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Autor: Felix Korsch / 21. August 2003, 20:30 Uhr

Neuer Shuttle-Flug im März 2004?

Während die NASA weiter schweigt gab nun die russische Seite einen Starttermin für die nächste Shuttle-Mission bekannt. Kommt das ISS-Projekt endlich wieder in Schwung?

RIA Novosti
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Laut russischen Quellen wird das US-amerikanische Space Shuttle nach einer über einjährigen Zwangspause im kommenden März zu einem neuen Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) aufbrechen. Dies gab heute Juri Koptew, Chef der russischen Weltraumbehörde Rosaviakosmos, im Rahmen der Luft- und Raumfahrtausstellung MAKS-2003 in Zhukowski bei Moskau bekannt. Demnach werde von der NASA ein Datum um den 12. März anvisiert. Hierbei soll es sich um die Atlantis handeln, welche im Rahmen der Mission STS-114 mit einer Minimalausstattung zur ISS aufbrechen soll. An Bord befinden wird sich wahrscheinlich das Raffaello-Modul (MPLM; Multi-Purpose Logistics Module), eine externe Plattform sowie neue Gyroskope für die Lageregelung der Orbitalstation. Hinzu kommen dringend erwartete Versorgungsgüter, vor allem Wasser und frische Nahrungsmittel.



Ein altes Bild: landendes Space Shuttle der NASA. Wahrscheinlich steht ein neuer Flug im kommenden März an. Business as usual?
(Bild: NASA)
Seit der Columbia-Katastrophe vom 1. Februar dieses Jahres, bei der auch sieben Raumfahrer ums Leben kamen, ist die gesamte verbliebene Shuttle-Flotte der NASA, bestehend aus der Atlantis, der Endeavour und der Discovery bis auf weiteres gegroundet worden. Bisher nannte die NASA kein definitives Datum für eine Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge; in der Diskussion war bereits der April des kommenden Jahres. Umso mehr überraschte die Verlautbarung russischer Quellen, welche den oben bezeichneten 12. März ins Spiel brachte. An Bord befinden wird sich wahrscheinlich nur eine kleine Crew, bestehend aus Kommandantin Eileen Collins, Pilot James Kelly, sowie den Missionsspezialisten Soichi Noguchi und Stephen Robinson. Grund hierfür ist, dass die NASA vorerst keine unnötigen Risiken mehr eingehen will. Die angedachte Flugdauer von elf Tagen ist daher ebenfalls mit einem dicken Fragezeichen zu versehen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein steiniger Weg für die Amerikaner. An erster Stelle auf der "return to flight"-Agenda steht die Umsetzung der Empfehlungen des Columbia Investigation Boards (CAIB), welches am kommenden Dienstag seinen endgültigen Untersuchungsbericht veröffentlichen wird. Im Rahmen der Untersuchung des Unglücks offenbarten sich eine Reihe technischer und organisatorischer Unzulänglichkeiten. Angemahnt wird zum Beispiel die nicht vorhandene Möglichkeit, Space Shuttles im Orbit auf mögliche Schäden hin zu untersuchen und - bei tatsächlich auftretenden Defekten - diese zu reparieren. Künftig soll der Einsatz von hochauflösenden Kameras zur Inspektion des Shuttles beim Start und in der Erdumlaufbahn zur Standardprozedur werden. Die nötige Technologie ist bereits vorhanden. Zusätzlich müssen die NASA-Techniker die Struktur der Flügelvorderkanten überdenken, welche die Columbia-Katastrophe mit hervorriefen. Auch die Verankerung der seitlichen Feststoffbooster erwies sich als eine potentielle Gefahrenquelle.

Alle genannten Punkte müssen nun eine technische Realisierung erfahren. Dies erfordert möglicherweise umfangreiche Umkonstruktionen der verbliebenen Shuttle-Flotte. Eine innerhalb der NASA gegründete "return to flight"-Taskgroup wird sich in den nächsten Wochen intensiv hiermit auseinandersetzen. Neben dem Shuttle werden im kommenden Jahr fünf unbemannte russische Progress-Transporter starten, hinzu kommen zwei bemannte Sojus-Zubringer. Das Vorhandensein des Space Shuttles ist hier bereits fest eingerechnet. Russland allein kann den gesamten Materialbedarf der ISS durch die eigenen Raumschiffe aus finanziellen Gründen nicht mehr erfüllen. Der Crewaustausch wird dennoch vorerst in russischer Hand bleiben. Dies gilt auch für die europäischen Besucher auf der ISS. Laut Koptew wird jeder dritte Sitz ihrer Sojus TMA-Raumschiffe für jeweils zehn Millionen US-Dollar an die Europäer verkauft.

Die weitere Zukunft der ISS ist hierdurch noch nicht gesichert. Während die Russen weiter mit finanziellen Engpässen zu kämpfen haben soll eine Versammlung aller internationalen Partner am ISS-Projekt nach dem Start der achten Stammbesatzung am 18. Oktober dieses Jahres in Moskau Klärung bringen. Dann sollen auch die Startdaten aller Missionen im kommenden Jahr festgelegt werden. Durch den Stopp des Shuttle-Programms verlor man bereits über zwölf Monate. Die Wiederaufnahme der US-Flüge wird daher als existentiell für das gesamte Programm angenommen. Koptew bezeichnete die Rolle Russlands an der ISS wörtlich als "kosmischer Taxifahrer". Man biete zwar mit den vorhandenen Wohn- und Servicemodulen anderen Staaten die nötige Infrastruktur, werde sich aber wahrscheinlich kein eigenes Labor mehr leisten können. Zu schwer wiegen die Belastungen durch den plötzlichen Ausfall der Amerikaner.
 
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