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	<title>GJ 3512 b &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>GJ 3512 b &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>Ein Planet, der nicht existieren sollte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2019 07:54:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
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		<category><![CDATA[CARMENES]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Astronominnen und Astronomen haben bei einem kleinen Stern einen Planeten aufgespürt, der viel massereicher ist, als theoretische Modelle voraussagen. Während die überraschende Entdeckung einem spanisch-deutschen Team in einem Observatorium in Südspanien gelang, untersuchten Forschende an der Universität Bern, wie der rätselhafte Exoplanet entstanden sein könnte. Eine Medienmitteilung der Universität Bern. Quelle: Universität Bern. Der rote [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading" id="astronominnen-und-astronomen-haben-bei-einem-kleinen-stern-einen-planeten-aufgespurt-der-viel-massereicher-ist-als-theoretische-modelle-voraussagen-wahrend-die-uberraschende-entdeckung-einem-spanisch-deutschen-team-in-einem-observatorium-in-sudspanien-gelang-untersuchten-forschende-an-der-universitat-bern-wie-der-ratselhafte-exoplanet-entstanden-sein-konnte-eine-medienmitteilung-der-universitat-bern">Astronominnen und Astronomen haben bei einem kleinen Stern einen  Planeten aufgespürt, der viel massereicher ist, als theoretische Modelle voraussagen. Während die überraschende Entdeckung einem spanisch-deutschen Team in einem Observatorium in Südspanien gelang,  untersuchten Forschende an der Universität Bern, wie der rätselhafte  Exoplanet entstanden sein könnte. Eine Medienmitteilung der Universität Bern. </h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph"> Quelle: Universität Bern.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0120190926UniBE1200pger1500.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0120190926UniBE1200pger260.jpg" alt="Künstlerische Darstellung eines jupiterähnlichen Planeten mit bläulicher Farbe in einer Umlaufbahn um einen kühlen Roten Zwerg.
(Bild: CARMENES/RenderArea/J. Bollaín/C. Gallego)" width="265" height="176"/></a><figcaption> Künstlerische Darstellung eines jupiterähnlichen Planeten mit bläulicher Farbe in einer Umlaufbahn um einen kühlen Roten Zwerg. <br>(Bild: CARMENES/RenderArea/J. Bollaín/C. Gallego)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der rote Zwergstern GJ 3512 befindet sich rund 30 Lichtjahre von uns entfernt. Obwohl er nur ein Zehntel so viel Masse wie die Sonne hat, besitzt er einen Riesenplaneten – eine unerwartete Beobachtung. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0320190926UniBE1800pger1500.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0320190926UniBE1800pger260.jpg" alt="" width="255" height="170"/></a></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">«Es sollte um solche Sterne eigentlich nur erdgrosse Planeten oder höchstens etwas massereichere Super-Erden geben», sagt Professor Christoph Mordasini vom Physikalischen Insitut der Universität Bern und Mitglied des Nationalen Forschungsschwerpunkts PlanetS: «GJ 3512b ist hingegen ein Riesenplanet mit einer Masse ungefähr halb so gross wie diejenige von Jupiter, und somit mindestens eine Grössenordnung massereicher als die Planeten, die von theoretischen Modellen für so kleine Sterne vorausgesagt werden.» </p>



<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="wp-block-group__inner-container">
<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0220190926UniBE1800pger1500.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0220190926UniBE1800pger260.jpg" alt="" width="270" height="179"/></a><figcaption> Vergleich der synthetische Planetenpopulation  vorausgesagt vom Berner Modell mit dem Sonnensystem, bzw. mit Trappist 1  und GJ 3512b. Sonnensystem und Trappist 1 stehen im Einklang mit dem  Modell, GJ 3512b hingegen ist viel massereicher als die Voraussagen des  Modells. <br>(Bild: Universität Bern, Graphik: Christoph Mordasini)</figcaption></figure></div>
</div></div>



<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Aufgespürt wurde der rätselhafte Planet von einem spanisch-deutschen Forschungskonsortium namens CARMENES, das sich die Entdeckung von Planeten bei kleinsten Sternen zum  Ziel gesetzt hat. Dazu baute das Konsortium ein neuartiges Instrument, das im Observatorium Calor Alto auf 2100 m ü.M. in Südspanien installiert wurde. Beobachtungen mit diesem Infrarot-Spektrographen zeigten, dass sich der kleine Stern regelmässig auf uns zu und wieder weg bewegte – ein Phänomen, ausgelöst von einem Begleiter, der in diesem Fall besonders massereich sein musste. Weil diese Entdeckung so unerwartet kam, kontaktierte das Konsortium unter anderen die Berner Forschungsgruppe um Mordasini, die zu den weltführenden Expertinnen und Experten in der Theorie der Planetenentstehung gehört, um plausible Szenarien zur Bildung des grossen Exoplaneten zu diskutieren. Die Arbeit aller Beteiligten ist nun in der renommierten Fachzeitschrift Science  veröffentlich worden. </p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schrittweiser Aufbau oder Kollaps?</strong><br>«Unser Modell zur Entstehung und Entwicklung von Planeten sagt voraus, dass bei kleinen Sternen eine grosse Zahl von kleinen Planeten gebildet werden», fasst  Mordasini zusammen und führt als Beispiel ein anderes, bekanntes Planetensystem an: Trappist-1. Bei diesem Stern, der mit GJ 3512 vergleichbar ist, existieren sieben Planeten mit Massen, die ungefähr einer Erdmasse oder sogar weniger entsprechen. In diesem Fall stimmen die Berechnungen des Modells gut mit der Beobachtung überein. Nicht so bei GJ 3512. «Unser Modell sagt voraus, dass es um solche Sterne gar keine Riesenplaneten geben sollte», sagt Mordasini. Eine mögliche Erklärung für das Versagen der gängigen Theorie könnte der Mechanismus sein, der dem Modell zugrunde liegt, die sogenannte Kernakkretion. Dabei entstehen Planeten, indem sie schrittweise durch Ansammlung von kleinen Körpern zu immer grösseren Massen wachsen. Die Fachleute nennen dies  einen «bottom-up-Prozess». </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist der Riesenplanet GJ 3512b aber durch einen fundamental anderen Mechanismus gebildet worden, durch einen sogenannten gravitationellen Kollaps.  «Dabei kollabiert ein Teil der Gasscheibe, in der die Planeten entstehen, direkt unter seiner eigenen Schwerkraft», erklärt Mordasini: «Ein top-down-Prozess.» Doch auch dieser Erklärungsansatz hat Probleme. «Wieso ist in diesem Fall der Planet nicht noch weiter angewachsen und  noch näher zum Ster gewandert? Beides würde man erwarten, wenn die Gasscheibe genug Masse hat, damit sie unter ihrer Gravitation instabil werden kann», sagt der Experte und meint: «Der Planet GJ 3512b stellt also eine wichtige Entdeckung dar, die unser Verständnis, wie Planeten  um solche Sterne entstehen, verbessern sollte.» </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0420190926UniBE528pger800.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/0420190926UniBE528pger260.jpg" alt="Christoph Mordasini Physikalisches Institut, Weltraumforschung und Planetologie (WP) Universität Bern
(Bild: Universität Bern)" width="261" height="391"/></a><figcaption> Christoph Mordasini Physikalisches Institut, Weltraumforschung und Planetologie (WP) Universität Bern <br>(Bild: Universität Bern)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Berner Weltraumforschung: Seit der ersten Mondlandung an der Weltspitze</strong><br>Als am 21. Juli 1969 Buzz Aldrin als zweiter Mann auf dem Mond aus der Mondlandefähre stieg, entrollte er als erstes das Berner Sonnenwindsegel und steckte es noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes. Dieses Solarwind Composition Experiment (SWC), welches von Prof. Dr. Johannes Geiss und seinem Team am Physikalischen Institut der Universität Bern geplant und ausgewertet wurde, war ein erster grosser Höhepunkt in der Geschichte der Berner Weltraumforschung.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berner Weltraumforschung ist seit damals an der Weltspitze mit dabei. In Zahlen ergibt dies eine stattliche Bilanz: 25mal flogen Instrumente mit Raketen in die obere Atmosphäre und Ionosphäre (1967-1993), 9mal auf Ballonflügen in die Stratosphäre (1991-2008), über 30 Instrumente flogen auf Raumsonden mit, und mit CHEOPS teilt die Universität Bern die Verantwortung mit der ESA für eine ganze Mission (Start letztes Quartal 2019). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die  erfolgreiche Arbeit der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie (WP) des Physikalischen Instituts der Universität Bern wurde durch die Gründung eines universitären Kompetenzzentrums, dem Center for Space and Habitability (CSH), gestärkt. Der Schweizer Nationalsfonds sprach der Universität Bern zudem den Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) PlanetS zu, den sie gemeinsam mit der Universität Genf leitet. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn Zwerge Riesen gebären</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/wenn-zwerge-riesen-gebaeren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2019 07:37:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[CARMENES]]></category>
		<category><![CDATA[Exoplaneten]]></category>
		<category><![CDATA[GJ 3512 b]]></category>
		<category><![CDATA[MPIA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Exoplanet fordert aktuelle Modelle zur Entstehung von Planeten heraus. Eine Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie. Quelle: Max-Planck-Institut für Astronomie. Astronom*innen des CARMENES-Konsortiums haben einen neuen Exoplaneten entdeckt, der nach derzeitigem Wissensstand nicht existieren dürfte. Die Forschungsgruppe unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA, Heidelberg) fand einen Gasplaneten, dessen Masse im Vergleich zu seinem Mutterstern [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Ein Exoplanet fordert aktuelle Modelle zur Entstehung von Planeten  heraus. Eine Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie.  </h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph"> Quelle: Max-Planck-Institut für Astronomie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Astronom*innen des CARMENES-Konsortiums haben einen neuen Exoplaneten entdeckt, der nach derzeitigem Wissensstand nicht existieren dürfte. Die  Forschungsgruppe unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA, Heidelberg) fand einen Gasplaneten, dessen Masse im Vergleich zu seinem Mutterstern GJ 3512 ungewöhnlich groß ist. Die Wissenschaftler*innen folgern, dass der Planet wahrscheinlich durch einen gravitativen Kollaps in einer Scheibe aus Gas und Staub entstand, die sich um den damals noch jungen Zwergstern befand. Dies widerspricht dem aktuell weithin akzeptierten Modell der Planetenentstehung, das für das Aufsammeln des umgebenden Gases einen festen Kern benötigt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Planeten, so sind sich Astronom*innen sicher, sind ein Nebenprodukt der Entstehung von Sternen. Sie bilden sich in der Scheibe, aus der ihr Mutterstern ebenfalls hervorging. Das vorherrschende Modell für die Entstehung von Planeten basiert auf der Vorstellung, dass sich zunächst ein Objekt aus festen Teilchen in der Scheibe aufbaut. Die Schwerkraft dieses Planetenembryos sorgt dafür, dass sich eine  Atmosphäre aus dem umgebenden Gas formiert. Nun haben  Wissenschaftler*innen des CARMENES-Konsortiums unter der Leitung von Juan Carlos Morales, einem Forscher des Institute of Space Studies of  Catalonia (IEEC) am Institute of Space Sciences (ICE, CSIC), mit Beiträgen von Diana Kossakowski und Hubert Klahr (MPIA) einen  Gasplaneten ähnlich dem Jupiter entdeckt, der diesem Modell  widerspricht. Vielmehr scheint es, dass er sich ohne einen festen  Kondensationskeim direkt aus der Scheibe entwickelt hat. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/VergleichGJ3512800.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/VergleichGJ3512260.jpg" alt="" width="261" height="190"/></a><figcaption> Vergleich von GJ 3512 mit dem Sonnensystem und anderen  nahegelegenen Planetensystemen von roten Zwergsternen. Planeten von  Sternen von etwa einer Sonnenmasse können in wenigen Millionen Jahren  wachsen, bis sie anfangen, Gas anzusammeln und zu riesigen Planeten wie  dem Jupiter werden. Bisher vermuteten Astronomen jedoch, dass bis auf  wenige Ausnahmen wie GJ 876 kleine Sterne wie Proxima, TRAPPIST-1,  Teegarderns Stern und GJ 3512 keine Planeten mit Jupitermasse bilden  können. <br>(Bild: Guillem Anglada-Escude &#8211; IEEC/Science Wave, using  SpaceEngine.org (Creative Commons Attribution 4.0 International; CC BY  4.0))</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Gasplanet in der Nachbarschaft des Sonnensystems</strong><br>Dieser Gasriese, genannt GJ 3512 b, ist zusammen mit seinem Mutterstern GJ 3512 nur 9,5 Parsec (30 Lichtjahre) von der Sonne entfernt und hat eine Masse von mindestens der Hälfte des Jupiters. Für einen Umlauf benötigt er 204 Tage. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sich genommen ist GJ 3512 b nicht außergewöhnlich – wohl aber, dass er sich in einem Orbit um einen roten Zwergstern befindet. GJ 3512 besitzt nur 12% der Masse der Sonne, so dass das Massenverhältnis zwischen dem Stern und dem Planeten höchstens  270 beträgt. Im Vergleich dazu ist die Sonne etwa 1.050 mal schwerer als Jupiter. Dieses Detail bereitet den theoretischen Physiker*innen  Kopfzerbrechen. Die Gas- und Staubscheiben, aus denen sich massearme Sterne wie GJ 3512 bilden, sollten ebenfalls eher wenig Material  beinhalten. Zu wenig, wie die Modelle ergeben, um Planetenembryos entstehen zu lassen, aus denen sich Gasriesen wie GJ 3512 b entwickeln. </p>



<p class="wp-block-paragraph"> „Ein Ausweg bestünde in einer sehr massereichen Scheibe, die die benötigten Bausteine in ausreichender Menge besitzt“, erklärt Hubert Klahr, der am MPIA eine Arbeitsgruppe zur Theorie der Planetenentstehung leitet. Wenn jedoch eine Scheibe aus Gas und Staub, die sich um einen Stern befindet, mehr als ungefähr 1/10 der Sternmasse besitzt, reicht die Gravitationswirkung des Sterns nicht mehr aus, um die Scheibe stabil zu halten. Die Schwerkraft des Scheibenmaterials selbst macht sich bemerkbar und beeinflusst ihre Struktur. Ein gravitativer Kollaps des Gases wie bei der Entstehung von Sternen ist die Folge. Solch massereiche Scheiben sind bei jungen Zwergsternen allerdings bislang nicht beobachtet worden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Masse von GJ 3512 b ist mit den Standardmodell nicht erklärbar</strong><br>Noch schwieriger wird die Situation dadurch, dass es anscheinend Hinweise für einen zweiten Planeten gibt, der sich in einem weiten Orbit  um GJ 3512 befindet. Zusätzlich zu diesen beiden Planeten spricht die stark elliptische Bahn von GJ 3512 b [1] dafür, dass er einst von einem dritten Planeten ähnlicher Masse gravitativ beeinflusst wurde. Dieser mutmaßliche dritte Planet muss dabei jedoch offensichtlich aus dem Planetensystem geschleudert worden sein. Neben GJ 3512 b musste die ursprüngliche Scheibe also Material für mindestens einen weiteren Planeten bereitstellen. Die dafür erforderliche Scheibenmasse liegt damit klar außerhalb der Grenzen der aktuellen Stern- und Planetenbildungsmodelle. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Somit folgerten die Forscher*innen des MPIA, der Universität Lund in Schweden sowie der Universität Bern, die sich mit der Simulation der Entstehung von  Planeten befassen, dass das „core accretion“-Modell nicht in der Lage ist, die Existenz von GJ 3512 b zu erklären. Deswegen haben sie  untersucht, unter welchen Bedingungen das bislang eher vernachlässigte Szenario des gravitativen Kollapses innerhalb einer Scheibe aus Gas und Staub um einen jungen Stern zur Bildung eines Planeten wie GJ 3512 b führen könnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entstehung durch Verdichtung der Scheibenmaterie</strong><br>Mit unterschiedlichen Ansätzen kamen sie zu dem gleichen Ergebnis, dass GJ 3512 b über diesen Prozess hätte entstehen können. Die Bereiche in der Scheibe jenseits von 10 AE (1 AE = 1 Astronomische Einheit: die Entfernung zwischen Erde und Sonne) vom Zentralstern sind mit Temperaturen von etwa 10 K (-263 °C) sehr kalt. Dort vermag der thermische Druck die Gravitationswirkung des Materials nicht auszugleichen, so dass sie unter ihrem Eigengewicht kollabiert. Im Anschluss muss der noch junge Planet über große Distanzen auf seine derzeitige Position gewandert sein, die sich in einer Entfernung von deutlich unter 1 AE vom Zentralstern befindet. Das ist wiederum mit den aktuellen Modellen der Entwicklung von Planetensystemen verträglich. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/VisuWithCARMENES800.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/VisuWithCARMENES260.jpg" alt="Visualisierung der mit CARMENES erhaltenen Zeitreihen und Residuen der Radialgeschwindigkeitsmessung. Das Schaubild a veranschaulicht die zeitliche Variation der Radialgeschwindigkeit (vertikale Achse) von GJ 3512 in Tagen seit dem 8. Dezember 2014, 12:00 Uhr UT (Universalzeit, horizontale Achse). HJD steht für Heliozentrisches Julianisches Datum. Der visuelle (blaue Symbole) und der infrarote (rote Symbole) Kanal stimmen gut überein. Die schwarze Kurve ist die beste Anpassung an die Daten für ein Modell mit zwei Planetenorbits. Nach dem Subtrahieren des Beitrags von GJ 3512 b zeigt das Schaubild b das Residuum, das auf das Vorliegen einer langfristigen Periode und somit auf einen zweiten Planeten hinweist. Die Diagramme c und d stellen die Residuen der CARMENES-Kanäle nach dem Herausrechnen der beiden Planetenorbits dar.
(Bild: Morales et al. (2019) / MPIA)" width="259" height="199"/></a><figcaption> Visualisierung der mit CARMENES erhaltenen Zeitreihen und  Residuen der Radialgeschwindigkeitsmessung. Das Schaubild a  veranschaulicht die zeitliche Variation der Radialgeschwindigkeit  (vertikale Achse) von GJ 3512 in Tagen seit dem 8. Dezember 2014, 12:00  Uhr UT (Universalzeit, horizontale Achse). HJD steht für  Heliozentrisches Julianisches Datum. Der visuelle (blaue Symbole) und  der infrarote (rote Symbole) Kanal stimmen gut überein. Die schwarze  Kurve ist die beste Anpassung an die Daten für ein Modell mit zwei  Planetenorbits. Nach dem Subtrahieren des Beitrags von GJ 3512 b zeigt  das Schaubild b das Residuum, das auf das Vorliegen einer langfristigen  Periode und somit auf einen zweiten Planeten hinweist. Die Diagramme c  und d stellen die Residuen der CARMENES-Kanäle nach dem Herausrechnen  der beiden Planetenorbits dar. <br>(Bild: Morales et al. (2019) / MPIA) </figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"> GJ 3512 b wurde mit dem Spektrografen CARMENES über die Methode der  Radialgeschwindigkeiten [2] entdeckt (Abb. 2). CARMENES nimmt Spektren  im sichtbaren sowie im infraroten Licht auf. „Rote Zwergsterne wie GJ 3512 können sehr aktiv sein und Signale erzeugen, die denen von Planeten ähneln“, erklärt Diana Kossakowski (MPIA), die maßgeblich an der  Auswertung der Daten mitwirkte. „Die Infrarot-Spektren waren wichtig, um zu bestätigen, dass wir tatsächlich einen Planeten gefunden haben.“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bisher waren die einzigen Planeten, deren Bildung mit Scheibeninstabilitäten kompatibel waren, eine Handvoll junger, heißer  und sehr massereicher Planeten in großer Entfernung von ihren  Wirtssternen“, gibt Hubert Klahr zu bedenken. „Mit GJ 3512 b haben wir nun einen außergewöhnlichen Kandidaten für einen Planeten, der über die Instabilität einer Scheibe um einen recht massearmen Stern entstanden sein könnte. Dieser Fund veranlasst uns zur Überprüfung unserer Modelle.“ </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Endnoten</strong><br>[1] GJ 3512 b befindet sich auf einer Bahn, die ihn in Abständen zwischen 0,2 und 0,5 AE um GJ 3512 herum führt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">[2] Die Gravitationswirkungen zwischen dem Planeten und dem Stern zwingen sie auf Bahnen um den gemeinsamen Schwerpunkt. Dadurch läuft GJ 3512 periodisch mal auf uns zu und wieder von uns weg, wobei sich auch die Geschwindigkeit des Sterns entlang der Sichtlinie ändert. Das führt zu einer Verschiebung der vom Stern erzeugten Spektrallinien – abwechselnd zu blauen und zu roten Bereichen seines Spektrums. Daraus lassen sich die Umlaufperiode und die Mindestmasse des Planeten GJ 3512 b bestimmen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hintergrundinformationen</strong><br>Diese  Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von vielen internationalen Instituten aus Spanien, Deutschland und anderen Ländern. Für das MPIA haben Diana Kossakowski, Hubert Klahr, Trifon Trifonov, Martin Kürster und Thomas Henning wichtige Beiträge geleistet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Instrument CARMENES (Calar Alto high-Resolution search for M dwarfs with Exoearths with Near-infrared and optical Échelle Spectrographs, zu Deutsch etwa „Die hochaufgelöste Suche am Calar Alto nach M-Zwergen mit Exo-Erden mithilfe von Spektrografen im Nahinfraroten und im sichtbaren Licht“) ist ein hochauflösender Spektrograph für sichtbares und nahinfrarotes Licht. Das Projekt wird von den Universitäten Göttingen, Hamburg, Heidelberg und Madrid, dem Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA), Heidelberg, den Instituten des Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC) in Barcelona, Granada und Madrid, der Thüringer Landessternwarte, dem Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) und der Calar-Alto Sternwarte (CAHA) durchgeführt. Seit 2016 suchen deutsche und spanische Wissenschaftler*innen nach Planeten um Sterne in unserer kosmischen Nachbarschaft. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Originalpublikation:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li>J. C. Morales et al. <a href="https://web.archive.org/web/20190927195821/https://www.mpg.de/13923882/ScientificPaper_Morales190927.pdf" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">A giant exoplanet orbiting a very-low-mass star challenges planet formation models</a></li></ul>
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