InSpace Magazin #558 vom 17. Mai 2016

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #558
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Himmelfahrtwoche fand in Darmstadt das Raumcon-Treffen 2016 statt. Während dieses Treffens bekamen die Teilnehmer nicht nur zum Frühstück einen neuen Start einer Falcon-9 mit erfolgreicher Landung serviert, sondern erfuhren bei einem Besuch im ESOC in Darmstadt auch noch brandneue Details, wie die Landung von Rosetta auf ihrem Kometen Tschurjumov-Gerasimenko im September vor sich gehen soll. Über diese beiden Events und noch mehr informieren Sie die News in diesem Inspace-Magazin. Viel Spaß!

Axel Orth

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• Tiefere Einblicke auf Ceres dank Kratern «mehr» «online»
• SpaceX startet JCSAT-14, landet Erststufe «mehr» «online»
• Heute entschieden – Rosetta-Wissenschaft bis zum Ende «mehr» «online»
• Weltraumteleskop Kepler entdeckt 1.284 neue Planeten «mehr» «online»
• Intelsat 39 bei Space Systems/Loral bestellt «mehr» «online»
• China startet Erdbeobachtungssatelliten YaoGan 30 «mehr» «online»
• Reschetnjow baut weitere Satelliten für RSCC «mehr» «online»
• Japan: Weltraumteleskop Astro-H vermutlich zerstört «mehr» «online»
• NASA beginnt mit Grundlagenforschung zum E-Sail «mehr» «online»
• Erdähnlicher Nachbar in 16 Lichtjahren Entfernung? «mehr» «online»
• Copernicus-Aufbau: Sojus-Flug VS14 erfolgreich «mehr» «online»
• 7. indischer Navigationssatellit für IRNSS im All «mehr» «online»
• JAXA stellt Bemühungen zur Rettung von Astro-H ein «mehr» «online»


» Tiefere Einblicke auf Ceres dank Kratern
05.05.2016 - Zwei Einschlagkrater auf Ceres erlauben einen Einblick in die tieferen Lagen des Kleinplaneten
Die NASA Sonde Dawn hat sich auf ihre niedrigste (und wohl endgültige) Umlaufbahn um Ceres heruntergeschraubt, knapp 385 Kilometer über der Oberfläche. Das nennet sich Low Altitude Mapping Orbit (LAMO) und aus dieser Warte sind nochmals bessere Beobachtungen der Oberfläche des Beinahe-Planeten möglich, mit bis zu 40 Metern Auflösung pro Pixel.

Die typische Oberflächenstruktur auf Ceres sind die zahlreichen Impakt-Krater. Die Oberfläche wurde also in ihrer Geschichte unzählige Male durch Einschläge aller Größenordnungen regelrecht umgewälzt. Will man also Einblicke in tiefere Schichten von Ceres erhalten, wäre ein frischer Krater nützlich, der nicht seinerseits von vielen Neuen Einschlägen und deren Auswurfsmassen überprägt worden ist.

Eine solche Gelegenheit bietet der Haulani Krater, mit soliden 34 Kilometern Durchmessern in etwa in der Größenordnung des irdischen Nördlinger Rieses. Woher weiß man, dass es sich um einen jungen Krater handelt? Für die Datierung von planetaren Oberflächen wird, da in der Regel keine Proben verfügbar sind, die Kraterdichte ermittelt. Je älter, desto mehr Impakte sollten stattgefunden haben, was dann durch eine erhöhte Dichte an Kratern erkennbar wäre. Und tatsächlich finden sich nur wenige kleinere Krater innerhalb des Kraterbeckens. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und es lässt sich noch mehr Information aus dem auf den ersten Blick tristen Grau der Aufnahmen ziehen. So ist das Material des Kraters heller, deutet also auf einen Unterschied in der Zusammensetzung hin.

Weitere Informationen kommen aus Falschfarbenbildern. Hier werden die Farbtöne absichtlich geändert, so dass feine Unterschiede, die im Grau-in-Grau nicht so auffallen, sichtbar werden. Und so kann der ‚blaue‘ Farbton der Auswurfsmassen auch als weiteres Kennzeichen für die Identifikation junger Flächen auf Ceres verwendet werden.

Auch die Form des Kraters ist interessant – statt eines gewöhnlichen Kreises (mehr oder weniger…) sieht Haulani mehr wie ein Sechseck aus. Da scheinen Spannungen am Werk zu sein, die so an der Oberfläche nicht sichtbar sind. Sichtbar sind Erdrutsche, Zeichen dafür, das der Krater vielleicht noch recht instabil ist.



Und dann gibt es noch den Oxo Krater. Der ist etwas kleiner, knapp 10 Kilometer im Durchmesser, wiederum mit nur geringer Überprägung durch spätere Ereignisse. Da er am 0-ten Längengrad liegt, wird er auf den Oberflächenkarten gerne übersehen. Eine interessante Eigenschaft: einer der hellen Spots, nämlich Nummer 5. Jetzt hat man sich ihn aber genauer angeschaut, und auch dieser Krater hat ein interessantes Innenleben. So scheint eine ganze Flanke des Kraters in einem gigantischen Ceresrutsch in das Kraterinnere gestürzt zu sein. Dadurch werden weitere Teile der Kruste von Ceres sichtbar, die vom Oberflächenschutt, dem Regolith, überlagert werden.

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Raumsonde DAWN hat Ceres im Visier

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(Autor: Andreas Morlok - Quelle: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA/PSI)


» SpaceX startet JCSAT-14, landet Erststufe
06.05.2016 - SpaceX hat erfolgreich den Satelliten JCSAT-14 für die JSAT Corporation aus Japan gestartet. Gleichzeitig hat SpaceX das erste Mal eine Landung bei einer GTO-Mission geschafft.
Start von JCSAT-14
Heute um 07:21 MESZ ist eine Falcon 9-Rakete von SpaceX mit dem Kommunikationssatelliten JCSAT-14 gestartet. Die Stufentrennung erfolgte nach 2 Minuten und 40 Sekunden, kurz darauf zündete die zweite Stufe für ca. 7 Minuten und brachte das Gespann Oberstufe und Satellit in einen Parkorbit. 26,5 Minuten nach dem Start erfolgte eine zweite Brennphase der Oberstufe, die JCSAT-14 auf einen leicht supersynchronen geostationären Transferorbit mit einem Apogäum von mindestens 36.000 km katapultierte. Bisher wurden noch keine Orbitdaten veröffentlicht.

JCSAT-14 ist ein Kommunikationssatellit für JSAT, der von SSL gebaut wurde. Er verfügt sowohl über ein chemisches als auch ein elektrisches Antriebssystem. JCSAT-14 soll eine Position bei 154° Ost im geostationären Orbit annehmen, um dort den Satelliten JCSAT-2A zu ersetzen. Der Satellit hat eine Masse 4.696 kg, eine elektrische Leistung von 10 Kilowatt bei Lebensende und verfügt über 26 C-Band und 18 Ku-Band Transponder.

Landung auf der Seeplattform
Bei diesem Start wurde ebenfalls ein Landeversuch auf der Seeplattform (offiziell "autonomous spaceport droneship", kurz ASDS) mit dem Namen "Of course I still love you", kurz OCISLY, durchgeführt. Dazu flog die erste Stufe der Falcon 9 nach der Stufentrennung eine Reihe von Manövern, die sie auf Landekurs auf die Seeplattform brachten. Aufgrund der hohen Performanceanforderungen an diese Mission wurde der finale Brennvorgang für die Landung auf dem Drohnenschiff mit drei Triebwerken durchgeführt, was zu einer kurzen, starken Abbremsung führte.

Eine Landung mit drei Triebwerken reduziert die Gravitationsverluste. Dies wurde bereits beim SES-9-Start probiert, dort ging der Stufe jedoch kurz vor der Landung der Treibstoff aus und die Stufe wurde durch den harten Aufprall stark beschädigt. Diesmal schaffte die Rakete die Landung. Elon Musk hatte auf Twitter der Landung eine 50-50 Chance gegeben.

Um auf der Seeplattform landen zu können verfügt die erste Stufe über einen eigenen Flugcomputer, Landebeine, Kaltgasdüsen für die Steuerung im Vakuum, Gridfins für die Steuerung in der Atmosphäre und eine extra Ladung TEA-TEB (Triethylaluminium-Triethylboran, Zündmittel) um drei Triebwerke mehrmals zu zünden.

Die Satellitenmasse von JCSAT-14 ist mit 4.696 kg deutlich unter den von SpaceX auf der Firmenwebseite beworbene maximale Performance der Falcon 9 für einen geostationären Orbit bei 27° Inklination, bei gleichzeitiger Bergung der ersten Stufe. Das Limit dafür soll bei 5,5 Tonnen liegen. Allerdings impliziert diese Performance eine noch nicht eingeführte weitere Schubsteigerung der Merlin 1D-Triebwerke. Nichtsdestoweniger hat die Landung der ersten Stufe auf der Seeplattform entgegen den Erwartungen funktioniert.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX, reddit)


» Heute entschieden – Rosetta-Wissenschaft bis zum Ende
09.05.2016 - Unmittelbar vor dem bevorstehenden Ende der Mission der Kometensonde können möglicherweise noch einmal hoch interessante wissenschaftliche Daten über den Kometen 67P / Tschurjumow-Gerassimenko gesammelt werden.
Wie Raumfahrer.net zusammen mit spacelivecast.de heute im Kontrollzentrum für unbemannte Raumfahrt der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA), dem European Space Operations Center (ESOC), in Darmstadt vor Ort in Erfahrungen bringen konnte, wurden Einzelheiten des Landeverfahrens für Rosetta auf dem Kometen 67P festgelegt.

Zur Auswahl standen zwei verschiedene Abstiegsverfahren. Diskutiert wurde ein relativ zügiger Abstiegsvorgang mit einer Dauer zwischen einer und zwei Stunden, bei dem vor dem Kontakt mit dem Kometen eine relative saubere Umgebung der Sonde für gute Arbeitsmöglichkeiten der Instrumente an Bord des Raumfahrzeugs sorgen würde. Der Kontakt selbst würde schließlich mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Meter pro Sekunde – der Geschwindigkeit, mit der auch der Lander Philae die Oberfläche erreichte – erfolgen.

Außerdem wurde ein langsameres Verfahren der Annäherung untersucht, das auf Grund ausgiebigeren Einsatzes der Lageregelungstriebwerke schwierigere Arbeitsbedingungen für die wissenschaftlichen Instrumente bedeutet, aber eine erheblich längere abschließende Phase wissenschaftlicher Untersuchungen möglich machen sollte.

Das Verhalten der Instrumente ist zum Teil so gut bekannt, dass ihre Daten hinsichtlich der durch den Triebwerkseinsatz verursachten Störungen vermutlich gut korrigiert werden können. Sechs bis sieben Stunden Beobachtungszeit sollten bei der langsameren Annäherung möglich sein.

Solarzellenausleger und Akkumulatoren sollen voraussichtlich im Juli 2016 noch einem überprüft werden, um ihren Zustand vor der Einleitung der abschließenden Missionsphase exakt beurteilen zu können. Steht möglicherweise nicht mehr genug Leistung für den gleichzeitigen Betrieb aller einsatzfähigen Instrumente zur Verfügung, sind Entscheidungen hinsichtlich der Abschaltung einzelner Instrumente zu treffen. Ob letzteres erforderlich ist, kann derzeit nicht gesagt werden.

Nach intensiven Besprechungen der Teams, die einerseits unter der Leitung von Matt Taylor die wissenschaftlichen Instrumente an Bord der Sonde betreuen, und den Technikern und Ingenieuren, die sich beim ESOC um die raumflugtechnischen Aspekte der Mission kümmern, wurde beschlossen, der langsameren Annäherung den Vorzug zu geben. Dabei spielte der Wunsch der Wissenschaftler, ihre Instrumente möglichst lange betreiben zu können, um Daten aus extremer Kometennähe erfassen zu können, eine maßgebliche Rolle.

Das angedachte Verfahren kam noch nie zum Einsatz. Die erforderlichen Triebwerke wurden noch nie in der notwendigen Kombination zusammen betrieben. Bisher durchgeführte Simulationen sprechen dafür, dass sich die geplanten Manöver erfolgreich durchführen lassen. Treibstoff steht ausreichend zur Verfügung. Die aufzuwendende Treibstoffmenge ist wegen des bevorstehenden Missionsendes kein limitierender Faktor.

Das konkrete Datum, an dem Rosetta die Oberfläche des Kometen erreichen wird, ist derzeit nicht exakt anzugeben. Die bahndynamische Komplexität der Aufgabe erfordert umfangreiche Vorarbeiten, berichtete Sylvain Lodiot, Spacecraft Operations Manager (SOM). Sie sollen in nächster Zeit am ESOC aufgenommen werden.

Die Mission von Rosetta wird nach derzeitigem Kenntnisstand frühestens zwischen dem 28. September und 1. Oktober 2016 beendet werden. Wenn es soweit ist, wird eine Prozedur greifen, die vorher zur Sonde übermittelt werden muss. Diese soll insbesondere die Abschaltung der Sender an Bord von Rosetta sicherstellen, um die vorher genutzten Funkfrequenzen wieder freizugeben.

Rosetta wird so konfiguriert, dass Anomalien bei der endgültigen Annäherung an den Kometen keinen Wechsel in einen Sicherheitsmodus wie bisher programmiert auslösen, sondern die Abschaltung des Senders veranlassen.

Auslöser der Abschaltung muss ausserdem nicht unbedingt ein anhaltender Kontakt mit dem Kometen sein. Nicht auszuschließen ist, dass die Sonde hüpft wie Philae. An Bord der Sonde kann sensorisch nicht unterschieden werden, was konkret den Abschaltimpuls auslöste, und eine Beurteilung der Situation anhand von Telemetrie ist wegen des abgeschalteten Senders dann nicht mehr möglich. Von den allerletzten aktiven Momenten werden die Menschen keine Kenntnis erhalten können.

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(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: ESA)


» Weltraumteleskop Kepler entdeckt 1.284 neue Planeten
12.05.2016 - Wieder ein neuer Erfolg für das Weltraumteleskop Kepler: Wie die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA) in einer Pressekonferenz am 10. Mai 2016 bekannt gab, konnten 1.284 neue Exoplaneten bestätigt werden.
Die Zahl der durch Kepler entdeckten und verifizierten Exoplaneten hat sich damit mit einem Schlag mehr als verdoppelt, sagte die Chefwissenschaftlerin Ellen Stofan am NASA Hauptquartier in Washington.

Diese Aussage basiert auf einer neuen statistischen Analysemethode, die auf viele Datensätze gleichzeitig angewendet werden kann, erklärte Timothy Morton von der Princeton University (New Jersey), Hauptautor eines Fachartikels in der Zeitschrift „The Astrophysical Journal“.

Als Datenbasis diente ein Katalog mit 4.302 Planetenkandidaten, die das Kepler Weltraumteleskop bis Juli 2015 entdeckt hat. Für 1.284 Kandidaten ist die Wahrscheinlichkeit größer als 99% ein Planet zu sein, dies ist die minimale Voraussetzung um den Status „Planet“ zu bekommen.

1.327 weitere Kandidaten sind demnach höchstwahrscheinlich Planeten. Hier sind weitere Studien notwendig, um ihre Existenz endgültig zu bestätigen. Bei den verbliebenen 707 Kandidaten handelt es sich wahrscheinlich um andere astrophysikalische Phänomene. In 984 Fällen wurden die Kandidaten bereits durch andere Techniken bestätigt.

„Vor dem Start des „Kepler-Weltraumteleskopes“ wussten wir nicht, ob extrasolare Planeten in unserer Galaxie selten oder häufig sind. Dank Kepler und der wissenschaftlichen Gemeinschaft wissen wir nun, dass es mehr Planeten als Sterne geben könnte“, sagte Paul Hertz, Leiter des Bereiches Astrophysik der NASA.

Allein 550 der neu entdeckten Planeten könnten Gesteinsplaneten sein, so wie die Erde oder der Mars. Neun der Planeten befinden sich in der sogenannten habitablen Zone. Als habitale Zone bezeichnet man einen Bereich um eine Sonne, in der auf einer Planetenoberfläche flüssiges Wasser existieren kann, was man als eine wichtige Voraussetzung für Leben betrachtet.

Insgesamt wurden mit Hilfe von Kepler bis dato 21 Planeten in der habitablen Zone eines Sterns bestätigt. Ob es dort aber tatsächlich Leben gibt, kann Kepler nicht feststellen.

Vier Jahre lang beobachtete das Weltraumteleskop einen einzelnen Ausschnitt des Himmels, um den kleinen erkennbaren Abfall der Helligkeit eines Sterns zu messen, wenn ein Planet vor ihm vorüberzieht. Man bezeichnet diese Technik als „Transitmethode“.

Die gleiche Methode wird ab dem Jahre 2018 wieder benutzt werden, wenn der neue Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der NASA zum Einsatz kommt. Dieser soll gleich 200.000 helle, nahegelegene Sterne beobachten, um Planeten von der Größe der Erde oder einer Super-Erde zu finden.

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(Autor: Thomas Geuking - Quelle: NASA)


» Intelsat 39 bei Space Systems/Loral bestellt
14.05.2016 - Der international tätige Kommunikationssatellitenbetreiber Intelsat hat beim Satellitenbauer Space Systems/Loral (SS/L) aus Palo Alto in den Vereinigten Staaten einen neuen Satelliten bestellt. Das neue Raumfahrzeug ist als Ersatz für Intelsat 902 gedacht.
Intelsat 902 kreist seit seinem Start auf der Ariane-4-Rakete mit der Flugnummer V143 am 30. August 2001 um die Erde. Der ebenfalls von SS/L gebaute Satellit mit einer Leermasse von 1.972 Kilogramm und einer Startmasse von 4.723 Kilogramm war anfangs bei 56,4 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) positioniert.

Aktuell steht Intelsat 902 bei 62 Grad Ost im GEO und hat seine Auslegungsbetriebsdauer von 13 Jahren bereits überschritten. Intelsat 902 alias IS-902 ist katalogisiert mit der NORAD Nr. 26.900 und als COSPAR-Objekt 2001-039A.

Intelsat 39 basiert wie Intelsat 902 auf SSLs 1300er Satellitenplattform. Der technische Fortschritt macht es jedoch möglich, den neuen Satelliten mit einer moderneren Kommunikationsnutzlast und weiterentwickelter Triebwerkstechnik auszustatten.

Für Intelsat 39 ist eine Anzahl von Transpondern für das C- und das Ku-Band vorgesehen. Die Transponder sind für die Bereitstellung von breitbandigen Netzwerk- und Bewegtbilddiensten gedacht und adressieren Nutzer in Afrika, Asien, Europa und dem Mittleren Osten.

Zum Erreichen des Zielorbits soll Intelsat 39 auf chemische und elektrische Triebwerke zurückgreifen können. Zur Lageregelung und für Manöver zum Halten der Position will man anschließend ausschließlich elektrische Triebwerke einsetzen.

Über ein anvisiertes Startdatum und die Auswahl eines Startanbieters machte SS/L bis dato und in der Pressemitteilung mit Datum vom 12. Mai 2016 keine konkreten Angaben.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Space Systems/Loral)


» China startet Erdbeobachtungssatelliten YaoGan 30
15.05.2016 - Der chinesische Erdbeobachtungssatellit YaoGan 30 gelangte am 15. Mai 2016 in den Weltraum, berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Der Start erfolgte vom Jiuquan Satellite Launch Center (JSLC) in der inneren Mongolei.


Befördert wurde der Satellit von einer zweistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 2D. Es war der 25. Einsatz der hier benutzten Variante der Langer Marsch 2D insgesamt, und der 227. Start einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch. Es flog die Baunummer LM-2D Y27.

Der Start von YaoGan 30 erfolgte um 10:43 Uhr Pekinger Zeit am 15. Mai 2016, das ist 4:43 Uhr MESZ am gleichen Tag, von der Startrampe Nr. 2 des Satellitenstartzentrums Jiuquan in der Wüste Gobi. Startzeitpunkt in UTC war 2:43 Uhr.

Nach Angaben aus China handelt es sich bei YaoGan 30 - so wie bei den schon zuvor gestarteten YaoGan-Satelliten regelmäßig mitgeteilt - erneut um ein Raumfahrzeug, das bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, der Beurteilung von erreichbaren und erzielten Ernteergebnissen im Landbau, der Landvermessung sowie bei der Durchführung wissenschaftlicher Experimente nützlich sein soll.

Möglicherweise handelt es sich bei YaoGan 30 um einen weiteren Aufklärungssatelliten mit hochauflösenden optoelektronsichen Systemen an Bord. YaoGan bedeutet schlicht Fernerkundung. Der Satellit gelangte auf eine rund 98 Grad gegen den Äquator geneigte Bahn und umkreiste die Erde nach dem Start in Höhen zwischen 626 und 655 Kilometern.

Bahnparameter und Startumstände gleichen bestimmten früheren Satelliten aus der YaoGan-Serie, insbesondere denen der Satelliten YaoGan 4, 7 und 11. YaoGan-Satelliten bringt China seit 2006 regelmäßig ins All.

YaoGan 30 alias YG-30 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.473 und als COSPAR-Objekt 2016-029A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CCTV, Chinadaily, Shanghaidaily, Xinhua)


» Reschetnjow baut weitere Satelliten für RSCC
15.05.2016 - Der russische Satellitenbauer Reschetnjow wird für die russische föderale Satellitenkommunikationsgesellschaft (Russian Satellite Communications Company, RSCC) die beiden Kommunikationssatelliten Express 80 und Express 103 bauen, gab Reschetnjow am 13. Mai 2016 bekannt.
Nach Angaben von Reschetnjow werden beide Satelliten auf dem hauseigenen Bus Express-1000 basieren. Die Kommunikationsnutzlasten beider Satelliten will Reschetnjow wie bei zahlreichen Vorgängerprojekten vom französisch-italienischen Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) beziehen.

Die Integration der beiden Raumfahrzeuge soll bei Reschetnjow in Schelesnogorsk bei Krasnojarsk in Sibirien erfolgen. Gestartet werden die Satelliten voraussichtlich zusammen auf einer Proton-M-Rakete. Raketen dieses Typs haben Doppelstarts mit auf dem Bus Express-1000 basierenden Satelliten bereits erfolgreich absolviert.

Ruaviation.com hatte Anfang des Jahres berichtet, RSCC-Generaldirektor Juri Prochorow habe geäußert, die Tatsache, dass die Proton-M-Raketen und die Breeze-M-Oberstufen in Russland hergestellt würden, sei hinsichtlich der Entscheidung über das vorzusehende Trägersystem von großer Bedeutung. Der stellvertretende RSCC-Direktor Alexander Ganin soll laut gleicher Quelle angekündigt haben, in naher Zukunft würden alle Proton-Raketen zwei Satelliten (für RSCC) auf einmal transportieren.

Im Weltraum will RSCC die Satelliten zur Herstellung von Kommunikationsverbindungen zu mobilen und stationären Endgeräten, zur Ausstrahlung von digitalen Fernseh- und Radioprogrammen sowie der Bereitstellung von breitbandigen Internet- und Datenverbindungen für Nutzer auf russischem Territorium verwenden.

Die Bezeichnungen der Satelliten legen ihre künftigen Postionen im Geostationären Orbit (GEO) nahe. Express 80 könnte an einer Position bei 80 Grad Ost im GEO zum Einsatz kommen, Express 103 bei 103 Grad Ost im GEO Verwendung finden. Bei 80 Grad Ost steht derzeit Express-AM 22, der seit Ende 2003 im All ist und dort den eigentlich schon ausgemusterten Express-AM 2, gestartet 2005, nicht mehr geostationär, ergänzt. Express-AM 3, seit Mitte 2005 im Weltraum, ist bei 103 Grad Ost stationiert.

Beim Wettbewerb um den Bau der Satelliten hatte sich Reschetnjow zusammen mit TAS offenbar gegen ein Konsortium namens Energia SAT aus dem russischen Raumfahrtunternehmen Energia und Airbus Defence and Space durchgesetzt. Der Preisvorteil des Angebots von Reschetnjow bewegt sich angeblich im Bereich von 1,2 Milliarden Rubel.

Als Gesamtauftragswert werden inoffiziellen Quellen zufolge 14 Milliarden Rubel genannt, umgerechnet aktuell rund 19 Millionen Euro. 15,5 Milliarden Rubel (~20,9 Millionen Euro) soll RSCC maximal zu zahlen bereit gewesen sein.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: good-paper.com, hdbox.ws, Reschetnjow, RSCC, ruaviation.com)


» Japan: Weltraumteleskop Astro-H vermutlich zerstört
20.04.2016 - Nach einem Fehler im Lageregelungssystem des japanischen Weltraumteleskops Astro-H alias Hitomi kam es zu einer ungewollten Rotation, die das Raumfahrzeug derartig beschädigt hat, dass eine Rettung der Mission wohl ausgeschlossen werden muss.
Astro-H war dafür gedacht, Wissenschaftlern eine neue Durchmusterung des Himmels im Bereich der weichen und harten Röntgen-, sowie der weichen Gammastrahlung zu ermöglichen. Es war von der japanischen Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (Japan Aerospace Exploration Agency, JAXA) erst am 17. Februar 2016 gestartet worden und hätte Aufgaben erfüllen sollen, die bereits Astro-E, zerstört bei einem Fehlstart, und Astro-EII, das einen Monat nach dem Start sein Kühlmittel Helium verloren hatte, zugedacht waren.

Insbesondere der neuerliche Verlust eines gemeinsam mit der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (National Aeronautics and Space Administration, NASA) entwickelten Spektrometers für weiche Röntgenstrahlung ist für die Wissenschaftsgemeinde eine herbe Enttäuschung.

Das hochempfindliche Spektrometer hätte Photonen der Röntgenstrahlung erfassen können, die im Universum von extrem heißer Materie abgestrahlt wird. Mit der Bestimmung der Energie dieser Photonen wollte man Rückschlüsse auf die Zusammensetzung und die Geschwindigkeit der extrem heißen Materie ermöglichen, die insbesondere in der Umgebung von schwarzen Löchern vorkommt.

Die Nutzung der notwendigen Mikrokalorimetertechnik hatte die NASA schon für das Röntgenteleskop Chandra vorgesehen, wo sie aus Kostengründen schließlich keine Verwendung fand.

Für das Spektrometer für weiche Röntgenstrahlung von Astro-H stellte die NASA rund 54,9 Millionen US-Dollar bereit, inklusive der Missionskosten rechnete man bei der NASA mit einem finanziellen Gesamtaufwand von rund 130 Millionen US-Dollar.

Die JAXA steckte umgerechnet rund 280 Millionen US-Dollar in Entwicklung, Bau und Start von Astro-H. Nach dem erfolgreichen Transport des Teleskops ins All schien die Inbetriebnahme zunächst erfolgreich zu verlaufen.

Das Ausfahren des rund sechs Meter langen Masts der ausfahrbaren optischen Bank (Extensible Optical Bench, EOB) war wie vorgesehen erfolgt. Mit ausgefahrenem Mast erreichte das Weltraumteleskop mit einer Masse von rund 2,7 Tonnen eine Gesamtlänge von rund 14 Metern.

Am 17. Februar 2016 hatte man das Kühlsystem des Spektrometers für weiche Röntgenstrahlung aktiviert. Am 22. Februar 2016 erreichte es schließlich eine Temperatur von rund minus 273,1 Grad Celsius bzw. rund 50 Milligrad über dem absoluten Nullpunkt.

Anlässlich des begonnenen Beobachtungs-Testbetriebs erfolgte am 25. März 2016 die Ausrichtung des Raumfahrzeugs mit seinem Teleskop auf ein neues Beobachtungsziel. Vorher blickte das Teleskop in Richtung des Krebsnebels, anschließend wurde der Quasar Markarian 205 anvisiert. Unmittelbar nach Beendigung des Manövers zur erforderliche Lageänderung um 18:22 Uhr Weltzeit lieferte das Inertialsystem des Raumfahrzeugs, bestehend aus zwei sog. inertial reference units (IRUs), Daten über ein - in Wirklichkeit nicht existierendes - Rollen des Raumfahrzeugs um seine Z-Achse.

Fehlerhafte Daten des Inertialsystems sollten eigentlich keine Berücksichtigung bei der Steuerung von Astro-H finden. Die Software zur Lageregelung besitzt Algorithmen, die obskure Daten aussortieren soll. Bei besonderen Diskrepanzen zwischen vom Intertialsystem errechneter Lage und Bewegung und durch Sternensensoren erfassten Daten hätte der Bordcomputer die Daten des Inertialsystems ignoriert, und sich auf die Daten der Sternensensoren (Star Tracker, STT, Hersteller NEC) verlassen. Letzteres war allerdings nicht möglich: Es gab kein nutzbaren Daten von den Sternensensoren.

Wegen der vom Intertialsystem gemeldeten langsamen Rolle von 21,7 Grad pro Stunde versuchte der Bordrechner, die Situation mit Hilfe der Reaktionsräder an Bord zu korrigieren. Auf Grund der fehlerhaften Daten wurde schließlich gegen 19:10 Uhr Weltzeit am 25. März 2016 eine Rolle von rund 20 Grad pro Stunde in entgegengesetzter Richtung erreicht.

Reaktionsräder (momentum wheels, MWs), die Drehmomente erzeugen können, um ein Raumfahrzeug in der gleichen Achse wie die des Reaktionsrads, aber in Gegenrichtung zur Rotationsrichtung des Rades, zu drehen, bauen bei ihrem Einsatz aus einer Ruheposition heraus eine Drehzahl und damit einen Drehimpuls auf, die konstruktionsbedingt einen gewissen Wert nicht überschreiten darf. Deshalb müssen die Räder immer wieder angehalten werden, die dabei entstehenden Momente müssen kompensiert werden, was z.B. durch den Einsatz von Lageregelungstriebwerken oder durch elektromagnetische Ausrichtung am Erdmagnetfeld mit Hilfe der Spulen in sogenannten magnetic torque rods geschehen kann.

Zwischen 20:49 Uhr Weltzeit am 25. März 2016 und 1:04 Uhr Weltzeit am 26. März 2016 stieg das von den Reaktionsrädern erzeugte Moment immer weiter an, während Versuche des Raumfahrzeugs, der sogenannten Sättigung der Reaktionsräder bei 120 Nms mit Einsatz der magnetic torquers (MTQs) zu entgehen fruchtlos blieben.

Als seitens der Reaktionsräder ein erzeugter Drehimpuls im Bereich von 112 Nms erreicht war, und das Inertialsystem noch immer Daten über eine hohe Rollrate lieferte, versetzte der Bordcomputer Astro-H in einen Sicherheitsmodus (safemode). In diesem Sicherheitsmodus hätte ein spezielles Betriebsregime für eine Ausrichtung des Raumfahrzeugs mit seinen Solarzellenauslegern Richtung Sonne sorgen sollen, wobei Sonnensensoren zum Erfassen der Sonne und drei Newton starke Lageregelungstriebwerke zur Bewegung des Raumfahrzeugs dienen. Der Einsatz der Triebwerke führte allerdings zu einer Steigerung der Rotationsgeschwindigkeit des Raumfahrzeug.

Die Software für die Steuerung der Lageregelungstriebwerke war nach dem Ausfahren des Masts der optischen Bank am 28. Februar 2016 aktualisiert worden, weil sich durch das Ausfahren des Masts die Massenschwerpunktlage verändert hatte. Eine Vermutung der JAXA ist, dass das Softwareupdate nicht wirklich passend ausgefallen war. Darüber hinaus gab es nach dem Ausfahren Überlegungen, ob der ausgefahrene Mast die Sonnensensor-Nutzung behindern könnte.

Einige Stunden nach dem Verlust einer stabilen Lage begannen sich verschiedene Teile vom Satelliten abzulösen. Die JAXA sprach zunächst von Beschädigungen unbestimmter Art, zwischenzeitlich gab die Agentur bekannt, dass es nicht unwahrscheinlich sei, dass sich hinsichtlich der sehr schnellen Rotation empfindliche Bauteile des Satelliten wie die Enden der Solarzellenausleger oder der ausfahrbare Mast von Astro-H gelöst haben.

Die Ablösung von Teilen vom Weltraumteleskop begann laut JAXA am 26. März 2016 gegen 1:42 Uhr Weltzeit. Die nächste geplante Kommunikationssitzung mit dem Weltraumteleskop kam nicht zu Stande. Die Bodenstation Mingenew in Australien konnte keine Signale des Raumfahrzeugs erfassen.

Vom 26. bis 28. März 2016 empfingen Bodenstationen vermutlich noch dreimal Funkwellen, die Astro-H zugeordnet werden können. Ihnen konnten jedoch keine verwertbaren Daten über den Status des Weltraumteleskops entnommen werden. Informationen über einen neuerlichen Empfang liegen bis dato nicht vor. Der Hauptkörper von Astro-H und fünf laut JAXA als zum Satelliten gehörig identifizierte Bruchstücke umkreisen seither stumm die Erde.

Das Teleskop und die abgetrennten Teile wurden zwischenzeitlich durch optische Teleskope von der Erde aus beobachtet. Das größte der beobachteten Objekte ist vermutlich der Hauptkörper und die Quelle der zuletzt empfangenen Funkwellen. Aus dem Verlauf der bei den Beobachtungen festgehaltenen Lichtkurven schließt die JAXA auf eine Rotationsgeschwindigkeit von 5,22 Sekunden pro Umdrehung am 31. März 2016. Darüber hinaus wurde gemeldet, dass die optischen Beobachtungen für ein Ansteigen der Rotationsgeschwindigkeit nach dem Entstehen der Bruchstücke sprechen.

Die JAXA untersucht die Situation weiter.

Astro-H alias Hitomi - bzw. der Hauptkörper des Satelliten - war katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.337 und als COSPAR-Objekt 2016-012A. Zwischenzeitlich trug er die NORAD-Nr. 41.442.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA, NASA)


» NASA beginnt mit Grundlagenforschung zum E-Sail
26.04.2016 - Mit Sonnenwind durchs All segeln. Von der Theorie bis zur Anwendung ist es da noch ein weiter Weg. Immerhin hat nun die NASA auf der Suche nach neuen Antrieben für Flüge an den Rand des Sonnensystems das Konzept eines E-Sails in ihr Forschungsprogramm aufgenommen.
Im Marshall Space Flight Center (MSFC) in Huntsville, Alabama, hat man mit Versuchen zur E-Sail-Technik im Weltraum begonnen. Überlegungen, die geladenen Plasmateilchen im Sonnenwind zur Fortbewegung im interplanetaren Raum zu nutzen, sind nicht neu. Mit der NASA tritt nun ein Mitspieler an, der zwar auf erheblich größere finanzielle und technische Ressourcen zurückgreifen kann, aber man bleibt zumindest in der Anfangsphase bescheiden - 500.000 US-Dollar sind für erste Laborexperimente budgetiert. Die Tests in einer Plasma-Kammer am MSFC dienen der Modellierung eines Sondenantriebs mit dem Namen „Heliopause Electrostatic Rapid Transit System“ oder kurz HERTS. Der Name ist Programm, das System soll innerhalb der Heliopause, also innerhalb des Wirkungsbereiches des Sonnenwindes, eine schnelle Durchquerung des Sonnensystems durch Nutzung elektrostatischer Kräfte im Sonnenwind ermöglichen.

„Die Sonne verströmt mit dem Sonnenwind unter anderem auch Protonen und Elektronen mit sehr hoher Geschwindigkeit – 400 bis 750 Kilometer pro Sekunde,“ erklärt Bruce Wiegmann, Ingenieur im MSFC-Büro für fortgeschrittene Anwendungen im Weltraum (Advanced Concepts Office) und Leiter des HERTS E-Sail-Projektes. „Das E-Sail würde die Protonen für den Vortrieb einer Sonde nutzen.“ Das Konzept sieht vor, von der Sonde im Mittelpunkt ausgehend zehn bis zwanzig Aluminiumdrähte sternförmig auszubringen. Die Drähte werden elektrisch positiv geladen und stoßen damit die Protonen im Sonnenwind ab. Dadurch entsteht eine Kraftwirkung, die das Raumfahrzeug antreiben soll. Jeder Draht ist einen Millimeter dick und 20 Kilometer lang. Die Sonde soll mit einer Umdrehung pro Stunde rotieren, um so die Drähte durch die Fliehkraft in Position zu bringen und zu halten.

In den jetzt aufgenommenen Versuchen wird die Häufigkeit, mit der Protonen und Elektronen auf den positiv geladenen Draht treffen, untersucht. In einer Plasma-Kammer, in der Bauteile der Umweltsituation in Sonnennähe ausgesetzt werden können, wird ein rostfreier Stahldraht an Stelle eines Aluminiumdrahtes einer Protonen- und Elektronenstrahlung ausgesetzt. Der Stahldraht ist gegenüber dem intensiven Beschuss in der Plasma-Kammer resistenter, lässt aber Rückschlüsse auf die Effizienz der Aluminiumdrähte im Weltraum zu.

Die Forscher messen in der Plasma-Kammer die Ablenkung der Protonen durch den geladenen Draht. Mit den Versuchen werden zunächst die Modellergebnisse zum E-Sail-Abstoßungseffekt im kleinen Maßstab kontrolliert und verbessert. Dann wird das Ganze auf eine reale Größenordnung für eine künftige Sonde hochskaliert. Der positiv geladen Draht zieht natürlich auch negativ geladene Elektronen an. Ohne Gegenmaßnahmen würde der Draht nach relativ kurzer Zeit seine positive Ladung verlieren. Die Versuche in der Plasma-Kammer dienen auch dazu, das Ausmaß der Elektroneneinwirkung zu ermitteln und eine ausreichend dimensionierte Elektronenkanone (vermutlich ein Elektronenemitter wie in Kathodenstrahlröhren) zur Entladung zu konzipieren.

Das E-Sail-Konzept wurde von Dr. Pekka Janhunen vom Meterologischen Institut in Finnland entwickelt. Die bisherigen Versuche bewegten sich auf einem niedrigen technologischen Anspruchsniveau. Wenn die Ergebnisse aus der Plasma-Kammer, der Modellhochrechnungen und auch die Entwicklung eines zuverlässigen Abspulmechanismus zur Ausbringung der Drähte nach der jetzt für zwei Jahre angesetzten Versuchsreihe positiv ausfallen, bleibt nach Aussagen der NASA noch Entwicklungsarbeit für mindesten ein Jahrzehnt, bevor das Antriebskonzept tatsächlich umgesetzt werden kann.

In den USA wiesen Sonnensystemforscher bereits 2012 darauf hin, dass neue, fortschrittliche Antriebskonzepte für die weitere Erforschung des Sonnensystems bis in seine Randbereiche erforderlich sind. Die HERTS-Versuche sind eine Antwort darauf. Im Unterschied zu einem Sonnensegel, dessen Vortriebskraft auf dem Photonendruck beruht, soll ein E-Sail erheblich weitere Reisen im Sonnensystem ermöglichen. Auch wenn der Photonendruck um den Faktor 500 größer ist als der Protonendruck, wird ein Sonnensegel am Asteroidengürtel, also fünf Astronomische Einheiten (ein AU gleich Abstand Erde-Sonne, also rd. 149 Mio. km) von der Sonne entfernt, seine beschleunigende Wirkung verlieren. Ein E-Sail, glaubt Wiegmann, kann auch dort noch an Geschwindigkeit zulegen: „Mit dem beständigen Protonenfluss und entsprechender Fläche kann ein E-Sail bis in 16 bis 20 AU Entfernung von der Sonne kontinuierlich beschleunigen. Das ist dreimal weiter entfernt als bei einem Sonnensegel.“ Es wird zwar nicht ausdrücklich erwähnt, aber die Ausführungen legen den Schluss nahe, dass die radialen E-Sail-Drähte langsam ausgefahren werden. In Erdnähe (1 AU) würde eine effektive Fläche von rund 600 Quadratkilometer, entspricht einer Drahtlänge von knapp 14 Kilometern, ausreichen. Bis zum Asteroidengürtel werden die Drähte dann auf 20 Kilometer verlängert, dies entspricht einer Verdoppelung der Fläche auf etwas über 1.200 Quadratkilometer. Die längere kontinuierliche Beschleunigung führt zu erheblich höheren Geschwindigkeiten gegenüber allen anderen bekannten Antrieben. Zum Vergleich, die 1977 gestartete Sonde Voyager 1 benötigte 35 Jahre, um die Grenze der Heliopause in 121 AU Entfernung zu erreichen. Ein E-Sail könnte die Reisezeit auf unter ein Drittel senken. Wiegmann: „Das würde den wissenschaftlichen Nutzen solcher Missionen vervielfachen.“

Die Konzeptstudien der NASA zum E-Sail laufen auf ein sehr flexibles Design hinaus. Die Länge wie auch die Zahl der Drähte und die anliegende Spannung können an das Missionsvorhaben (innere Planeten, äußere Planeten oder darüber hinaus) leicht angepasst werden. Die Steuerung kann über unterschiedliche Feldstärken an einzelnen Drähten oder ganzen Segmenten der Kreisfläche erfolgen, die den Anstellwinkel im Protonenstrom verändern.

Aktuell gab beziehungsweise gibt es zwei E-Sail-Experimente. Der 2013 gestartete estnische Minisatellit ESTCube-1 hatte einen zehn Meter langen Draht für den Nachweis des Protoneneffekts auf ein "E-Sail" an Bord. Der Abspulmechanismus für den Draht scheint jedoch nicht wie geplant funktioniert zu haben. Ein Defekt im Antriebssystem oder im Abspulmechanismus sowie eine nicht gelöste Sicherheitsarretierung sind mögliche Ursachen.

Im Mai 2016 ist nach mehreren Verschiebungen der Start des finnischen 3er-Cubesats Aalto-1 auf einer Falcon 9 von SpaceX vorgesehen. Aalto-1 führt einen erheblich längeren Draht mit sich und soll die Nutzung des E-Sail-Effekts für ein Deorbiting demonstrieren.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA, Raumcon)


» Erdähnlicher Nachbar in 16 Lichtjahren Entfernung?
27.04.2016 - Möglicherweise hat die Erde einen Nachbarn in Form eines erdähnlichen Planeten in einem Sonnensystem nur 16 Lichtjahre von unserem entfernt. Der Planet könnte einen Stern namens Gliese 832 umkreisen.
Im Sonnensystem von Gliese 832 wurden bereits zwei andere Exoplaneten gefunden: Gliese 832B und Gliese 832C. Die Überlegungen zu einem weiteren Planeten in dem System, also einem hypothetischen Gliese 832D, wurden in einer neuen Arbeit von Suman Satyal an der Universität Texas und den Kollegen J. Griffith und Z. E. Musielak vorgestellt.

Gliese 832B ist ein Gasriese, ähnlich Jupiter, mit etwa 64% von dessen Masse und umkreist seinen Stern in 3,5 AE (Astronomische Einheit, entspricht etwa dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne). G832B spielt wahrscheinlich die gleiche Rolle für das Gravitationsgleichgewicht wie Jupiter in unserem Sonnensystem.

Gliese 832C ist eine Supererde mit ungefähr fünfmal so viel Masse wie die der Erde und umkreist den Stern Gliese 832 in einer geringen Entfernung von 0,16 AE. G832C ist ein Gesteinsplanet am inneren Rand der habitablen Zone, aber er ist seinem Stern zu nahe, als dass Leben wahrscheinlich ist. Gliese 832, der Stern im Zentrum, ist ein roter Zwerg mit ungefähr der Hälfte der Größe unserer Sonne, sowohl in seiner Masse, als auch im Radius.

Noch ist die Existenz des zusätzlichen Planeten nicht bewiesen. Die Forscher gehen von einer Masse zwischen 1 und 15 Erdmassen aus und einer Bahn in einem Abstand zwischen 0,25 und 2,0 AE von Gliese 832, seinem Zentralgestirn.

Die zwei vorher entdeckten Planeten im System Gliese 832 wurden mit der Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt. Bei dieser Methode werden die Planeten durch das pendeln des Zentralsterns, ausgelöst durch die Massenanziehung von Planeten im Orbit, erkannt. Dieses Pendeln ist durch den Dopplereffekt erkennbar, da das Licht des betroffenen Sterns durch seine Bewegung eine Rot- und Blauverschiebung erfährt.

Die Mannschaft hinter der neuen Studie hat die Daten zum System Gliese 832 basierend auf der Idee neu interpretiert, dass die riesige Entfernung zwischen den zwei bereits entdeckten Planeten einem weiteren Planeten Platz bieten würde. In Anbetracht der anderen von Kepler studierten Sonnensysteme wäre das Bestehen einer solchen Lücke sehr ungewöhnlich.

Laut ihrer Arbeit betrachtetet der Hauptteil der Studie die Gravitationswirkung, die der große Außenplanet auf den kleineren inneren Planeten ausübt, und außerdem auf die hypothetische Supererde, die im System vorhanden sein könnte. Das Team hat auf der Basis der bekannten Informationen über das Gliese-832-System numerische Simulationen durchgeführt und Modelle entwickelt, die zu dem Schluss kommen, dass ein erdähnlicher Planet Gliese 832 umkreisen könnte.

Dem wissenschaftliche Laien mag es suspekt erscheinen. Schnell ein paar Zahlen eingeben, bis es nach einem erdähnlichen Planeten aussieht, um dann Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber so ist es nicht. Diese Art des Modellierens und des Simulierens ist sehr gründlich.

Die Berücksichtigung aller Daten über das System Gliese 832, einschließlich Umlaufgeschwindigkeiten, Bahnneigungen und den Gravitationsbeziehungen zwischen den Planeten und dem Zentralstern sowie zwischen den Planeten selbst, ergibt Wahrscheinlichkeiten, wo vorher unentdeckte Planeten existieren könnten.

Diese Ergebnisse verraten Planetenjägern, wo man anfangen könnte, nach Planeten zu suchen. In diesem Fall zeigen die Ergebnisse der Studie, dass “es ein schmales Fenster von ungefähr 0,03 AE gibt, wo ein erdähnlicher Planet in einem stabilen Orbit im System bleiben könnte.” Die Autoren weisen darauf hin, dass die Existenz dieses Planeten damit nicht bewiesen ist, aber sie ist möglich.

Die anderen Planeten wurden mit der Radialgeschwindigkeitsmethode gefunden, die ziemlich zuverlässig ist. Aber die Radialgeschwindigkeitsmethode gibt nur Hinweise auf die Existenz von Planeten, sie beweist nicht, dass sie dort sind. Trotzdem glauben die Autoren der Studie, dass eine größere Zahl von radialen Umlaufgeschwindigkeitsmessungen die Existenz des zusätzlichen Planeten bestätigen könnte. Abgesehen davon kann entweder die Transitmethode, beispielsweise mit Hilfe des Kepler-Weltraumteleskops, oder die direkte Beobachtung mit sehr starken Teleskopen verwendet werden, um den positiven Beweis zu erbringen.

Bis jetzt konnte man mit Hilfe der Raumsonde Kepler die Existenz von 1.041 Planeten bestätigen. Aber Kepler kann nicht überall nach Planeten suchen. Studien wie die hier besprochene sind entscheidend für mögliche Anhaltspunkte bei der Suche Keplers nach Exoplaneten. Wenn ein weiterer Exoplanet im Gliese-832-System im vermuteten Bereich bestätigt werden kann, dann bestätigt dies auch die Genauigkeit der durchgeführten Simulation des Teams, das hinter dieser Arbeit steht.

Wenn er existiert, würde Gliese832D eine wachsende Liste von Exoplaneten fortschreiben. Vor nicht allzu langer Zeit wussten wir fast nichts über andere Sonnensysteme. Wir hatten nur Kenntnisse über unser eigenes. Auch wenn es immer unwahrscheinlich war, dass unser Sonnensystem aus irgendeinem Grund einmalig sein würde, hatten wir keine genauen Vorstellungen über die Anzahl von Exoplaneten in anderen Sonnensystemen.

Studien wie diese tragen zu unserem wachsenden Verständnis der Dynamik anderer Sonnensysteme bei und der Kenntnis über die Anzahl von Exoplaneten in der Milchstraße, und wahrscheinlich überall im Weltall.

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(Autor: Thomas Geuking - Quelle: Suman Satyal, J. Griffith, Z. E. Musielak / Evan Gough - Universe Today)


» Copernicus-Aufbau: Sojus-Flug VS14 erfolgreich
27.04.2016 - Der Aufbau des europäischen Erdbeobachtungssatellitensystems Copernicus geht weiter. Am 25. April 2016 brachte die Sojus-Rakete mit der Flugnummer VS14 von Kourou in Französisch-Guayana aus Sentinel 1B ins All.
Beim ersten Sojus-Start von Kourou im Jahr 2016 gelangte neben Sentinel 1B für Copernicus außerdem der französische Äquivalenzprinzip-Testsatellit MicroSCOPE (MICRO-Satellite à traînée Compensée pour l’Observation du Principe d’Equivalence) mit einer Startmasse von 303 Kilogramm und drei von Studenten gebaute Kleinstsatelliten, sogenannte Cubesats, in den Weltraum (Startmasse zusammen drei Kilogramm).

Dem Versuchsbetrieb von Kommunikationssubsystemen dient OUFTI 1 von der Universität Lüttich (ULg) in Belgien. Mit e-st@r-II vom Polytechnikum Turin (Politecnico di Torino, POLITO) in Italien will man den Einsatz eines Lagekontrollsystems demonstrieren, das mit Messungen des Erdmagnetfelds arbeitet. Bei AAUSAT 4 von der Universität Aalborg (AAU) in Dänemark handelt es sich um einen Satelliten zur Identifizierung von Seefahrzeugen.

Die Hauptnutzlast, Sentinel 1B, wird zusammen mit dem am 3. April 2014 gestarteten Satelliten Sentinel 1A eine Komponente des europäischen Umweltsatellitensystems Coperniucs bilden, die zur tageslichtunabhängigen Erdbeobachtung gedacht ist.

Copernicus widmet sich der Umweltbeobachtung und wird von der Europäischen Kommission (European Commission, EC) koordiniert. Die Europäische Raumfahrtagentur (European Space Agency, ESA) kümmert sich um Schaffung und Betrieb des Weltraumsegments von Copernicus. Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) finanziert mit Mitteln der Bundesregierung den deutschen Anteil an Copernicus.

Der Komponente Sentinel 1 ist ein breites Aufgabenspektrum in den Bereichen Umwelt, Verkehr, Wirtschaft und Sicherheit zugedacht. Die beiden Satelliten der Serie sind unter anderem besonders gut für eine Unterstützung bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdbeben geeignet. Um ihren Anforderungen gerecht werden zu können, erhielten die beiden vom französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) gebauten Raumfahrzeuge jeweils eine Radaranlage mit synthetischer Apertur (Synthetic Aperture Radar, SAR).

Sentinel 1A (Startmasse laut Arianespace 2.157 kg) und 1B (Startmasse laut Arianespace 2.164 kg) basieren auf dem Satellitenbus Prima, den TAS im Auftrag der Italienischen Raumfahrtagentur (Agenzia Spaziale Italiana, ASI) entwickelt hatte und Basis für die vier italienischen Radarsatelliten der COSMO-SkyMed-Konstellation wurde.

Die im C-Band einzusetzenden SAR-Antennen mit einer Masse von jeweils rund 800 Kilogramm an Bord der dreiachsstabilisierten Satelliten wurden bei Airbus Defence and Space in Friedrichshafen gefertigt. Sende-, Empfangs- und Steuerungselektronik für die Radaranlagen steuerte TAS selbst bei. 12,30 auf 0,90 Meter misst eine SAR-Antenne. Zusammengesetzt sind die Antennen aus jeweils 560 Einzelantennen.

Nach Angaben von TAS bewegt sich die Bodenauflösung der Radarsatelliten bei der Erdbeobachtung aus einem Orbit in circa 686 Kilometern Flughöhe abhängig vom aktivierten Beobachtungsmodus im Bereich zwischen 5 und 25 Metern.

Vier verschiedene Beobachtungsmodi stehen zur Verfügung. Der Modus mit der höchsten Leistung kann allerdings nicht kontinuierlich gefahren werden. Aus thermischen Gründen ist ein Zurückschalten nach etwa 25 Minuten erforderlich, ohne dass der Beobachtungsbetrieb unterbrochen werden muss.

Dank der Radaranlagen können die Satelliten ihre Beobachtungsaufgaben wetter- und lichtunabhängig und 24 Stunden pro Tag erbringen. Die ausgesandte Strahlung kann die Vegetation durchdringen und den Erdboden erreichen, was es ermöglicht, Bewegungen der Oberfläche vom Zentimeter- bis hinunter in den Millimeterbereich zu registrieren.

Veränderungen der Umwelt können also millimetergenau verfolgt werden. Beispielweise ist es möglich, die Entwicklung der Landnutzung, die Veränderung der Regenwälder und den Rückgang von Gletschereis über längere Zeiträume zu beobachten und zu dokumentieren.

Dr. Helmut Staudenrausch vom DLR Raumfahrtmanagement erklärte anlässlich des Starts, dass die Genauigkeit der von den Satelliten gesammelten Daten problemlos ausreicht, um damit hochgenaue Eiskarten zu erstellen. In diesen Karten sind zum Beispiel die Positionen von Eisbergen festgehalten. Die Karten ermöglichen Vorhersagen der Entwicklung der Eisbedeckung von und sichere Schiffspassagen durch die Gewässer in den Polarregionen.

Sentinel 1A und Sentinel 1B sollen die Erde künftig auf polarem, sonnensynchronen, 98,2 Grad gegen den Erdäquator geneigten Orbit um 180 Grad "zeitversetzt" umkreisen. Das ermöglicht eine Wiederholrate von sechs Tagen, was bedeutet, dass die selbe Stelle der Erdoberfläche alle sechs Tage von einem der beiden Satelliten überflogen wird und dabei aus dem All abgetastet werden kann.

Neben der Möglichkeit, erfasste Daten per Funk an eine geeignete Bodenstation zu übertragen, steht den Sentinel-1-Satelliten auch die Möglichkeit zur Verfügung, die Daten via Laserlicht an geeignete Relaissatelliten des europäischen Datenrelaissatellitensystems (European Data Relay Satellite System, EDRS) zu übertragen, welche die Daten anschließend im Ka-Band (27 bis 40 GHz) an ins Copernicus-Netz integrierte Bodenstationen funken können.

Zur Laserkommunikation sind die Satelliten mit Laserkommunikationsterminals (Laser Communications Terminals, LCTs) von der Firma Tesat Spacecom GmbH aus Backnang ausgerüstet. Die Kommunikation selbst erfolgt mit phasenmoduliertem Laserlicht bei einer Wellenlänge von 1.064 Nanometern.

Beide Sentinel-1-Satelliten wurden auf eine Regeleinsatzdauer von jeweils sieben Jahren hin ausgelegt. Die Treibstoffmenge, mit der die Satelliten betankt wurde, ermöglicht einen Einsatz von bis zu zwölf Jahren pro Satellit, soweit nicht Treibstoff für unvorhergesehene Manöver eingesetzt werden muss.

Eine unter der Ägide von Arianespace betriebene Rakete vom Typ Sojus 2.1a vom ZSKB Progress bzw. RKZ Progress aus Russland war es, die um 23:02 Uhr MESZ (exakt 6:02 und 13 Sekunden Ortszeit) am 25. April 2016 vom Startzentrum in Kourou in Französisch-Guayana mit den Satelliten unter der Verkleidung an der Spitze abhob.

Der Start erfolgte nach zwei wetterbedingten Aufschüben und einem weiteren Tag Verzögerung, der zum Austausch einer Intertialsensoreinheit der Trägerrakete erforderlich war. Sämtliche Stufen der Rakete arbeiteten wie vorgesehen. Rund 23 Minuten nach dem Start setzte die russische, von Lawotschkin gebaute Raketenoberstufe vom Typ Fregat Sentinel 1B gegen 23:26 Uhr MESZ im All aus.

Der Erdbeobachtungssatellit durchlief in der Folge eine rund zehn Stunden dauernde Sequenz, auf deren Programm unter anderem das Entfalten der beiden Solarzellenausleger und der Radarantenne stand. Am 27. April 2016 teilte die ESA mit, dass die beiden jeweils rund zehn Meter langen Solarzellenausleger mit ihren jeweils fünf Elementen und die ebenfalls aus fünf Elementen bestehende Radarantenne nach Kommandos aus dem Kontrollzentrum in Deutschland erfolgreich entfaltet wurden. Vom Europäischen Satellitenkontrollzentrums der ESA (ESOC) in Darmstadt aus wird die sogenannte Launch and Early Orbit Phase (LEOP) für Sentinel 1B betreut und abgewickelt.

Erste Signale von Sentinel 1B im X-Band hat die italienische Bodenstation Matera, ein Bestandteil des Copernicus-Netzwerks für Empfang und Transport der Daten der Sentinel-1-Radaranlagen, bereits empfangen.

Die Oberstufe absolvierte nach dem Aussetzen von Sentinel 1B eine auf eine Stunde und 36 Minuten angesetzte Freiflugphase, der eine 12 Sekunden lange Brennphase folgte. Nach deren Beendigung wurden die Kleinstsatelliten auf einer um rund 200 Kilometer abgesenkten Bahn zwei Stunden und 48 Minuten nach dem Abheben gegen 1:50 Uhr MESZ am 26. April 2016 ausgesetzt.

Vor der Abtrennung von MicroSCOPE standen weitere Brenn- und Freiflugphasen der Oberstufe - die Bahn musste wieder um rund 200 Kilometer angehoben werden. Der ersten, laut Plan 42 Minuten und 6 Sekunden langen Freiflugphase folgte ein auf 12 Sekunden angesetzter Triebwerkseinsatz. Der zweiten Freiflugphase von 24 Minuten hatte sich eine 16 Sekunden lange Brennphase anzuschließen.

Etwas über vier Stunden nach dem Abheben war dann auch für MicroSCOPE gegen 3:03 Uhr MESZ am 26. April 2016 der Zeitpunkt für den Beginn seines Soloflugs gekommen. Die Entfaltung der Solarzellenausleger des Forschungssatelliten erfolgte kurz nach dem Aussetzen des Satelliten. Die insgesamt fünfte Brennphase der Fregat-Oberstufe mit einer Dauer von 29 Sekunden war anschließend dazu gedacht, für einen Wiedereintritt der Oberstufe über dem Atlantik zu sorgen.

MicroSCOPE enstand bei der CNES mit Unterstützung der ESA sowie den Partnern CNRS, DLR, INSU, OCA, ONERA und ZARM. Der Satellit soll mindestens zwei Jahre auf seinem sonnensynchronen, 98,2 Grad gegen den Erdäquator geneigten Orbit eingesetzt werden. Eine Missionsverlängerung für den in rund 711 Kilometern Höhe um die Erde kreisenden Satelliten um ein Jahr ist angedacht.

Zentrale Aufgabe von MicroSCOPE ist es, das Äquivalenzprinzip als Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie (ART) im Vakuum und bei Schwerelosigkeit zu überprüfen. Dabei gilt es zu ermitteln, wie sich exakt positionierte zylinderförmige Testmassen aus unterschiedlichen Materialien und aus gleichem Material im freien Fall verhalten. Eine der Testmassensätze besitzt Elemente aus Titan und aus einer Legierung aus Platin und Rhodium. Der andere Satz beinhaltet nur Massen aus Platin und dient als Kontrollreferenz. Erwartet wird, dass alle diese Massen die gleiche Beschleunigung beim freien Fall im Vakuum erfahren.

Neueren Theorien - zum Beispiel aus dem Bereich der Superstrings - zufolge könnten elektromagnetische und atomare Interaktionen in extrem niederschwelligem Bereich zu einer Abweichung von dem Äquivalenzprinzip entsprechenden Verhalten träger und schwerer Masse führen. (Schwere Masse ist eine solche mit einem Gewicht, träge Masse ist eine, die einer Beschleunigung einen Widerstand entgegensetzt).

Deshalb will man die Relativbewegung der beiden Testmassen über Monate mit hoher Genauigkeit beobachten. Sollte sich herausstellen, dass für die exakte Positionierung einer der Testmassen eine abweichende Kraft benötigt wird, wäre das Äquivalenzprinzip vermutlich verletzt. Bei den Messungen kommen elektrostatische Differential-Beschleunigungsmesser zum Einsatz.

Die bei dem Experiment erwartete Genauigkeit ist um zwei Größenordnungen besser als bei Experimenten am Erdboden erreichbar. Trotzdem erwartet Professor Dr. Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie und als Wissenschaftler beteiligt, nicht, dass man eine Abweichung vom Äquivalenzprinzip detektieren wird, da die erreichbare Genauigkeit dafür vermutlich noch nicht ausreicht. Für den Ausschluss verschiedener Quantengravitationstheorien könnte MicrosCOPE aber ein Schlüsselexperiment werden, meint Professor Dr. Claus Lämmerzahl vom ZARM (Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation).

Sentinel 1B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.456 und als COSPAR-Objekt 2016-25A. MicroSCOPE ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.457 und als COSPAR-Objekt 2016-25B. Die mitgeflogenen drei Kleinstsatelliten dürften Katalogbezeichnungen von 41.458 bis 41.460 bzw. 2016-025C bis 2016-025E erhalten.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, Arianespace, CNES, DLR, ESA, Tesat, Thales Alenia Space, ZARM)


» 7. indischer Navigationssatellit für IRNSS im All
28.04.2016 - Am 28. April 2016 brachte eine Trägerrakete vom Typ PSLV den indischen Navigationssatelliten IRNSS 1G von der Rampe Nummer 1 des Raumflugzentrums Satish Dhawan der indischen Weltraumforschungsorganisation (ISRO) auf der Insel Sriharikota an Indiens Südküste aus in den Weltraum.
Die erste Stufe der Rakete mit der missionsbezogenen Bezeichnung PSLV-C33 wurde von sechs zusätzlichen, seitlich angebrachten Boostern unterstützt, die Rakete flog in der sogenannten XL-Version. Letztere kam bereits beim Start der Mondsonde Chandrayaan 1 (PSLV-C11), des Kommunikationssatelliten GSAT 12 (PSLV-C17), des Radarsatelliten RISAT 1 (PSLV-C19), des Marsorbiters MOM alias Mangalyaan (PSLV-C25), dem Start der Satellitenkonstellation UK-DMC3 (PSLV-C28), des Forschungssatelliten Astrosat (PSLV-C30) und der sechs Schwestersatelliten von IRNSS 1G zum Einsatz.

Im Rahmen der Mission PSLV-C22 gelangte IRNSS 1A am 1. Juli 2013 in den Weltraum. IRNSS 1B war am 4. April 2014 Nutzlast auf PSLV-C24. IRNSS 1C wurde am 15. Oktober 2014 von PSLV-C26 befördert, IRNSS 1D am 4. April 2015 von PSLV-C27. Die PSLV-C31 transportierte IRNSS 1E am 20. Januar 2016, und die PSLV-C32 IRNSS 1F am 10. März 2016.

Der Flug des beim Start 44,4 Meter hohen, rund 320 Tonnen schweren Projektils PSLV-C33 mit IRNSS 1G an der Spitze begann um 12:50 Uhr Ortszeit (IST) bzw. um 9:20 Uhr MESZ am 28. April 2016. Nach dem Aufbrauchen des festen Treibstoffes in den seitlich angebrachten Boostern vom Typ PS0M-XL und der ersten Stufe mit der Bezeichnung PS1 sowie der Zündung der zweiten, mit den flüssigen Treibstoffen UH25 (75% Unsymmetrisches Dimethylhydrazin (UDMH) + 25% Hydrazinhydrat) und N2O4 (Distickstofftetroxid) betriebenen Raketenstufe PS2 110 Sekunden nach dem Start wurde die Nutzlastverkleidung knapp 200 Sekunden nach dem Abheben abgeworfen.

Anschließend trat die dritte Stufe PS3 in Aktion, die festen Treibstoff verbrannte. Sie begann ihre Arbeit in der Flugsekunde 262 und wurde in der Flugsekunde 662 abgeworfen. In der vierten und letzten Raketenstufe PS4 alias L-2-5 wurden wieder flüssige Treibstoffe, hier MMH als Brennstoff und eine Mischung aus Stickstoffoxiden (MON-3) als Oxidator, verwendet. Nachdem diese ihre Arbeit erledigt hatte, erfolgte nach einer kurzen, etwa eine dreiviertel Minute dauernden Freiflugphase 19 Minuten und 42 Sekunden nach dem Abheben die Abtrennung des Navigationssatelliten mit einer Startmasse von 1.425 Kilogramm (unbetankt 598 Kilogramm).

Nach dem Aussetzen von IRNSS 1G lief an Bord eine automatische, vorprogrammierte Sequenz ab, an deren Ende die erfolgreiche Entfaltung der beiden Solarzellenausleger des Satelliten stand. Den Einsatzbeginn der beiden zusammen maximal rund 1.660 Watt elektrischer Leistung bereitstellenden Solarzellenausleger konnte das MCF für Master Control Facility genannte Satellitenkontrollzentrum im indischen Hassan an Hand empfangener Telemetriedaten bestätigen.

Der geplante Transferorbit wurde nach Angaben der ISRO mit großer Exaktheit erreicht. IRNSS 1G gelangte auf eine Erdumlaufbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt, von rund 283 Kilometern (geplant 284 km), und einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 20.718 Kilometern (geplant 20.657 km). Ihre Neigung gegen den Erdäquator betrug rund 17,867 Grad (geplant 17,86 Grad).

Um die vorgesehene geostationäre Position bei 129,5 Grad Ost in rund 35.786 Kilometern Höhe zu erreichen, wird ein sogenanntes Apogäumstriebwerk mit 440 Newton Schub an Bord von IRNSS 1G zum Einsatz kommen. Es hat die Aufgabe, die zum Erreichen der Zielbahn nötigen vier Brennphasen zu absolvieren. Außerdem an Bord befinden sich zwölf 22 Newton starke Triebwerke für Bahnanpassungen und Lageregelung.

IRNSS 1G ist der dritte Satellit des Indian Regional Navigation Satellite System (IRNSS) - einer Konstellation aus zunächst sieben Satelliten - der an einer annähernd festen Postion über der Erde im Geostationären Orbit positioniert wird.

Vier Äquatorkreuzer des IRNSS befinden sich bereits im All. Bei ihnen handelt es sich einerseits um IRNSS 1A und IRNSS 1B. IRNSS 1A ist auf einer rund 28 Grad gegen den Äquator geneigten Bahn unterwegs, IRNSS 1B auf einer rund 30 Grad geneigten Bahn. Beide Satelliten kreuzen den Äquator im Bereich von 55 Grad Ost. Außerdem kreisen IRNSS 1D und IRNSS 1E um die Erde und kreuzen den Äquator bei 112 Grad Ost mit 28 bis 30 Grad geneigter Bahn.

Zusätzlich im All befinden sich jetzt drei Satelliten auf Positionen im Geostationären Orbit. IRNSS 1C ist auf mehr oder weniger geostationärer Bahn unterwegs ist. Mitte März 2016 wurde der Satellit bei 83 Grad Ost auf einer rund 3,9 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn beobachtet. IRNSS 1F steht nach Angaben der ISRO vom 30. März 2016 nach der Absolvierung der üblichen Testphase auf seiner vorgesehenen Position (bei 32,5 Grad Ost). Der zuletzt (heute) gestartete IRNSS 1G soll bei 129,5 Grad Ost stationiert werden.

Die Kombination aus Satelliten auf inklinierten, das heißt geneigten Bahnen und solchen auf Positionen im Geostationären Orbit ermöglicht es, innerhalb eines Navigationssatellitensystems für Kommunikationseinheiten am Erdboden Dreipunktpeilungen zur Verfügung zu stellen, was für eine exakte Positionsbestimmung essentiell ist. Solche Peilungen wären nicht möglich, würden die Satelliten des Systems ausschließlich an Positionen im Geostationären Orbit stehen.

Als Auslegungsbetriebsdauer von IRNSS 1G nennt die ISRO 12 Jahre. Der Satellit ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.469 und als COSPAR-Objekt 2016-027A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ISRO)


» JAXA stellt Bemühungen zur Rettung von Astro-H ein
29.04.2016 - Die japanische Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung teilte am 28. April 2016 mit, die Bemühungen zur Rettung des Weltraumteleskops Astro-H einzustellen. Ein Betrieb des Teleskops ohne seine Solarzellenausleger ist nicht möglich.
Astro-H war dafür gedacht, Wissenschaftlern eine neue Durchmusterung des Himmels im Bereich der weichen und harten Röntgen-, sowie der weichen Gammastrahlung zu ermöglichen. Es war von der japanischen Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (Japan Aerospace Exploration Agency, JAXA) erst am 17. Februar 2016 gestartet worden.

Nach der Ausrichtung des Teleskops auf ein neues Beobachtungsziel am 25. März 2016 lief an Bord eine Folge von Ereignissen ab, die zu einer zu schnellen Rotation des Raumfahrzeugs und letztlich zu dessen Zerstörung führte.

Um die an Bord von Astro-H aufgetretene Anomalie zu untersuchen, hatte die JAXA eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des JAXA-Präsidenten Naoki Okumura eingerichtet. Nach Angaben der JAXA tat die Arbeitsgruppe alles, um herauszufinden, was geschehen war, und um die Kontrolle über das Weltraumteleskop wieder zu erlangen.

Nach gründlichen technischen Untersuchungen musste die Arbeitsgruppe jedoch feststellen, dass das Weltraumteleskop Astro-H nicht mehr zu benutzen sein wird. Ausführliche Simulationen hinsichtlich von Astro-H abgetrennten Bauteilen förderten zu Tage, das es sehr wahrscheinlich ist, dass beide Solarzellenausleger an ihrer Basis vom Raumfahrzeug abgebrochen sind, da sie an den dortigen Befestigungspunkten besonders empfindlich für eine nicht vorgesehene Rotation des Raumfahrzeugs sind.

Anfänglich als Signale von Astro-H gedeutete Funksignale, die nach dem Schadensereignis aufgefangen wurden, stammen nicht vom Weltraumteleskop, ist sich die JAXA mittlerweile sicher. Eine genaue Untersuchung der Signale lässt nur den Schluss zu, dass sie wegen ihrer Frequenz nicht von Astro-H stammen können, meldete die JAXA.

Von zahlreichen Organisationen außerhalb Japans erhielt die JAXA ebenfalls Informationen, die eine Trennung der Solarzellenausleger vom Raumfahrzeug wahrscheinlich erscheinen lassen.

Unter Betrachtung aller erarbeiteten und erhaltenen Informationen kam die JAXA zum Schluss, dass es ihr nicht möglich ist, Astro-H wieder in Betrieb zu setzen. Daher verschiebt die JAXA den Schwerpunkt ihrer Bemühungen jetzt auf die Untersuchung der Ursachen und Faktoren, die zum Verlust des Weltraumteleskops geführt haben könnten.

Bei der Fehlersuche sollen alle Phasen der Realisierung des Weltraumteleskops betrachtet werden. Entwurf, Bau, Abnahme und begonnener Betrieb des Teleskops will man genau unter die Lupe nehmen.

Die JAXA bedauert es nach eigenen Angaben sehr, dass man die Mission von Astro-H nicht fortsetzen kann und entschuldigt sich bei allen, die Astro-H unterstützt und auf die erwartbar besonderen wissenschaftlichen Ergebnisse der Arbeit des Teleskops gehofft haben.

Den Organisationen innerhalb und außerhalb Japans, die der JAXA mit Beobachtungen des Teleskops und anderer Hilfe Unterstützung zukommen ließen, dankt die JAXA ausdrücklich.

Astro-H alias Hitomi - bzw. der Hauptkörper des Satelliten - war katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.337 und als COSPAR-Objekt 2016-012A. Zwischenzeitlich trug er die NORAD-Nr. 41.442.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA)



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"InSpace" Magazin #558
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17. Mai 2016
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