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	<title>Johannes Kepler &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<title>Johannes Kepler &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>Bemannte Raumfahrt bei der ESA &#8211; Ein Statusbericht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 14:18:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
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<h4 class="wp-block-heading">Die bemannte Raumfahrt ist im Wandel. Letztes Jahr stellte die USA ihr Space-Shuttle-Programm ein, der Bau der ISS ist weitgehend abgeschlossen und die Chinesen haben ihre erste Raumstation Tiangong 1 in den Orbit gebracht. In den USA sind kommerzielle Firmen in Begriff, die Frachtversorgung zur ISS zu übernehmen, während die USA mit dem SLS an einem bemannten Explorationsprogramm arbeitet um wieder bemannte Missionen außerhalb des  Erdorbits zu ermöglichen. Doch welche Position wird die ESA in der bemannten Raumfahrt in der Zukunft einnehmen?</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Ian Benecken. Quelle: ESA, Astrium, NASA, Raumfahrer.Net.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rückblick auf das europäische Raumfahrtjahr 2011</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31012012151807_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31012012151807_small_1.jpg" alt="ESA/NASA" width="260"/></a><figcaption>
Angekoppeltes ATV an der ISS 
<br>
(Bild: ESA/NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der wichtigsten Missionen der bemannten Raumfahrt für die ESA im vergangenen Jahr war der zweite Flug eines ATVs zur ISS: ATV 2 <i>Johannes Kepler</i>. Nicht nur weil dies eine Mission war, in die mehrere ESA-Mitgliedsländer involviert waren, sondern auch, weil diese Mission eine internationale Mission war, da sie zur ISS ging. Besonders war hier die Kooperation mit Russland, dockte das ATV doch an den russischen Teil der Station, sowie die Kooperation mit der französischen Raumfahrtagentur CNES welche das ATV-Kontrollzentrum in Toulouse leitete. 
<br>
Die ESA hatte im Jahr 2011 insgesamt drei Astronauten im All. Zwar flog Roberto Vitori nicht im Auftrag der ESA, sondern der italienischen Raumfahrtagentur ins All, trotzdem ist Roberto Vitori ein ESA-Astronaut. Er flog als letzter nichtamerikanischer Astronaut überhaupt an Bord eines Space Shuttles zur ISS während der Mission STS 134, dem letzten Flug des Space Shuttles Endeavour. Diese Mission hatte zur Aufgabe, den Teilchendetektor AMS 2 zur ISS zu bringen und dort zu installieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben flog ein weiterer Italiener, Paolo Nespoli, als Teil einer ISS-Langzeitexpedition im Auftrag der ESA zur Station. Seine Mission überschnitt sich mit der von Roberto Vitori. Damit waren zum ersten Mal zwei Italiener zur gleichen Zeit auf der ISS. Während deren gemeinsamer Zeit an Bord der ISS tätigten diese neben einem Gespräch mit dem italienischen Premierminister auch ein Gespräch mit dem Papst. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu guter Letzt flog André Kuipers am 21. Dezember zur ISS, und verweilt dort noch als Teil der ISS-Langzeitexpedition 30/31 bis voraussichtlich Mai diesen Jahres. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere wichtige internationale Mission, welche 2011 abgeschlossen wurde, ist die Mars-500-Mission. Diese war eine simulierte Mission zum Mars, bei der sechs Astronauten bzw. Kosmonauten 520 Tage in einer Station im Moskauer Institut für Biomedizinische Probleme eingeschlossen waren. Dies war eine Kooperationsmission zwischen der ESA, die zwei Astronauten der Crew stellte, Russland, das drei Kosmonauten stellte und China, das einen Taikonauten bei der Mission dabei hatte. Diese Mission wurde am 4. November 2011 erfolgreich beendet. Diese Kooperation zwischen der ESA, Russland und China soll in kommenden Missionen fortgesetzt werden. Hier ist die ESA daran interessiert, mittelfristig bei dem bemannten chinesischen Programm zu kooperieren. Hierfür haben die ESA-Astronauten bereits begonnen chinesisch zu lernen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ausblick in die Zukunft</strong> <br>Was das ATV angeht, so wurde bereits die Produktion weiterer ATVs eingestellt. Es wird nur fünf ATVs geben. Zwei sind bereits gestartet, ATV 3 soll am 9. März starten, ATV 4 hoffentlich im März oder April 2013 und ATV 5 soll 2014 starten.  <br> Da das ATV-Programm 2014 ausläuft, sucht man bei der ESA zurzeit nach einer Möglichkeit, das Know How, welches man bei der Entwicklung des ATV gewonnen hat, weiter zu nutzen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Da das ATV nur bis 2017 den ESA-Kostenanteil am Betrieb der ISS deckt, diskutiert die ESA derzeit mit der NASA, wie und in welcher Form man den Kostenanteil zum Betrieb der ISS von 2017-2020 entrichten kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein mögliche Option könnte der Bau eines Servicemoduls für das MPCV Orion der NASA sein. Dieses würde dann auf Basis des ATV-Service-Moduls entwickelt werden. Der Plan ist es, hier ein Service-Modul für die Nasa für den ersten SLS-Start zu bauen. Dieser noch unbemannte Testflug mit einer Orion-Kapsel soll eine Mondumrundung beinhalten. Dieses erste Service-Modul würde die ESA in Gegenleistung für den ISS-Support der Nasa noch schenken, jedes weitere Service-Modul müsste die Nasa entweder von der ESA kaufen oder ein eigenes Service-Modul neu entwickeln. Eine andere Möglichkeit wäre eine Kooperation der ESA in Nasas Explorationsprogramm, bei dem die ESA als kooperativen Anteil das Orion-Service-Modul beisteuern könnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Option, die auf Basis der ATV-Technologie begonnen werden könnte und derzeit in der ESA diskutiert wird, ist die Entwicklung eines sogenannten “Versatile Autonomous Concept” was auf Deutsch so viel wie &#8222;Flexibles Autonomes Konzept&#8220; heißt. Auch hier würde man auf Basis des ATV-Service-Moduls ein flexibles Service-Modul entwickeln, welches für noch festzulegende Aufgaben entwickelt werden soll. Zur Diskussion stehen der ISS-Resupply, eine unbemannte Forschungsplattform oder ein Service-Satellit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die NASA wäre im Fall eines ISS-Resupply nur an einem ATV-ähnlichen VAC interessiert. Bei einer Forschungsplattform käme es wahrscheinlich nur zu einer kleineren, freifliegenden Plattform oder nur zu Kurzmissionen. Mit einem Service-Satelliten könnte ein nicht mehr funktionsfähiger Satellit zum Deorbiten gebracht werden oder ein Satellit mit neuem Treibstoff befüllt werden. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31012012151807_big_2.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31012012151807_small_2.jpg" alt="ESA" width="260"/></a><figcaption>
 
<br>
(Bild: ESA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Optionen werden von der ESA im Weiteren ausgearbeitet und sollen im November auf der ESA-Ministerratskonferenz zur Entscheidung gestellt werden. Diese Treffen finden alle vier Jahre statt, bei denen die vielen Programme und Missionen entschieden werden müssen. So ist auch noch die weitere Finanzierung des ISS-Betriebs von 2013-2020 zu besprechen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei sollen die Kosten für die ISS-Beteiligung deutlich gesenkt werden, um Mittel für andere Explorationsmissionen frei zu bekommen. Eine weitere Herausforderung hier wird die steigende Anzahl an internationalen Partnern sein, EU-Mitglieder genauso wie andere Raumfahrtagenturen und Industriepartner. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel der ESA ist es, bis 2020 möglichst konkrete bemannte Explorationsmissionen durchzuführen und im Weiteren eine Zukunft nach der ISS zu gestalten. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Artikel:</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Raumcon:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=10725.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">ESA-Ministerratstagung 2012</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=9866.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Bemannte Wartungsmissionen</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3760.1290" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">NASA-Raumschiff *Orion* (ab dem 22. Dezember 2011)</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=4213.905" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">ISS Versorger ATV (ab dem 11. Oktober 2011)</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=10715.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Presseveranstaltung &#8211; Ziele der ESA in der bemannten Raumfahrt mit Thomas Reiter</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=10009.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Wie geht es weiter mit dem ATV?</a></li></ul>
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		<title>Automated Transfer Vehicle (ATV)</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/automated-transfer-vehicle-atv/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Apr 2006 10:38:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das ATV der ESA war ein unbemanntes Frachtraumschiff, welches mit einer&#160;Ariane 5&#160;ins All gebracht wurde. Ein Beitrag von Andreas Morlok&#160;&#38;&#160;Michael Stein&#160;&#38;&#160;Günther Glatzel Erstflug&#160;(Günther Glatzel / September 2008) Der Erstflug eines Automated Transfer Vehicles war ein überwältigender Erfolg. „Jules Verne“, so der Name des ATV, war für die Besatzungen der Internationalen Raumstation nicht nur Frachtzubringer, Schlepper [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Das ATV der ESA war ein unbemanntes Frachtraumschiff, welches mit einer&nbsp;</strong><em>Ariane 5</em><strong>&nbsp;ins All gebracht wurde.</strong></h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Andreas Morlok&nbsp;&amp;&nbsp;<a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehemalige/" data-wpel-link="internal">Michael Stein</a>&nbsp;&amp;&nbsp;<a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehemalige/" data-wpel-link="internal">Günther Glatzel</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erstflug</strong>&nbsp;(Günther Glatzel / September 2008)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Erstflug eines Automated Transfer Vehicles war ein überwältigender Erfolg. „Jules Verne“, so der Name des ATV, war für die Besatzungen der Internationalen Raumstation nicht nur Frachtzubringer, Schlepper und Abfallentsorger. Er diente in den fünf Monaten, in denen er zu einem Teil der Station wurde auch als Lagerraum, Schlafplatz, Hygienebereich, Experimentierbühne und Kühlraum. Für diese Aufgaben war er ursprünglich gar nicht vorgesehen. Der großzügige Platz, die leise arbeitende Lebenserhaltung, die Diskretion am Ende der Längsachse der Station und die etwas niedrigere Temperatur sorgten dafür, dass JuVe häufiger und vielfältiger als geplant genutzt wurde.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv-demo02.jpg" alt="" class="wp-image-67324" width="240" height="200"/><figcaption>ATV 1 nähert sich dem Heck der ISS
(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Am 9. März, 5:03 Uhr MEZ erhob sich die erste Ariane 5 ES vom Startplatz ELA 3 auf dem Raumfahrtgelände in Französisch Guayana in den Himmel. Rasch wurde sie schneller und brachte das ATV innerhalb von etwa 9 Minuten in eine Umlaufbahn. Ein minimales Problem mit dem Antrieb des Transporters konnte rasch gelöst werden. Danach war das Erreichen des Parkorbits schnell geschafft. Nach zwei sehr erfolgreich durchgeführten Demonstrationstagen, an denen automatische Annäherung, Station halten und Fluchtmanöver unter Verwendung von GPS-, Radar- und Laser-gestützter Navigation erprobt wurden, bekam ATV 1 grünes Licht für das Docking.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Manöver erfolgte am 3. April. 16:45 Uhr MESZ war der Kontakt zwischen ATV und ISS hergestellt. Kurze Zeit später konnte die Besatzung das Raumfahrzeug betreten und begutachten. JuVe brachte 5,5 Tonnen Fracht, darunter Nahrungsmittel, Wasser und Treibstoff. Schnell gewöhnte man sich an die Qualitäten des temporären Zusatzmoduls. Am 25. April wurden die Triebwerke des ATV erstmals dazu benutzt, die Bahn der Internationalen Raumstation anzuheben. Nach 740 Sekunden Antrieb durch zwei der vier Triebwerke, war die Bahnhöhe um 4,5 km auf 342 km gestiegen. Es folgten drei weitere Manöver dieser Art. Damit kam die Station im August auf eine Höhe von mehr als 350 Kilometern. Aber es ergaben sich auch neue Nutzungsmöglichkeiten. Im Verlauf der Mission wurde ein Ausweichmanöver mit Hilfe der ATV-Triebwerke ausgeführt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv-innen04.jpg" alt="" class="wp-image-67325" width="240" height="159"/><figcaption>ATV-Innenraum
(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Missionsende wurde das ATV mit Abfall, älteren oder defekten Geräten beladen und auf seine letzte Reise vorbereitet. Das Abkoppeln erfolgte am 5. September, 23:27 Uhr MESZ. Nach weiteren Bahnmanövern zündete JuVe am 29. September zum letzten Mal seine Triebwerke. Da diese entgegen der Flugrichtung feuerten, sanken Geschwindigkeit und Bahnhöhe, bis das Raumfahrzeug schließlich in einem von der Erde aus aufmerksam beobachteten Feuerwerk als Sternschnuppenregen verglühte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ergänzung</strong>&nbsp;(GG / Dezember 2010, Februar 2011)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Start der folgenden ATV mit Namen &#8222;Johannes Kepler&#8220; und &#8222;Edoardo Amaldi&#8220; wurde mehrfach verschoben, weil es im Shuttle-Flugplan zu weiteren Verzögerungen kam, die Versorgungslage der Raumfahrer in der Station aber gut war. ATV 2 startete am 16. Februar 2011, der Start des ATV 3 ist für 2012 geplant. Anschließend folgen mindestens zwei weitere ATV, aufgrund der Verlängerung der Nutzungsdauer der ISS bis 2020 wahrscheinlich mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die zweite Frachtmission der ESA zur ISS wurden gegenüber dem Jungfernflug 2008 einige Veränderungen an Raumfahrzeug und Trägerrakete vorgenommen. So kann die Ariane 5 ES jetzt rund 500 kg mehr Nutzlast in den geplanten Orbit bringen. Außerdem verwendet man im Raumschiff selbst leichtere Materialien für die Nutzlastregale, so dass man noch einmal 63 kg mehr einladen kann. Ein Teil der Zuladung kann auch erst in der Endphase der Vorbereitung ins ATV gebracht werden, so dass man flexibler ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der autonome Flug zur Station soll nur noch 11 Tage dauern. Trotzdem werden die Systeme ausgiebig geprüft, bevor man anlegt. Die Zahl der Beschleunigungssensoren wurde erhöht und die Thermoisolation überarbeitet. Beim ATV 1 hatten sich die Thermoisolationsmatten aufgebläht und teilweise vom Rumpf gelöst, da noch vorhandene Restgase aus der mehrlagigen Isolationsschicht nur ungenügend entweichen konnten, sich daher gegenüber dem nicht vorhandenen Außendruck im Material ausbreiteten. Mittlerweile ist die Entlüftung der Isolationsschicht verbessert und sind die Matten besser am Rumpf befestigt worden. Die Flugsteuerungssoftware wurde in 31 Punkten modifiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Orbitale Piruetten für das ATV</strong>&nbsp;(Michael Stein / April 2006)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Versorgung der ISS spielt der europäische Raumtransporter&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;(=&nbsp;<em>Automated Transfer Vehicle</em>) eine wichtige Rolle. Bis 2008 wurde die Internationale Raumstation ausschließlich von unbemannten russischen&nbsp;<em>Progress</em>-Transportern sowie vom amerikanischen Space Shuttles mit Versorgungsgütern und Ersatzteilen beliefert. Auch der Abtransport nicht mehr benötigter Hardware sowie des angefallenen Mülls wurde von diesen beiden Transportsystemen übernommen. Doch schon von Beginn der ISS-Planungen an war der Einsatz unbemannter japanischer und europäischer Raumtransporter zur Versorgung der ISS-Besatzungen fest eingeplant. Dafür gibt es gleich mehrere handfeste Gründe: Nach den Erfahrungen der ersten Jahre des Shuttle-Betriebs war allen Beteiligten klar, dass eine hauptsächlich auf den amerikanischen Raumfähren basierende Versorgung des orbitalen Forschungslabors zu teuer und zu unzuverlässig werden würde. Außerdem ist die ISS ein internationales Projekt, zu dem natürlich auch die europäische und japanische Seite ihren Betrag leisten sollen und wollen. Nicht zuletzt bedeutet die Entwicklung eines eigenen Transportsystems auch ein weiteres Stück Autonomie für die europäische Raumfahrt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv_02.jpg" alt="" class="wp-image-67323" width="400" height="311" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv_02.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv_02-300x233.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption>Das ATV im Anflug auf die ISS.
(Grafik: ESA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der <a href="https://www.raumfahrer.net/columbia-lost/" data-wpel-link="internal"><em>Columbia</em>-Katastrophe</a> (Februar 2003) ist die Bedeutung des <em>ATV</em> für die zukünftige Versorgung der ISS noch angestiegen, denn der neue ISS-Aufbauplan sah kaum noch sogenannte Logistikflüge der amerikanischen Raumfähren zur ISS vor. Die risikoreichen Flüge der Shuttle-Flotte wurden auf ein für den Abschluss des ISS-Aufbaus notwendiges Minimum reduziert; der Einsatz der Raumfähren galt als zu riskant (und kostspielig), um damit Versorgungsgüter in den Erdorbit zu transportieren. Außerdem sahen die Planungen der NASA die Außerdienststellung aller Raumfähren bis 2010 vor, so dass spätestens von diesem Zeitpunkt an die Versorgung der dann sechsköpfigen ISS-Besatzungen vollständig von unbemannten Transportsystemen wie dem <em>ATV</em> übernommen werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich sollte der Start des ersten, auf den Namen&nbsp;<em>Jules Verne</em>&nbsp;getauften&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;im Frühjahr 2006 erfolgen. Vor allem aufgrund von Softwareproblemen musste dieser Termin jedoch verschoben werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter der Bezeichnung &#8222;Proximity Communication Link&#8220; verbirgt sich ein Kommunikationssystem, das eine Datenverbindung zwischen dem&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;und der Internationalen Raumstation während der Annäherungsphase herstellt. Das&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;nähert sich üblicherweise vollautomatisch der ISS und koppelt ohne menschliches Zutun am russischen Servicemodul&nbsp;<em>Swesda</em>&nbsp;an. Sobald das Transportraumschiff sich der ISS auf 100 bis 30 Kilometer Entfernung angenähert hat, tritt der Proximity Communication Link in Aktion: Über diese Funkverbindung werden mit einer Übertragungsrate von 20 kBaud Telemetriedaten zwischen dem Orbitallabor und dem&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;ausgetauscht. Somit kann die Besatzung an Bord der Raumstation permanent verfolgen, ob der Anflug des Transporters mit rund 20 Tonnen Masse planmäßig verläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von existenzieller Bedeutung wird die Funkverbindung, falls einmal &#8211; allen eingebauten Sicherheitssystemen zum Trotz &#8211; die automatische Navigation versagen und ein Zusammenprall des&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;mit der ISS drohen sollte: Der Proximity Communication Link erlaubt es der ISS-Besatzung, in jeder Phase des Anflugs die Kontrolle über das Transportraumschiff zu übernehmen und es manuell zu steuern. Nach erfolgter Ankopplung der Transporters an die Raumstation wird das Funksystem deaktiviert. Kurz vor der Abtrennung des&nbsp;<em>ATVs</em>&nbsp;von der ISS wird das Kommunikationssystem dann wieder hochgefahren. Zu diesem Zweck muss jedes Mal eine &#8222;Proximity Communication Equipment&#8220; (PCE) genannte Elektronikbox von der Größe eines Tischkühlschranks mit den Systemen der ISS verbunden und aktiviert werden. Die Außenantennen des Proximity Communication Link sind im Rahmen eines Außenbordeinsatzes der damaligen ISS-Besatzung im September 2004 neben der Schleuse am Ende des russischen Moduls&nbsp;<em>Swesda</em>&nbsp;installiert worden. Jedes&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;ist selbst mit zwei 19 Zentimeter durchmessenden Antennen ausgestattet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gesamte Proximity Communication Link &#8211; bestehend aus dem PCE und den Antennen an der Außenhülle der Raumstation &#8211; wird fünf Tage vor dem Start jedes&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;getestet werden; nur bei erfolgreichem Verlauf dieses Tests erhalten die Transportraumschiffe die Startfreigabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außer dem Proximity Communication Link verfügt das&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;über ein weiteres Kommunikationssystem, mit dessen Hilfe Telemetriedaten und Befehle während der gesamten Flugphase zwischen dem Tansporter und dem Kontrollzentrum in Darmstadt ausgetauscht werden. Diese Kommunikation läuft sowohl über die Satelliten des&nbsp;<em>Tracking and Data Relay Satellites System</em>&nbsp;der NASA wie auch über den europäischen Kommunikationssatelliten&nbsp;<em>Artemis</em>. Über diesen europäischen Kommunikationssatelliten wird auch der Großteil der Datenübertragung mit dem&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;laufen, solange das Transportraumschiff an der ISS angedockt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Allgemeines zum ATV</strong>&nbsp;(Michael Schumacher / August 2003)</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" width="600" height="450" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv_01.jpg" alt="" class="wp-image-67322" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv_01.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/atv_01-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption>Ein ATV über den Wolken der Erde.
(Grafik: ESA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen der Flüge zur ISS wird es an den hinteren Kopplungsstutzen des&nbsp;<em>Service Module &#8222;Swesda&#8220;</em>&nbsp;ankoppeln, um Stückgut, Wasser, Atemluft, Stickstoff und Sauerstoff zu liefern, die Tanks des Lagekontrollsystems mit Treibstoff aufzufüllen und die Bahnhöhe der Raumstation anzuheben sowie nicht länger benötigte Gegenstände von der Raumstation wegzutransportieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Moduldesign erlaubt es, dass die einzelnen Raumfahrzeuge für die unter Druck und nicht unter Druck beförderten Frachten wenn erforderlich optimiert werden können. Für die Entwicklung der Treibstofftanks und des unter Druck gesetzten Frachtbehälter zeichnete sich&nbsp;<em>Alenia Aerospazio</em>&nbsp;verantwortlich. Die Versorgungsmissionen sollen regelmäßig etwa alle 15 Monate stattfinden. An Stückgut kann das&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;1.500 bis 5.500 Kilogramm transportieren, an Wasser bis zu 840 Kilogramm, an Stickstoff, Sauerstoff und Atemluft bis zu 100 Kilogramm, wobei pro Flug nur zwei Gase transportiert werden können, an Treibstoff für das Lagekontrollsystem bis zu 4.500 Kilogramm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nutzlastkapazität liegt insgesamt bei 7.667 Kilogramm. Der Start des&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;erfolgt mit zusammengefalteten Solarzellenflügeln. Die Stromversorgung wird dabei durch nicht wieder aufladbare Batterien gewährleistet. Entfaltet besitzen die Solarzellenflügel eine Spannweite von 22,3 Metern, die die Energie für die wiederaufladbaren Batterien für die Zeit, in der sich das&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;im Erdschatten befindet, erzeugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Flug zur ISS erfolgt automatisch. Die Hauptkomponenten des&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;sind das System für den Antrieb und zur Anhebung der Erdorbithöhe, die Avionikausrüstung, das&nbsp;<em>Guidance, Navigation and Control System</em>&nbsp;(GN&amp;C), das Kommunikationssystem, das System zur Stromerzeugung und –speicherung, das Temperaturregelungssystem sowie das russische System zur Ankopplung und zum Auftanken. Das Hauptantriebsystem besteht aus vier Triebwerksdüsen mit einer Schubkraft von jeweils 490 Newton.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Lagekontrollsystem nutzt 28 Triebwerksdüsen mit jeweils 220 Newton Schubkraft. Als Treibstoff kommt Monomethylhydrazin und als Oxydator Stickstofftetroxyd zum Einsatz. Die Kommunikation mit der Erde erfolgt über ein&nbsp;<em>S-Band Communications System</em>&nbsp;über das&nbsp;<em>Tracking and Data Relay Satellite System</em>&nbsp;(TDRSS). Die Kommunikation vom&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;zur ISS erfolgt ebenfalls über ein&nbsp;<em>S-Band Communications System</em>. Zur Navigation wird das&nbsp;<em>Global Positioning System</em>&nbsp;(GPS) genutzt. Die vier Solarzellenflügel bestehen jeweils aus vier Panelen und speichern die gewonnene Energie in wieder aufladbaren Batterien mit 40 Amperestunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;besitzt eine Länge von 9,8 Metern, an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 4,5 Metern und eine Trockenmasse von 5.320 Kilogramm. Die Trockenmasse des Frachtbehälters liegt bei 5.150 Kilogramm. Die Gesamtmasse liegt bei 10.990 Kilogramm. Die Zuladung für Verbrauchsgüter und Atemluft liegt bei 2.094 Kilogramm. Die Gesamtmasse des&nbsp;<em>ATV</em>&nbsp;beträgt 13.084 Kilogramm. Es besitzt eine Startmasse von 20.750 Kilogramm und kann 6.500 Kilogramm an verbrauchten Materialien von der ISS wegtransportieren.</p>
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