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	<title>Neptunwüste &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<title>Neptunwüste &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>DLR: NGTS-Such­kam­pa­gne ist Erfolgsgeschichte</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/dlr-ngts-suchkampagne-ist-erfolgsgeschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2020 07:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Extrasolar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Vielfalt neu entdeckter Planeten: Die NGTS-Suchkampagne von Exoplaneten – eine Erfolgsgeschichte. Eine Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Quelle: DLR. Die Welt der Exoplaneten – Planeten, die andere Sterne umkreisen – wird immer vielfältiger und facettenreicher. Die Einteilung der Planeten unseres Sonnensystems in Gesteins- und Gasplaneten kann den unterschiedlichen Eigenschaften, die [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Die Vielfalt neu entdeckter Planeten: Die NGTS-Suchkampagne von Exoplaneten – eine Erfolgsgeschichte. Eine Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Quelle: DLR.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/09/ExosRadiusTempDLRCCBY3015.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/09/ExosRadiusTempDLRCCBY3026.jpg" alt=""/></a><figcaption>Die Exoplaneten nach Radius und Temperatur.<br>(Bild: DLR (CC-BY 3.0))</figcaption></figure></div>



<p>Die Welt der Exoplaneten – Planeten, die andere Sterne umkreisen – wird immer vielfältiger und facettenreicher. Die Einteilung der Planeten unseres Sonnensystems in Gesteins- und Gasplaneten kann den unterschiedlichen Eigenschaften, die man bei den über 4000 in anderen Sternsystemen entdeckten Planeten gefunden hat, nicht gerecht werden. Die schiere Zahl an Neuentdeckungen ist aber nicht entscheidend. Vielmehr geht es um die genaue Charakterisierung durch Parameter wie Radius und Masse sowie um den inneren Aufbau des Planetenkörpers. Erst dadurch kann man etwas über die Entstehung und Entwicklung von Planeten erfahren. Die Teleskopanlage NGTS in den chilenischen Anden ermöglichte jüngst weitere wichtige Entdeckungen.</p>



<p>Über die Entdeckung dreier interessanter außergewöhnlicher Exoplaneten mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurde zum Teil schon in den vergangenen Wochen in Fachzeitschriften berichtet. Ganz aktuell kommt heute eine Veröffentlichung in Nature Astronomy über einen superschnellen und superheißen Planeten, LTT 9779b, dazu.</p>



<p>Bei all diesen Entdeckungen ist das DLR beteiligt, insbesondere über die Nutzung der Teleskopanlage NGTS (Next Generation Transit Survey), einer Teleskopanlage in Chile am Paranal-Observatorium, die seit 2015 in Betrieb ist. Acht der zwölf Kameras der Teleskopanlage steuerte das DLR bei. So hat NGTS bereits eine Reihe von Planeten entdeckt und zur Charakterisierung bereits bekannter Planeten beigetragen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/09/ExosMassUmlaufzeitDLRCCBY3015.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/09/ExosMassUmlaufzeitDLRCCBY3026.jpg" alt=""/></a><figcaption>Verteilung der Exoplaneten nach Masse und Umlaufzeit.<br>(Bild: DLR (CC-BY 3.0))</figcaption></figure></div>



<p><strong>NGTS-11b – so groß wie Saturn und kühler als viele andere Exoplaneten</strong><br>NGTS-11b ist ein Planet von der Größe des Saturn, der seinen Stern aber nur in rund 35 Tagen umkreist. Die Entdeckungsgeschichte beginnt mit einem einzelnen Transit, einer Passage des Planeten vor seinem Stern, der vom Weltraumraumteleskop TESS der NASA 2018 aufgenommen wurde. Da TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite) aber die meisten Beobachtungssegmente nicht länger als 27 Tage untersucht, blieb es bei diesem einzelnen Transit. Ohne die systematische Suche über 79 Nächte mit einem der NGTS-Teleskope wäre der Planet &#8218;verloren&#8216; gegangen. NGTS konnte aber einen zweiten Transit aufzeichnen, 390 Tage nach der Transitbeobachtung durch TESS. Aber auch damit konnte man die Umlaufzeit noch nicht genau bestimmen, jedoch immerhin deutlich einschränken: es konnten nicht mehr als 390 Tage sein, oder ganzzahlige Bruchteile davon.</p>



<p>Radialgeschwindigkeitsbeobachtungen des Planetensystems mit zwei verschiedenen Spektrographen an zwei verschiedenen Teleskopen lieferten weitere Informationen. Diese Entdeckung zeigt deutlich, wie wichtig hochpräzise photometrische Messungen vom Boden aus sind. Ohne die NGTS-Beobachtung hätte man den zweiten Transit dieses Planeten nicht entdecken und damit auch nicht seine Umlaufzeit bestimmen können. Aus der Umlaufzeit leitet sich der Abstand zum Zentralstern ab und damit auch seine Oberflächentemperatur. Mit 160 Grad Celsius ist es auf diesem Planeten zwar immer noch wärmer als auf der Erde, aber kühler als auf Venus oder Merkur und der Mehrzahl der entdeckten Planeten, viele von ihnen mit Temperaturen von über 1000 Grad Celsius. Diese Beobachtungen zeigen deutlich das Potential von NGTS: Mit der Multiteleskopanlage ist es möglich, über lange Beobachtungszeiträume nach schwachen Signalen (kleinen &#8222;Transitdips&#8220;) zu suchen, wie sie neptungroße Planeten um einen sonnenähnlichen Stern verursachen.</p>



<p><strong>TOI-849b – Bewohner der Neptunwüste</strong><br>TOI-849b ist der Planetenkern eines Gasriesen. Er ist ein &#8218;Bewohner der Neptunwüste&#8216;, jener Region im Masse-Perioden-Diagramm, in dem bisher nur sehr wenige Planeten entdeckt wurden – NGTS-4b ist einer der wenigen. Generell scheint es dort an Planeten mit kurzen Umlaufzeiten und Massen wie jener des Neptun zu mangeln, also etwa dem 15- bis 20-fachen der Erdmasse. Mit einer Umlaufzeit von nur 18 Stunden hat TOI-849b einen Radius wie Neptun, ist aber doppelt oder sogar dreimal so schwer und damit ein recht dichtes Objekt. Es muss eine sehr ungewöhnliche Entwicklung hinter sich haben. Es könnte einmal ein Gasriese gewesen sein, der seine Atmosphäre durch äußere Einwirkung verloren hat. Oder es ist ein Gasriese, der es aber nicht geschafft hat, im Laufe seiner Entwicklung eine atmosphärische Hülle anzusammeln. Dieser Planet wurde zuerst von TESS entdeckt und als Einwohner der &#8218;Neptun-Wüste&#8216; identifiziert. Nachbeobachtungen von vier Transitereignissen mit den NGTS-Teleskopen bestätigten die Entdeckung und verfeinerten die Werte für Radius und Umlaufzeit.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/09/NGTSTeleskopanlageParanalESO.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/09/NGTSTeleskopanlageParanalESO26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Blick auf die Teleskopanlage auf dem Paranal-Observatorium.<br>(Bild: ESO)</figcaption></figure></div>



<p><strong>LTT 9779b – superschnell und superheiß</strong><br>LTT 9779b ist ein weiterer Einwohner der &#8218;Neptun-Wüste&#8216;: superheiß und superschnell, ganz ähnlich zu TOI-849. Er wurde ebenso zunächst von TESS entdeckt und dann von bodengebundenen Teleskopen wie NGTS nachbeobachtet. Wie TOI-849b braucht auch dieser Planet für einen Umlauf nur etwas mehr als 18 Stunden und umkreist seinen Stern daher so dicht, dass er wahrscheinlich eine Temperatur von über 1700 Grad Celsius hat. Bei solchen Temperaturen sind alle Moleküle zerfallen und alle Eisenatome ionisiert. Auch hier stellt sich die Frage, wie sich dieser Planet entwickelt hat und wie er seine Atmosphäre unter der starken Einstrahlung halten konnte.</p>



<p>Bei den beiden letztgenannten Planetenentdeckungen wurde der neuentwickelte Multi-Teleskop-Modus verwendet. Dabei beobachten alle Teleskope der NGTS-Anlage das gleiche Objekt. Das verbesserte Verhältnis von beobachtetem Signal zum Hintergrundrauschen kann Transitsignale entdecken, bei denen die Helligkeit des Sterns durch die vorbeiziehenden Planeten um ein Tausendstel abnimmt.</p>



<p>Damit können mit NGTS-Beobachtungen Bereiche mit Planetenentdeckungen gefüllt werden, die von weltraumgestützten Teleskopen so nicht alleine abgedeckt werden können und ergänzt damit vergangene, gegenwärtige und zukünftige Weltraummissionen wie Kepler, TESS oder PLATO.</p>



<p><strong>Über NGTS</strong><br>Die Teleskopanlage des Next-Generation Transit Survey (NGTS) wurde von einem Konsortium britischer, schweizerischer und deutscher Institutionen errichtet und befindet sich am Paranal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in der Atacamawüste im Norden Chiles. Dort kann sie sowohl von den hervorragenden Beobachtungsbedingungen vor Ort als auch von technischer Unterstützung seitens der vorhandenen Einrichtungen profitieren. Sie ist auf die großflächige Durchmusterung des Himmels ausgelegt und wurde maßgeblich vom DLR finanziert. Acht der zwölf Kameras der Teleskopanlage stammen vom DLR. Wissenschaftler des <a href="https://www.dlr.de/de/wr" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Instituts für Planetenforschung</a> werten im internationalen Team die Daten aus. NGTS ist so konzipiert, dass es vollkommen automatisiert kontinuierlich auf der Suche nach Exoplanetentransits die Helligkeit von mehreren 100.000, vergleichsweise hellen Sternen am Südhimmel vermisst.</p>



<p><strong>Publikationen:</strong><br><a href="https://arxiv.org/pdf/2005.00006" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">NGTS-11 b / TOI-1847 b: A transiting warm Saturn recovered from a TESS single-transit event</a><br>S. Gill et al, Astrophysical Journal Letters, Vol 898, 20. July 2020, DOI: 10.3847/2041-8213/ab9eb9</p>



<p><a href="https://www.nature.com/articles/s41586-020-2421-7.epdf" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">A remnant planetary core in the hot-Neptune desert</a><br>D. A. Armstrong et al, Nature, Vol 583, 2 July 2020, DOI: 10.10387s41586-020-2421-7</p>



<p><a href="https://www.nature.com/articles/s41550-020-1142-z" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">An ultahot Neptune in the Neptune Desert</a><br>J. S. Jenkins et al, Nature Astronomy, DOI: 10.1038/s41550-020-1142-z</p>



<p><strong>Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/neues-teleskop-projekt-beginnt-mit-exoplaneten-suche/" data-wpel-link="internal">Neues Teleskop-Projekt beginnt mit Exoplaneten-Suche</a> (16. Januar 2015)</li></ul>



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		<item>
		<title>Erstmals freigelegter Planetenkern entdeckt</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/erstmals-freigelegter-planetenkern-entdeckt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2020 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Exoplaneten]]></category>
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		<category><![CDATA[Neptunwüste]]></category>
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		<category><![CDATA[TESS]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Bern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Forschende unter der Leitung der Universität Warwick haben erstmals den freigelegten Kern eines Exoplaneten entdeckt, der einen noch nie dagewesenen Blick ins Innere eines Planeten erlaubt. Federführend beteiligt an der theoretischen Interpretation dieser Entdeckung ist Christoph Mordasini von der Universität Bern. Eine Medienmitteilung der Universität Bern. Quelle: Universität Bern. Der neu entdeckte Exoplanet TOI 849 [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Forschende unter der Leitung der Universität Warwick haben erstmals den freigelegten Kern eines Exoplaneten entdeckt, der einen noch nie dagewesenen Blick ins Innere eines Planeten erlaubt. Federführend beteiligt an der theoretischen Interpretation dieser Entdeckung ist Christoph Mordasini von der Universität Bern. Eine Medienmitteilung der Universität Bern.</p>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Quelle: Universität Bern.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/01KernExoNeptunianDesertUniversityofWarwickMarkGarlick.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Künstlerische Darstellung, die einen neptungroßen Planeten in der Neptunwüste zeigt." data-rl_caption="" title="Künstlerische Darstellung, die einen neptungroßen Planeten in der Neptunwüste zeigt." data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/01KernExoNeptunianDesertUniversityofWarwickMarkGarlick26.jpg" alt=""/></a><figcaption>Künstlerische Darstellung, die einen neptungroßen Planeten in der Neptunwüste zeigt. Es ist äußerst selten, ein Objekt von dieser Größe und Dichte so nahe an seinem Stern zu finden.<br>(Bild: University of Warwick/Mark Garlick)</figcaption></figure></div>



<p>Der neu entdeckte Exoplanet TOI 849 b bietet die einzigartige Gelegenheit, in das Innere eines Planeten zu blicken und etwas über seine Zusammensetzung zu erfahren. Er kreist um einen etwa 730 Lichtjahre entfernten Stern, der unserer Sonne sehr ähnlich ist. Der freigelegte Kern hat die gleiche Größe wie Neptun in unserem Sonnensystem. Die Forschenden nehmen an, dass es sich um einen Gasriesen handelt, der entweder seiner Gasatmosphäre beraubt wurde oder wegen eines außergewöhnlichen Vorkommnis keine massive Gasatmosphäre bilden konnte wie normalerweise. Die Studie des Teams unter der Leitung von Dr. David Armstrong vom Department of Physics der University of Warwick erscheint heute in der Zeitschrift Nature. PD Dr. Christoph Mordasini vom Physikalischen Institut der Universität Bern war federführend an der theoretischen Interpretation der Entdeckung beteiligt.</p>



<p><strong>Ein Jahr, das nur 18 Stunden dauert</strong><br>Bei TOI 849 b handelt sich um einen äußerst ungewöhnlichen Planeten in der sogenannten «Neptunwüste» – ein in der Astronomie verwendeter Begriff für eine Region in der Nähe von Sternen, in der es selten Planeten mit der Masse von Neptun gibt. Der Hauptautor der Studie, Dr. David Armstrong von der University of Warwick, sagt: «Der Planet befindet sich seltsam nah an seinem Stern, wenn man seine Masse betrachtet. Anders gesagt: es sind keine Planeten mit dieser Masse bekannt, die eine so kurze Umlaufzeit um ihren Stern haben.» TOI 849 b kreist so nahe an seinem Wirtsstern, dass ein Jahr nur 18 Stunden dauert und seine Oberflächentemperatur etwa 1.500 °C beträgt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/03KernExoPortraitChristophMordasiniUniBE15.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="PD Dr. Christoph Mordasini" data-rl_caption="" title="PD Dr. Christoph Mordasini" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/03KernExoPortraitChristophMordasiniUniBE26.jpg" alt=""/></a><figcaption>PD Dr. Christoph Mordasini, Physikalisches Institut, Weltraumforschung und Planetologie (WP)<br>(Bild: Universität Bern)</figcaption></figure></div>



<p>Christoph Mordasini erklärt: «Wir haben die Masse und den Radius des Planeten bestimmt. TOI-849b ist etwa 40mal so schwer wie die Erde, sein Radius beträgt aber nur 3,4 Erdradien.» Der Planet habe also eine hohe Dichte und müsse somit primär aus Eisen, Gestein und Wasser bestehen, aber aus nur sehr wenig Wasserstoff und Helium. «Für einen so massereichen Planeten ist eine so hohe Dichte, respektive ein so kleiner Anteil an Wasserstoff und Helium sehr erstaunlich. Bei einer solchen Masse würde man nämlich erwarten, dass der Planet während seiner Entstehung in der protoplanetaren Scheibe viel Wasserstoff und Helium angezogen hat.»</p>



<p>David Armstrong ergänzt: «Die Tatsache, dass diese Gase nicht vorhanden sind, lässt darauf schließen, dass es sich bei TOI 849 b um einen exponierten Planetenkern handelt.» Es ist das erste Mal, dass ein intakter, freiliegender Kern eines Gasriesen um einen Stern entdeckt wurde.</p>



<p><strong>Weltweit gefragte Berner Expertise</strong><br>An der Universität Bern wird seit 2003 das «Berner Modell der Entstehung und Entwicklung von Planeten» laufend weiterentwickelt. Christoph Mordasini sagt: «Wir kombinieren in unserem Modell Erkenntnisse zu den vielfältigen Prozessen, die bei der Entstehung und der Entwicklung von Planeten ablaufen.» Dank dem weltweit renommierten Berner Modell können Entdeckungen wie die des Exoplaneten TOI 849 b theoretisch interpretiert werden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/02KernExoBernerModellUniBE26.jpg" alt=""/><figcaption>Möglicher Entwicklungspfad von TOI-849b: Die rote Linie zeigt den Entwicklungspfad eines simulierten Planeten der schlussendlich dem beobachteten Planeten TOI-849b gleicht. Der Pfad ist in der Ebene von großer Halbachse, d.h., Abstand zum Stern in Astronomischen Einheiten (AE) auf der x-Achse und Radius des Planeten in Jupiterradien auf der y-Achse gezeigt. Die anderen blau-roten Punkte zeigen andere Planeten die vom Berner Modell für 1000 sonnenartige Sterne vorhergesagt werden. Die Erde und Jupiter sind zum Vergleich an ihren Orten eingezeichnet. Der Planet entsteht ursprünglich bei der Anfangszeit t=0 Jahre als kleines planetares Embryo bei etwa 6 AE. Er wächst im Verlauf der folgenden 1 Million Jahre und wird dadurch größer. In dieser Phase ist der Radius des Protoplaneten enorm groß, da er noch in seinem Geburtsnebel eingebettet ist. Mit zunehmender Größe beginnt der Protoplanet auch nach innen in Richtung Stern zu wandern (orbital Migration). Dadurch verkleinert sich der Radius wieder. Nach 3.5 Millionen Jahren kommt der Planet am Innenrand der Gasscheibe an. Dort kommt es zu einer enorm energetischen Kollision mit einem anderen Protoplaneten in seinem Planetensystem. Durch die im Einschlag freigesetzte enorme Wärme bläht sich die Gashülle des Planeten extrem auf, und wird abgestoßen. Dadurch reduziert sich der Radius wiederum stark und ein freigelegter Kern entsteht. Zuletzt bewegt sich der freigelegte Kern über Milliarden von Jahren langsam weiter auf seinen Stern zu. Die Ursache sind hier Gezeitenkräfte. Dabei hat der modellierte Planet Eigenschaften die denen von TOI-849b, der mit dem schwarz-gelben Symbol eingezeichnet ist, sehr gleichen. Am Ende, nach 9.5 Milliarden Jahren, fällt der Planet schlussendlich in seinen Mutterstern.<br>(Bild: Universität Bern)</figcaption></figure></div>



<p>Auf Basis des Berner Modells können zwei Theorien formuliert werden, die erklären, warum es sich bei TOI 849 b nicht um einen typischen Gasriesen handle, sondern um einen freiliegenden Planetenkern. «Die erste ist, dass der Exoplanet einst dem Jupiter ähnlich war, aber durch verschiedene Einflüsse fast das gesamte äußere Gas ‘verloren’ hat», so Christoph Mordasini. Dies könnte aufgrund von Gezeiten passiert sein, bei denen die Hülle des Planeten auseinandergerissen wird, weil der Planet extrem nahe an seinem Stern kreist, oder sogar wegen einer Kollision mit einem anderen Planeten. Die großflächige Verdampfung der Atmosphäre könnte ebenfalls eine Rolle spielen, kann aber nicht alleine für das gesamte «verlorene» Gas verantwortlich gemacht werden.</p>



<p>Alternativ könnte es sich bei TOI 849 b um einen «gescheiterten» Gasriesen handeln. «Nachdem sich der Kern einmal gebildet hatte, könnte etwas gänzlich anders gelaufen sein als normalerweise, und der Kern hat nie eine massive Atmosphäre gebildet wie sonst. Dies hätte geschehen können, wenn sich in der protoplanetaren Scheibe, aus der sich der Planet bildete, eine Lücke im Gas gebildet hätte wegen der gravitativen Interaktion mit dem Planeten, oder wenn das Material in der Scheibe gerade zu dem Zeitpunkt ausgegangen wäre, wo normalerweise die Gasakkretion folgt», so Mordasini.</p>



<p>David Armstrong sagt: «Unsere Entdeckung beweist, dass solche Planeten existieren und wir sie aufspüren können. Wir haben nun die Möglichkeit, den Kern eines Planeten auf eine Weise zu betrachten, die wir in unserem eigenen Sonnensystem nicht tun können.»</p>



<p><strong>Wie TOI 849 b entdeckt und analysiert wurde</strong><br>TOI 849 b wurde mit Hilfe des Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der NASA gefunden, wobei die sogenannte Transitmethode verwendet wurde: Der Satellit misst die Helligkeit eines Sterns. Ein Abfall in den Messungen der Helligkeit zeigt an, dass ein Planet vor ihm vorbeigezogen ist.</p>



<p>Anschließend wurde TOI 849 b am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile mit dem unter Schweizer Führung gebauten HARPS-Instrument analysiert. Dabei wird der Doppler-Effekt genutzt, um die Masse zu bestimmen. Dies geschieht indem das «Wackeln» des Muttersterns des Exoplaneten gemessen wird – kleine Bewegungen auf uns zu und von uns weg, die als winzige Verschiebungen im Lichtspektrum des Sterns registriert werden.</p>



<p><a href="https://science.nasa.gov/mission/tess/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Mehr Informationen zu TESS bei der NASA</a><br><a href="https://www.eso.org/public/teles-instr/lasilla/36/harps/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Mehr Informationen zu HARPS bei der ESO</a></p>



<p><strong>«Bern Model of Planet Formation and Evolution»</strong><br>Mit dem «Bern Model of Planet Formation and Evolution» können Aussagen gemacht werden, wie ein Planet entstanden ist und wie er sich entwickelt hat. Seit 2003 wird das Berner Modell an der Universität Bern laufend weiterentwickelt. Ins Modell fließen Erkenntnisse ein zu den vielfältigen Prozessen, die bei der Entstehung und der Entwicklung von Planeten ablaufen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Submodelle zur Akkretion (Wachstum des Kerns eines Planeten) oder dazu, wie Planten gravitationsbedingt miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen sowie zu Prozessen in den protoplanetaren Scheiben, in denen Planeten entstehen. Mit dem Modell werden auch sogenannte Populationssynthesen erstellt, die aufzeigen, welche Planeten sich wie häufig unter bestimmten Rahmenbedingungen in einer protoplanetaren Scheibe entwickeln. Das weltweit renommierte Berner Modell wird ebenfalls herangezogen zur theoretischen Interpretation von Entdeckungen wie derjenigen des Exoplaneten TOI 849 b.</p>



<p><strong>Angaben zur Publikation:</strong><br>&#8218;<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-020-2421-7" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">A remnant planetary core in the hot-Neptune desert</a>&#8218;, David Armstrong et al.,01.07.2020, Nature<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-020-2421-7" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">.</a></p>



<p><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=483.msg483214#msg483214" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Exoplaneten</a></li></ul>
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