03.02.2003 / Autor: Lutz Growalt Raumfahrt > Columbia Unglück

Nach der Columbia - macht bemannte Raumfahrt Sinn?

Eine Meinung zur Zukunft der bemannten Raumfahrt von Lutz Growalt.



Liftoff der Columbia - zum letzten Mal
(Bild: NASA)
Die Trümmer auf den Wiesen von Texas rauchen noch - und schon treten die Fundamentalisten auf den Plan. Die, die es schon immer besser wußten, die die rhetorische Herumfragerei mit Argumenten verwechseln.

Die Auseinandersetzung um Sinn und Unsinn bemannter Raumfahrt und ob das Feld nicht besser den Robotern zu überlassen ist, ist nicht so neu und originell wie sie scheint. Tatsächlich reicht sie bis in die Gründerjahre der NASA zurück - auch wenn damals die Skeptiker weitaus kompetenter waren.

Schon damals gab es Stimmen, die sich gegen das Verfolgen von „Buck Rogers“-Phantasien aussprachen - am Ende stand ein Mensch auf der Mondoberfläche, stellvertretend für die Menschheit.
In gewissem Sinne ist bemannte Raumfahrt das gleiche wie Geld - beides funktioniert nur, wenn viele dran glauben. Es müssen Menschen ins All um zu sehen, zu erleben und darüber zu berichten, wie es sich anfühlt, da draußen. Welchen wunderbaren Anblick die Erde vom All aus bietet. Sie müssen es mit dem Herzen erleben - all das können Maschinen nicht.

Hand auf’s Herz - wer hat sich noch nicht gewünscht, selbst dort oben sein zu können, das alles mit eigenen Augen zu sehen? Für uns heute scheint das (zu Recht) in unerreichbarer Ferne. Doch was ist mit der nächsten, der übernächsten Generation? Wie sollten wir ihnen erklären, daß wir diese Technologie nicht weiterverfolgt haben, weil uns irgendwie mau war oder wir uns nicht mehr so recht dafür interessierten?
Es ist so oft von der Wirtschaftlichkeit der bemannten Raumfahrt die Rede. Einem wirtschaftlich denkenden Menschen erscheint es absurd, in ein Unternehmen hunderte von Milliarden Dollar und die Karrieren der hellsten Köpfe des Planeten zu investieren, um dann das Unternehmen einzustellen, weil man keine Lust mehr hat. Oder weil nebenan ein schöneres Grundstück zu haben wäre.
Das „Argument“ des Risikos und der unbeherrschbaren Technik enttarnt sich selbst: zu jeder Zeit waren es Risiken, waren es „unbeherrschbare Techniken“, die am Ende alle - stillschweigend natürlich auch die Skeptiker - weiterbrachten. Das gilt für den ersten Urmenschen und das Feuer, das er aus einem brennenden Busch klaute, wie für die Seefahrer, die sich auf das Meer wagten, als die Erde noch eine Scheibe wir und reicht bis zu den Fliegerpionieren, die den Weg für heutige Reisende der Business-Class ebneten. Und gilt eben auch für Juri Gagarin, als er vor 42 Jahren in seine Blechbüchse stieg.

Vielleicht ist es unserem bundesrepublikanischen Vollkasko-Versicherungsdenken einfach zu fremd, doch Astronauten kennen das Risiko tatsächlich, sie kennen die Probleme der Technik, an die sie ihr Leben hängt tatsächlich - und sie fürchten tatsächlich „the unknown unknown“. Sie tun es trotzdem - und aus gutem Grund.
Die bemannte Raumfahrt und ihre Fortsetzung, die derzeit außer Zweifel steht, erteilt uns eine Lehre, die wir uns - ganz besonders in diesem unserem Lande - am besten ganz schnell hinter die Ohren schreiben: die Lehre von der Langfristigkeit, der Nachaltigkeit und der Dauerhaftigkeit. Bemannte Raumfahrt ist wie eine Eimerkette auf einem sinkenden Schiff - wer das bezweifelt, sollte sich schleunigst über den Zustand unseres Planeten informieren. Es bedarf vieler Hände, die weiterreichen.

Wir haben den Stab von Juri Gagrin, Neil Armstrong und Sigmund Jähn, aber auch von Ed White, Christa McAuliffe und Rick Husband übernommen - und wir dürfen ihn nicht fallen lassen. Wenn alles andere nicht zählt, dann sind wir ihnen zumindest das schuldig.
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