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Autor: Ralph-Mirko Richter / 23. Juni 2012, 23:34 Uhr

Mars Express: Sandsturm über dem Tempe Terra

Die HRSC-Kamera an Bord des Marsorbiters Mars Express konnte eine beeindruckende Aufnahme eines Sandsturmes anfertigen, welcher sich im Juni 2011 über der Region Tempe Terra erstreckte.

Quelle: FU Berlin, MSSS
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ESA, DLR, FU Berlin (G. Neukum)

Bild vergrößernIm linken Bereich dieser Aufnahme der HRSC ist der Sandsturm erkennbar.
(Bild: ESA, DLR, FU Berlin (G. Neukum))
Bei dem Tempe Terra handelt es sich um ein mit einer Vielzahl von Impaktkratern übersätes Hochland auf der nördlichen Hemisphäre des Mars. Das Tempe Terra wird durch diverse tektonischer Strukturen geprägt und gilt als eine der geologisch vielfältigsten Regionen auf unserem äußeren Nachbarplaneten. Die eine Fläche von etwa 2,1 Millionen Quadratkilometern umfassende Region befindet sich am nordöstlichen Rand der Tharsis-Vulkanregion und bildet eine der Übergangszonen vom südlichen Hochland des Mars zu dessen um mehrere tausend Meter tiefer gelegenen nördlichen Tiefebene.

Im Norden grenzt das Tempe Terra direkt an die den gesamten Mars-Nordpol umgebenden Tiefebene Vastitas Borealis. Im Nordosten und Osten erstrecken sich die angrenzenden Tiefebenen Acidalia Planitia und Chryse Planitia. Die Südgrenze des Tempe Terra bilden die Kasei Valles - ein verzweigtes System aus zwei miteinander verbundenen Ausflusstälern, welche bereits vor Jahrmilliarden sehr wahrscheinlich unter dem Einfluss von fließendem Wasser entstanden sind.

Das Tempe Terra wurde erstmals von dem Astronomen Eugène Michel Antoniadi (1870-1944) detailliert beschrieben. Durch seine Beobachtungen dieser Region mit einem leistungsstarken Teleskop am Observatoire du Meudon bei Paris während einer Marsopposition im Jahre 1909 widerlegte er die zu dieser Zeit unter Astronomen noch weit verbreitete Annahme, die 1877 von dem Italiener Giovanni Schiaparelli auf der Marsoberfläche beobachteten "Canali" seien künstliche Wasserstraßen. Benannt wurde das Tempe Terra nach einem nördlich des Olymps in Thessalien (Griechenland) gelegenen Tal, in dem der griechischen Mythologie zufolge Eurydike, die Gattin des Orpheus, bei ihrer Flucht vor ihrem Peiniger Aristaios durch einen Schlangenbiss starb.

Bereits am 17. Juni 2011 überflog die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express während ihres Marsorbits Nummer 9.520 zum wiederholten Mal den zentralen Bereich des Tempe Terra und bildete die dort bei 33 Grad nördlicher Breite und 298 Grad östlicher Länge gelegene Region mit der High Resolution Stereo Camera (HRSC), einem der insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters ab. Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern erreichte die Kamera des Orbiters dabei eine Auflösung von etwa 16 Metern pro Pixel.

ESA, DLR, FU Berlin (G. Neukum)

Bild vergrößernDurch die Betrachtung mit einer speziellen Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille wird mit dieser 3D-Aufnahme ein räumlicher Eindruck der Landschaft vermittelt
(Bild: ESA, DLR, FU Berlin (G. Neukum))
Im Rahmen der dabei erstellten Aufnahmen gelang der HRSC-Kamera die Abbildung des Ausläufers eines lokal begrenzten Sandsturmes, welcher sich bereits am 12. Juni 2011 im Grenzgebiet zwischen den Regionen Tempe Terra und Acidalia Planitia entwickelt hatte und sich in den folgenden Tagen in die südliche Richtung bewegte. Neben den Regionen Chryse Planitia und Xanthe Terra wurde dabei auch der östliche Bereich des Valles Marineris von diesem Sandsturm überzogen.

Das ausführliche Studium dieses und weiterer Sturmgebiete ermöglicht es den in die Marsforschung involvierten Planetenforschern, die Entstehung und die weitere Entwicklung von regional begrenzten Staubsturmgebieten auf dem Mars zu analysieren und - darauf basierend - Aussagen über die zukünftige Entwicklung des Wettergeschehens auf dem Mars zu tätigen.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Institutionen aus zehn Ländern.

Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

Die während des Orbits Nummer 9.520 durch die HRSC-Kamera angefertigte Aufnahmen des Tempe Terra finden Sie auch auf der entsprechenden Internetseite der FU Berlin. In den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

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