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Autor: Thomas Weyrauch / 25. Januar 2009, 10:35 Uhr

Russisches Frühwarnsatellitensystem weiter unfertig

Im Januar 2009 wurde bekannt, dass zu Beginn des Jahres nur insgesamt fünf Satelliten des russischen Frühwarnsatellitensystems in Betrieb sind, und nicht zu jeder Zeit alle gewünschten Gebiete beobachtet werden können.

russianforces.org, nti.org, armscontrol.org, space.com, princeton.edu
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Boeing image

Hochelliptischer Orbit (HEO) am Beispiel des Chandra-Weltraumteleskops: Für den erdfernen Teil der Bahn benötigt ein Satellit wesentlich mehr Zeit als für den erdnahen Teil und hält sich lange über einem bestimmten Gebiet der Erde auf. Dadurch hat ein HEO ähnliche Vorteile wie ein geostationärer Orbit (GEO), ist aber mit weniger Aufwand zu erreichen.
(Bild: Boeing image)
Hochelliptische Umlaufbahnen ermöglichen es russischen Frühwarnsatelliten, lange Zeit ein bestimmtes Territorium im Blickfeld zu haben. In einem System aus vier betriebsfähigen Satelliten in Orbits mit einer Periode von 12 Stunden könnte jeder der Satelliten das Terretorium 6 Stunden lang kontrollieren, was insgesamt eine Beobachtung eines jeden Punktes rund um die Uhr ermöglicht. Zusätzlich Satelliten würden eine hohe Zuverlässigkeit erlauben, im Idealfall sollte jedem im Einsatz befindlichen Satelliten ein weiterer Satellit zur Seite stehen, und ein neunter Satellit im geostationären Orbit wäre eine funktionale Ergänzung.

Ein entsprechendes System begann die damalige Sowjetunion unter der Bezeichnung Oko (übersetzt Auge) mit Satelliten unter der Bezeichnung US-K einzurichten, um US-amerikanisches Territorium hinsichtlich startender Raketen zu überwachen. Gestartete Raketen konnten insbesondere mit Infrarotteleskopen aufgefasst werden, wenn sie eine bestimmte Höhe erreicht hatten und vor dem dunklen und kalten Hintergrund des Weltraums sichtbar wurden, weshalb die fraglichen Gebiete schräg von der Seite abgetastet wurden. Der erdfernste Punkt der Bahnen der US-K-Satelliten liegt im Bereich von etwa 39.000 Kilometern über der Erdoberfläche, der der Erde nächste Bahnpunkt im Bereich zwischen 500 und über 1.500 Kilometern. Die Satelliten vom Typ US-K sollen derzeit in der Lage sein, US-amerikanisches Territorium an 18 Stunden eines Tages zu beobachten.

Ein Bedarf nach erweiterter Zuverlässigkeit und der Wunsch nach Überwachung weiterer Gebiete, in welchen Raketenstarts stattfinden könnten, soll die Entwicklung von US-KS-Satelliten als einer Variante des bei US-K verwendeten Satelliten für den Einsatz im geostationären Orbit angestoßen haben. Nach vier US-KS-Satelliten kam es schließlich zum Bau von Satelliten des Typs US-KMO druch Lawotschkin für das Oko-1-System. Die entsprechenden Satelliten sollen startende Raketen schneller als zuvor auch vor dem Hintergrund der Erdoberfläche auffassen können.

Vom Oko-1-System wird vermutet, dass es voll ausgebaut den gesamten Globus abdecken soll. Dafür wären vier Satelliten im geostationären Orbit notwendig. Für entsprechende Satelliten waren sogar sieben Positionen festgelegt worden: 159 Grad West, 24 Grad West, 12 Grad Ost, 35 Grad Ost, 80 Grad Ost, 130 Grad Ost und 166 Grad Ost (alternative Positionsbezeichnungen auch Prognoz 1 bis 7). Im Augenblick wird das System jedoch noch nicht voll betriebsfähig sein, zumal aktuell nur zwei entsprechende betriebsfähige Satelliten im All sein sollen. Im September 2007 soll der zu diesem Zeitpunkt einzige geostationäre Frühwarnsatellit Cosmos 2379 von seiner ursprünglichen Position bei 24 Grad West auf 12 Grad Ost gebracht worden sein, um gegebenenfalls Raketenstarts von U-Booten im Nordatlantik auffassen zu können.

Die russischen Frühwarnsatelliten sollen ihre Daten an ein Kontrollzentrum bei Kurilovo mit der Tarnbezeichnung Serpuchow 15, etwa 50 Kilometer südlichwestlich von Moskau, senden. Am 10. Mai 2001 soll ein schwerer Brand, möglicherweise durch einen Kurzschluss in einem Kabelschacht ausgelöst, das Kontrollzentrum zerstört haben. Der Brand soll erst zum Verlöschen gekommen sein, als das das Kontrollzentrum beherbergende Gebäude vollständig zerstört war. Die anschließend unkontrollierten Satelliten haben sich möglicherweise zunächst in einen Sicherheitsmdous versetzt, wird vermutet.

Ob es in der Folge möglich war, von einer Ausweichstelle Kontakt zu den Satelliten aufzunehmen, wurde zwar verschiedentlich behauptet, ist aber nicht sicher. Ende September 2001 soll es wieder möglich gewesen sein, Frühwarnsatelliten von Serpuchow 15 aus zu steuern, aber in der Zwischenzeit waren zwei Satelliten unkontrollierbar geworden, heißt es. Ein dritter Satellit soll wenig später endgültig ausgefallen sein. Bei den verlorenen Satelliten könnte es sich um Cosmos 2340 alias NORAD 24761 bzw. 1997-015A, Cosmos 2342 alias NORAD 24800 bzw. 1997-022A und Cosmos 2351 alias NORAD 25327 bzw. 1998-027A handeln, die soweit von ihren ursprünglich kontrollierten Umlaufbahnen abdrifteten, dass sie nutzlos wurden. Die Kontrolle über einen vierten zum Zeitpunkt des Feuers von Serpuchow 15 aus betriebenen Satelliten soll man später erfolgreich wiedererlangt haben.

Das Kontrollzentrum hat offensichtlich eine entscheidende und einzigartige Funktion beim Betrieb der russischen Frühwarnsatelliten. Dort soll der Betrieb der Satelliten überwacht, notwendige Manöver der Satelliten gesteuert, die Daten der Satelliten empfangen und verarbeitet werden. Gewonnene Information soll das Kontrollzentrum anschließend an eine Kommandostelle der Dritten Armee in Solnechnogorsk weiterleiten. In Solnechnogorsk befindet sich das Hauptquartier der Dritten Armee unter dem derzeitigen Kommandeur Generalleutnant Sergey Kuruschkin.

Eine anhaltend unzureichende finanzielle Ausstattung führte dazu, dass das russische Satellitenfrühwarnsystem seinen Vollausbau mit acht Satelliten in hochelliptischen Orbits sowie sieben Satelliten an Positionen im geostationären Orbit zu keinem Zeitpunkt erreichte.

Im Januar 2009 sollen sich lt. russianforces.org folgende Satelliten in Betrieb befinden:

Cosmos 2422
  • NORAD Nr. 29260
  • Start am 21. Juli 2006
  • hochelliptischer Orbit
  • Typ 73D6
  • 83zigster US-K, Oko
Cosmos 2430
  • NORAD Nr. 32268
  • Start am 23. Oktober 2007
  • hochelliptischer Orbit
  • Typ 73D6
  • 84zigster US-K, Oko
Cosmos 2446
  • NORAD Nr. 33447
  • Start am 2. Dezember 2008
  • hochelliptischer Orbit
  • Typ 73D6
  • 85zigster US-K, Oko
  • als Ergänzung, nicht als Ersatz
Cosmos 2379
  • NORAD Nr. 26892
  • Start am 24. August 2001
  • geostationär 12 Grad Ost
  • Typ 71kh6
  • neunter US-KMO, Oko-1-System
  • erwartete Lebensdauer überschritten
Cosmos 2440
  • NORAD Nr. 33108
  • Start am 27. Juni 2008
  • geostationär 80 Grad Ost
  • Typ 71kh6
  • 11ter US-KMO, Oko-1-System
  • ggf. als Ersatz für Cosmos 2379
Entwurfsarbeiten für ein neues russisches Frühwarnsystem sollen bereits im Jahre 1999 oder 2000 erfolgt sein. Das System names EKS, "Jedinaja Kosmitscheskaja Systema", ist bis dato nicht verwirklicht worden. Im Rahmen dieses Systems sollen ebenfalls Satelliten auf hochelliptischen Bahnen und solche im geostationären Orbit verwendet werden. Im Jahre 2007 hatte das russische Forschungsinstitut Kometa (TsNII), das an der Entwicklung der EKS-Satelliten arbeiten soll, die Erwartung vermittelt, im Jahre 2009 könnte der erste EKS-Satellit erprobt werden. Möglicherweise wird ein entsprechender Satellit Ende 2009 ins All gebracht.

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