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	<title>Tigerstreifen &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Tigerstreifen &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<item>
		<title>Saturnmond Enceladus: 101 aktive Geysire</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Aug 2014 21:09:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Cassini]]></category>
		<category><![CDATA[Raumsonden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aktuelle Auswertungen von Daten der Raumsonde Cassini zeigen, dass sich in der Südpolregion des Mondes Enceladus 101 aktive Geysire befinden. Deren Quelle, so das Ergebnis dieser Forschungsarbeit, ist offenbar mehrere Dutzend Kilometer unterhalb der Oberfläche von Enceladus beheimatet, was die Existenz eines unterirdischen Ozeans auf diesem Mond bestätigt. Ein Beitrag von Ralph-Mirko Richter. Quelle: JPL, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/saturnmond-enceladus-101-aktive-geysire/" data-wpel-link="internal">Saturnmond Enceladus: 101 aktive Geysire</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Aktuelle Auswertungen von Daten der Raumsonde Cassini zeigen, dass sich in der Südpolregion des Mondes Enceladus 101 aktive Geysire befinden. Deren Quelle, so das Ergebnis dieser Forschungsarbeit, ist offenbar mehrere Dutzend Kilometer unterhalb der Oberfläche von Enceladus beheimatet, was die Existenz eines unterirdischen Ozeans auf diesem Mond bestätigt.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Ralph-Mirko Richter. Quelle: JPL, CICLOPS.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_small_1.jpg" alt="NASA, JPL, Space Science Institute, DLR" width="260"/></a><figcaption>
Der Saturnmond Enceladus: In der Großaufnahme ist am unteren Bildrand dessen Südpolregion mit den dort befindlichen vier &#8222;Tigerstreifen&#8220; erkennbar. Diese geologisch aktive Region stellt den Ausgangspunkt für die Jets aus Wasserdampf und Eispartikeln dar, welche aus den dort befindlichen Kryovulkanen entweichen. 
<br>
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute, DLR)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits seit mehr als zehn Jahren befindet sich die Raumsonde <i>Cassini</i> in einer Umlaufbahn um den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems &#8211; den Saturn. Die von <i>Cassini</i> mitgeführten <a class="a" rel="noopener noreferrer follow" href="https://web.archive.org/web/20211128030251/https://www.dlr.de/cassini-huygens/desktopdefault.aspx/tabid-317/910_read-1147/" target="_blank" data-wpel-link="external">12 wissenschaftlichen Instrumente</a> liefern seitdem regelmäßig Daten und hochaufgelöste Bilder von der Planetenatmosphäre, dem Ringsystem und den vielfältigen Monden des Saturn, welche sowohl die interessierte Öffentlichkeit als auch die Fachwelt begeistern. Die Ziele der <i>Cassini</i>-Mission sind vielschichtig und oftmals miteinander verknüpft. Neben der Erforschung des Saturn und seines größten Mondes, dem etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, werden auch das Ringsystem des Planeten, dessen Magnetosphäre und die weiteren 61 derzeit bekannten Saturnmonde regelmäßig von den verschiedenen Instrumenten abgebildet und analysiert.  <br> Eines dieser Untersuchungsobjekte ist der Mond Enceladus. Im Rahmen eines nahen Vorbeifluges an diesem Mond konnten die an der Mission beteiligten Wissenschaftler am 14. Juli 2005 die Existenz einer extrem dünnen Atmosphäre um diesen Himmelskörper nachweisen. Mit einem mittleren Durchmesser von lediglich 504 Kilometern verfügt der sechstgrößte Mond des Saturn aber über eine viel zu geringe Masse, um diese Gaspartikel über einen längeren Zeitraum in seinem Gravitationsfeld festzuhalten. Die Gashülle müsste eigentlich bereits nach einer relativ kurzen Zeit in den Weltraum entweichen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tatsache, dass die so schon geringe Dichte der beobachteten Atmosphäre mit zunehmender Höhe stark abnimmt, wurde als ein Indiz dafür interpretiert, dass eine permanent aktive Quelle direkt auf oder unmittelbar unterhalb der Oberfläche des Eismondes für deren Existenz verantwortlich sein muss. Hierfür, so die Wissenschaftler im Jahr 2005, käme unter anderem ein geothermaler Hotspot in Frage, welcher durch vulkanische Aktivität gespeist wird. Aufgrund von Messdaten, welche mit verschiedenen Magnetometern, Spektrometern und einem Gerät zur Staubanalyse gewonnen werden konnten, wurde dieser Hotspot im Bereich der Südpolregion von Enceladus vermutet. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kryovulkanismus</strong> <br> Am 27. November 2005 gelang den Wissenschaftlern der <i>Cassini</i>-Mission dann schließlich auch tatsächlich dessen direkter Nachweis. Auf den an diesem Tag im Gegenlicht angefertigten Enceladus-Aufnahmen der ISS-Kamera von <i>Cassini</i> waren eine Vielzahl von feinen &#8218;Jets&#8216; erkennbar, welche von der Südpolregion ausgingen und die sich bis zu etwa 490 Kilometern über dessen Oberfläche erstreckten. Als Ausgangspunkt für diese feinen Strahlen aus Wasserdampf und Eispartikeln konnten bei späteren dichten Vorbeiflügen an Enceladus vier nahezu parallel verlaufende Einschnitte in der Mondoberfläche ausgemacht werden, welche sich direkt über dem Südpol befinden. Diese &#8222;Tigerstreifen&#8220;, so die Bezeichnung für diese Formationen, erstrecken sich über eine Länge von jeweils 130 Kilometern und erreichen eine Breite von bis zu zwei Kilometern. Die von der Mondoberfläche ausgehende &#8218;Jets&#8216; gelten mittlerweile als die hauptsächlichen Materiallieferanten für den E-Ring des Saturn. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_big_2.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_small_2.jpg" alt="NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute" width="260"/></a><figcaption>
Ein Blick über die beiden Tigerstreifen Baghdad Sulcus und Damascus Sulcus &#8211; zwei der vier Regionen, aus denen die Geysire des Enceladus austreten. 
<br>
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht gesichert war dagegen bisher die Ursache für diesen <a class="a" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kryovulkan" target="_blank" rel="noopener noreferrer follow" data-wpel-link="external">Kryovulkanismus</a>. Manche Wissenschaftler stellten eine Verbindung zwischen den Geysiren und der gravitativ bedingten <a class="a" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gezeitenkraft" target="_blank" rel="noopener noreferrer follow" data-wpel-link="external">Gezeitenkraft</a> her, welche der massereiche Saturn auf den in einer Entfernung von im Mittel lediglich etwa 238.000 Kilometer entfernt umlaufenden Mond ausübt. Laut dieser Theorie wird das Innere von Enceladus regelrecht &#8218;durchgeknetet&#8216;, wobei die dabei auftretenden Reibungen eine Erwärmung verursachen, was letztendlich das Schmelzen von Eis und die Freigabe von Wasserdampf zur Folge hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Theorien besagen, dass sich im Bereich der Tigerstreifen durch die Gezeitenwirkungen Öffnungen bilden, durch welche dann Wasser aus tieferen Regionen an die Oberfläche gelangen kann. Als Quelle für dieses Wasserreservoir dient dabei ein Salzwasserozean, welcher sich unter der Oberfläche von Enceladus befindet. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>101 aktive Geysire</strong>
<br>
Ein von Dr. Carolyn C. Porco vom Space Science Institute in Boulder/Colorado &#8211; der für den Betrieb des ISS-Kameraexperiments an Bord von <i>Cassini</i> verantwortlichen Wissenschaftlerin &#8211; geleitetes Team hat jetzt die Daten ausgewertet, welche die Raumsonde in einem Zeitraum von über 6,5 Jahren von der Südpolregion des Mondes gesammelt hat. Im Rahmen dieser Arbeit konnte zunächst eine Karte erstellt werden, auf der die Ausgangsregionen von 101 individuellen Geysiren eingezeichnet sind. All diese aktiven Geysire, so die Planetenforscher, haben ihren Ursprung demzufolge direkt in einem der vier mit den Namen Damascus, Baghdad, Cairo und Alexandria Sulcus belegten Tigerstreifen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Studie geht zudem hervor, dass sehr wahrscheinlich tatsächlich Wasser aus dem Inneren des Mondes bis an die Oberfläche aufsteigt und dort in Form von Wasserdampf und Eispartikeln in das umgebende Weltall entweicht. Der hierfür entscheidende Hinweis stammt von verschiedenen Spektrometern der Raumsonde <i>Cassini</i>, mit denen im Jahr 2010 die Oberflächentemperatur im Bereich des Südpols von Enceladus ermittelt wurde. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_big_3.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_small_3.jpg" alt="NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute" width="260"/></a><figcaption>
Diese Karte zeigt die Stellen, an denen die Geysire in der Enceladus-Südpolregion auftreten. Die Größe der Kreise markiert dabei die Genauigkeit mit der die Austrittsorte festgelegt werden konnten. 
<br>
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Auswertung dieser Daten stellte sich heraus, dass die kartierten Geysire durchweg von Bereichen ausgehen, an denen leicht erhöhte Umgebungstemperaturen herrschen. Die höchste Geysir-Aktivität ist dabei in den Regionen zu beobachten, wo auch die höchsten Oberflächentemperaturen zu messen sind. Diese &#8222;Hot Spots&#8220; verfügen allerdings lediglich über Durchmesser von maximal wenigen Dutzend Metern. Derartig eng begrenzte Bereiche lassen sich jedoch nicht durch eine von Gezeitenkräften verursachte Reibung erklären. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich der Ursprung der Geysire in größeren Tiefen befinden muss. </p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Nachdem wir diese Ergebnisse in unseren Händen hielten, wurde uns klar, dass die Wärme nicht etwa die Geysire verursacht, sondern das vielmehr genau das Gegenteil der Fall ist&#8220;, so Carolyn Porco. &#8222;Dies verriet uns auch, dass die Geysire kein Oberflächenphänomen darstellen, sondern dass sie eine viel tiefer liegende Quelle haben müssen.&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Ozean unter der Oberfläche</strong>
<br>
Bei jedem dichten Vorbeiflug an einem der Monde des Saturn wird die Flugbahn von <i>Cassini</i> zwar minimal, aber doch deutlich messbar von der vorgesehenen Flugbahn abgelenkt. Diese Abweichung macht sich durch eine geringfügig veränderte Laufzeit der Radiosignale bemerkbar, welche <i>Cassini</i> während eines solchen Vorbeifluges konstant zur Erde aussendet. Durch die Auswertung dieser auf dem <a class="a" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Doppler-Effekt" target="_blank" rel="noopener noreferrer follow" data-wpel-link="external">Doppler-Effekt</a> basierenden Daten lässt sich nicht nur die Masse eines Mondes und die sich daraus ergebende mittlere Dichte näher bestimmen. Vielmehr können hierdurch auch Aussagen über den genauen inneren Aufbau des betreffenden Körpers getätigt werden. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_big_4.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_small_4.jpg" alt="NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute" width="260"/></a><figcaption>
Der von Carolyn Porco et al. für die Südpolregion von Enceladus vorgeschlagene innere Aufbau dieses Mondes: Ein Salzwasser-Ozean (blau) befindet sich über einem Kern aus porösem Gestein (braun). Über diesem Ozean befindet sich eine Schicht aus &#8218;weichem&#8216; Eis (rot), welches von einer weiteren, allerdings verhältnismäßig dünnen Schicht aus tiefgefrorenem und entsprechend spröden Eis überlagert ist (weiß). In dieser Eisschicht bilden sich durch Konvektion bedingte Risse und Spalten, in denen flüssiges Wasser in Richtung Oberfläche aufsteigen kann. 
<br>
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswertung der Daten, welche bei drei dichten Enceladus-Vorbeiflügen bei Überflughöhen von weniger als 100 Kilometern in den Jahren 2010 und 2012 gewonnen wurden, haben erst kürzlich die bereits zuvor vermutete Existenz eines Ozeans unter der Oberfläche von Enceladus bestätigt. Dieser Ozean ist demzufolge unter einem 30 bis 40 Kilometer dicken Eispanzer verborgen und erstreckt sich vermutlich bis zum 50. Breitengrad unter der südlichen Hemisphäre von Enceladus &#8211; so die beteiligten Wissenschaftler in einer <a class="a" href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.1250551" target="_blank" rel="noopener noreferrer follow" data-wpel-link="external">entsprechenden Publikation</a>, welche am 4. April 2014 in der Fachzeitschrift &#8222;Science&#8220; veröffentlicht wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Ergebnissen der Wissenschaftler um Carolyn Porco müssen &#8218;Bruchlinien&#8216; in der Eiskruste von Enceladus existieren, in denen flüssiges Wasser aus diesem Ozean bis an die Oberfläche aufsteigen kann. Dieser Ozean ist demzufolge von einer Schicht aus &#8218;weichem&#8216; Wassereis überdeckt, welches sich &#8211; bedingt durch <a class="a" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Konvektion" target="_blank" rel="noopener noreferrer follow" data-wpel-link="external">Konvektion</a> &#8211; bewegt. Diese Bewegungen haben auch Einflüsse über die darüber liegende Schicht aus tiefgefrorenem Eis, in der sich im Rahmen dieses Prozesses tiefe Risse und Spalten bilden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Spalten werden von dem Wasser aufgefüllt, welches auf diese Weise bis zur Oberfläche des Mondes vordringen kann. Aufgrund des Vakuums, welches auf der Oberfläche von Enceladus herrscht, verwandelt sich dieses in eine Mischung aus Wasserdampf und feinsten Tröpfchen aus Salzwasser, welche letztendlich zu Eiskristallen erstarren. Ein Teil des Wasserdampfes &#8218;kondensiert&#8216; zudem an den Öffnungen der Geysire und gibt dabei Wärmeenergie ab, was zur Bildung der beobachteten &#8218;Hot Spots&#8216; führt. Die Partikel, die es schaffen, das Gravitationsfeld des Enceladus zu verlassen, bilden dagegen die primäre Quelle für den E-Ring des Saturn. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Variierende Geysir-Aktivität ist abhängig von der Entfernung zum Saturn</strong>
<br>
Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler auch die Veränderungen in der Menge der von den Geysiren freigegebenen Partikel. Dabei zeigte sich, dass diese von der Entfernung abhängig ist, in der sich Enceladus zum Saturn befindet. Enceladus umkreist den Saturn auf einer nur leicht elliptischen Umlaufbahn, welche in einer Entfernung zwischen 236.830 und 239.066 Kilometern zu dem Planeten verläuft. Für eine vollständige Umrundung wird dabei eine Zeitspanne von knapp 33 Stunden benötigt. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_big_5.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01082014230936_small_5.jpg" alt="NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute" width="260"/></a><figcaption>
Wasser steigt durch die Spalten in Richtung Oberfläche und sublimiert schließlich aufgrund des geringen Drucks zu Wasserdampf, der anschließend zu Eispartikeln gefriert. Größere Partikel lagern sich in der unmittelbaren Umgebung der Austrittstellen ab, kleinere und somit leichtere Partikel entweichen ins Weltall. 
<br>
(Bild: NASA, JPL-Caltech, Space Science Institute)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die höchste Freisetzungsrate wurde immer dann beobachtet, wenn Enceladus den Punkt der größten Entfernung zum Saturn überschritten hatte. Dies deutet darauf hin, dass die vom Saturn ausgehenden Gezeitenkräfte die &#8218;Ausdehnung&#8216; der Spalten beeinflussen, durch welche das Wasser an die Oberfläche gelangt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden kürzlich im Rahmen von zwei Fachartikeln von Carolyn Porco et al. und Francis Nimmo et al. in der Zeitschrift &#8222;The Astronomical Journal&#8220; publiziert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mission <i>Cassini-Huygens</i> ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll <i>Cassini</i> den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=907.165" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Saturnmond Enceladus</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=4189.570" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Raumsonde CASSINI</a></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://www.raumfahrer.net/category/cassini/" data-wpel-link="internal">Cassini-Huygens Sonderseite</a></li><li><a class="a" href="https://www.raumfahrer.net/category/cassini/" data-wpel-link="internal">Cassini-Huygens Newsarchiv</a></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fachartikel von Carolyn Porco et al.:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://iopscience.iop.org/article/10.1088/0004-6256/148/3/45" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">How the Geysers, Tidal Stresses, and Thermal Emission across the South Polar Terrain of Enceladus are Related</a> (Abstract, engl.)</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fachartikel von Francis Nimmo et al.:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://iopscience.iop.org/article/10.1088/0004-6256/148/3/46" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Tidally modulated Eruptions on Enceladus: Cassini ISS Observations and Models</a> (Abstract, engl.)</li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Spektakulärer Besuch bei Enceladus</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/spektakulaerer-besuch-bei-enceladus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 19:33:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 12. März 2008 flog Cassini dichter als je zuvor an Enceladus vorbei. Die ersten Daten wurden bereits ausgewertet und bringen mehrere Überraschungen. Ein Beitrag von Maria Steinrück. Quelle: NASA JPL. Cassini näherte sich dem Saturnmond Enceladus bei diesem Vorbeiflug von Norden her an. Dabei konnten hochauflösende Fotos vom Nordpol des Mondes gemacht werden. Wie [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Am 12. März 2008 flog Cassini dichter als je zuvor an Enceladus vorbei. Die ersten Daten wurden bereits ausgewertet und bringen mehrere Überraschungen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Maria Steinrück. Quelle: NASA JPL.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large is-resized advgb-dyn-0d0f2cdd"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31032008213322_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31032008213322_small_1.jpg" alt="NASA/JPL/Space Science Institute" width="403" height="258"/></a><figcaption class="wp-element-caption">
Die Region um den Nordpol von Enceladus. 
<br>
(Bild: NASA/JPL/Space Science Institute)
</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><i>Cassini</i> näherte sich dem Saturnmond Enceladus bei diesem Vorbeiflug von Norden her an. Dabei konnten hochauflösende Fotos vom Nordpol des Mondes gemacht werden. Wie auf diesen deutlich erkennbar, ist diese Region geologisch viel älter als die Südhalbkugel und von Kratern übersät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Diese Bilder zeigen uns sehr detailliert, wie sich der Nordpol des Mondes vom Süden unterscheidet – das ist wichtig für das Verständnis der komplexen geologischen Geschichte dieses Mondes“, erklärte Carolyn Porco, Leiterin des Cassini Imaging Teams. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 50 Kilometern Entfernung war dies der bisher nächste Vorbeiflug an Enceladus. Dabei sollte die Raumsonde sogar durch die Fontänen, die aus den sogenannten „Tigerstreifen“ austreten, fliegen. Kurz nach der größten Annäherung tauchte <i>Cassini</i> in den Schatten des Mondes ein, sodass es unmöglich war, hochauflösende Aufnahmen vom Südpol, an dem sich die Geysire befinden, zu machen. Dafür konnte sich die Raumsonde auf andere Messungen konzentrieren: </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Instrumente <i>Ion and Neutral Mass Spectrometer (INMS)</i> und <i>Cosmic Dust Analyzer (CDA)</i> untersuchten Teilchen in der Umgebung des Mondes. Doch bei letzterem verhinderte ein Software-Problem, dass Daten während der größten Annäherung gesammelt werden konnten. Beim Umschalten zwischen zwei verschiedenen Software-Versionen trat ein Fehler auf. Dennoch wurden von den anderen Instrumenten wertvolle Daten gesammelt. Außerdem wird es nach bisherigen Planungen noch sieben weitere Vorbeiflüge an Enceladus geben. </p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized advgb-dyn-c8acab8a"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31032008213322_big_2.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/31032008213322_small_2.jpg" alt="NASA/JPL/Space Science Institute" width="318" height="310"/></a><figcaption class="wp-element-caption">
Die Temperaturverteilung um Enceladus´ Südpol. 
<br>
(Bild: NASA/JPL/Space Science Institute)
</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Auswerten der Daten waren die Wissenschaftler überrascht: Die gefundenen Chemikalien ähnelten der Zusammensetzung eines Kometen. Neben flüchtigen Gasen, Wasserdampf, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid wurden auch organische Moleküle entdeckt. Während des Fluges durch die Fontänen wurde ein noch stärkerer Anstieg der Dichte dieser Teilchen als erwartet gemessen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem <i>Composite Infrared Spectrometer (CIRS)</i> wurde die Temperaturverteilung um den Südpol von Enceladus in hoher Auflösung erfasst. Dabei wurden bei den „Tigerstreifen“ Temperaturen über -93 °C gemessen, das ist um 17 Grad höher als bisher bekannt war und um ganze 93 Grad wärmer als der Rest des Mondes. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„Diese spektakulären neuen Daten werden uns helfen, zu verstehen, was die Geysire auf Enceladus antreibt. Die überraschend hohen Temperaturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht allzu tief unter der Oberfläche flüssiges Wasser gibt“, meinte John Spencer, der zum Team des <i>CIRS</i> gehört. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Letzten Dienstag, am 25. März 2008, flog Cassini in 1.000 Kilometern Entfernung zum 43. Mal am größten Saturnmond Titan vorbei.</p>
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		<title>Saturns Gravitation verursacht Enceladus´ Geysire</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/saturns-gravitation-verursacht-enceladus-geysire/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 May 2007 14:57:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Cassini]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Sie an einem kalten Tag Ihre Hände reiben, wird Ihnen wärmer. Ein ähnlicher Prozess dürfte die Geysire von Enceladus antreiben, die kalten Wasserdampf von der Oberfläche des kleinen Saturnmonds bis in´s All hinaus schleudern. Ein Beitrag von Axel Orth. Quelle: NASA/JPL. Gleich zwei neue Studien in der Mai-Ausgabe von &#8222;Nature&#8220; über den zweitfaszinierendsten Saturnmond [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Wenn Sie an einem kalten Tag Ihre Hände reiben, wird Ihnen wärmer. Ein ähnlicher Prozess dürfte die Geysire von Enceladus antreiben, die kalten Wasserdampf von der Oberfläche des kleinen Saturnmonds bis in´s All hinaus schleudern.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Axel Orth. Quelle: NASA/JPL.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleich zwei neue Studien in der Mai-Ausgabe von &#8222;Nature&#8220; über den zweitfaszinierendsten Saturnmond befassen sich mit den &#8222;Tigerstreifen&#8220;, um die 120 Kilometer langen Eisspalten in Enceladus´ Südpolregion, und den von ihnen ausgehenden Geysiren. Der Mond selbst hat einen Durchmesser von nur ungefähr 500 Kilometern. <br><strong>Gravitations-Gezeiten öffnen und schließen Eisspalten</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/20052007165740_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/20052007165740_small_1.jpg" alt="NASA/JPL" width="260"/></a><figcaption>
Die von Cassini im Jahre 2005 entdeckten &#8222;Tigerstreifen&#8220; an Enceladus´ Südpol (Falschfarbenaufnahme).
<br>
(Bild: NASA/JPL/Uni Köln)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Team vom Goddard-Raumfahrtzentrum der NASA in Greenbelt unter der Leitung von Dr. Terry Hurford untersuchte den Einfluss der Saturn-Gravitation auf die Tigerstreifen. Jeder Umlauf von Enceladus um Saturn dauert 1,3 Erd-Tage &#8211; also wesentlich kürzer als ein Umlauf des Erdmonds um die Erde. Zu jedem Zeitpunkt während dieses Umlaufs erfährt Enceladus eine Gravitationstide. Damit gemeint ist eine Verformung des Mondes aufgrund der Tatsache, dass er ja nicht punktförmig ist, sondern eine räumliche Ausdehnung besitzt, und seine saturnnahen Partien somit stärker angezogen werden als die saturnfernen. Da Enceladus einen exzentrischen Orbit um Saturn beschreibt, wirkt die Schwerkraft höher und fällt die Gravitationstide stärker aus, wenn Enceladus dem Saturn nahe ist, und umgekehrt. Obwohl Enceladus gebunden um Saturn rotiert, ihm also immer die selbe Seite zuwendet, ändert sich zudem Saturns Position in Enceladus´ Himmel leicht, so dass sich auch die Position der Tide mit jedem Umlauf auf einer östlich-westlichen Achse hin und her bewegt. Diese zwei Effekte führen in Kombination zu wechselnden Spannungen in Enceladus´ eisiger Oberfläche. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Team entwickelte ein Computermodell, um zu berechnen, wie sich diese Spannungen auf die Tigerstreifen auswirken. &#8222;Wir haben herausgefunden, dass sich die meisten Tigerstreifen aufgrund ihrer Lage und Orientierung dann am weitesten öffnen, wenn sich Enceladus am weitesten von Saturn entfernt. Umgekehrt schließen sich die meisten Streifen dann am weitesten, wenn der Mond in maximale Nähe zu Saturn kommt&#8220;, sagte Hurford. &#8222;Verschiedene Streifen öffnen sich zu verschiedenen Zeiten während eines Umlaufs. Unter der Annahme, dass die Eruptionen dann stattfinden, wenn die Streifen weit offen stehen, können wir vorhersagen, welche Streifen wann eruptieren. Da sich die meisten Streifen im weitesten Abstand von Saturn auch maximal öffnen, erwarten wir die maximale Eruptionsaktivität natürlich zu diesem Zeitpunkt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war allerdings schwierig, das Modell aufgrund der vorliegenden Daten zu testen, wiederum wegen der Lage der Tigerstreifen. <i>Cassini</i> sah die Eruptionen am Horizont von Enceladus, also mehr oder weniger im 90-Grad-Winkel, im Gegenlicht der Sonne. Aus dieser Perspektive war kaum festzustellen, welche Eruption von welchem Tigerstreifen kam. Künftige Überflüge von <i>Cassini</i> aus günstigerer Perspektive könnten es erlauben, Eruptionen aus verschiedenen Streifen voneinander zu unterscheiden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/20052007165740_small_2.jpg" alt="NASA/JPL/Space Science Institute" width="260"/><figcaption>
Künstlerische Darstellung der Reibung in den &#8222;Tigerstreifen&#8220; und der daraus resultierenden Dampf- und Eisfahnen. 
<br>
(Grafik: NASA/JPL/Space Science Institute)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Reibungswärme erzeugt Dampffahnen</strong>
<br>
Die zweite Studie in &#8222;Nature&#8220; befasste sich mit den aus den &#8222;Tigerstreifen&#8220; austretenden Geysiren. Die Bewegungen der Bruchlinien lassen die Ränder der Spalten gegeneinander reiben. Dabei wird genug Wärme frei, um etwas Eis in Fahnen aus Wasserdampf und Eiskristallen zu verwandeln, behaupten die Autoren der Studie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Francis Nimmo, Dozent an der Universität von Kalifornien, und seine Co-Autoren berechneten die fragliche Wärmemenge und kamen zu dem Schluss, dass dies die wahrscheinlichste Erklärung für die Dampffahnen und andere Erscheinungen ist, die in der Südpolregion von Enceladus beobachtet wurden. Diese Region ist auch wärmer als die restliche Oberfläche, wie <i>Cassini</i> bereits vor einiger Zeit mit einem Instrument messen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir nehmen an, dass die Tigerstreifen die Quelle der Fahnen sind, und versuchen vorauszusagen, wo die Tigerstreifen am wärmsten sind. Diese Voraussagen können bei zukünftigen Gelegenheiten getestet werden&#8220;, sagte Nimmo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angetrieben wird der gesamte Prozess, wie erwähnt, von dem exzentrischen Orbit des Mondes um Saturn, der ihn mal in die Nähe des Riesenplaneten bringt und dann wieder weiter weg, so dass die Schwerkraft periodisch schwankt. &#8222;In seinem Orbit um Saturn wird der Mond immer abwechselnd gestaucht und gestreckt, und diese Gezeitenkräfte verursachen wiederum ständige Reibung in den Spalten&#8220;, erklärte Nimmo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Co-Autor Robert Pappalardo vom JPL der NASA weist darauf hin, dass dieser Mechanismus im Gegensatz zu anderen Thesen über die Dampffahnen kein flüssiges Wasser direkt unter der Oberfläche voraussetzt. &#8222;Die Wärme genügt, um das Eis sublimieren zu lassen, wie in einem Kometen &#8211; das Eis geht sofort in Dampf über, und dieser ins All austretende Dampf reißt Eispartikel mit sich&#8220;, sagte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch geht auch diese Studie davon aus, dass Enceladus über einen flüssigen Ozean unterhalb der Eiskruste verfügt. Denn dies erlaubt der Eiskruste überhaupt erst, sich genug zu verformen, um die nötige Bewegung in den Spalten zu erzeugen. Wenn das Eis bis auf das felsige Innere des Mondes gefroren wäre, würden die Gezeitenkräfte nicht genug Bewegung erzeugen, um Wärme freizusetzen, betonte Nimmo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Reibungs- oder auch Scherungswärme-Mechanismus ist konsistent mit einer früheren Studie von Nimmo und Pappalardo, die vorschlug, dass sich vor einiger Zeit Enceladus´ Rotationsachse geändert hat mit dem Ergebnis, dass sein &#8222;heißer Fleck&#8220; am Südpol zu liegen kam. In dieser Studie (Raumfahrer.net <a href="https://www.raumfahrer.net/enceladus-rollt-ueber/" data-wpel-link="internal">berichtete</a>) begründeten die Forscher die Reorientierung von Enceladus mit der geringeren Dichte des Krusteneises in dieser wärmeren Region. <br> In ihrer neuen Studie schätzen sie die Dicke des Eises auf mindestens 5 Kilometer, wahrscheinlich aber eher mehrere Dutzend Kilometer. Die Hin-und-Her-Bewegung der Bruchlinien während einer Gezeitenperiode (also während eines Saturnumlaufs von Enceladus) schätzen sie auf einen halben Meter.   </p>
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		<title>Enceladus rollt über</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/enceladus-rollt-ueber/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jun 2006 10:18:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Astronomie]]></category>
		<category><![CDATA[Cassini]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumsonden]]></category>
		<category><![CDATA[Saturn]]></category>
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		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Mond Enceladus gehört weiter zu den spannendsten Untersuchungsobjekten für die Saturnsonde Cassini. Ein Wissenschaftlerteam von den Universitäten in Santa Cruz, Kalifornien und Colorado berichtete kürzlich im Wissenschaftsmagazin Nature über ein roll over des Trabanten. Ein Beitrag von Karl Urban Bereits seit den ersten Beobachtungen von Cassini spekulierten Forscher über die Ursache der geologischen Aktivität auf Enceladus. Der Mond besitzt etliche Geysire, die Material aus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Der Mond <em>Enceladus</em> gehört weiter zu den spannendsten Untersuchungsobjekten für die Saturnsonde <em>Cassini</em>. Ein Wissenschaftlerteam von den Universitäten in Santa Cruz, Kalifornien und Colorado berichtete kürzlich im Wissenschaftsmagazin <em>Nature</em> über ein <em>roll over</em> des Trabanten.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von<a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehrenmitglieder/" data-wpel-link="internal"> Karl Urban</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits seit den ersten Beobachtungen von <em>Cassini</em> spekulierten Forscher über die Ursache der geologischen Aktivität auf <em>Enceladus</em>. Der Mond besitzt etliche Geysire, die Material aus dem Innern in die Höhe schießen und die in der Südpolregion konzentriert liegen. Sie sind vermutlich das Resultat eines <a rel="noreferrer noopener follow" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotspot_(Geologie)" target="_blank" data-wpel-link="external">Hot Spots</a>, also einer Region im Innern des Mondes, in der heißes Material an die Oberfläche transportiert wird. Warum der Hot Spot gerade am Südpol auftritt, war zunächst ein Rätsel. Das amerikanische Wissenschaftlerteam schlägt die Vermutung vor, dass <em>Enceladus</em> einen <em>roll over</em> hinter sich hat, der Mond also eine extreme Veränderung seiner Rotationsachse durchgemacht hat.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618b.jpg" alt="" class="wp-image-63779" width="450" height="463" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618b.jpg 450w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618b-292x300.jpg 292w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption>Die Konzentration heißen Materials im Innern von Enceladus könnte durch ein roll over der Rotationsachse entstanden sein.
(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Alle sich drehenden astronomischen Körper, wie Planeten und Monde, versuchen sich so zu orientieren, dass sich die massereichsten Regionen möglichst nah am Äquator befinden, da in diesem Zustand ihre Eigenrotation am stabilsten ist. Auch eine geworfene Bowling-Kugel wird die Eigenrotation im Flug so verändern, dass sich die Löcher (d.h. der Bereich mit der geringsten Dichte der Kugel) an der Rotationsachse, also den &#8222;Polen&#8220; der Bowlingkugel, befinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas Ähnliches passierte auf&nbsp;<em>Enceladus</em>: Es kam zu einer Erwärmung im Mondinnern, was die Dichte der erhitzten Region verringerte und so zum Aufstieg des Materials führte. Dadurch geriet die Rotation des Trabanten ins Ungleichgewicht, was er dadurch ausglich, dass er seine Rotationsachse kurzerhand in die Region mit der geringeren Dichte verlegte. Das Forscherteam berechnete, dass ein solches Ereignis die Rotationsachse von&nbsp;<em>Enceladus</em>&nbsp;um bis zu 30 Grad verschoben haben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist jedoch leider noch nicht geklärt, <em>wie</em> es zu einer einseitigen inneren Erwärmung des Mondes kommen konnte. Eine mögliche Erklärung könnte die sehr exzentrische Umlaufbahn um den massereichen Gasriesen Saturn sein, die zu sehr starken und ständig wechselnden Gezeitenkräften auf <em>Enceladus</em> führt und dabei auch geologische Prozesse in Gang setzt. Damit ließen sich auch andere auffällige Oberflächenmerkmale auf dem Mond erklären, neben den Geysiren z.B. die sogenannten <em>tiger stripes</em>, langgezogene Verwerfungslinien, die auf tektonische Belastungen hindeuten.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Aktuelle Bilder</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="340" height="293" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618d.jpg" alt="" class="wp-image-63780" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618d.jpg 340w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618d-300x259.jpg 300w" sizes="(max-width: 340px) 100vw, 340px" /><figcaption>Geysire auf Enceladus
(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Eine neue Aufnahme von <em>Cassini</em> zeigt passend zu den jüngsten Ergebnissen erneut die Fontänen, welche die Südpolgeysire von <em><strong>Enceladus</strong></em> in die Höhe schleudern. Hier ist der im Durchmesser 505 Kilometer große Mond vor der Nachtseite des Saturn zu sehen. Um die Fontänen sichtbar zu machen wurde außerdem eine lange Belichtungszeit gewählt, so dass die Nachtseite des Saturns im Hintergrund dennoch hell erscheint. Die Aufnahme wurde am 4. Mai 2006 in einem Abstand von 1,3 Millionen Kilometern von <em>Enceladus</em> und 2,3 Millionen Kilometern vom Saturn gemacht.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618e.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="277" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618f.jpg" alt="" class="wp-image-63781" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618f.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/060618f-300x208.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption>Aufziehendes Sturmsystem am Saturn
(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Eine auf den ersten Blick unscheinbare Aufnahme zeigt die <strong>Wolkendecke</strong> des Gasriesen. Trotz des geringen Kontrasts erkennbar ist jedoch eine Wirbelstruktur auf der rechten Seite &#8211; ein aufziehendes Sturmsystem. Das Bild wurde mit einem Spektralfilter aufgenommen, der auf Infrarotstrahlung um 938 Nanometer reagiert und damit Wolkenstrukturen sichtbar macht. Die Aufnahme vom 8. Mai 2006 wurde aus einer Entfernung von 2,8 Millionen Kilometern vom Saturn gemacht und hat eine Auflösung von 17 Kilometern pro Pixel.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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