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Autor: Raumfahrer.net Redaktion / 20. Oktober 2019, 20:12 Uhr

Solar Orbiter hat alle Tests abgeschlossen

Solar Orbiter, die Flaggschiffmission der europäischen Weltraumorganisation ESA zur Erforschung der Sonne, hat alle Tests abgeschlossen und ist bereit für den Transport nach Cape Canaveral, wo die Mission im Februar 2020 starten soll. Eine Pressemitteilung von Airbus Defence and Space.

Quelle: Airbus Defence and Space
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Airbus / Mathias Pikelj

Bild vergrößernDer Solar Orbiter bei der IABG.
(Bild: Airbus / Mathias Pikelj)
München, 18. Oktober 2019 – Der von Airbus in Stevenage (UK) gebaute Solar Orbiter wird die Sonne und ihre Wirkung auf das Sonnensystem mit bisher unerreichter Genauigkeit untersuchen. Die Raumsonde verfügt über ein umfangreiches Set an Instrumenten, die Teilchen, Felder und Wellen des Plasmas messen, das sie durchqueren wird. Zugleich wird sie Oberfläche und äußere Atmosphäre der Sonne – Photosphäre und Korona – beobachten.

Der Solar Orbiter wird seit Oktober 2018 im IABG-Testzentrum bei München erprobt. Geprüft wurden unter anderem elektromagnetische Verträglichkeit, Vibration und Thermalvakuum sowie die Entfaltung der Solarpaneele und Schwenkarme an der Raumsonde. Alle Tests wurden erfolgreich abgeschlossen.

„Solar Orbiter ist eine der anspruchsvollsten und spannendsten Missionen, die wir in Stevenage bisher in Angriff genommen haben. Die starke Annäherung an die Sonne bedeutet, dass manche Teile der Raumsonde Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius aushalten müssen, während andere im ständigen Schatten eisigen Temperaturen von bis zu minus 180 Grad Celsius ausgesetzt sind. Damit die hochempfindlichen Instrumente Magnetfelder und Teilchen der Sonne messen können, muss die Sonde selbst für die Sensoren unsichtbar sein. Das hat uns an die Grenzen des technisch Machbaren geführt“, sagte Eckard Settelmeyer, Head of Earth Observation, Navigation and Science Institutional Satellite Projects bei Airbus.

Am sonnennächsten Punkt wird Solar Orbiter der Sonne mit einem Abstand von 0,28 Astronomischen Einheiten (AE) – das entspricht etwa einer Entfernung von 42 Millionen Kilometern – näher sein als der Planet Merkur. Im Laufe der Mission wird sich die Raumsonde aus der Ekliptikebene herausbewegen. So sind Langzeitbeobachtungen eines Ausschnitts der Sonnenoberfläche und ein Blick auf die Pole der Sonne möglich. Noch nie ist eine Raumsonde der Sonne so nahegekommen. Hier ist das Sonnenlicht dreizehnmal so intensiv wie für die Satelliten in der Erdumlaufbahn.

Der Solar Orbiter muss intensiver Wärmestrahlung standhalten und den Schutz seiner Instrumente gewährleisten, ohne den Blick auf die Sonne zu versperren. Der Hitzeschild und die neue Hochtemperatur-Solarpaneel-Technologie sind zentrale Faktoren für den Erfolg der Mission. Um sich zu positionieren und den Orbit über den Polen zu erhöhen, wird Solar Orbiter eine Reihe komplexer Vorbeiflug-Manöver durchführen und so die Anziehungskräfte von Erde und Venus nutzen.

Die Sonne stößt bei Eruptionen Hochenergieteilchen aus (koronale Massenauswürfe), die Stromverteilungssysteme stören, Computer zum Absturz bringen, Satelliten beschädigen und Astronauten gefährden können. Solar Orbiter wird die Sonne aus einer elliptischen Umlaufbahn um das Gestirn beobachten und wissenschaftliche Daten liefern, die zu einem besseren Verständnis der Abläufe beitragen, die auf der Sonne diese heftigen und gefährlichen Eruptionen auslösen.

Solar Orbiter baut auf den enormen Erfolgen der von Airbus gebauten Sonden SOHO und Ulysses auf, die bemerkenswerte Einblicke in die Vorgänge auf der Sonne geliefert haben. Wie bei diesen Programmen handelt es sich bei Solar Orbiter um eine Kooperation von ESA und NASA.

Die Mission wird fast acht Jahre dauern.

Über Solar Orbiter
Solar Orbiter ist Teil einer internationalen Gemeinschaftsmission der ESA und der NASA zur Erforschung der Sonne, ihrer äußeren Atmosphäre und der Ursachen für die von den Sonnenwinden verursachten heftigen Eruptionen, die sich bis auf die Erde auswirken. Mit ihren räumlich hochauflösenden Teleskopen wird die Raumsonde die Atmosphäre der Sonne aus nächster Nähe untersuchen und die Ergebnisse mit Messungen aus der direkten Umgebung der Sonde abgleichen. So lässt sich ein genaues Bild davon zeichnen, welchen Effekt die Sonne auf die Bedingungen im erdnahen Weltraum und in abgelegeneren Regionen unseres Sonnensystems hat. Dank ihrer einzigartigen – und schwer zu erreichenden – Umlaufbahn wird Solar Orbiter erstmalig Bilder der Polarregion der Sonne aufnehmen und wichtige Einsichten über die bisher kaum erforschten polaren Magnetfelder liefern, die den elfjährigen Sonnenzyklus und die periodisch auftretenden Auswürfe der Sonnenstürme beeinflussen. Solar Orbiter kombiniert zehn in Europa und den USA gefertigte Instrumente, die sorgfältig ausgewählt und so konzipiert wurden, dass sich ihre Beobachtungen gegenseitig ergänzen. Gemeinsam liefern sie das bisher umfassendste und ganzheitlichste Bild der Sonne und ihrer Umgebung.

Airbus France in Toulouse hat wesentliche Elemente von Software, Navigation und Treibstoffmanagement beigetragen. Von Airbus in Deutschland kommen die Solarpaneele (Ottobrunn) und wichtige Antriebselemente (Lampoldshausen). Airbus in Spanien lieferte Steuerungs- und Elektriksysteme und Airbus in den Niederlanden Radiatorelemente.

Über Airbus
Airbus ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Luft- und Raumfahrt sowie den dazugehörigen Dienstleistungen. Der Umsatz betrug € 64 Mrd. im Jahr 2018, die Anzahl der Mitarbeiter rund 134.000. Airbus bietet die umfangreichste Verkehrsflugzeugpalette. Das Unternehmen ist europäischer Marktführer bei Tank-, Kampf-, Transport- und Missionsflugzeugen und eines der größten Raumfahrtunternehmen der Welt. Die zivilen und militärischen Hubschrauber von Airbus zeichnen sich durch hohe Effizienz aus und sind weltweit gefragt.

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