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Autor: Thomas Weyrauch / 08. Juni 2018, 09:17 Uhr

Wettersatellit Feng Yun 2H aus China gestartet

Am 5. Juni 2018 startete von Xichang aus eine Rakete des Typs Langer Marsch 3A, um den chinesischen geostationären Wettersatelliten Feng Yun 2H in den Weltraum zu bringen.

Quelle: CASC, CAST, CCTV, CMA, ITU, NSMC, WMO
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CASC

Bild vergrößernLM-3A-Start vom XSLC am 5. Juni 2018
(Bild: CASC)
Der Flug begann um 15:07 Uhr MESZ am Satellitenstartzentrum Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der Provinz Sichuan. Die Rakete hob um 21:07 Uhr Pekinger Zeit, das ist 13:07 Uhr Weltzeit (UTC), am 5. Juni 2018 ab. Exakte Startzeit war 13:07:03.898 Uhr Weltzeit. Rund 24 Minuten später wurde Feng Yun 2H von der mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff betriebenen Oberstufe der Rakete ausgesetzt. Das dreistufige Projektil des Typs Langer Marsch 3A (Chang Zheng 3A, CZ-3A) flog die 277. Mission einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch.

Das von der Rakete ins All gebrachte Raumfahrzeug Feng Yun 2H besitzt nach Angeben der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO) eine Masse von rund 1.380 Kilogramm, als Leermasse des Satelliten werden 680 Kilogramm genannt. Es erreichte eine Übergangsbahn mit einem der Erde nächsten Bahnpunkt (Perigäum) von 332 Kilometern über der Erde und einen erdfernsten Bahnpunkt (Apogäum) von 35.890 Kilometern über der Erde - also einen sogenannten Geostationary Transfer Orbit (GTO). Die Neigung der erreichten Übergangsbahn gegen den Erdäquator betrug rund 24,6 Grad.

Da der trommelförmige, spinstabilisierte Satellit wie die Vorgänger aus seiner Baureihe im Geostationären Orbit (GEO) rund 35.786 Kilometer über der Erde eingesetzt werden soll, statteten seine Erbauer ihn mit einem abwerfbaren, FG-36 genannten Apogäumsmotor aus. Mit seiner Hilfe und der von kleinen Manövrier- und Lageregelungstriebwerken an Bord des Satelliten kann schließlich die vorgesehene Position im GEO erreicht werden.

CCTV

Bild vergrößernFY-2H mit Apogäumsmotor links - Illustration
(Bild: CCTV)
Im Regelbetrieb wird der Satellit mit einem Durchmesser von rund 2,1 Metern dort mit rund 100 Umdrehungen pro Minute um seine Hochachse rotieren. Um trotzdem Daten mit einer nützlichen Bandbreite zur Erde schicken zu können, besitzt der Satellit einen drehbar gelagerten Antennenmast, der von der Rotation entkoppelt wird und so eine stabile Position seiner Richtantennen ermöglicht. Mit dem aufgesetzten, entdrallten Antennenmast hat Feng Yun 2H eine Gesamthöhe von rund 4,5 Metern.

Das 3. Raumfahrzeug aus dem dritten Produktionslos seiner Reihe (erstes Los Feng Yun 2A und 2B, zweites Los 2C bis 2E) wurde ebenso wie die verwendete Rakete von der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) und der Shanghai Academy of Spaceflight Technology (SAST) entwickelt.

Als Auslegungsbetriebsdauer des letzten spinstabilisierten Satelliten des chinesischen Wettersatellitenprogramms, der von Chinas Nationalem Wettersatellitenzentrum (National Satellite Meteorological Center, NSMC) für die Chinesische Wetterbehörde (China Meteorological Administration, CMA) eingesetzt werden soll, nennt die CMA vier Jahre.

Im Bodensegment kann ein Command and Data Acquisition Station (CDAS) genanntes System Echtzeitdaten des Raumfahrzeugs mit einer Rate von 14.000 kbps auf einer Frequenz von 1.681,6 MHz empfangen. Von sich zeitlich autark selbst steuernden Anlagen zur Datensammlung (Data Collection Platforms, DCPs) am Boden (innerhalb und außerhalb Chinas) können Daten an Bord des Satelliten über ein DCS für Data Collection Service genanntes System in den Frequenzbereichen 401,1 - 401,4 MHz und 402 - 402,1 MHz (UHF) mit Datenraten von jeweils 0,1 kbps erfasst werden, um diese dann anschließend über den Satelliten an das NSMC weiterzuleiten.

CASC

Bild vergrößernFeng Yun 2H am Kran
(Bild: CASC)
Daten von Feng Yun 2H werden darüber hinaus auch über einen CMACast genannten Dienst zur Weiterleitung von DVB-Datenströmen, die auch andere Daten als die von Feng-Yun-2-Satelliten enthalten können, verbreitet. Eine Empfangsmöglichkeit für den auch FengyunCast genannten Dienst besteht im C-Band über AsiaSat 9 bei 122,1 Grad Ost im GEO. Zum Empfang benötigen Nutzer in Asien und südpazifischen Gebieten eine Antenne mit einem Durchmesser zwischen 1,8 und 2,4 Metern.

Die Messtechnik und Instrumentierung an Bord von Feng Yun 2G und H ist gegenüber den Vorgängersatelliten aus der Feng-Yun-2-Serie nach Angaben der CMA in 25 unterschiedlichen Gesichtspunkten verbessert worden.

Das Hauptbeobachtungsinstrument von Feng Yun 2H ist ein weiterentwickeltes Radiometer, das S-VISSR (Stretched Visible and Infrared Spin Scan Radiometer) genannt wird. Es kann seine Beobachtungsaufgaben in fünf Spektralbereichen erledigen. Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts können bei Wellenlängen zwischen 0,55 und 1,0 Mikrometern erfolgen. Im Infraroten werden Bereiche zwischen 3 und 5, 10,3 und 11,3 sowie 11,5 und 12,5 Mikrometern abgedeckt. Ein zusätzlicher Bereich zwischen 6,2 und 7,6 Mikrometern dient speziell der Wasserdampf- bzw. Luftfeuchte-Bestimmung.

Bilder der Wolkenbedeckung können bei Tageslicht im Bereich des sichtbaren Lichts aufgenommen werden. Bei der tageszeitunabhängigen Erfassung der Wolkenbedeckung, der Messung der Temperatur am oberen Ende der Wolkenbedeckung, der Bestimmung der Oberflächentemperatur von Ozeanen und Oberflächenwinden kommt die Datengewinnung im infraroten Teil des Spektrums zum Zuge.

Vom Hauptinstrument gewonnene Daten können annähernd in Echtzeit in voller Auflösung von einer HRIT für High Rate Information Transmission genannten Anlage auf 1.687,5 MHz mit 660 kbps übertragen werden. Mit einer geringeren Geschwindigkeit von 150 kbps arbeitet LRIT (Low Rate Information Transmission), mit der es möglich ist, auf 1.690,5 MHz ausgewählte Informationen zur Erde zu senden.

CASC

Bild vergrößernFeng Yun 2H beim Solarzellentest
(Bild: CASC)
Der Bestimmung des sogenannten Weltraumwetters in der unmittelbaren Umgebung des Satelliten dient ein als SEM für Space Environment Monitor bezeichnetes Sensorsystem. Ein SXM für Solar X-ray Monitor genannter Sensor dient der Erfassung der von der Sonne kommenden Röntgenstrahlung.

Mit den Instrumenten will man die von den Vorgängern begonnenen Messungen und Untersuchungen fortsetzen. Vorher stehen Tests des Satelliten im GEO an, die rund vier Monate dauern sollen. Ursprünglich war vorgesehenen, Feng Yun 2H im All anschließend bei 86,5 Grad Ost im GEO einzusetzen.

Auf Anregung der WMO und der asiatisch-pazifischen Organisation für Zusammenarbeit im Weltraum (Asia-Pacific Space Cooperation Organization, APSCO) ist der neue Satellit nun zur Stationierung bei 79 Grad Ost vorgesehen. Mit einer kostenlosen Bereitstellung der Daten von Feng Yun 2H an die Mitgliedsstaaten der APSCO und der Initiative Neue Seidenstraße (Belt and Road Initiative, BRI) will China seine Bemühungen um internationale Zusammenarbeit unterstützen.

Eine Konstellation aus Feng-Yun-2-Satelliten besteht gewöhnlich aus zwei Satelliten im Regelbetrieb und einem Reserve-Raumfahrzeug. So ist es möglich, alle 15 Minuten eine komplette Abtastung der gesamten aus dem Orbit sichtbaren Erdscheibe zu bekommen, und einzelne Regionen alle sechs Minuten scannen zu können.

Aktuell arbeitet Feng Yun 2E (Start 2008) noch bei 86,5 Grad Ost, Feng Yun 2F (Start 2012) ist bei 112,5 Grad Ost aktiv. Feng Yun 2G (Start 2014) wurde zunächst bei 105 Grad Ost geparkt und steht nach der Aufnahme des Regelbetriebs von Feng Yun 4A (Start 2016) bei 99,5 Grad Ost.

Feng Yun 4A, der aktuell bei 104,7 Grad Ost im GEO steht, und das zugehörige Bodensegment sind laut CMA am 1. Mai 2018 offiziell in den Regelbetrieb übernommen worden. Neue Wettersatelliten für den GEO werden künftig aus der Modellreihe Feng Yun 4 kommen. Der Start von Feng Yun 4B ist derzeit für Anfang 2019 geplant.

Feng Yun 2H, auch als Fengyun-II 09 (风云二号09星) bezeichnet, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.491 und als COSPAR-Objekt 2018-050A. Die Oberstufe der Trägerrakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 43.492 und als COSPAR-Objekt 2018-050B.

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