Zweite Chance für Galileo-Satelliten
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Autor: Axel Nantes / 03. Januar 2018, 11:35 Uhr

Angosat 1 – ein Abenteuer

Am 26. Dezember 2017 brachte eine dreistufige Rakete vom Typ Zenit-3SLBF endlich den Kommunikationssatelliten Angosat 1 ins All. Der Start erfolgte um 19:00 Uhr UTC (20:00 Uhr MEZ, 22:00 Uhr Moskauer Zeit) von der Startanlage 45/1 des Kosmodroms Baikonur in Kasachstan. Im Weltraum angekommen wurde es noch einmal spannend.

Quelle: AIF, Energia, GGPEN, MTTI, RIAN, Roskosmos, TASS, Vesti
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Bild vergrößernZenit-3SLBF mit Angosat 1 auf der Startrampe ...
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Bild vergrößern... und gerade abgehoben.
(Bilder: Roskosmos)
Angosat 1 mit einer Startmasse von rund 1.647 Kilogramm wurde von einer Zenit-3SLBF mit einer um einen Donut-Tank ergänzten Oberstufenvariante der Fregat, der Fregat-SB, in den Weltraum gebracht. Die erste Stufe mit RD-171M-Triebwerk der von Juschnoje in der Ukraine gebauten und aus einem Flüssigkeitsbooster für die sowjetische Schwerlastrakete Energia entwickelten Trägerrakete mit der Seriennummer 70103403 SLБ80.5 und dem Triebwerksblock А164 in der ersten Stufe wurde kurz vor dem Abheben (exakter Abhebezeitpunkt 19:00:03.435 Uhr UTC) gezündet und brannte nach rund zweieinhalb Minuten aus. Anschließend trug die zweite Stufe mit einem RD-120-Triebwerk und einer Lenktriebwerkseinheit vom Typ RD-8 die Fregat-SB und die Nutzlast weiter in die Höhe. Während des Betriebs der zweiten Stufe – fünf Minuten und 22 Sekunden nach dem Abheben - wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Rund acht Minuten und 37 Sekunden nach dem Start war auch die zweite Stufe ausgebrannt und abgetrennt, anschließend war es Aufgabe der Fregat-SB-Oberstufe mit drei Brennphasen ihres S5.92-Haupttriebwerks die Nutzlast in den vorgesehenen Zielorbit zu bringen.

Der neue Erdtrabant für das Ministerium für Telekommunikation und Informationstechnik Angolas (Ministério das Telecomunicações e Tecnologias de Informação, MTTI) ist nach Informationen der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos im richtigen Orbit angekommen, nachdem er sich von der Raketenoberstufe um 6:54 Uhr Moskauer Zeit am 27. Dezember 2017 nach acht Stunden und 55 Minuten Gesamtflugzeit getrennt hatte.

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Bild vergrößernAngosat 1 auf Fregat-SB-Oberstufe ...
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Bild vergrößern... und vor der Unterbringung unter der Nutzlastverkleidung.
(Bilder: Roskosmos)
Die endgültige Orbitzirkularisierung soll Angosat 1 mit eigenem Antrieb vornehmen. Der von Energia in Russland basierend auf einem USP für Universal Satellite Platform genannten Bus gebaute, dreiachsstabilisierte Satellit soll im Geostationären Orbit bei 14 Grad Ost positioniert werden. Dort will man das Raumfahrzeug mit einer Kommunikationsnutzlast von Airbus Defence and Space aus dem französischen Toulouse einsetzen, um die Republik Angola und den übrigen Afrikanischen Kontinent mit Bild- und Datendiensten zu versorgen. Um dies zu ermöglichen, gibt es an Bord 16 C-Band- und 6 Ku-Band-Transponder. Zur Versorgung der Kommunikationsnutzlast mit einer Masse von 262,4 kg, der elektrischen Triebwerke (8x SPT-70 von Fakel bzw. Fackel) und der übrigen Satellitensysteme gibt es zwei Solarzellenausleger, die zusammen maximal rund sieben Kilowatt elektrischer Leistung bereitstellen können. Die Lebenserwartung von Angosat 1 liegt nach Angaben seiner Erbauer bei mindestens 15 Jahren.

Der Bus des Raumfahrzeugs trägt auch den alternativen Namen Yamal bzw. Jamal. Die Halbinsel Jamal im Norden Russlands ist maßgebliche Wirkungsstätte des russischen Konzerns Gazprom, wo sein größtes Projekt auf dem Gebiet der Gasförderung in Russland läuft. Ein Tochterunternehmen von Gazprom, Gazprom Space Systems (früher auch Gazcom genannt), ist Betreiber einer Satellitenserie mit der Bezeichnung Jamal. Im Rahmen dieser Satellitenserie wurde der gleichnamige Bus zum ersten Mal im Weltraum verwendet. Bei der Inbetriebnahme und dem Einsatz dieser Satelliten traten eine Reihe von Anomalien auf, die letztlich dazu führten, das eine geplante Verwendung einer Anzahl weiterer auf dem Jamal-Bus aufgebauter Satelliten durch Gazprom Space Systems nicht zu Stande kam. Der Betreiber kündigte im Januar 2009 eine Bestellung von zwei Jamal-300-Satelliten bei Energia und entschied sich in der Folge für Produkte anderer Hersteller.

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Bild vergrößernZenit-3SLBF mit Angosat 1 in der Integrationshalle ...
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Bild vergrößern... und auf dem Weg zur Startrampe.
(Bilder: Roskosmos)
Wegen der frustrierenden Betriebserfahrungen mit Jamal-Bus-basierten Raumfahrzeugen und einem von Roskosmos und Energie bestätigten Kontaktverlust mit Angosat 1 nach der Abtrennung von der Zenit-SB-Oberstufe gab es Befürchtungen, der neue Satellit teile das Schicksal eines Vorgängers. Jamal 101, der nach seinem unmittelbaren Ausfall nicht mehr so genannt wurde, konnte 1999 nach dem Start nicht in Betrieb genommen werden. Angeblich wurde nie ein Signal des Erdtrabanten empfangen.

Zu den Problemen mit Angosat 1 wurde eine Reihe von Meldungen veröffentlicht, die es nicht ohne weiteres ermöglichen, sich ein klares Bild von den Abläufen und Zusammenhängen zu machen.

Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldet am 27. Dezember 2017, nach der Trennung der Oberstufe mit dem Satelliten von der Zenit und der ersten Erdumrundung seien Telemetriedaten von der Fregat-Oberstufe eingegangen. Der Datenstrom sei später abgebrochen. Außerdem wurde mitgeteilt, dass sich der neue Satellit nicht einsetzen lassen werde, wenn der Satellit seine Solarzellenausleger nicht entfalte und der Bordrechner nicht neu starte. Die TASS berichtet am selben Tag, der Kontakt mit Angolsat 1 sei während des Entfaltens der Solarzellenausleger abgerissen.

Roskosmos

Bild vergrößernAngosat 1 in der VK 600/300 Kammer in Pereswet
(Bild: Roskosmos)
Der Satellitenhersteller Energia gab am 27. Dezember 2017 dann zu Protokoll, der Satellit habe nach einer definierten Zeit den geplanten Orbit erreicht und eine Verbindung aufgebaut. Nach einer Weile seien aber keine Telemtriedaten mehr angekommen. Man sei dabei, die bisher erhaltenen Telemetriedaten zu analysieren, um festzustellen, ob man die Notfallsituation beseitigen könne. Vergleichbare Fälle seien Vorkommnisse mit Foton-M 2014, STEREO 9 der NASA 2016, KazSat 2017 usw...

Am 28. Dezember 2017 veröffentlichte die russische Wochenzeitung Argumente und Fakten im Internet eine Meldung, der zufolge im Bus des Satelliten ein Kurzschluss aufgetreten sei. Ebenfalls am 28. Dezember 2017 meldete die TASS, es bestünde wieder Kontakt zu Angosat 1. Am gleichen Tag berichtete Energia, man empfange wieder Telemetriedaten. Diese sprächen dafür, dass alle System an Bord von Angosat 1 arbeiten wie vorgesehen. Roskosmos veröffentlichte am 29. Dezember 2017 eine Mitteilung, die die Angaben von Energia vom Vortrag wiederholt.

Das Büro für das Management des nationalen Raumfahrtprogramms Angolas (Gabinete de Gestão do Programa Espacial Nacional, GGPEN) berichtet am 29. Dezember 2017, der Satellit habe nach dem Aussetzen im All begonnen, Verbindungen zu Bodenstationen in Luanda in Angola und in Russland aufzubauen. Dabei seien zunächst Telemetriedaten zur Erde gesendet worden. Es folgte eine Stabilisierung der Lage des Satelliten in einer bestimmten Ausrichtung in Bezug auf Erde und Sonne, und anschließend das Entfalten der beiden Solarzellenausleger. Wegen eines Ausgasens, Verunreinigungen und einer gewissen Untätigkeit des Bordrechners seien anschließend für eine gewisse Zeit keine Telemetriedaten gesendet worden. Um 15:00 Uhr angolanischer Ortszeit am 28. Dezember 2017 habe der Satellit die Telemetriedatenausstrahlung wieder aufgenommen.

Die Internet-Zeitung Vesti der Allrussischen staatlichen Fernseh- und Radiogesellschaft berichtete am 30. Dezember 2017, Angosat 1 habe die vorgesehene Position im Geostationären Orbit erreicht. (Wikipedia in Russisch gibt an, es werde vom Start an zwei Monate dauern, bis Angosat 1 seine Einsatzposition erreicht habe.) Nach dem Start des Satelliten seien laut Vesti wegen Inkonsistenzen zwischen russischen und französischen Vorschriften Probleme aufgetreten, man habe aber nun Verbindung mit dem Satelliten.

Bisher zu wenig weit entfernt von dem Einsatzbereich der Satelliten im Geostationären Orbit hat sich offenbar die Oberstufe. Die Fregat-SB ist derzeit auf einer 35.882 x 36.777 km Bahn unterwegs.

Die Vereinbarung über Bau und Start von Angosat 1 hatte Angola mit Roskosmos im Jahre 2009 getroffen. Im November 2013 wurde die Konstruktion des Satelliten aufgenommen.

Bei der Beauftragung des Satelliten war für 2016 ein Start auf einer Zenit-Rakete von der Seeplattform Odyssey zusammen mit einem anderen Kommunikationssatelliten namens Energia 100 anvisiert worden. Nach dem finanziellen Zusammenbruch des entsprechenden Startanbieters Sea Launch wurde ein Start von Angosat 1 auf einer Rakete vom Typ Angara 5 mit DM-03-Oberstufe vom Kosmodrom Plesetsk aus in Betracht gezogen. Mängel bei Produktionsreife und Verfügbarkeit der Angara 5 erforderten eine wiederholte Suche einer geeigneten Trägerrakete.

Die ursprünglich für den Astrophysik-Satelliten Spektrum-RG gedachte Zenit-Rakete lagerte in Baikonur. Die Fertigstellung von Spektrum-RG unterliegt verschiedenen Verzögerungen, außerdem ist ein Wechsel zur Proton als Startrakete angedacht – deshalb bot die im Eigentum von Roskosmos befindliche, in Baikonur eingelagerte Zenit eine Möglichkeit – sofern wegen abgelaufener Garantiezeiten notwendige Überarbeitungen der Rakete erfolgen würden. Die entsprechenden Arbeiten wurden ausgeführt, und die üblichen Startvorbereitungen konnten begonnen werden.

Angosat 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.087 und als COSPAR-Objekt 2017-086A. Die Fregat-SB-Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.088 als COSPAR-Objekt 2017-086B.

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