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Autor: Martin Ollrom / 25. März 2006, 21:01 Uhr

Unser brauner Zwergstern-Nachbar

Astronomen haben einen braunen Zwergstern entdeckt, der sich in direkter Nachbarschaft zu unserer Sonne befindet. Er ist nur 12,7 Lichtjahre von der Erde entfernt und somit der zweitnächste braune Zwergstern, der jemals entdeckt wurde.

Universität Arizona
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Astronomen haben einen scheinbar einzigartigen, braunen Zwergstern in der Sonnennachbarschaft entdeckt. Einem Astronomen fiel ein passender Vergleich ein: wenn eine Stadt die gesamte Galaxie wäre, wäre es so als würde man einen Nachbar kennen lernen, der im selben Haus einen Stock über einem wohnt. Dieses seltene Objekt ist nur 12,7 Lichtjahre von der Erde entfernt und umrundet einen Mutterstern, der selbst erst vor kurzem in der südlichen Hemisphäre in der Konstellation Pavo entdeckt wurde. Bisher wurde nur ein brauner Zwergstern gefunden, der der Erde näher ist – der Unterschied ist aber marginal.

Der Mutterstern selbst hat nur ein Zehntel der Sonnenmasse. Es ist das erste Mal, dass Astronomen einen derart kühlen braunen Zwergstern in der Nähe eines sehr kleinen Muttersterns finden. Bisher hat man nur Muttersterne entdeckt, die mindestens die Hälfte der Sonnenmasse hatten. Der Abstand vom braunen Zwergstern zu seinem Mutterstern beträgt 4,5 Astronomische Einheiten (1 AE = durchschnittlicher Abstand Sonne – Erde). Die Astronomen glauben, dass dieser braune Zwergstern zwischen neun und 65 Mal massiver als Jupiter ist, dem größten Planet im Sonnensystem.

Universität Arizona

Eine Darstellung des braunen Zwergsterns (klein), der um seinen Mutterstern (groß) kreist
(Bild: Universität Arizona)
Braune Zwergsterne sind weder Sterne noch Planeten. Sie sind um einiges massiver als Jupiter, sind aber doch zu klein um eine Wasserstofffusion aufrecht zu erhalten – wie dies normale Sterne tun. Es wurden erst insgesamt etwa 30 braune Zwerge im Universum gefunden. Nur zehn davon kreisen selbst um einen Stern. „Neben der Eigenheit, dass er der Erde besonders nahe ist, kann man auch noch anmerken, dass er sehr kühl ist“, sagt Beth Biller, ein Student an der Universität von Arizona. „Er ist aber auch das hellste Objekt, eben weil er so nahe ist“, erläuterte Biller. „Und es ist ein sehr rares Beispiel eines braunen Zwergsterns. Allein schon der Abstand zu seinem Mutterstern ist sehr gering.“ Biller leitete gemeinsam mit Markus Kasper vom ESO und Laird Close vom Steward Observatorium das Team. Der Name des Zwergsterns lautet: SCR 1845-6357B. „Auch zu erwähnen ist, dass wir diesen Zwergstern in einem der 25 stellaren Systeme nahe der Sonne entdeckt haben“, meint Close. „Diese Sterne waren uns schon seit Jahrzehnten bekannt, aber nur bei einigen wurden neue Objekte in deren Nachbarschaft entdeckt.“

Close selbst hat geholfen, die verwendete Kamera zu entwickeln. Der Name der Kamera lautet Simultaneous Differential Imager (SDI). Die Kamera wurde am Very Large Telescope (VLT) der ESO verwendet. Eine weitere SDI-Kamera wurde am 6,5-Meter-MMT-Observatorium am Mount Hopkins verwendet. „Das Objekt ist auch ein sehr begehrtes Objekt für die wissenschaftliche Community, weil sehr viel von ihm bekannt ist“, sagt Markus Kasper. Das wird Astronomen in Zukunft erlauben, diesen und andere Zwergsterne näher zu untersuchen und bei einigen den Orbit um ihren Mutterstern zu berechnen. „Dieser Fund wird wichtig sein, um die Natur von braunen Zwergsternen zu verstehen.“ Diese Entdeckung könnte auch bedeuten, dass braune Zwergsterne in Zweisternsystemen kühler sind, als wenn sie einzeln auftreten.

Astronomen haben bisher bereits fünf kühle Zwergsterne gefunden, die in einem Zweisternsystem waren. Aber es gab auch Funde, wo man kühle braune Zwergsterne gefunden hat, die nicht in einem Zweisternsystem waren. Braune Zwergsterne in Zweisternsystemen werden auch T-Zwerge genannt. Von denen soll es im Universum um einiges mehr geben, als bisher gefunden wurde. Einige wurden bereits jetzt in einem Umkreis von 33 Lichtjahren um die Sonne in diversen stellaren Systemen entdeckt. T-Zwerge könnten auch aussortierte Single-Sterne sein, die durch die Gravitation des Muttersterns in einen Orbit gezogen wurden. Wie auch immer: Biller und sein Team haben noch viele offene Fragen zu beantworten ...
 
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