sicherheitszonen zum richtigen Zeitpunkt auch geräumt, und die Wetterbedingungen spielen auch nicht immer mit.

Am 2. Oktober 2015 gelang ein Räumung der Sicherheitszone dann doch innerhalb des vorgesehenen Startfensters, welches von 12:08 bis 13:01 Uhr MESZ geöffnet war, und das Wetter ließ den Start zwischen dem Hurrikan Joaquin und einem weiteren Sturm zu.

Vorgezogen war der Start von Morelos 3 gleichzeitig auch. Bei Beauftragung des Starts im Herbst 2013 war die Rede davon, dass er so früh wie möglich im Jahr 2015 stattfinden solle. Die US-Luftwaffe (United States Air Force, USAF) kam dem künftigen Nutzer des Satelliten nach Angaben des Branchendienstes Spaceref entgegen und stellte eine ursprünglich für einen US-amerikanischen Navigationssatelliten vorgesehene Rakete zur Verfügung.

Die verwendete Rakete war eine in der Version 421, das heißt, sie hatte eine Nutzlastverkleidung mit vier Metern Durchmesser, seitlich an ihrer ersten Stufe zwei Feststoffbooster von Aerojet Rocketdyne, und in der Centaur-Oberstufe ein Triebwerk des Typs RL10C-1, ebenfalls von Aerojet Rocketdyne.

Orbital ATK steuerte Verkleidungsteile aus Kompositmaterial aus dem Werk Luka im US-Bundesstaat Mississippi, für die erste Stufe acht Retroraketen aus dem Werk Elkton im Staate Maryland und Treibstofftanks aus Magna, Utah, für die Atlas V bei. Seit der Einführung der Atlas V, die in der ersten Stufe ein RD-180-Triebwerk von RD AMROSS russischer Abstammung benutzt, absolvierten Raketen dieses Grundtyps inklusive des jetzt erfolgten zusammen 57 Flüge. Für die Variante 421 war es der 5. Einsatz. Die jetzt absolvierte Mission war außerdem die 100. einer Rakete des Startanbieters ULA seit seiner Gründung Ende 2006.

Der transportierte Satellit mit einer Startmasse im Bereich von 5,8 Tonnen (Leermasse rund 3,2 Tonnen) ist nach Angaben seiner künftigen Nutzer dazu gedacht, die Kapazitäten des integrierten mexikanischen Kommunikationssatellitensystems MEXSAT zu erweitern.

Morelos 3, der von Boeing in den Vereinigten Staaten von Amerika basierend auf dem Satellitenbus 702HP gebaut worden war, soll mit über ihn zu realisierenden Kommunikationsverbindungen unter anderem bei der Bewältigung von Katastrophen helfen, die Koordination von Rettungseinheiten ermöglichen, Verbindungen zur Verwendung im Bereich der Telemedizin bereitstellen, sowie Bildungsprogramme in abseits gelegene Gebiete transportieren.

Insbesondere die Anbindung abgelegener Gebiete in Mexiko an moderne Kommunikationsnetzwerke wird vom mexikanischen Kommunikations- und Transportministerium (Secretaria de Comunicaciones y Transportes, SCT) als zentrale Aufgabe des neuen Raumfahrzeugs betrachtet. Dazu wir der Satellit im L-Band 122 einzelne Ausleuchtzonen (Spot Beams) bedienen.

Als Betreiber von Morelos 3 für das SCT wird Telecomunicaciones de Mexico fungieren. Das unterstützte Netz erlaubt die Verwendung von Mobilgeräten und anderen Terminals nach dem 3G+-Standart.

Nach Angaben von Boeing hat man zwischenzeitlich Telemetriesignale des Satelliten empfangen. Rund 13 Tage nach dem Start und dem rund 2 Stunden und 52 Minuten nach dem Abheben erfolgten Aussetzen in der 4.800 x 35.784 km Transferbahn mit einer Neigung von 26,98 Grad gegen den Erdäquator soll der Satellit den Geostationären Orbit (GEO) erreichen. Um das zu gewährleisten, wurde der Satellit mit einem Apogäumsmotor vom Typ R-4D ausgestattet, der ein Reihe von Brennphasen zu absolvieren hat.

Im GEO möchte man den dreichasstabilisierten Satelliten schließlich an einer Position von 113 Grad West über Ecuador stationieren. Dort soll seine Kommunikationsnutzlast, die unter anderem mit einer 2 Meter durchmessenden Ku-Band-Antenne und mit einer entfaltbaren L-Band-Antenne von Harris mit einem Durchmesser von 22 Metern ausgerüstet ist, zum Einsatz kommen.

Bauteile des Masts und der Struktur der entfaltbaren Antenne hat Orbital ATK geliefert. Die Bauteile kommen aus Magna, Utah. Vom selben Hersteller kommen auch Wärmetauscher, die wichtige Bestandteile des Thermalkontrollsystems des Satelliten sind. Sie entstanden in Beltsville, Maryland.

Die Kommunikationsnutzlast und die raumflugtechnischen Systeme von Morelos 3 werden von zwei Solarzellenauslegern aus jeweils fünf Segmenten mit Strom versorgt. Die elektrische Leistung der Solarzellenausleger liegt bei Betriebsbeginn im Bereich von 14 Kilowatt.

Zur Speicherung elektrischer Energie an Bord besitzt das Raumfahrzeug Lithium-Ionen-Akkumulatoren mit Zellen vom Typ VES140S des Herstellers Saft. Sie werden insbesondere zur Versorgung der Satellitensystem während der zwei jeweils rund 45 Tage pro Jahr dauernden Perioden benötigt, in welchen sich der Satellit teilweise oder voll im Erdschatten befindet, und seine Solarzellenausleger während bestimmter Stunden am Tag keine oder nicht ausreichend elektrische Energie liefern können.

Morelos 3 alias Mexsat 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.946 und als COSPAR-Objekt 2015-056A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, Lockheed Martin, Orbital ATK, Saft, ULA)


» Pluto – die Überraschung des Jahres 2015
05.10.2015 - Zu den gelungenen Überraschungen des Jahres 2015 zählen sicher die erstmaligen Nahaufnahmen des Pluto durch die Sonde New Horizons. Der langsame Bilddatenstrom vom Rand des Sonnenssystems zur Erde bietet auch nach drei Monaten des Vorbeiflugs immer neue faszinierende Einblicke einer mitunter erstaunlich Erd-ähnlichen Welt.
Die Jahre 2014/2015 waren aus Sicht der Planetologen, das kann man jetzt schon sagen, besondere Jahre. Gleich drei Langzeitmissionen – Rosetta/Philae, Dawn und New Horizons - kamen an ihren Zielen an und liefen dann nahezu perfekt nach Drehbuch ab. Nach jahrelanger Reisezeit im Weltraum ist das aus technischer Sicht keinesfalls selbstverständlich. Die von Rosetta gelieferten Bilder des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko bewiesen einmal mehr, dass man seiner Phantasie bezüglich des Formenreichtums dort draußen keine Grenzen setzen sollte. Der Asteroid Ceres überraschte aus der Distanz mit geheimnisvollen Details auf seiner Oberfläche. Beim Massenpublikum konnte man mit den von der Sonde Dawn gelieferten Bildern zwar nur kurz Interesse wecken. Dem Erkenntnisgewinn über den größten Himmelskörper im Asteroidengürtel tut das aber keinen Abbruch, zumal der Besuch von Dawn bei Ceres im Unterschied zu den Missionen Rosetta bei 67P und New Horizons zum Pluto noch länger andauern wird.

Zu den überraschenden Überraschungen dieses Jahres zählen sicher die erstmaligen Nahaufnahmen des Pluto durch die Sonde New Horizons. Generationen weltraumbegeisterter Menschen wuchsen mit einem eng begrenzten Wissen über den neunten Planten auf. Die Krönung waren verwaschene Bilder wie etwa jenes des Weltraumteleskops Hubble (Bild 1) aus den Jahr 2002. Dann wurde Pluto auch noch zum Zwergplaneten herabgestuft, unter anderem weil er die Neptun-Bahn kreuzt. Fehlte nur noch, dass einer behauptet hätte, da könne es aufgrund dieser und jener Annahmen nicht viel anderes aussehen wie auf dem Mond. Die einstige Nummer Neun wäre mittelfristig wahrscheinlich endgültig aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden und nur noch Spezialisten ein Begriff gewesen.

Das haben die Bilder von New Horizons nun aber für das erste verhindert. Ihr kurzer Pluto-Vorbeiflug am 14. Juli 2015 mit einer größten Annäherung von 12.500 Kilometer lieferte Bilder, wie sie sich selbst Science-Fiction-Illustratoren nicht besser hätten ausdenken können. Weil die Datenübertragungsrate von der Sonde zur Erde sehr gering ist, wurden die Daten an Bord der Sonde zwischengespeichert. Im Laufe der nächsten zwölf Monate werden wir noch viele weitere erstaunliche Bilder vom Pluto und seines Mondes Charon bekommen.

Vorläufige Krönung im Bilderangebot der NASA ist ein 70 Megabyte-Bild (in bescheidenerer Auflösung siehe Bild 2). Es zeigt Strukturen ab einer Größe von 1,8 Kilometern. Bei der Aufnahme handelt sich schärfe-optimierte und farbverstärkte Zusammensetzung von Einzelbildern der Multispektralkamera (Multispectral Visual Imaging Camera (MVIC)) im Kamerasystem Ralph an Bord von New Horizons, welches unzählige Details wie Kanäle, Krater und ausgedehnte Eisfelder mit ihren eigenen Strukturen zeigt. Die Farbkontraste wurden erhöht. Dem menschlichen Auge würde Pluto daher erheblich matter erscheinen. Spaceflight Now zitiert John Spencer vom Geologie-, Geophysik- und Bilder-Team des Southwest Research Institute (SWRI) in Boulder, Colorado, USA: „Plutos Oberflächenfarben wurden verstärkt, um feine Details im blassen Blau, Gelb, Orange und in intensiven Rottönen sichtbarer zu machen. Viele der Landschaften haben ihre eigene eindeutige Farbe, die uns eine interessante komplexe geologische und klimatologische Geschichte zu erzählt, die wir aber noch zu entschlüsseln haben.“

Nicht weniger beeindruckend sind die Bilder des Pluto-Mondes Charon (Bild 3). Von den fünf Pluto-Monden ist er mit Abstand der größte und hat mit 1.214 Kilometern Durchmesser etwa den halben Pluto-Durchmesser, relativ gesehen Rekord im Sonnensystem und fast schon ein Doppel-Zwergplanetensystem. Im Gegensatz zu Pluto entspricht Charons Oberfläche eher dem, was man bei einem Gesteinshimmelkörper erwartet, bietet aber Extreme wie tiefe und lange Schluchten am Äquator und vergleichsweise glatte, an die Mond-Mare erinnernde Ebenen im Süden, deren Entstehung noch der Erklärung bedürfen. Dazu dürfte der Bilddatenstrom von New Horizons in den nächsten zwölf Monaten ebenfalls beitragen. Der rote, circa 475 Kilometer duchmessende Fleck im Norden, entlehnt aus Tolkiens „Herr der Ringe“ inoffiziell Mordor Macula genannt, ist vermutlich auf Tholine zurückzuführen. Dabei handelt es sich um Kohlenstoffverbindungen, deren Herkunft vom nahen Pluto vermutet wird (ausführlicher zu den Tholinen siehe im Raumcon-Forum "New Horizons Mission" Beitrag #1374; zu den anderen Plutomonden ebenda ab Beitrag #1386; Dank an Gertrud).

Die zweite Baugruppe im Kamerasystem Ralph ist LEISA (Linear Etalon Imaging Spectral Array) für Aufnahmen im Infrarot-Bereich. Bereits beim Anflug kurz vor dem 14. Juli 2015 wurde Pluto mit Hilfe des Ralph/LEISA Infrarot-Spektrometers auf Methanvorkommen untersucht. Die Ergebnisse zeigt Bild 4. Erfasst wurde lediglich die linke Hälfte der Pluto-Scheibe. Die Methan-Verteilung zeigt auffällige regionale Unterschiede. Die intensive Purpur-Färbung deutet auf eine hohe Methankonzentration hin. Die schwarzen Flächen zeigen eine niedrigere Methankonzentration. Die Überlagerung der Methan-Karte mit dem entsprechenden Bild der LORRI-Kamera (Long Range Reconnaissance Imager) zeigt eine auffällige Übereinstimmung mit Flächenformationen, insbesondere der vorläufig Sputnik Planum genannten Ebene.

Bild 5 sei stellvertretend für die vielen beeindruckenden Einzelbilder ausgewählt. Rund 15 Minuten nach der größten Annäherung blickte New Horizons zurück und machte aus 18.000 Kilometern Entfernung eine Gegenlichtaufnahme bei Sonnenuntergang von der Sputnik Planum getauften ebenen Fläche und den bis zu 3.500 Metern hohen Bergen im Westen. Das Bild erstreckt sich über eine Breite von 380 Kilometer. Die Berge im Vordergrund wurden vorläufig nach Tensing Norgay, jene im Hintergrund am Horizont nach Edmund Hillary benannt, den beiden Mount Everest-Erstbesteigern. Das Gegenlicht macht rund zwölf Dunstschichten in Plutos dünner Atmosphäre sichtbar.

Zu den überraschenden Details gehören auch Indizien für Gletscheraktivitäten auf Bild 6. Die Aufnahme erstreckt sich über 630 Kilometer. Ähnlich wie im Wasserkreislauf auf der Erde scheint sich auf dem Pluto bei Temperaturen um minus 230 Grad Celsius vermutlich verdunsteter Stickstoff aus dem Sputnik Planum in gefrorener Form in den höheren östlichen Regionen niederzuschlagen. Das Bild zeigt Hinweise darauf, dass Stickstoff-Gletscher langsam in das Sputnik Planum fließen. Die roten Pfeile deuten auf die drei bis acht Kilometer breiten Abflusstäler. Die blauen Pfeile zeigen den Verlauf der Eisfront im Sputnik Planum. Dazu Alan Howard vom New Horizons-Team für Geologie, Geophysik und Bilder der University of Virginia, Charlottesville, USA: „Wir haben angesichts der Tiefkühlbedingungen des äußeren Sonnensystems nicht mit einem Stickstoff-basierten Eiszyklus auf dem Pluto gerechnet. In Gang gehalten vom schwachen Sonnenlicht scheinen die Vorgänge direkt mit jenen im hiesigen Wasserkreislauf vergleichbar zu sein, durch den die Eiskappen der Erde gebildet werden. Wasser verdunstet aus den Ozeanen, fällt als Schnee und kehrt als Gletschereis in die Meere zurück.“

„Pluto ist in dieser Hinsicht überraschend Erd-ähnlich“, resümiert Alan Stern Leiter des New Horizons Wissenschaftler-Teams am SWRI, „und keiner hat das vorausgesagt.“

Unweigerlich fragt man sich, wie diese tiefgekühlte Welt aussehen würde, wenn sie in einer habitablen Zone ihre Bahnen zöge.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA, JHUAPL, SWRI, Spaceflight Now, Raumcon)


» SSL baut, Arianespace startet BSAT 4a
14.09.2015 - Der erste 4K/8K-Fernsehsatellit für die Broadcasting Satellite System Corporation (B-SAT) aus Japan, BSAT 4a, wird von SSL (Space Systems / Loral) gebaut. Arianespace soll ihn anschließend in den Weltraum transportieren.
Mindestens 15 Jahre soll sich der von SSL in den Vereinigten Staaten von Amerika zu bauende, auf dem Satellitenbus SSL 1300 basierende BSAT 4a einsetzen lassen. Der Satellit ist die erste Konstuktion, die SSL für B-SAT liefert. Den Satelliten wird SSL mit 24 Ku-Band-Transpondern ausstatten.

Über den neuen Satelliten plant B-SAT die Ausstrahlung von extrem hochauflösenden Fernsehprogrammen im Format 4K, später auch im Format 8K. Von einer Position bei 110 Grad Ost im Geostationären Orbit aus will das im April 1993 gegründete Unternehmen mit Sitz in Tokio mit BSAT 4a vor allem Zuseher in Japan erreichen. Dort hat B-SAT nach eigenen Angaben aktuell über 140 Millionen Empfänger digital ausgestrahlter Programme.

BSAT 4a soll die gleiche Ausleuchtzone wie sein Vorgänger BSAT 3a bedienen. Er wird also der Nachfolger von BSAT 3a (NORAD 32.019, COSPAR 2007-036B). BSAT 3a kreist seit dem 14. August 2007 um die Erde und ist eine auf dem Satellitenbus A2100A basierende Konstruktion von Lockheed Martin Commercial Space Systems (LMCSS). Seine Auslegungsbetriebsdauer beträgt 13 Jahre.

Der Start von BSAT 4a, der für einen aktuellen Satelliten von SSL mit einer Startmasse im Bereich von 3.500 Kilogramm relativ leicht ausfällt, ist nach aktuellen Planungen für Ende 2017 vorgesehen. Arianespace wurde von B-SAT und SSL beauftragt, den Satelliten von Kourou in Französisch-Guayana aus auf einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum zu transportieren, teilte der Startanbieter am 14. September 2015 mit.

Alle bisher von unterschiedlichen Herstellern gebauten Satelliten von B-SAT wurden von Ariane-Raketen unterschiedlicher Generationen ins All gebracht.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, B-SAT, SSL)


» Kommentar: Die maximale MAKS
23.09.2015 - Eine (ganz persönliche) Nachlese zu Russlands Luft- und Raumfahrtschau MAKS 2015.
Ende August dröhnte der Himmel östlich von Moskau besonders laut. Die Ursache: Die MAKS des Jahres 2015. In Fachkreisen zählt die MAKS (Международный авиационно-космический салон, übersetzt: Internationaler Luft- und Raumfahrtsalon) neben ILA (Berlin), Farnborough (westlich von London) und Le Bourget (Paris) zu den wichtigsten Leistungsschauen der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Seit 1993 findet die MAKS alle 2 Jahre statt. Ausstellungsort ist der Flugplatz Ramenskoje nahe der Stadt Schukowski, östlich von Moskau. Das Flugfeld wird von der Michail-Gromow-Hochschule für Flugforschung genutzt, verfügt über die längste Flugpiste Europas (5,4 Kilometer) und hat im Laufe seiner Geschichte viele Prototyp-Erprobungen, von „geheimen“ Flugzeugen, Jägern, Bombern, über Zivilmaschinen bis zum Buran, gesehen.

Russlands Luft- und Raumfahrtindustrie rief also zur MAKS-2015 ... und alle Russen kamen ... . Und die anderen? Man musste suchen.

Hier zeigt sich die Spaltung und der derzeitige Niedergang der gemeinsamen Ausstellungskultur solcher Veranstaltungen. In Le Bourget waren die Westeuropäer und Amerikaner fast unter sich. Die Russen hatten kein einziges Fluggerät nach Paris entsandt. Jetzt, reichlich zwei Monate später in Moskau war es genau umgekehrt.

Die Ukraine-Krise und die damit verbundenen Sanktionen, Gegensanktionen, Kontaktabbrüche, Eiszeitstimmungen und unterschiedlichstes politisches Unbehagen sorgten dafür, dass die russischen Aussteller fast (aber nur fast) unter sich waren.

Vorbei die Zeit, als die US-Airforce ihren Transporter Galaxy und Bomber B-52 friedlich nach Moskau schickten, ein französischer Kampfjet Kunst flog und die Europäer ihren A380 kreisen ließen. So gesehen auf der MAKS-2011. Und das russische Publikum begrüßte freundlich die Gäste. „Kommt alle wieder …. .“ sagte mir jemand. So schnell aber ganz bestimmt nicht, befürchte ich. Im Moment scheint hier die Politik offiziell in der Sackgasse.

Trotz dieser unerfreulichen Entwicklung fand man aber doch einige hierzulande bekannte Namen. Zum Beispiel waren Boeing, Pratt & Whitney, Rolls Royce und Airbus nicht zu übersehen. Letztere hatten für die Fachbesuchertage sogar einen A350 geschickt. So ganz wollte man den russischen Markt doch nicht aufgeben. Des weiteren waren China und Indien gut vertreten, was auf entsprechende bestehende und zukünftige Allianzen hindeutet.

All das konnte aber nicht überdecken: Es war die Schau der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Und es wurde alles, was man hatte, aufgefahren. Von alten ehrwürdigen Maschinen (Li-2, ein Lizenzbau der berühmten Douglas DC-3 Dakota) über die großen Errungenschaften der Sowjetzeit (Tu-144) bis in die Gegenwart. Dabei konnte aber auch eine sonnengelb erstrahlende Tu-204 von DHL nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auf dem zivilen Sektor in Russlands Luftfahrtindustrie nicht weit her ist.

Der einzige Verkehrsflugzeugneubau Sukhoi Superjet-100 verkauft sich zwar mittlerweile ganz gut, das reicht aber nicht. Dazu braucht man nicht unbedingt zu einer Luftfahrtmesse zu gehen. Da reicht ein Blick auf den Flughafen Scheremetjewo, wo Boeing und Airbus von Aeroflot das Rollfeld dominieren.

Also war die Schau vor allem eine Leistungsschau von Russlands Militärluftmacht. Bomber, Tanker, Jagdflugzeuge und das passende Gerät um solche mutwillig wieder vom Himmel zu holen. All das wurde gezeigt und vorgeführt. Das Signal war auf alle Fälle eindeutig. Sowohl nach außen als auch nach innen. Mit den russischen Luftstreitkräften muss man rechnen.

Unter den Augen der Zuschauer wurden Flugfiguren gezeigt, die eigentlich aerodynamisch nicht möglich sein konnten. Tarnkappenflugzeug T-50 und Jäger Su-35 zeigten alles. Kunstflugstaffeln der Luftstreitkräfte zogen präzise ihre Figuren am Himmel. Am Boden konnte dann manch stolzer Vater seinem Sohn mal die Funktion eines Kampfflugzeug mit Maschinengewehren und Bomben zeigen oder den Umgang mit einer Fliegerabwehr-Rakete direkt am Modell erklären.

Ein schauriges Szenarium, bei dem es mir doch kalt den Rücken runter lief. Aber wer im Glashaus sitzt, der sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Auch auf Messen wie der ILA wird dem teilweise extrem jungen Publikum auch so manches, nicht gerade lebenserhaltende Gerät eifrig erklärt - zum Beispiel durch die Bundeswehr. Wer unterscheidet da schon zwischen guten und bösen Waffen?! Doch soll an dieser Stelle nicht weiter über (Militär-)Luftfahrt berichtet werden. Was machten denn nun die Raumfahrt?

Schon am Eingang grüßte die frisch polierte IL-76MDK des Kosmonautenausbildungszentrums in den Farben von Roscosmos. In ihr wird Schwerelosigkeit mittels Parabelflügen simuliert. Das Gedränge war hier schon groß.

Im Pavillon von Roscosmos war ebenfalls viel Gedränge. Der absolute Publikumsmagnet war das schon etwas konkretere Funktionsmodell des Sojus-Nachfolgers. Fragen wurden so gut wie keine beantwortet. Das war vermutlich nur an den Fachbesuchertagen möglich. Und einen direkten Blick hinein durften nur Kinder werfen.

Musste man so zähneknirschend akzeptieren. Leider. Wobei, das, was man mit einem schnellen Blick erhaschen konnte, war schon auf diversen Internetseiten zu sehen gewesen. Insofern also kein größerer Beinbruch.

Für Fachleute war natürlich die neu entwickelte Innenstruktur aus Verbundmaterial interessant. Hier versucht man neue, technologisch hochwertige Wege zu gehen. Ergänzend dazu wurde der neue Kosmonautensitz gezeigt, der in seiner Geometrie den jeweiligen Körpermaßen angepasst werden kann. Damit dürften die Tage der individuell gefertigten Sitzschalen gezählt sein.

Etwas abseits aber auch sehr wichtig: Der neu konstruierte Kopplungsadapter. Dieser greift zwar optisch auf den bewährten Sojus-Mechanismus zurück, hat aber eine größere Durchstiegsöffnung, womit ein Makel der eingeschränkten Durchstiegsöffnung etwas ausgeglichen werden soll.

Was gab es noch zu sehen?
Lavotschkin stellte ein 1:1-Modell der Mondsonde mit Lander „Lunar-Glob“ aus. Der Start ist für Ende 2018 geplant. Bislang sah man dieses Projekt nur in sehr kleinen Modellen (leider nur Aufsichtspersonal vor Ort, keine weitere fachliche Erläuterung). Das allbekannte Modell vom neuen Kosmodrom Wostotschny fehlte natürlich auch nicht.

Wenn man im Pavillon von Roscosmos seine Runden drehte, hatte man irgendwie ein seltsames Gefühl: Etwas war anders als sonst. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich dahinter gekommen bin. Es wurden nur Objekte gezeigt, die auch wirklich eine Chance auf Realisierung haben. Keine Träumereien oder gar Phantastereien von Projekten, die aus den verschiedensten Gründen, meistens liegt es am Geld, niemals realisiert werden.

Projekte wie „Air-Launch“ oder „CSS-Raumstation“ waren nicht zu sehen. Man beschränkte sich auf das, was wirklich in der Realisierung ist. Ob das die Auswirkung der Bündelung und Umstrukturierung in der russischen Raumfahrt-Industrie ist? Geldmangel und Sanktionen zeigen möglicherweise Wirkung. Zwingen zur Rationalisierung. Zwingen zum Beschränken auf das Wesentliche. Das ist im Moment überlebensnotwendig und kann langfristig nur gut sein.

Bleibt noch die Frage:
Was machte die Europäische Raumfahrt auf der MAKS? Jan Wörner als neuer ESA-Chef hatte es sich nicht nehmen lassen, bei der Eröffnung der MAKS höchst-selbst den russischen Präsidenten Putin zu begrüßen. Dieses Signal sollte verstanden werden.

Schließlich ist man auf die Russische Raumfahrt nicht nur in Bezug auf den Betrieb der ISS mit angewiesen. Die Zusammenarbeit hat langjährige Wurzeln, die bis in die Sowjetzeiten zurückreichen. Und trotz so mancher politischer Kontroverse ist sie immer fortgesetzt worden – zum Nutzen beider Seiten. Und wie zur Bestätigung von russischer Seite lief auf dem größten Bildschirm bei Roscosmos: Alexander Gerst! Natürlich mit Besatzungskollegen. Ob das nun gerade ein Zufall war oder gezielt? Ich dachte mir jedenfalls so meinen Teil dabei.

Das DLR selber hatte einen relativ großen Stand in einer Halle, die hauptsächlich ausländischen Ausstellern vorbehalten war. Fast in Sichtweite zu Boeing und Airbus zeigte das DLR voller Stolz (wie schon zuvor in Le Bourget) das Projekt „SpaceLiner“.

Sehr angenehm war es, hier auch bekannte Gesichter zu sehen: Frau Olga Trivailo vom DLR betreute das Ausstellungsobjekt. Damit war geballte Kompetenz präsent, kannte man die Dame doch bereits von einem Vortrag zum SpaceLiner von den Raumfahrttagen in Neubrandenburg 2013. Und Rosetta/Philae fehlte natürlich auch nicht.

Die doch überraschend deutliche Präsenz des DLR erklärte mir Michael Müller vom DLR am Stand so: Die Zusammenarbeit mit Russland hat große Tradition und trotz der derzeitigen politischen Schwierigkeiten habe man ja weiter gemeinsame laufende Projekte und werde diese auf der Arbeitsebene natürlich vorantreiben.

Das betrifft nicht nur die Zusammenarbeit im Rahmen der ISS, wo man noch längere Zeit auf die Zubringerdienste der Russen angewiesen ist. Es laufen auch gemeinsame Forschungsprojekte zwischen DLR und ZAGI. Das Zentrale Aerohydrodynamische Institut (Центральный Аэрогидродинамический Институт, deutsche Abkürzung: ZAGI) ist das wichtigste Luftfahrtforschungsinstitut Russlands. Man darf also gespannt sein.

Draußen außerhalb der Halle donnerte eine Su-35 über die Piste und zeigte den begeisterten Zuschauern, wer hier der Hausherr ist. Oberflächlich betrachtet waren die Russen auf der MAKS in Sachen Raumfahrt unter sich. Superneues gab es fast nicht, dafür die Konzentration auf das Machbare. Damit wurde die Entwicklungsrichtung klar vorgegeben.

Beim genaueren Hinsehen ließen sich aber gemeinsame Interessen und Projekte mit anderen Partnern finden. Der Auftritt des DLR lässt dabei hoffen, dass doch nicht „ …. jeder für sich alleine fliegt ….“.

Gerne in zwei Jahren wieder. Es wäre wirklich töricht und schade, diese Ausstellung nicht zur Kenntnis zu nehmen.

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(Autor: Andreas Weise - Quelle: Messebesuch)


» Russland: Militärkommunikationssatelliten gestartet
24.09.2015 - Am 24. September 2015 gegen 0:00 Uhr MESZ wurde eine dreistufige Rockot-Rakete im russischen Plessezk vom Startplatz 133/3 gestartet. An Bord befanden sich drei Satelliten vom Typ Rodnik alias Strela-3M, die die Bezeichnungen Kosmos 2507 bis Kosmos 2509 erhielten.
Die für den Transport der neuen Erdtrabanten verwendete Rakete setzte sich aus zwei Stufen einer ehemaligen Interkontinentalrakete des Typs SS-19 (alias Stiletto, russische Bezeichnung RS-18) und einer Breeze-KM-Oberstufe zusammen.

Die Triebwerke RD-244 der ersten und RD-235 der zweiten Stufe sowie die der Breeze-KM-Oberstufe wurden mit unsymmetrischem Dimethylhydrazin und Distickstofftetroxid betrieben. Alle Raketenstufen wurden vom russischen Raketenbauer Chrunitschew hergestellt.

Der erste Satellit des Typs Rodnik bzw. Strela-3M gelangte am 21. Dezember 2005 auf einer Kosmos-3M-Rakete für das russisches Verteidigungsministerium ins All, drei weitere Satelliten erreichten am 23. Mai 2008 auf einer Rockot-Rakete den Weltraum.

Die zuletzt gestarteten Satelliten haben nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums am 24. September 2015 ihre Zielorbits erreicht. Sie kreisen auf rund 82,5 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahnen in Höhen um 1.500 Kilometer um die Erde.

Die Orbitaleinheit aus Breeze-KM-Oberstufe und den Satelliten war vorher nach rund fünf Minuten Flug gegen 0:05 Uhr MESZ von der 2. Stufe der Rockot abgetrennt worden.

Das Kommando- und Messzentrum der russischen Weltraumstreitkräfte German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau hat die Kontrolle der Satelliten übernommen.

Das russische Verteidigungsministerium meldete, dass die drei von Reschetnjow Informational Satellite Systems (JSC ISS) gebauten Satelliten funktionieren wie vorgesehen. Verbindungen mit den Satelliten habe man aufgebaut, die Telemetrie sei stabil, hieß es weiter.

Die nach Angaben ihres Herstellers für fünf Jahre Einsatz ausgelegten Raumfahrzeuge haben eine Masse von jeweils rund 280 Kilogramm.

Kosmos 2507 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.920 und als COSPAR-Objekt 2015-050A, Kosmos 2508 mit der NORAD-Nr. 40.921 und als COSPAR-Objekt 2015-050B, Kosmos 2509 mit der NORAD-Nr. 40.922 sowie als COSPAR-Objekt 2015-050C.

Ein zusätzliches Objekt, vermutlich die Breeze-KM-Oberstufe, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.923 und als COSPAR-Objekt 2015-050D.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Kommersant, Reschetnjow, RIAN, Russisches Verteidigungsministerium, TASS)


» Indien: Astrosat und AIS-Sats auf PSLV-C30 gestartet
29.09.2015 - Am 28. September 2015 brachte eine Trägerrakete vom Typ PSLV das indische Weltraumobservatorium Astrosat und 6 Satelliten zur Überwachung des Schiffsverkehrs von der Rampe Nummer 1 des Raumflugzentrums Satish Dhawan der indischen Weltraumforschungsorganisation (ISRO) auf der Insel Sriharikota an Indiens Südküste aus in den Weltraum.
Die erste Stufe der Rakete mit der missionsbezogenen Bezeichnung PSLV-C30 wurde von sechs zusätzlichen, seitlich angebrachten Boostern unterstützt, die Rakete flog in der sogenannten XL-Version. Letztere kam bereits beim Start der Mondsonde Chandrayaan 1 (PSLV-C11), des Kommunikationssatelliten GSAT 12 (PSLV-C17), des Radarsatelliten RISAT 1 (PSLV-C19), des Marsorbiters MOM alias Mangalyaan (PSLV-C25) und von Navigationssatelliten für das regionale indische Satellitennavigationssystem IRNSS zum Einsatz.

Der Flug des beim Start 44,4 Meter hohen, rund 320,2 Tonnen schweren Projektils PSLV-C30 mit Astrosat an der Spitze begann um 10:00 Uhr Ortszeit (IST) bzw. um 6:30 Uhr MESZ am 28. September 2015 am Schluss eines exakt 50 Stunden dauernden Countdowns.

Nach dem Aufbrauchen des festen Treibstoffes in den seitlich angebrachten Boostern vom Typ PS0M-XL und der ersten Stufe mit der Bezeichnung PS1, sowie der Zündung der zweiten, mit den flüssigen Treibstoffen UH25 (75% Unsymmetrisches Dimethylhydrazin (UDMH) + 25% Hydrazinhydrat) und N2O4 (Distickstofftetroxid) betriebenen Raketenstufe PS2 wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen.

Anschließend trat die dritte Stufe PS3 in Aktion, die festen Treibstoff verbrannte. In der vierten und letzten Raketenstufe PS4 wurden wieder flüssige Treibstoffe, hier MMH als Brennstoff und eine Mischung aus Stickstoffoxiden (MON-3) als Oxidator, verwendet. Nachdem die PS4 ihre Arbeit erledigt hatte, erfolgte nach einer kurzen rund 37 Sekunden dauernden Freiflugphase 32 Minuten und 22,92 Sekunden nach dem Abheben die Abtrennung des Astronomiesatelliten mit einer Startmasse von 1.513 Kilogramm (Masse unbetankt 1.470 Kilogramm).

Nach dem Aussetzen von Astrosat lief an Bord des auf dem Bus IRS-1 basierenden Satelliten mit einem Grundkörper von 1,96 x 1,75 x 1,3 Metern eine automatische, vorprogrammierte Sequenz ab, an deren Ende die erfolgreiche Entfaltung der beiden Solarzellenausleger stand.

Den Einsatzbeginn der beiden zusammen maximal rund 2.100 Watt elektrischer Leistung bereitstellenden Solarzellenausleger konnte das Bahnverfolgungsnetzwerk mit der Bezeichnung ISRO Telemetry, Tracking and Command Network alias ISTRAC mit seinem Zentrum und Missionsbetriebskomplex (Mission Operations Complex, MOX) im indischen Bangalore, das den Satelliten jetzt überwacht und steuert, an Hand empfangener Telemetriedaten bestätigen.

Eine Speicherung elektrischer Energie an Bord von Astrosat ermöglichen zwei Lithium-Ionen-Akkumulatorensätze mit einer Kapazität von jeweils 36 Amperestunden.

Der geplante Orbit wurde nach Angaben der ISRO mit großer Exaktheit erreicht. Astrosat gelangte auf eine Erdumlaufbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt, von rund 644,6 Kilometern, und einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 651,5 Kilometern. Die Neigung der Bahn gegen den Erdäquator beträgt rund 6 Grad. Dabei ist ein direkter Kontakt des Astrosat-Kontrollzentrums mit dem Satelliten bei 10 von 14 Erdumrundungen pro Tag möglich.

In den kommenden Tagen will die ISRO Astrosat in die endgültige Betriebskonfiguration versetzen. Die wissenschaftliche Nutzlast muss vor Aufnahme des Forschungseinsatzes getestet und kalibriert werden. Geplant ist, dass 45 Tage nach dem Start das letzte der an Bord befindlichen Instrumente eingeschaltet wird.

Astrosat ist das erste dedizierte indische Weltraumobservatorium, das Wellen in mehreren unterschiedlichen Bandbereichen erfassen kann. Die Mission des Satelliten soll einen Beitrag zu einem genaueren Verständnis des Universums liefern.

Die fünf Instrumente mit einer Gesamtmasse von 868 Kilogramm an Bord von Astrosat sind für einen Einsatz im Bereich des sichtbaren Lichts, des Ultravioletten (UV) und in den Bereichen der weichen und der harten Röntgenstrahlung gedacht und können ihre Beobachtungen gleichzeitig vornehmen. Zur Speicherung gewonnener wissenschaftlicher Daten gibt es auf Astrosat eine 120 Gigabyte fassende Halbleiter-Speichereinheit. Befindet sich der Satellit im Empfangsbereich der Bodenstation, können Daten an das Kontrollzentrum übermittelt werden, von wo sie zur Bearbeitung, Archivierung und Weiterverarbeitung an das Indische Zentrum für wissenschaftliche Weltraumdaten (Indian Space Science Data Centre, ISSDC) in Byalalu transportiert werden.

An der Verwirklichung von Astrosat arbeite eine Vielzahl indischer Institutionen mit. Maßgebliche Beiträge kommen von der ISRO, dem Interuniversitären Zentrum für Astronomie und Astrophysik Pune (Inter University Centre for Astronomy and Astrophysics, IUCAA), dem Tata Institut für Grundlagenforschung aus Mumbai (Tata Institute of Fundamental Research, TIFR), dem Indischen Institut für Astrophysik Bangalore (Indian Institute of Astrophysics, IIA, auch IIAP) und dem Raman Forschungsinstitut Bangalore (Raman Research Institute, RRI).

Neben weiteren indischen Instituten sind am Astrosat-Projekt auch zwei Institutionen aus Großbritannien (University of Leicester, UoL) und Kanada (Canadian Space Agency, CSA) beteiligt.

Die Entwicklung des Satelliten begann im Jahre 2004. Seinerzeit dachte man noch an einen Start im Jahre 2007, was sich aber wegen zahlreicher Verzögerungen im indischen Raumfahrtprogramm nicht realisieren ließ.

Mindestens fünf Jahre soll sich Astrosat im Weltraum nun auf seinem annähernd äquatorialen Orbit betreiben lassen, seine Auslegung erfolgte entsprechend. Für Bahnerhalt und Korrekturmanöver führt der Satellit rund 43 Kilogramm Hydrazin mit, das in acht je elf Newton starken Einstofftriebwerken katalytisch zersetzt werden kann.

Neue Erkenntnisse erhofft man sich hinsichtlich energiereicher Prozesse in sogenannten Binärsystemen, die sich jeweils aus einem schwarzen Loch und einem Neutronenstern zusammensetzen. Man erwartet Informationen zu den Magnetfeldern von Neutronensternen. Regionen, in welchen neue Sterne entstehen, und hoch-energetische Vorgänge in Sternensystemen außerhalb unserer Galaxie möchte man beobachten. Kurzlebige helle Röntgenquellen will man erfassen. Bestimmte Bereiche des Universums sollen im UV und im Bereich der harten Röntgenstrahlung durchmustert werden.

Das bildgebende Doppel-Teleskop mit der Bezeichnung UVIT für Ultraviolet Imaging Telescope von IIA, IUCAA, ISRO und CSA kann neben Beobachtungsaufgaben im nahen UV (NUV, 200 bis 300 Nanometer (nm)) und fernen UV (FUV, 130 bis 180 nm), auch solche im Bereich des sichtbaren Lichts (VIS, 320 bis 550 nm) erfüllen.

Der LAXPC für Large Area X-ray Proportional Counter genannte Röntgendetektor von TIFR und RRI ist dafür gedacht, Variationen in den Ausstrahlung von Röntgenquellen wie Binärsystemen und aktiver Zentren von Galaxien bei Energien zwischen 3 und 80 Kiloelektronenvolt (keV) aufzuzeichnen. Die wirksame Detektorfläche beträgt 8.000 Quadratzentimeter (zwischen 5 und 20 KeV). Die Detektorfläche insgesamt liegt bei 10.800 Quadratzentimeter.

Ein Teleskop für weiche Röntgenstrahlung namens Soft X-ray Telescope (SXT) von TIFR, UoL und ISRO ist der Untersuchung des variablen Röntgenspektrums von fernen Quellen bei Energien zwischen 0,3 und 8 keV gewidmet. Seine wirksame Detektorfläche liegt im Bereich von 128 Quadratzentimetern (bei 1,5 keV) bzw. von 22 Quadratzentimetern (bei 6 keV).

Ebenfalls im Bereich der Röntgenstrahlung kann das Instrument Cadmium Zinc Telluride Imager, abgekürzt CZTI, von TIFR, IUCAA und ISRO arbeiten. Es ist für hochenergetische Röntgenstrahlung mit Energien zwischen 10 und 100 keV empfindlich. Die wirksame Detektorfläche beträgt rund 480 Quadratzentimeter bei einer Gesamtfläche von 973 Quadratzentimetern.

Der Abtaster mit der Bezeichnung SMM für Scanning Sky Monitor vom ISRO-Satellitenzentrum (ISAC) und IUCAA soll helle, länger leuchtende Röntgenquellen in Binärsystemen und kurzzeitige Röntgenausbrüche beobachten. Seine drei Zähler für Energien zwischen 2,5 und 10 keV sind auf einer drehbaren Plattform montiert, die, in Rotation versetzt, es ermöglicht, alle im Sichtfeld des Abtasters liegenden Himmelsregionen einmal alle sechs Stunden anzupeilen.

Neben Astrosat gelangten beim Start der PSLV-C30 sechs Klein- und Kleinstsatelliten in den Weltraum.

Vier der Satelliten mit den Eigennamen Joel, Peter, Jeroen und Chris sind als Bestandteile einer Satellitenkonstellation mit der Bezeichnung Lemur-2 von Spire Global aus San Francisco in den USA gedacht, die ein System zur Überwachung des Schiffsverkehrs, AIS für Automatic Identification System genannt, unterstützen und Wetterdaten sammeln soll.

Die Lemur-2-Konstellation soll nach Plänen von Spire Global künftig zwischen 50 und 100 Erdtrabanten umfassen. Satelliten mit einer Nutzlast für das AIS erweitern das System um ein Weltraumsegment, das den Empfang von Positionsdaten von Wasserfahrzeugen auch außerhalb der Reichweite terrestrischer AIS-Stationen ermöglicht.

Auf Meereshöhe beträgt die Reichweite des AIS zwischen 50 und 100 Kilometern. Terrestrische AIS-Stationen gibt es in unterschiedlicher Dichte entlang der Küstenlinien, und zum Beispiel insbesondere im Bereich von Hafenanlagen und Meerengen. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit über 70.000 Wasserfahrzeuge mit AIS-Transmittern ausgestattet sind.

Die vier AIS-Satelliten für Lemur-2 sind sämtlich 3U-Cubesats, haben eine Masse von jeweils rund vier Kilogramm und sind alle mit zwei unterschiedlichen Nutzlasten ausgestattet. SENSE heißen die AIS-Reciever an Bord, STRATOS die Systeme zur Analyse der Veränderungen von GPS-Signalen beim Gang durch die Erdatmosphäre zum Zwecke der Wettervorhersage.

Der AIS- und Erdbeobachtungssatellit LAPAN-A 2 alias LAPAN-ORARI aus Indonesien kommt entsprechend seines Namens vom Nationalen Institut für Aeronautik und Weltraum (Lembaga Penerbangan dan Antariksa Nasional), Jakarta. Er hat einen kastenförmigen Hauptkörper mit Seitenlängen im Bereich eines halben Meters.

Kongsberg Seatex AS aus Trondheim in Norwegen entwickelte die AIS-Technik für LAPAN-A 2, sie ähnelt der an Bord von AISSat 1, der seit dem 12. Juli 2010 um die Erde kreist.

LAPAN-A 2 mit einer Masse von rund 68 Kilogramm wurde zusätzlich mit Kameras zur Erdbeobachtung und einer Amateurfunk-Nutzlast ausgestattet.

Das eine der beiden Kamerasysteme ermöglicht mit einer PAL-Videokamera die Abbildung 80 Kilometer breiter Flächen am Boden. Das zweite Kamerasystem, es ist experimenteller Natur und mit HDTV-Technik ausgerüstet, wurde auf eine Schwadbreite von 11 Kilometern und eine Auflösung von 6 Metern hin ausgelegt.

Die Amatuerfunknutzlast für die Amatuerradioorganisation Indonesiens (Organisasi Amatir Radio Indonesia, ORARI) ist mit Systemen zur automatisierten Weiterleitung von Datenpaketen (Automatic Packet Reporting System, APRS) und Sprachnachrichten ausgerüstet, deren Nutzen sich insbesondere bei der Bewältigung von Naturkatastrophen und anderen Unglücken zeigen soll.

Das APRS an Bord von LAPAN-A 2 verwendet die Frequenz 145,825 MHz. Der Sprechrepeater nutzt im Uplink eine Frequenz von 435,88 MHz, seine Sendungen erfolgen auf 145,88 MHz. Eine Telemetriebake funkt, soweit geplant, auf 437,425 MHz.

ExactView 9 alias EV9, Masse rund 5,5 Kilogramm, wurde vom Institut für Luft- und Raumfahrtforschung der Unviversität Toronto (University Toronto Institute for Aerospace Studies, UTIAS) aus Kanada gebaut. exactEarth aus Cambridge, Ontario, Kanada, eine Tochter von der COM DEV International Ltd und der HISDESAT Servicios Estratégicos S.A., will ihn als Teil einer AIS-Konstellation einsetzen.

Der Kleinstsatellit mit einem würfelförmigen Hauptkörper - Kantenlänge ~ 20 Zentimeter - basiert auf einem universitätseigenen Satellitenbus und erhielt im Kontext mit dem Nanosatellitenstartprogramm der ISRO (Nanosatellite Launch Services, NLS) die Alternativbezeichnung NLS-14.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: exactEarth, ISRO, IUCAA, LAPAN, Spire)


» Der Marsianer. Der Mars-Film lebt noch!
29.09.2015 - Ein großer Film geht an den Start. Andreas Weise hat ihn schon gesehen.
Die Vorgeschichte - Eine Geschichte von Katastrophen:
Unser roter Nachbarplanet im Sonnensystem, der Mars, hat schon immer unsere Phantasie angeregt. Was ist dort los? Wie sieht es da aus? Kann man dort hin? Als H. G. Wels 1898 mutmaßliche Marsbewohner in seinem epochalen Roman „Der Krieg der Welten“ mit nicht unbedingt friedlichen Absichten zu uns kommen ließ, war an Raumfahrt noch nicht zu denken.

Ein halbes Jahrhundert später, genauer gesagt 1950, startete dann in den USA der Film „Rocketship XM“, der den Auftakt zu einem ganzen Genre gab. Vermutlich zum ersten mal in der Filmgeschichte landete ein Raumschiff auf dem Mars Not! Und das 11 Jahre bevor überhaupt ein Mensch die Erde mit einem Raumschiff verlassen würde. Nun, den Streifen hat man heute zurecht vergessen.

Und die verunglückten Marsexpeditionen setzten sich fort. 1959 im sowjetischen Film „Der Himmel ruft“ schafften es sowjetische und amerikanische Raumfahrer nur mit Mühe bis zu einem Asteroiden in Marsnähe. Vier Jahre später, 1963, eilte man im sowjetischen Film „Begegnung im All“ einem außerirdischen Wesen, das auf dem Mars notgelandet war, zu Hilfe.

1964 erwischte es dann auch die Amerikaner. In „Notlandung im Weltraum“ (alias „Robinson Crusoe auf dem Mars“) machten Astronauten auf dem Mars Bruch und befreiten nebenbei gleich einmal einen Eingeborenen.

Aber vielleicht war ja auch alles eine große Lüge. Das behauptete 1977 der amerikanische Thriller „Capricorn One“ alias „Unternehmen Capricorn“. Es ging um eine gefälschte Mars-Landung, die dann ihrerseits in einer Katastrophe endete.

Und die Abstürze gingen weiter: 2000 machte die Crew im Film „Red Planet“ auf dem Mars Bruch. Zum Schluss des Films kam nur einer durch. Ein Jahr später, 2001, schlug die Besatzung des spanischen Films „Stranded“ hart auf dem roten Planeten auf. Ausgang und Rettung sind bis heute ungewiss. Zuvor aber war in „Mission to Mars“ (2000) sowohl die Marsexpedition als auch die Rettungsexpedition verunglückt. Hier gab es allerdings ein Happy End und nebenbei die Erleuchtung, dass das mit der Evolution auf der Erde alles Quatsch ist, da das Leben vom Mars kommt/kam (oder so ähnlich...).

Den derzeitigen traurigen Höhepunkt aller Marsunglücks- und Marskatastrophenfilme bildet der anglo-amerikanische-Horrorfilm „The Last Days On Mars“, erschienen 2013. Eine Zombieseuche rottet hier die Forschungsastronauten auf dem Mars aus. Der Film ist im Bühnenbild wirklich gut gemacht. Die Story ist sehr schlecht. Dank gebührt den deutschen Filmverleihern dafür, dass dieses Werk nicht in die deutschen Kinos kam.

2015 kommt nun mit „Der Marsianer“ ein neuer Marsunglücks-Film in die Lichtspielhäuser.

Und jetzt wird alles anders!
Gute Geschichten sind offensichtlich nicht immer leicht zu finden. Der Amerikaner Andy Weir hat so eine gute Geschichte geschrieben. Einen Roman. Und was für einen! Zuerst wollte kein Verlag sein Erstlingswerk herausbringen. Jetzt ist er auf der Bestsellerliste der New York Times.

Folgerichtig meldete sich Hollywood. Seit Mai 2014 arbeitete der Star-Regisseur Ridley Scott an einer Verfilmung. Dieser ließ für die Story extra die Arbeiten an „PROMETHEUS-2“ ruhen. Kein geringerer als Matt Damon spielt die Hauptrolle. Das Ergebnis kommt jetzt am 8. Oktober 2015 in die Kinos.

Die Romanvorlage ….
… wurde im Forum des Raumfahrer.net e.V schon behandelt.

Ich selbst habe selten mit einer solch großen Begeisterung 500 Romanseiten in kürzester Zeit gelesen, um dann gleich das Ganze noch einmal zu verschlingen.

Eine ganz besondere Faszination geht von der Geschichte aus. Viele der beschriebenen Technologien sind heute schon machbar. Man möge das Buch also einen Realo-Sci-Fi-Roman nennen. Und die Fachleute sind begeistert. Ulrich Köhler vom DLR in Berlin-Adlershof bestätigte mir einen fachlich realistischen Hintergrund. Auch er hatte das Buch mit Begeisterung gelesen. Freilich, die Geschichte bleibt natürlich ein Märchen, da schon der politische Wille in den USA fehlt, eine Expedition wie die beschriebene überhaupt finanziell umzusetzen. Aber man wird ja mal träumen dürfen.

Wer die Geschichte noch nicht kennt: Bei einer Marsexpedition wird Astronaut Mark Watney nach dem plötzlichen Abbruch der Expedition versehentlich auf dem Mars zurückgelassen. Man hält ihn für tot. Aber er hat überlebt. Jetzt plant er sein Überleben. Und er lässt sich dabei etwas einfallen – und natürlich wird am Ende alles gut. Und dass die Story ohne jede Mystik, Alien-Phobie oder sonstige Ungereimtheiten auskommt, ist einfach großartig. Sie ist logisch und physikalisch korrekt aufgebaut. Die Spannung bleibt bis zum Schluss.

Empfehlenswert ist, sich den Roman vor dem Gang ins Kino durchzulesen. Man wird seine helle Freude an dem Witz, der Ironie und dem lebensbejahenden Sarkasmus des Haupthelden haben. Allerdings bleibt nicht mehr viel Zeit … bis zum Kinostart am 8. Oktober 2015.

Zum Film:
Ich hatte Gelegenheit, eine Pressevorführung in der Original-Version und in 3D vorab zu sehen. Zur Einstimmung gab es einen Kurzfilm des DLR Berlin mit einem virtuellen Flug über den Mars und allen in der Geschichte vorkommenden Orten der Geschehnisse. Auf der Internetseite des DLR kann man übrigens entsprechendes Begleitmaterial ansehen. (Artikel bei DLR_next)

Der Film selber hält sich nicht einhundertprozentig an die Romanvorlage. Das war bei so einem dicken Buch auch nicht zu erwarten. Allein die Hörbuchausgabe ist über 12 Stunden lang. Einige Szenen und Erlebnisse sind im Film also dem Cutter zum Opfer gefallen. So wurde das Abenteuer mit der abgerissenen Schleuse, dem defekten Raumanzug und der darauf folgenden Dramatik sehr zusammengestrichen. Die lange Fahrt über die Marsoberfläche ist auf ein Minimum gekürzt.

Auch andere Ereignisse gehen zu schnell und zu glatt über die Bühne. Genannt sei hier nur die Übernahme des Frachtcontainers beim Erdvorbeiflug, die geradezu harmonisch erfolgt. Überhaupt hat man den Eindruck, Scott stand unter einem ganz schönen Zeitdruck bei der Fertigstellung des Films. Sonst hätte er an manchen Stellen nicht so geschludert. Aber was wäre die Alternative gewesen? Vielleicht ein ausführlicher Fernsehfilm in 5 Teilen a 90 Minuten? Mich hätte es gefreut, die Mehrzahl des Kinopublikums möglicherweise nicht.

Das Szenenbild ist geprägt von großartigen Landschaftsaufnahmen auf dem Mars mit Weite und Tiefe. Hier zeigt sich eben der Meister Scott. Anders bei Details. Das Raumschiff Hermes erscheint überproportional groß. Das Platzangebot und Raumvolumen für die Crew ist riesig und wirkt für jeden, der sich ein wenig mit Raumaufteilung z.B. in der internationalen Raumstation ISS beschäftigt hat, geradezu unreal. Die Raumfahrer verlieren sich fast in der Weite des Raumschiffes.

Bei den Schwerelosigkeitsszenen hat man sich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Der Zuschauer spürt geradezu die Drähte, an denen die Schauspiel-Astronauten an der Kamera vorbei gefahren werden. Auch hier scheint der Produktionszeitdruck die Qualität eingeschränkt zu haben. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass entsprechende Computeranimationen zeit- und kostenintensiver gewesen wären, als am Stahlseil vor einer grünen Wand zu hängen. Wie so etwas wirklich gut ausgesehen hätte, konnte man unlängst in „Gravity" sehen.

Die Garderobe, also genauer gesagt die Marsraumanzüge, zeigen eindeutig, woran Scott zuvor gearbeitet hat. Die Gummianzüge und der eiförmige Helm haben große Ähnlichkeit mit den Skaphandern aus Scotts „PROMETHEUS"-Film. Und da er gerade an „PROMETHEUS-2" arbeitete, liegt der Verdacht nahe, dass er sich hier von Seiten des Designs bedient hat. Schade! Ein wenig mehr Realismus in Bezug auf marsianische Gegebenheiten wären hier wünschenswert gewesen.

Kleiner Lacher, sagen wir lieber Schmunzler, am Ende des Films: Im Abspann wird die nächste Marsmission gestartet. Als ESA-Astronaut mit dabei: Ein Brite. Als ob Großbritannien sich intensiv mit bemannter Raumfahrt beschäftigen würde. Nun ja. Die Weltpremiere fand in London statt. Das ist dann vermutlich der Tribut an das britische Publikum.

Die Chinesen spielen eine große Rolle, die Russen gar keine Rolle in der Geschichte. Über Wunschdenken und Realitätsnähe soll aber hier nicht diskutiert werden. Es ist halt ein US-Film. Und es ist Sci-Fi! Ein modernes Märchen eben.

Bei den handelnden Charakteren und Organisationen wurde einiges uminterpretiert. Trotzdem macht es einen riesigen Spaß, die betreffenden Personen in Aktion zu erleben. Dabei bekommt jeder sein Fett weg. Sei es das JPL, Mission Control oder die NASA selbst.

Frage: Warum müssen eigentlich Pressesprecherinnen, äh, Communication-Manager, immer langbeinig und blond sein …?!

Für mich war es ein besonderes Highlight, als die Spezialisten der Pathfinder-Mission aus dem Jahre 1996 zusammen getrommelt werden. Alle sind garantiert längst im Ruhestand und alle sehen irgendwie wie Altachtundsechziger aus. Die Szene käme völlig ohne Worte aus.

Die Figur Mark Watney ist natürlich der absolute Hingucker. Wie er sein Videotagebuch führt und so dem Zuschauer, der qausi hinter dem Kameraauge sitzt, seine Welt erklärt, ist schon toll. Witz, Sarkasmus und der unbedingte Wille, sich mit seinem Schicksal nicht abzufinden, dass wird von Matt Damon hervorragend gespielt.

Es wird musikalisch:
Sonst manchmal etwas unbeachtet, spielt die Filmmusik doch eine große Rolle. Sie unterstreicht und verstärkt filmische Stimmungen. Scott konnte hier fast komplett auf Neukompositionen verzichten. Dank Mars-Commander Lewis! Wer das Buch nicht gelesen hat, dem sei erklärt: Watney plündert aus Gründen des Zeitvertreibs das Musikarchiv seiner Kommandantin, das auf dem Mars zurückgeblieben ist. Und die Dame ist nun mal Disco-Fan! Folgerichtig dröhnt Disco über die Weiten der Marslandschaft. Und ich habe im Kinosessel mit gewippt, als Watney unter der Klängen von ABBA seine Rückkehrkapsel ausschlachtet. „Waterloo, finally facing my Waterloo...“ Ja, das ging ab. Einfach lebensbejahend! Nur Stayin’ Alive von den Bee Gees, wie im Buch beschrieben, habe ich vermisst.

Zusammenfassend:
Trotz aller Nörgelei über Unvollkommenheiten in diesem Filmwerk ist festzustellen: Es ist eine tolle und spannende Geschichte. Und es ist vor allem eine gute Geschichte. Es ist eine Geschichte von Menschen, die einander helfen und sich nicht im Stich lassen. Es ist eine Geschichte, die uns etwas lehrt: Nie Aufgeben. Nie den Lebensmut verlieren. Nicht ins Schicksal ergeben, sondern an die Arbeit gehen. Symbolhaft dafür steht für mich die kleine Szene, in der Watney von einem Kruzifix Holzspäne abraspelt, um Feuer zu machen. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.
Und der Filmabspann zeigt, dass es nicht das Ende der Geschichte ist, sondern dass es weiter geht.

Ich bin sehr gespannt auf die deutsche Synchronisation!
Einigen Veröffentlichungen im Netz zu Folge plant die 20th Century Fox den Film „Der Marsianer“ im kommenden Jahr möglicherweise auch als längeren „Directors Cut“ in einer 160 Minuten langen Fassung herauszubringen. Tatsache ist, dass Scott einige Szenen herausschneiden musste, um auf die gewünschte Spiellänge von 141 Minuten zu kommen.

Eine Preview der besonderen Art gab es im Weltraum auf der ISS. Exklusiv wurde der Film am Sonntag, dem 20. September 2015 dort gezeigt. Die Astronauten Scott Kelly und Kjell Lindgren twitterten.

Und nun hinein in die Kinos und hinauf auf den Mars!
Mark Watney lebt ... offensichtlich! Und mit ihm der Marsfilm. Ich habe es selbst gesehen! Wirklich!

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(Autor: Andreas Weise - Quelle: Kinobesuch)


» Sojus startet Galileo-Satelliten und Kurzzeit-Mission
29.09.2015 - Vor Kurzem ist die russische Sojus-Rakete zweimal gestartet. Zum Einen wurde das europäische Satellitennavigationssystem Galileo mit zwei neuen Satelliten weiter aufgebaut, zum Anderen wurde das russische Sojus-Raumschiff zur Internationalen Raumstation für einen Kurzzeitaufenthalt gebracht.
Die Sojus-Trägerrakete ist zusammen mit der Proton seit eh und je das Arbeitstier der russischen Raumfahrt. Rechnet man die R-7 dazu, kommt man auf fast 1.000 Starts. Zumeist hat sich bei ihnen, dank zahlreicher Verbesserungen, über die Jahre die Sojus als zuverlässig erwiesen. Es ist daher gut zu verstehen, dass die Europäische Union für den Aufbau ihres Satellitennavigationssystems Galileo zunächst auf diesen Träger setzt. Galileo soll hochgenaue Ortung, Navigation und Zeitbestimmung erlauben und so dafür sorgen, dass Europa über ein eigenes, unabhängiges System verfügt. Im Gegensatz zum amerikanischen GPS und dem russischen Glonass wird Galileo von ziviler Seite und nicht vom Militär kontrolliert. Die fertige Galileo-Konstellation soll aus 30 Satelliten bestehen, die die Erde auf 23.200 km Höhe umkreisen.

Zunächst gab es jedoch Probleme beim Ausbau dieser Konstellation. Die ersten beiden voll einsatzfähigen Satelliten gelangten im August 2014 wegen einer zugefrorenen Treibstoffleitung der Oberstufe in einen falschen, unbrauchbaren Orbit. Erst im März 2015 konnten wieder zwei Satelliten erfolgreich in den geplanten Orbit gestartet werden. Am 11. September um 4:08 Uhr MESZ startete dann das nächste Paar vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana in den Weltraum, genannt Alba und Oriana. Alle Stufen der Sojus funktionierten wie geplant, sodass die Satelliten drei Stunden und 48 Minuten nach dem Start erfolgreich ausgesetzt werden konnten. Die Höhe der annähernd kreisrunden Umlaufbahn liegt bei etwa 23.500 km, die Inklination bei 57° zum Äquator. Jeder Satellit wiegt 680 kg und hat mit ausgefahrenen Solarpanels eine Spannweite von 14,8 m. Sie werden momentan noch getestet und in Betrieb genommen.

Damit kreisen nun zehn Galileo-Satelliten um die Erde. Neben den Vieren, die bei den Starts im März und September ins All gelangten und momentan in Betrieb genommen werden, und den zwei Satelliten auf der falschen Umlaufbahn gibt es noch vier weitere Galileo-Satelliten, die jedoch nur als vorübergehende Lösung gedacht sind. Einer von ihnen ist mittlerweile ausgefallen, sodass momentan drei funktionstüchtige Galileo-Satelliten existieren. Die nächsten beiden sollen noch dieses Jahr am 17. Dezember gestartet werden, ihre Tests am Boden wurden vor Kurzem abgeschlossen. Weitere Satelliten werden momentan von dem Hersteller OHB Systems in Bremen gefertigt. Ab 2016 soll die Ariane 5 für weitere Starts dieser Satelliten genutzt werden, wodurch der Ausbau der Konstellation beschleunigt werden kann, da die Ariane vier statt zwei Satelliten auf einmal in die Umlaufbahn befördern kann.

Doch die Sojus dient nicht nur zum Start von Satelliten. Regelmäßig startet sie auch das bemannte Sojus-Raumschiff zur Internationalen Raumstation ISS in einen niedrigen Erdorbit. Dabei handelt es sich um das derzeit einzige Raumschiff, mit dem Astronauten zur Station und wieder zurück zur Erde geflogen werden können. Auch das Raumschiff ist seit mehreren Jahrzehnten äußerst zuverlässig im Einsatz. Der jüngste Start war jedoch kein gewöhnlicher Besatzungsaustausch (drei Kosmonauten stoßen zu der Besatzung der Raumstation, drei andere landen mit einem anderen Raumschiff, das schon länger angedockt ist, wieder auf der Erde). Er hängt damit zusammen, dass der amerikanische Astronaut Scott Kelly und der russische Kosmonaut Michail Kornienko als Vorbereitung für künftige Langzeitmissionen statt den üblichen 180 Tagen ein ganzes Jahr im Weltraum verbringen. Das Sojus-Raumschiff ist dagegen darauf ausgelegt, nur 180 Tage im All zuverlässig zu funktionieren. Das heißt, dass Kelly und Kornienko nach ihrem Jahr im Weltraum nicht mehr mit der gleichen Sojus-Kapsel zurückkehren können, mit der sie gekommen sind. Sie müssen mit einer neueren Kapsel landen, die vorher geliefert wurde.

Unter diesem Ziel stand die Sojus-Mission TMA-18M. Für die Langzeit-Astronauten sollte eine neuere Kapsel geliefert werden, während die Besatzung, die mit diesem Raumschiff hochgeflogen ist, mit der älteren Kapsel auf der Erde landen sollte, mit der Kelly und Kornienko gekommen sind. Die Raumschiffe sollten also „ausgetauscht“ werden. Für die „Lieferanten“ wurden Sergej Wolkow, Andreas Mogensen und Aidyn Aimbetow ausgewählt. Sergej Wolkow ist ein Veteran unter den russischen Kosmonauten, er flog bereits mehrmals mit der Sojus in den Weltraum. Der dänische Astronaut Mogensen von der europäischen Raumfahrtagentur ESA und sein kasachischer Kollege Aimbetow fliegen dagegen das erste Mal zur Station. Deshalb wurde Wolkow das Kommando über diese Mission übertragen. Um das Andocken ihres Raumschiffs zu erleichtern, wurde vorher an der ISS ein anderes Sojus-Raumschiff an einen anderen Andockknoten umgedockt. Pünktlich um 6:37 Uhr MESZ hob dann die Sojus-Rakete zur Mission TMA-18M vom Weltraumbahnhof Baikonur ab und beförderte das Raumschiff in den gewünschten Orbit.

Das ursprünglich geplante schnelle Andockmanöver nur sechs Stunden nach dem Start wurde verworfen, weil die Internationale Raumstation ihren Kurs ändern musste. Eine alte, 1989 gestartete japanische Oberstufe einer Rakete wäre der Station sonst zu nahe gekommen. Deshalb näherte sich das Sojus-Raumschiff erst zwei Tage später automatisch an die ISS und dockte am 4. September um 9:42 Uhr an. Damit waren für eine kurze Zeit neun Astronauten an Bord der Station. Während Wolkow sechs Monate an Bord bleiben soll, stand für Aimbetow und Mogensen nur ein 10-tägiger Aufenthalt an. Aimbetow führte verschiedene Aufgaben für die kasachische Weltraumagentur durch, darunter die Beobachtung der Erde aus dem All. Andreas Mogensen arbeitete in dem europäischen Wissenschaftslabor Columbus und steuerte vom Weltraum aus den INTERACT-Roboter der ESA, mit dem Operationen im Sub-Millimeterbereich getestet wurden. Am 11. September stiegen dann Aimbetow, Mogensen und der russische Kosmonaut Gennadi Padalka, der einen sechsmonatigen Aufenthalt hinter sich hat, in das Sojus TMA-16M Raumschiff ein, das um 23:29 Uhr MESZ von der ISS abdockte. Der De-Orbit Burn, mit dem der Orbit des Raumschiffs so weit abgesenkt wird, dass es in die Atmosphäre eintritt, wurde eingeleitet, das Servicemodul und das Wohnmodul abgesprengt, sodass die Kapsel in die Atmosphäre eintreten konnte und um 2:53 Uhr sicher in der kasachischen Steppe landen konnte. Kelly und Kornienko haben inzwischen die Hälfte ihres Jahres auf der ISS hinter sich, sie sollen im März 2016 wieder zur Erde zurückfliegen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

  • Galileo: Anomalie bei Einschuss in Umlaufbahn (27. August 2014)


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    (Autor: Martin Knipfer - Quelle: Europäische Union, Arianespace, Raumcon, NASA)


    » Japan: Akatsuki wieder auf dem Weg zur Venus
    29.09.2015 - Im Jahr 2010 unternahm die japanische Raumsonde Akatsuki einen ersten Versuch, in eine Umlaufbahn um die Venus einzuschwenken. Nach zahlreichen technischen Problemen soll nun am 7. Dezember 2015 ein zweiter Versuch zum Erfolg führen.
    Akatsuki ("Morgendämmerung") ist für die japanische Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (Japan Aerospace Exploration Agency, JAXA) im Weltraum unterwegs. Ihr Start erfolgte am 20. Mai 2010 um 21:58 Uhr und 22 Sekunden UTC vom Yoshinobu-Startkomplex an der Südküste der japanischen Insel Tanegashima auf einer Rakete des Typs H-IIA (H-IIA F17).

    Die Sonde mit einer Startmasse von 518,6 Kilogramm ist dazu gedacht, Klima, Wetter und Oberfläche der Venus zu untersuchen. Dafür wurde ihre wissenschaftliche Nutzlast mit einer Gesamtmasse von 34 Kilogramm mit einer Anzahl spezieller Kameras und Detektoren ausgerüstet.

    Der ursprüngliche Plan sah vor, dass sich Akatsuki mit Hilfe des bordeigenen Haupttriebwerks, OME für orbit maneuver engine genannt, am 6. Dezember 2010 in einen Orbit um die Venus einbremst. Die vorgesehene Geschwindigkeitsänderung lag bei 748,3 Meter pro Sekunde. Das Manöver gelang jedoch nicht. Der 476,1 Newton starke Motor versagte. Erzielt wurde eine Geschwindigkeitsänderung von nur 134,8 Metern pro Sekunde.

    Erreichen wollte man zunächst eine ellipsenförmige Umlaufbahn, deren nächster Bahnpunkt zunächst rund 550 Kilometer über der Venusoberfläche liegen sollte. der Venus-fernste Bahnpunkt hätte in rund 180.000 Kilometern Abstand von der Oberfläche gelegen.

    Um in den anvisierten Orbit einzutreten, hätte Akatsukis Haupttriebwerk mit seiner aus einem speziellen keramischen Werkstoff (Siliciumnitrid, Si3N4) hergestellten neuartigen Düse rund 12 Minuten (717,5 Sekunden) lang arbeiten müssen. Das MMH mit MON verbrennende, in der Brennkammer filmgekühlte Triebwerk versagte aber nach 152 Sekunden. Gezündet hatte es um 8:49 Uhr JST.

    Rund 2,5 Minuten nach der Zündung fiel der gerichtete Schub des Haupttriebwerks erheblich ab, gleichzeitig fing die Sonde an, sich zu drehen. Jede Sekunde stieg die Winkelgeschwindigkeit um fünf Grad pro Sekunde.

    Später durchgeführte Analysen förderten zu Tage, dass die Ausströmdüse des Triebwerks vermutlich unmittelbar am Düsenhals abgebrochen war. Der Bruch ist vermutlich Folge einer nicht vorgesehenen sauerstoffreichen Verbrennung, bei der ungünstig hohe Temperaturen aufgetreten waren.

    Die sauerstoffreiche Verbrennung geht wahrscheinlich auf das Konto der Heliumbedrückung bei der Treibstoffförderung. Man unterstellt mittlerweile eine korrosionsbedingt unzureichende Öffnung eines Heliumventils, welches durch Treibstoffdämpfe verunreinigt wurde.

    Das Kontrollsystem der Sonde hatte in geeigneter Weise reagiert und die Brennphase des Haupttriebwerks bei einer Winkelgeschwindigkeit von 12 Grad pro Sekunde automatisch beendet, als die starken Störungen der Ausrichtung von Akatsuki im Raum auftraten.

    Zum Zeitpunkt des Versagens befand sich Akatsuki im Schatten der Venus (ab 8:50 Uhr und 43 Sekunden JST), eine Funkverbindung mit der Sonde war deshalb nicht vorhanden.

    Das Triebwerk hätte exakt bis 9:01 Uhr JST arbeiten sollen, wurde aber um 8:51 und 38 Sekunden Uhr JST abgeschaltet. Um 10:26 Uhr JST konnten japanische und US-amerikanische Bahnverfolgungsstationen erstmals wieder die aktuelle Position von Akatsuki ermitteln. Die Sonde bewegte sich dabei auf ungeplanter Bahn von der Venus weg.

    Der Venus-Orbit, den Akatsuki hoffentlich im Dezember 2015, also rund 5 Jahre später als einmal geplant, erreicht, entspricht nicht dem ursprünglich vorgesehenen. Mit circa 5.000 x 300.000 Kilometern wird die Sonde nicht so nahe an die Venus herankommen, wie einstmals angedacht (~ 300 x 80.000 Kilometer). Ihr wissenschaftliches Untersuchungsprogramm wurde zwischenzeitlich entsprechend angepasst.

    Vier der 18,1 Newton starken Einstofftriebwerke von Akatsuki sollen die erforderliche Geschwindigkeitsänderung bewirken. Zusammen können sie einen Schub im Bereich von 20% dessen, was das Haupttriebwerk ermöglicht hätte, erzeugen.

    Die kleinen Triebwerke arbeiten mit Hydrazin, welches sie katalytisch zersetzen. Der Oxidator MON, den nur das Haupttriebwerk benötigte, befindet sich nicht mehr an Bord.

    Um unnütze Masse von Bord der Sonde zu bekommen, hatte man bereits 2011 den Oxidator über die Brennkammer des defekten Haupttriebwerks abgelassen. Die Masse des abgeblasenen Oxidators betrug rund 65 Kilogramm. Die Gesamtmasse aller Treibstoffe hatte beim Start von Akatsuki 196,3 Kilogramm betragen.

    Das jüngste Bahnkorrekturmanöver erlebte Akatsuki am 4. August 2015. Dabei kamen gegen 17:30 Uhr JST am Kopf der Sonde montierte Triebwerke zum Einsatz.

    Am 30. August 2015 gegen 2:00 Uhr JST passierte Akatsuki den sonnennächsten Punkt, das Perihelion ihres aktuellen Sonnenumlaufs. Die relative Nähe zur Sonne ist auch eines der Probleme, mit denen die Sonde zu kämpfen hat.

    Die Temperaturbelastung des Raumfahrzeugs erreichte bei vergangenen Perihelia Werte, die um 30% über dem lagen, was man bei der Auslegung des Raumfahrzeugs als Maximum angenommen hatte. Eine Verschlechterung der Eigenschaften verwendeter Isolierfolien wurde beobachtet, hat sich jüngst aber offenbar verlangsamt.

    Schafft es die angeschlagene Sonde in eine Umlaufbahn um die Venus mit einer Periode zwischen acht und neun Tagen, will die JAXA einen kontinuierlichen Beobachtungsbetrieb etablieren.

    Wenn sich die Sonde dabei auf elliptischer Bahn von der Venus entfernt, will man bei Abständen über dem Zehnfachen des Venus-Radius den gesamten sichtbaren Planeten hinsichtlich seiner Wolken, der tieferen Schichten seiner Atmosphäre sowie seiner Oberfläche untersuchen.

    Nähert sich Akatsuki der Venusoberfläche an, sollen bei Abständen, die geringer sind als das Zehnfache des Venusradius, die Wolken-Konvektion in der Atmosphäre sowie die Ausbreitung und Veränderung feiner wellenförmiger Bewegungen ins Visier genommen werden.

    Im Bereich des geringsten Abstands zur Venus stehen Untersuchungen des Schichtaufbaus von Wolkenstrukturen und ein lateraler, also seitlicher Blick in die Atmosphäre auf dem aktuellen Programm.

    Bewegt sich Akatsuki auf ihrer Bahn um die Venus in einem Bereich, in dem die Venus die Sonne abschattet, können Beobachtungen von Blitzen in der Atmosphäre und des Nachtglühens selbiger vorgenommen werden.

    Akatsuki alias Planet-C ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36.576 und als COSPAR-Objekt 2010-020D.

    Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA)



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Saturn Aktuell: Ein globaler Ozean auf Enceladus von Redaktion



• Ein globaler Ozean auf Enceladus «mehr» «online»


» Ein globaler Ozean auf Enceladus
30.09.2015 - Auf dem Saturnmond Enceladus vermuten Wissenschaftler bereits seit langem größere Vorkommen flüssigen Wassers unter der gefrorenen Oberfläche. Diese Annahme scheint sich nun zu bestätigen. Anzeichen deuten auf einen womöglich gar globalen Ozean hin.
Der Mond Enceladus war in den vergangenen Jahren immer wieder ein aufmerksam beobachtetes Ziel der Sonde Cassini, die das Saturnsystem schon lange erforscht und erstmals erfolgreich einen Lander auf Saturns Mond Titan absetzte.

Seit 2005 wurde Enceladus immer wieder das Ziel wissenschaftlicher Beobachtungskampagnen der Sonde, die bereits recht schnell ein Magnetfeld und eine dünne Wasserdampfatmosphäre entdeckte, deren Existenz mangels ausreichender Schwerkraft schon früh auf eine Quelle auf dem Mond selbst zurückgeführt wurde.

Nun stießen Wissenschaftler der NASA in jüngst übertragenen Daten von Cassini auf ein Phänomen, das den Mond Enceladus noch ein Stück interessanter erscheinen lässt. Der Himmelskörper, unter dessen Eispanzer schon lange Wasser vermutet wird, Raumfahrer.net berichtete, könnte vielleicht einen globalen Ozean aufweisen. Zu diesem Schluss kamen die Forscher, nachdem sie die Bahn des Mondes um den Saturn untersuchten.

Nicht nur unter dem Südpol befindet sich eine größere Konzentration von Wasser, wie Peter Thomas vom Team von der Cornell University ausführt, sondern unter der Eiskruste erstrecke sich ein globaler Ozean.

Exkurs
Der Eismond Enceladus ist der sechst-größte Trabant des Saturn und wurde 1789 von dem Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Wasser wird auf dem Mond sowohl im Bereich der kryovulkanischen Aktivitäten vermutet, die den E-Ring des Gasriesen speisen, als auch unter der gefrorenen Oberfläche in Form eines Ozeans.
Die Entfernung zum Schwerkraftzentrum des Saturn, den Enceladus auf einer fast prograden Umlaufbahn umkreist, beträgt im Mittel 237.948 km. Der Mond kreist somit rund 177.680 km über den äußersten Atmosphärenschichten des Planeten.
Bei annähernder Kugelform sind die Abmessungen des Mondes etwa 513,2 × 502,8 × 496,6 km. Die Oberflächentemperatur liegt, bedingt durch die hohe Reflexion der großteils gefrorenen Oberfläche, zumeist unter 200 Grad Celsius.

Aus den jüngsten Erkenntnissen der Forscher ergibt sich für Enceladus ein angenommener Aufbau aus einem, vermutlich silikatischen, Gesteinskern, der in einem Ozean schwimmt, der von einer Eiskruste umspannt wird. Somit handelt es sich bei Enceladus um einen differenziert aufgebauten Himmelskörper.

Die Forscher stützen ihre Annahme auf die Libration des Mondes auf seinem Saturnorbit. Die Amplitude dieser Schwingung müsste noch bedeutend schwächer ausfallen, würde es sich um einen massiven Himmelskörper handeln, in dessen Inneren sich lediglich vereinzelte Wasservorkommen bewegten. In diesem Fall wäre die Oberfläche mit dem Gesteinskern fest verbunden, so Matthew Tiscareno, ein am Cassini-Projekt beteiligter Wissenschaftler des SETI-Institute im kalifornischen Mountain View.

Die Kartografierung verschiedener Oberflächenstrukturen des Mondes auf hunderten von Cassinis Bildern ermöglichte die Bestimmung von Enceladus Rotation in neuer Präzision. „Das war eine schwierige Aufgabe, die Jahre harter Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen gefordert hat, aber wir sind optimistisch es jetzt herausgefunden zu haben“, sagte Peter Thomas, Projektwissenschaftler im Cassini Imaging Team an der Cornell University, Ithaca, New York.

Insgesamt wurden Bilder aus sieben Jahren analysiert, besonders Krater auf Enceladus waren bei der Auswertung hilfreich. Außer über die Libration lassen sich solch präzise Messungen auch über die Dopplerverschiebung in den Funksignalen einer Sonde vornehmen.

Über die Gründe, warum der Ozean nicht gefriert, gibt es verschiedene Annahmen. So könnten etwa gravitative Einflüsse im Saturnsystem ein höheres thermisches Potenzial im Inneren des Mondes erzeugen, als vermutet worden war.

Enceladus bleibt ein Überraschungsei
Der Mond Enceladus erregte in der Vergangenheit immer wieder das Interesse der Wissenschaftsgemeinde. So wurde nach der erstmaligen Entdeckung von Wasser unter seinem Südpol vergangenes Jahr auch über die theoretische Möglichkeit lebensfreundlicher Bedingungen im Wasser theoretisiert.

Deshalb wird Cassini in Kürze die Aufmerksamkeit seiner Instrumente erneut auf den Mond richten. Am 28. Oktober erfolgt ein Vorbeiflug, der die Sonde bis auf 49 km an die Mondoberfläche heranbringen wird.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Roman van Genabith - Quelle: NASA)



 

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"InSpace" Magazin #547
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
7. Oktober 2015
Auflage: 5216 Exemplare


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