18.09.2005 / Autor: Karl Urban Raumfahrt > Saturn Aktuell

Küstenlinien und Flussbetten auf Titan

Beim letzten Titan-Vorbeiflug der Sonde Cassini wurde bestätigt, was schon beim Abstieg der Landesonde Huygens im Januar vermutet worden war: Es gab fließende "Gewässer" auf dem Saturnmond - und gibt sie vielleicht noch heute.

Es war der achte von über 45 geplanten Vorbeiflügen von Cassini am Titan. In nur 1.075 Kilometern Abstand passierte die Sonde den großen Saturntrabanten am 7. September 2005 und machte dabei bisher einmalige Aufnahmen von seiner Oberfläche. Das Ziel des Flyby war es vor allem, die Region genauer zu untersuchen, auf der die Missionswissenschaftler bereits zuvor eventuelle Anzeichen für Seen und Flüsse gefunden hatten.

NASA

Bild vergrößernKüstenlinie auf Titan
(Bild: NASA)
Dennoch konnten die gemachten Aufnahmen die Forscher erneut überraschen. Diese zeigen eine Art Küstenlinie, die sich über 1.700 mal 170 Kilometer erstreckt, quer über die südliche Hemisphäre des Titan, der im Durchmesser nur rund 5.000 Kilometer misst. Direkt dahinter erstreckt sich eine deutlich dunklere, raue Oberfläche.

"Wir haben vor allem nach Beweisen für die Existenz von Meeren oder Seen auf Titan in der Vergangenheit gesucht. Die gemachten Radar-Messungen sind die bisher deutlichsten Anzeichen für eine Küstenlinie", sagte Steve Wall vom Radar-Team vom NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL).

"Dies ist vermutlich das Gebiet, in dem eine flüssige oder zumindest feuchte Oberfläche bis heute oder in der Vergangenheit vorhanden war", so Wall. "Titan hat vielleicht periodische Phasen von Regenfällen oder von aufsteigenden Flüssigkeiten aus dem Boden."

Die hellen Ebenen innerhalb der deutlich dunkleren Oberfläche waren vielleicht einmal mit einer Flüssigkeit geflutet, die nun teilweise versickert ist. Buchtartige Bereiche führen die Wissenschaftler zu der Vermutung, dass es sich bei der dunkleren Oberfläche um eine Küstenlinie handelt.

"Wir haben daneben ein Netzwerk von Kanälen gefunden, das sich über das gesamte hellere Gebiet erstreckt und impliziert, dass flüssige Kohlenwasserstoffe über diese Region geflossen sind", sagte Dr. Ellen Stofan, Cassini Radarteam-Mitglied von Proxemy Research.

Gemeinsam mit den letzten Flyby-Aufnahmen vom Oktober 2004 und Februar 2005 konnten auf den aktuellen Bildern zwei signifikant verschiedene Typen von Abfluss- und Kanalartigen Formationen auf Titan entdeckt werden. Einige der Kanäle in dieser Region sind lang und tief mit Biegungen und Nebenflüssen, die darauf hindeuten, dass diese Flüsse über lange Strecken fließen. Andere Flüsse zeigen ein deutlich feineres Netzwerk, was auf Regenfall hindeuten könnte.

NASA

Bild vergrößernDas feine Netzwerk aus verzweigten Kanälen weist zumindest auf der Erde auf von Regenfällen geformtes Terrain hin.
(Bild: NASA)
"Es sieht so aus, als hätten sich die Flüssigkeiten in der Kanälen tief in die eisige Kruste des Titan gegraben. Viele dieser Kanäle überziehen mehr als 100 Kilometer. Einige von ihnen wurden von Quellen gespeist, während andere komplexe Netzwerke formten, die aller Wahrscheinlichkeit nach von Regen gefüllt wurden", sagte Dr. Larry Soderblom vom US Geological Survey.

Interessant an Titan ist vor allem seine große Ähnlichkeit zur frühen Erde, als auf ihr die einsetzende biologische Entwicklung die Atmosphäre noch nicht nachhaltig verändert hatten. Dennoch gibt es auch unverkennbare Unterschiede zwischen beiden Himmelskörpern: Auf Titan fehlt flüssiges Wasser und er besitzt mit durchschnittlich -179°C eine sehr niedrige Oberflächentemperatur. Aufgrund der sehr stickstoffreichen Atmosphäre (94% seiner Lufthülle besteht aus Stickstoff), hatte man vor der Ankunft von Cassini große Seen aus flüssigem Methan vermutet. Bisher waren die hochaufgelösten Cassini-Bilder diese jedoch schuldig geblieben.

Einziger Wehrmutstropfen beim jüngsten Vorbeiflug der Sonde war ein technischer Fehler, der nur die Speicherung und Übertragugn von rund der Hälfte der gemachten Aufnahmen zuließ. Der Grund für diesen Ausfall ist noch nicht geklärt. Die NASA-Ingenieure hoffen jedoch, das Problem mit einem Software-Update beheben zu können und so einen anhaltenen Schaden verhindern zu können.

Die wissenschaftliche Bedeutung Titans nimmt unterdessen mit jedem Vorbeiflug zu. Bis zur Ankunft von Cassini-Huygens am 1. Juli 2004 war der Mond für die Wissenschaft ein Buch mit sieben Siegeln. - Immerhin wurde er bis dahin nur sporadisch von Voyager 1 fotografiert und vermessen. Auch wenn die Existenz der dichten Atmosphäre weiterhin große Fragen aufwirft, zeigen die jüngsten Aufnahmen, dass die weitere Erforschung des Saturntrabanten auch für das Verständnis der Geschichte unseres eigenen Planeten von großer Bedeutung sein wird.
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