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	<title>HESS &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>HESS &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>DESY: Kosmischer Teilchenbeschleuniger am Limit</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/desy-kosmischer-teilchenbeschleuniger-am-limit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Mar 2022 20:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gammastrahlen-Observatorium H.E.S.S. zeigt Beschleunigungsprozess so detailliert wie nie zuvor. Eine Pressemeldung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY – ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft. Quelle: DESY. 10. März 2022 &#8211; Mit Spezialteleskopen haben Forscherinnen und Forscher so detailliert in einen kosmischen Teilchenbeschleuniger geblickt wie nie zuvor. Die Beobachtungen mit dem Gammastrahlen-Observatorium H.E.S.S. in Namibia zeigen erstmals den zeitlichen Ablauf [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Gammastrahlen-Observatorium H.E.S.S. zeigt Beschleunigungsprozess so detailliert wie nie zuvor. Eine Pressemeldung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY – ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: DESY.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/Shot024KDESHESSSciCommLab2k.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/Shot024KDESHESSSciCommLab26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Künstlerische Darstellung der RS-Ophiuchi-Nova-Explosion: Die schnellen Schockwellenfronten bilden die Form eines Uhrenglases aus, in der die Gammastrahlung produziert wird. Sie wird dann von den H.E.S.S.-Teleskopen (im Vordergrund) aufgezeichnet. (Bild: DESY/H.E.S.S., Science Communication Lab)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">10. März 2022 &#8211; Mit Spezialteleskopen haben Forscherinnen und Forscher so detailliert in einen kosmischen Teilchenbeschleuniger geblickt wie nie zuvor. Die Beobachtungen mit dem Gammastrahlen-Observatorium H.E.S.S. in Namibia zeigen erstmals den zeitlichen Ablauf des Beschleunigungsprozesses in einer sogenannten Nova. Dabei handelt es sich um starke Eruptionen auf der Oberfläche eines Weißen Zwergsterns. Dabei entsteht eine Schockwelle, die sich durch das Umgebungsmedium pflügt, subatomare Teilchen mitreißt und diese auf extreme Energien beschleunigt. Erstaunlicherweise scheint die beobachtete Nova RS Ophiuchi aufgrund idealer Voraussetzungen Teilchenbeschleunigung am theoretischen Limit zu bewerkstelligen, wie das Team im Fachblatt „Science“ berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiße Zwerge sind ausgebrannte, alte Sterne, die in sich zusammengefallen sind und sehr kompakte Objekte bilden. Novae entstehen zum Beispiel, wenn ein Weißer Zwerg mit einem großen Stern in einem Doppelsystem kreist und aufgrund seiner Gravitation Materie von seinem massiven Begleiter aufsammelt. Überschreitet die aufgesammelte Masse eine kritische Grenze, kommt es zu einer thermonuklearen Explosion auf der Oberfläche des Weißen Zwergs. Manche Novae treten in regelmäßigen Abständen immer wieder auf. RS Ophiuchi ist eine solche wiederkehrende Nova; alle 15 bis 20 Jahre gibt es eine Explosion auf der Sternoberfläche. „Die Sterne, die das System bilden, haben in etwa den gleichen Abstand wie Erde und Sonne“, erklärt Alison Mitchell, Wissenschaftlerin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Leiterin des H.E.S.S.-Nova-Programms. „Als die Nova im August 2021 wieder explodierte, konnten wir mit den H.E.S.S.-Teleskopen zum ersten Mal eine galaktische Explosion in sehr hochenergetischer Gammastrahlung beobachten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei registrierte die Forschungsgruppe, dass die Teilchen auf mehrere hundertmal höhere Energien beschleunigt wurden als bei zuvor beobachteten Novae. Außerdem wurde die von der Explosion freigesetzte Energie höchst effizient in die Beschleunigung von Protonen (Wasserstoffatomkerne) und schwererer Kerne umgewandelt. Dabei erreichte die Teilchenbeschleunigung die Maximalgeschwindigkeiten, wie sie in theoretischen Modellen berechnet werden. „Die Beobachtung, dass in kosmischen Schockwellen in der Realität das theoretische Limit der Teilchenbeschleunigung erreicht werden kann, hat enorme Auswirkungen für die Astrophysik“, sagt Ruslan Konno, einer der Hauptautoren der Studie und Doktorand bei DESY in Zeuthen. „Sie legt nahe, dass der Beschleunigungsprozess genauso effizient bei noch viel extremeren kosmischen Explosionen – den sogenannten Supernovae – sein könnte.“</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/Shot01A4300DPIDESYHESSSciCommLab2k.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/Shot01A4300DPIDESYHESSSciCommLab26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Künstlerische Darstellung des Systems von Weißem Zwerg und Rotem Riesen nach einer Nova-Explosion: Sternmaterial wird in Form eines Stundenglases von der Oberfläche des Weißen Zwergs (Bildmitte) geschleudert; in der entstehenden Schockwellenfront werden Teilchen beschleunigt. Bei der Kollision mit dem dichten Wind des Roten Riesen (Kugel in der Bildmitte) entsteht energiereiche Gammastrahlung. (Bild: DESY/H.E.S.S., Science Communication Lab)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Eruption von RS Ophiuchi konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Nova in Echtzeit mitverfolgen und so zum ersten Mal die kosmische Teilchenbeschleunigung wie einen Film beobachten und studieren. H.E.S.S. konnte höchstenergetische Gammastrahlen noch bis zu einen Monat nach der Explosion messen. „Diese Art der Beobachtung ist neu und erlaubt in Zukunft noch genauere Einblicke in die Funktionsweise kosmischer Explosionen“, sagt Dmitry Khangulyan, Theoretiker an der Rikkyo Universität in Tokyo, Japan. „So könnte es zum Beispiel sein, dass Novae zur allgegenwärtigen Kosmischen Strahlung beitragen und damit die Dynamik ihrer unmittelbaren Umgebung wesentlich beeinflussen.“ Bei der sogenannten Kosmischen Strahlung handelt es sich um einen Hagel energiereicher subatomarer Teilchen, der aus allen Richtungen des Weltalls gleichmäßig kommt, und dessen genaue Ursprünge noch nicht vollständig geklärt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Observatorium H.E.S.S. (High Energy Stereoscopic System) in Namibia besteht aus fünf sogenannten Cherenkov-Teleskopen, die zur Untersuchung von Gammastrahlung aus dem Weltraum eingesetzt werden. Im größten Teleskop wurde eine neue, hochsensible Kamera installiert, eine sogenannte FlashCam, die dem neusten Stand der Technik entspricht. Solche FlashCams werden derzeit auch für das Gammastrahlen-Observatorium der nächsten Generation weiterentwickelt, das Cherenkov Telescope Array (CTA). „Die neue Kamera ist seit Ende 2019 in Betrieb. Diese Messung zeigt, welches Potenzial in den Kameras der neuesten Generation steckt“, betont Simon Steinmaßl, Doktorand am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, der mit der Analyse der Kameradaten betraut ist.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/Shot034KDESYHESSSciCommLab2k.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/Shot034KDESYHESSSciCommLab26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Künstlerische Darstellung des RS-Ophiuchi-Binär-Sternsystems, das aus einem Weißen Zwerg (im Hintergrund) und einem Roten Riesen besteht, die sich umkreisen. Material des Roten Riesen wird kontinuierlich von seinem Begleitstern aufgesogen. (Bild: DESY/H.E.S.S., Science Communication Lab)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teleskope wurden schnellstmöglich auf die Nova ausgerichtet, nachdem das Ereignis von einem Hobbyastronomen gemeldet wurde. Auch diese schnelle Reaktion trug zum Erfolg der Beobachtung bei und ermöglichte umfangreiche Nachbeobachtungen. „In den nächsten Jahren wird sich durch Forschung mit CTA-Teleskopen zeigen, ob diese Art von Novae besonders sind“, erklärt H.E.S.S.-Direktor Stefan Wagner, Professor an der Landessternwarte in Heidelberg. Zudem wissen Beobachtende nun genauer, wonach sie suchen müssen. Somit ergeben sich eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten, die Geschehnisse im Zusammenhang mit Novae besser zu verstehen und beschreiben, betont Wagner. „Diese Messung stellt einen weiteren Erfolg in der Gammaastronomie dar und lässt uns hoffen, noch viele weitere kosmische Explosionen mit H.E.S.S. und zukünftigen Gammastahlen-Teleskopen zu studieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über HESS</strong><br>Das High Energy Stereoscopy System H.E.S.S. ist ein System von fünf abbildenden atmosphärischen Cherenkov-Teleskopen zur Erforschung der kosmischen Gammastrahlung. Das Observatorium wird in einer internationalen Kooperation betrieben. Die Teleskope befinden sich in Namibia, in der Nähe des Gamsbergs, einer Gegend, die für ihre hervorragende optische Qualität bekannt ist. Vier H.E.S.S.-Teleskope wurden 2002/2003 in Betrieb genommen, das viel größere fünfte Teleskop – H.E.S.S. II – ist seit Juli 2012 in Betrieb, erweitert die Energieabdeckung in Richtung niedrigerer Energien und verbessert die Empfindlichkeit weiter. An H.E.S.S. sind mehr als 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 41 Instituten aus 15 Ländern beteiligt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Originalveröffentlichung</strong><br>Detection of TeV gamma-ray emission from the recurrent nova RS Oph in its 2021 outburst; The H.E.S.S. collabroation; „Science“, 2022; DOI: <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.abn0567" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">https://www.science.org/doi/10.1126/science.abn0567</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=1065.msg528970#msg528970" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">H.E.S.S. Teleskope</a></li></ul>
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		<item>
		<title>Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/gammablitz-aus-der-kosmischen-nachbarschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jun 2021 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Außergewöhnliche Beobachtung stellt Theorie der stärksten Explosionen im Universum infrage. Eine Pressemeldung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY &#8211; ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft. Quelle: DESY. Die hellsten Explosionen des Universums sind möglicherweise stärkere Teilchenbeschleuniger als gedacht: Das zeigt eine außergewöhnlich detaillierte Beobachtung eines solchen kosmischen Gammastrahlungsblitzes. Mit den Spezialteleskopen des H.E.S.S.-Observatoriums in Namibia hat ein internationales Forschungsteam [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Außergewöhnliche Beobachtung stellt Theorie der stärksten Explosionen im Universum infrage. Eine Pressemeldung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY &#8211; ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: DESY.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/DESYGRBstill1DESYSciComLab2k.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Künstlerische Darstellung des relativistischen Materie-Jets eines Gammablitzes (GRB), der aus dem kollabierenden Stern herausschießt und energiereiche Gammastrahlung erzeugt. (Bild: DESY, Science Communication Lab)" data-rl_caption="" title="Künstlerische Darstellung des relativistischen Materie-Jets eines Gammablitzes (GRB), der aus dem kollabierenden Stern herausschießt und energiereiche Gammastrahlung erzeugt. (Bild: DESY, Science Communication Lab)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/DESYGRBstill1DESYSciComLab26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Künstlerische Darstellung des relativistischen Materie-Jets eines Gammablitzes (GRB), der aus dem kollabierenden Stern herausschießt und energiereiche Gammastrahlung erzeugt.<br>(Bild: DESY, Science Communication Lab)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die hellsten Explosionen des Universums sind möglicherweise stärkere Teilchenbeschleuniger als gedacht: Das zeigt eine außergewöhnlich detaillierte Beobachtung eines solchen kosmischen Gammastrahlungsblitzes. Mit den Spezialteleskopen des H.E.S.S.-Observatoriums in Namibia hat ein internationales Forschungsteam die bislang energiereichste Strahlung von einem Gammablitz registriert und das längste Nachleuchten im Bereich der Gammastrahlung verfolgt. Die Auswertung der Daten legt nahe, dass Röntgen- und Gammastrahlung dieser gewaltigen Sternexplosionen dieselbe Ursache haben und nicht wie bislang angenommen durch getrennte Prozesse entstehen, wie das Team im Fachblatt „Science“ berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gammablitze sind helle Ausbrüche von Röntgen- und Gammastrahlung am Himmel, die von Quellen außerhalb unserer eigenen Galaxie stammen“, erläutert DESY-Forscherin Sylvia Zhu, eine der Autorinnen der Studie. „Sie sind die größten Explosionen im Universum und stehen im Zusammenhang mit dem Kollaps eines schnell rotierenden, massereichen Sterns zu einem Schwarzen Loch.” Ein Teil der dabei freigesetzten Gravitationsenergie treibt eine extrem schnelle, ultrarelativistische Schockwelle an. Darin werden subatomare Teilchen wie Elektronen beschleunigt, die wiederum Gammastrahlung erzeugen können. Gammablitze (Gamma Ray Bursts, GRB) teilen sich in zwei Phasen: eine kurze und chaotische Ausbruchsphase, die einige Dutzend Sekunden dauert, und ein langes, langsam verblassendes Nachglühen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 29. August 2019 registrierten die beiden Satelliten „Fermi“ und „Swift“ der US-Raumfahrtbehörde NASA einen Gammablitz im südlichen Sternbild Eridanus. Das Ereignis wurde nach dem Datum als GRB 190829A katalogisiert. Mit einer Entfernung von rund einer Milliarde Lichtjahren stellte es sich als einer der nächsten Gammablitze heraus, die bislang beobachtet worden sind. Zum Vergleich: Der typische Gammablitz ist rund 20 Milliarden Lichtjahre entfernt. „Wir haben diesen Gammablitz wirklich von der ersten Reihe aus gesehen“, sagt DESY-Forscher Andrew Taylor, Ko-Autor der Studie. Das Team registrierte das Nachleuchten, sobald es in das Gesichtsfeld der H.E.S.S.-Teleskope kam. „Wir konnten das Nachglühen für mehrere Tage und bei bislang beispiellosen Energien verfolgen“, berichtet Taylor.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/DESYGRBstill3DESYSciComLab2k.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Der NASA-Satellit „Swift“ im Erdorbit registrierte Röntgenstrahlung von dem Gammablitz. Energiereiche Gamma-Photonen erzeugten in der Erdatmosphäre sogenannte Luftschauer, die mit den H.E.S.S.-Teleskopen vom Erdboden aus aufgezeichnet werden konnten. (Bild: DESY, Science Communication Lab)" data-rl_caption="" title="Der NASA-Satellit „Swift“ im Erdorbit registrierte Röntgenstrahlung von dem Gammablitz. Energiereiche Gamma-Photonen erzeugten in der Erdatmosphäre sogenannte Luftschauer, die mit den H.E.S.S.-Teleskopen vom Erdboden aus aufgezeichnet werden konnten. (Bild: DESY, Science Communication Lab)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/DESYGRBstill3DESYSciComLab26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Der NASA-Satellit „Swift“ im Erdorbit registrierte Röntgenstrahlung von dem Gammablitz. Energiereiche Gamma-Photonen erzeugten in der Erdatmosphäre sogenannte Luftschauer, die mit den H.E.S.S.-Teleskopen vom Erdboden aus aufgezeichnet werden konnten.<br>(Bild: DESY, Science Communication Lab)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die vergleichsweise geringe Distanz des Gammablitzes ermöglichte detaillierte Messungen des Hochenergie-Spektrums seines Nachglühens, also der “Farb-” beziehungsweise Energieverteilung der Röntgen- und Gammaphotonen. „Wir konnten das Spektrum von GRB 190829A bis zu einer Energie von 3,3 Tera-Elektronenvolt vermessen, das ist rund eine Billion Mal energiereicher als sichtbares Licht“, sagt Ko-Autorin Edna Ruiz-Velasco vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg. „Das macht diesen Gammablitz so außergewöhnlich – er hat sich in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft ereignet, so dass seine sehr energiereichen Photonen nicht durch Kollisionen mit Hintergrundlicht absorbiert worden sind, wie es über längere Distanzen im Kosmos geschieht.“ Bei sehr hohen Energien wird das Universum durch diesen Prozess über große Entfernungen zunehmend undurchsichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">H.E.S.S. verfolgte das Nachglühen des Gammablitzes bis zum dritten Tag nach der ursprünglichen Explosion. „Unsere Beobachtungen enthüllen eine verblüffende Ähnlichkeit der Röntgenkomponente und der sehr energiereichen Gammastrahlung im Nachleuchten“, berichtet Zhu. Das ist überraschend, denn die allgemein akzeptierte Theorie geht davon aus, dass diese beiden Strahlungskomponenten durch unterschiedliche Mechanismen produziert werden müssen: Die Röntgenstrahlung stammt demnach von stark beschleunigten Elektronen, die von den starken Magnetfeldern im Umfeld der Explosion abgelenkt werden. Über diesen „Synchrotron-Prozess“ produzieren auch irdische Teilchenbeschleuniger intensive Röntgenstrahlung für wissenschaftliche Untersuchungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Produktion sehr energiereicher Gammastrahlung kommt der Synchrotron-Prozess nach gängigen Theorien jedoch zunächst nicht infrage. Schuld ist eine sogenannte Burn-off-Grenze, die durch das Verhältnis von Beschleunigung und Abkühlung der Teilchen in einem Beschleuniger bestimmt wird. Für die Produktion von Gammastrahlung sind Elektronen mit Energien deutlich oberhalb der Burn-Off-Grenze erforderlich, die selbst die stärksten Explosionen im Weltall eigentlich nicht produzieren können. Stattdessen geht die Theorie davon aus, dass die schnellen Elektronen mit den bereits energiereichen Synchrotron-Photonen zusammenstoßen und sie dabei auf Gamma-Energien anheben. Dieser komplizierte Prozess heißt Synchrotron-Self-Compton (SSC).</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/DESYGRBstill2DESYSciComLab15.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/DESYGRBstill2DESYSciComLab26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Künstlerische Darstellung der energiereichen Gamma-Photonen vom Gammablitz (oben rechts), die in der Erdatmosphäre Luftschauer auslösen, welche wiederum mit den H.E.S.S.-Teleskopen aufgezeichnet wurden.<br>(Bild: DESY, Science Communication Lab)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beobachtungen des Nachleuchtens von GRB 190829A zeigen jedoch, dass beide Komponenten – also Röntgen- und Gammastrahlung – synchron verblasst sind. Außerdem passt das Gammastrahlen-Spektrum gut zu einer Verlängerung des Röntgenspektrums. Zusammengenommen sind diese Eigenschaften ein starkes Indiz dafür, dass beide Strahlungskomponenten vom selben Prozess erzeugt worden sind. „So bemerkenswert ähnliche spektrale und zeitliche Eigenschaften der Röntgen- und der sehr energiereichen Gammastrahlung zu beobachten, würden wir bei getrennten Ursprüngen dieser Strahlungskomponenten nicht erwarten“, erläutert Ko-Autor Dmitry Khangulyan von der Rikkyo-Universität in Tokio. Dies stellt den SSC-Prozess als Ursprung der Gammastrahlung infrage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob die Theorie der Gammablitze geändert werden muss, lässt sich nur durch weitere Beobachtungen der sehr energiereichen Komponente ihres Nachglühens klären. GRB 190829A ist allerdings erst der vierte Gammablitz, der sich bei diesen hohen Energien nachweisen ließ. Die zuvor entdeckten Gammablitze stammten jedoch aus sehr viel größerer Entfernung, und ihr Nachglühen ließ sich jeweils nur für wenige Stunden und nicht bei Energien oberhalb von einem Tera-Elektronenvolt (TeV) beobachten. „Die Instrumente der nächsten Generation wie das Cherenkov Telescope Array, das derzeit in den chilenischen Anden und auf der Kanareninsel La Palma aufgebaut wird, haben jedoch vielversprechende Aussichten, solche Gammablitze regelmäßig zu verfolgen“, sagt H.E.S.S.-Sprecher Stefan Wagner von der Landessternwarte Heidelberg. „Angesichts der allgemeinen Häufigkeit von Gammablitzen im Kosmos dürften uns solche regelmäßigen Nachweise im sehr energiereichen Band sehr helfen, die Physik dieser kolossalen kosmischen Explosionen besser zu verstehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dieser Arbeit haben mehr als 230 Forscherinnen und Forscher der H.E.S.S.-Kooperation von 41 Instituten aus 15 Ländern (Namibia, Südafrika, Armenien, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland, Österreich, Niederlande, Polen, Schweden, Japan, China und Australien) beigetragen. H.E.S.S. ist ein System von fünf sogenannten abbildenden Cherenkov-Teleskopen für die Untersuchung kosmischer Gammastrahlung. Der Name steht für High-Energy Stereoscopic System (Stereoskopisches System zur Beobachtung hochenergetischer Strahlung) und zollt auch dem Entdecker der Kosmischen Strahlung Ehre, Victor Franz Hess, der 1936 für seine Leistung den Physik-Nobelpreis bekam. H.E.S.S. steht in Namibia in der Gamsberg-Region, die für ihre exzellenten Beobachtungsbedingungen bekannt ist. Vier der fünf H.E.S.S.-Teleskope gingen 2003/2003 in Betrieb, das fünfte, deutlich größere Teleskop arbeitet seit Juli 2012. Es hat nicht nur die Empfindlichkeit der Anlage deutlich erhöhnt, sondern auch den beobachtbaren Energiebereich ausgeweitet. 2015/2016 wurden die Kameras der ersten vier H.E.S.S.-Teleskope erneuert und auf den Stand der Technik gebracht, wobei bereits der NECTAr-Chip zum Einsatz kam, der für das Observatorium der nächsten Generation, das Cherenkov Telescope Array CTA, entwickelt worden ist. 2019 wurde dann die Kamera im großen fünften Teleskop mit einer CTA Prototyp-Kamera ausgestattet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Originalveröffentlichung:</strong><br>Revealing x-ray and gamma ray temporal and spectral similarities in the GRB 190829A afterglow; H.E.S.S. collaboration; „Science“, 2021; DOI: 10.1126/science.abe8560</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Animation:</strong><br><a href="https://images.raumfahrer.net/videos/GRB190829AAnimColnorm800x480.mp4" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Strahlung von GRB erreicht die Erde</a><br>In einer fernen Galaxie kollabiert ein massereicher, sterbender Stern, es entsteht ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch. Dabei formen sich zwei senkrechte relativistische Plasmastrahlen, die die Sternenhülle durchbrechen. Der Stern explodiert schließlich in einer Supernova. Die Plasmastrahlen (Jets) pflügen durch das umgebende Gas und sammeln Elektronen auf. Diese Elektronen werden durch Magnetfelder im Jet abgelenkt und an der Schockwelle beschleunigt. Bei jeder Ablenkung senden die schnellen Elektronen dann Lichtteilchen im Bereich der Röntgen- und Gammastrahlung aus. Dieses Licht heißt Synchrotronstrahlung und ist durch relativistische Effekte in Richtung des Plasmastrahls gebündelt. Blickt man genau von vorne in den Jet, wird das Ereignis als Gammablitz (Gamma Ray Burst) sichtbar.<br>Rund 900 Millionen Jahre später erreicht die Strahlung dieses Gamma Ray Bursts die Erde und wird von Satelliten und Teleskopen als GRB 190829A registriert. Energiereiche Lichtteilchen (Photonen) erzeugen Teilchenschauer beim Eintritt in die Atmosphäre Diese Teilchenschauer senden für einige Nanosekunden sogenanntes Tscherenkow-Licht aus, das von Teleskopen wie H.E.S.S. gemessen werden kann. H.E.S.S. konnte das Nachglühen von GRB 190829A auf diese Weise über drei Nächte und in zuvor unerreichtem Detailreichtum verfolgen.<br>(Animation: DESY, Science Communication Lab (&#8222;Swift&#8220;-Modell nach NASA Model Database))</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/naher-gammastrahlenblitz-laesst-modelle-wanken/" data-wpel-link="internal">Naher Gammastrahlenblitz lässt Modelle wanken</a> (3. Juni 2021)</li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/gammastrahlenausbruch-erstmals-nachgluehen-beobachtet/" data-wpel-link="internal">Gammastrahlenausbruch: Erstmals Nachglühen beobachtet</a> (21. November 2019)</li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/das-h-e-s-s-projekt/" data-wpel-link="internal">Das H.E.S.S.-Projekt</a> (7. September 2002)</li></ul>



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		<title>Naher Gammastrahlenblitz lässt Modelle wanken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jun 2021 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Fermi]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmologie]]></category>
		<category><![CDATA[Teleskope]]></category>
		<category><![CDATA[Top-Meldungen]]></category>
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		<category><![CDATA[GRB 190829A]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit den H.E.S.S.-Teleskopen in Namibia konnten Wissenschaftler &#8211; darunter Astrophysiker der Universität Innsbruck &#8211; das bislang längste Nachglühen eines Gammastrahlenblitzes in relativ geringer Entfernung von der Erde verfolgen. Eine Medieninformation der Universität Innsbruck. Quelle: Universität Innsbruck. Diese Blitze begleiten die Geburt stellarer schwarzer Löcher und gehen mit enormen kosmischen Explosionswellen einher. Dabei entsteht Strahlung, die [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Mit den H.E.S.S.-Teleskopen in Namibia konnten Wissenschaftler &#8211; darunter Astrophysiker der Universität Innsbruck &#8211; das bislang längste Nachglühen eines Gammastrahlenblitzes in relativ geringer Entfernung von der Erde verfolgen. Eine Medieninformation der Universität Innsbruck.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: Universität Innsbruck.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/GammastrahlenausbruchICCRUTokyoNahoWakabayashi2k.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Gammastrahlenausbruch - Künstlerische Darstellung eines Gammastrahlenausbruchs mit Jet. (Bild: ICCR UTokyo/Naho Wakabayashi)" data-rl_caption="" title="Gammastrahlenausbruch - Künstlerische Darstellung eines Gammastrahlenausbruchs mit Jet. (Bild: ICCR UTokyo/Naho Wakabayashi)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/GammastrahlenausbruchICCRUTokyoNahoWakabayashi26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Gammastrahlenausbruch &#8211; Künstlerische Darstellung eines Gammastrahlenausbruchs mit Jet.<br>(Bild: ICCR UTokyo/Naho Wakabayashi)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Blitze begleiten die Geburt stellarer schwarzer Löcher und gehen mit enormen kosmischen Explosionswellen einher. Dabei entsteht Strahlung, die das Billionenfache von Photonen des sichtbaren Lichts erreichen kann. Diese nun in der Fachzeitschrift Science veröffentlichen Beobachtungen stellen die bisherige Theorie zur Entstehung dieser hochenergetischen Strahlung in Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Gammastrahlenausbruch ist ein heller, nur wenige Sekunden andauernder Blitz hochenergetischer Röntgen- und Gammastrahlung. Er entsteht beim Kollaps eines rotierenden massiven Sternes. Ein Teil der dabei freiwerdenden gravitativen Energie nährt die Produktion einer ultrarelativistischen Explosionswelle. Ihre Existenz lässt sich durch ein länger andauerndes Nachglühen vom Gamma- bis in den Radiowellenbereich beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 29. August 2019 erkannten die Fermi- und Neil-Gehrels-Swift-Observatorien einen Gammastrahlenausbruch in nur einer Milliarde Lichtjahren Entfernung im Sternbild Eridanus. Er erhielt den Katalogeintrag GRB 190829A. „Typischerweise sind Gammastrahlenausbrüche sehr viel weiter entfernt. Bei GRB 190829A sitzen wir in der ersten Reihe“, freut sich Prof. Olaf Reimer vom Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck, wo er die H.E.S.S.-Arbeitsgruppe leitet. Sobald das Sternbild Eridanus am Nachthimmel beobachtbar wurde, richteten sich die H.E.S.S.-Cherenkov-Teleskope in Namibia auf diese Explosion und konnten es mehrere Tage lang beobachten. „Wir empfingen Photonen bis zu 3,3 Tera-Elektronenvolt, also etwa das Billionenfache optischer Photonen, bisher unerreicht für einen Gammastrahlenausbruch“, staunt Dr. Markus Holler, Senior Scientist in der Innsbrucker H.E.S.S.-Gruppe. Da der Gammastrahlenausbruch auf astronomischen Skalen praktisch vor unserer Haustür stattfand, konnten diese Photonen quasi ungehindert zur Erde reisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachglühen beobachtet</strong><br>Die Nähe des Gammastrahlenausbruchs erlaubte eine bisher unerreichte Detailstudie der Energieverteilung (“Spektrum”) der die Erde erreichenden Photonen und ergab etwas Erstaunliches: eine deutliche Ähnlichkeit des Nachglühens im Röntgenbereich und Gammastrahlenbereich. Etablierte Theorien gehen jedoch davon aus, dass die beiden Emissionskomponenten durch separate Mechanismen erzeugt werden. Während die Röntgenkomponente von ultrarelativistischen Elektronen abgestrahlt werden, die in den Magnetfeldern in der Umgebung des Gammastrahlenausbruchs abgelenkt werden, sollte die Gammastrahlung durch die Streuung dieser „Synchrotronphotonen“ an diesen Elektronen einen Energiegewinn bis in den Gammastrahlenbereich erhalten, genannt der „Synchrotron-Selbst-Compton Prozess“. Die Beobachtungen von GRB 190829A ergaben nun aber, dass das Nachglühen im Röntgen- und Gammastrahlenbereich synchron erfolgte.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/GammaTeleskopHESSHESSCollaCMedina2k.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Das Gammastrahlen-Teleskop H.E.S.S. in Namibia. (Bild: H.E.S.S. Collaboration, Clementina Medina)" data-rl_caption="" title="Das Gammastrahlen-Teleskop H.E.S.S. in Namibia. (Bild: H.E.S.S. Collaboration, Clementina Medina)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/GammaTeleskopHESSHESSCollaCMedina26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Das Gammastrahlen-Teleskop H.E.S.S. in Namibia.<br>(Bild: H.E.S.S. Collaboration, Clementina Medina)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr noch, das Gammastrahlenspektrum liegt auf der Extrapolationslinie des Röntgenspektrums. „Dies ist ein starker Hinweis, dass die Gammastrahlen durch denselben Mechanismus erzeugt worden sind, wie die Röntgenstrahlung,“ erklärt Theoretikerin Assoz.-Prof. Anita Reimer aus der H.E.S.S.-Arbeitsgruppe an der Universität Innsbruck. Dies stellt in Frage, dass die hochenergetischen Photonen durch den Synchrotron-Selbst-Compton-Mechanismus erzeugt werden. Andererseits existiert eine maximale Energiegrenze, die relativistische Elektronen durch Beschleunigung in magnetisierten Umgebungen erreichen können. Die Produktion der beobachteten Tera-Elektronenvolt-Photonen durch den Synchrotronprozess benötigt Elektronen, die dieses „burn-off“-Limit verletzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Weitere Beobachtungen nötig</strong><br>Die vorliegenden Beobachtungen des H.E.S.S.-Teams haben weitreichende Konsequenzen für das theoretisches Verständnis dieser gewaltigen Explosionen im Universum, und es sind weitere Studien von Gammastrahlenausbrüchen bei sehr hohen Energien nötig. GRB 190829A ist erst der vierte Gammastrahlenausbruch, der durch Cherenkov-Teleskope detektiert worden ist. „Mit verbesserten Instrumenten, wie dem in Bau befindlichen Cherenkov-Telescope-Array (CTA), und ausgeklügelten Beobachtungsstrategien wird die Rate der GRB-Detektionen steigen und damit das Potential, dieses Superlativ einer kosmischen Explosionen besser zu verstehen“, vermutet Prof. Olaf Reimer, der die österreichische Beteiligung an der Vorbereitung und dem Bau des neuen Höchstenergie-Gammastrahlenobservatoriums CTA koordiniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die H.E.S.S.-Teleskope sind nach dem Entdecker der kosmischen Strahlung und Nobelpreisträger Victor Franz Hess benannt, der von 1931 bis 1937 als Professor an der Universität Innsbruck tätig war. Sie messen Gammastrahlen, die etwa 1.000 Milliarden Mal energiereicher sind als sichtbares Licht. Jedes dieser Gamma-Quanten erzeugt beim Auftreffen auf die Erdatmosphäre unter anderem eine Vielzahl an geladenen Teilchen, welche wiederum über den Cherenkov-Effekt (eine Art optisches Analogon zum Überschallknall) sichtbares Licht emittieren. Die H.E.S.S.-Teleskope werden seit 2002 von einer internationalen Kollaboration in Namibia betrieben. Seit 2009 ist auch Österreich Mitglied dieses Forschungskonsortiums.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Publikation:</strong><br>Revealing x-ray and gamma-ray temporal and spectral similarities in the GRB 190829A afterglow. H.E.S.S. collaboration. Science 2021 DOI: <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.abe8560" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">10.1126/science.abe8560</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/gammablitz-aus-der-kosmischen-nachbarschaft/" data-wpel-link="internal">Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft</a> (3. Juni 2021)</li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/gammastrahlenausbruch-erstmals-nachgluehen-beobachtet/" data-wpel-link="internal">Gammastrahlenausbruch: Erstmals Nachglühen beobachtet</a> (21. November 2019)</li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/das-h-e-s-s-projekt/" data-wpel-link="internal">Das H.E.S.S.-Projekt</a> (7. September 2002)</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=1065.msg512262#msg512262" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">H.E.S.S. Teleskope</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=468.msg468185#msg468185" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Gamma Ray Bursts (GRBs)</a></li></ul>
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		<item>
		<title>Bote der Vergangenheit</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/bote-der-vergangenheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 May 2006 17:59:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmologie]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Teleskope]]></category>
		<category><![CDATA[Gammastrahlung]]></category>
		<category><![CDATA[HESS]]></category>
		<category><![CDATA[Hintergrundstrahlung]]></category>
		<category><![CDATA[Integral]]></category>
		<category><![CDATA[Vermessung]]></category>
		<category><![CDATA[Weltraumteleskop]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Astronomen in den Himmel blicken, können sie helle Weltraumobjekte sehen. Sie sehen aber auch leicht glühende Lichtquellen, deren Ursprünge im gesamten Universum zu finden sind. Über die immer vorhandene Hintergrundstrahlung ist man sich nicht immer bewusst, jedoch ist gerade diese Strahlung als Bote der Vergangenheit anzusehen. Ein Beitrag von Martin Ollrom. Quelle: PPARC. Viele [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Wenn Astronomen in den Himmel blicken, können sie helle Weltraumobjekte sehen. Sie sehen aber auch leicht glühende Lichtquellen, deren Ursprünge im gesamten Universum zu finden sind. Über die immer vorhandene Hintergrundstrahlung ist man sich nicht immer bewusst, jedoch ist gerade diese Strahlung als Bote der Vergangenheit anzusehen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von <a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehemalige/" data-wpel-link="internal">Martin Ollrom.</a> Quelle: PPARC.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Objekte im Weltraum emittieren Licht, egal in welcher Lichtwellenlänge. Dieses Licht reist oft Jahrtausende durchs All, ehe es von einem unserer Teleskope aufgefangen wird. Dass es hier gedämpft eintrifft, liegt unter anderem an der kosmischen Hintergrundstrahlung, die dieses Licht absorbiert. Oft werden diese Objekte nur als Hintergrundlicht bei Untersuchungen wahrgenommen &#8211; eben weil das Licht so gedämpft wurde, dass man sie kaum von der kosmischen Hintergrundstrahlung unterscheiden kann. Forscher haben lange versucht, diese kosmische Hintergrundstrahlung zu untersuchen und ihre Rolle in der Entwicklung des Kosmos zu bestimmen. Bisher war es aber schwer, da die Teleskope nicht über die notwendige Empfindlichkeit verfügten. Noch dazu schien diese Hintergrundstrahlung fast unsichtbar. Außerdem ist es schwer, diese Strahlung von der Erde aus im Nachthimmel zu finden und zu identifizieren. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/03052006195904_small_1.jpg" alt="HESS" width="400" height="276"/><figcaption>
Eine Demonstration, wie Gammastrahlen von der kosmischen Hintergrundstrahlung ungefähr abgelenkt bzw. absorbiert werden, bevor diese die Erde erreichen 
<br>
(Bild: HESS)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Extrem hochenergetische Gammastrahlung, die etwa 100.000.000.000 Mal intensiver als normales Licht ist, ist eine neue Methode für die genauere Untersuchung dieser Hintergrundstrahlung und der Gammastrahlenquellen. Das bekannteste Gammastrahlenteleskop ist INTEGRAL der ESA. Aber auch erdgebundene Gammastrahlenteleskope findet man immer öfter. Englische Forscher haben das <i>High Energy Stereoscopic System (HESS)</i> in Namibia verwendet, um weit entfernte Quasare zu untersuchen, die gleichzeitig auch eine Gammastrahlenquelle sind. Gammastrahlung wird von den meisten Weltraumobjekten erzeugt. Leider wird diese Gammastrahlung auf dem Weg zur Erde von Photonen der normalen Hintergrundstrahlung absorbiert. Genau diese Hintergrundstrahlung gibt es vermutlich, seit es das Universum gibt – also der Bote der Vergangenheit. Es werden weit entfernte Gammastrahlenquellen wie Quasare verwendet, um diese fossile Hintergrundstrahlung zu messen – je weniger Gammastrahlen bei der Erde ankommen, desto höher muss die Dichte des fossilen Nebels sein, der das Universum einhüllt. So kann man auch feststellen, wo es unter Umständen auch Löcher in diesem Nebel gibt, wo also mehr Gammastrahlung durchdringt. Aber vielleicht ist dieser Wert auch überall gleich. Es konnte festgestellt werden, dass die ankommenden Gammastrahlen im Vergleich zu den erwarteten Strahlen sehr gering sind. Dies weist auf eine immer präsente und intensive kosmische Hintergrundstrahlung hin. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doktor Lowry McComb von der Durham-Universität kommentiert die Untersuchungsergebnisse wie folgt: „HESS hat in den letzten Jahren eine bedeutende Anzahl von wichtigen Entdeckungen gemacht. Es hat die Gammastrahlenforschung revolutioniert. Diese neuen Ergebnisse zeigen, welche Geheimnisse diese Art von Astronomieforschung noch verbirgt. Vor allem jetzt, wo die Teleskope immer tiefer in die Vergangenheit des Universums blicken können, ist es wichtig gute Techniken zu entwickeln. Leider ist diese Hintergrundstrahlung oft auch transparent für die Gammastrahlung!“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können uns überraschen lassen, welche Erfolge Dr. McComb mit dem HESS Teleskop noch zu verbuchen haben wird.  
</p>
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