<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Astronomiegeschichte &#8211; Raumfahrer.net</title>
	<atom:link href="https://www.raumfahrer.net/tag/astronomiegeschichte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.raumfahrer.net</link>
	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
	<lastBuildDate>Sun, 18 Oct 2026 13:18:29 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.4</generator>

<image>
	<url>https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/cropped-R-Logo-neu-o-512-32x32.png</url>
	<title>Astronomiegeschichte &#8211; Raumfahrer.net</title>
	<link>https://www.raumfahrer.net</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Algol: Was hinter dem „Dämonenstern“ steckt</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/algol-was-hinter-dem-daemonenstern-steckt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Janina Stöhr]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2026 06:31:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Astrophilie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Sterne]]></category>
		<category><![CDATA[Sternenhimmel]]></category>
		<category><![CDATA[Algol]]></category>
		<category><![CDATA[Astronomiegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Beta Persei A]]></category>
		<category><![CDATA[Doppelstern]]></category>
		<category><![CDATA[Doppelsternsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Mythologie]]></category>
		<category><![CDATA[Perseus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.raumfahrer.net/?p=153857</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Nachthimmel wird seit jeher von unbeschreiblichen und mysteriösen Himmelsphänomenen durchzogen. Im zweiten Teil dieser Halloween-Serie steht Algol im Vordergrund, mitsamt seiner Mythologie. Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, Sky&#38;Telescope, The Planets, Ebsco, 17. Oktober 2026. Während wir uns unaufhaltsam der unheimlichsten Nacht des Jahres nähern, wird der Blick in den Nachtimmel langsam dunkler, die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/algol-was-hinter-dem-daemonenstern-steckt/" data-wpel-link="internal">Algol: Was hinter dem „Dämonenstern“ steckt</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Der Nachthimmel wird seit jeher von unbeschreiblichen und mysteriösen Himmelsphänomenen durchzogen. Im zweiten Teil dieser Halloween-Serie steht Algol im Vordergrund, mitsamt seiner Mythologie.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, Sky&amp;Telescope, The Planets, Ebsco, 17. Oktober 2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir uns unaufhaltsam der unheimlichsten Nacht des Jahres nähern, wird der Blick in den Nachtimmel langsam dunkler, die Nächte werden wieder länger als die Tage. Hinter den Nebelschwaden, in den unendlichen Tiefen des so dunkel scheinenden Alls, finden sich unzählige Phänomene: Gase, die sich zu den verschiedensten Gestalten formen, tote und doch lebendige Sterne, Vampirismus und sogar blinkende Dämonen. In dieser Mini-Reihe schauen wir uns ein paar der merkwürdigen Ereignisse genauer an. Unsere erste Geschichte handelte von Sternen, die sich Vampir-ähnlich auf ihre Nachbarn stürzen. Heute bleiben wir bei Sternennachbarn und schauen uns den dämonischen Algol genauer an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein mysteröses Lichtschauspiel am Nachthimmel</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/Perseus_IAU.png" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Das Sternbild Perseus mit Algol. Bild: IAU and Sky &amp; Telescope magazine (Roger Sinnott &amp; Rick Fienberg)." data-rl_caption="" title="Das Sternbild Perseus mit Algol. Bild: IAU and Sky &amp; Telescope magazine (Roger Sinnott &amp; Rick Fienberg)." data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="319" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/Perseus_IAU-300.png" alt="Das Sternbild Perseus mit Algol. Bild: IAU and Sky &amp; Telescope magazine (Roger Sinnott &amp; Rick Fienberg)." class="wp-image-154474" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/Perseus_IAU-300.png 319w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/Perseus_IAU-300-300x282.png 300w" sizes="(max-width: 319px) 100vw, 319px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Das Sternbild Perseus mit Algol. Bild: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Perseus_IAU.svg" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">IAU and Sky &amp; Telescope magazine (Roger Sinnott &amp; Rick Fienberg).</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unser dramatischer Hauptdarsteller Algol ist eigentlich ein Dreifachsystem mit einem bedeckungsveränderlichen Doppelstern im Sternbild des Perseus, das aus Beta Persei (β Per) Aa1, Aa2 und Ab besteht. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnlicher Stern – bis er anfängt, seine Helligkeit zu ändern, als würde er &#8222;blinken&#8220;! Diese Eigenart verursachte Misstrauen und Argwohn; die Menschen begannen, ihn als Unheilsgestirn, Dämonen- oder Teufelsstern zu bezeichnen. Auch mit der Gorgonin Medusa wurde er in Verbindung gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wieso sieht es überhaupt so aus, als würde Algol blinken? Das Besondere an diesem Dreisternsystem ist, dass der sehr heiße und helle blaue Stern Beta Persei Aa1 und der zweite Stern Beta Persei Aa2 (der größer, aber kühler, weniger hell und gelblich ist) aus unserer Perspektive von der Erde aus in einem regelmäßigen Abstand voreinander vorbeiziehen. Das führt zu kleinen &#8222;Eklipsen&#8220; und Änderungen in der Helligkeit des Sternensystems. Algol verdunkelt sich im Verlauf von nur wenigen Stunden, bevor er wieder heller wird. Das passiert in einem präzisen Rhythmus von allen 2,87 Tagen. Zu Beginn strahlt Algol hier mit einer Scheinbaren Helligkeit von 2.1<sup>m</sup> (fast so hell wie der Polarstern) und verdunkelt sich bis auf 3.4<sup>m</sup> (so hell wie die Andromeda-Galaxie)<sup data-fn="5bf0f7b2-8d56-4e9b-9d0b-f95cb44c148f" class="fn"><a id="5bf0f7b2-8d56-4e9b-9d0b-f95cb44c148f-link" href="#5bf0f7b2-8d56-4e9b-9d0b-f95cb44c148f">1</a></sup>. Der dritte im Bunde, Beta Ab, spielt bei diesem Helligkeitstanz keine Rolle. Algol wird bei diesem Prozess nicht komplett verdunkelt, doch der Unterschied ist auch mit bloßem Auge sehr deutlich erkennbar. Das folgende Gif visualisiert die Bewegung der zweit Hauptsterne:</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img decoding="async" width="840" height="480" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/Algol-type_variable_binary_star_animation_6.gif" alt="Animation der Bewegungen der zwei Hauptsterne von Algol. Gif von: Merikanto" class="wp-image-154434"/><figcaption class="wp-element-caption">Animation der Bewegungen der zwei Hauptsterne von Algol. Gif von: Merikanto.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Auge der Medusa? Der Kopf des Satans?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für unsereins sind veränderliche Sterne gut erforscht und erklärbar. Für die Sternenbetrachter in der Vergangenheit warf Algol jedoch wie erwähnt große Rätsel und auch Unbehagen auf. Sie blickten in den Nachthimmel und sahen eine mysteriöse, drastische Veränderung eines Sterns mit seiner unheimlichen Verdunklung. Entsprechend gab man ihm passende Namen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> Der Begriff Algol kommt aus dem Arabischen <em>raʾs al-ghūl</em>, was &#8222;Kopf des Ghuls&#8220; bedeutet. Die Legende von Ghulen selbst enspringt ebenfalls der arabischen Mythologie. Traditionell wird ein Ghul dort als bösartiges Wesen beschrieben, das in der Nähe von Friedhöfen und verlassenen Orten lebt und sich vom Fleisch lebender oder toter Menschen ernährt. Die Ursprünge des Ghuls reichen sogar bis zu alten mesopotamischen Mythen zurück. Dort gab es ähnliche Dämonen, die sogenannten Gallu, die Menschen in die Unterwelt zogen. Später verbreitete sich die Vorstellung in verschiedenen Kulturen und wurde besonders bei den Beduinen weiterentwickelt.<sup data-fn="b774f451-1563-41f7-af38-4b498d355ce8" class="fn"><a id="b774f451-1563-41f7-af38-4b498d355ce8-link" href="#b774f451-1563-41f7-af38-4b498d355ce8">2</a></sup></p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/algol-mit-medusa.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Eine Zeichnung von Perseus im Nachthimmel, posierend mit dem agetrennten Kopf der Medusa. Bild: Internet Archive Book Images." data-rl_caption="" title="Eine Zeichnung von Perseus im Nachthimmel, posierend mit dem agetrennten Kopf der Medusa. Bild: Internet Archive Book Images." data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="318" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/algol-mit-medusa-300.jpg" alt="Eine Zeichnung von Perseus im Nachthimmel, posierend mit dem agetrennten Kopf der Medusa. Bild: Ianternet Archive Book Images." class="wp-image-154472" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/algol-mit-medusa-300.jpg 318w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/09/algol-mit-medusa-300-300x283.jpg 300w" sizes="(max-width: 318px) 100vw, 318px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Eine Zeichnung von Perseus im Nachthimmel, posierend mit dem agetrennten Kopf der Medusa. Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/126377022@N07/14597264847" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Internet Archive Book Images.</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in anderen Kulturen wurde Algol ein dämonisches Wesen zugeschrieben. Im Hebräischen wurde er <em>rōsh ha sāṭān</em>, also &#8222;Der Kopf Satans&#8220; genannt. In der chinesischen Astronomie gilt er als der unglücklichste aller Sterne am Nachthimmel. In der griechisch-römischen Sternbildtradition wiederum sahen die Beobachter in dem blinkenden Stern den abgetrennten Kopf der Medusa mit ihrem aufblitzenden bösartigen Auge, da sich Algol im Sternbild ihres Gegenparts Perseus befindet.<sup data-fn="f49ed51a-73c7-4572-9160-b9ce9e1561c8" class="fn"><a id="f49ed51a-73c7-4572-9160-b9ce9e1561c8-link" href="#f49ed51a-73c7-4572-9160-b9ce9e1561c8">3</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach erhielt ebendieser von König Polydektes den Auftrag, den Kopf der Medusa zu bringen. Medusa ist eine der drei Gorgonen, Schwester von Stheno und Euryale. Die Gorgonen werden als furchterregende Wesen mit Schlangen als Haaren beschrieben. Jeder, der Medusa direkt in die Augen schaut, wird zu Stein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Hilfe der Götter Athena und Hermes bekommt Perseus magische Gegenstände, darunter geflügelte Sandalen, einen Helm, der ihn unsichtbar macht, und einen speziellen Beutel. Da Perseus nicht direkt in ihre Augen schauen darf, benutzt er die Spiegelung von Medusas Gesicht in seinem Schild. So kann er sich ihr nähern und ihr den Kopf abschlagen, mit dem er dann anscheinend entsprechend am Nachthimmel in der Hand triumphierend posiert.<sup data-fn="06861211-14a6-4694-85e2-ffa17e91fb37" class="fn"><a id="06861211-14a6-4694-85e2-ffa17e91fb37-link" href="#06861211-14a6-4694-85e2-ffa17e91fb37">4</a></sup> Anscheinend sind die Augen der Medusa jedoch immer noch aktiv, also Obacht bei der Sternenbeobachtung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Gorgonen- oder Teufelsköpfen finden sich mit etwas Fantasie noch weitere unheimliche Formen am Firmament. Der nächste Teil der Serie wird sich um Nebel drehen, in denen sich dunkle Gestalten wiederfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=20772.msg593476#msg593476" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Astrophilie: Über die Romantik des Weltraums</a></li>
</ul>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="5bf0f7b2-8d56-4e9b-9d0b-f95cb44c148f"><a href="https://skyandtelescope.org/astronomy-news/meet-algol-the-demon-star/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://skyandtelescope.org/astronomy-news/meet-algol-the-demon-star/</a> <a href="#5bf0f7b2-8d56-4e9b-9d0b-f95cb44c148f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b774f451-1563-41f7-af38-4b498d355ce8"><a href="https://www.ebsco.com/research-starters/literature-and-writing/ghoul-mythical-creature" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.ebsco.com/research-starters/literature-and-writing/ghoul-mythical-creature</a> <a href="#b774f451-1563-41f7-af38-4b498d355ce8-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="f49ed51a-73c7-4572-9160-b9ce9e1561c8"><a href="https://theplanets.org/stars/the-algol-star/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://theplanets.org/stars/the-algol-star/</a> <a href="#f49ed51a-73c7-4572-9160-b9ce9e1561c8-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="06861211-14a6-4694-85e2-ffa17e91fb37"><a href="https://www.ebsco.com/research-starters/religion-and-philosophy/perseus-and-medusa" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.ebsco.com/research-starters/religion-and-philosophy/perseus-and-medusa</a> <a href="#06861211-14a6-4694-85e2-ffa17e91fb37-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/algol-was-hinter-dem-daemonenstern-steckt/" data-wpel-link="internal">Algol: Was hinter dem „Dämonenstern“ steckt</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vampirsterne: Der Tanz der Materie im Doppelsternsystem</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/vampirstern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Janina Stöhr]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 22:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Astrophilie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Sterne]]></category>
		<category><![CDATA[Sternenhimmel]]></category>
		<category><![CDATA[Astronomiegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Blaue Nachzügler]]></category>
		<category><![CDATA[Blue Straggler]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[SN 1006]]></category>
		<category><![CDATA[Supernova]]></category>
		<category><![CDATA[Vampirstern]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.raumfahrer.net/?p=153718</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Nachthimmel wird seit jeher von unbeschreiblichen und mysteriösen Himmelsphänomenen durchzogen. Im ersten Teil dieser Halloween-Serie treten die Vampirsterne auf die Bühne und präsentieren ihren Tanz der Materie. Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, LEIFIPhysik, R. Di Stefano, SwissEduc, 10. Oktober 2026. Während wir uns unaufhaltsam der unheimlichsten Nacht des Jahres nähern, wird der Blick [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/vampirstern/" data-wpel-link="internal">Vampirsterne: Der Tanz der Materie im Doppelsternsystem</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Der Nachthimmel wird seit jeher von unbeschreiblichen und mysteriösen Himmelsphänomenen durchzogen. Im ersten Teil dieser Halloween-Serie treten die Vampirsterne auf die Bühne und präsentieren ihren Tanz der Materie.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, LEIFIPhysik, R. Di Stefano, SwissEduc, 10. Oktober 2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir uns unaufhaltsam der unheimlichsten Nacht des Jahres nähern, wird der Blick in den Nachthimmel langsam dunkler, die Nächte werden wieder länger als die Tage. Hinter den Nebelschwaden, in den unendlichen Tiefen des so dunkel scheinenden Alls, finden sich unzählige Phänomene: Gase, die sich zu den verschiedensten Gestalten formen, tote und doch lebendige Sterne, Vampirismus und sogar blinkende Dämonen. In dieser Mini-Reihe schauen wir uns ein paar der merkwürdigen Ereignisse genauer an. Teil 1 wirft einen näheren Blick auf die sogenannten Vampirsterne.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Blutsaugende Nachtgestalten in der tiefen Dunkelheit des Universums?</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/vampirsterne-gross.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Künstlerische Darstellung Stellarer Vampirismus, Bild von ESO/M. Kornmesser/S.E. de Mink" data-rl_caption="" title="Künstlerische Darstellung Stellarer Vampirismus, Bild von ESO/M. Kornmesser/S.E. de Mink" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="422" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/vampirsterne-klein.jpg" alt="Künstlerische Darstellung Stellarer Vampirismus, Bild von ESO/M. Kornmesser/S.E. de Mink" class="wp-image-153949" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/vampirsterne-klein.jpg 422w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/vampirsterne-klein-300x213.jpg 300w" sizes="(max-width: 422px) 100vw, 422px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Künstlerische Darstellung von stellarem Vampirismus, Bild von <a href="https://www.eso.org/public/images/eso1230a/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">ESO/M. Kornmesser/S.E. de Mink</a>.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vampire gibt es nicht nur in Gruselgeschichten, sondern auch im All. Doch worum genau handelt es sich bei stellarem Vampirismus? Blut gibt es schließlich nicht zu erbeuten. Ein solcher Dracula befindet sich in einem binären Sternensystem (auch Doppelsternsystem genannt), also zwei Sterne, die durch die Schwerkraft aneinander gebunden sind und um einen gemeinsamen Mittelpunkt kreisen. Der Vampir &#8222;saugt&#8220; hierbei seinen Begleiter aus und entzieht ihm Materie. Dadurch erhält er zusätzliche Masse und Wasserstoff, wodurch sich seine Entwicklung beziehungsweise seine Erscheinung teilweise &#8222;verjüngt&#8220;. Sein Opfer hingegen verliert entsprechend seine äußeren Schichten, was seinen heißen Kern freilegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stellarer Vampirismus bezeichnet lediglich das Prinzip, dass ein Stern Masse und Material des anderen ansaugt. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, wann es zu so einem Fall kommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Blaue Nachzügler, die sich von ihrem Nachbarn ernähren</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders bekannt sind dabei die sogenannten Blauen Nachzügler (auf Englisch &#8222;Blue Stragglers&#8220;). Sie sind ein faszinierendes Beispiel dafür, wie kompliziert und überraschend die Entwicklung von Sternen sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wissenschaftliches Paper von Rosanne Di Stefano, Astrophysikerin am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics von 2011<sup data-fn="40f46bf2-500e-4bf2-ae72-43b2bab6764b" class="fn"><a href="#40f46bf2-500e-4bf2-ae72-43b2bab6764b" id="40f46bf2-500e-4bf2-ae72-43b2bab6764b-link">1</a></sup> untersucht die physikalischen Prozesse, durch die enge Doppelsternsysteme zu sogenannten Vampirsternen beziehungsweise Blue-Straggler-Systemen werden. Ausgangspunkt ist ein Doppelstern, in dem der ursprünglich massereichere Stern seine Entwicklung schneller durchläuft und sich zu einem Unter- oder Roten Riesen ausdehnt. Erreicht seine äußere Hülle den Roche-Lobe-Radius, fließt Materie nicht mehr über Sternwinde, sondern direkt durch den inneren Lagrange-Punkt auf den masseärmeren Begleiter. Je nach Massenverhältnis erfolgt dieser Massentransfer entweder stabil über Millionen Jahre oder instabil in einer Phase, in der beide Sterne kurzzeitig von einer gemeinsamen Hülle umgeben sind. In beiden Fällen verliert der Opferstern nahezu seine gesamte Wasserstoffhülle, während der vampirische Begleiter Masse, Drehimpuls und chemisch verarbeitetes Material aufnimmt. Dadurch wächst dieser zu einem Blue Straggler heran, der aufgrund seiner höheren Masse, Temperatur und Leuchtkraft deutlich jünger erscheint, als es seinem tatsächlichen Alter entspricht. Der ausgezehrte Opferstern bleibt als freigelegter Heliumkern zurück und entwickelt sich zu einem heißen, massearmen Prä-Weißen Zwerg, der schließlich zu einem Weißen Zwerg abkühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Extrem hell, extrem heiß und extrem selten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Di-Stefano-Paper vor allem masseärmere Doppelsternsysteme beschreibt, in denen Blaue Nachzügler entstehen, wird der Begriff häufig auch für extrem massereiche O-Sterne verwendet, die ihren Begleiter durch Massentransfer aussaugen. Das zugrunde liegende physikalische Prinzip ist jedoch in beiden Fällen dasselbe.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/spektralklassen1.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Die Sterne aufgereiht entsprechend ihrer Spektralklasse, O B A F G K M" data-rl_caption="" title="Die Sterne aufgereiht entsprechend ihrer Spektralklasse, O B A F G K M" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="878" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/spektralklassen1.jpg" alt="Die Sterne aufgereiht entsprechend ihrer Spektralklasse, O B A F G K M" class="wp-image-153951" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/spektralklassen1.jpg 878w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/spektralklassen1-300x103.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/08/spektralklassen1-768x262.jpg 768w" sizes="(max-width: 878px) 100vw, 878px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Sterne entsprechend ihrer Spektralklasse angeordnet, O  B A F G K M, Bild von <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Morgan-Keenan_spectral_classification.svg" data-type="link" data-id="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Morgan-Keenan_spectral_classification.svg" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Rursus</a>.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Bei O-Typen kann Massentransfer dazu führen, dass ein ohnehin massereicher Stern noch mehr Materie aufnimmt und dadurch außergewöhnlich hell und heiß erscheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Klassifizierung als O-Typ bezieht sich auf die Spektralanalyse, die Sterne in Spektralklassen teilt. Hierbei gibt es sieben Grundtypen O, B, A, F, G, K und M, zu denen die überwiegende Mehrheit aller Sterne gehört. Um sich das leichter merken zu können, wurde die Eselsbrücke &#8222;Oh be a fine girl/guy, kiss me&#8220; gebaut. Im deutschen gibt es auch den Merkspruch: &#8222;Offenbar benutzen Astronomen furchtbar gerne komische Merksätze&#8220;.<br>Durch das analysierte Spektrum und die Absorptionslinien werden Rückschlüsse auf Eigenschaften des Sterns geführt. Für die O-Typen bedeutet das: Sie strahlen blau, haben eine Temperatur von ≥ 30 000 Kelvin und ihre charakteristische Absorptionslinie ist ionisiertes Helium (He II).<sup data-fn="424c115d-dd78-417b-a8ed-926662235df3" class="fn"><a href="#424c115d-dd78-417b-a8ed-926662235df3" id="424c115d-dd78-417b-a8ed-926662235df3-link">2</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem sind O-Sterne extrem massereich. Die schwersten bekannten Vertreter erreichen Anfangsmassen von über 200 Sonnenmassen. Bei solch gigantischen Sternen und einer solch extremen Hitze wird jedoch auch entsprechend viel Kernbrennstoff verbraucht. Das wiederum führt zu einer sehr kurzen Lebensdauer, sodass nur 0.00004 % aller Hauptreihensterne unserer Milchstraße zum Spektraltyp O gehören.<sup data-fn="eb5f7dbf-dfc6-4d24-85d3-8b5a9d7d480e" class="fn"><a id="eb5f7dbf-dfc6-4d24-85d3-8b5a9d7d480e-link" href="#eb5f7dbf-dfc6-4d24-85d3-8b5a9d7d480e">3</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die trügerische Erscheinung eines verjüngten Sterns</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vampirsterne sind ein faszinierendes Beispiel dafür, dass Sterne nicht immer allein durchs Universum reisen. Ihre Entwicklung kann entscheidend davon abhängen, ob sie einen Begleiter haben und wie sich dieses Doppelsternsystem über Milliarden Jahre verändert. Ein Stern kann dabei Materie und sogar Drehimpuls von seinem Partner aufnehmen und dadurch seine Geschichte gewissermaßen verschleiern. Hinter dem scheinbar jungen Licht eines solchen Sterns kann sich deshalb eine uralte Vergangenheit verbergen – und manchmal sogar der Überrest eines Sterns, den er einst „ausgesaugt“ hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der nächste Teil der Halloween-Serie bleibt beim Thema Doppelsterne und betrachtet den sogenannten Dämonenstern Algol etwas genauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=20772.msg593443#msg593443" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Astrophilie: Über die Romantik des Weltraums</a></li>
</ul>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="40f46bf2-500e-4bf2-ae72-43b2bab6764b"><a href="https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/2011AJ....141..142D/abstract" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/2011AJ&#8230;.141..142D/abstract</a> <a href="#40f46bf2-500e-4bf2-ae72-43b2bab6764b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="424c115d-dd78-417b-a8ed-926662235df3"><a href="https://www.leifiphysik.de/astronomie/fixsterne/grundwissen/spektralklassen" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.leifiphysik.de/astronomie/fixsterne/grundwissen/spektralklassen</a> <a href="#424c115d-dd78-417b-a8ed-926662235df3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="eb5f7dbf-dfc6-4d24-85d3-8b5a9d7d480e"><a href="https://www.swisseduc.ch/astronomie/spektrographie/spektralklasse-o-de.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.swisseduc.ch/astronomie/spektrographie/spektralklasse-o-de.html</a> <a href="#eb5f7dbf-dfc6-4d24-85d3-8b5a9d7d480e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/vampirstern/" data-wpel-link="internal">Vampirsterne: Der Tanz der Materie im Doppelsternsystem</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>SN 1006: Wie japanische Chroniken eine Supernova bewahrten</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sn-1006-wie-japanische-chroniken-eine-supernova-bewahrten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Janina Stöhr]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 19:08:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Astrophilie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Sterne]]></category>
		<category><![CDATA[Sternenhimmel]]></category>
		<category><![CDATA[Astronomiegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[SN 1006]]></category>
		<category><![CDATA[Supernova]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.raumfahrer.net/?p=153270</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine gigantische Supernova sorgte vor über tausend Jahren für Aufruhr in weiten Teilen der Welt. Tagebücher und Aufzeichnungen gewähren uns einen Einblick in die Reaktionen der Menschen. Die Niederschriften japanischer Gelehrter helfen bis heute bei der Forschung und Datierung des besonderen Himmelphänomens. Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, NASA, Harvard, Raumfahrer.net. 28. Juni 2026. Die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/sn-1006-wie-japanische-chroniken-eine-supernova-bewahrten/" data-wpel-link="internal">SN 1006: Wie japanische Chroniken eine Supernova bewahrten</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Eine gigantische Supernova sorgte vor über tausend Jahren für Aufruhr in weiten Teilen der Welt. Tagebücher und Aufzeichnungen gewähren uns einen Einblick in die Reaktionen der Menschen. Die Niederschriften japanischer Gelehrter helfen bis heute bei der Forschung und Datierung des besonderen Himmelphänomens.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, NASA, Harvard, Raumfahrer.net. 28. Juni 2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Supernova 1006 – das hellste Sternereignis der Geschichte der Menschheit?</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/06/2940666879_14f245c5c4_k.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Falschfarbenaufnahme von Chandra des Supernova-Überrests SN 1006 im Röntgenlicht: Blau zeigt hochenergetische Teilchen, Rot und Grün mehrere Millionen Grad heißes Gas, das bei der Explosion des Sterns entstand. Credit: NASA/CXC/Rutgers/J.Hughes et al." data-rl_caption="" title="Falschfarbenaufnahme von Chandra des Supernova-Überrests SN 1006 im Röntgenlicht: Blau zeigt hochenergetische Teilchen, Rot und Grün mehrere Millionen Grad heißes Gas, das bei der Explosion des Sterns entstand. Credit: NASA/CXC/Rutgers/J.Hughes et al." data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/06/2940666879_14f245c5c4_k1.jpg" alt=""/></a><figcaption class="wp-element-caption">Falschfarbenaufnahme von Chandra des Supernova-Überrests SN 1006 im Röntgenlicht: Blau zeigt hochenergetische Teilchen, Rot und Grün mehrere Millionen Grad heißes Gas, das bei der Explosion des Sterns entstand. Bild: NASA/CXC/Rutgers/J.Hughes et al.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Den Menschen des 11. Jahrhunderts muss sich ein beeindruckendes Schauspiel geboten haben. Ab dem 1. Mai 1006 war am Himmel ein extrem leuchtendes Objekt zu sehen, strahlender als die Venus und über mehrere Wochen hinweg auch tagsüber sichtbar. Heute ist das Phänomen als SN 1006 bekannt und gilt als das vermutlichst hellste natürliche Himmelsobjekt, das in der überlieferten Menschheitsgeschichte zu sehen war. Die Supernova war nicht weltweit sichtbar, doch Astronomen sowie die allgemeine Bevölkerung aus China, Japan, Europa und der arabischen Welt berichteten zu unserem Glück über das Phänomen<sup data-fn="feec3cbd-ceb8-4f11-bc7a-24eb0aee2120" class="fn"><a id="feec3cbd-ceb8-4f11-bc7a-24eb0aee2120-link" href="#feec3cbd-ceb8-4f11-bc7a-24eb0aee2120">1</a></sup>. Heutzutage wissen wir, dass es sich um den Tod eines alten Sterns handelte, 7000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Dieser war wahrscheinlich ein Weißer Zwerg, dessen Masse die Stabilitätsgrenze überschritten hatte<sup data-fn="5a79f22b-b3f3-4248-8cd3-45609874552a" class="fn"><a id="5a79f22b-b3f3-4248-8cd3-45609874552a-link" href="#5a79f22b-b3f3-4248-8cd3-45609874552a">2</a></sup>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Astronomie in vergangenen Zeiten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor 1000 Jahren waren Physik und Ursache hinter dem plötzlich auftretenden hellen Fleck am Himmel natürlich nicht bekannt. Die Menschen verfügten weder über das Vorwissen noch über unsere modernen Messgeräte und Teleskope. Wie wurde dann mit dem merkwürdigen Stern umgegangen? Glücklicherweise gewähren uns Quellen einen Blick zurück in die Zeit, beispielsweise in die Heian-Periode Japans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land verfügte zu dieser Zeit noch nicht über eine so ausgeprägte astronomische Tradition wie sie in China existierte, doch ungewöhnliche Erscheinungen am Himmel wurden aufmerksam registriert. Die Überlieferung der Supernova beschränkt sich nicht auf eine einzelne Chronik, sondern verteilt sich auf mehrere Hofchroniken und Tagebücher, die teilweise erst Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte später niedergeschrieben wurden. Selbstverständlich protokollierten auch die anderen Kulturen die Erscheinung, dieser Artikel bezieht sich jedoch ausschließlich auf japanische Quellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gaststerne, Tagebücher und hitzige Diskussionen</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/06/Teika3.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Portrait von Fujiwara no Sadaie / Teika, Quelle Wikimedia" data-rl_caption="" title="Portrait von Fujiwara no Sadaie / Teika, Quelle Wikimedia" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/06/Teika31.jpg" alt=""/></a><figcaption class="wp-element-caption">Portrait von Fujiwara no Sadaie. Bild: Wikimedia<br></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl wichtigste japanische Beschreibung der Supernova findet sich im Meigetsuki (&#8222;Aufzeichnung des klaren Mondes&#8220;) des Dichters Fujiwara no Sadaie (1162–1241). Dort überlieferte er eine Liste historischer &#8222;Gaststerne&#8220;, also Sterne, die plötzlich an einem Ort erscheinen und nach einiger Zeit wieder verschwinden, und beschrieb die Erscheinung vom Mai 1006. Er berichtet von einem „großen Gaststern“, der „dem Mars ähnelte“, außergewöhnlich hell war und stark funkelte. Der Stern erschien nach Einbruch der Dunkelheit und blieb über mehrere Nächte sichtbar. Seine Position wird „direkt südlich innerhalb der Sternengruppe Kikan (騎官, chinesisch Ch&#8217;i Kuan)“ angegeben, einer traditionellen ostasiatischen Sternengruppe, deren Name sich etwa mit „Reiteroffiziere“ übersetzen lässt. Gleichzeitig erwähnt Sadaie eine abweichende Deutung älterer Astronomen: Einige vertraten die Ansicht, dass kein neuer Stern erschienen sei, sondern sich lediglich die Struktur des Sterns Kishin Shōgun (騎陣將軍, „General der Reiterformation“) verändert habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Diskussion wird in einer weiteren Quelle näher aufgegriffen. Das Tagebuch Gyokuyō („Jadeblätter“) führte der Hofadlige Fujiwara no Kanezane (1149–1207), also mehrere Jahrzehnte nach dem Erscheinen der Supernova. Darin beschreibt er ein Gespräch mit dem stellvertretenden Hofastronomen Abe Yasuchika, der eine Geschichte seines Großvaters Abe Ariyuki überliefert. Während der Regierungszeit Kaiser Sanjōs (1011–1016) kam es zwischen Ariyuki und einem anderen Gelehrten, Morohira, zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung über einen ungewöhnlichen Gaststern. Ariyuki war überzeugt, dass tatsächlich ein neuer Stern erschienen war. Morohira widersprach jedoch und argumentierte, dass kein neuer Stern existiere; vielmehr seien lediglich alle Sterne des Kishin Shōgun ungewöhnlich deutlich sichtbar geworden. Nach heutiger Auffassung besteht allerdings Uneinigkeit darüber, ob Morohira wohl stattdessen die Sternengruppe Kikan gemeint haben könnte. In den Quellen wird von Kishin Shōgun so gesprochen, dass er nach heutigem Verständnis nur ein einzelner Stern war. Bemerkenswert ist außerdem die Notiz Kanezanes, dass man erwartete, ein solches Ereignis könne innerhalb weniger Tage wichtige politische Folgen für das Reich ankündigen.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/06/1920px-Imperial_Encyclopaedia_-_Officialdom_-_pic0014_-_騎官二十七星車騎三星騎陣將軍一星圖.svg_.png" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="Diagramm der 27 Sterne der Reiteroffiziere, der 3 Sterne der Wagenreiter und des Generals der Reiterformation. Gujin Tushu Jicheng, Quelle: Chen Menglei Wikimedia" data-rl_caption="" title="Diagramm der 27 Sterne der Reiteroffiziere, der 3 Sterne der Wagenreiter und des Generals der Reiterformation. Gujin Tushu Jicheng, Quelle: Chen Menglei Wikimedia" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/06/1920px-Imperial_Encyclopaedia_-_.png" alt=""/></a><figcaption class="wp-element-caption">Diagramm der 27 Sterne der Reiteroffiziere, der 3 Sterne der Wagenreiter und des Generals der Reiterformation. Bild: Chen Menglei Wikimedia<br></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere japanische Chroniken erlauben einen Einblick in den Umgang des damaligen Kaiserhofes mit dem Ereignis. Das Tagebuch Gonki des Hofbeamten und Kalligrafs Fujiwara no Yukinari (971–1027), das nahezu zeitgleich mit der Supernova entstand, berichtet, dass zwischen Juli und August des Jahres 1006 wiederholt Meldungen über den Gaststern aus verschiedenen Provinzen am Hof verlesen wurden. Andere Werke wie das Hōjōji Sesseiki, das Hyakureishō, das Nihonkiryaku und das Ichidai Yōki ergänzen diese Informationen. Sie berichten unter anderem, dass der Hof &#8222;Wahrsager&#8220; oder Astrologen mit einer Deutung des Himmelszeichens beauftragte, Opfergaben in zahlreichen Schreinen darbringen ließ und ein General sogar um eine Amnestie bat, um auf das außergewöhnliche Ereignis zu reagieren. Das Ichidai Yōki beschreibt den Gaststern außerdem als weiß-blau in seiner Erscheinung.<sup data-fn="f7bb6308-b03f-456f-82e0-18af9313f21b" class="fn"><a href="#f7bb6308-b03f-456f-82e0-18af9313f21b" id="f7bb6308-b03f-456f-82e0-18af9313f21b-link">3</a></sup><sup data-fn="19deeeb4-75b4-48c1-b76e-2ecec6bd5153" class="fn"><a href="#19deeeb4-75b4-48c1-b76e-2ecec6bd5153" id="19deeeb4-75b4-48c1-b76e-2ecec6bd5153-link">4</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute besitzen die japanischen Aufzeichnungen einen wissenschaftlichen Wert, der weit über ihren ursprünglichen Zweck hinausgeht. Wissenschaftler*innen vergleichen die historischen Berichte aus Japan mit chinesischen, arabischen und europäischen Quellen, um den zeitlichen Verlauf der Supernova zu rekonstruieren. Durch die Kombination dieser Zeugnisse lässt sich abschätzen, wann das Licht der Explosion erstmals sichtbar wurde, wie lange sie beobachtet werden konnte und welche Helligkeit sie erreichte. Damit tragen mittelalterliche japanische Chroniken noch immer zur modernen Erforschung von SN 1006 bei. Sie zeigen, wie historische Dokumente und moderne Astronomie zusammenwirken können, um ein Ereignis zu verstehen, das sich vor mehr als tausend Jahren ereignete. Zudem eröffnen sie ein spannendes Fenster in eine längst vergangene Epoche der Astronomie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=20772.msg588981#msg588981" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Astrophilie: Über die Romantik des Weltraums</a></li>
</ul>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="feec3cbd-ceb8-4f11-bc7a-24eb0aee2120">https://www.nasa.gov/universe/supernova-remnant-sn-1006/ <a href="#feec3cbd-ceb8-4f11-bc7a-24eb0aee2120-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="5a79f22b-b3f3-4248-8cd3-45609874552a">https://www.raumfahrer.net/reste-einer-sehr-alten-supernova/ <a href="#5a79f22b-b3f3-4248-8cd3-45609874552a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="f7bb6308-b03f-456f-82e0-18af9313f21b">https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/1965AJ…..70..748G/abstract <a href="#f7bb6308-b03f-456f-82e0-18af9313f21b-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="19deeeb4-75b4-48c1-b76e-2ecec6bd5153">Shigeru, Kanda. 1935. Nihon tenmon shiryō. Tokyo: Koseisha <a href="#19deeeb4-75b4-48c1-b76e-2ecec6bd5153-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/sn-1006-wie-japanische-chroniken-eine-supernova-bewahrten/" data-wpel-link="internal">SN 1006: Wie japanische Chroniken eine Supernova bewahrten</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
