26.05.2003 / Autor: Michael Stein Raumfahrt > Mars Express

Auftanken für eine lange Reise

Das Befüllen der Treibstofftanks ist eine der herausfordernsten und gefährlichsten Aktionen im Rahmen der Startvorbereitungen. Nachfolgend schildert Ared Schnorhk, leitender Ingenieur des Mars Express-Teams, den Ablauf dieser letzten großen Aktion vor dem Start.



Vorbereitungen für die Betankung von Mars Express. Zwei der Mitarbeiter tragen so genannte SCAPE-Schutzanzüge.
(Foto: ESA)
Genauso wie Motorfahrzeuge vor langen Reisen aufgetankt werden müssen benötigen Raumfahrzeuge volle Tanks, bevor sie abheben um andere Planeten zu besuchen. Um in eine Umlaufbahn um den Mars zu gelangen und seine täglichen Operationen im Orbit um den Planeten zu absolvieren hat Mars Express ein Haupttriebwerk und einen Satz von acht kleinen Steuerdüsen. Diese Triebwerke müssen mit Treibstoff versorgt werden, der in diesem Fall aus zwei hochgiftigen chemischen Flüssigkeiten besteht die miteinander reagieren, sobald sie gemischt werden.

Mars Express hat zwei Treibstofftanks - einen für jede der beiden Komponenten -, die vor dem Start gefüllt werden müssen. Um diese gefährliche Operation durchzuführen sind eine umfangreiche und sorgfältige Vorbereitung jedes Beteiligten sowie eine perfekte Abstimmung mit der Bedienungsmannschaft der Einrichtung notwendig.

Für die Befüllung wird eine spezielle Einrichtung genutzt: Die Hazardous Processing Facility (= Gefahrstoff-Verarbeitungseinrichtung). Während des Befüllens werden permanent die Kontaminierungsgrade überwacht, Feuerwehrleute und medizinisches Personal stehen unmittelbar in der Nähe bereit. Der Zugang zur Einrichtung ist auf das absolut notwendige Personal begrenzt. All' diese Vorsichtsmaßnahmen werden getroffen, um Verletzungen von Menschen oder die Kontaminierung der Umwelt zu vermeiden.

Während einer Trainingseinheit bekam unser Manager für die Startkampagne, Michael Wittig, die Möglichkeit zu erleben was es heißt, ein "Fuelling Operator" [vulgo: Tankwart - Anm.d.Übers.] zu sein. Für diesen Job musste er einen speziellen, luftdichten SCAPE-Schutzanzug tragen. SCAPE bedeutet "Self-Contained Apparatus Protective Ensemble" und ist ein wenig wie ein Raumanzug, jedoch für den Einsatz bei gefährlichen Operationen während der Arbeiten am Boden gedacht. Obwohl man nie mehr als ein paar Schritte von einem "SCAPE-Kollegen" entfernt ist fühlt man sich schnell alleine und sehr abhängig von der Versorgung mit Atemluft, dem Kommunikationssystem und der Integrität bzw. Dichtheit des Anzugs.

Im Falle von Mars Express haben wir zunächst 297 Kilogramm des Oxidators in die Tanks gefüllt und zwei Tage später 178 Kilogramm des eigentlichen Treibstoffs. Wie gehofft lief alles glatt. Während einer der letzten SCAPE-Aktivitäten fiel das Kommunikationssystem eines SCAPE-Operators aus. Das Problem wurde jedoch schnell behoben. Sein Kollege wies ihn per Handzeichen an, sich hinzusetzen und abzuwarten, bis alle gefährlichen Arbeitsschritte erledigt waren.

Nachdem die Einrichtung von allen gefährlichen Dämpfen befreit war wurde Mars Express zur so genannten Upper Composite Integration Facility transportiert, wo die Raumsonde auf einen Adapter und dieser auf die Fregat-Oberstufe der Sojus-Rakete montiert wurde. Mit dem erfolgreichen Betanken geht der hektische und kritische Teil der Startvorbereitungen zu Ende. Es war die letzte größere - und die gefährlichste - Aktivität an dem Raumfahrzeug, so dass wir nun dem Start entgegensehen.

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