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	<title>Ernst Messerschmid &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Ernst Messerschmid &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>Zum Mond! Eine wissenschaftlich-literarische Reise</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/zum-mond-eine-wissenschaftlich-literarische-reise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Mar 2019 10:31:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Apollo 11]]></category>
		<category><![CDATA[Astronaut]]></category>
		<category><![CDATA[DLR]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Messerschmid]]></category>
		<category><![CDATA[Oberpfaffenhofen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Leopoldina-Gespräch in Zusammenarbeit mit dem Planetarium Halle am Donnerstag, 28. März 2019. Eine Ankündigung der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina &#8211; Nationale Akademie der Wissenschaften. Quelle: Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina &#8211; Nationale Akademie der Wissenschaften. Vor 50 Jahren, im Juli 1969, betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond. Dieser realen [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Leopoldina-Gespräch in Zusammenarbeit mit dem Planetarium Halle am Donnerstag, 28. März 2019. Eine Ankündigung der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina &#8211; Nationale Akademie der Wissenschaften.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Quelle: Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina &#8211; Nationale Akademie der Wissenschaften.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/21032019113150_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/21032019113150_small_1.jpg" alt="NASA" width="260"/></a><figcaption>
Die Erde über dem Mond &#8211; Aufnahme im Rahmen der Apollo-11-Mission 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p>Vor 50 Jahren, im Juli 1969, betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen den Mond. Dieser realen Mondfahrt waren bereits vielfache Fantasiereisen in Märchen und Sagen, in Romanen und Erzählungen vorausgegangen, denn der Mond übte stets eine besondere Anziehungskraft auf den Menschen aus. Anlässlich des 50. Jubiläums der Mondmission der Apollo 11 sprechen der Raumfahrer Ernst Messerschmid und der Essayist Joachim Kalka darüber, was die Wissenschaft und die Literatur dem Mond verdanken. </p>



<p>Ernst Messerschmid studierte in Tübingen und Bonn Physik. Nach seiner Promotion kam er 1978 zur Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Ab 1983 war er dort Wissenschaftsastronaut und flog 1985 mit dem amerikanischen Space-Shuttle „Challenger“ für die D1-Spacelab-Mission eine Woche in den Weltraum. 1986 wurde er zum ordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart berufen. Im Zeitraum 2000 bis 2004 übernahm er die Leitung des Europäischen Astronautenzentrums der ESA. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/21032019113150_big_2.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/21032019113150_small_2.jpg" alt="NASA / NOAA" width="260"/></a><figcaption>
Mond vor der Erde vom US-amerikanischen Forschungssatelliten DSCOVR aus gesehen 
<br>
(Bild: NASA / NOAA)
</figcaption></figure></div>



<p>Joachim Kalka lebt als Autor, Kritiker und Übersetzer in Leipzig. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh ihm 1996 für sein Übersetzungswerk den Johann-Heinrich-Voß-Preis und wählte ihn 1997 zum Mitglied. 2009 nahm ihn die Bayerische Akademie der Schönen Künste auf. Neben seinen Übersetzungen hat er auch zahlreiche Essay-Bände veröffentlicht, darunter 2016 „Der Mond“, im Berenberg Verlag. </p>



<p>Der Abend wird moderiert von Karsten Möbius (MDR Wissen). </p>



<p>Die Veranstaltung am Donnerstag, 28. März 2019 richtet sich an alle Interessierten. Sie beginnt um 18:00 Uhr und dauert bis 19:30 Uhr. Veranstaltungsort ist der Vortragssaal der Leopoldina, Jägerberg 1, 06108 Halle (Saale). </p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vom Alltagsnutzen der Raumfahrt und darüber hinaus</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/vom-alltagsnutzen-der-raumfahrt-und-darueber-hinaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Oct 2013 20:08:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Astronaut]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Messerschmid]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Vorträge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Vom All in den Alltag“ lautete ein Vortrag, den Ex-Astronaut Ernst Messerschmid kürzlich im Bad Homburg hielt. Das ist ziemlich zweideutig. Wäre da nicht der Untertitel „für neues Wissen und Innovationen“, könnte man sich fragen, ob es da nicht auch um sein persönliches Befinden während und nach seinem Weltraumflug geht. So war es natürlich nicht. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">„Vom All in den Alltag“ lautete ein Vortrag, den Ex-Astronaut Ernst Messerschmid kürzlich im Bad Homburg hielt. Das ist ziemlich zweideutig. Wäre da nicht der Untertitel „für neues Wissen und Innovationen“, könnte man sich fragen, ob es da nicht auch um sein persönliches Befinden während und nach seinem Weltraumflug geht. So war es natürlich nicht. Aber die eigentliche Faszination ging dennoch weniger von den vielen Fakten als von den Schilderungen seines persönlichen Erlebens aus.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von Roland Rischer. Quelle: Veranstaltung.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/28102013210814_small_1.jpg" alt="Roland Rischer" width="300" height="188"/><figcaption>
Beschreibung 
<br>
(Bild: Roland Rischer)
</figcaption></figure></div>



<p>„Vom All in den Alltag“ lautete ein Vortrag, den Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Ernst Messerschmid am 21. Oktober 2013 in Bad Homburg vor der Höhe auf Einladung des dortigen Diskussionskreises Taunus. hielt. So ein Diskussionskreis deckt in der Regel eine große Spanne von Themen ab. Deshalb darf dort zwar ein intellektuell anspruchsvolles, aber eben doch kein ausschließliches Fachpublikum erwartet werden. Daran sollte man sich aber nicht stören, denn schließlich geht es darum, den Nutzen der Raumfahrt einem breiteren Publikum plausibel zu machen.  </p>



<p>So ähnlich muss Ernst Messerschmid gedacht haben, als er zusagte. Und er wird sich auch Gedanken gemacht haben, wie man denn ein solches Publikum angemessen erreicht. Sind es die harten Fakten, vielleicht auch unterlegt mit Kosten-/Nutzenanalysen? Ist es die persönliche Faszination, die nur ein Raumfahrer authentisch vermitteln kann? Oder sind es die grundlegenden Einsichten über unser Dasein, die man in 50 Jahren Weltraumfahrt und damit verbundener Erforschung von Erde, Sonnensystem und des übrigen Weltalls gewonnen hat und weiterhin gewinnt?   </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/28102013210814_small_2.jpg" alt="CC BY 2.0 Andreas Schepers" width="260"/><figcaption>
Ernst Messerschmid 2013 vor Space Shuttle-Modell  
<br>
(Bild: CC BY 2.0 Andreas Schepers)
</figcaption></figure></div>



<p>Messerschmid ging alle drei Wege. Dabei darf man sich das nicht in einer strikten Dreiteilung des Vortrags vorstellen. Routiniert schaffte er fließende Übergänge zwischen den Eckpunkten aus Geschichte und Gegenwart der Raumfahrt, von aus dieser Branche ausgehenden Innovationen, persönlichen Anekdoten und fast schon  philosophischen Einsichten. Das führte dazu, dass das Publikum seinen Ausführungen durchweg gespannt und da, wo gewollt und angemessen, amüsiert folgte. Dieses nahm beispielsweise seinen Hinweis auf die von ihm im Rahmen der Astronautenausbildung geflogenen Militärjets ebenso höflich zur Kenntnis wie seine Erklärungen zu den Vorteilen der Herstellung von Metalllegierungen unter den Bedingungen des freien Falls, vulgo Schwerlosigkeit. Es folgte aber sichtlich gespannter seinen Ausführungen etwa zum unvergleichlichen Schlafkomfort im All und der nur hier erlebbaren natürlichen Körperhaltung. Jeder konnte nachvollziehen, wenn er von „schwäbischen Landjägern“ sprach, die er als Ergänzung zur faden Astronautennahrung mit in den Weltraum brachte. Sie erwiesen sich 1985 bei seinem einwöchigen Flug im Rahmen deutschen Spacelab-Mission D1 an Bord der Raumfähre Challenger STS-61A als harte, weil begehrte Tauschwährung, in seinem Fall gegen Filmrollen. Spürbares Staunen im Publikum rief nicht zuletzt eine Aufnahme hervor, die mit dem Saturn im Vordergrund die Erde als winzigen Lichtpunkt im Hintergrund zeigte. Mehr oder weniger ein Nichts im Weltraum, so Messerschmid.  </p>



<p>Die Raumfahrt hat seit den 1960-iger Jahren entscheidende Fortschritte auf dem Gebiet der Materialforschung, Miniaturisierung der Elektronik, der Systemtechnik und der Zuverlässigkeit und Sicherheit gebracht, letzteres wegen der prinzipiellen Anforderungen an ein Raumfahrzeug. Leicht und Dauerhaft beziehungsweise auch über lange Zeiträume wartungsfrei sind laut Messerschmid die entscheidenden Kriterien für den Einsatz im Weltall. Bei Metalllegierungen und in der Kristallzüchtung konnten neue Qualitäten erzielt werden. In der Werkstoffwissenschaft konnten so Werkstoffe und Produktionsverfahren auf der Erde optimiert werden. Bauteile wie Turbinenschaufeln wurden damit temperaturresistenter oder langlebiger. Hochleistungsbremsen gehen auf Grundlagenforschungen im All zurück. Bei ICE-Züge sparen sie über sechs Tonnen an Gewicht und sind erheblich wartungsärmer, weil bis 300.000 Kilometer wartungsfrei. Feuerwehranzüge mit Schutzwirkung von -60 Grad Celsius bis 600 Grad Celsius für eine Stunde gehen ebenso auf raumfahrtinduzierte Innovationen zurück wie Sensoren für eine sekundenschnelle Atemgasanalyse. </p>



<p>Breiten Raum nahmen bei Messerschmid die im Weltraum gewonnenen Erkenntnisse über den menschlichen Körper ein. Stichworte waren Raumkrankheit, Lungenventilation oder Herz-Kreislaufsystem. Viele physiologische Erscheinungen im Weltraum hätten etwas mit Alterung zu tun. Zudem liefen diese Effekte dort beschleunigt ab. Die Effekte könnten kontrolliert eingeleitet werden und seien teilweise auch reversibel, wenn der Astronaut wieder auf der Erde ankomme. Große Fortschritte hätte man daher in der Osteoporose-Forschung gemacht. Bei Weltraumfahrern sei der Vorgang um den Faktor 10 bis 20 schneller als auf der Erde bei älteren Frauen. Bei Langzeitflügen verliere der Mensch je ein Prozent an Muskel- und Knochenmasse pro Monat. Frauen seien zu 80 Prozent stärker betroffen als Männer. Funktionsnahrung, Hormone und Training hätten, so Messerschmid, gegen Knochenschwund wenig geholfen. Am besten helfe eine Vibrationsplattform, heute Übungsgerät in jedem besseren Sportstudio.  </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/28102013210814_small_3.jpg" alt="NASA/ESA/DLR" width="260"/><figcaption>
28 Jahre zurück &#8211; Ernst Messerschmid 1985 im Spacelab  
<br>
(Bild: NASA/ESA/DLR)
</figcaption></figure></div>



<p>In der Raumfahrt gibt es verschiedene Nutzergruppen. Da sind zum einen die kommerziellen Nutzer, also Dienstleister beispielsweise für Erdbeobachtung, Satellitenkommunikation oder Satellitennavigation. Hier wird privates Geld investiert. Ein kommerzieller Rundfunk/Fernseh-Satellit von 5 Tonnen und 20 Kilowatt Leistungsaufnahme kostet, so Messerschmid, rund 100 bis 150 Mio. EUR. Das sei etwa ein Zehntel dessen, was man mit ihm verdienen könne. Selbst komplexe Systeme wie die Satellitennavigation könnten ihr Geld verdienen. Weltraum-Tourismus wird sich nach seiner Meinung nicht durchsetzen, weil zu teuer, zu riskant und zu umweltbelastend und von daher generell zu kontingentieren. Der kommerziellen Seite gegenüber stehe die rein wissenschaftliche Weltraumforschung mit Hilfe öffentlicher Gelder. Daneben gebe es noch Aktivitäten, die originäre Staatsaufgabe seien, wie etwa Meteorologie oder militärisch-strategische Aufklärung.  </p>



<p>Man konnte Messerschmid anmerken, dass er vom europäischen Beitrag zur Weltraumfahrt einigermaßen enttäuscht ist. In Deutschland würden auf jeden Bürger etwa 28 EUR pro Jahr für die Raumfahrt entfallen. In den USA seien es ca. 150 EUR pro Jahr. Der europäische Anteil an der ISS sei mit 8% relativ gering. Insgesamt belaufe sich der Weltmarkt für Raumfahrt laut Messerschmid auf 200 Mrd. EUR p.a. Davon seien zwei Drittel privates Geld. Weltweit würden etwa 250.000 Menschen in der Weltraumindustrie beschäftigt, davon 30.000 in Europa und darunter rund 7.000 in Deutschland. Die Raumfahrt in Deutschland mache nur etwa 0,4 Prozent des produzierenden Gewerbes aus. Das Mondlande-Programm der USA sei zwar politisch begründet worden, es sei aber letztendlich ein gigantisches Innovations- und Konjunkturprogramm gewesen, von dem die US-Amerikaner noch heute profitieren würden. Innerhalb von drei Jahren sei damals das Forschungs- und Entwicklungsbudget in den USA von anderthalb auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes verdoppelt worden. In Europa betrage es noch heute etwas unter zwei Prozent, in Deutschland komme es gerade an drei Prozent heran.  </p>



<p>Messerschmid schloss mit den seiner Ansicht nach drei wesentlichen Gründen für die Weltraumfahrt: Erforschen – Verstehen – Vereinen. Erforschen heißt für ihn, die Grenzen menschlicher Erfahrung auszuweiten und zu inspirieren. Danach komme das Verstehen – Raumfahrt versuche Antworten darauf zu geben, woher wir kommen und wohin wir gehen, was die Erde und das Leben auf ihr konkret bedroht und wie wir uns dagegen schützen können. Und schließlich das Vereinen &#8211; Raumfahrt biete Ansätze für globale Unternehmungen ohne nationale Grenzen. Überhaupt sei der größte Nutzen der Raumfahrt die Wahrnehmung der Vielfalt auf der Erde und ihre Einordnung als eine kleine Insel, die es in einer lebensfeindlichen Umgebung zu erhalten gelte. Wer wollte da sagen: „Brauchen wir nicht!“ Nach diesem Abend keiner.  </p>
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		<item>
		<title>27. Tage der Raumfahrt Neubrandenburg 2011</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/27-tage-der-raumfahrt-neubrandenburg-2011/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kirsten Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 11:18:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Messerschmid]]></category>
		<category><![CDATA[Neubrandenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Tage der Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[TdR]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im ersten Novemberwochenende 2011 fanden in Neubrandenburg wieder die Tage der Raumfahrt statt. Organisiert wurden sie wie immer von der Initiative 2000 plus, welche auch die Raumfahrtzeitschrift Raumfahrt Concret herausgibt. Ein Beitrag von Kirsten Müller. Stargäste in diesem Jahr waren der deutsche Wissenschaftsastronaut Prof. Dr. Ernst Messerschmid (STS-61A / Spacelab D1), der polnische Kosmonaut Mirosław [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Im ersten Novemberwochenende 2011 fanden in Neubrandenburg wieder die Tage der Raumfahrt statt. Organisiert wurden sie wie immer von der Initiative 2000 plus, welche auch die Raumfahrtzeitschrift Raumfahrt Concret herausgibt.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von Kirsten Müller.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/RNNBR2011EdBuckbeeb1000.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/RNNBR2011EdBuckbeeb260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Den Leitvortrag hielt Ed Buckbee, Öffentlichkeitsreferent des Marshall Space Flight Center. (Bild: Kirsten Müller)</figcaption></figure></div>



<p>Stargäste in diesem Jahr waren der deutsche Wissenschaftsastronaut Prof. Dr. Ernst Messerschmid (STS-61A / Spacelab D1), der polnische Kosmonaut Mirosław Hermaszewski (Sojus 30 / Salut 6) sowie Ed Buckbee, Presse- und Öffentlichkeitsreferent für Wernher von Braun im Marshall Space Flight Center in Huntsville / Alabama. Die Veranstaltung hatte dieses Jahr von der Teilnehmerzahl her eher einen lauschigen Charakter, dafür war die Qualität des Programmes von der Professionalität, die man von dieser Veranstaltung gewohnt ist.</p>



<p>Am Freitag abend fand das Essen, wie jedes Jahr, in der Hafenkneipe statt, allerdings entsprechend der Teilnehmerzahl in einem kleineren Raum als sonst. Danach war Autogrammstunde mit Hermaszewski und Buckbee. Prof. Messerschmid war noch nicht dabei, er reiste erst am Samstag Vormittag an. Untergebracht waren die Teilnehmer im Radisson Blue-Hotel in der Neubrandenburger Innenstadt. Zur Hauptveranstaltung am Samstag, in der Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums, und auch zum Mittagessen, hatten die Organisatoren einen Busfahrdienst geregelt.</p>



<p>Die Hauptveranstaltung im Gymnasium begann mit einer hervorragenden Darbietung des Schulchors. Den Leitvortrag hielt Ed Buckbee, der einen Einblick hinter die Kulissen der bemannten US-Raumfahrt zu Zeiten Wernher von Brauns gab. So erzählte er, der Sputnik-Start sei für die Amerikaner ein so großer Schock gewesen, weil sie die Russen eher für Bauern hielten, die von Technik keine Ahnung haben. Der Vortrag war gespickt von Anekdoten aus den Mercury-, Gemini- und Apollo-Tagen sowie über die ersten amerikanischen Astronauten. Unter anderem ging es um deren Meinung zum Thema Schimpansen, sowie ihren Frust, in der Entwicklung der Mercury-Kapseln kaum mitreden zu können. Im Gemini-Programm hatten sie viel mehr Mitspracherecht. Auch wurden einige eher unbekannte Filmausschnitte gezeigt und Anekdoten aus dem Apollo-Programm erzählt, wie zum Beispiel, dass das offizielle Raumfahrergetränk “Tang” bei den Astronauten starke Blähungen verursachte und sich zwei Apollo-Astronauten darüber bei offenen Mikrofonen, für die Bodenstation deutlich hörbar, beschwert haben. Der Start vom Mond zurück auf die Erde wurde von den Amerikanern als so gefährlich gesehen, dass der US-Präsident drei verschiedene Presseerklärungen hatte vorbereiten lassen: eine für den Fall, dass alle Astronauten heil zurückkehren, eine für den Fall, das einer zurückkehrt und zwei auf dem Mond verbleiben und eine für den Fall, dass alle drei nicht zurückkehren.</p>



<p>Prof. Dr. Ernst Messerschmid, Wissenschaftsastronaut auf der ersten deutschen Spacelab-Mission im Herbst 1985, erzählte &#8211; nach einer kurzen Einleitung über die Geschichte der Raumfahrt von Gagarin über Apollo bis zum Space Shuttle / ISS &#8211; von seinen eigenen Erfahrungen an Bord der Challenger. Wenn man ganz genau sein will, sei er nach Sigmund Jähn und Ulf Merbold der dritte Deutsche im Weltraum gewesen, da er beim Einschwenken des Shuttle in die Erdumlaufbahn gerade 2,5 m höher saß als sein mittlerweile verstorbener Kollege Reinhard Furrer. Er sehe das aber nicht so genau und sagt, sie seien beide gleichzeitig oben gewesen.</p>



<p>Hauptsächlich ging Messerschmid in seinem Vortrag auf die Nutzungsmöglichkeiten der Schwerelosigkeit für die Wissenschaft ein. So kann man im Weltraum organische Kristalle wie z.B. Enzyme und andere Proteine züchten, die tausend Mal größer sind als auf der Erde. Auch ging er auf das Phänomen “Fluid Shift” ein: bei Schwerelosigkeit verschiebt sich im menschlichen Körper die Flüssigkeit von den Beinen in die oberen Körperregionen. Außerdem findet bei längeren Weltraumaufenthalten ein Verlust an Knochensubstanz statt. Mithilfe der Raumforschung lassen sich auch gesundheitliche Phänomene, die mit Alterung einhergehen, näher erforschen. Darüber hinaus ging Messerschmid auch auf die heutigen europäischen Beiträge zur Raumfahrt ein: Columbus und ATV beim ISS-Programm, sowie Astronauten und Wissenschaftler. Insgesamt werden 30% des Raumfahrtbudgets in wissenschaftliche Forschung investiert.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/RNGaesteNBR2011b1000.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/RNGaesteNBR2011b260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Ed Buckbee, Prof. Dr. Ernst Messerschmid und Dr. Miroslaw Hermaszewski. (Bild: Kirsten Müller)</figcaption></figure></div>



<p>Nach der Mittagspause und der traditionellen Fotosession und Autogrammstunde mit den prominenten Gästen richtete Synthie-Pop-Musiker Peter Schilling ein kurzes Grußwort an die Gäste und zeigte einen kleinen Film. In den 80er Jahren hatte er mit dem raumfahrtbezogenen Song “Major Tom” einen großen Hit gelandet. Am Samstagabend sollte er in der ausverkauften Konzertkirche in Neubrandenburg ein Konzert geben.</p>



<p>Den nächsten größeren Vortrag hielt Volker Schmid vom DLR in Köln zum Thema ATV. Er erwähnte, dass das ATV Nutzlasten auf die ISS transportiert als Gegenleistung dafür, dass ESA-Astronauten zusammen mit den Russen und den Amerikanern auf der ISS arbeiten dürften. Das ATV ist vollautomatisch ausgelegt und kann nicht von Hand gesteuert werden. Auf einer ILA in Berlin hatte Astrium ein Modell einer bemannten ATV-Version ausgestellt. Es gibt tatsächlich mehrere Modelle: eine Rückführkapsel mit 1 Tonne Nutzlast und eine Kapsel, die zwei bis drei Personen transportieren kann. Es hätte sich aber politisch und hinsichtlich Kooperationen als problematisch herausstellen können, diese Projekte in die Tat umzusetzen.</p>



<p>Der polnische Interkosmos-Kosmonaut Miroslaw Hermaszewski hielt danach einen detailreichen Vortrag über die Flüge der russischen Weltraumhunde Laika, Bjelka und Strelka sowie den Flug Juri Gagarins. Ausführlich ging er dabei auf die Konfigurationen der russischen Kapseln ein. Selbst war Hermaszewski der 89. Mensch im Weltraum.</p>



<p>Den Vorträgen folgte eine Podiumsdiskussion, moderiert von Gerhard Kowalski, in der die Referenten Fragen aus dem Publikum und aus der Diskussionsrunde beantworten konnten. Dabei kamen die verschiedenen Themen der Vorträge noch einmal zur Sprache. Dass das Konzert am Samstagabend von Peter Schilling in Neubrandenburg zeitgleich zu den Tagen der Raumfahrt stattfand, war eigentlich Zufall. Als Teilnehmer der Raumfahrttage konnte man dieses Konzert mit ermäßigtem Eintritt besuchen. Meiner Ansicht nach hat sich dieser Besuch gelohnt. Netterweise gab es nach dem Konzert im Hotel auch noch etwas zu essen für die Konzertbesucher.</p>



<p>Am Sonntagvormittag fanden ebenfalls einige interessante Vorträge statt. Walter Päffgen beschrieb das europäische satellitengestützte Navigationssystem Galileo, das für Europa der Einstieg in den Markt der globalen Satellitennavigation bedeutet. Vom Bodenkontrollzentrum Oberpfaffenhofen aus werden rund um die Uhr bis 2014 achtzehn Satelliten betrieben werden. Dies geschieht im Auftrag der EU und der ESA über das Gemeinschaftsunternehmen Space Opal GmbH. Genutzt wird es für die Navigation beim Luft-, See-, Schienen- und Straßenverkehr; außerdem in der Energiewirtschaft, der Landwirtschaft, von Banken, Rettungsdiensten und der Polizei, im Krisenmanagement und in der Erholung.</p>



<p>Ulrich Köhler vom Institut für Planetenforschung der DLR in Berlin-Adlershof hat zu den Neubrandenburger Raumfahrttagen schon häufiger beigetragen. Diesmal berichtete er von der Mission der Raumsonde Dawn zum Asteroiden 4 Vesta, sowie von anderen Raumsondenmissionen. Nachdem die Mission Dawn vom Asteroiden 4 Vesta genügend Aufnahmen gemacht hat, wird sie weiterfliegen zum Asteroiden Ceres. Die Asteroiden werden alle nach den Vestalinnen, Priesterinnen aus der altgriechischen Mythologie, benannt. Momentan sind in Adlershof Praktikanten dabei, die altgriechische Literatur nach Namen der Vestalinnen zu durchsuchen.</p>



<p>Ein regelmäßiger Besucher der Neubrandenburger Raumfahrttage ist der 16-jährige Berliner Schüler Sebastian Hadjadj, der später auch beruflich im Feld der Raumfahrt tätig sein möchte. Er hielt einen interessanten, gut recherchierten und verständlichen Vortrag über die verschiedenen Arten von Raketenantrieben. Hierbei erläuterte er die Vor- und Nachteile der verschiedenen Antriebsarten.</p>



<p>Letzter Vortragender der Veranstaltung war Alexander Soucek. Er ist ESA-Angestellter bei ESRIN in Rom und privat dem österreichischen Weltraumforum verbunden, das öffentliche Live-Übertragungen von Raumfahrtereignissen, wie der Cassini-Landung und auch Parabelflüge für Schüler veranstaltet. Seinen Vortrag hielt er in seiner Eigenschaft als Privatperson. Mit dem Thema „Krankenakte Bemannte Raumfahrt“ beschrieb er Visionäre der Raumfahrt und was von deren Voraussagen tatsächlich erreicht worden ist. So sagte Hermann Oberth in seinem Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ von 1923 voraus, es sei (frei zitiert) „nach dem heutigen Stand der Technik möglich, Maschinen zu bauen, die höher als die Erdatmosphäre fliegen können; bei weiterer Vervollkommnung könnten diese auch die Geschwindigkeiten erreichen, die nötig sind, dass sie nicht auf die Erde zurückfallen und sogar den Anziehungsbereich der Erde verlassen können. Diese Maschinen können so gebaut werden, dass Menschen wahrscheinlich ohne gesundheitlichen Nachteil mit emporfahren können, unter gewissen wirtschaftlichen Bedingungen könne sich der Bau solcher Maschinen lohnen – diese Bedingungen könnten in einigen Jahrzehnten eintreten“. Fast 40 Jahre später ist davon alles wahr geworden. Als Nächster wurde Jesco von Puttkamer genannt, der 1970 voraussagte, es sei möglich, in naher Zukunft Raumstationen, Reisen zu anderen Planeten und eine Station auf dem Mars zu haben. Jetzt – 2011 – hat nichts davon geklappt.</p>



<p>Als Gründe dafür wird die Raumfahrtbegeisterung in der Öffentlichkeit früher bei den Apollo-Missionen und bei Shuttle-Starts genannt. Im Vergleich dazu möchte man heute lieber Fotos von der Erde aus dem Weltraum sehen. Auch findet er, dass der häufig gemachte Vergleich von Gagarin mit Christoph Columbus hinkt, da Columbus mit seinem eigenen Geld ins wirklich Unbekannte vorgestoßen ist, während Gagarin seinen Vorstoß ins Unbekannte unter Überwachung durch viele Techniker und mit vielen Elektroden am Körper machte.</p>



<p>Bemannte Raumfahrt ist so komplex, weil der Mensch im Weltraum nicht überleben kann ohne viel Technik, deshalb tun sich politische Entscheidungsträger mit der Entscheidung über die Raumfahrt schwer. Kennedy brauchte nach dem Debakel in der Schweinebucht und dem Flug Gagarins ein Programm, um sein politisches Image wieder aufzupolieren. Seine PR-Berater rieten ihm zur bemannten Mondlandung. So kam es zum Apollo-Programm mit dem Ziel, noch vor 1970 einen Menschen auf den Mond und wieder zurück zur Erde zu bringen. Als er mitten im Programm ermordet wurde, führte man es weiter als sein Vermächtnis.</p>



<p>Auch sammelte Soucek bei einem Experiment mit dem Publikum Geld ein: „angenommen, Sie sind politischer Entscheidungsträger und möchten mir helfen, eine kleine Apollo-Kapsel für 150 Euro zu finanzieren?“ Nachdem von den 47 Anwesenden 140 Euro zusammengekommen waren, konfrontierte er die Zuhörer mit einem Bild aus der Kinderkrebsstation und der Frage: „Wofür soll man dieses Geld jetzt einsetzen?“ Betretenes Schweigen folgte. Schließlich gab er an, dass das Weltraumforum für dieses Geld Weltraumspielzeug für eine Kinderkrebsstation stiften würde.</p>



<p>Am Rande bot die Veranstaltung auch Verkaufsstände, an denen man sich Raumfahrtartikel kaufen konnte. Was mir aber am besten zugesagt hat, war die Tatsache, dass auch prominente Gäste ziemlich direkt zugänglich waren, sei es bei den Veranstaltungspausen oder auch abends im Hotel nach dem Essen, an der Bar oder beim Frühstück. Themenbereiche im kommenden Jahr 2012 werden die bemannte Raumfahrt der 80er Jahre, Erdbeobachtung, Zukunftsprojekte und die Nachwuchsförderung sein. Teilnehmen lohnt sich auf jeden Fall!</p>
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		<title>Der letzte Start der Atlantis im europäischen Astronautenzentrum</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/der-letzte-start-der-atlantis-im-europaeischen-astronautenzentrum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2011 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Atlantis]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Messerschmid]]></category>
		<category><![CDATA[Paolo Nespoli]]></category>
		<category><![CDATA[STS-135]]></category>
		<category><![CDATA[Ulf Merbold]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 8. Juli 2011 hob die US-Raumfähre Atlantis zum letzten Flug des Space-Shuttle-Programms ab. Raumfahrer.net begleitete den Start vom europäischen Astronautenzentrum in Köln aus. Zum Ende des US-Amerikanischen Shuttle-Programms veranstaltete die europäische Raumfahrtagentur ESA in Köln ein Presseevent mit verschiedenen Astronauten der europäischen Raumfahrt. Im Mittelpunkt stand der letzte Shuttle-Start mit dem Orbiter Atlantis, der [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Am 8. Juli 2011 hob die US-Raumfähre Atlantis zum letzten Flug des Space-Shuttle-Programms ab. Raumfahrer.net begleitete den Start vom europäischen Astronautenzentrum in Köln aus.</h4>



<p>Zum Ende des US-Amerikanischen Shuttle-Programms veranstaltete die europäische Raumfahrtagentur ESA in Köln ein Presseevent mit verschiedenen Astronauten der europäischen Raumfahrt. Im Mittelpunkt stand der letzte Shuttle-Start mit dem Orbiter Atlantis, der letzten Mission STS-135.</p>



<p>Die Veranstaltung wurde von Dr. Martin Zell eröffnet, dem ESA-Bereichsleiter für Astronauten und ISS-Nutzung, der die versammelten Medienvertreter begrüßte. Er berichtete über die jüngsten Erfolge der bemannten Raumfahrt in Europa, wie beispielsweise die Missionen von Paolo Nespoli, der im Mai dieses Jahres zur Erde zurückgekehrt war, oder die von Roberto Vittori, der auf dem letzten Flug der Endeavour als Missionsspezialist dabei war. Danach sprach er vom Ende des Shuttle- Programms. So war STS-135 definitiv der letzte Flug, ein Grund mehr, ein derartiges Event zu veranstalten.</p>



<p>Nach der Begrüßung der anwesenden Astronauten Dr. Ulf Merbold, Prof. Dr. Ernst Messerschmid, Dr. André Kuipers, Frank de Winne, Dr. Alexander Gerst sowie Paolo Nespoli übergab er letzterem das Wort, welcher von seinem eigenen Flug zur Internationalen Raumstation ISS berichtete. Beispielsweise erzählte er von emotionalen Momenten, zu denen beispielsweise das Öffnen von Luken zu Besuchsbesatzungen gehört. Jedoch blieb ihm für diese Erzählungen nicht viel Zeit, da die Atlantis in den Startlöchern stand.</p>



<p>Nespoli erwies sich als ausgezeichneter Startkommentator und erklärte in den letzten Minuten vor dem Start hervorragend wie dieser denn funktioniere. Kleinere Probleme während des Startverlaufs wurden von den anwesenden Fachleuten verständlich erklärt. Als die US-Raumfähre dann zu ihrem letzten Flug aufbrach, war die Stimmung im Astronautenzentrum wie bei einem Fußballspiel, nach der erfolgten Tankabtrennung gab es tobenden Applaus.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/04/paolo_nespoli_starterklaerung_big.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="240" height="155" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/paolo_nespoli_starterklaerung.jpg" alt="" class="wp-image-78871"/></a><figcaption>Paolo Nespoli erklärt den Start<br>(Bild: Raumfahrer.net)</figcaption></figure></div>



<p>Im Anschluss an den erfolgten Start war Gelegenheit für Fernsehteams und Reportern zu Gesprächen und Einzelinterviews mit den Astronauten. Auch Raumfahrer.net führte mit den Astronauten sehr interessante, detailreiche Gespräche.</p>



<p><strong>Paolo Nespoli berichtet von seiner ISS-Mission</strong></p>



<p>Paolo Nespoli ist im Mai 2011 von seiner 5-monatigen Mission mit dem Namen MagISStra zurückgekehrt. Die Erfahrungen seines Fluges und mehr schilderte er wie folgt:</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Sie haben die Internationale Raumstation ISS von der Sojus aus fotografiert. Konnten Sie die atemberaubende Aussicht genießen oder waren Sie zu sehr darauf konzentriert, Fotos und Videos anzufertigen?</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Dort hinaufzugehen und zu fotografieren war nicht so einfach, es war nicht so, als ob man da reingehen würde und Fotos machen könnte. Wir mussten mehrere Dinge tun, damit dies möglich war. Es war zum einen aus technischer Sicht kompliziert, zum anderen gab es auch Sicherheitsprobleme. Wir waren alle besorgt, ob ich das tun könnte, ohne das Raumschiff irgendwie zu beschädigen. Als ich dann endlich hinauf gehen und mich auf die Fotos konzentrieren konnte, schaute ich kurz auf die Station und es war wirklich überwältigend und atemberaubend. Ich entschied mich dann, nicht mehr als ein paar Sekunden zu schauen, weil ich ansonsten die Aufgabe Fotos zu machen gestört hätte, welche sehr schwierig war. Es war nicht einfach ein Foto machen, denn wir mussten die Aufnahmen mit verschiedenen Methoden anfertigen. Außerdem bewegte sich die Station und ich musste außerdem Videos aufnehmen. Ich musste deswegen abwechselnd fotografieren und filmen, es gab also eine Menge zu tun. Dabei halfen mir meine Kollegen und der Bodenkontrolle, die mit mir sprachen. Es war sehr interessant. Als sich das Ganze dem Ende zuneigte, kam der Sonnenuntergang, so dass die Station quasi aus dem Blickfeld verschwand. Wenn ich aber durch die Kamera schaute, konnte ich die Station immer noch sehen. Das war erstaunlich, weil es wie ein Zaubertrick aussah. Wenn ich mich bewegte, sah ich abwechselnd die Station und dann wieder nicht.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Als sie dann wieder in das Rückkehrmodul zurückkehren mussten, wie haben Sie sich da gefühlt?</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Wir waren unter Zeitdruck, weil wir die Wiedereintrittsprozedur wieder aufnehmen mussten. Dies musste zu einem exakten Zeitpunkt geschehen. Wir hatten auch das Problem, dass wir einige Drucksiegel, die wir eigentlich schon geprüft hatten, wieder gebrochen hatten, so dass wir alles erneut machen mussten, um wieder dahin zu kommen, wo wir vorher waren. Im Normalfall macht man diese Prozedur, während man noch mit der Station verbunden ist, so dass man im Falle eines Fehlers wieder zurückgehen könnte. Da wir jetzt aber schon abgekoppelt hatten, dachten wir ein bisschen, was würde passieren, wenn die Tests fehlschlagen würden. Wir gingen also schnell in das Rückkehrmodul zurück, schlossen alle Luken, legten die Handschuhe wieder an und führten alle Dichtigkeitstests erneut durch. Es war also sehr hektisch, während wir prüften, ob alles in Ordnung war. Danach hatten wir anderthalb oder zwei Stunden Zeit. Wir saßen dann da in der Sojus, reflektierten unsere 6-monatige Zeit im All und dachten darüber nach, was kommt, also der Wiedereintritt, welcher ein sehr rasanter Moment ist.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Während ihrer Mission gab es eine Menge Transportraumschiffe, die ankommen, so dass es eine Menge Inventarverwaltung, wofür Sie zuständig waren. Dabei gab es auch Probleme, Dinge zu finden. War es schwierig, dabei den Überblick zu behalten?</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Während der Mission kamen nahezu alle vorhanden Fahrzeuge an, so dass es eine Menge Nachschub und Material gab. Zur gleichen Zeit mussten aber auch viele Dinge entsorgt werden. Dies zu bewerkstelligen, war eine große Herausforderung. Sie müssen sich das so vorstellen, dass jeden Monat ein großer LKW in ihre Garage fährt. Diesen LKW müssen sie entladen und alles so einsortieren, dass Sie es wiederfinden. Dies ist eine der schwierigsten Aufgaben auf der Raumstation. Wir haben einige Probleme damit und es gibt immer noch Sachen, die wir nicht finden können. Gerade heute Morgen habe ich eine E-Mail von Mike Fossum aus dem All bekommen, ob ich mich erinnere wo der eine Gegenstand wäre. Ich habe ihm geantwortet und dann hat er es gefunden.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Was war das genau?</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Vor zwei Tagen haben sie nach einem Kabel für eine Kamera gesucht, heute war es ein Computer. Das sind kleine Dinge, aber es ist wirklich eine Herausforderung, das zu verstehen und einen Weg zu finden, so zusammenarbeiten. Und aus diesem Grund haben wir Raumstation, so dass wir die Dinge besser gestalten können. Ich würde sagen, dass ich am Ende überrascht war, weil Dinge verloren gingen und wir sie nicht wiederfinden konnten. Aber im Wesentlichen ist das eine unbedeutende Sache. Wir können weiterhin jeden Tag zehn, zwölf oder vierzehn Stunden mit der Ausrüstung arbeiten, die wir brauchen.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Bei der letzten Sojus-Mission, die die Station erreichte, konnten sie ihre Schuhe nicht finden, wodurch sie ihre Trainingsaufgaben nicht durchführen konnten.</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Ja, das passiert. Ich würde aber nicht sagen, dass das die Normalität ist, aber wenn man viele tausende Dinge transportiert und manche von diesen in anderen Nationen hergestellt werden, dann müssen sie nach Russland geliefert werden und dort nach Moskau gebracht werden. Von da aus werden sie nach Baikonur in Kasachstan gebracht und dort ins Raumschiff verladen. Bei so einem komplexen Prozess kann das schonmal passieren. Mittlerweile haben sie die Schuhe übrigens gefunden. Was sie nicht herausfinden konnten war, wo sie waren. Aber manchmal ist das einfach so. Ich habe auch manchmal einfach etwas in Node 2 abgelegt und dann weitergearbeitet. Hinterher wusste ich nicht mehr genau, wo ich es hingelegt hatte. Ein anderes Problem ist, dass wir jetzt in drei Dimensionen arbeiten, so dass wir nicht mehr nur links, rechts, vorne und hinten haben, sondern auch oben und unten. Auch ist es so, dass man manchmal etwas in einen Schrank packen möchte, dort aber schon eine Menge drin ist. Dann funktioniert das nicht und man muss erst Gegenstände herausräumen und hinterher alles wieder einräumen. Wenn man dann weiterarbeiten will, sieht man plötzlich, dass noch etwas herumschwebt und dann stopft man es schnell dazu. Und dann ist da nochwas und so weiter. Das passiert relativ häufig. Manchmal ist es auch so, dass man etwas fertigstellt und zwei Stunden später vorbeikommt und sieht, wie etwas herumschwebt und es so aussieht, als ob es dazu gehören würde. Die Schwerelosigkeit spielt eine Menge Tricks und es hilft beim Verstauen nicht wirklich.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Vor einiger Zeit mussten die Stationslaptops neu konfiguriert werden. Dabei schwebten im Destiny-Modul eine Menge Kabel umher. Kann man dabei den Überblick behalten?</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Das mit den Kabeln ist ein Problem, dass wir auf dem Boden nicht haben, dort oben haben sie ihr „eigenes Leben“. Wenn ich hier ein Kabel auf den Boden lege, dann bleibt das da liegen. Auf der Station würde es nicht da bleiben. Außerdem haben wir eine Kraft, so dass es lustig ist, dass wenn man ein Kabel mit einem Computer verbindet und dieses Kabel dann den Computer wegzieht. Alle diese Dinge spielen Tricks, die man alle lernen muss. Die Dinge zu befestigen oder irgendetwas zu tun, dauert viel länger als auf der Erde. Das interessante ist, dass wir hochfliegen, uns an die Umgebung anpassen und mit neuen Lösungen zurückkehren.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Wie lange braucht man, um sich an die Schwerelosigkeit zu gewöhnen?</p>



<p><strong>Nespoli:</strong>&nbsp;Um sich an die Umgebung anzupassen, benötigt man nur ein paar Tage, zwei oder drei. Aber bis man sich wirklich zuhause fühlt, wenn man etwas isst oder trinkt, wenn man auf die Toilette geht oder wenn man schläft oder arbeitetet braucht man einen oder anderthalb Monate.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Vielen Dank!</p>



<p><strong>Frank de Winne als ISS-Kommandant</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/04/paolo_nespoli_interview_big.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="240" height="180" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/paolo_nespoli_interview.jpg" alt="" class="wp-image-78872"/></a><figcaption>Nespoli im Interview<br>(Bild: Raumfahrer.net)</figcaption></figure></div>



<p>Schon länger wieder auf der Erde ist Frank de Winne. Der 50-jährige Belgier war im Dezember 2009 von seiner ISS-Mission zurückgekehrt. Dort war er als Kommandant der Expedition 21 im Einsatz. Wie das Leben als ISS-Commander so ist, berichtete er mit folgenden Worten:</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Herzlichen Glückwunsch zu ihrem erfolgreichen Flug als erster europäischer ISS-Kommandanten. Dazu eine Frage: Wie unterscheiden sich die Aufgaben eines Kommandanten von denen der Flugingenieure?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Die tägliche Arbeit eines Kommandanten ist genau genommen vergleichbar zu der eines Flugingenieurs. Die Rolle des Kommandanten zeigt sich im Notfall, also wenn etwas schiefläuft. Dann kann er die Entscheidungen treffen. Im Normalfall entscheidet die Bodenkontrolle, wie die Arbeit an Bord organisiert wird. Aber wenn ein Notfall eintritt, geht diese Autorität automatisch auf den Kommandanten über und dann trägt dieser wirklich die Verantwortung. Außerdem ist der Kommandant dafür zuständig, dass das Klima an Bord der Raumstation, also der Weg wie Menschen untereinander und mit der Bodenkontrolle zusammen arbeiten, optimal ist, so dass jeder sein Bestes geben kann. Man ist also auch ein bisschen Trainer und Psychologe.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Können Sie ein Beispiel dafür geben, in welchen Situationen der Kommandant Entscheidungen treffen muss?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Ja, in drei verschiedenen Notfällen hat der Kommandant zu entscheiden. Feuer, Druckverlust, also wenn ein Leck in der Station ist und die Atmosphäre ausströmt und wenn die Atmosphäre innerhalb der ISS giftig wird. In diesen Fällen gibt es einen Alarm und der Kommandant erhält die Entscheidungsmacht.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Sie waren einer der ersten Astronauten, der Mitglied einer Sechs-Personen-Crew auf der ISS war. Inwiefern unterscheidet sich das zu einer Drei-Personen-Crew?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Ich denke, dass die Sechs-Personen-Crew sehr gut war und dass sich so sehr gut arbeiten ließ. Denn mit sechs Personen gibt es mehr Zusammenarbeit zwischen den Crewmitgliedern, sie ist unterschiedlicher, weil es immer fünf andere gibt, mit denen sich arbeiten lässt. Es gibt immer einen, der gerade nichts zu tun hat oder mit dem man reden kann. Für uns ließ es sich sehr gut arbeiten. Am Anfang dachten wir, dass es ein Problem mit den limitierten Kommunikationsmöglichkeiten zum Boden und mit den Ressourcen geben könnte, aber am Ende war es sehr gut.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Als ein europäischer Astronaut waren Sie sozusagen zwischen dem russischen und dem US-Amerikanischen Segment. Wo haben Sie mehr gearbeitet?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Heutzutage sind Europäer, die zur ISS fliegen Teil des westlichen Segment, dem USOS-Teil. Columbus ist auch an diesen angekoppelt. Deshalb liegen unsere Aufgaben als Astronauten hauptsächlich in diesem Segment, aber wir verbringen auch viel Zeit mit unseren russischen Kollegen, so wird zum Beispiel das Frühstück und das Mittagessen immer im russischen Segment eingenommen. Außerdem gab es Cupola noch nicht, so dass sich die einzigen Fenster für die Erdbeobachtung im russischen Segment befanden. Deswegen waren wir sehr viel mit unseren russischen Kollegen in diesem Segment.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Wie war das während eines Shuttleflugs? Gab es da keine Probleme mit dem Platz im russischen Segment?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Auf unserem Flug war es so, dass wir das Frühstück und das Mittagessen immer im russischen Segment eingenommen haben und das Abendessen immer im amerikanischen Teil stattfand. Dies hat sich auch während eines Shuttleflugs nicht geändert, denn während eines Tages waren wir sehr beschäftigt, so dass wir im russischen Segment gegessen haben und die Shuttle-Crew im Shuttle. Abends haben wir dann nach der Arbeit im Unity-Modul gegessen.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Stimmt es, dass manche Astronauten für die Sprache auf der ISS das Wort „Runglish“ verwenden?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Sobald man oben ist, ist man eine Crew der Internationalen Raumstation. Da kommt es nicht so drauf an, ob man aus den Vereinigten Staaten, Japan, Europa, Kanada oder Russland kommt. In meiner Crew hatten wir Menschen aus all diesen Nationen an Bord. Wir sind eine Crew, da gibt es da kaum Unterschiede. Bei der Sprache war das natürlich anderes. Wenn wir mit unseren amerikanischen Crewmitgliedern gesprochen haben, war das mehr Englisch, mit den russischen mehr Russisch. Wenn wir alle zusammen gesprochen haben, gab das einen Mix, den man wirklich Runglish nennen konnte.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Passiert es öfters, dass man bei der Kommunikation mit den Bodenstationen mit der Sprache durcheinander kommt?</p>



<p><strong>De Winne:</strong>&nbsp;Es gibt verschiedene Transportraumschiffe. Und es ist oft so, dass mit einem russischen Transporter amerikanische Ausrüstung hochgebracht wird oder andersherum. Dies muss dann sehr gut zusammen mit dem Boden koordiniert werden. Manchmal ist es so, dass russische Ausrüstung mit dem Shuttle runtergebracht wird oder amerikanische Dinge in die Progress gebracht werden sollen. In diesem Fall versucht man zu übersetzen. Es macht schon Mühe, so zu kommunizieren, aber das ist eigentlich kein Problem, sondern ist nur etwas anstrengend.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Vielen Dank!</p>



<p><strong>Ulf Merbold zur europäischen Perspektive nach dem Shuttle-Ende</strong></p>



<p>In dem Gespräch mit Ulf Merbold, dem ersten Nicht-Amerikaner, der in einem Space-Shuttle mitfliegen konnte, sprachen wir über die Zukunft.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Herr Merbold, Sie sind schon vor geraumer Zeit mit dem Shuttle geflogen? Die Fernsehaufnahmen von damals sind schon historisch. Wo sehen sie die Unterschied zwischen damals und heute?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>&nbsp;Nun, ich war der erste Nicht-Amerikaner, den die Amerikaner im Shuttle mitgenommen haben. Die Änderungen, die wir heute erleben, sind ja sehr traurig. Wir erlebten gerade den letzten Start des Shuttle-Programms nach 30 Jahren Hier hören die Amerikaner auf und machen sich für eine noch nicht absehbare Zeit davon abhängig, dass die Russen ihnen in die Umlaufbahn verhelfen. Und ich wünschte, wir Europäer würden daraus die Lehre ziehen, schleunigst was eigenes zu bauen.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;War die ESA in der Vergangenheit nur der kleine Bruder der NASA und werden die Probleme der Nasa jetzt auch die ESA treffen?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>&nbsp;Ich möchte hier nicht die Amerikaner kritisieren, die werden ihre Gründe haben. Der Shuttle Betrieb war teuer und wenn aus 135 Flügen zwei in die Katastrophe führen, muß man auch sagen, dass es nicht ausreichend sicher ist. Aber die Europäer, ohne eigenes Fahrzeug sind bis dato Junior-Partner; wir sind so im Grunde verzichtbar. Wir sind sehr gut, wenn es darum geht, im Weltraum wissenschaftliche Experimente erfolgreich durchzuführen, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, aber wir brauchen die anderen als Crew-Transporteure, um in die Umlaufbahn zu gelangen und von dort aus sicher zurückzukehren. Und da denke ich, wird es jetzt langsam Zeit, dass wir uns in Europa die Fähigkeit selber erarbeiten, auch ohne deren Hilfe dort hinzukommen. Und vor allem hätten wir jetzt mit dem ATV ein europäisches Raumschiff, die Gebrauchsfähigkeit der Station signifikant zu erhöhen. Denn diese nimmt jetzt Schaden, weil im weiteren nur noch die Sojus in der Lage ist, irgendetwas zurückzuholen und das ist ja so gut wie nichts, die Sojus ist viel zu eng und zu klein, um größere Geräte, Proben oder Material zur Erde zurückzubringen. ATV wäre ja dreimal so groß als die Sojus. So wie man aus der Progress die Sojus gemacht hat oder umgekehrt, könnte man auch aus dem ATV ein bemanntes Raumschiff bauen.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Würden die Amerikaner lieber bei den Europäern einen Sitzplatz kaufen als bei den Russen?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>&nbsp;Nein, das glaub ich nicht, inzwischen ist man doch gut miteinander vertraut.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Raumfahrtprojekte sind immer mit viel Planungs- und Organisationsarbeit verbunden. Muß die Perspektive dann nicht mehr auf 2020-2030 ausgerichtet sein?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>&nbsp;Ich denke, wir könnten das ARV sehr viel schneller realisieren Die Aufgabe des Rendezvous und Docking ist gelöst, das kann das ATV sehr sicher und präzise, die Rückkehrfähigkeit wäre für uns was Neues, Lebenserhaltungssysteme haben wir schon gebaut im Spacelab und in Columbus. Es geht also nicht mehr um Technik, sondern ist nur noch eine Frage des politischen Wollens.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Was denken Sie über die Diskussion LEO versus BEO-Exploration?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>&nbsp;Mittelfristig sollte es für uns eine Herausforderung bleiben, was unsere Altvorderen gemacht haben, weiterzuführen. Es läßt sich nicht leugnen, dass viele Teile des heutigen Weltbildes von Entdeckern an die Gesellschaft zurückgebracht wurden: Einsichten über die Belastungsgrenzen des menschlichen Körpers, über Geographie, Klima, über Tiere, Pflanzen, Kulturen durch Entdecker wie Columbus oder Marco Polo, Livingstone, Amundsen und Scott. Warum sollten wir jetzt sagen, wir wissen alles und gehen nicht mehr weiter. In meinen Augen ist es unsere Aufgabe, das fortzusetzen und das kann ja nur bedeuten, das weitere Planetensystem zu erforschen, aber für die nahe Zukunft, da sollten wir die Investition, die wir mit der Raumstation getätigt haben, auch sinnvoll nutzen, um diese große Station, die ja nun dreimal so groß ist wie die MIR, um sie als wissenschaftliches Labor auch zu nutzen.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Halten sie die Lebenszeit der ISS auf 2020 für begrenzt?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>Das kann man noch nicht wissen. Man kann Teile, die altern, nach und nach ersetzen und laufend modernisieren. Das setzt jedoch die logistische Fähigkeit voraus, Menschen und Dinge dort hin zu bringen oder wieder zur Erde zurückzubringen.</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Ist das Shuttle nach 30 Jahren zu alt geworden?</p>



<p><strong>Merbold:</strong>&nbsp;Nein, das Shuttle ist nicht zu alt, es ist jetzt auch so sicher wie es vorher noch nie war. Ob es sicher genug ist, ist nochmal eine andere Frage und es sind die Kosten, warum die Amerikaner damit aufhören wollen. Aber es würde mich nichts davon abhalten, mich in ein Shuttle zu setzen!</p>



<p><strong>Raumfahrer.net:</strong>&nbsp;Vielen Dank für das Gespräch.</p>



<p><strong>Ernst Messerschmidt über das Ende des Shuttle-Programms</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ernst_messerschmid_big.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="260" height="200" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ernst_messerschmid_big.jpg" alt="" class="wp-image-78865"/></a><figcaption>Ernst Messerschmid<br>(Bild: Raumfahrer.net)</figcaption></figure></div>



<p>Ernst Messerschmid flog mit dem US Shuttle als Wissenschaftsastronaut, als das Shuttle noch selbst mit dem Spacelab als Forschungsstation ausgerüstet war. Seit der Zeit sind viele Jahre vergangen, in der das Shuttle die Grundlage der bemannten Raumfahrt bildete. Raumfahrt und deren Weiterentwicklung muss das Ziel verfolgen, die Sicherheit und Zuverlässigkeit zu erhöhen.</p>



<p>Er betonte vor allem, dass uns bewusst sein sollte, dass Wissen und Können Hand in Hand gehen. Wissen ist zwar archivierbar, aber Können nicht und so werden uns mit dem Ende des Shuttles das Können und viele Fähigkeiten verloren gehen. Das Shuttle war eine technische Errungenschaft, die nunmehr eine große Lücke hinterlassen wird.</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/der-letzte-start-der-atlantis-im-europaeischen-astronautenzentrum/" data-wpel-link="internal">Der letzte Start der Atlantis im europäischen Astronautenzentrum</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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