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	<title>Megakonstellation &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Megakonstellation &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>„Jenseits der Grenze“: Eine Million Satelliten und Spiegel im Weltraum stellen eine ernsthafte Bedrohung für den Nachthimmel dar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 20:54:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Studie der Europäischen Südsternwarte (ESO) hat ergeben, dass die aktuellen Pläne, über 1,7 Millionen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen – darunter auch extrem helle –, „verheerende Folgen für die Astronomie“ hätten. Der Studie zufolge sollten nicht mehr als 100 000 schwache Satelliten, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, die Erde umkreisen, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Eine neue Studie der Europäischen Südsternwarte (ESO) hat ergeben, dass die aktuellen Pläne, über 1,7 Millionen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen – darunter auch extrem helle –, „verheerende Folgen für die Astronomie“ hätten. Der Studie zufolge sollten nicht mehr als 100 000 schwache Satelliten, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, die Erde umkreisen, um unsere Fähigkeit zur Beobachtung des Nachthimmels mit modernen Teleskopen zu gewährleisten. Die Studie ist die erste, die berechnet, inwieweit große und helle Satellitenkonstellationen – die auch Bedenken hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt hervorgerufen haben – astronomische Beobachtungen beeinträchtigen würden, indem sie den Nachthimmel heller machen.<br>Eine Pressemitteilung der Europäischen Südsternwarte ESO.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://www.eso.org/public/news/eso2607/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">ESO Pressrelease eso 2607</a>, 1. Juli 2026</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/1-eso2607a.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="400" height="266" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/1-eso2607a-400x266-1.jpg" alt="" class="wp-image-153420" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/1-eso2607a-400x266-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/1-eso2607a-400x266-1-300x200.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/1-eso2607a-400x266-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieses Bild zeigt Satelliten, die innerhalb von nur einer Stunde den Nachthimmel über dem nördlichen Teil der Atacama-Wüste in Chile durchqueren. Es handelt sich um eine Bilderserie aus einem Zeitraffervideo, das am 15. Oktober 2025 etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang aufgenommen wurde. Einige der Streifen stammen von Flugzeugen und lassen sich leicht an ihren blinkenden farbigen Lichtern erkennen, doch die meisten Spuren sind auf Satelliten zurückzuführen.<br>Im Vordergrund sehen wir die Kuppel des Extremely Large Telescope (ELT) der ESO, des weltweit größten optischen/Infrarot-Teleskops, das derzeit auf dem Cerro Armazones im Bau ist. Dahinter sind die Laser des Very Large Telescope (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium zu sehen, das 22 km vom ELT entfernt liegt.<br>Bildnachweis: F. Kamphues, ESO/M. Kornmesser</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2019 ist die Zahl der die Erde umkreisenden Satelliten rasant gestiegen und liegt heute bei über 14 000 [1] – wobei die Starlink-Telekommunikationssatelliten von SpaceX den größten Anteil ausmachen. Auch die Zahl der geplanten Satellitenprojekte hat zugenommen, ebenso wie deren potenzielle Auswirkungen. „Bislang haben wir das noch bewältigt, aber es wird immer schlimmer“, betont Olivier Hainaut, der an der Ausarbeitung von Empfehlungen zur Minderung der Auswirkungen von Satellitenkonstellationen auf die Astronomie mitgewirkt hat. Zwar hätten Unternehmen wie SpaceX Maßnahmen ergriffen, um die Helligkeit ihrer Satelliten zu verringern, doch gingen die aktuellen Satellitenvorhaben „über die Grenze“ dessen hinaus, was die Astronomie verkraften könne, sagt er. Hainaut, seit über 30 Jahren Astronom bei der ESO, ist Autor der begutachteten Studie über die Auswirkungen von Satellitenkonstellationen, die zur Veröffentlichung in „Astronomy &amp; Astrophysics“ angenommen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">SpaceX plant, eine weitere Million Satelliten für weltraumgestützte Rechenzentren in die Umlaufbahn zu bringen, was das Erscheinungsbild des Himmels erheblich verändern würde. Die neue Studie zeigt, dass während eines Großteils jeder Nacht Hunderte von Satelliten sichtbar wären und zu bestimmten Zeiten sogar bis zu mehreren Tausend – ähnlich der Anzahl der Sterne, die unter guten Bedingungen mit bloßem Auge zu sehen sind. Andere geplante Satellitenkonstellationen wie „Cinnamon“ von E-Space und die chinesischen „CTC-1“ und „CTC-2“ würden weitere Hunderttausende Satelliten in die Umlaufbahn bringen und das Problem noch verschärfen.</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-5368b384"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/2-eso2607b.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="400" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/2-eso2607b-400x400-1.jpg" alt="" class="wp-image-153422" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/2-eso2607b-400x400-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/2-eso2607b-400x400-1-300x300.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/2-eso2607b-400x400-1-150x150.jpg 150w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/2-eso2607b-400x400-1-120x120.jpg 120w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieses Diagramm zeigt die Anzahl der Satelliten, die über dem Very Large Telescope (VLT) der ESO sichtbar wären, sollte SpaceX seine geplante Konstellation aus 1 Million Satelliten starten.<br>Die Berechnungen wurden etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang durchgeführt, also weit in den wirklich dunklen Teil der Nacht hinein. Die grauen Punkte stellen Satelliten dar, die sich im Erdschatten befinden und daher unsichtbar sind, während die farbigen Punkte beleuchtete Satelliten sind. Die orangefarbenen Punkte – fast 2000 an der Zahl – entsprechen Satelliten, die heller sind als die 7. Magnitude – die schwächste Helligkeit, die an extrem dunklen Orten mit bloßem Auge sichtbar ist. Die roten Punkte – mehr als 200 – sind Satelliten, die heller sind als die 5. Magnitude, was den schwächsten Objekten entspricht, die an einem vorstädtischen Standort mit bloßem Auge sichtbar sind.<br>Bildnachweis: ESO/O. Hainaut</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das US-Start-up „Reflect Orbital“ hat sich zum Ziel gesetzt, eine Konstellation sehr großer, spiegelartiger Satelliten ins All zu bringen, um nachts Sonnenlicht bereitzustellen – mit reflektierten Strahlen, die sich über mindestens fünf Kilometer auf der Erdoberfläche erstrecken. Das Unternehmen beabsichtigt, noch in diesem Jahr einen Prototyp-Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen, und plant, die Anzahl der Satelliten bis 2035 auf 50.000 zu erhöhen. Diese Satelliten wären die hellsten, die jemals in der Umlaufbahn waren, was schädliche Folgen für den dunklen Nachthimmel auf der Erde hätte. Hainauts Berechnungen zeigen, dass die gesamte Konstellation den Nachthimmel mit Hunderten von sehr hell sichtbaren Satelliten füllen würde. Von innerhalb eines reflektierten Lichtstrahls aus betrachtet, würde der Satellit, der das Sonnenlicht liefert, viermal heller erscheinen als der Vollmond. Selbst wenn kein Satellit seinen Lichtstrahl direkt auf einen Beobachter richtet, wäre jeder einzelne so hell wie der Planet Venus, der „Morgenstern“. Von einer lichtverschmutzten Stadt wie München aus wären diese Hunderte von Satelliten die einzigen „Sterne“, die am Nachthimmel zu sehen wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Vorschläge würden in Kombination mit anderen in der Studie berücksichtigten Plänen den Nachthimmel dramatisch aufhellen und die Fähigkeit der Menschheit beeinträchtigen, schwache kosmische Objekte zu beobachten, darunter weit entfernte Galaxien, einige erdähnliche Planeten um andere Sterne und sogar Asteroiden, die potenziell eine Gefahr für die Erde darstellen.</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-0b54661e"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Helle Spuren und hellere Himmel</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/3-eso2607c.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="200" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/3-eso2607c-400x200-1.jpg" alt="" class="wp-image-153424" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/3-eso2607c-400x200-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/3-eso2607c-400x200-1-300x150.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieses Bild veranschaulicht, wie das von den Weltraumspiegeln von Reflect Orbital gestreute Sonnenlicht die Gesamthelligkeit des Himmels über dem Very Large Telescope (VLT) der ESO erhöhen würde.<br>Das linke Bild wurde in einer mondlosen Nacht am 16. Mai 2026 mit einer All-Sky-Kamera aufgenommen. Norden ist oben, Westen ist rechts. Die Kuppeln, in denen sich die vier 8-Meter-Teleskope des VLT befinden, sind oben rechts zu sehen.<br>Das Bild rechts ist eine Simulation, die zeigt, um wie viel heller der Himmel mit der vollständigen Konstellation von 50.000 Spiegeln von Reflect Orbital wäre. Auch wenn die Spiegel nicht direkt auf das Observatorium ausgerichtet sind, streuen sie das Licht dennoch seitlich ab, das dann von der Atmosphäre weiter gestreut wird. Infolgedessen wäre der Himmel bis zu drei- bis viermal heller.<br>Bildnachweis: ESO/O. Hainaut</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hainaut erklärt: „Von der Sonne beleuchtete Satelliten sind viel heller als ferne Galaxien. Wenn ein Satellit unser Beobachtungsfeld durchquert, hinterlässt er einen hellen Streifen auf unserem Bild und überdeckt damit alles, was sich dahinter befindet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Auswirkungen dieses und anderer Effekte von Satellitenkonstellationen auf astronomische Beobachtungen zu berechnen, simulierte Hainaut die Positionen, Bewegungen und Helligkeiten aller bestehenden und geplanten Satellitenkonstellationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Mega-Satellitenkonstellation von SpaceX stellte er fest, dass auf jedem Bild, das zwei Stunden nach Einbruch der Nacht mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium in Chile aufgenommen wird, Dutzende von Spuren zu sehen wären, was zu Sichtfeldverlusten von bis zu 28 % führen würde [2]. Dies setzt voraus, dass die Satelliten so schwach leuchten, dass sie unter guten Bedingungen mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Sind sie nur geringfügig heller, wären einige Instrumente noch stärker beeinträchtigt: So könnten beispielsweise bei einer Kamera wie der des Vera-C.-Rubin-Observatoriums der US-amerikanischen National Science Foundation die meisten Bilder jede Nacht für mehrere Stunden unbrauchbar werden [3].</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-4bc025c7"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://youtu.be/LJNwAKSL17s" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external"><img decoding="async" width="400" height="225" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/4-eso2607-video-400x225-1.jpg" alt="" class="wp-image-153426" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/4-eso2607-video-400x225-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/4-eso2607-video-400x225-1-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Derzeit befinden sich mehr als 14.000 Satelliten in der Umlaufbahn, doch neue Vorhaben von SpaceX, Reflect Orbital und anderen Unternehmen könnten diese Zahl auf über 1,7 Millionen Satelliten ansteigen lassen. In diesem Video berichten zwei ESO-Experten über die verheerenden Folgen, die dies für die Astronomie hätte, und welche technischen und rechtlichen Möglichkeiten es gibt, diesen Schaden zu begrenzen. (in englischer Sprache)<br>Copyright: ESO</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In den Simulationen von Hainaut wurde davon ausgegangen, dass kein Satellit von Reflect Orbital seinen Strahl direkt auf ein Observatorium oder in dessen Nähe richten würde. Dennoch könnte die Lichtspur eines einzigen Spiegelsatelliten eine Beobachtung mit einer Kamera wie der des Rubin-Observatoriums beeinträchtigen. Wenn sich die gesamte Flotte der Reflect-Orbital-Satelliten in der Umlaufbahn befindet, wäre jedes Bild einer solchen Kamera verloren, sobald die Satelliten von der Sonne beleuchtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind jedoch nicht nur die sich kreuzenden Bahnen der Satelliten, die unsere Beobachtungsmöglichkeiten einschränken: Ihr Licht kann den gesamten Himmel verschmutzen. Satelliten, die zu schwach sind, um direkt gesehen zu werden, erzeugen einen Schleier aus „diffusem“ Licht, während das Licht hellerer Satelliten beim Durchqueren der Atmosphäre in alle Richtungen „gestreut“ wird. Beide Effekte erhöhen die Gesamthelligkeit des Nachthimmels. Diese Studie ist die erste, die die Auswirkungen von Satellitenkonstellationen auf die Helligkeit des Nachthimmels untersucht und damit das volle Ausmaß der Lichtverschmutzung durch Satelliten aufzeigt.</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-c560cb59"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://youtu.be/jpPuDCc3YpU" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external"><img decoding="async" width="400" height="225" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/5-eso-2607-video-400x225-1.jpg" alt="" class="wp-image-153427" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/5-eso-2607-video-400x225-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/5-eso-2607-video-400x225-1-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieser Zeitraffer zeigt Satelliten, die innerhalb von nur einer Stunde den Nachthimmel über dem nördlichen Teil der Atacama-Wüste in Chile durchqueren. Das Video wurde am 15. Oktober 2025, etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang, aufgenommen. Einige der Spuren stammen von Flugzeugen und lassen sich leicht an ihren blinkenden farbigen Lichtern erkennen, doch die meisten Spuren sind auf Satelliten zurückzuführen.<br>Im Vordergrund sehen wir die Kuppel des Extremely Large Telescope (ELT) der ESO, des weltweit größten optischen/Infrarot-Teleskops, das derzeit auf dem Cerro Armazones im Bau ist. Dahinter sind die Laser des Very Large Telescope (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium zu sehen, das 22 km vom ELT entfernt liegt.<br>Copyright: F. Kamphues, ESO/M. Kornmesser</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr helle Konstellationen wie „Reflect Orbital“ hätten einen besonders starken Einfluss auf die Helligkeit des Nachthimmels. Bei einer vollständigen Konstellation von 50.000 „Reflect Orbital“-Satelliten wäre der Himmel insgesamt bis zu drei- bis viermal heller.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Begrenzung der Satellitenzahl zum Schutz des Nachthimmels</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hainaut kommt zu dem Schluss, dass die geplanten 1,7 Millionen neuen Satelliten drastische Folgen für die bodengestützte Astronomie hätten. Diese Auswirkungen lassen sich nur vermeiden, indem die Gesamtzahl der bestehenden und künftigen Satelliten auf 100.000 begrenzt wird – Satelliten, die so schwach leuchten, dass sie von einem dunklen Standort aus mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. „Das ist keine feste Zahl, bei der 99.999 gut und 100.001 schlecht wäre: Natürlich würde ich 50.000 vorziehen“, sagt Hainaut. „Aber 100.000 verursachen Verluste in etwa in der Größenordnung anderer technischer Verluste, wie zum Beispiel Geräteausfälle.“ Er fügt jedoch hinzu, dass die Satelliten schwächer als die visuelle Helligkeitsklasse 7 [4] sein müssen; sollten einige von ihnen zu hell sein – also über dem Mindestschwellenwert für die Sichtbarkeit mit bloßem Auge liegen –, müsste die Gesamtzahl deutlich niedriger sein.</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-a9d8ebb8"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://youtu.be/Fa0IWI7kF_o" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external"><img decoding="async" width="400" height="225" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/6-eso-2607-video-400x225-1.jpg" alt="" class="wp-image-153428" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/6-eso-2607-video-400x225-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/6-eso-2607-video-400x225-1-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieser Zeitraffer zeigt Satelliten über dem Paranal-Observatorium der ESO in Chile. Er wurde am 24. Oktober 2025 aufgenommen und umfasst einen Zeitraum von vier Stunden nach Sonnenuntergang. Die helle Lichtquelle am Himmel ist der Mond, der zum Zeitpunkt der Aufnahme zu 7 % beleuchtet war.<br>Das Video zeigt die Kuppeln der riesigen Hauptteleskope und der kleineren Hilfsteleskope, aus denen sich das Very Large Telescope (VLT) der ESO zusammensetzt. Bei den gelben Strahlen handelt es sich um Laser der adaptiven Optik, mit denen atmosphärische Turbulenzen gemessen und korrigiert werden.<br>Copyright: F. Kamphues/ESO</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">SpaceX und Reflect Orbital, die für die extremsten neuen Vorschläge verantwortlich sind, haben jeweils bei der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) einen Antrag auf Startgenehmigung gestellt. Diese neue Studie diente der ESO in Zusammenarbeit mit der britischen Royal Astronomical Society und der Internationalen Astronomischen Union als Grundlage für eine Stellungnahme zu diesen Vorschlägen gegenüber der FCC.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die FCC hat über 1.800 Stellungnahmen zu Reflect Orbital und fast 1.500 Stellungnahmen zum Antrag von SpaceX erhalten“, erklärt Betty Kioko, Referentin für institutionelle Angelegenheiten bei der ESO, die für die Koordinierung der Stellungnahme der ESO zu den Vorschlägen verantwortlich ist. „Der Ball liegt nun bei der FCC, und wir warten ab, wie sie über beide Anträge entscheiden wird. Für die optische Astronomie stellt dies eine existenzielle Bedrohung dar, und wir hoffen, dass die Regulierungsbehörden diese Ansicht teilen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Astronomie schafft einen enormen Mehrwert für die Menschheit – unter wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen und pädagogischen Gesichtspunkten – und hilft uns, unseren Platz im Universum zu verstehen“, sagt ESO-Generaldirektor Xavier Barcons. „Die große Anzahl geplanter Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn stellt diese Fähigkeit auf die Probe und unterstreicht die Notwendigkeit, künftige Satellitenstarts zu begrenzen und dass Astronomen, Ingenieure, Satellitenbetreiber und andere Interessengruppen zusammenarbeiten müssen, um strenge Maßnahmen zur Schadensminderung zu ergreifen.“</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-2b774b14"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://youtu.be/xACJHF62p6Q" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external"><img decoding="async" width="400" height="225" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/7-eso-2607-video-400x225-1.jpg" alt="" class="wp-image-153429" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/7-eso-2607-video-400x225-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/7-eso-2607-video-400x225-1-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieser Zeitraffer zeigt Satelliten über dem Paranal-Observatorium der ESO in Chile. Er wurde am 19. Mai 2026 aufgenommen und erstreckt sich über einen Zeitraum von 5 Stunden.<br>Das Video zeigt die Kuppeln der Hauptteleskope sowie eines kleineren Hilfsteleskops, die Teil des Very Large Telescope (VLT) der ESO sind.<br>Copyright: B. Häußler/ESO</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Start von Tausenden von Satelliten hat Auswirkungen: wirtschaftliche, ökologische und astronomische“, fügt Hainaut hinzu. Lichtverschmutzung durch sehr helle Satellitenkonstellationen kann die Gesundheit und das Funktionieren des Lebens auf der Erde beeinträchtigen, indem sie die biologischen Uhren und Ökosysteme stört. Große Konstellationen haben zudem direkte Auswirkungen auf die Luftqualität – sowohl durch die zahlreichen Starts, die für den Einsatz und die Wartung Tausender Satelliten erforderlich sind, als auch durch die Luftverschmutzung, die entsteht, wenn die Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühen. „Mein Fachgebiet ist die Astronomie, daher quantifiziere ich die Auswirkungen auf die Astronomie“, erklärt Hainaut, „ich hoffe, dass andere die übrigen Auswirkungen in ihrem jeweiligen Fachgebiet bewerten werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hainaut fasst zusammen: „Die erdnahe Umlaufbahn ist eine himmlische Küste, die für das moderne Leben von unschätzbarem Wert ist – von der globalen Vernetzung bis hin zu unserem ungehinderten Zugang zum Universum. Wir müssen jedoch die Auswirkungen von Mega-Konstellationen in den Griff bekommen – von der Lichtverschmutzung, die die Astronomie beeinträchtigt, bis hin zu den atmosphärischen Auswirkungen des Wiedereintritts von Satelliten –, um sicherzustellen, dass diese Ressource für künftige Generationen unberührt und zugänglich bleibt.“</p>



<div class="wp-block-uagb-separator uagb-block-c2dd427b"><div class="wp-block-uagb-separator__inner" style="--my-background-image:"></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Notes</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignright size-full"><a href="https://youtu.be/Tm3qWstOjJs" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external"><img decoding="async" width="400" height="225" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/8-eso-2607-video-400x225-1.jpg" alt="" class="wp-image-153430" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/8-eso-2607-video-400x225-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/07/8-eso-2607-video-400x225-1-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Die Sonne geht über dem ESO-Observatorium Paranal unter, und der Himmel verwandelt sich von blassblau über rot zu schwarz. Die vier 1,8-Meter-Hilfsteleskope des Very Large Telescope der ESO öffnen ihre Kuppeln, um den Nachthimmel zu beobachten, als würden sie seinen neuen Besucher willkommen heißen: den Kometen C/2024 G3. Dieser „gefiederte“ Komet zog Anfang 2025 über den Himmel der chilenischen Atacama-Wüste und hinterließ dabei unglaubliche Bilder. Im Laufe der Nacht bewegt sich der Komet zusammen mit den Sternen zum Horizont, doch nicht alle Objekte am Nachthimmel folgen diesem Weg. Wie Regentropfen erinnern uns die schnellen weißen Streifen, die den Nachthimmel überschwemmen, an eine zunehmende Quelle der Lichtverschmutzung: Satellitenkonstellationen.<br>Copyright: B. Häußler/ESO</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">[1] Die Zahl der derzeit im Orbit befindlichen Satelliten steigt auf 32.000, wenn man ausgediente Satelliten und Weltraummüll mit einbezieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[2] Das für die Simulation herangezogene Instrument ist FORS2, das Arbeitspferd des VLT, das repräsentativ für herkömmliche Kameras an großen Teleskopen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[3] Bei Kameras wie der des Rubin-Observatoriums, die über eine hochdichte, komplexe Elektronik verfügen, verursacht eine Satellitenspur, die hell genug ist, um den Detektor zu übersteuern, nicht nur einen breiten Streifen auf einem astronomischen Bild, sondern auch eine Reihe von Geisterspuren, die die Verluste vervielfachen und potenziell ein gesamtes Bild verfälschen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[4] Ein Satellit unterhalb der visuellen Magnitude 7 stellt sicher, dass er den Detektor von Kameras wie der des Rubin-Observatoriums nicht übersteuert. Das bedeutet zufällig auch, dass die Satelliten zu schwach wären, um mit bloßem Auge gesehen zu werden, selbst unter makellos dunklem Himmel.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Informationen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Forschungsergebnisse wurden in einem Artikel von Olivier Hainaut (Europäische Südsternwarte, Deutschland) vorgestellt, der in der Fachzeitschrift „Astronomy &amp; Astrophysics“ erscheinen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Europäische Südsternwarte (ESO) ermöglicht es Wissenschaftlern weltweit, die Geheimnisse des Universums zum Wohle aller zu erforschen. Wir planen, bauen und betreiben erstklassige Observatorien auf der Erde – die Astronomen nutzen, um spannende Fragen zu ergründen und die Faszination der Astronomie zu verbreiten – und fördern die internationale Zusammenarbeit in der Astronomie. Die ESO wurde 1962 als zwischenstaatliche Organisation gegründet und wird heute von 16 Mitgliedstaaten (Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich) sowie vom Gastland Chile und von Australien als strategischem Partner unterstützt. Der Hauptsitz der ESO sowie ihr Besucherzentrum und Planetarium, die „ESO Supernova“, befinden sich in der Nähe von München in Deutschland, während unsere Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste stehen, einem wunderbaren Ort mit einzigartigen Bedingungen für die Beobachtung des Himmels. Die ESO betreibt drei Beobachtungsstandorte: La Silla, Paranal und Chajnantor. Am Paranal betreibt die ESO das Very Large Telescope und dessen Interferometer sowie Durchmusterungsteleskope wie VISTA. Ebenfalls am Paranal wird die ESO den südlichen Teil des Cherenkov Telescope Array Observatory beherbergen und betreiben, das weltweit größte und empfindlichste Gammastrahlen-Observatorium. Gemeinsam mit internationalen Partnern betreibt die ESO auf dem Chajnantor das ALMA, eine Anlage, die den Himmel im Millimeter- und Submillimeterbereich beobachtet. Auf dem Cerro Armazones in der Nähe von Paranal bauen wir „das größte Auge der Welt am Himmel“ – das Extremely Large Telescope der ESO. Von unseren Büros in Santiago de Chile aus unterstützen wir unsere Aktivitäten im Land und pflegen den Austausch mit chilenischen Partnern und der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=17396.msg589080#msg589080" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Beeinträchtigung von astronomischen Teleskopen durch Megakonstellationen</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/jenseits-der-grenze-eine-million-satelliten-und-spiegel-im-weltraum-stellen-eine-ernsthafte-bedrohung-fuer-den-nachthimmel-dar/" data-wpel-link="internal">„Jenseits der Grenze“: Eine Million Satelliten und Spiegel im Weltraum stellen eine ernsthafte Bedrohung für den Nachthimmel dar</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir engagieren uns für gerechte und nachhaltige Nutzung des Weltraums – zum Wohle der Astronomie und der Menschheit</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/wir-engagieren-uns-fuer-eine-gerechte-und-nachhaltige-nutzung-des-weltraums-zum-wohle-der-astronomie-und-der-menschheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 13:34:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Astrophilie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[ELT]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltraumschrott]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Blick in den Nachthimmel und der Anblick eines endlosen Sternenmeers ist ein Erlebnis, das immer weniger Menschen noch erleben dürfen. Der Himmel wird aufgrund der zunehmenden Lichtverschmutzung von Tag zu Tag heller und lauter, was nicht zuletzt auf die wachsende Zahl von Satelliten zurückzuführen ist, die ins All geschossen werden. Während der Weltraumvertrag der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/wir-engagieren-uns-fuer-eine-gerechte-und-nachhaltige-nutzung-des-weltraums-zum-wohle-der-astronomie-und-der-menschheit/" data-wpel-link="internal">Wir engagieren uns für gerechte und nachhaltige Nutzung des Weltraums – zum Wohle der Astronomie und der Menschheit</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Der Blick in den Nachthimmel und der Anblick eines endlosen Sternenmeers ist ein Erlebnis, das immer weniger Menschen noch erleben dürfen. Der Himmel wird aufgrund der zunehmenden Lichtverschmutzung von Tag zu Tag heller und lauter, was nicht zuletzt auf die wachsende Zahl von Satelliten zurückzuführen ist, die ins All geschossen werden. Während der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen besagt, dass „<a href="https://www.unoosa.org/oosa/en/ourwork/spacelaw/treaties/introouterspacetreaty.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">die Erforschung und Nutzung des Weltraums zum Nutzen und im Interesse aller Länder erfolgen und der gesamten Menschheit zustehen soll</a>“, ist nicht jeder davon überzeugt, dass der Weltraum tatsächlich zum Wohle der Menschheit genutzt wird. Eine dieser Personen ist Betty Kioko, Referentin für institutionelle Angelegenheiten bei der ESO. In diesem Beitrag sprechen wir mit Betty über ihr Engagement für den Schutz des dunklen und ruhigen Himmels auf gerechte und nachhaltige Weise. Eine Blogbeitrag der Europäischen Südsternwarte ESO.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://www.eso.org/public/blog/betty-kioko/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">ESO / Blog / Betty Kioko</a>, 27. März 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle Mitarbeiter der ESO sind Astronomen oder Ingenieure. Betty absolvierte gerade ihren Masterstudiengang in Rechtswissenschaften in Manchester, Großbritannien, und hatte nicht vor, bei einer astronomischen Organisation zu arbeiten. Doch dann schrieb ihr Professor eine Praktikumsstelle im Bereich Vertragsrecht am <a href="https://www.skao.int/en" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Square-Kilometer-Array-Observatorium</a> aus. „Mein einziges Verständnis von Astronomie beschränkte sich damals auf die schönen Bilder, die man hin und wieder zu sehen bekommt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute, fast sieben Jahre später, koordiniert Betty die institutionellen Angelegenheiten der ESO. In dieser Funktion ist sie für die Zusammenarbeit der ESO mit ihren Mitgliedstaaten und externen Partnern verantwortlich. „Zu meinen Aufgaben gehören also die Politikgestaltung und die Interessenvertretung gegenüber unseren Mitgliedsregierungen und relevanten Institutionen wie der EU-Kommission, um sicherzustellen, dass die Interessen der Astronomie angemessen vertreten werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zu viele Satelliten im niedrigen Erdorbit?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren hat die Zahl der Satelliten, die in die erdnahe Umlaufbahn gebracht wurden, enorm zugenommen, was bei Astronomen Alarmglocken läuten lässt: Da Satelliten das Sonnenlicht reflektieren, verursachen sie Störsignale bei astronomischen Beobachtungen. Darüber hinaus führt ihre kumulative Wirkung zu einem insgesamt helleren Nachthimmel, was die Fähigkeit der Astronomen beeinträchtigt, das Licht schwacher Objekte zu erfassen – ganz zu schweigen von den <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Lvw8J4nwpC0" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Auswirkungen der Lichtverschmutzung</a> auf die <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5805938/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Tierwelt</a>, das <a href="https://www.nature.com/articles/s41550-020-01238-3" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">kulturelle Erbe</a> und die <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39199494/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">menschliche Gesundheit</a> (aber wir beschränken uns in diesem Beitrag auf unser Fachgebiet).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die zunehmende Helligkeit ist nicht das einzige Problem: Der Himmel wird auch „lauter“. Satelliten kommunizieren über Funkwellen, die die schwachen Funksignale aus den Tiefen des Kosmos stören können, die wir derzeit mit Radioteleskopen auf der Erde empfangen. Daher ist es notwendig, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie sie zu einem Problem werden können. „Wenn niemand den Entscheidungsträgern sagt, welche Auswirkungen dies auf die Astronomie hat, werden sie einfach weiterhin Lizenzen an Satellitenunternehmen vergeben, weil diese ein gutes wirtschaftliches Geschäftsmodell haben und positive Auswirkungen auf die Internetkonnektivität“, argumentiert Betty.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem sind nicht nur aktive Satelliten ein Problem. Wenn eine Satellitenmission endet, verbleibt ihr „Wrack“ in der Regel in der Umlaufbahn, wo es mit anderem Weltraumschrott kollidieren oder schließlich auf die Erde stürzen kann. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht der Satellit zwar, jedoch nicht immer vollständig. Dies kann dazu führen, dass Teile des Satelliten auf die Erdoberfläche fallen! „Aus Sicht der Nachhaltigkeit im Weltraum, meinem anderen Interessengebiet, ist eine der größten Sorgen der unkontrollierte Wiedereintritt von Satelliten in die Erdatmosphäre, nachdem sie einmal in der Umlaufbahn waren. Deshalb sehen wir zunehmend dokumentierte Vorfälle, bei denen Dinge einfach vom Himmel fallen, und machen uns auch Sorgen über Kollisionen in der Umlaufbahn.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklungen zeigen, warum es für die ESO entscheidend ist, mit Regierungen und anderen relevanten Stellen zusammenzuarbeiten, um Diskussionen über die Folgen einer unüberlegten Satellitennutzung anzuregen, falls diese weiterhin Lizenzen für Satelliten-Megakonstellationen ohne klare Vorschriften erteilen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Tm3qWstOjJs" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external"><img decoding="async" width="800" height="450" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/Paranals-Vistor-Comet-800x450-1.jpg" alt="" class="wp-image-151414" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/Paranals-Vistor-Comet-800x450-1.jpg 800w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/Paranals-Vistor-Comet-800x450-1-300x169.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/Paranals-Vistor-Comet-800x450-1-768x432.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Dieser Zeitraffer wurde Anfang 2025 am Paranal-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen. Nach Sonnenuntergang öffnen die vier Teleskope im Vordergrund ihre Kuppeln, um mit der Beobachtung des Nachthimmels zu beginnen. Im Hintergrund ist der Komet G/2024 G3 hinter einem dichten Vorhang aus Satelliten zu sehen.<br><mark>Bildnachweis: B. Häußler/ESO</mark></em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Satelliten können der Menschheit zugutekommen, indem sie beispielsweise abgelegene Gebiete mit Internetzugang versorgen. Doch wie Betty erklärt: „Wir brauchen nicht so viele Satelliten, wie die Unternehmen einsetzen wollen. Wir könnten genau das Gleiche erreichen, was wir jetzt tun, mit weitaus weniger Satelliten, aber wie so vieles im Kapitalismus ist dies zu einem weiteren Weg für die Reichen geworden, noch reicher zu werden.“ Sie trifft den Nagel auf den Kopf: In den letzten Jahren ist die <a href="https://planet4589.org/space/stats/active.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Zahl der in die Umlaufbahn gestarteten Satelliten enorm gestiegen</a>. Im Jahr 2020 befanden sich etwa 2000 aktive Satelliten in der Umlaufbahn; ab 2026 sind es 15 000, und weit über 30 000, wenn wir auch ausgediente Satelliten und anderen Weltraumschrott mitzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betty hat auch ein persönliches Interesse daran, eine nachhaltige und faire Nutzung des Weltraums zu fördern, was ihre Motivation antreibt, für bessere Vorschriften zu kämpfen, was sie zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeit gemacht hat. „Ich verbringe viel Zeit damit, über soziale Gerechtigkeit im Allgemeinen nachzudenken, und ich betrachte Aspekte dieser Diskussionen als eine Frage der sozialen Gerechtigkeit“, fügt sie hinzu.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Bemühungen der ESO zum Schutz des Nachthimmels</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Betty erst vor einem Jahr zur ESO kam, kann sie bereits einige Erfolge im Kampf der Organisation für einen dunkleren und ruhigeren Himmel vorweisen. So wurde die ESO beispielsweise im <a href="https://www.eso.org/public/unitedkingdom/announcements/ann25010/?lang" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Dezember 2025 offizieller Partner des Zentrums für den Schutz des dunklen und ruhigen Himmels</a> der Internationalen Astronomischen Union (<a href="https://cps.iau.org/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">IAU CPS</a>), vor allem Dank Bettys Arbeit. Diese Partnerschaft ermöglicht es der ESO, enger mit den wichtigen Akteuren zusammenzuarbeiten, die ein Interesse an Störungen durch Satellitenkonstellationen haben, wie Astronomen, Satellitenbetreiber, aber auch politische Entscheidungsträger, und so die Bemühungen der weltweiten astronomischen Gemeinschaft zum Schutz des dunklen und ruhigen Himmels zu bündeln. Seit Januar ist Betty stellvertretende Direktorin des CPS Policy Hub, der internationale Bemühungen zur Erforschung und Entwicklung von Vorschriften koordiniert, die den Nachthimmel vor Störungen durch Satellitenkonstellationen schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere große Verantwortung ist Bettys Rolle als Vertreterin der ESO im Ausschuss der Vereinten Nationen für die friedliche Nutzung des Weltraums (<a href="https://www.unoosa.org/oosa/en/ourwork/copuos/index.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">COPUOS</a>), einem Gremium der UNO, das sich mit Fragen der friedlichen Nutzung des Weltraums befasst. Seit 2008 hat die ESO den Status eines ständigen Beobachters, was bedeutet, dass sie sich bei politischen Entscheidungsträgern für die Astronomie einsetzen kann, jedoch kein Stimmrecht besitzt. „Dadurch können wir erkennen, was auf uns zukommt, mit Regierungen und anderen Genehmigungsbehörden in Kontakt treten und sicherstellen, dass astronomische Belange klar vertreten sind, wenn Entscheidungen über die Nutzung des Weltraums getroffen werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wichtiger Meilenstein war die 59. Sitzung des Wissenschafts- und Technikunterausschusses des COPUOS, bei der der Schutz des dunklen und ruhigen Himmels erstmals als offizieller Tagesordnungspunkt von den Vereinten Nationen behandelt wurde. Seit Februar <a href="https://www.unoosa.org/res/oosadoc/data/documents/2025/aac_105c_12025crp/aac_105c_12025crp_22rev_2_0_html/AC105_C1_2025_CRP22Rev02E.pdf" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">2025 ist dies offiziell ein fünfjähriger Tagesordnungspunkt</a>, in dem die Notwendigkeit „koordinierter Maßnahmen und der Zusammenarbeit von Regierungen, Satellitenbetreibern oder -herstellern sowie Astronomen aus aller Welt“ betont wird, da dies nicht nur Astronomen betrifft, sondern auch „Amateurastronomen und die allgemeine Verbindung zwischen der Menschheit und dem Nachthimmel, einschließlich indigener Gemeinschaften“, wie sie in ihrem Papier darlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teilnahme an solchen Kooperationen stärkt den Einfluss der ESO auf höchster Ebene und trägt dazu bei, das Bewusstsein für eine faire und regulierte Nutzung des Weltraums zu schärfen – ein Anliegen, das hoffentlich bei den politischen Entscheidungsträgern Gehör findet. Auf diese Weise hofft Betty, „dass die Länder nationale Zulassungsvorschriften einführen, die Satellitenunternehmen dazu verpflichten, die Auswirkungen ihrer Satelliten auf den Nachthimmel bereits in frühen Entwurfsphasen zu berücksichtigen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Recht entwickelt sich langsamer als das Leben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein großes Problem ist laut Betty, dass „sich die Gesetzgebung nur sehr langsam weiterentwickelt, Regierungen wirklich träge und bürokratisch sind und viele konkurrierende Interessen bestehen“, sodass es schwierig ist, schnelle Fortschritte zu erzielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst kürzlich haben Space X und Reflect Orbital der US-amerikanischen Federal Communications Commission Vorschläge unterbreitet, die die Anzahl der die Erde umkreisenden Satelliten um das 100-Fache erhöhen würden. Space X plant den Start von einer Million Satelliten, die als Rechenzentren dienen sollen. Abgesehen von <a href="https://bigthink.com/starts-with-a-bang/5-biggest-obstacles-ai-data-centers-space/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">den grundlegenden wissenschaftlichen Einschränkungen</a> eines solchen Projekts wären die Folgen für die Astronomie verheerend. Wenn diese Satelliten so hell sind wie derzeit angenommen, wären zu Beginn und am Ende der Nacht etwa 5000 bis 10 000 von ihnen mit bloßem Auge sichtbar – weit mehr als die sichtbaren natürlichen Sterne. Im Durchschnitt würde jedes mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO aufgenommene Bild aufgrund der vielen Spuren, die diese Satelliten hinterlassen, 10 % unbrauchbare Daten enthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reflect Orbital hingegen plant, 50.000 Satelliten zu starten, um nachts Sonnenlicht auf die Erde zu reflektieren, was für die Astronomie ebenfalls katastrophale Folgen hätte. Innerhalb ihres Strahls wären die Satelliten viermal heller als der Vollmond. Aber selbst wenn sie niemals auf astronomische Observatorien ausgerichtet wären, würden sie außerhalb ihres Strahls immer noch so hell wie die Venus erscheinen. Schon 5.000 dieser Satelliten würden die Helligkeit des Himmels um 20–30 % erhöhen, und ihre gesamte Konstellation würde den Himmel drei- bis viermal heller machen. Dies würde das Paranal-Observatorium der ESO – <a href="https://www.eso.org/public/images/eso2501b/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">das unter den großen Observatorien den dunkelsten Himmel bietet</a> – in einen Standort am Stadtrand verwandeln.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/starlinkgen2_earth.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Visualisierung der 30.000 geplanten Satelliten der Starlink-Generation-2-Konstellation im Jahr 2022. Die verschiedenen Teilkonstellationen sind in unterschiedlichen Farben dargestellt. Quelle: ESO" data-rl_caption="" title="Visualisierung der 30.000 geplanten Satelliten der Starlink-Generation-2-Konstellation im Jahr 2022. Die verschiedenen Teilkonstellationen sind in unterschiedlichen Farben dargestellt. Quelle: ESO" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="800" height="778" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/starlinkgen2_earth-800x778-1.jpg" alt="" class="wp-image-151416" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/starlinkgen2_earth-800x778-1.jpg 800w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/starlinkgen2_earth-800x778-1-300x292.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/03/starlinkgen2_earth-800x778-1-768x747.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Darstellung von 30000 Starlink Satelliten<br><mark>Bildnachweis: ESO</mark></em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Gesetzgebung langsam aber sicher aufholt, betont Betty, wie wichtig es ist, auch direkt mit den Satellitenherstellern zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise erhalten diese von Anfang an Input und Wissen darüber, wie sie ihre Satelliten vor der Fertigung gestalten müssen, insbesondere um deren Reflektionsvermögen zu verringern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir pflegen gute technische Beziehungen zu Satellitenherstellern“, die Breitband-Satelliten-Internetdienste anbieten wollen, „und diese haben positives Interesse an der Umsetzung von Maßnahmen zur Schadensminderung gezeigt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf diese Weise spielt Betty, anstatt technische Probleme selbst anzugehen, eine entscheidende Rolle hinter den Kulissen, indem sie ihren Kollegen hilft, ihre Arbeit in angemessene rechtliche und politische Begriffe zu fassen. Bildlich erklärt sie: „Für Wissenschaftler ist eins plus eins zwei. Für einen Anwalt ist eins plus eins oft: Es kommt darauf an“, und verdeutlicht damit die Kluft zwischen diesen Welten. So arbeitet sie in ihrem Alltag mit Kollegen zusammen, die, wie sie es beschreibt, „sehr logisch denken und mit Zahlen arbeiten oder Dinge bauen, die entweder funktionieren oder nicht funktionieren“. Im Laufe der Jahre hat sie umfangreiche Erfahrung darin gesammelt, mit diesen gegensätzlichen Denkweisen umzugehen, und ein Verständnis dafür entwickelt, wie man sie miteinander in Einklang bringen kann. Wie sie reflektiert: „Die Arbeit in diesem Umfeld war für mich eine Lektion darin, eine Sprache zu finden, um rechtliche und politische Themen einem Publikum zu vermitteln, das nicht aus dem Rechts- oder Politikbereich stammt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt gibt es laut Betty zwei entscheidende Wege, sich für den Schutz des dunklen und ruhigen Nachthimmels im Zusammenhang mit Satellitenkonstellationen einzusetzen: „die Zusammenarbeit mit den Betreibern und die direkte Zusammenarbeit mit den Ländern.“ Sie fährt fort: „Ich glaube, wenn wir uns nur auf rechtliche oder nur auf technische Aspekte beschränken, reicht das nicht aus. Wir brauchen einen Ansatz, der es ermöglicht, das Technische und das Rechtliche miteinander zu verbinden. Und genau das ist für mich sozusagen mein Sweet Spot.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einsatz für eine bessere Zukunft</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage, was die größte Bedrohung für den Nachthimmel sei, betonte Betty sofort, dass es die unkoordinierte Nutzung des Nachthimmels sei. Das damit verbundene Grundproblem sei jedoch ihrer Meinung nach, dass „wir in einer Welt leben, in der die Menschen einander nicht vertrauen. Die Menschen vertrauen einander nicht, dass sie dieselben Satellitenkonstellationen nutzen.“ Dies führt zu dem grundlegenden Problem, dass wir mehr Satelliten haben, als wir tatsächlich brauchen, „weil wir in einem grundlegend kaputten System leben, in dem Vertrauen einfach nicht existiert.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Komplexität der Situation verliert Betty nicht die Hoffnung. Mit Blick auf die Zukunft hat sie eine klare Vorstellung davon, was sie sich wünscht: „Ich hoffe, dass sich die geopolitische Lage weltweit verbessert, denn ich glaube, dass sich das direkt positiv auf unsere Arbeit auswirken wird.“ Insbesondere die Astronomie nährt ihre Hoffnung und ihr Vertrauen, dass sich diese zersplitterte Gesellschaft ändern kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zusammenarbeit in der Astronomie hat von Natur aus verbindende Wirkung, wie sie aus eigener Erfahrung erkannt hat. „Die ESO hat mit vielen Unternehmen aus der Industrie, zahlreichen Institutionen und verschiedenen Konsortien zusammengearbeitet – das ist nichts, was eine einzelne Person alleine erreichen könnte – und das gefällt mir sehr gut. Mir gefällt die Vorstellung, dass die Menschen einander brauchen. Das bringt das Beste in uns zum Vorschein, denn wir müssen an einem Strang ziehen, um diese Dinge zu erreichen – das ist mit ein Grund, warum ich bei der Astronomie geblieben bin, als ich dazu kam.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Idee wird besonders deutlich bei Projekten wie dem Extremely Large Telescope (<a href="https://elt.eso.org/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">ELT</a>) der ESO: „ Wenn man das ELT sieht, die vielen verschiedenen Teile, die zusammenpassen, die vielen verschiedenen Menschen, die diese Teile herstellen mussten, um das Projekt zu verwirklichen, und die miteinander kommunizieren. Ich denke, das repräsentiert in vielerlei Hinsicht das Beste am Menschen, und eigentlich ist es wahrscheinlich auch das, was mir Hoffnung gibt: dass es tatsächlich möglich ist, dass Menschen an einem Strang ziehen und Dinge erreichen. Wir müssen nicht immer zutiefst destruktiv sein und einfach nur Dinge kaputtmachen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Links</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Lvw8J4nwpC0" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Video zum Thema Lichtverschmutzung auf dem ESO-Kanal „Chasing Starlight“</a></li>



<li><a href="https://www.eso.org/public/italy/blog/rescuing-the-stars/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Die Sterne retten</a></li>



<li><a href="https://www.eso.org/public/about-eso/dark-skies-preservation/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Die ESO-Seite zum Thema dunkler und ruhiger Himmel</a></li>



<li><a href="https://cps.iau.org/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">IAU-Zentrum für den Schutz des dunklen und ruhigen Himmels</a></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=17396.msg585370#msg585370" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Beeinträchtigung von astronomischen Teleskopen durch Megakonstellationen</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>AstroGeo Podcast: Wie Satelliten die Ozonschicht gefährden</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/astrogeo-podcast-wie-megakonstellationen-satelliten-die-ozonschicht-gefaehrden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karl Urban]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Sep 2024 17:56:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei unscheinbare Satelliten läuteten 2018 eine neue Ära ein: Megakonstellationen aus tausenden Satelliten bieten Chancen, könnten aber die Ozonschicht gefährden. Karl erzählt von seiner Langzeitrecherche über die Risiken für unsere Atmosphäre.</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Zwei unscheinbare Satelliten läuteten 2018 eine neue Ära ein: Megakonstellationen aus tausenden Satelliten bieten Chancen, könnten aber die Ozonschicht gefährden. Karl erzählt von seiner Langzeitrecherche über die Risiken für unsere Atmosphäre.</h4>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized has-lightbox"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/09/satellit-wiedereintritt-atmosphaere-vergluehen_rn.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Dunkler Himmel, Nahaufnahme einer Sternschnuppe, von der sich funkenartig Teile lösen, was andeutet, dass es eigentlich ein Raumfahrzeug ist, das auseinanderbricht." data-rl_caption="" title="Dunkler Himmel, Nahaufnahme einer Sternschnuppe, von der sich funkenartig Teile lösen, was andeutet, dass es eigentlich ein Raumfahrzeug ist, das auseinanderbricht." data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="800" height="614" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/09/satellit-wiedereintritt-atmosphaere-vergluehen_rn.jpg" alt="Dunkler Himmel, Nahaufnahme einer Sternschnuppe, von der sich funkenartig Teile lösen, was andeutet, dass es eigentlich ein Raumfahrzeug ist, das auseinanderbricht." class="wp-image-144177" style="width:312px;height:auto" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/09/satellit-wiedereintritt-atmosphaere-vergluehen_rn.jpg 800w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/09/satellit-wiedereintritt-atmosphaere-vergluehen_rn-300x230.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/09/satellit-wiedereintritt-atmosphaere-vergluehen_rn-768x589.jpg 768w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/09/satellit-wiedereintritt-atmosphaere-vergluehen_rn-600x461.jpg 600w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Wenn Satelliten in die Atmosphäre eintreten, werden sie heiß und im Idealfall verglühen sie dabei. Aber es bleiben immer Rückstände in der Atmosphäre (Quelle: NASA/ESA/Bill Moede and Jesse Carpenter)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 22. Februar 2018 starten zwei unscheinbare Satelliten in eine Umlaufbahn: Sie sind weder besonders groß, noch auf andere Weise auffällig. Aber diese zwei Satelliten, die den Namen Starlink tragen, läuten einen Wandel im erdnahen Weltraum ein. Und der ist auch heute längst noch nicht abgeschlossen. Wir befinden uns mitten im Zeitalter der Megakonstellationen &#8211; von tausenden Satelliten, die viele neue Anwendungen möglich machen. Allerdings kommen diese Chancen der Raumfahrt zu einem hohen Preis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karl erzählt in dieser Podcastfolge von seiner Langzeitrecherche über die letzten sechs Jahre. Er wollte herausfinden, ob die Atmosphäre durch immer mehr startende Raketen und vor allem durch die stark wachsende Zahl verglühender Satelliten beschädigt werden könnte. Wieder mal geht es um die Ozonschicht: Denn jeder verglühende Satellit hinterlässt Partikel aus Aluminium, die chemische Abbaureaktionen anstoßen könnten und dadurch den planetaren Schutzschicht gegen krebserregende UV-Strahlung der Sonne beschädigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten Franziska Konitzer und Karl Urban regelmäßig eine Geschichte, die ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben. Der Podcast ist auch auf <a href="https://podcasts.apple.com/us/podcast/astrogeo-geschichten-aus-astronomie-und-geologie/id525300156" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">iTunes</a> oder <a href="https://open.spotify.com/show/0a0X8ogJx046skJBbow9AC" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">Spotify</a> zu finden.</p>


[podloveaudio chaptersVisible=&#8220;false&#8220; title=&#8220;AstroGeo Podcast: Aluminium im Himmel &#8211; wie Satelliten die Ozonschicht gefährden&#8220; src=&#8220;https://astrogeo.de/podlove/file/965/s/feed/c/m4a-raumfahrernet/ag099-satelliten-ozonschicht.m4a&#8220; poster=&#8220;https://astrogeo.de/media/ag099-satelliten-ozonschicht.jpg&#8220; duration=&#8220;01:10:37.813&#8243;]



<p class="wp-block-paragraph">Frühere Ausgaben des AstroGeo Podcast <a href="https://astrogeo.de" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">gibt es auf astrogeo.de</a>. AstroGeo ist ein Podcast der Riffreporter eG. Er ist frei verfügbar und entsteht durch die finanzielle Unterstützung seiner Hörerinnen und Hörer. Das geht mit einem monatlichen Abonnement oder einer Spende. Diese und <a href="https://astrogeo.de/unterstuetze-uns/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">jede andere Form der finanziellen Unterstützung</a> hilft dabei, dass der Podcast weiter werbefrei bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=19493.msg565468#msg565468" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">AstroGeo Podcast</a></li>



<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=13231.msg565659#msg565659" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Starlink &#8211; Satellitenkonstellation</a></li>



<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=17396.msg551167#msg551167" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Beeinträchtigung von astronomischen Teleskopen durch Megakonstellationen</a></li>



<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=18922.msg542872#msg542872" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Mögliche und tatsächliche (Kollisions-) Gefahren durch Megakonstelllationen</a></li>



<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=20096.msg565803#msg565803" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Starlink auf Falcon 9 (2024)</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Megakonstellationen verändern nächste Generation von Mobilfunknetzen</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/megakonstellationen-veraendern-naechste-generation-von-mobilfunknetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Oct 2021 14:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
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		<category><![CDATA[UniBw M]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Prof. Andreas Knopp, Leiter des Instituts für Informationstechnik an der Universität der Bundeswehr München (UniBw M), und Prof. Christian Hofmann, Juniorprofessor für Sichere Weltraumkommunikation, untersuchten mit einem Team von Doktoranden im Auftrag der Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den technischen und ökonomischen Status der wichtigsten im Aufbau befindlichen Satelliten-Megakonstellationen. Eine Pressemitteilung [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Prof. Andreas Knopp, Leiter des Instituts für Informationstechnik an der Universität der Bundeswehr München (UniBw M), und Prof. Christian Hofmann, Juniorprofessor für Sichere Weltraumkommunikation, untersuchten mit einem Team von Doktoranden im Auftrag der Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den technischen und ökonomischen Status der wichtigsten im Aufbau befindlichen Satelliten-Megakonstellationen. Eine Pressemitteilung der UniBw M.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: UniBw M.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/megakonstellationen26850DLRCCBY30.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/megakonstellationen26850DLRCCBY3026.jpg" alt=""/></a><figcaption>Die künstlerische Darstellung wirft einen Blick in die Zukunft mit so genannten Megakonstellationen. Das sind Schwärme oder Flotten mehrerer tausend kleiner Satelliten im erdnahen Weltraum. Dieser Schritt eröffnet der Raumfahrt Chancen, neue Märkte zu erschließen, birgt aber auch Risiken. Die Serienfertigung baugleicher Satelliten in großer Zahl wird es erfordern, Produktionsprozesse zu optimieren, um Kosten zu senken. Zugleich wird die Zahl aktiver Satelliten im erdnahen Weltraum massiv ansteigen und mit ihr die Anforderungen an den Satellitenbetrieb. Die konsequente Durchsetzung effektiver Maßnahmen zur Vermeidung von Weltraummüll ist dabei unabdingbar. (Bildbeschreibung: DLR. Grafik: DLR (CC-BY 3.0))</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">6. Oktober 2021 &#8211; Satelliten-Megakonstellationen sind das zentrale Konzept der &#8222;New Space Economy&#8220;. Sie bestehen aus Hunderten oder Tausenden von Kleinsatelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Die Satelliten bilden ein Informationsnetzwerk, um neue Dienste für Endverbraucher am Boden und auch für Anwendungen in der Luft bereitzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Trendanalyse hat sich gezeigt, dass die meisten dieser Konstellationen tragfähige Geschäftsmodelle aufweisen und trotz des erheblichen Kapitalbedarfs über eine absehbar gesicherte Finanzierung verfügen. Die Wettbewerbsfaktoren sind dabei vielfältig und reichen von erheblichem Technologievorsprung bei Schlüsseltechnologien über besondere Kundenzugänge bis hin zur beherrschenden Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders vielfältig und oft nicht leicht zu durchschauen sind die Geschäftsmodelle der Firmen, insbesondere wenn der Bau und Betrieb der Megakonstellation nur ein Baustein eines komplexen Portfolios von digitalen Mehrwertdiensten für unterschiedlichste Kundengruppen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gefahren und Chancen</strong><br>Gerade solche Konstellationen können aus makroökonomischer Sicht eine Bedrohung für die informationelle Souveränität Deutschlands und Europas sein, andererseits bieten sie aber auch erhebliche Chancen das Umsetzungstempo der dringend benötigten Digitalisierung unserer Gesellschaft zu beschleunigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht der Autoren dieser Trendanalyse muss mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass Megakonstellationen die nächste Generation von Mobilfunknetzen maßgeblich mitbestimmen und dabei digitale Dienste in Schlüsselbereichen der Gesellschaft etablieren werden, die schon nach kurzer Zeit nicht mehr leicht substituiert werden können. Vor diesem Hintergrund müssen Politik und Wirtschaft in Deutschland eine Strategie im Umgang mit solchen Systemen finden, die sowohl dem Trend zur Marktbeherrschung durch Technologiekonzerne außerhalb Europas entgegenwirkt als auch die wirtschaftlichen Chancen für die exportorientierte Zulieferindustrie nutzt und wahrt. Dabei stellt vor allem die erhebliche Fertigungstiefe der aktuellen Megakonstellationen eine neue Markteintrittsbarriere dar, die nur durch klare Wettbewerbsvorteile im Bereich der Kosten oder technologischen Leistung überwunden werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berücksichtigt man, dass die Lebensdauer der LEO-Satelliten lediglich 5 Jahre beträgt, gegenüber einer Lebensdauer der GEO-Satelliten von &gt;15 Jahren, so ergeben sich durchaus Chancen für die deutsche Zulieferindustrie, am Geschäft mit den Nachfolgesatelliten in einem überschaubaren Zeitrahmen zu partizipieren. Die Betreiber von Megakonstellationen, auch die mit einer hohen eigenen Wertschöpfungstiefe, werden immer Kosten und Nutzen abwägen, ehe sie eine „Make or Buy“ Entscheidung in Verbindung mit den Nachfolgesatelliten treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vor diesem Hintergrund leiten die Autoren dieser Trendanalyse folgende Handlungsempfehlungen als 10-Punkte-Plan ab:</strong></p>



<ol class="wp-block-list"><li>Deutschland / Europa braucht Zugang zu einer eigenen Megakonstellation, sowohl zur Sicherung der Informationsfreiheit als auch für den Erhalt seiner (Telekom)Industrie und seines Technologiezugangs. Hierbei spielen verschiedene Betrachtungsdimensionen eine Rolle. Einerseits muss die heimische Industrie in die Lage versetzt werden, alle Schlüsseltechnologien einer Megakonstellation zu beherrschen und – im Gegensatz zum bisher vorherrschenden Manufakturgedanken – entsprechende Produkte in großer Stückzahl zu wettbewerbsfähigen Preisen zu liefern. Andererseits wird es technologische Bereiche geben, in denen der Technologievorsprung der konkurrierenden Unternehmen den Markteintritt stark erschwert und nur mit erheblicher Technologieförderung der öffentlichen Hand noch ermöglicht. Hier muss sorgfältig abgewogen werden, welches Förderziel erreicht werden soll, d.h. ob es um den bloßen Technologiezugang geht oder ob Marktanteile gewonnen werden sollen. Die Förderung der Entwicklung von Serienproduktionsprozessen sowie der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur sollten ein Schwerpunkt sein.</li><li>Die Technologieförderung in der Raumfahrt muss ausgebaut und stärker mit anderen Industrien wie der Automobilindustrie oder der Energiewirtschaft vernetzt werden, da diese als Nutzer im Konzert der neuen digitalen Dienste in der NewSpace Economy auftreten werden. Die Technologieförderung muss dazu konsequent an strategischen Zielen ausgerichtet und durch eine Roadmap mit mittel- und langfristigen Zielen unterlegt sein. Die Ziele müssen dabei die komplette Bandbreite von der Sicherung der Technologieführerschaft in manchen Bereichen wie der optischen Kommunikation bis hin zum Aufbau neuer Kompetenzen in Wachstumsbereichen wie der künstlichen Intelligenz abdecken.</li><li>Start-ups und neue Technologien müssen in besonderer Weise berücksichtigt werden, jedoch sollten für einen maximalen ökonomischen Hebel der Förderinstrumente die etablierten Raumfahrtunternehmen angehalten werden, diesen Start-ups den Weg in den noch immer speziellen und teilweise abgeschotteten Markt der Luft- und Raumfahrtindustrie zu weisen und zu ebnen und so ihrer Rolle als Systemintegrator gerecht zu werden.</li><li>Deutschland und Europa müssen sich Frequenz- und Orbitrechte rechtzeitig und stärker als in der Vergangenheit sichern und diese Rechte als sensible strategische, physikalische Ressource betrachten. Vor allem höhere Frequenzen als die heute genutzten bieten hier noch Chancen, während die heute technologisch gut beherrschten niedrigen Frequenzen bereits stark besetzt sind.</li><li>Die Luft- und Raumfahrtindustrie muss sich ab sofort in die Forschung zur nächsten Generation von Mobilfunknetzen (6G) einbringen und eigene weltraumbezogene Forschungsschwerpunkte definieren. 6G wird die Nutzung des Weltraums auf Jahrzehnte hin prägen und die Beeinflussung von Standardisierungsaktivitäten bietet ökonomische Chancen. Einen Ansatz bieten die 6G-Forschungsplattformen und 6G-Forschungshubs, die derzeit vom BMBF definiert werden. Diese sollten unter Führung der DLR Raumfahrtagentur als nationalem Know-How Träger durch weitere weltraumbezogene Komponenten ergänzt und wissenschaftlich vernetzt werden.</li><li>Megakonstellationen sind ein probates Mittel, den Breitbandausbau in Deutschland zu beschleunigen und alle Haushalte zu ihrem „Recht auf schnelles Internet“ gem. der TKG Novelle vom Mai 2020 kommen zu lassen. Hierzu müssen Megakonstellationen jedoch als Internetserviceprovider (ISP) anerkannt und mit entsprechenden Rechten ausgestattet werden. Die Anerkennung als ISP böte zudem die Chance, auch außereuropäische Anbieter besser in den nationalen regulatorischen Rahmen zu integrieren und so die Chance auf neue Kundengruppen mit Verbraucherschutzrechten zu kombinieren.</li><li>Bei den durch Megakonstellationen bereitgestellten Diensten müssen kommerzielle Services und behördliche, sicherheitskritische Anwendungen gemeinsam betrachtet werden. Anstelle getrennter Hardware für die verschiedenen Anforderungen wird die Modularisierung von Kommunikationsketten durch virtuelle softwaredefinierte Netzwerke zukünftige in den Vordergrund rücken. Auf diese Weise wird die Wirtschaftlichkeit von Megakonstellationen ebenso wie deren ökologische Nachhaltigkeit verbessert.</li><li>Europa muss auf der Seite des Startsegments fortschrittlicher werden und an die technologische Leistungsfähigkeit der US-amerikanischen Wettbewerber anknüpfen. Der Zugang zu einem kostengünstigen und verlässlichen Startsegment spielt eine entscheidende Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg von Megakonstellationen und ist daher eine strategische Ressource, die gesichert werden muss.</li><li>Öffentlich-private Kooperationsmodelle bieten besondere Chancen für erfolgreiche Initiativen mit Bezug zu Megakonstellationen, da sie einerseits einen erhöhten Kapitalbedarf abdecken können und andererseits die Nutzer- oder Kundenanforderungen schon im Systementwurf berücksichtigt werden. In Deutschland haben verschiedene Industrien bereits Interesse an satellitengestützten Diensten gezeigt, insbesondere der Mobilitätssektor und dort mit Schwerpunkt der Automobilbereich. Wir empfehlen, den diesbezüglichen Dialog von Seiten der Raumfahrtagentur zu intensivieren oder weiter zu pflegen. Vor allem die heute erfolgreichen Konstellationen aus den USA haben gezeigt, wie wichtig private Investitionen sind, um agil zu bleiben und neue Raumfahrtprogramme abzusichern.</li><li>Um Satelliten-Megakonstellationen am Ende auch profitabel betreiben zu können, sollten die unterstützten Anwendungen und Services breit gefächert sein und vorab gut untersucht werden. Grundsätzlich ist Europa für Satellitenkonstellationen ein eher schwieriger Markt, da bereits eine gute Infrastruktur existiert und die Landmasse begrenzt ist, mit hoher Konzentration der Nutzer pro Fläche. Deswegen ist es sinnvoll, solche Industrien im Systementwurf einzubeziehen, die Interesse an globalen Dienstleistungen haben und ein weit verteiltes Kundennetz adressieren. Als Beispiel dient erneut der Mobilitätssektor mit der Luftfahrtbranche und den Automobilherstellern. Weitere Beispiele aus dem Bereich der maschinellen Kommunikation sind Logistikdienstleister oder die Energiewirtschaft.</li></ol>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Einschätzung der Autoren dieser Trendanalyse ist der Ausblick auf die Satelliten-Megakonstellationen trotz eines bereits erkennbaren Technologievorsprungs der außereuropäischen Systeme positiv. Mit dem entsprechenden Engagement werden Deutschland und Europa in der Lage sein, Marktanteile zu gewinnen und ökonomisch zu profitieren. Die Weichen müssen aber schnell gestellt und es muss entschlossener gehandelt werden als dies momentan den Anschein macht. Ein besonderer Vorteil Europas darf dabei nicht aus den Augen verloren werden, nämlich die Existenz von leistungsfähigen und etablierten Satellitenbetreibern aus der „Old Space Economy“. Diese verfügen noch immer über eine sehr gute Kapitalausstattung und können mit Jahrzehnten Raumfahrterfahrung wichtige Beiträge leisten. Zudem können die im Orbit befindlichen Satelliten in neue Megakonstellationen eingebunden werden, um immer neuere Dienstleistungen zu definieren. Hier liegen erhebliche Potenziale, die bisher kaum diskutiert und nicht gehoben wurden. Verbunden mit starkem Engagement in der Standardisierung zukünftiger Mobilfunknetze können diese Potenziale möglicherweise sogar geeignet sein, die Wettbewerber mittelfristig wieder zu überholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das ausführliche Dokument der Trendanalyse können Sie hier anfordern:</strong><br><a href="https://www.dlr.de/de/ar/medien/publikationen/broschueren/broschuere-heumega" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">HEUMEGA</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=18763.msg521286#msg521286" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal"></a><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=19116.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal"></a><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=14723.msg521293#msg521293" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal"><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=14723.msg521293#msg521293" target="_blank" rel="noopener">Großkonstellationen</a></a></strong></li></ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/megakonstellationen-veraendern-naechste-generation-von-mobilfunknetzen/" data-wpel-link="internal">Megakonstellationen verändern nächste Generation von Mobilfunknetzen</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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