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	<title>Aerosalon Paris &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Aerosalon Paris &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<item>
		<title>Le Bourget 2019 &#8211; So wie immer? &#8211; Nicht ganz.</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2019-so-wie-immer-nicht-ganz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Jun 2019 00:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Aerosalon Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Le Bourget]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, es mir ganz einfach zu machen. Ich wollte mir die Reiseberichte „Le Bourget 2015 &#8211; Jeder fliegt für sich alleine &#8230;“ und „Le Bourget 2017“ nehmen, etwas umschreiben und fertig wäre die 2019er Ausgabe. Es hat sich ja sowieso nichts geändert. Dachte ich. Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2019-so-wie-immer-nicht-ganz/" data-wpel-link="internal">Le Bourget 2019 &#8211; So wie immer? &#8211; Nicht ganz.</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, es mir ganz einfach zu machen. Ich wollte mir die Reiseberichte „Le Bourget 2015 &#8211; Jeder fliegt für sich alleine &#8230;“ und „Le Bourget 2017“ nehmen, etwas umschreiben und fertig wäre die 2019er Ausgabe. Es hat sich ja sowieso nichts geändert. Dachte ich.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: Messebesuch.</p>



<p>Zunächst musste ich bei der Planung im Dezember 2018 feststellen, dass die Fluglinie mit dem großen, langbeinigen Zugvogel im Wappen, bzw. deren Euro-Ableger, nicht mehr zur gewünschten Zeit nach Paris, Flughafen Charles De Gaulle, flog. Das machte aber nichts. Ich buchte bei der Fluggesellschaft, die nach der Air Berlin-Pleite in Berlin geradezu explodiert war. Deren Maschinen erinnern in der Farbgebung etwas an die Berliner Stadtreinigung (BSR). Das soll hier keinesfalls negativ verstanden werden, denn erstens hat die BSR im Allgemeinen einen guten Ruf in Berlin und zweitens kann der Flieger in Punkto Service durchaus mithalten. 
<br>
Und wenn man dann noch einen Foto-Rucksack mit dabei hat, der genau unter den Vordersitz passt, dann entfällt auch die Streiterei um die Gepäckfächer. Übrigens konnte man wieder Sozialstudien treiben. Manche zeitgenössischen Fluggäste wollen es einfach nicht glauben, dass man mit einem für x9,95€ ohne Extras gebuchten Flugticket dann nicht mit zwei Gepäckstücken, bzw. einem zu großen Koffer als Handgepäck, in die Kabine einsteigen darf. Aber das ist eine andere Geschichte. </p>



<p><strong>Unterwegs in Europa</strong> <br>Ich habe über das Internet ohne Probleme Flug und Bordkarte bekommen. Der Flieger gehörte ursprünglich einer britischen Fluggesellschaft und hat eine österreichische Registrierung. Der Flugkapitän ist vermutlich aus dem spanischen Raum. Die Flugbegleiter kommen von Namen und Dialekten her von überall aus Europa. Man spricht Französisch und Englisch. Ich kann nach dem obligatorischen Sicherheitscheck einsteigen und nach 850 Kilometern in Frankreich / Paris aussteigen, ohne durch weitere lästige Kontrollen gehen zu müssen. Beim Rückflug genauso. Hier sprach jemand von der Besatzung akzentfrei Deutsch. Was ich meine ist: Wir leben in einem tollen Land! Und wir leben auf einem tollen Kontinent! Die Idee EUROPA ist eine tolle Sache, die sich hier im Alltag auf ganz triviale Weise zeigt. Ich empfehle einmal zu versuchen, ein Visum für die Volksrepublik China nach den neuen Visa-Bestimmungen vom Mai diesen Jahres zu beantragen. Allein hierbei erkennt man, was wir hier an unserem Europa haben. Wir vergessen das bloß manchmal. Warum in aller Welt wollen das einige Menschen bloß kaputt machen? </p>



<p>Zurück zur Anreise. Im Gegensatz zu den letzten Reisen nach Charles De Gaulle kam der Flieger am Terminal 2D an und flog von dort auch wieder zurück nach Berlin. Das war insofern für den Rückflug sehr günstig, sind doch die Wartebereiche (Sitzplätze, Steckdosen, Räumlichkeiten) großzügiger angelegt, als in Terminal 1, wo man schon mal anderthalb Stunden auf dem Fußboden, umringt von vielen anderen Wartenden, sitzen durfte. Nach der Landung wurde schnell an beiden Enden des Fliegers der Ausstieg ermöglicht. Paris-Airshow, ich bin im Anflug. </p>



<p>Keine 15 Minuten nach dem parken der Maschine saß ich in einem klimatisierten Reisebus, der als kostenloser Zubringer direkt zum Messegelände fuhr. Unterwegs regelten dutzende Polizisten den Verkehr, damit es keinen größeren Stau gab. Alles war, wie gewohnt, bestens organisiert. Am Bushaltepunkt auf dem Messegelände erfolgte dann die erste Gepäckkontrolle. Sie war sehr gründlich, aber es ging zügig voran. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_small_1.jpg" alt="A. Weise" width="607" height="341"/></a><figcaption>
Modell des Raketenbahnhofs Wostotschny. 
<br>
(Bild: A. Weise)
</figcaption></figure>



<p>Inzwischen waren auch die Besuchermassen, die anderweitig angereist sind, von einem seitlichen Eingang dazu gestoßen. Es ist der erste Tag für das „normale“ Publikum. Aber auch hier ist die Organisation perfekt. Die Menschenströme werden auf verschiedenen Wegen zu den Kassen, bzw. zu den Eingängen geleitet. Viele Ordner sind dabei im Einsatz und koordinieren die Besucherströme. Mitten im Durchgangszelt, wo eine weitere Kontrolle ähnlich wie auf Flughäfen erfolgt, sitzt ein Ordner auf einer Arte Schiedsrichtersitz erhöht wie beim Tennis und hat den vollen Überblick. Er dirigierte so seine Ordner am Boden. Man ist trotz der Menschenmenge relativ schnell durch alle Kontrollen durch und endlich auf dem Messegelände. </p>



<p>Übrigens: Tickets kauft man bequem über das Internet. Der Eintritt kostete 15 €. Wie teuer war doch gleich die letzte ILA? </p>



<p>Ich hatte nur einige Stunden Zeit. Am Nachmittag musste ich rechtzeitig los, denn man weis nie, wie groß der Stau zum Flughafen sein könnte, obwohl er nur circa zwölf Kilometer Luftlinie entfernt ist. Also war das Programm für mich eng gesetzt. Man hat eine Liste von Stationen, die man abarbeiten wollte. Auf ging es! </p>



<p><strong>Russland</strong> <br>Erste Station war Roskosmos. Zwar fand ich im Ausstellerverzeichnis keinen Eintrag, aber der Stand befand sich dann doch in der Halle, wo er auch vor zwei Jahren schon gewesen war. Diesmal waren auch Menschen da, die man etwas fragen konnte und die auch versuchten, zu antworten. Allgemeines Interesse galt einem Modell einer russischen Mondbasis. Die Standbetreuer betonten aber, es handele sich nur (!) um ein Konzept. Tja, Modelle konnten die Russen schon immer gut bauen. Ein Flyer erläuterte, wann was stattfinden könnte. Zum Thema russische bemannte Mondflugpläne gibt es im Forum bei Raumfahrer.net übrigens einen eigenen <a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=16557.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Themenbereich</a>. </p>



<p>Die Firma Lawotschkin zeigte ein 1:5-Modell der Mondsonde Luna 25. Vor zwei Jahren konnte man auf der MAKS in Moskau das 1:1-Modell bestaunen. Die Mission Luna 25 ist Bestandteil des Projektes „Luna-Glob“, was dann wieder auf das Modell-Konzept hinweist. </p>



<p>Der Begriff „Lunar Gateway“ war nirgends zu finden. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Russen zumindestens überlegen, im Alleingang zum Mond fliegen zu wollen. Ob die wirtschaftliche Kraft dazu ausreicht, soll einmal dahin gestellt sein. Damit wären China, die USA und Russland quasi in einem Rennen. Und dann gibt es ja noch Japan, Indien und andere. Was die Europäer dann machen und wie es um die Vision vom Monddorf bestellt ist, wird bestimmt einmal der ESA-Chef Wörner ausführlicher erläutern. </p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_big_2.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_small_2.jpg" alt="A. Weise" width="260"/></a><figcaption>
Modelle von Trägerraketen. 
<br>
(Bild: A. Weise)
</figcaption></figure>



<p>Als Blickfang für den Besucher stach ein, oder besser das Modell des Raketenbahnhofes Wostotschny hervor. Allerdings ohne Erläuterungen. Nicht einmal der Hinweis, dass es sich um Wostotschny handelt, war irgendwo genannt. Das erfuhr ich erst auf Nachfrage. An der Seite standen dann die obligatorischen Träger-Modelle, die man seit Jahren kennt. Dabei fiel ein Modell einer Sojus-5 auf. An der Spitze war als Nutzlast der Sojus-Nachfolger „Federazija“ zu sehen. Es wurde darauf hingewiesen, dass für den Start der Sojus-5-Trägerrakete in Baikonur die Startinfrastruktur der Zenit-M umgebaut wird. Das Raumschiff „Federazija“ selber wurde nirgendwo erwähnt. Kein Bild, kein Prospekt, kein Hinweis. Mal sehen, was es dazu in zwei Monaten auf der MAKS in Moskau zu sehen gibt. </p>



<p>Natürlich durfte auch Spektr-RG mit <a class="a" href="https://www.raumfahrer.net/erosita-die-jagd-nach-der-dunklen-energie-beginnt/" data-wpel-link="internal">eROSITA</a> als Modell und als Powerpoint-Präsentation auf einem großen Touchscreen nicht fehlen. Mein Gesprächspartner betonte dabei die gute Kooperation mit allen deutschen Partnern und wie wichtig die Zusammenarbeit sei. Man war richtig Stolz auf dieses gemeinsame Projekt. Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt wusste man am Stand von Roskosmos noch nicht, dass der geplante Start abgesagt wurde. </p>



<p>Zusammenfassend hatte man den Eindruck: Roskosmos war anwesend mit einem repräsentativen Ausstellungsstand. Brandneues gab es nicht zusehen. Man war auf das französische Nichtfach-Publikum bestens eingestellt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. </p>



<p><strong>Deutschland</strong> <br>Nach etwas Suchen fand ich dann auch den Bereich des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Alle Wichtigen der Branche waren da. OHB war mit einem entsprechend großen Stand vertreten. Aber auch der Galileo-Systembetreiber DLR GfR mbH war präsent. Am Stand von IABG aus Garching konnte man an einem gern gezeigten Modell des Space-Test-Center in Ottobrunn sehr gut sehen, wie Weltraum-Hardware getestet wird. </p>



<p>Besonders gefreut habe ich mich über das nette Gespräch am Stand der Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Die Firma ist ein Zulieferer für Flughardware und testet diese auch in Berlin. In Punkto Design schoss der Stand von Jenaoptronik den Vogel ab. Die Sitzgruppe war der in einem Wohnzimmer der Endsechziger inkl. der passenden Tapete nachempfunden. Im Fernseher „lief“ die Mondlandung und an der Wand hing eine „alte“ Zeitung, die die Neuigkeiten von Morgen (!) brachte. Da wurde über die geglückte Marslandung 2048 berichtet, und über die Mondbasis im Jahre 2024. Tja, zeitreisen müsste man können! </p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_big_3.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_small_3.jpg" alt="A. Weise" width="260"/></a><figcaption>
CIMON 
<br>
(Bild: A. Weise)
</figcaption></figure>



<p><strong>DLR</strong> <br>Am Stand vom DLR hatte ich den (subjektiven) Eindruck, dass man sich mehr mit Luft- als mit Raumfahrt beschäftigte.  Aber es heißt ja auch „Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ und da steht Luftfahrt eben zuerst. Interessant war ein unbemannter Hubschrauber zum Materialtransport. Das eigentliche Fluggerät zu diesem Projekt „superARTIS“ stammte aus der Schweiz. Des Weiteren beschäftigte man sich mit Cockpit-Simulationen, elektrischen Antrieben für Regionalflugzeuge sowie mit Klima- und Umweltforschung. </p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_big_4.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_small_4.jpg" alt="A. Weise" width="260"/></a><figcaption>
Demonstrator für rückführbare Raketenstufen im Modell. 
<br>
(Bild: A. Weise)
</figcaption></figure>



<p>Beim Thema Raumfahrt war für mich der Star ein „sprechender Fußball“, genauer gesagt: Das Astronauten-Assistenzsystem mit künstlicher Intelligenz „CIMON“. Das DLR beschreibt das Gerät auf ihrer Webseite so: „CIMON ist ein innovatives, weltweit einzigartiges Astronauten-Assistenzsystem, das in Deutschland entwickelt und gebaut wurde. Das fliegende und autonom agierende System ist mit künstlicher Intelligenz (KI) von IBM ausgestattet und wurde erstmalig von ESA-Astronaut Alexander Gerst auf seiner Mission Horizons eingesetzt. CIMON soll zeigen, dass die Mensch-Maschine-Interaktion die Arbeit eines Astronauten unterstützen und seine Effizienz steigern kann.“Ich kenne einige Stimmen, die nicht in einen überschwänglichen Lobgesang einstimmen. Und auch Astronaut Gerst machte nach seinem Flug auf mich den subjektiven Eindruck, dass sich seine Begeisterung in Grenzen hält. Aber es war eben ein Experiment und jetzt warten wir auf die Auswertung. Interessant ist diese Entwicklung allemal. Übrigens: Die KI im Science-Fiction-Film „Moon“ könnte hier als Vergleichsbeispiel für den Laien stehen. </p>



<p>Ein weiterer Hingucker war das Projekt CALLISTO. Hierbei handelt es sich um einen Demonstrator für rückführbare Raketenstufen. Partner sind hierbei laut Informationsblatt DLR und französische CNES, wobei laut DLR-Homepage auch die japanische JAXA mit im Boot ist. Um es ganz vereinfacht zu sagen: Das Ganze erinnerte stark an den Grasshopper von SpaceX aus dem Jahre 2012. Man versucht mit dieser Grundlagenforschung viel heraus zu bekommen, wie Elon Musk es gemacht hat und ob es sich kostenmäßig rechnet. Dabei heißt das Zauberwort „VTVL-Raketenstufe“. Hier wird technologisch das nachgeholt, wovor Prof. Ulrich Walter geraten hat, die Finger zu lassen (siehe sein Buch „Höllenritt durch Raum und Zeit“ von 2017, Seite 174).  Insgesamt konnte man sagen: Das DLR hatte wieder einen tollen, interessanten Stand und gab hier eine guten Überblick über sein Schaffen. </p>



<p><strong>ArianeGroup</strong> <br>Ach ja, die europäischen Raketenbauer! Die waren erst gar nicht angereist! Ich konnte es zuerst nicht glauben, als ich einige Tage zuvor in der Zeitschrift Raumfahrt Concret einen entsprechenden Beitrag gelesen hatte. Aber auf Nachfrage wurde das bestätigt. Nun könnte man scherzen, sie hätten der Fachwelt und dem steuerzahlenden Publikum nichts Neues zu zeigen. Aber so war es bestimmt nicht. In besagtem Raumfahrt-Concret-Artikel (Ausgabe 107, Seite 5) schrieb Jürgen Ackermann, ArianeGroup: „Der Verzicht auf die traditionelle und prestigeträchtige Präsenz in Le Bourget bringt einerseits eine gewisse finanzielle Minderbelastung, ist jedoch vor allem Symbol kompromissloser Entschlossenheit, mit der die Industrie sich auf ihr zentrales Ziel konzentriert.“ Ein Standpunkt, der Interpretationsspielraum zulässt. </p>



<p>Trotzdem schade. </p>



<p><strong>Und sonst &#8230;?</strong> <br>Es war mittlerweile früher Nachmittag. Ich musste mich beeilen um meinen Rückflieger nicht zu verpassen. Also strich ich den Besuch im CNES-Pavillon. Der Eintritt war reglementiert und die Besucherschlange bedeutete ohnehin längere Wartezeiten. Damit war der ausführliche Besuch der Freifläche und des Rahmenprogrammes der ESA zur Fete de la Musique auch „gestorben“. Das schwere Teleobjektiv inkl. Stativ war somit auch umsonst mitgeschleppt worden. Aber so ist das Leben. Das nächste Mal versuche ich, wieder mehr Zeit für den Außenbereich einzuplanen. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_big_5.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/25062019023057_small_5.jpg" alt="A. Weise" width="718" height="311"/></a><figcaption>
Unbesetzte, abgesperrte Messestände. 
<br>
(Bild: A. Weise)
</figcaption></figure>



<p><strong>USA in der Leere der Räume </strong> <br>Nach etwas suchen fand ich die Halle, wo die US-Firmen zentral sich präsentierten. Und wie befürchtet zeigte sich das gleiche Bild wie vor zwei Jahren. Während sich auf dem Messegelände draußen und in den anderen Hallen die Besuchermassen drängelten, war hier Totenstille und gähnende Leere. Die Stände waren geschlossen. Kein Mensch weit und breit. Nur ein Wachmann schlurfte herum. Dabei hatte man im Vorfeld mit 50 Jahre Mondlandung und der Anwesenheit von einigen Weltraumveteranen geworben. Aber das war offensichtlich nur einem elitären Kreis vorbehalten. Auch hatte ich gehofft, etwas zu den amerikanischen Mond-Plänen zu erfahren. Fehlanzeige! Am Stand vom US-Verteidigungsministerium (… ja, die waren hier auch Aussteller!) lagen noch einige Exemplare der Zeitschrift „Defense News“ herum. Es sah aus, als hätte man die Halle fluchtartig verlassen. Vor wem war man nur „geflohen“? Vor dem französischen Publikum? Oder wollte man nur schnell ins Wochenende? </p>



<p><strong>Frankreich als Vorbild</strong>
<br>
Bleibt nur noch anzumerken, dass die Rückreise genauso perfekt lief, wie die Hinreise. Pünktlich landete der Flieger in Tegel. Und dass die hintere Treppe erst bereit stand, als sich fast alle Fluggäste schon durch den vorderen Ausstieg gezwängt hatten…:  Nun, det is Bärlin! </p>



<p>Und das Fazit? Manche Aussteller erkennen offensichtlich, dass man etwas für die Pflege des eigenen Images bei der westeuropäischen Öffentlichkeit machen sollte. Damit ist jetzt nicht nur Roskosmos gemeint. Andere Aussteller betrachten die Messe allerdings als reinen Kostenfaktor und präsentieren sich lieber im Hinterzimmer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und die Amerikaner? Die scheinen sowieso „first“ zu sein. Insofern setzt sich hier ein Trend fort, der bedauerlich ist. </p>



<p>Die französischen Gastgeber hatten wie gewohnt alles im Griff. Die Organisation war perfekt und sollte anderen Ausrichtern derartiger Veranstaltungen als Maßstab dienen. </p>



<p><strong>Weitere Bilder vom Messebesuch:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://media.raumfahrer.net/index.php?/category/408" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">SIAE Le Bourget 2019</a></li></ul>



<p><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=13603.msg440593#msg440593" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Le Bourget &#8211; Luft- und Raumfahrtausstellung in Paris</a></li></ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2019-so-wie-immer-nicht-ganz/" data-wpel-link="internal">Le Bourget 2019 &#8211; So wie immer? &#8211; Nicht ganz.</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Le Bourget 2017</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2017/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Aug 2017 10:07:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Aerosalon Paris]]></category>
		<category><![CDATA[CNES]]></category>
		<category><![CDATA[DLR]]></category>
		<category><![CDATA[ESA]]></category>
		<category><![CDATA[Le Bourget]]></category>
		<category><![CDATA[Messe]]></category>
		<category><![CDATA[Roskosmos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine kleine Reisegeschichte vom Juni 2017 … Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: Andreas Weise, Aerosalon Le Bourget. Los geht’s!Der Wecker klingelt. Es ist Freitag morgen, 4:00 Uhr. Heute ist der Tag, den ich schon im Dezember letzten Jahres vorbereitet hatte. Ich greife die Sammelmappe mit meinen Reisematerialien. Das Einchecken online hat am Vorabend irgendwie [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2017/" data-wpel-link="internal">Le Bourget 2017</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Eine kleine Reisegeschichte vom Juni 2017 …</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von <a href="https://www.raumfahrer.net/redakteure/" data-wpel-link="internal">Andreas Weise</a>.   Quelle: Andreas Weise, Aerosalon Le Bourget.</p>



<p><strong>Los geht’s!</strong><br>Der Wecker klingelt. Es ist Freitag morgen, 4:00 Uhr. Heute ist der Tag, den ich schon im Dezember letzten Jahres vorbereitet hatte. Ich greife die Sammelmappe mit meinen Reisematerialien. Das Einchecken online hat am Vorabend irgendwie nicht funktioniert. O.K.! Dann eben am Flugplatz. Was soll`s? Ich habe nur einen leichten Rucksack mit. Noch einen starken Kaffee zum hochfahren der Körperfunktionen und dann geht es ab nach Berlin zum schönsten Flughafen der Welt… nach Tegel.</p>



<p>Berlin selber ist um diese Zeit schon auf den Beinen. Doch ich komme gut durch den Verkehr. Am Flughafen angekommen, läuft zunächst alles wie am Schnürchen. Ich finde sofort einen Parkplatz im Parkhaus. Viel Zeit noch bis zum Abflug. Der Flieger einer deutschen Airline geht von einem separaten Terminal ab. Zwei Terminal-Anbauten hatte Tegel bekommen, die eigentlich nur zur Überbrückung von ein paar Monaten gedacht waren. Doch die Nichtfertigstellung des BER machte aus dem Provisorium eine Dauerlösung. Es wird Zeit, dass das Jahrhundertbauwerk BER endlich fertig wird. In der Abfertigungshalle dann der Schock. Es sieht aus, als ob eine Evakuierungsaktion läuft. Gefühlte Tausende von Menschen sind unterwegs, alle zur selben Airline. Bitte anstellen, egal wann ihr Flug geht! Einchecken per Terminal – gibt es nicht! Ich überschlage kurz die Schlangenlänge. Keine Chance, der Flieger ist nicht mehr erreichbar! Doch dann plötzlich steht jemand hinter dem Schalter für First-Class auf und brüllt: „Charles de Gaulle?!“ Vielstimmig ist das Echo aus allen Ecken der Schlange: „JA!!“</p>



<p>Minuten später halte ich zwei Bordkarten in der Hand. Eine für den Hinflug und die andere für den Rückflug. Ohne darauf zu schauen renne ich zur Sicherheitskontrolle. Das geht erfreulich schnell. Am Gate steigen die Passagiere schon ein. Ich werde es also gerade noch schaffen. Doch dann werde ich von der Frau, die die Flugscheine kontrolliert, angeschnauzt: „Sagen Sie es doch gleich, dass Sie keinen Sitzplatz haben&#8230;!“ Erst jetzt lese ich auf der Bordkarte „SBY“ (Standby). Toll! Und dafür bucht man schon im Dezember! Trotzdem bekomme ich noch einen Platz. Mehr wollte ich ja nicht.</p>



<p>In meiner Reihe sitzt am Fenster auf Platz A eine französische Dame. Wir hatten uns am Schalter kurz kennen gelernt. Ich sitze auf Sitz C, am Gang. Die Stewardess platziert einen Reisenden aus einer vermutlich indischen Gruppe direkt zwischen uns. Könnte ein Geschäftsmann sein. Die Französin rümpft plötzlich die Nase und dreht die Luftdusche über ihrem Kopf auf, während ich einen Ellenbogen in meine linke Seite bekomme. Im Augenwinkel erkenne ich den Grund. Der Herr auf Platz B hat es sich bequem gemacht und erst einmal die Schuhe ausgezogen. Ja, es ist eben ein internationaler Flug. Innerlich könnte ich schreien! Während die Flugbegleiter sich zum „Sicherheitsballett“ bereit machen, fällt mein Blick auf die obligatorische Spucktüte vor meinem Sitz. Dort steht in großen Buchstaben: „KEINE ANGST, WIR NEHMEN ES NICHT PERSÖNLICH.“ Ich muss innerlich lachen und mein Blutdruck senkt sich.</p>



<p>Eigentlich ist alles bislang gut gegangen. Ich blättere kurz meine Messeplanung durch. Das DLR arbeitet doch an Verkehrskonzepten?! Warum nicht auch für ein besseres Passagiermanagement an zu klein geratenen Flughäfen? Mein Blick fällt auf den Steward, der gerade die Getränke serviert. Irgendwie sieht der freundliche junge Mann etwas anders aus, als gewöhnlich. Ich frage keck und richtig: Der junge Mann ist 1,98 Meter groß. Seine Kollegin grinst nur. Ich überlege, ob solche Größen auch in der Raumfahrt möglich wären. Jähn und Ewald sind ja geradezu kleinwüchsig gegenüber Gerst.<br>Doch dann schließe ich die Augen. Der Pariser Aerosalon 2017 ruft…</p>



<p><strong>Ich träume…</strong><br><em>„Treffpunkt der internationalen Luft- und Raumfahrt war auch in diesem Jahr wieder der Pariser Salon, der […] auf dem Flughafen Le Bourget im Norden von Paris stattfand. Der im Jahre 1909 erstmalig durchgeführte Salon ist die größte internationale Ausstellung auf diesem Gebiet. Diese Einschätzung wird unterstrichen durch die Tatsache, daß die Ausstellungsfläche von Jahr zu Jahr vergrößert werden muß, weil die Zahl der Aussteller und ihrer Exponate ständig wächst. In diesem Jahr stellten 522 Firmen aus 16 Ländern aus. […] Erstmalig hatten die Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und die USA nationale Pavillons errichtet. […] Obwohl die anderen Länder, besonders die USA, in diesem Jahr alles versucht hatten, die UdSSR zu übertrumpfen, stand sie dennoch auch diesmal wieder im Mittelpunkt des Interesses, und zwar durch die Wostok-Trägerrakete, die hier erstmals öffentlich gezeigt wurde&#8230;„</em></p>



<p>Ja, man wird ja mal Träumen dürfen. Vor fast 50 konnte man in der Aero-Sport (heute FliegerRevue) in der Ausgabe 08/1967 auf Seite 304 einen großen spannenden Bericht über den 27. Aerosalon lesen, aus dem hier zitiert wird. Da war noch was los, damals. Kampf der Systeme und Kampf um das Publikum.<br>Wie würde es heute zum 52. Aerosalon aussehen? Ein Ruck durch die Maschine. Wir sind auf dem Pariser Airport Charles de Gaulle, Terminal-1 angekommen.</p>



<p><strong>Willkommen in Paris…</strong><br>Wir provinziell wirkt Berlin gegenüber diesem Pariser Flughafen! Durch lange Gänge und Rollstege gelangt man zum Ausgang. Am ersten Info-Point sieht man gleich das Logo des Aero-Salons. Die nette Dame gibt freundlich den Hinweis, wo der Shuttle-Bus zum Messegelände fährt. Kurze Frage noch von ihr, wo man her komme und dann „Au revoir“. Am angegebenen Busbahnsteig steht ein klimatisierter Reisebus bereit. Ich frage den Fahrer, ob die Fahrt kostenlos sei. Der lacht über das ganze Gesicht: Aber natürlich!</p>



<p>Nach eine kurzen Fahrt über die Schnellstraße ist man in Le Bourget. Die letzten tausend Meter sind die schwersten. Der Verkehr ist sehr dicht. Am Eingang wird mein Rucksack zweimal durchsucht, dann durchleuchtet und ich abgetastet. „Sicherheit“ wird groß geschrieben. Gegen 10 Uhr bin endlich auf dem Messegelände angekommen. Eigentlich eine sehr gute Zeit.</p>



<p><strong>Die Russen…</strong><br>Zum Thema Raumfahrt bin ich zuerst am Stand von Roskosmos. Nicht weil ich dort unbedingt zu erst hin wollte, sondern weil er sich gleich in der ersten wichtigen Halle findet. Auffallend ist, die französischen Gastgeber haben viel Technik aufgeboten, um die Ausstellungshallen zu kühlen und zu klimatisieren.</p>



<p>Kühl auch das Klima am Stand. Ein halbes dutzend bildhübscher Damen sitzen dort und schweigen. Und wenn man Sie etwas fragt, können Sie keine Auskunft geben. „Ja, das Prospekt von ENERGIA zur neuen russischen Spacecraft ist ganz neu.“ Allerdings kenne ich das bereits seit mindestens zwei Jahren. Nicht einmal der neue Name „Föderation“ taucht irgendwo auf.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Roscosmos02a_gross-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Roscosmos02a_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Modell des neuen russischen Raumschiffs<br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p>Die Modelle der Sojus-Raketen sind auch gefühlt steinalt. Angara fehlt komplett, ebenso Hinweise auf Wostotschny. Die zwei breitschultrigen Herren am Stand sind auch nicht viel gesprächiger. Möchte man es den Russen übel nehmen? Vor wenigen Stunden hatte EU-Ratspräsident Donald Tusk die Verlängerung der Wirtschafts-Sanktionen gegen Russland verkündet. Verständlich, wenn man hier die bloße Anwesenheit von Roskosmos schon als Erfolg werten muss. Man schreibt eben nicht mehr das Jahr 1967! In einem Monat wird es mehr zu sehen geben. Dann hat Roskosmos sein Heimspiel auf der MAKS bei Moskau. Ich bin gespannt, was dort zu sehen ist. Jetzt ist aber erst einmal interessant, was hier nicht (!) zu sehen ist. An der Decke hängt ein Modell der ISS. Dieses unterscheidet sich von dem Modell, was ich später bei der ESA sehen werde. Es sind mehr russische Module zu sehen. Erklärungen gibt es nicht.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Roscosmos-03-ISS_gross-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Roscosmos-03-ISS_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Modell der Internationale Raumstation ISS<br> mit zus. russischen Modulen<br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p>Und wo ist hier das lufttragende Fluggerät, genannt Flugzeug? Russische Flugzeuge sind seit Jahren immer seltener auf solchen Messen im westeuropäischen Ausland zu sehen. Da macht Le Bourget genau so wie die ILA keine Ausnahme. Ob es daran liegt, dass man Angst vor der Pfändung von Fluggerät durch Gläubiger von gescheiterten Jointventures hat oder ob das Klima durch die aktuellen Wirtschaftssanktion entsprechend vergiftet ist? Vermutlich von beidem etwas.</p>



<p>Irkut zeigte jedenfalls den Flugsimulator seines neuen Passagierjets MC-21, ein Konkurrenzmodell für den A320 von AIRBUS. Auf meine Frage hin wurde die Präsentation des Prototyps auf der MAKS in Moskau nächsten Monat in Aussicht gestellt. Das wird bestimmt dort die ganz große Show. Das ist ja dann auch ein Heimspiel für die Russen.</p>



<p>Draußen auf dem Display neben einer Mülltonne sind noch die Reste vom Stand der Suchoj Superjet 100 zu finden. Diese war in den Farben einer mexikanischen Fluggesellschaft dort ausgestellt gewesen, ist aber auch schon längst wieder auf dem Heimweg.</p>



<p>Der zusammenfassende Eindruck: Russlands Ausstellerpräsenz war ein Höflichkeitsbesuch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im Moment scheint nicht mehr möglich zu sein.</p>



<p><strong>Die USA</strong><br>Die USA hatten einen eigenen Pavillon. Am frühen Freitag Nachmittag, dem ersten Publikumstag von insgesamt drei „offenen“ Tagen, begann man mit dem Abbau. Die Stände waren verweist, Handwerker demontierten die ersten Trennwände ab. Jemand lief mit einer Flasche Sekt herum und rief nach den verbliebenen Standbetreuern. In einem mit leeren Tischen abgesperrten Bereich konnte man ausgelassenes Gelächter hören. Vermutlich freute man sich, dass man rechtzeitig zum Wochenende nach Hause kam. So etwas hätte es früher nicht gegeben! Aber früher war sowieso alles anders! Die Zeiten ändern sich eben. Ich frage mich bloß, was für den Luftfahrt-Fan besser ist: Schweigende Russen oder abgereiste Amerikaner.</p>



<p><strong>Die Deutschen, der BDLI</strong><br>Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) ist einer der größten Aussteller. Alles was in Deutschland Rang und Namen hat, ist hier vertreten. Ich kann interessante Gespräche mit der „Astro- und Feinmechanik Adlershof GmbH“ und der „Jena-Optronik GmbH“ führen. Die Zeit vergeht dabei wie im Fluge.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/DLR01_gross-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/DLR01_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Einige deutsche Aussteller<br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p><strong>Das DLR</strong><br>Zunächst fällt mir auf: Das Projekt Spaceliner ist nirgends zu sehen. Vor zwei Jahren war dieses Hyperschallprojekt noch Starobjekt in Paris und Moskau. Vielleicht liegt es daran, dass man in Le Bourget dieses Jahr reale Supersonic-Projekte, die kurzfristig auch realisierbar sind, vorstellte. Vielleicht wollte man aber auch nicht immer das Selbe zeigen. Spaceliner steht und fällt, wie so vieles, mit der Finanzierung und dem Mut zur Realisierung. Und das DLR braucht da zahlungskräftige Partner.</p>



<p>Aber man kann nicht den DLR-Auftritt auf ein Projekt eingrenzen. Ich lasse mir das Projekt CRISPmulti erklären. Hier wird Grundlagenforschung an zwei gegenläufigen Schaufelrädern in einem Turbofan-Triebwerk betrieben. Das DLR hat eben nicht nur etwas mit Raumfahrt zu tun, wie manche Fans mitunter vergessen. Sonst würde es ja DR und nicht DLR heißen. Und wie vielschichtig das DLR aufgestellt ist, erklärt mir mit freundlicher Stimme und Engelsgeduld Falk Dambowsky. Er berichtet von Aufgaben der Erderkundung mit Tandem-L, neusten Radar-Projekten dazu und das Projekt Firebird mit TET-1 zur Waldbranderkennung. Trotz gegensätzlicher, alternativer Meinungen aus Amerika scheint man die Sache mit dem Klimawandel beim DLR ernst zu nehmen. Die Zusammenarbeit mit Russland werde nicht nur durch die Sicherung des Flugbetriebes der ISS bestimmt. Man hat auch gemeinsame Forschungsprojekte. Auf der MAKS nächsten Monat werde man wieder einen großen eigenen Stand haben.</p>



<p>Für mich präsentiert sich das DLR in Le Bourget wie immer hoch interessant und breit aufgestellt. Wenn man das doch von anderen Ausstellern auch so sagen könnte…</p>



<p><strong>Die ESA</strong><br>Die ESA hatte wie immer einen eigenen Pavillon. Anstehen ist angesagt. Wartezeit mindestens 30 Minuten in sengender Sonne. Im Inneren wird gerade über Philae in einem großen Vortrag berichtet. Léopold Eyharts ist auch anwesend und beantwortet dem Publikum Fragen zur ISS. In einer Vitrine stehen kleine Modelle von Exo-Mars. Ein größeres Modell zeigt die Ariane 6.</p>



<p>Mein Eindruck: Die ESA befindet sich gerade in einer „Zwischenzeit“. Die vergangenen Erfolge von Philae hallen noch nach. Die neuen Erfolge von Exo-Mars sind noch nicht eingetroffen. Hoffentlich „vergeigt“ man das nicht, denke ich. Es wäre einen Katastrophe für das Image der europäischen Raumfahrt. An der Decke schwebt ein kleines Modell der ISS und in einem Newsmagazin kann man ESA-Chef Wörner und sein Monddorf sehen. Aufregendes gibt es nicht zu bestaunen. Wie gesagt, man befindet sich gerade zwischen Vergangenem und Zukünftigem.</p>



<p><strong>Die CNES</strong><br>Die französische Raumfahrtbehörde CNES hat gleich neben der ESA einen eigenen Pavillon. Hier ist die Warteschlange noch länger und mir läuft die Zeit davon. Ich entscheide mich dafür, mich nicht in die Wartenden einzureihen. Der Eingang ist dekoriert mit einem Werbehinweis auf die neue Comic-Verfilmung „Valerian“. Der französische Kult-Comic hat es nun endlich auch in die Kinos geschafft. Die Mischung von „Star-Wars“ und „Avatar“ wird den Besucher auch in den deutschen Kinos erwarten. Hier wird eine wirklich sehr weit entfernte Zukunftsvision beschrieben. Aber das hat freilich nichts mit aktueller Raumfahrt zu tun und so vermute ich, dass Frankreich auch nicht viel außergewöhnlich Neues zu zeigen hatte.</p>



<p><strong>Das Display: Die Freifläche.</strong><br>Ich stehe bei backofenähnlichen Temperaturen im Freien und genieße eine sehr teure kalte Cola. Der Blick sucht die neuen Flugzeuge.<br>„Ja, wo stehen sie denn?“ Das hätte eher heißen sollen: „Ja wo standen sie denn?“ Die meisten Aussteller hatten ihr Fluggerät bereits abgezogen. Ein Phänomen, das bereits ein Jahr zuvor auf der ILA schmerzlich zu beobachten war. Die Aussteller zeigen ihre teuren Flieger nur an den Fachbesuchertagen. Für die Publikumstage ist dann kein Geld mehr da. Als ich gegen halb zehn am Morgen noch im Bus sitzend auf dem Weg zum Messegelände war, startete gerade der ukrainische Transporter AN-132. Donnerwetter, dachte ich. Hier fängt man aber früh mit dem Flugprogramm an. Dass die Maschine sich aus dem Staube, bzw. auf den Heimweg machte, hatte ich gar nicht erwartet.</p>



<p>Wer (wie immer) bis zum Schluss blieb, war die US-Air Force. Die wird aber vermutlich nicht privat finanziert, wie die meisten Aussteller.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Zero_G_gross-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Zero_G_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Airbus A310 &#8222;Zero G&#8220;<br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p>Über einen „alten Bekannten“ habe ich mich dann doch noch sehr gefreut. Der Zero-Gravity-Airbus war da. Die Maschine dient für Parabelflüge zur Simulation von Schwerelosigkeit. Das Flugzeug vom Typ A310 trägt die aktuelle französische Flugkennung F-WNOV. Ursprünglich war diese Maschine für die DDR-Fluggesellschaft Interflug gebaut worden und dort unter der Kennung DDR-ABA geflogen. Später kam sie dann zur Flugbereitschaft der Bundesluftwaffe und tat dort als Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ ihren Dienst. Das besondere an dieser A310 ist, dass sie mit zusätzlichen Tanks ausgerüstet wurde, die die Flugreichweite erhöhen.</p>



<p><strong>Das Fazit</strong><br>Das Fazit nach über siebeneinhalb Stunden Aufenthalt auf dem Gelände der weltgrößten Luft- und Raumfahrtschau fällt ernüchternd aus. Allerdings ist es nicht überraschend. Der Trend, die Kosten der Aussteller zu senken, zu Ungunsten einer Präsentation für das breite, steuerzahlende Publikum, hält an. Dies war in Le Bourget 2015 und auf der ILA 2016 bereits erkennbar. Ich wage zu orakeln, dass es auf der MAKS nächsten Monat in Moskau ganz anders sein wird. Da wird wieder bestimmt alles aufgefahren, was Russland zu bieten hat. Aber da ist auch die Zielrichtung gegenüber dem Zuschauer eine andere als hier in Westeuropa. Einen Kontrapunkt zur Luftfahrt in Le Bourget hat die Raumfahrt gesetzt. Hier war man bemüht, die Begeisterung beim Publikum zu wecken und zu schüren. Dank dafür an ESA und DLR. Es besteht also Hoffnung.</p>



<p>Am Ausgang steht auf einem großen Schild die obligatorische Einladung zu Le Bourget 2019. Ich überlege ernsthaft, ob ich mich dann dem Stress noch einmal aussetze. Nach der Abwägung aller Fakten würde ich im Augenblick sagen: Nein! Aber 2019 ist noch lange hin und man sollte keine übereilten Entscheidungen treffen.</p>



<p><strong>Und zurück…</strong><br>Der Bus zum Flughafen ist fast voll besetzt. Alle sind gut gelaunt. Die Klimaanlage funktioniert und man kann noch einmal Pariser Verkehrsgeschehen bewundern. Im spätnachmittäglichen Berufsverkehr regeln in Le Bourget zwei Polizistinnen den Verkehr an einer großen Kreuzung. Die Ampel leuchtet zwar, aber das Sagen haben die beiden Damen mit der Trillerpfeife im Mund und den Pistolen am Gürtel. Koordination von mehreren abbiegenden Fahrzeugen bei gleichzeitiger Freigabe der Hauptverkehrsrichtung! Alle Achtung. In Berlin hätte es nach 10 Sekunden bestimmt schon den ersten Unfall gegeben. Hier funktioniert aber die Organisation des Chaos! Fast unglaublich.</p>



<p>Am Terminal-2 steigen dann fast alle aus. Ich frage, ob der Bus jetzt noch zum Terminal-1 fährt. Aber natürlich! Da dieser am anderen Ende des Flughafengeländes ist, genieße ich noch einmal die „Besichtigungsfahrt“. Der Durchmarsch durch die Sicherheitskontrollen geht schnell von statten. Kaum im Wartebereich angekommen, erfahre ich, dass der Flug nach Berlin die schon fast traditionelle Dreiviertelstunde Verspätung hat. Der Warteraum ist überfüllt. Sitzplätze Mangelware. Endlich im Flieger teilt der Flugkapitän gut gelaunt mit, man wäre in Berlin zu spät losgeflogen, weil es dort an der Abfertigung Verzögerungen gab. Irgendwoher kennt man das schon.</p>



<p>Dann rast er zur Startbahn los. Man könnte meinen „Captain Speedways“ sitzt höchstpersönlich am Steuer. Plötzlich eine Vollbremsung und alle werden aus den Sitzen nach vorn gerissen. „Jetzt hat er beinahe die Ausfahrt verpasst…!“ freut sich lauthals eine Schulklasse im hinteren Teil der Kabine.<br>Später nach der Landung in Tegel rast der Jet noch einmal über das Flugfeld zur Parkposition. Trotz dieser sportlichen Einlage gelingt es ihm nicht, die Verspätung aufzuholen. Wieder eine Vollbremsung und die Durchsage „Bitte bleiben Sie noch angeschnallt sitzen. Die Bodenabfertigung ist noch nicht vor Ort eingetroffen&#8230;“ Berlin – Ich bin wieder zu Hause!<br>Gegen 1 Uhr des nächsten Tages komme ich dann daheim an.</p>



<p>Ob sich der Aufwand gelohnt hat? Die Hoffnung auf Verbesserung bleibt. In zwei Jahren wieder!</p>



<p><em>(Dieser Text wurde hauptsächlich Anfang Juli geschrieben. Inzwischen fand auch die MAKS in Moskau statt.)</em></p>



<p><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=13603.msg395274#msg395274" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Le Bourget &#8211; Luft- und Raumfahrtausstellung in Paris</a></li></ul>
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		<title>Le Bourget 2015 &#8211; Jeder fliegt für sich alleine &#8230;</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2015-jeder-fliegt-fuer-sich-alleine/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2015 18:17:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[InSound]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das waren noch Zeiten: In den Endsechzigern bis in die achtziger Jahre war die weltgrößte Flugzeugschau in Le Bourget bei Paris DER Schauplatz für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Heute fliegt jeder für sich alleine. Meint Andreas Weise in eigener, subjektiver Betrachtung. Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: Kommentar nach Ausstellungsbesuch. Vertont von Peter Rittinger Es [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Das waren noch Zeiten: In den Endsechzigern bis in die achtziger Jahre war die weltgrößte Flugzeugschau in Le Bourget bei Paris DER Schauplatz für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Heute fliegt jeder für sich alleine. Meint Andreas Weise in eigener, subjektiver Betrachtung.</p>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: Kommentar nach Ausstellungsbesuch. Vertont von Peter Rittinger   </p>



<figure class="wp-block-audio"><audio controls src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ismobil-2015-06-26-52361.mp3"></audio></figure>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/z02planesfdr1500.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/z02planesfdr260.jpg" alt="" class="wp-image-16935" width="260" height="195"/></a><figcaption>Flugzeuge über Le Bourget
(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p>Es gab nicht nur Fachbesuchertage für einen eingeschränkten elitären Kreis. Dem einfachen Normalbesucher, der nicht unbedingt in der Lage war, eines der ausgestellten Flugzeuge zu erwerben, wurde seinerzeit eine Menge geboten. Brot und Spiele wolle man meinen.</p>



<p>Das Werben um den „normalsterblichen Besucher“, der nach dem Staunen über die technischen Errungenschaften jener Zeit dann zurück in sein alltägliches Leben ging, hatte tiefere Gründe. Die Ausstellung in Paris war auch eine Leistungsschau der sich damals gegenüberstehenden Systeme.</p>



<p>Die UdSSR bot alles auf, um die Vorzüge ihres Systems dem westlichen Publikum schmackhaft zu machen. Unvergessen sind die Präsentation der Wostok-Trägerrakete (1967), des Überschallpassagierflugzeuges TU-144 und des weltgrößten Hubschraubers W-12 (1971). Es folgten Sojus-Apollo (1973), Raumstation Salut-6 (1979) und Raumgleiter Buran (1989).</p>



<p>Aber auch der Westen zeigte alles, was das breite Publikumsherz begehrte. Klar, es ging bei den Präsentationen auch um die Akzeptanz der Steuer zahlenden Bevölkerung.</p>



<p>Nach der Beendigung des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion mitsamt des Ostblocks war man auf Selbstfindung. Für den Zuschauer war das eine tolle Zeit. Geradezu freundschaftlich flogen Amerikaner, Westeuropäer zusammen mit Russen unter den staunenden Blicken des Publikums in den Flugschauen.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/ESAdegradeingfdr1500.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/ESAdegradeingfdr260.jpg" alt="" class="wp-image-16933" width="260" height="347" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/ESAdegradeingfdr260.jpg 260w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/ESAdegradeingfdr260-225x300.jpg 225w" sizes="(max-width: 260px) 100vw, 260px" /></a><figcaption>Logo auf Ausstellungsstück, das schon bessere Zeiten sah
(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p>Und heute, 2015, in Paris?<br>Die Organisatoren hatten wirklich alles aufgeboten, um dem Publikum ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Mir persönlich ist sehr positiv aufgefallen, wie man zum Beispiel vom Flughafen Charles de Gaulle, freundlich und mit viel französischen Charme, zum Ausstellungsgelände geleitet wurde. Stress- und kostenfrei, versteht sich.</p>



<p>Auf dem Gelände angekommen fragen meine mitreisenden Freunde zweimal, ob in den (nur) 14 Euro Eintrittspreis auch alles Notwendige enthalten wäre. Natürlich! Inklusive Museumsbesuch der Luft- und Raumfahrt auf dem Gelände. Auch ansonsten war ein Großaufgebot an freundlichem Service-Personal angetreten. Ja, das fiel wirklich auf. Leider hatte der Veranstalter aber nicht den Einfluss auf das Ausstellerverhalten.</p>



<p>Es hatte den Eindruck, dass die Messe nach den Fachbesuchertagen beendet war. In der Presse waren gigantische Vertragsabschlusszahlen von Airbus und Boeing zu lesen. Das Rennen um den finanzpotenten Kunden war gelaufen. Und so wurde das große Fluggerät teilweise abgezogen. Boeings neuste 787 und der Sukhoi Superjet-100 waren schon auf dem Heimflug, als am Freitag der normale Besucher das Flugfeld stürmte. Und der bekam folgendes zu sehen: Das rein französische Kampfflugzeug Rafale und einen chinesisch-pakistanischen Jet. Eurofighter, aber auch Sukhoi oder MiG waren erst gar nicht angereist.</p>



<p>Während auf der ILA 2014 in Berlin noch ein Riesentransportflugzeug vom Typ AN-124 daran erinnerte, dass so manche Bundeswehrtruppenverlegung ohne russischen Transportmaschinen gar nicht möglich gewesen wäre, war von den Russen in Paris auf dem Vorfeld weit und breit nichts zu sehen. Diese beschränkten sich in den Hallen auf zugegeben gut gemachte Computeranimationen und Hochglanzprospekte.</p>



<p>Von den großen Namen aus Sowjetzeiten war nur der ukrainische Flugzeugbauer Antonow übrig geblieben, der sein nagelneues Transportflugzeug AN-178 an den Käufer bringen wollte. Die Firma kämpft ums Überleben, ist doch der Hauptabnehmer ihrer Produkte, Russland, als Kunde de-facto nicht mehr existent. Damit durfte auch das seit über 20 Jahren schleichende Projekt des Transportflugzeuges AN-70 endgültig den Todesstoß bekommen haben. Vor zwei Jahren flog diese noch „gegen“ den europäischen Konkurrenten Airbus A400M in Le Bourget in der Publikumsvorführung. Jetzt, 2015, hatte der A400M die Show ganz für sich alleine.</p>



<p>Der einzige wirklich große Hingucker war ein Airbus A350 von Qatar-Airways. Warum nun diese zuschauerunfreundliche Entwicklung? Zum einen wird Russland wegen der Ukraineproblematik systematisch ausgegrenzt. Andererseits hat aber auch Russland kein Interesse, sich in die Karten schauen zu lassen.</p>



<p>Vielleicht glaubt man auch, in Paris nicht unbedingt die Käufergruppe zu finden, die man für seine Produkte sucht. Also spart man sich die kostspielige Reise. In zwei Monaten auf der Gegenveranstaltung, der MAKS in Moskau, wird garantiert dann alles gezeigt, was Russland in Sachen Luft- und Raumfahrt so zu bieten hat. Und die großen westlichen Hersteller haben den Markt unter sich aufgeteilt. Sie haben volle Auftragsbücher und brauchen im Moment nicht um die Gunst des kleinen Mannes buhlen.</p>



<p>Die einzige, seit Jahren für das Publikum konstante Größe ist … die US Air Force (!). Egal, ob ILA oder Le Bourget: Die amerikanische Luftmacht ist präsent. Zwar ist nicht anzunehmen, das von den gezeigten Maschinen, wie A10, F15 oder F16 dort auch nur eine zum Verkauf steht. Aber man gibt sich publikumsnah. Man ist eben auf Imagepflege orientiert und lässt sich das auch etwas kosten. Ob die Amerikaner auch nach Moskau auf die MAKS anreisen, wie vor vier Jahren, bleibt allerdings anzuzweifeln.</p>



<p>Das Thema Raumfahrt lud auch nicht zu Begeisterungsstürmern ein. Zuerst stand ein Besuch am russischen Gemeinschaftsstand an. Prospektmaterial und Modelle waren augenscheinlich die selben, wie ein Jahr zuvor auf der ILA in Berlin. Die Raketenmodelle von Sojus, Angara, Proton und Co. hatte man, gefühlt schon Jahre, vorher gesehen. Kaum gesprächig waren die Damen an den Ständen. Man war äußerst freundlich, aber wenig aussage-willig. Es gab einfach nichts Neues zu berichten. Hier verfestigte sich der Eindruck, man war nur aus Höflichkeitsgründen anwesend. Die eigentlichen heißen News werden bestimmt für die MAKS im August aufgehoben – hofft der Besucher.</p>



<p>Im ESA-Pavilion ging es ebenfalls relativ ruhig zu. Philae war hier einer der „Stars“ &#8211; wie konnte es anders sein?! An der Decke hing ein kleines, fast mickriges, Modell der Orion-ATV-Kombination. Der Ariane 6 wurde eine Plakatfläche inklusive eines 1:20 Modells gewidmet. Nein, so sieht es nicht nach Aufbruchstimmung in eine neue raketen- und raumfahrttechnische Zukunft aus. Prof. Jan Wörner als neuer ESA-Chef wird es schwer haben, emotionalen Schwung, auch beim Steuerzahler, hinein zu bringen.</p>



<p>Mit einem Objekt versuchte man dann dennoch doch zu punkten. Vor der Halle war unter freiem Himmel der IXV-Versuchsflugkörper nach seinem erfolgreichem Flug ausgestellt. Eine etwas detailliertere Erläuterung, was es mit dem etwas unförmiges Ding auf sich hat, wäre wünschenswert gewesen.</p>



<p>Das DLR fand man auf dem Gemeinschaftsstand des BDLI (Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V). Hier war neben Philae das optische Prunkstück ein Modell des SpaceLiner. Ein DLR-Entwurf für ein ballistisches interkontinentales Luftverkehrssystem. Ein sehr interessantes Konzept, das aber erst in fernerer Zukunft verwirklicht werden könnte, zumal man die entsprechenden Geldgeber noch nicht gefunden hat. Doch was wird die nahe Zukunft bringen? Nun, es war eben nicht das Heimspiel des DLR, so wie auf der ILA.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/ESAa6fdr1500.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/ESAa6fdr260.jpg" alt="" class="wp-image-16931" width="260" height="195"/></a><figcaption>Ariane 6 präsentiert im ESA-Pavilion
(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure>



<p>Fazit zum Thema internationale Raumfahrt in Le Bourget: Man feiert die erreichten Erfolge. Das ist auch gut so und völlig richtig. Aber die Visionen, der Schub nach vorn, der war nicht zu spüren. Weder bei Ariane 6 noch bei anderen Projekten. Und die russische Präsenz bestand darin, das sie vorhanden war. Alles in allem war es für einen interessierten raumfahrtbegeisterten Amateur sehr ernüchternd.</p>



<p>Trösten konnte da ein kurzer Besuch im französischen Museum für Luft- und Raumfahrt auf dem Gelände. Sehr empfehlenswert! Aber erstens ist dort die Vergangenheit ausgestellt. Und zweitens muss man dazu nicht extra zur größten Luft- und Raumfahrtmesse anreisen. Der Besuch dort ist das ganze Jahr über möglich.</p>



<p>In Le Bourget war die Zukunft nicht so richtig zu entdecken. Warten wir die <a href="https://www.raumfahrer.net/kommentar-die-maximale-maks/" data-wpel-link="internal">MAKS in Moskau</a> im August ab. Vielleicht sieht man dort mehr. Vielleicht &#8230;</p>



<p>Andreas Weise</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/le-bourget-2015-jeder-fliegt-fuer-sich-alleine/" data-wpel-link="internal">Le Bourget 2015 &#8211; Jeder fliegt für sich alleine &#8230;</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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