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	<title>Planetesimal &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<title>Planetesimal &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>DLR: Wie die Erde zu ihrem Wasser kam</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 12:12:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ferne Asteroiden dürften beträchtliche Wassermengen zur Erde gebracht haben. Eine Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Quelle: DLR 1. Juli 2024. 1. Juli 2024 &#8211; Wasser ist für die Existenz von Leben auf der Erde eine unerlässliche Voraussetzung. Allerdings ist es keine Selbstverständlichkeit, dass auf unserem Heimatplaneten Wasser vorhanden ist. Doch Millionen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Ferne Asteroiden dürften beträchtliche Wassermengen zur Erde gebracht haben. Eine Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: DLR 1. Juli 2024.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1. Juli 2024 &#8211; <a href="https://www.raumfahrer.net/tag/wasser/" data-wpel-link="internal">Wasser</a> ist für die Existenz von <a href="https://www.raumfahrer.net/tag/leben/" data-wpel-link="internal">Leben</a> auf der Erde eine unerlässliche Voraussetzung. Allerdings ist es keine Selbstverständlichkeit, dass auf unserem Heimatplaneten Wasser vorhanden ist. Doch Millionen von Asteroidenbruchstücken aus weit von der Sonne entfernten Zonen des Sonnensystems dürften eine beträchtliche Menge des Wassers unserer Ozeane auf die Erde gebracht haben. Eine Studie zeigt nun, dass dies nur möglich war, weil sich wasserreiche Urbausteine des Sonnensystems später, langsamer und bei tieferen Temperaturen bildeten. Planetesimale weiter innen im Sonnensystem konnten kein oder kaum Wasser oder Eis enthalten, da sie schneller und bei höheren Temperaturen entstanden. Dass die Erde kein trockener Planet blieb, haben wir also den spät und weit entfernt von der Sonne entstandenen Planetesimalen zu verdanken. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) war an der Studie beteiligt, die nun im Wissenschaftsmagazin Scientific Reports (Nature Portfolio) veröffentlichten wurde.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full has-lightbox"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/MeteoritFlensburgCarstenJonasCCBYSA40.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Der Meteorit „Flensburg“. Am 12. September 2019 fiel in Weichen, einem Stadtteil des Schleswig-Holsteinischen Flensburg um die Mittagszeit ein Meteorit auf die Erdoberfläche. Er hat Durchmesser zwischen 3,5 und 3,7 Zentimeter und ist knapp 25 Gramm schwer. Es handelt sich um einen seltenen sogenannten „kohligen Chondriten“ des Typs C1. Er enthält ausschließlich Minerale, die in Anwesenheit von Wasser entstehen – dies machte ihn für die Wissenschaft besonders wertvoll. Die Analyse von „Flensburg“ trug nun maßgeblich dazu bei, eine Erklärung zu finden, wie sich Asteroidenmutterkörper nicht nur heiß bilden und dabei Wasser verlorengehen muss, sondern später (der „Flensburg“-Mutterkörper entstand 2,7 Millionen Jahre nach Entstehung des Sonnensystems) auch bei niedrigeren Temperaturen und dabei das Wasser in den Mutterkörpern verbleiben und später auch zur Erde gebracht werden konnte. „Flensburg“ ist damit die älteste Spur von Flüssigkeitsaktivität im Sonnensystem. (Bild: Carsten Jonas CC BY-SA 4.0)" data-rl_caption="" title="Der Meteorit „Flensburg“. Am 12. September 2019 fiel in Weichen, einem Stadtteil des Schleswig-Holsteinischen Flensburg um die Mittagszeit ein Meteorit auf die Erdoberfläche. Er hat Durchmesser zwischen 3,5 und 3,7 Zentimeter und ist knapp 25 Gramm schwer. Es handelt sich um einen seltenen sogenannten „kohligen Chondriten“ des Typs C1. Er enthält ausschließlich Minerale, die in Anwesenheit von Wasser entstehen – dies machte ihn für die Wissenschaft besonders wertvoll. Die Analyse von „Flensburg“ trug nun maßgeblich dazu bei, eine Erklärung zu finden, wie sich Asteroidenmutterkörper nicht nur heiß bilden und dabei Wasser verlorengehen muss, sondern später (der „Flensburg“-Mutterkörper entstand 2,7 Millionen Jahre nach Entstehung des Sonnensystems) auch bei niedrigeren Temperaturen und dabei das Wasser in den Mutterkörpern verbleiben und später auch zur Erde gebracht werden konnte. „Flensburg“ ist damit die älteste Spur von Flüssigkeitsaktivität im Sonnensystem. (Bild: Carsten Jonas CC BY-SA 4.0)" data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="338" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/MeteoritFlensburgCarstenJonasCCBYSA4060.jpg" alt="Der Meteorit „Flensburg“ Am 12. September 2019 fiel in Weichen, einem Stadtteil des Schleswig-Holsteinischen Flensburg um die Mittagszeit ein Meteorit auf die Erdoberfläche. Er hat Durchmesser zwischen 3,5 und 3,7 Zentimeter und ist knapp 25 Gramm schwer. Es handelt sich um einen seltenen sogenannten „kohligen Chondriten“ des Typs C1. Er enthält ausschließlich Minerale, die in Anwesenheit von Wasser entstehen – dies machte ihn für die Wissenschaft besonders wertvoll. Die Analyse von „Flensburg“ trug nun maßgeblich dazu bei, eine Erklärung zu finden, wie sich Asteroidenmutterkörper nicht nur heiß bilden und dabei Wasser verlorengehen muss, sondern später (der „Flensburg“-Mutterkörper entstand 2,7 Millionen Jahre nach Entstehung des Sonnensystems) auch bei niedrigeren Temperaturen und dabei das Wasser in den Mutterkörpern verbleiben und später auch zur Erde gebracht werden konnte. „Flensburg“ ist damit die älteste Spur von Flüssigkeitsaktivität im Sonnensystem. (Bild: Carsten Jonas CC BY-SA 4.0)" class="wp-image-142235" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/MeteoritFlensburgCarstenJonasCCBYSA4060.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/MeteoritFlensburgCarstenJonasCCBYSA4060-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Meteorit „Flensburg“. Am 12. September 2019 fiel in Weichen, einem Stadtteil des Schleswig-Holsteinischen Flensburg um die Mittagszeit ein Meteorit auf die Erdoberfläche. Er hat Durchmesser zwischen 3,5 und 3,7 Zentimeter und ist knapp 25 Gramm schwer. Es handelt sich um einen seltenen sogenannten „kohligen Chondriten“ des Typs C1. Er enthält ausschließlich Minerale, die in Anwesenheit von Wasser entstehen – dies machte ihn für die Wissenschaft besonders wertvoll. Die Analyse von „Flensburg“ trug nun maßgeblich dazu bei, eine Erklärung zu finden, wie sich Asteroidenmutterkörper nicht nur heiß bilden und dabei Wasser verlorengehen muss, sondern später (der „Flensburg“-Mutterkörper entstand 2,7 Millionen Jahre nach Entstehung des Sonnensystems) auch bei niedrigeren Temperaturen und dabei das Wasser in den Mutterkörpern verbleiben und später auch zur Erde gebracht werden konnte. „Flensburg“ ist damit die älteste Spur von Flüssigkeitsaktivität im Sonnensystem. (Bild: Carsten Jonas CC BY-SA 4.0)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Wäre es nicht zu dieser Verzögerung bei der Bildung der Planetesimale gekommen, wäre die Erde heute ein knochentrockener Planet“, sagt Erstautor der Studie Dr. Wladimir Neumann vom DLR-Institut für Planetenforschung und dem Institut für Geodäsie der Technischen Universität Berlin. „Vereinfacht gesagt war für die Zusammensetzung der Planetesimale die Entfernung von der Sonne bei ihrer Entstehung entscheidend, welche Bestandteile in ihnen eingebaut wurden.“ Dabei erfolgte die Formung von Planetesimalen weit draußen in der dünner werdenden Scheibe aus Staub und Gas etwas verzögert und langsamer, als im Inneren Sonnensystem, vor allem aber immer wieder aufs Neue. „Die späten Planetesimale wurden nicht so heiß und verloren deshalb nicht das in ihnen enthaltene Wasser. Später gelangten viele dieser wasserreichen Planetesimale ins innere Sonnensystem und dürften damit der Erde große Mengen an Wasser gebracht haben.“ So könnte auch der äußere Nachbarplanet Mars zu dem Wasser gekommen sein, das er zwar inzwischen fast vollkommen wieder verloren hat, dessen Spuren wir aber heute noch sehen. Auch für die Venus wird diskutiert, dass sie in ihrer Frühzeit einige hundert Millionen Jahre lang Wasser gehabt haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Urbausteine der Planeten entstanden in nur wenigen Millionen Jahren</strong><br>Für astronomische Verhältnisse ging in den frühesten Zeiten des Sonnensystems alles sehr schnell. Nach der Explosion zweier oder mehr „ausgebrannter“ Sterne in einem der Spiralarme der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, verdichteten sich die Gase dieser Supernovae-Reste, um einen neuen Stern zu bilden. Vor viereinhalb Milliarden Jahren hatte er so viel Masse angesammelt, dass in seinem Inneren Wasserstoffatome zu Helium verschmelzen konnten und dabei Energie erzeugt wurde: Die Sonne war entstanden. Sie wurde umkreist von einer Milliarden Kilometer weit ins All reichenden Akkretionsscheibe aus Staub und Gas, den Resten dieses Prozesses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort entstanden die Urbausteine der Planeten. Meteorite, Bruchstücke von Mutterkörpern, die sich damals bildeten, legen davon Zeugnis ab. Die meisten Meteorite sind Chondrite, etwa 86 Prozent. Die Chondren, Kügelchen, entstanden innerhalb weniger Millionen Jahre in dieser protoplanetaren Scheibe, indem blitzartig erhitztes und geschmolzenes Material Tropfen formte. Sie erstarrten und ballten sich dann zusammen mit Staub und Gasen, darunter auch Wasser, zu größeren Körpern zusammen, den Planetesimalen. Es waren die Urbausteine der Planeten, aus denen diese in kaum zehn Millionen Jahren entstanden. Vor rund viereinhalb Milliarden Jahren war die Planetenentstehung also schon relativ kurz nach dem „Zünden“ der Sonne vor 4,567 Milliarden Jahren abgeschlossen. Weil aber noch unzählige kleine Körper übrigblieben, waren es sehr unruhige Zeiten im Sonnensystem mit noch viel häufigeren Einschlägen von Asteroiden und Kometen auf den jungen Planeten. Insbesondere Asteroiden aus der äußeren Zone des Hauptgürtels zwischen Mars und Jupiter, die jenseits einer als „Schneegrenze“ bezeichneten Sonnenentfernung entstanden sind, dürften der Erde große Anteile ihres Wassers geliefert haben. Unklar war, wie das Wasser in die Planetesimale kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Meteoriten und Asteroiden spiegeln die Frühzeit des Sonnensystems wider</strong><br>Woher das Wasser auf der Erde stammt, ist seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Ein beträchtlicher Teil dürfte aus dem Erdinneren stammen und von Vulkanen in die Atmosphäre geblasen worden sein und dann als Regen die ersten Ozeane teilweise gefüllt haben. Das dürfte aber nicht die einzige Quelle von Wasser sein. Kam also noch Wasser von außerhalb hinzu?</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full has-lightbox"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/RenazzoMeteoritUniversitaetsmuseumfGeowissenschaftenRom.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Der Renazzo-Meteorit .38,1 Gramm schweres Fragment des Meteoriten von Renazzo. Am 15. Januar 1824 fielen in der Nähe der italienischen Stadt Renazzo in der Provinz Ferrara um 20.30 Uhr Fragmente eines Meteoriten mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm. Es heißt, dass dieser Meteorit in drei oder vier Hauptfragmente zerbrach, denn eine Frau sagte, sie habe zum Zeitpunkt des Falls einen dreifachen Knall gehört. Renazzo wurde zum Namensgeber einer Gruppe von kohlenstoffhaltigen Meteoriten (die später entdeckt wurden), die CR genannt werden (das R steht für Renazzo). Der Mutterkörper von Renazzo entstand knapp vier Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems und wurde nicht stark genug erhitzt, um seinen ursprünglichen Wassergehalt zu verlieren. (Bild: Universitätsmuseum für Geowissenschaften, Rom)" data-rl_caption="" title="Der Renazzo-Meteorit .38,1 Gramm schweres Fragment des Meteoriten von Renazzo. Am 15. Januar 1824 fielen in der Nähe der italienischen Stadt Renazzo in der Provinz Ferrara um 20.30 Uhr Fragmente eines Meteoriten mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm. Es heißt, dass dieser Meteorit in drei oder vier Hauptfragmente zerbrach, denn eine Frau sagte, sie habe zum Zeitpunkt des Falls einen dreifachen Knall gehört. Renazzo wurde zum Namensgeber einer Gruppe von kohlenstoffhaltigen Meteoriten (die später entdeckt wurden), die CR genannt werden (das R steht für Renazzo). Der Mutterkörper von Renazzo entstand knapp vier Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems und wurde nicht stark genug erhitzt, um seinen ursprünglichen Wassergehalt zu verlieren. (Bild: Universitätsmuseum für Geowissenschaften, Rom)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="600" height="338" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/RenazzoMeteoritUniversitaetsmuseumfGeowissenschaftenRom60.jpg" alt="Der Renazzo-Meteorit 38,1 Gramm schweres Fragment des Meteoriten von Renazzo. Am 15. Januar 1824 fielen in der Nähe der italienischen Stadt Renazzo in der Provinz Ferrara um 20.30 Uhr Fragmente eines Meteoriten mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm. Es heißt, dass dieser Meteorit in drei oder vier Hauptfragmente zerbrach, denn eine Frau sagte, sie habe zum Zeitpunkt des Falls einen dreifachen Knall gehört. Renazzo wurde zum Namensgeber einer Gruppe von kohlenstoffhaltigen Meteoriten (die später entdeckt wurden), die CR genannt werden (das R steht für Renazzo). Der Mutterkörper von Renazzo entstand knapp vier Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems und wurde nicht stark genug erhitzt, um seinen ursprünglichen Wassergehalt zu verlieren. (Bild: Universitätsmuseum für Geowissenschaften, Rom)" class="wp-image-142237" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/RenazzoMeteoritUniversitaetsmuseumfGeowissenschaftenRom60.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/RenazzoMeteoritUniversitaetsmuseumfGeowissenschaftenRom60-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Renazzo-Meteorit. 38,1 Gramm schweres Fragment des Meteoriten von Renazzo. Am 15. Januar 1824 fielen in der Nähe der italienischen Stadt Renazzo in der Provinz Ferrara um 20.30 Uhr Fragmente eines Meteoriten mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm. Es heißt, dass dieser Meteorit in drei oder vier Hauptfragmente zerbrach, denn eine Frau sagte, sie habe zum Zeitpunkt des Falls einen dreifachen Knall gehört. Renazzo wurde zum Namensgeber einer Gruppe von kohlenstoffhaltigen Meteoriten (die später entdeckt wurden), die CR genannt werden (das R steht für Renazzo). Der Mutterkörper von Renazzo entstand knapp vier Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems und wurde nicht stark genug erhitzt, um seinen ursprünglichen Wassergehalt zu verlieren. (Bild: Universitätsmuseum für Geowissenschaften, Rom)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher wurde angenommen, dass die Akkretionsprozesse näher an der Sonne schneller abliefen, als fern von ihr, nicht zuletzt, weil eine höhere Materialdichte der Scheibe das Wachstum begünstigte. Infrage gestellt wurde diese These durch die Entdeckung von Meteoriten, deren Mutterkörper schon weiter entwickelt waren, die aber in ihrer geochemischen Signatur identische Isotopenverhältnisse haben, wie Meteorite von undifferenzierten Mutterkörpern aus dem äußeren Teil des Sonnensystems (Isotope sind Atome eines chemischen Elements mit unterschiedlicher Anzahl von Neutronen). In der nun veröffentlichten Arbeit wird dafür eine Erklärung gegeben: Im äußeren Teil der protoplanetaren Scheibe existierte eine Region, in der es während ihrer gesamten „Lebenszeit“, also vom Zeitpunkt Null, bis in weniger als vier Millionen Jahren immer wieder zur Entstehung von Planetesimalen kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir können das durch die Herleitung der Entstehungszeiten der Mutterkörper der Meteorite zeigen“, so Wladimir Neumann. „Die Herleitung erfolgte durch die Kombination von Modellen der thermischen Entwicklung mit den gemessenen thermo-chronologischen Daten der Meteorite“. Seit gut 20 Jahren versucht die Wissenschaft in ihren Überlegungen zur Akkretion zwei große Probleme zu überwinden. Zum einen haben Modelle und Laboruntersuchungen gezeigt, dass Staubverklumpungen durch Zusammenstöße nicht über eine Größe von einem Meter anwachsen können, was als „ein-Meter-Barriere“ bezeichnet wird. Die Dynamik der Strömungen solcher Staubklumpen in Richtung Scheibeninneres oder Zerschlagung durch Zusammenstöße bei hohen Geschwindigkeiten verhindern ein weiteres Anwachsen. So können also keine Planetesimale entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich durch Scheibenmodelle, in denen die Existenz von Hochdruckgebieten vorhergesagt wird. Diese müssen wie Fallen für die Staubteilchen wirken und Gebiete darstellen, die groß genug sind, dass sie sich nicht auflösen und dort Materie quasi auf der Stelle zu Planetesimalen kollabiert. Das passierte überall in der Akkretionsscheibe und lief in circa 100.000 Jahren ab. Aber es bedeutete auch, dass die in diesen Teilchenfallen gebildeten Planetesimale wegen des radioaktiven Zerfalls des Aluminiumisotops 26 zu heiß wurden, als dass sie Wasser an sich hätten binden können. Später gebildete Planetesimale hatten signifikant weniger <sup>26</sup>Al und konnten deshalb nicht mehr so heiß werden.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full has-lightbox"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/Asteroid2PallasESOMMarssetetalMISTRALAlgorithmusONERACNRS.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="Der Asteroid (2) Pallas. Pallas ist der zweitgrößte Asteroid im Asteroidengürtel mit einem durchschnittlichen Durchmesser von rund 510 Kilometern. Mit Reflexionsspektren, die denen von CR-Chondriten (siehe vorvorheriges Bild, der Renazzo-Meteorit) entsprechen, ist Pallas ein Kandidat für den Mutterkörper dieser wasserhaltigen Meteoriten. Hochauflösende Bilder der nördlichen (links) und südlichen (rechts) Hemisphäre von Pallas wurden vom Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile im Jahr 2020 aufgenommen. Zwei große Einschlagsbecken könnten durch Einschläge von Asteroidenfamilien entstanden sein. Der helle Fleck auf der südlichen Hemisphäre (rechts) erinnert an die Salzablagerungen auf dem wasserreichen Zwergplaneten Ceres. (Bild: ESO/M. Marsset et al./MISTRAL-Algorithmus (ONERA/CNRS))" data-rl_caption="" title="Der Asteroid (2) Pallas. Pallas ist der zweitgrößte Asteroid im Asteroidengürtel mit einem durchschnittlichen Durchmesser von rund 510 Kilometern. Mit Reflexionsspektren, die denen von CR-Chondriten (siehe vorvorheriges Bild, der Renazzo-Meteorit) entsprechen, ist Pallas ein Kandidat für den Mutterkörper dieser wasserhaltigen Meteoriten. Hochauflösende Bilder der nördlichen (links) und südlichen (rechts) Hemisphäre von Pallas wurden vom Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile im Jahr 2020 aufgenommen. Zwei große Einschlagsbecken könnten durch Einschläge von Asteroidenfamilien entstanden sein. Der helle Fleck auf der südlichen Hemisphäre (rechts) erinnert an die Salzablagerungen auf dem wasserreichen Zwergplaneten Ceres. (Bild: ESO/M. Marsset et al./MISTRAL-Algorithmus (ONERA/CNRS))" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="600" height="337" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/Asteroid2PallasESOMMarssetetalMISTRALAlgorithmusONERACNRS60.jpg" alt="Der Asteroid (2) Pallas Pallas ist der zweitgrößte Asteroid im Asteroidengürtel mit einem durchschnittlichen Durchmesser von rund 510 Kilometern. Mit Reflexionsspektren, die denen von CR-Chondriten (siehe vorvorheriges Bild, der Renazzo-Meteorit) entsprechen, ist Pallas ein Kandidat für den Mutterkörper dieser wasserhaltigen Meteoriten. Hochauflösende Bilder der nördlichen (links) und südlichen (rechts) Hemisphäre von Pallas wurden vom Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile im Jahr 2020 aufgenommen. Zwei große Einschlagsbecken könnten durch Einschläge von Asteroidenfamilien entstanden sein. Der helle Fleck auf der südlichen Hemisphäre (rechts) erinnert an die Salzablagerungen auf dem wasserreichen Zwergplaneten Ceres. (Bild: ESO/M. Marsset et al./MISTRAL-Algorithmus (ONERA/CNRS))" class="wp-image-142232" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/Asteroid2PallasESOMMarssetetalMISTRALAlgorithmusONERACNRS60.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2024/07/Asteroid2PallasESOMMarssetetalMISTRALAlgorithmusONERACNRS60-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Asteroid (2) Pallas. Pallas ist der zweitgrößte Asteroid im Asteroidengürtel mit einem durchschnittlichen Durchmesser von rund 510 Kilometern. Mit Reflexionsspektren, die denen von CR-Chondriten (siehe vorvorheriges Bild, der Renazzo-Meteorit) entsprechen, ist Pallas ein Kandidat für den Mutterkörper dieser wasserhaltigen Meteoriten. Hochauflösende Bilder der nördlichen (links) und südlichen (rechts) Hemisphäre von Pallas wurden vom Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile im Jahr 2020 aufgenommen. Zwei große Einschlagsbecken könnten durch Einschläge von Asteroidenfamilien entstanden sein. Der helle Fleck auf der südlichen Hemisphäre (rechts) erinnert an die Salzablagerungen auf dem wasserreichen Zwergplaneten Ceres. (Bild: ESO/M. Marsset et al./MISTRAL-Algorithmus (ONERA/CNRS))</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit mehr Zeit entstandene Asteroidenmutterkörper werden für Wasser nicht zu heiß</strong><br>Wie also konnten sich dann doch Mutterkörper von Meteoriten bilden, die kalt genug waren, das leichtflüchtige Wassermolekül nicht zu verlieren? Den Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage fanden Wladimir Neumann und seine Mitautoren vom Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg, der Universität Bayreuth und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in der Untersuchung einiger kohlenstoffreicher Meteorite, deren Mutterkörper fern der Sonne entstanden sein mussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darunter befand sich auch der 25 Gramm schwere „Flensburg-Meteorit“, der am 12. September 2019 vom Himmel gefallen war. Er enthält Minerale, die allesamt nur in Verbindung mit Wasser kristallisieren konnten und dessen Mutterkörper 2,7 Millionen Jahre nach der Entstehung der Akkretionsscheibe, also nach dem Zeitpunkt Null entstanden ist. Untersucht wurden auch die Gruppe Tafassite, also Meteorite, die deutlich jünger waren als Funde von Mutterkörpern, die nur besagte hunderttausend Jahre zur Bildung benötigten. Ebenso wurden Meteorite analysiert, deren Mutterkörper ein Alter von 3,7 Millionen Jahren nach Zeitpunkt Null haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Untersuchungen lassen den Rückschluss zu, dass die beiden geschilderten Mechanismen gegeneinander gerichtete Effekte hatten – das Einwärtsdriften in der Scheibe, das die Planetesimale nicht entstehen lässt und die Entstehung von Hochdruckgebieten mit Teilchenfallen, in denen die Planetesimale eigentlich früh und schnell entstehen sollten. Und dies sogar in variablen Verhältnissen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Zonen des äußeren Sonnensystems. So verhindern die Hochdruckgebiete den kompletten Verlust von Material. Aber das trotzdem geschehene teilweise Wegdriften verhinderte, dass das gesamte Material durch Kollaps sehr früh in Planetesimale eingebaut wurde, sich erhitzte und dadurch das Wasser ausgetrieben worden wäre. Dadurch war dann später noch bis zu einer Zeit von etwa vier Millionen Jahren nach Entstehung der planetenbildenden Akkretionsscheibe genug Material vorhanden, um Planetesimale zu bilden, die das Wasser nicht ausgasen würden. Dies dürfte für die „Belieferung“ der Erde mit Wasser, wenn auch erst einige hunderte Millionen Jahre später, gesorgt haben. Ein Glücksfall für die Erde beziehungswiese die daraus hervorgehende Entstehung von Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Publikation:</strong><br>Recurrent planetesimal formation in an outer part of the early solar system<br><a href="https://www.nature.com/articles/s41598-024-63768-4" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.nature.com/articles/s41598-024-63768-4</a><br>pdf: <a href="https://www.nature.com/articles/s41598-024-63768-4.pdf" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.nature.com/articles/s41598-024-63768-4.pdf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
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			</item>
		<item>
		<title>Neue Studie in &#8222;Science&#8220;: Kollisionen veränderten die chemische Zusammensetzung der Erde</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/neue-studie-in-science-kollisionen-veraenderten-die-chemische-zusammensetzung-der-erde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Oct 2022 17:09:00 +0000</pubDate>
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		<guid isPermaLink="false">https://www.raumfahrer.net/?p=116629</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wie die chemische Zusammensetzung der Erde zustande kam und wie diese Prozesse die Entstehung des Lebens beeinflusst haben, ist in vielerlei Hinsicht noch unklar. In einer neuen Studie, die in &#8222;Science&#8220; veröffentlicht wurde, zeigt ein Forscherteam der Universität Bayreuth und der Universität Clermont-Auvergne, dass Kollisionen mit Planetesimalen eine bisher unterschätzte Rolle in der Frühphase der [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Wie die chemische Zusammensetzung der Erde zustande kam und wie diese Prozesse die Entstehung des Lebens beeinflusst haben, ist in vielerlei Hinsicht noch unklar. In einer neuen Studie, die in &#8222;Science&#8220; veröffentlicht wurde, zeigt ein Forscherteam der Universität Bayreuth und der Universität Clermont-Auvergne, dass Kollisionen mit Planetesimalen eine bisher unterschätzte Rolle in der Frühphase der Erdentstehung gespielt haben. Eine Pressemitteilung der Universität Bayreuth.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: Universität Bayreuth 7. Oktober 2022.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/KollisionerosionenPFrossardDE.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Kollisionserosionen veränderten die chemische Zusammensetzung der Erde. (Grafik: Paul Frossard)" data-rl_caption="" title="Kollisionserosionen veränderten die chemische Zusammensetzung der Erde. (Grafik: Paul Frossard)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/KollisionerosionenPFrossardDE26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Kollisionserosionen veränderten die chemische Zusammensetzung der Erde. (Grafik: Paul Frossard)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">7. Oktober 2022 &#8211; Die Einschläge führten dazu, dass die noch junge Erde und andere Planetesimale zwischen vier und 20 Prozent ihrer Masse verloren. Sie trugen wesentlich zur heutigen chemischen Zusammensetzung der Erde bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor mehr als 4,56 Milliarden Jahren bildeten sich die ersten kleinen Planeten des Sonnensystems aus Staubwolken, die durch die Kondensation von Gasen entstanden. Diese Asteroiden verschmolzen später zu größeren festen Körpern, den so genannten Protoplaneten, die die Forscher auch als Planetesimale bezeichnen. Diese Planetesimale waren die Bausteine der Erde und anderer terrestrischer Planeten. Um mehr über die chemische Zusammensetzung dieser frühen Himmelskörper zu erfahren, untersuchte Prof. Dr. Audrey Bouvier vom Bayerischen Geoinstitut (BGI) der Universität Bayreuth zusammen mit dem ehemaligen Cotutelle-Doktoranden Dr. Paul Frossard und Forschungspartnern in Clermont-Ferrand eine Reihe von chondritischen Meteoriten. Dabei handelt es sich um Gesteinsproben, die wahrscheinlich seit der Frühzeit des Sonnensystems unverändert geblieben sind. Diese Meteoriten ähneln in ihrer chemischen Zusammensetzung wahrscheinlich den frühen primitiven Asteroiden, aus denen sich Planetesimale und die junge Erde entwickelt haben. Die massenspektrometrischen Analysen konzentrierten sich insbesondere auf Neodym (Nd) und Samarium (Sm). Diese Elemente, die zu den Metallen der Seltenen Erden gehören, sind für die geochemische Forschung von besonderem Interesse: Das Isotop <sup>146</sup>Sm ist radioaktiv und zerfällt mit einer für geologische Zeiträume kurzen Halbwertszeit von 103 Millionen Jahren in das Isotop <sup>142</sup>Nd. Es ist daher in den letzten vier Milliarden Jahren im Sonnensystem verschwunden. Die Forscher bestimmten zunächst, wie der Anteil des Isotops <sup>142</sup>Nd an den Neodym-Atomen – kurz: die <sup>142</sup>Nd-Häufigkeit – in den Staubkomponenten verschiedener Chondrite variiert.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/MeteoritOrgueilWikipediaEunostos.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Der Meteorit Orgueil ist 1864 in Frankreich eingeschlagen und befindet sich heute im Nationalmuseum für Naturgeschichte in Paris. Hinsichtlich seiner chemischen Zusammensetzung ist er der Sonne ähnlich. (Bild: Wikipedia/Eunostos)" data-rl_caption="" title="Der Meteorit Orgueil ist 1864 in Frankreich eingeschlagen und befindet sich heute im Nationalmuseum für Naturgeschichte in Paris. Hinsichtlich seiner chemischen Zusammensetzung ist er der Sonne ähnlich. (Bild: Wikipedia/Eunostos)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/MeteoritOrgueilWikipediaEunostos26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Der Meteorit Orgueil ist 1864 in Frankreich eingeschlagen und befindet sich heute im Nationalmuseum für Naturgeschichte in Paris. Hinsichtlich seiner chemischen Zusammensetzung ist er der Sonne ähnlich. (Bild: Wikipedia/Eunostos)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse der Chondriten-Analysen präzisieren einen rätselhaften Befund, der in der Forschung schon seit längerem diskutiert wird: Die <sup>142</sup>Nd-Häufigkeit im Erdinneren ist deutlich höher als in den Chondriten. In dieser Hinsicht stimmt die chemische Zusammensetzung der Erde nicht mit der chemischen Zusammensetzung primitiver Asteroiden überein, die sich durch Gravitationskräfte zu Planetesimalen – den Bausteinen der Erde – entwickelten. &#8222;Durch die Kombination der Ergebnisse unserer Messungen mit etablierten astrophysikalischen Modellen, die die Entstehung der chemischen Elemente in Sternen beschreiben, konnten wir nun eine plausible Erklärung für die unterschiedliche <sup>142</sup>Nd-Häufigkeit auf der Erde und in primitiven Asteroiden finden&#8220;, sagt Prof. Dr. Audrey Bouvier, Mitautorin der neuen Studie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgangspunkt der neuen Erklärung ist die Verteilung der chemischen Elemente in den frühen Planetesimalen, die sich aus primitiven Asteroiden gebildet haben. Es kam zu einer fortschreitenden Erhitzung und chemischen Differenzierung: Siderophile Elemente, die Eisen an sich binden, konzentrierten sich im Zentrum der Planetesimale, wodurch ein metallischer Kern entstand. Lithophile Elemente hingegen, die eine Affinität zu Silikaten haben, reicherten sich eher in den oberen Schichten – Mantel und Kruste – der Planetesimale an. Dieser Prozess führte zur Bildung von zwei verschiedenen Reservoiren, die sich in ihren Sm- und Nd-Anteilen unterschieden. Im Laufe der Zeit nahm die <sup>142</sup>Nd-Häufigkeit auf der Erde aufgrund des radioaktiven Zerfalls zu und wurde höher als die <sup>142</sup>Nd-Häufigkeit in den primitiven Asteroiden. Das Forscherteam in Bayreuth und Clermont-Ferrand schlägt auf der Grundlage seiner Messungen ein sehr klares Szenario vor: Das Planetesimal, das den Vorläufer der frühen Erde bildete, kollidierte im entstehenden Sonnensystem wiederholt mit anderen Planetesimalen. Dabei wurden immer wieder große Mengen an Material aus seiner Kruste herausgesprengt. Gemeinsam kommen die Autor*innen der neuen Studie zu dem Schluss, dass durch Kollisionen mit Planetesimalen etwa vier bis 20 Prozent der Masse der jungen Erde und anderer Planetesimale herausgesprengt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch andere Elemente von dem enormen kollisionsbedingten Materialverlust betroffen waren. Daher stellt sich erneut die Frage, welche Mengen an radioaktiven Elementen wie Uran, Kalium und Thorium heute im Erdinneren vorhanden sind und zu ihrem Wärmehaushalt und ihrer physikalischen Entwicklung beitragen. Darüber hinaus könnte die Annahme, dass Planetesimale in der frühen Phase ihrer Entstehung immer wieder miteinander kollidiert sind, auch aufschlussreich für die chemische Zusammensetzung weiterer Planeten sein – sei es innerhalb oder außerhalb des Sonnensystems&#8220;, sagt die Bayreuther Kosmochemikerin Prof. Dr. Audrey Bouvier.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Veröffentlichung:</strong><br>Paul Frossard, Claudine Israel, Audrey Bouvier, Maud Boyet: Earth’s composition was modified by collisional erosion. Science Vol. 377, Issue 6614.<br>DOI: dx.doi.org/10.1126/science.abq7351<br><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.abq7351" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.science.org/doi/10.1126/science.abq7351</a><br>Die Studie enthält Forschungsergebnisse, die der Erstautor Dr. Paul Frossard im Rahmen seiner von den Universitäten Bayreuth und Clermont-Ferrand betreuten Doktorarbeit erzielt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=630.msg538873#msg538873" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Planetenentstehung</a></li></ul>
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		<item>
		<title>Universität Bayreuth: Neue Erkenntnisse zum Asteroiden Ryugu</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/universitaet-bayreuth-neue-erkenntnisse-zum-asteroiden-ryugu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jun 2022 08:24:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Universität Bayreuth an der Erforschung von Weltraumgestein beteiligt. Eine Pressemitteilung der Universität Bayreuth. Quelle: Universität Bayreuth 10. Juni 2022. 10. Juni 2022 &#8211; Ein internationales Forscherteam mit Prof. Dr. Audrey Bouvier, Kosmochemikerin am Bayerischen Geoinstitut (BGI) der Universität Bayreuth, berichtet in &#8222;Science&#8220; über mineralogische und chemische Analysen von Gesteinsproben des Asteroiden Ryugu. Die Raumsonde Hayabusa2 [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Universität Bayreuth an der Erforschung von Weltraumgestein beteiligt. Eine Pressemitteilung der Universität Bayreuth.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: Universität Bayreuth 10. Juni 2022.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/BGIUBT2k.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/BGIUBT600.jpg" alt=""/></a><figcaption>Das Bayerische Geoinstitut (BGI) auf dem Campus der Universität Bayreuth. (Foto: UBT)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">10. Juni 2022 &#8211; Ein internationales Forscherteam mit Prof. Dr. Audrey Bouvier, Kosmochemikerin am Bayerischen Geoinstitut (BGI) der Universität Bayreuth, berichtet in &#8222;Science&#8220; über mineralogische und chemische Analysen von Gesteinsproben des Asteroiden Ryugu. Die Raumsonde Hayabusa2 der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA hat 2019 Proben von dem Asteroiden, der einen Durchmesser von 0,9 Kilometern hat, gesammelt und in einer Kapsel zur Erde zurückgeschickt. Die Forschungsergebnisse werden zu neuen Erkenntnissen über die Entstehung des Sonnensystems und die chemische Zusammensetzung der terrestrischen Planeten beitragen. Unter Bouviers Leitung wird die Erforschung von Weltraumgestein am BGI weiter intensiviert. Neben Asteroiden werden hier in den kommenden Jahren auch Gesteinsproben von Mars und Mond untersucht.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ProfDrAudreyBouvierUBTChrWissler2k.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ProfDrAudreyBouvierUBTChrWissler26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Prof. Dr. Audrey Bouvier, Bayerisches Geoinstitut (BGI), Universität Bayreuth. (Foto: UBT / Chr. Wißler)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Prof. Dr. Audrey Bouvier ist Mitglied des internationalen Forschungsteams, das an den ersten, in Japan durchgeführten chemischen Analysen der Ryugu-Gesteinsproben beteiligt war. Im Gegensatz zu den zahlreichen Meteoriten, die auf der Erdoberfläche eingeschlagen sind, haben die vom Asteroiden entnommenen Proben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind garantiert nicht durch den Eintritt in die Erdatmosphäre oder den Aufenthalt auf der Erde chemisch verändert worden. Sie sind so entstanden, wie sie sind: im Weltraum. Die von Hayabusa2 zur Erde gesandten Gesteinsproben hatten ein Gesamtgewicht von etwas mehr als 5,4 Gramm. &#8222;Als die Probenbehälter schließlich in Japan geöffnet wurden, war die Überraschung groß, denn es handelte sich um weitaus mehr Material, als wir ursprünglich erwartet hatten&#8220;, sagt Bouvier. &#8222;Die Proben in den Behältern sahen aus wie dunkle Kieselsteine. Die meisten waren nur wenige Millimeter groß, einige wenige waren größer – bis zu einem Zentimeter, was nahe an der maximalen Größe liegt, die man bei der Probeentnahme an der Asteroid-Oberfläche erhalten kann.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ryugu zeigt Spuren der Geschichte des Sonnensystems</strong><br>Bei ihrer Untersuchung von Ryugu entdeckten die Forscher, dass die Mineralien in Kontakt mit einer wässrigen Flüssigkeit bei einer Temperatur von etwa 37 Grad Celsius verändert wurden, aber nie Temperaturen von über 100 Grad Celsius ausgesetzt waren. Chronologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Veränderungen etwa fünf Millionen Jahre nach der Entstehung der ersten Mineralien im Sonnensystem stattgefunden haben. Diese Veränderungen fanden in einem der unzähligen Kleinstplaneten (Planetesimale) statt, aus denen sich später die Planeten des Sonnensystems durch Akkretion entwickelten. Auf dem Planetesimal, aus dem Ryugu herausgesprengt wurde, könnte es reichlich Wasser gegeben haben, was eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben gewesen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die Häufigkeit der in den Gesteinsproben enthaltenen chemischen Elemente: Ryugu ähnelt den kohlenstoffhaltigen CI-Chondriten des Meteoriten Ivuna, aber besonders stark ist die Ähnlichkeit mit der Zusammensetzung der Photosphäre der Sonne. Die Photosphäre ist die äußere Hülle eines Sterns, von der Licht in den Weltraum abgestrahlt wird, so dass man daraus seine chemische Zusammensetzung ableiten kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analysen der Ryugu-Proben deuten außerdem darauf hin, dass der Asteroid von einem Planetesimal abstammt, das sich am äußersten Rand des Sonnensystems gebildet hat. Später wanderte Ryugu in das Innere des Sonnensystems und gelangte auf seine heutige erdnahe Umlaufbahn um die Sonne. In der aktuellen Forschung wird vermutet, dass Materialien, die am äußersten Rand des Sonnensystems entstanden sind, zur Entstehung der Erde beigetragen haben könnten. Kohlenstoffhaltige Materialien könnten eine wichtige Quelle für die so genannten flüchtigen Elemente auf der Erde gewesen sein. Flüchtige Elemente wie Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff sind wesentliche Bestandteile der Erdatmosphäre und der Ozeane und haben daher einen entscheidenden Anteil an der Entstehung des Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auf der Suche nach Leben im Weltraum: in Zukunft auch an der Universität Bayreuth</strong><br>Wenige Tage vor der Veröffentlichung des neuen &#8222;Science&#8220;-Artikels gab ein anderes internationales Forscherteam bekannt, dass in Gesteinsproben von Ryugu 20 verschiedene Aminosäuren nachgewiesen wurden. Aminosäuren sind die Bausteine des Lebens auf der Erde. &#8222;Es ist das erste Mal, dass Aminosäuren entdeckt wurden, die eindeutig nicht auf der Erde entstanden sind oder verändert wurden. Auch vor diesem Hintergrund ist der Asteroid Ryugu ein spannendes Forschungsobjekt, das aufschlussreiche Erkenntnisse über den Ursprung des Lebens verspricht. Deshalb wollen wir uns an der Universität Bayreuth in Zukunft verstärkt in die Analyse von extraterrestrischen Gesteinsproben einbringen&#8220;, sagt Prof. Dr. Audrey Bouvier. Gemeinsam mit Dr. Nobuyoshi Miyajima, Mineraloge am Bayerischen Geoinstitut, wird sie bei der japanischen Raumfahrtbehörde beantragen, dass Ryugu-Proben für weitere mineralogische und chemische Analysen an das BGI ausgeliehen werden. Im September 2022 werden am BGI neue Labore für Isotopengeochemie und Kosmochemie eröffnet. Hier sollen hochpräzise Isotopenstudien von Spurenmetallen in Ryugu- und anderen Planetenproben durchgeführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Voraussichtlich werden auch Proben von Marsgestein an der Universität Bayreuth untersucht werden, sei es in Form von Meteoriten oder von Proben, die von laufenden und zukünftigen Missionen zurückgebracht werden. Die National Aeronautics and Space Administration (NASA) und die European Space Agency (ESA) haben Prof. Dr. Audrey Bouvier kürzlich als Mitglied der Mars Sample Return Campaign Science Group ausgewählt. Dieses internationale Gremium plant derzeit die Rückführung von Gesteinsproben vom Mars. Es definiert die wissenschaftlichen Ziele der laufenden Probensammlung durch den Perseverance-Rover und entscheidet über die Konservierung und Verteilung der Proben für wissenschaftliche Analysen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zur Hayabusa2-Mission</strong><br>Die Raumsonde Hayabusa2 startete am 3. Dezember 2014 und erforschte den Asteroiden Ryugu 17 Monate lang (Juni 2018 bis November 2019). Die Mission umfasste zwei Landeoperationen, um Proben des Asteroiden zu sammeln. Bei der zweiten Landung wurde durch den Abschuss eines 5-Gramm-Tantal-Projektils ein Krater erzeugt, so dass nicht nur Oberflächenmaterial, sondern auch Gesteinsproben aus tieferen Schichten gesammelt werden konnten. Die Probenkapsel wurde am 6. Dezember 2020 in Australien geborgen und unter strengen Quarantänebedingungen während der COVID-19-Pandemie nach Japan gebracht. Das internationale Team, das die Ryugu-Proben bisher analysiert hat, besteht aus insgesamt sechs Forschergruppen, die von Wissenschaftler*innen in Japan geleitet werden. Prof. Dr. Audrey Bouvier ist Mitglied der Arbeitsgruppe, die die in den Proben enthaltenen chemischen Elemente und ihre Isotope untersucht. Die Raumsonde Hayabusa2 ist unterdessen auf dem Weg zu einem anderen Asteroiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Veröffentlichung</strong><br>Tetsuya Yokoyama et al: Samples returned from the asteroid Ryugu are similar to Ivuna-type carbonaceous meteorites. Science 2022, doi.org/10.1126/science.abn7850<br><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.abn7850" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.science.org/doi/10.1126/science.abn7850</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=8826.msg533235#msg533235" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">HAYABUSA-2 zu Asteroid (162173) Ryugu auf H-IIA</a></li></ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/universitaet-bayreuth-neue-erkenntnisse-zum-asteroiden-ryugu/" data-wpel-link="internal">Universität Bayreuth: Neue Erkenntnisse zum Asteroiden Ryugu</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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