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Autor: Ralph-Mirko Richter / 17. November 2012, 16:04 Uhr

Exoplanetensucher CoRoT vor dem Aus?

Die Mission des Weltraumteleskops CoRoT steht möglicherweise kurz vor dem Aus. Der Grund hierfür ist ein kürzlich aufgetretenes ernsthaftes Problem mit dem Bordcomputer.

Quelle: Nature
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CNES

Bild vergrößernEine künstlerische Darstellung des Weltraumteleskops CoRoT, welches hier den Transit eines Exoplaneten vor dessen Zentralstern beobachtet.
(Bild: CNES)
Das von der französischen Weltraumagentur CNES in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Partnern betriebene Weltraumteleskop CoRoT wurde am 27. Dezember 2006 an Bord einer Sojus-2/Fregat-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet (Raumfahrer.net berichtete). Seitdem befindet sich das Teleskop in einer Höhe von rund 900 Kilometern auf einer polaren, zirkularen Umlaufbahn um die Erde. Das Akronym CoRoT steht für "Convection Rotation and planetary Transits". Hiermit werden die beiden Missionsziele beschrieben: die asteroseismologische Untersuchung von ausgewählten Zielsternen und die Suche nach extrasolaren Planeten mittels der Transitmethode.

Das Weltraumteleskop ist die erste Satellitenmission, welche dabei speziell nach Gesteinsplaneten außerhalb unseres Sonnensystems sucht. Als Beobachtungsinstrument verfügt CoRoT über ein rund vier Meter langes und etwa 270 Kilogramm schweres Teleskop mit einer Objektivöffnung von 27 Zentimetern. Mit dem Instrument wird ein Gesichtsfeld mit einer Abmessung von 2,8 x 2,8 Grad beobachtet. Dabei wird das Licht der beobachteten Sterne von einer mit vier CCDs bestückten Kamera aufgenommen. Zusätzlich ist das Instrument mit einem Prisma ausgestattet, welches das empfangene Licht in seine einzelnen Farbkomponenten zerlegt.

Im Oktober 2009 gab die französische Weltraumagentur bekannt, dass die ursprünglich bis zum Oktober 2010 vorgesehene Mission des Weltraumteleskops bis zum 31. März 2013 verlängert wurde. Einer eigentlich geplanten erneuten Verlängerung der CoRoT-Mission hat sich jetzt allerdings eine technisch bedingte Hürde in den Weg gestellt. Laut einer Meldung der Fachzeitschrift Nature kam es am 2. November 2012 zu einem Ausfall des an Bord des Weltraumteleskops befindlichen Computersystems. Das Teleskop befindet sich demzufolge anscheinend zwar nach wie vor in einem guten technischen Zustand - allerdings können die gewonnenen Beobachtungsdaten nicht mehr an das Kontrollzentrum übermittelt werden.

"Um ehrlich zu sein, ich glaube, dass es sich hierbei um ein ernsthaftes Problem handelt", so Fabienne Casoli, die Direktorin für Weltraumwissenschaft und Forschung des CNES, zu Nature.

Wie die meisten Raumsonden verfügt auch CoRoT über zwei baugleiche Computersysteme. Aufgrund dieser Redundanz kann das Weltraumteleskop im Fall eines Ausfalls des Hauptcomputers auf das Reservesystem umgeschaltet werden. Genau dieses Szenario trat im Jahr 2009 ein. CoRoT überstand einen ersten Computerausfall, indem das gesamte System auf den zweiten, redundanten Computer umgeschaltet wurde, welcher jetzt allerdings am 2. November ebenfalls ausfiel. Seitdem wurden mehrere erfolglose Versuche unternommen, um den Computer erneut zu starten. Weitere Versuche sollen im Laufe des Dezembers folgen, wobei versucht werden soll, eine alternativ zur Verfügung stehende Kette in der Stromversorgung zu nutzen.

"Bis jetzt haben wir noch nicht aufgegeben", so Fabienne Casoli. "Aber dieser Versuch ist wohl eine der letzten der uns zur Verfügung stehenden Optionen." Sollte der Versuch fehlschlagen, so ist ein Ende der CoRoT-Mission wohl unausweichlich.

TEP-Network, H. Deeg, Carrido

Sobald ein Exoplanet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Mutterstern vorbeizieht, nimmt die Helligkeit des beobachteten Sterns um einen winzigen Bruchteil ab, da der Planet einen Teil des von seinem Zentralgestirn ausgehenden Lichts abschirmt. Je größer der beobachtete Exoplanet ist beziehungsweise je enger dessen Umlaufbahn um den Stern ausfällt, umso größer fällt der Anteil der verdeckten Sternoberfläche aus und umso stärker nimmt dadurch auch die Helligkeit des bedeckten Sterns ab. Diese Lichtkurve des Exoplaneten HD 209458b wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 2000 am 0,9-Meter-Teleskop in Sierra Nevada aufgenommen.
(Bild: TEP-Network, H. Deeg, Carrido)
In der Zwischenzeit sind die an der Mission beteiligten Wissenschaftler nach wie vor mit der Auswertung der bisher gewonnenen Daten beschäftigt. Aktuell wird so zum Beispiel eine Publikation vorbereitet, in der weitere fünf Exoplaneten beschrieben werden sollen. Damit würde sich die Zahl der durch CoRoT entdeckten und anschließend durch weitere Beobachtungen bestätigten Exoplaneten auf 31 erhöhen. Weitere rund 200 Exoplaneten müssen dagegen erst noch durch weitere Beobachtungen mit anderen Teleskopen bestätigt werden.

"Wir müssen für das dankbar sein, was wir haben", so Malcolm Fridlund, der für die CoRoT-Mission zuständige Projektwissenschaftler der europäischen Weltraumagentur ESA. Immerhin, so Fridlund, konnte CoRoT seine ursprünglich vorgesehene Einsatzzeit fast um das doppelte übertreffen. "Das Teleskop hat die Aufgaben, für die es entwickelt wurde, erfüllt. Und mehr darf man von einer Raumsonde nicht erwarten."

CoRoT war die erste Weltraummission, mit welcher der Nachweis von Exoplaneten mittels der Transitmethode gelang. Mit seinem verhältnismäßig kleinen Hauptspiegel konnte es allerdings nie in eine ernsthafte Konkurrenz zu dem viel größeren, leistungsfähigeren aber auch teureren Kepler-Weltraumteleskop der NASA treten. Dieses im März 2009 gestartete Teleskop konnte bisher 105 Exoplaneten nachweisen und weitere rund 3.000 Exoplaneten-Kandidaten warten noch auf eine Bestätigung.

Robert Gilliland von der Pennsylvania State University, einer der an der Kepler-Mission beteiligten Wissenschaftler, bezeichnet die CoRoT-Mission trotzdem als einen herausragenden Erfolg. Zum einen erwähnt er dabei die asteroseismologischen Untersuchungen von Roten Riesensternen, welche den Astrophysikern neue und unerwartete Einblicke in die Struktur und Entwicklung alternder Sterne geben. Zum anderen war es CoRoT, mit dem erstmals der Nachweis eines erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gelang (Raumfahrer.net berichtete).

"Somit hat diese Mission das Kepler gleich in mehreren Bereichen geschlagen", so Robert Gilliland. Aber vielleicht finden die Techniker und Ingenieure des CNES und der ESA ja doch noch einen Weg, um das Computersystem des Weltraumteleskops zu reaktivieren und diese Mission auch in Zukunft erfolgreich fortzusetzen.

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