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	<title>Wostok 1 &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Wostok 1 &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>Geheimhaltung von Gagarin-Dokumenten aufgehoben</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/geheimhaltung-von-gagarin-dokumenten-aufgehoben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Kowalski]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2022 07:40:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Private Dokumente aus dem Archiv des Kosmonautenausbildungszentrums freigegeben. Ein Beitrag von Gerhard Kowalski. Quelle: TASS, RIA Nowosti,&#160;Russkij Kosmos. Moskau, 12. Dezember 2022 &#8211; Knapp 62 Jahre nach dem historischen Flug Juri Gagarins vom 12. April 1961 und 55 Jahre nach seinem frühen Unfalltod vom 27. März 1968 sind private Dokumente von ihm, die im Archiv [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Private Dokumente aus dem Archiv des Kosmonautenausbildungszentrums freigegeben. Ein Beitrag von Gerhard Kowalski.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Quelle: TASS, RIA Nowosti,&nbsp;Russkij Kosmos.</p>



<p>Moskau, 12. Dezember 2022 &#8211; Knapp 62 Jahre nach dem historischen Flug Juri Gagarins vom 12. April 1961 und 55 Jahre nach seinem frühen Unfalltod vom 27. März 1968 sind private Dokumente von ihm, die im Archiv des inzwischen nach ihm benannten Kosmonautenausbildungszentrums (ZPK) im Sternenstädtchen bei Moskau aufbewahrt werden, freigegeben worden. Die Aufhebung des Geheimhaltungsvermerks sei im September auf Initiative der Raumfahrtbehörde GK Roskosmos erfolgt, berichteten Nachrichtenagenturen am Wochenende unter Berufung auf die Zeitschrift Russkij kosmos.&nbsp;</p>



<p>Zu den Dokumenten gehören ein Fragebogen Gagarins, eine ausführliche Darstellung seines Dienstes in der Sowjetarmee und seines Werdegangs in der Kosmonautenabteilung, Informationen über seine familiäre Situation sowie eine Verpflichtung des Kosmonauten, alles über das sowjetische Weltraumprogramm und Militär geheim zu halten. Letzteres Versprechen war von ihm acht Monate vor seinem Flug schriftlich abgegeben worden.</p>



<p>Ferner gibt es unter den Papieren auch &#8222;Spekulationen&#8220; verschiedener Internet-Portale, was darauf hindeuten könnte, dass die Aktensammlung offenbar bis in die Gegenwart weitergeführt wurde.&nbsp;Die historischen Dokumente stünden nunmehr&nbsp; &#8222;Forschern&#8220; zur Verfügung, heißt es.&nbsp;Die Frage, ob das auch für Journalisten gilt, bleibt offen.</p>



<p>Gerhard Kowalski</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Geheimhaltung der Gagarin-Akte aufgehoben</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/geheimhaltung-der-gagarin-akte-aufgehoben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Kowalski]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Dec 2022 09:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
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		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Roskosmos regte Aufhebung des Geheimhaltungsvermerks an. Ein Beitrag von Gerhard Kowalski. Quelle: TASS 11. Dezember 2022. Moskau, 11. Dezember 2022 &#8211; Knapp 62 Jahre nach dem historischen Flug Juri Gagarins vom 12. April 1961 und 55 Jahre nach seinem frühen Unfalltod vom 27. März 1968 ist seine Kaderakte, die im nach ihm benannten Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Roskosmos regte Aufhebung des Geheimhaltungsvermerks an. Ein Beitrag von Gerhard Kowalski.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Quelle: TASS 11. Dezember 2022.</p>



<figure class="wp-block-image alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/DSC06914rc1500tw.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Büste Juri Gagarins im EAC 2013. (Bild: Thomas Weyrauch)" data-rl_caption="" title="Büste Juri Gagarins im EAC 2013. (Bild: Thomas Weyrauch)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/DSC06914rc260tw.jpg" alt=""/></a><figcaption class="wp-element-caption">Büste Juri Gagarins im EAC 2013.<br>(Bild: Thomas Weyrauch)</figcaption></figure>



<p>Moskau, 11. Dezember 2022 &#8211; Knapp 62 Jahre nach dem historischen Flug Juri Gagarins vom 12. April 1961 und 55 Jahre nach seinem frühen Unfalltod vom 27. März 1968 ist seine Kaderakte, die im nach ihm benannten Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) im Sternenstädtchen bei Moskau aufbewahrt wird, freigegeben worden. Die Aufhebung des Geheimhaltungsvermerks sei im September auf Initiative der Raumfahrtbehörde GK Roskosmos erfolgt, berichtet die Nachrichtenagentur TASS am Samstag unter Berufung auf die Zeitschrift Russkij kosmos. Das historische Dokument stehe nunmehr &#8222;Forschern&#8220; zur Verfügung, schreibe das Blatt.</p>



<p>Zur Akte gehörten ein Fragebogen Gagarins, eine ausführliche Darstellung seines Dienstes in der Sowjetarmee und seines Werdegangs in der Kosmonautenabteilung sowie Informationen über seine familiäre Situation und andere Dokumente, heißt es weiter. Darunter seien auch &#8222;Spekulationen&#8220; verschiedener Internet-Portale, was darauf hindeutet, dass die Akte offenbar bis in die Gegenwart weitergeführt wurde. Die Frage, ob sie nunmehr auch Journalisten zur Verfügung steht, bleibt offen.</p>



<p>(Ich selbst befasse mich seit 1966 professionell mit Gagarin, um den immer noch viel Geheimniskrämerei betrieben wird. Meine bisherigen Rechercheergebnisse habe ich 2015 in dem Buch <a href="https://www.raumfahrer.net/zum-48-todestag-von-juri-gagarin/" data-wpel-link="internal">DER UNBEKANNTE GAGARIN</a> im Machtwort-Verlag Dessau zusammengefasst. Sie beruhen auf der Auswertung ungezählter Einzeldetails, die ich aus schwer zugänglichen staatlichen Dokumenten zusammengetragen habe.)</p>



<p><em>Gerhard Kowalski</em></p>



<p><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3193.msg541900#msg541900" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Astronauten &amp; Kosmonauten Nachrichten</a></li>
</ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die falsche Meldung am richtigen Tag</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/die-falsche-meldung-am-richtigen-tag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Apr 2014 09:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gagarin]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 12. April 2014 hielt Andreas Weise im Rahmen der Yuri`s Night 2014 in Wien einen Vortrag mit dem Titel „Vergessene Kosmonauten“. Das Skript basiert auf dem folgenden Artikel – hier erstmalig veröffentlicht. Die falsche Meldung am richtigen TagWorker, Iljuschin und der erste Flug in den KosmosAndreas Weise, Sommer 2013 Das Wetter in London im [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Am 12. April 2014 hielt Andreas Weise im Rahmen der Yuri`s Night 2014 in Wien einen Vortrag mit dem Titel „Vergessene Kosmonauten“. Das Skript  basiert auf dem folgenden Artikel – hier erstmalig veröffentlicht. </h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/02/20140412DSC07713500.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/02/20140412DSC07713300.jpg" alt="Andreas Weise als Vortragender
(Bild: T. Weyrauch)"/></a><figcaption> Andreas Weise als Vortragender <br>(Bild: T. Weyrauch)</figcaption></figure></div>



<p>Die falsche Meldung am richtigen Tag<br><strong>Worker, Iljuschin und der erste Flug in den Kosmos</strong><br>Andreas Weise, Sommer 2013</p>



<p>Das Wetter in London im April 1961 war mild, eher kühl mit Nieselregen. Im Gegensatz dazu ging es in der Weltpolitik eher heiß her.</p>



<p>Jenseits des Atlantik hatte in den USA  J.F. Kennedy die Präsidentschaft im Januar übernommen. In der Karibik spitzte sich der Lage um Kuba zu. Am 17. April sollten mit massiver Unterstützung der USA, speziell der CIA, eine Invasion gegen die Revolutionsregierung um Fiedel Castro erfolgen, die dann im Fiasko endete. In Afrika eskalierte der Bürgerkrieg im Kongo. Der gestürzte Präsident Lumumba war bereits im Januar ermordet worden. In Algier, Nordafrika, gab es im April einen Putsch, der aber schnell zusammen brach. Anfang des Jahres war die Terrororganisation OAS gegründet worden, die gegen den damaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und seine Algerien-Politik kämpfte.</p>



<p>In Europa standen sich Ost und West waffenstarrend gegenüber. Die NATO probte Anfang des Jahres mit den Manövern „Winter-Shield“ den Krisenfall. Bis zum 13. August und dem Bau der Berliner Mauer waren es nur noch vier Monate. In Israel begann am 11. April der international mit großer Aufmerksamkeit beachtete Gerichtsprozess gegen Aldolf Eichmann, einen der Hauptverantwortlichen am Holocaust. Es war also eine sehr bewegte Zeit. </p>



<p>Tageszeitungen hatten einen hohen Stellenwert bei der Berichterstattung  über solche Ereignisse. Die Art Verbreitung der Nachrichten ist heute, wo Internet und Satellitenfernsehen uns mit Informationen geradezu  überschwemmen, kaum noch nachvollziehbar.</p>



<p>Die Tageszeitung Daily Worker, heute Morning Star, war etwas Besonderes im britischen Zeitungswald. Sie war 1930 als Parteizeitung der kommunistischen Partei Großbritanniens gegründet worden und verfügte 1961 über ausgezeichnete Verbindungen hinter den sogenannten „Eisernen Vorhang“ nach Moskau. Und dort bediente man sich auch schon mal der  Übermittlung von Informationen, die offiziell dementiert oder  totgeschwiegen wurden. In sofern galt der Daily Worker als gut informiert, wenn es um Nachrichten aus Moskau ging. </p>



<p>Im Frühjahr 1961 verdichteten sich die Gerüchte über den ersten Flug eines Menschen in den Kosmos. Die Amerikaner hatten bereits 1959 in  aller Öffentlichkeit ihre zukünftigen Kosmoshelden, die Mercury-Seven, präsentiert. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste US-Astronaut starten würde. So schienen die USA die Nase beim Rennen um den ersten bemannten Raumflug, zumindest medial, vorn zu haben. Gewiss, in der Sowjetunion hatte man mit dem Flug von Korabl-5 die Grundlagen für einen Menschenflug schon 1960 geschaffen. Waren doch die Hunde Belka  und Strelka sicher aus dem Kosmos zur Erde zurück gekehrt. Aber über einen bevorstehenden Raumflug eines Sowjetbürgers drang nichts nach  außen. Bestenfalls machten Gerüchte und Spekulationen im Westen dazu die Runde. Im Osten schwiegen die Medien.</p>



<p>Am Mittwoch dem 12. April 1961 in der Nachtausgabe, einem Vorabdruck der Hauptausgabe, erscheint im Daily Worker auf der Titelseite rechts oben eine einspaltige 30-Zeilen-Notiz. „Letzte Meldung: Erster Mensch im  Weltraum.“ In London ist es mitten in der Nacht. Verblüffend ist auch, dass für diese Nachricht des Jahrhunderts nicht die gesamte Rotation des  Zeitungsdruckes sofort angehalten wird. Kein Extra-Blatt, nur diese Notiz.  Weiter ist der Kurzmeldung zu entnehmen: Die Sowjetunion hat einen Menschen in den Weltraum gestartet und ihn lebend zur Erde zurück  gebracht. Vielsagend wird hinzugefügt, das der Astronaut noch unter den  Strapazen des Fluges leidet und sich unter medizinischer Kontrolle befindet. Bei dem Astronauten handele es sich um einen Testpiloten und Sohn eines berühmten sowjetischen Flugzeugkonstrukteurs. Der Flug habe bereits am Freitag, also am 7. April, stattgefunden. Der Flug ging über drei Erdorbits. Mit einer offiziellen Stellungnahme sei am morgigen Tag zu rechnen. Als Quellen werden „gut informierte Kreisen“ benannt.</p>



<p>Einige Stunden später am frühen Morgen erscheint die Hauptausgabe des Daily Worker. Die Nachricht ist jetzt Titelstory. Immerhin fast eine halbe Seite! Ein großes Foto zeigte einen Piloten mit einem modifizierten Pilotendruckhelm, wie er seinerseits tatsächlich in der medizinischen Forschung für Höhen- und Raumflüge in der Sowjetunion eingesetzt wurde. Eine Zeichnung zeigt das mutmaßliche Raumschiff. Sieht man sich diese künstlerische Darstellung genauer an, so muss man zugeben: Der Zeichner kam der Realität einer Wostok-Kapsel sehr nahe. Instrumentenbrett, TV-Kamera, Raumanzug, Größenverhältnisse …. alles ist fast getroffen. Sogar die Masse, angegeben mit 4,5 Tonnen, ist in etwa korrekt. Nur die Kugelform der Kabine kannte der Zeichner nicht. Angaben zu Namen des Astronauten oder zusätzliche Informationen – Fehlanzeige. Nur soviel erfährt der Leser, dass man gespannt auf die Bestätigung des  Fluges wartet.</p>



<p>Doch diese Bestätigung wird ausbleiben. Es ist eine Falschmeldung! Eine sogenannte Zeitungsente. Und vielleicht würde diese Meldung des Daily Workers vom 12. April 1961 auch sehr bald in Vergessenheit geraten, so wie die unzähligen UFO-Sichtungen dieser Zeit, wenn&#8230;. ja, wenn nicht just an jenem Tag sich die Ereignisse bald überschlagen sollten.</p>



<p>Denn inzwischen geschehen im fernen Kasachstan ganz reale Dinge. Um 6:07 UT, also Londoner Zeit, hebt eine Trägerrakete mit dem Raumschiff Wostok-1 vom Kosmodrom Baikonur ab. An Bord befindet sich ein Oberleutnant der sowjetischen Luftwaffe. Knapp einer Stunde später gegen sieben Uhr Londoner Zeit ist er bereits Major und Radio Moskau verkündet seinen Namen: Juri Gagarin. Der erste  Mensch ist im Kosmos.</p>



<p>Am nächsten Tag überschlagen sich die Tageszeitungen in aller Welt. Gagarin ist auf allen Titelseiten. Und der Daily Worker? Der macht das, was jede andere Zeitung an seiner Stelle auch getan hätte. Die Falschmeldung vom Vortag wird totgeschwiegen, als ob es sie nie gegeben hätte. Dafür hat jetzt Gagarin die gesamte Titelseite für sich. „A COMMUNIST IN SPACE“ lautet jetzt die Schlagzeile. Man geht zur Tagesordnung über. Und das bedeutet. Gagarin-Berichte die nächsten Tage in allen Einzelheiten. Was kümmert mich mein Geschriebenes von gestern?! In den nächste Tagen ist das Blatt voll von Texten über Gagarin und den Flug von Wostok-1.</p>



<p>Aber ganz so einfach wie sich der Daily Worker das vorgestellt hatte, kam er aus der Geschichte nicht heraus. Schon einen Tag danach, am 13. April, hatte die internationale Presse, die den Gagarin-Flug als  die Sensation des Jahrhunderts feierte, auch manchmal einen kurzen Beitrag dazu, daß Gagarin nicht unbedingt der Erste gewesen sein könnte. So zum Beispiel in der New York Herald Tribune und im französischen Le Figaro. Man bezog sich dabei natürlich auf den Daily-Worker-Artikel, versteckte aber diese Nachricht inmitten des Gagarin-Rummels aber auf Seite 2. </p>



<p>Die Franzosen wollten es übrigens ganz genau wissen. Der Rundfunk-Korrespondent Edouard Bobrowski, nach Bekanntwerden von Gagarins Flug nach Moskau entsandt, grub weiter an der Worker-Story, setzte dann das vermeintliche Puzzle zusammen und kam zu folgender Erkenntnis: Der Pilot, der am 7. April angeblich in den Weltraum geflogen war, heiße Wladimir Sergejewitsch Iljuschin. Das herauszufinden konnte nicht besonders schwer gewesen sein, war doch dieser Mann kein unbekannter. Wladimir war der Sohn des berühmten Flugzeugkonstrukteurs Sergei Iljuschin. Außerdem war er Testpilot und dazu noch ein ganz berühmter. Iljuschin hatte 1959 einen neuen  Höhenweltrekord für Flugzeuge aufgestellt. Die Beschreibung passte  also. Hinzu kam, dass Wladimir Iljuschin nicht auffindbar war. Bobrowski schlussfolgerte, er läge in einem Moskauer Krankenhaus, da er bei seinem Raumflug schwere gesundheitliche Schäden erlitten habe. Neun Tage später kam er mit der Nachricht heraus.</p>



<p>Am 22. April hakte die Westberliner MORGENPOST nach. Mit der Titelstory „War  Gagarin nicht der erste Mensch im Raum?“ faßte sie alle bis zu diesem  Zeitpunkt vorhandenen Informationsschnipsel zu dem angeblichen Raumflug  am 7. April unter Berufung auf Bobrowski zusammen: Es gab einen Raumflug am 7. April 1961. Der Pilot war Wladimir Iljuschin, Sohn des Flugzeugkonstrukteurs  Sergei Iljuschin. Er habe dreimal die Erde umkreist. Während des dritten Orbits habe es eine Fehlfunktion gegeben, wobei er während des Fluges schwere gesundheitliche Schäden davon getragen habe.  Jetzt liegt er in einem Moskauer Krankenhaus.</p>



<p>Die MORGENPOST bat auch den Daily Worker um Aufklärung und bekam  diese: Der Korrespondent des Daily Worker in Moskau, Dennis Ogden, wurde  zitiert: „Es war seit einigen Tagen offensichtlich, dass ein Raumflug  bevorstand, und viele Gerüchte waren im Umlauf. Genauso wie andere  britische Zeitungen nahm ich davon Abstand, darüber zu berichten. Dann,  am späten Dienstagabend (11. April) erreichte mich eine Information, von  der ich annahm, daß sie aus zuverlässiger und gut informierter Quelle  stamme. Ich dachte, es sei meine Pflicht, sie weiterzugeben, weil ich wusste, daß der „Daily Worker“ früher in Druck geht als andere englische  Tageszeitungen. Diese hätten die Story haben können während es für den  „Daily Worker“ zu spät gewesen wäre.</p>



<p>Unglücklicherweise zeigte der weitere Verlauf, dass die Quelle, von der ich die Nachricht erhalten hatte, in diesem Falle nicht gut informiert  war.“ Und die MORGENPOST schrieb weiter: „Diese Erklärung Dennis Ogends entbehrt nicht der Wahrscheinlichkeit, wenn auch die Frage offen bleibt, ob „seine Quelle“ nicht doch zuverlässig und gut informiert war. Es ist bekannt, dass der „Daily Worker“ wegen seiner zeitlichen Erscheinungsweise offizielle Informationen aus Moskau früher erhält als andere Publikationsorgane.“ Natürlich hatte die MORGENPOST auch direkt die Nachrichrichten-Agentur TASS in Moskau angefragt. Die Antwort war klar, eindeutig und typisch sowjetisch: „Heute geben wir Ihnen keine Antwort.“.</p>



<p>Und damit endete vorerst die Geschichte um die Daily-Worker-Falschmeldung. Die Welt hatte andere Probleme, wie man auf der Titelseite der MORGENPOST neben der Iljuschin-Story auch lesen konnte: „Exilkubaner geben schwere Rückschläge bekannt“ (Die Schweinebucht-Invasion war gescheitert), „Kennedy: Die USA wollen erste auf dem Mond sein“, „Gustav Scholz ist seinen Titel endgültig los“ und „Das Wetter von heute: Unverändert“.</p>



<p>Doch irgendwie muss es die Sowjetunion doch sehr geärgert haben, dass viele westliche Medien Bobrowskis Iljuschin-Story aufgriffen. So zum Beispiel auch die Times am 28. April. Das Ganze warf einen Schatten auf den über-hell strahlenden sowjetischen Superhelden Gagarin. Also sah man sich  gezwungen, doch konkret darauf zu reagieren. </p>



<p>Der Pekinger TASS-Korrespondent A. Scharonow berichtete im Mai 1961, er habe Oberstleutnant Iljuschin in einem chinesischen Sanatorium im Kurort Chantschshou besucht. Iljuschin erhole sich dort von den Folgen einer schweren Beinverletzung. Diese habe er bei einem Autounfall vom 8. Juni 1960, in der Nähe von Moskau erlitten. Er sei seit dieser Zeit auch nicht mehr geflogen und könne somit gar nicht für den mutmaßlichen Raumflug zur Verfügung gestanden haben. Iljuschin wird mit sehr starken Worten zitiert: „ … glatter Unsinn&#8230;“ und „man muss die letzten Reste von Gewissen verloren haben &#8230;“. Iljuschin wird weiter zitiert: „ Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal dem ersten sowjetischen Weltraumfahrer Juri Gagarin zu seiner hervorragenden Tat beglückwünschen.“ „Und natürlich beneide ich ihn ein wenig.“</p>



<p>Nun mag man diese Geschichte mit dem Autounfall und dem Sanatorium ausgerechnet in China sehr kritisch sehen. Aber wenn man genau betrachtet, womit sich der damalige Oberstleutnant Iljuschin, Testpilot und Held der Sowjetunion in der Zeit 1959/1960 beschäftigt hat, so wirft das ein ganz anderes Licht. Iljuschin war an der Erprobung des Höhenabfangjägers SU-9 beteiligt. Ein Projekt mit höchster Dringlichkeit für die Landesverteidigung. 1960 war die Sowjetunion noch nicht in der Lage, extrem hochfliegende Flugzeuge mit eigenen Flugzeugen abzufangen. Die genauen Ereignisse vom 1. Mai 1960, als ein amerikanisches Spionageflugzeug vom Typ U-2 bei Swerdlowsk mit einer Rakete abgeschossen wurde, belegen das. Und Testpiloten leben gefährlich. Vielleicht war es gar kein Autounfall, sondern ein ganz anderes Ereignis. Und der Aufenthalt in China? Die Beziehungen zu China hatten sich 1961 sehr verschlechtert. Aber es gab zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch Kontakte. Aber das ist alles reine Spekulation.</p>



<p>Genaues erfahren wird man vermutlich nie erfahren. Iljuschin war durch seine langjährige Tätigkeit an den sensibelsten Stellen der Luftrüstungsforschung zum Schweigen verpflichtet. Und schließlich war er Militär, war General. 2010 ist er im Alter von fast 83 Jahren gestorben. </p>



<p>Und ein weiterer Aspekt, warum Wladimir Iljuschin nicht für einen Weltraumflug vorgesehen seien konnte, wird meist unterschlagen: Oberflächlich betrachtet war er eigentlich die Idealbesetzung für den Weltraumflug, wenngleich mit 34 Jahren schon fast etwas zu alt. Aber die Denkweise für die Kosmonautenauswahl war eine ganz andere. Die Hauptaufgabe des ersten Kosmonauten war – zu überleben. Der Flug lief automatisch. </p>



<p>Die Raumflugkandidaten wurden medizinisch und physisch auf Höchstform getrimmt. Sie waren physisch und psychisch auf die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit trainiert. Isolierkammer, Unterdruckkammer, Zentrifuge, Stresstests, all das war zu bestehen. Hinzu kam ein ausgiebiges Training von Fallschirmspringen, Schleudersitztraining und Überleben in allen nur möglichen Landegebieten. Kein Kosmonaut musste ein Strahlflugzeug steuern. Fachliche Fähigkeiten eines Testpiloten waren nicht notwendig. Insofern war Iljuschin überqualifiziert. In den USA ging man anders an das Problem heran. Die US-amerikanischen Astronautenkandidaten waren diesbezüglich anders ausgewählt. </p>



<p>Und was ist mit dem Korrespondenten des Daily Workers? Er lieferte ja gewissermaßen den Auslöser für diese (falsche) Story. Dennis Ogden geht aus der Geschichte als tragische Figur heraus. In Moskau war er noch bis 1963 tätig. Nach dem heutigen Erkenntnisstand hat er viele Puzzle-Teile gehabt. Ein angebliches Foto von Iljuschin im Raumanzug, die Kenntnis, dass Iljuschin nicht anwesend war, die Gerüchte über einen bevorstehenden Raumflug u.s.w.. Er hat sie bloß nicht richtig zusammen gesetzt und somit falsche Schlussfolgerungen gezogen. Vielleicht hat man ihm aber auch bewußt falsche Informationen untergeschoben. Ogden hat übrigens seine Quelle nie verraten, wohl auch um sie zu schützen. </p>



<p><strong>Zum Schluss:</strong><br>Obwohl es keinen einzigen Beweis dafür gibt, geistert die Geschichte mit dem angeblichen Weltraumflug am 7. April 1961 immer noch herum und verbreitet sich nicht nur im Internet. Dabei wird gnadenlos aus den einzelnen Beiträgen voneinander abgeschrieben. Das Gerücht beruft sich auf sich selbst. Auch „weiß“ man mittlerweile auch, dass der angebliche Raumflug mit einer Notlandung, ausgerechnet in China, geendet haben soll. Die Quelle dafür ist unbekannt. Aufschwung erlebte diese Theorie durch eine Videodokumentation von Elliot H. Haimoff aus dem Jahre 1999. Beweise bleiben alle Beiträge schuldig – bis heute.</p>



<p>Und somit bleibt außer einer Geschichte über eine Falschmeldung in einer britischen Zeitung und deren Folgen die Tatsache: Am 12. April 1961 fand der erste Flug eines Menschen in den Kosmos  statt. Der Kosmonaut war Juri Gagarin.</p>



<p><strong>Danksagung:</strong><br>Mein besonderer Dank gilt der Marx Memorial Library, London,  stellvertretend Dr. John Callow und Jane Powell. Ohne die freundliche  Unterstützung wäre dieser Beitrag nicht möglich gewesen.</p>



<p><strong>Quellen:</strong><br>Daily Worker, 12.04.1961 Nachtausgabe<br>Daily Worker, 12.04.1961 Hauptausgabe<br>Daily Worker, 13.04.1961<br>New York Herald Tribune, 13.04.1961<br>Le Figaro, 13.04.1961<br>Morgenpost, 22.04.1961<br>Die Sowjetunion heute, 6/15, 1961, Seite 21 Ein Rekord unverzeihlicher Unwahrheiten<br>Haimoff, The Cosmonaut Cover Up (1999) Videodokumentation </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zum 80sten: Der Film</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/zum-80sten-der-film/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Mar 2014 08:27:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
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		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer, wenn es in Russlands Weltraumfahrt nicht so gut läuft, erinnert man sich gerne der Helden und der großen ruhmreichen Vergangenheit, findet Andreas Weise, der für Raumfahrer.net den auf DVD und Blu-ray Disc erschienen Film &#8222;Gagarin: Wettlauf ins All&#8220; gesehen und begutachtet hat. Anfang der siebziger Jahre musste die sowjetische Raumfahrt schwere Niederlagen hinnehmen: Der [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Immer, wenn es in Russlands Weltraumfahrt nicht so gut läuft, erinnert man sich gerne der Helden und der großen ruhmreichen Vergangenheit, findet Andreas Weise, der für Raumfahrer.net den auf DVD und Blu-ray Disc erschienen Film &#8222;Gagarin: Wettlauf ins All&#8220; gesehen und begutachtet  hat. </h4>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/gagarin_1_600rosc.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/gagarin_1_260rosc.jpg" alt="Juri Alexejewitsch Gagarin
(Bild: Roskosmos)"/></a><figcaption> Juri Alexejewitsch Gagarin <br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p>Anfang der siebziger Jahre musste die sowjetische Raumfahrt schwere  Niederlagen hinnehmen: Der Flug zur ersten bemannte Raumstation 1971  endete bei der Landung der Sojus 11 im Desaster und mit dem Tod von drei  Kosmonauten. Von den anderen Tragödien, beispielsweise dem dritten  Fehlstart der Superrakete N1, erfuhr die Öffentlichkeit damals erst gar  nichts. Zuvor war der Wettlauf zum Mond verloren gegangen. Und wie zum  Trotz erschien 1972 der sowjetische Spielfilm „Die Bändigung des  Feuers“. Ein Helden-Film über die ersten großen Erfolge der sowjetischen  Raumfahrt. </p>



<p>Fast 40 Jahre später ist die  russische Raumfahrt durch diverse Tiefschläge wieder auf einem Tiefpunkt angelangt und man braucht erneut Helden auf der Leinwand, um vom Sieg  im Kosmos zu künden. Das kommt daher mit dem Film „Гагарин. Первый в  космосе“ (Gagarin: Der Erste im Weltraum), welcher im Sommer 2013 in den russischen Kinos startete. </p>



<p>Beide genannten Filme sind großartig – jeder auf seine Weise. Aber damit hören die  Gemeinsamkeiten schon auf. Während 1972 die Raumfahrtgeschichte als monumentales Heldenepos mit einem sehr schwammigen Bezug zur realen Geschichte gezeigt wird, versucht der neue Gagarin-Film das zu sein, was man so dem Russischen Kino nicht zugetraut hätte: Einfach und ehrlich. </p>



<p>Es ist erfreulich, dass es dieser Film nun auch nach Deutschland geschafft hat, und das in einer deutschen Synchronisation und rechtzeitig zu Gagarins 80. Geburtstag. Allerdings lässt der  deutsche Filmtitel schon wieder argwöhnen. &#8222;Gagarin: Wettlauf ins All&#8220;. Warum diese Übersetzungsungenauigkeit? Die englische Variante ist da einfach, direkt und wahrheitsgemäß: &#8222;Gagarin: First in Space&#8220;. Punkt! </p>



<p>Der Film stellt die Ereignisse des 12. April 1961 bis zur Landung von Wostok 1 dar. Darin eingebettet sind unzählige Rückblenden auf das Leben Gagarins vor seinem Raumflug. Dies ist eine typische russische Filmmachart, eben ein Film speziell für das russische Publikum. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/DSC06914rc1500tw.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Büste Juri Gagarins im EAC 2013. (Bild: Thomas Weyrauch)" data-rl_caption="" title="Büste Juri Gagarins im EAC 2013. (Bild: Thomas Weyrauch)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/01/DSC06914rc260tw.jpg" alt="Büste Gagarins im EAC in Köln
(Bild: T. Weyrauch)"/></a><figcaption>Büste Gagarins im EAC in Köln<br> (Bild: T. Weyrauch)</figcaption></figure></div>



<p>Hierzulande tut man sich schwer mit einem solchen Format, was den  Schwerpunkt eher auf das gesprochene Wort, als auf die Kraft der Bilder  legt. Dieser Raumfahrt-Historien-Film steht in einer Reihe mit den Filmen „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ und „Apollo 13“. Allerdings  reicht er in der Dynamik und der Kraft der Bilder nicht an letztere Filme heran. Das nun sollte aber kein Hinderungsgrund sein, ihn sich nicht genau anzusehen. Es lohnt sich! </p>



<p>Wir erleben einen jungen Mann, der sucht, der auch Zweifel hat, der nicht der Superheld ist, wie er in der Propaganda Jahrzehnte lang dargestellt wurde. Wir erfahren, dass seine Frau Walja immer für ihn betet. Ein Fakt, der zu Sowjetzeiten geradezu ungeheuerlich für einen  sozialistischen Superhelden gewesen wäre. Wer den Film aufmerksam ansieht, findet eine Unmenge von Fakten und Details. Hat man vorab zum  Beispiel Kowalskis Gagarin-Buch „Heute 6:07 UT“ gelesen, ist der Wiedererkennungswert garantiert.  </p>



<p>Da wird unter den 20 auserwählten Kosmonauten-Kandidaten auch ein gewisser Bondarenko  aufgerufen. Dieser Mann kam auf tragische Weise im März 1961, einen Monat vor dem Start von Wostok 1, ums Leben, nachdem er in einer mit reinem Sauerstoff gefüllten Druckkammer einen in Alkohol getränkten Wattebausch auf eine Kochplatte geworfen hatte. Leider wird das im Film nicht erwähnt. Es wäre vielleicht zu viel der Offenheit gewesen. Aber genau diese Druckkammer und auch den Kocher mit der roten Herdplatte sehen wir im Film – in einer Szene mit Gagarin. </p>



<p>Und dann die Tragik, wie die Kandidaten verbissen um die Reihenfolge kämpfen und eben auch scheitern. Wir erleben die unterschiedlichen Charaktere Gagarin, Titow und Neljubow. Wir erfahren, dass Neljubow ein sehr ehrgeiziger Charakter war. Das brachte ihn später auch zu Fall. </p>



<p>Neljubow hatte es nicht verwunden, nicht erster zu sein. Er wurde wegen einer Disziplinlosigkeit später aus der Kosmonautengruppe ausgeschlossen, ja sogar von allen Fotos getilgt. Aber auch Titow wusste, dass man sich nur an den Ersten erinnern würde. </p>



<p>Die Dramatik des Fluges von Wostok 1 wird sehr gut dargestellt. So äußert sich Koroljow verärgert auf die Frage, was man machen solle, wenn die Kapsel nicht auf sowjetischen Territorium landen würde: „Sprengen! Sprengen, damit der Gegner nicht erfährt, mit was für einem Schrott wir ins Weltall fliegen!“ Drastische klare Worte. So lässt sich vielleicht erklären, dass in manchen Berichten Gagarins  Überlebenschancen mit 50/50 eingeschätzt wurden. </p>



<p>Dass General Kamanin, quasi der militärische Vorgesetzte von Gagarin, eben nicht den am 9. März 1934 geborenen Gagarin bevorzugte, sondern den rund eineinhalb Jahre jüngeren Titow, ist bestimmt auch für manchen Zuschauer neu. Hier sei zu bemerken: Die Figur Koroljow sieht seinem Original sehr ähnlich. Die andere wichtige Person, General Kamanin,  weicht doch optisch sehr vom Vorbild ab. </p>



<p>Das  Szenenbild selber ist zum größten fast ausnahmslos nachgebaut und am  Computer entstanden. Filmdrehs an den Originalschauplätzen waren wohl zu kostenaufwendig. Auch halten sich hartnäckig Gerüchte, dass die Dreharbeiten nicht unbedingt die Unterstützung der entsprechenden russischen Stellen gefunden haben. Baikonur war zumindest nicht Drehort. Im Großen und Ganzen ist das aber Alles ganz gut gelungen. Und man sollte im Szenenbild nicht gleich nach allen Details der Startanlagen oder der Ausrüstung sucht.</p>



<p>Bemerkenswert ist, dass Gagarins Töchter Galina und Jelena dem Filmprojekt ihren Segen gegeben haben. Bislang hatten Sie sich gegen so manche Verfilmung des Lebens ihres Vaters und gegen eine Kommerzialisierung des Namens Gagarin entgegen gestemmt. Man erinnere sich an die Aufregung, als der Name „Gagarin“ urheberrechtlich geschützt werden sollte, um Missbrauch zu verhindern. </p>



<p>Am 9. März, zu Gagarins 80. Geburtstag wurde der Film im zentralen russischen Fernsehen „Perviy Kanal“  zur besten Sendezeit ausgestrahlt und damit landesweit über die russischen Kinos hinaus bekannt gemacht. Diese Tatsache ist sehr bemerkenswert, wurde doch hier nichts geringeres getan, als das  vorherrschende Gagarinbild vom fast gottgleichen Nationalhelden durch eine realistische und menschliche Darstellung zu ersetzen. Für russische Verhältnisse ein ungeheuerlicher Vorgang. Für das Ansehen der Person Gagarins kann das nur positiv aufwertend sein. </p>



<p>Für Raumfahrt- und Geschichtsinteressierte ist dieser Film auf alle Fälle ansehens– und empfehlenswert.</p>



<p>Kleine, nicht ganz ernst gemeinte Anmerkung zum Schluss:<br>In einer Szene bei medizinische Tests sieht man in einer  Großaufnahme ein Gerät und das Typenschild: R-F-T, Funkwerk Erfurt, VEB! Ein Schelm, der hier nicht an einen Zufall glaubt! Denn „Sergej Pawlowitsch (Koroljow) hat deutsche Technik geliebt ….!“ So die Erläuterung im Koroljow-Museum in Moskau mir gegenüber im Jahre 2008 zu einer ähnlichen Situation. Wie wahr, wie wahr! </p>
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		<title>50 Jahre bemannte Raumfahrt – ein Ausblick zurück (2011)</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/50-jahre-bemannte-raumfahrt-ein-ausblick-zurueck-2011/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 17:45:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Gagarin]]></category>
		<category><![CDATA[Raumflug]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammenarbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 12. April 1961 begann für die Menschheit ein neues Zeitalter. Erstmals war ein Mensch in der Lage, seinen Heimatplaneten zu verlassen. Dieses Ziel zu erreichen, hatte zuvor viel Anstrengung gekostet, Wissenschaft, Technik und Wirtschaft beflügelt. Der Raumflug selbst war in der Lage, weltweit Massen zu begeistern, sich weit höhere Ziele zu stecken und diese, [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Am 12. April 1961 begann für die Menschheit ein neues Zeitalter. Erstmals war ein Mensch in der Lage, seinen Heimatplaneten zu verlassen. Dieses Ziel zu erreichen, hatte zuvor viel Anstrengung gekostet, Wissenschaft, Technik und Wirtschaft beflügelt. Der Raumflug selbst war in der Lage, weltweit Massen zu begeistern, sich weit höhere Ziele zu stecken und diese, bis zu einem gewissen Punkt, auch zu erreichen. Was bedeutet er uns heute? </h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von Günther Glatzel.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/02/wikipedia-juri-gagarin.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/02/wikipedia-juri-gagarin-260.jpg" alt="Juri Gagarin
(Bildquelle unbekannt, vermutlich sowjetische Raumfahrt- oder Presseagentur via Wikipedia)"/></a><figcaption>Juri Gagarin<br> (Bildquelle unbekannt, vermutlich sowjetische Raumfahrt- oder Presseagentur via Wikipedia)</figcaption></figure></div>



<p>Über die damalige Situation kann man sich mit Hilfe des Internets – auch irgendwie eine Folge des technischen und politischen Wettstreits der 1950er und nachfolgenden Jahre – informieren. Fernsehbildröhren waren klein, abgerundet und lieferten vom zumeist einzigen empfangbaren Programm schwarzweiße Bilder, Computer waren dem Normalbürger nur vom Hörensagen bekannt, technische Geräte allgemein funktionierten mit wenigen Knöpfen für jeweils eine Funktion, Autos hatten außer vielleicht einem Radio keine Elektronik, das Universum hatte noch eine (bekannte) Ausdehung von 100 Millionen Lichtjahren, Milch konnte man in selbst mitgebrachten Kannen kaufen, der Eismann brachte einmal wöchentlich  Blöcke aus Wassereis, Bett- und Tischwäsche wurde durch eine Mangel gedreht und Telefone waren (nur) zum Telefonieren da und dies auch noch von einem festen Ort aus. </p>



<p>Aus der Asche zweier Weltkriege entstand aus einem Kriegsgerät – politisch gesehen zunächst mehr aus propagandistischen Erwägungen heraus – eine Möglichkeit, Geräte und Menschen ins All zu schicken, um dieses zu erforschen. Dabei lernten wir  dort viel mehr über unseren Heimatplaneten und uns selbst. Fotos vom blauen Planeten mit der verletzlich dünnen Atmosphäre haben unser Bild von der Erde gewandelt. Technische Entwicklungen, die zunächst für die Raumfahrt gemacht oder durch sie beschleunigt wurden, haben längst Einzug in unseren Alltag gehalten und ihn stark verändert.  </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/02/wostok-1-start.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/02/wostok-1-start-260.jpg" alt="Trägerrakete Wostok beim Start
(Bildquelle unbekannt, vermutlich sowjetische Raumfahrt- oder Presseagentur)"/></a><figcaption>Trägerrakete Wostok beim Start<br> (Bildquelle unbekannt, vermutlich sowjetische Raumfahrt- oder Presseagentur)</figcaption></figure></div>



<p>Zurück zur Raumfahrt. Die schnellen Fortschritte der 1960er und 70er Jahre, Gruppenflug mehrerer Raumschiffe, Außenbordarbeit, Kopplung, Mondflug, Mondlandung, Raumstation und Raumgleiterpläne, beflügelten die Phantasie. Die Zukunft im All schien vorgezeichnet: Mondstation, Orbitalkomplexe für Tausende Menschen, Mars und gar die erste interstellare Sonde. Weiter: intelligente Maschinen, Warpantrieb, Beamen, Weltfrieden. </p>



<p>Was ist davon geblieben? Wo liegt der Sinn der (bemannten) Raumfahrt heute? Viele Fragen stellen sich, auf die nur schwer eine konkrete Antwort zu finden ist. Zudem fällt diese Antwort für jeden anders aus. Die Begeisterung der Redaktions- und Forenmitglieder von Raumfahrer.net für Raumfahrt, Astronomie und Technik teilt bei weitem nicht jeder. Wir haben nämlich auch die negativen Folgen dieser Entwicklung kennengelernt. Außerdem ist vielfach die Begeisterung für dieses Neue, Atemberaubende der Normalität des  Wirtschaftsalltags gewichen. Raumfahrt ist für viele Unternehmen und Personen überwiegend ein Geschäft oder ein Job. </p>



<p>Nur bei außergewöhnlichen Entdeckungen, Initiativen oder Jubiläen hebt mancher  einmal staunend seinen Kopf. Tausend Planeten bei anderen Sternen, kleine Firmen, die für den Preis eines Stadt-Bahntunnels ein Raumfahrzeug, Trägersystem, Produktions- und Startanlagen entwickeln und erfolgreich testen, die Begegnung mit Menschen, die die Erde aus 300 oder 300.000 Kilometern Entfernung gesehen haben, Kinder und auch Erwachsene, die mit verwundertem Blick die hellen Lichtpunkte verfolgen, welche Raumfähren und Raumstation an den Himmel zeichnen! </p>



<p>Heute ist ein Tag, an dem man sich im schrillen, bunten und eckigen Fernsehen oder im Internet-Universum über einen Tag informieren kann, an dem die Welt aus positivem Anlass den Atem anhielt aber trotzdem mancher darüber erschrak. Heute ist ein Tag, an dem man sich mit wildfremden Leuten über das Thema Raumfahrt unterhalten kann, ohne gleich als Spinner angesehen zu werden. Heute ist ein Tag, an dem man über das Universum und unsere Rolle darin nachdenken sollte. Heute ist ein Tag, an dem man an das Staunen erinnern oder es in den Augen von Leuten sehen kann, die sich ganz neu damit auseinandersetzen. Heute ist der Tag der Raumfahrt, weltweit! </p>
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		<title>Projekt Wostok</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/projekt-wostok/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Apr 2004 13:32:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor den Amerikanern einen Menschen ins All zu bringen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size">Ein Beitrag von Alexander Höhn. Update 2017 durch Uwe Rätsch.</p>



<p><strong>Technische Daten</strong><br>Das Wostok-Raumschiff bestand aus zwei wesentlichen Elementen: der kugelförmigen Kapsel (Durchmesser: 2,3 m, Volumen: 1,6 m³, Masse: 2,46 t) für den jeweiligen Raumfahrer inklusive der benötigten Steuerkontrollen sowie einem angrenzenden doppelkegeligen Geräteteil (Durchmesser: 2,43 m, Länge: 2,25 m, Masse: 2,27 t), welcher im wesentlichen das Bremstriebwerk samt Treibstoff beinhaltete.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_02_260.jpg" alt=""/><figcaption>Ein frühes Wostok-Modell<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p>Auf die Erde zurückgeführt werden konnte nur die kugelförmige Kapsel, die zum Schutz vor der Reibungshitze beim Wiedereintritt mit einer 3 bis 11 Zentimeter dicken Asbest-Kunstharz-Verbundschicht umhüllt war. Der Gesamtkomplex hatte eine Masse von 4,73 t, im Verbund mit Block-E sogar 6,17 t. Wostok war 4,41 m lang, bzw. mit Block-E 7,35 m.</p>



<p>In der Kapselwand existierten drei mit 1,2 m Durchmesser recht große Luken, durch die der Kosmonaut einstieg, der Fallschirm herausgeschossen bzw. Gerätschaften installiert wurden. Drei kleinere Luken mit einem Durchmesser von jeweils 25 cm dienten der Erdbeobachtung und als Navigationshilfe bzw. als optisches Visier und ließen sich während des Wiedereintritts durch kleine Jalousien verschließen. Die technische und wissenschaftliche Ausrüstung der Kapsel mit einer Masse von knapp 800 kg bestand hauptsächlich aus Telemetrie- und Kommunikationssystemen, aber auch Landesensoren und dem Landefallschirm. Der Kosmonaut saß auf einer Art Schleudersitz, welcher vor der Landung herauskatapultiert wurde. Grund für diese Prozedur war der Umstand, dass man mit der kugelförmigen Kapsel nur ballistische Landungen durchführen konnte, was für den Raumfahrer Belastungen bis 10 g bedeutete und es außerdem erschwerte, die Kapsel vor dem Aufschlag genügend abzubremsen. Somit hielt man die Sicherheit des Kosmonauten für vorrangig und ließ ihn separat an einem Fallschirm landen.</p>



<p>Der Schleudersitz diente im Falle einer Havarie der Trägerrakete auf der Startrampe oder in den ersten Flugsekunden ebenfalls als Sicherheitssystem, welches den Kosmonauten aus dem direkten Gefahrenbereich hätte retten können. In der Kapsel herrschte irdische Normalatmosphäre. Von dem ursprünglichen Plan, wie die Amerikaner reinen Sauerstoff zu verwenden, sah man aufgrund der damit verbundenen Gefahren ab.</p>



<p>Der Geräteteil blieb während des Fluges zwei über Kreuz angeordnete metallene Spannbänder mit der Kapsel verbunden, welche nach Brennschluss des Triebwerks bzw. unmittelbar vor dem Wiedereintritt abgesprengt wurden. Als Triebwerk fand das Issajews TDU-1 auf Basis von Salpetersäure und einem Amintreibstoff mit einem 45 Sekunden langen Schub von 15,83 kN Verwendung. Das Manövrieren im Raum wurde von mit 2 x 16 Stickstoffdüsen verbundenen Infrarotsensoren gesichert. Zur Versorgung des Raumschiffs sowie aller Systeme inkl. Kapsel wurden außen 14 Druckgasbehälter mit Sauerstoff, Stickstoff und reiner Luft angebracht. Als primäre (und einzige) Energiequelle dienten chemische Batterien mit einer Betriebsdauer von 10 Tagen.</p>



<p><strong>Entwicklung</strong><br>Zu Beginn der sowjetischen Raumfahrt lagen die Wurzeln jedes Programms natürlich im militärisch-industriellen Komplex. Dies wussten auch die Konstrukteure, allen voran Sergei Koroljow, die mit zivilen Projekten keinerlei Chance auf eine Finanzierung oder nennenswerte staatliche Unterstützung gehabt hätten. Die Rüstungsindustrie spielte generell eine entscheidende Rolle bei der Präsenz der UdSSR im Weltall.</p>



<p>Das OKB-1, also Koroljows Konstruktionsbüro, erhielt 1956 den Auftrag einen Foto-Aufklärungssatelliten unter der Bezeichnung &#8222;Zenit&#8220; zu entwickeln. Zenit sollte mangels leistungsstarker Übertragungstechnik die geschossenen Bilder in einer kleinen Kapsel zur Erde zurückführen, um sie erst dort zu entwickeln und auszuwerten. Mit diesem Programm war bereits vor dem Start von Sputnik die Instrumentalisierung der Raumfahrt als direkte (Spionage) aber auch als indirekte (Propaganda) Waffe des Kalten Krieges beschlossene Sache.</p>



<p>Dieser Umstand bewog den damaligen Parteichef Chruschtschow, dem gesamten Raumfahrtprogramm höchste Priorität einzuräumen und dieses militärisch und technisch nutzbar zu machen, um unter allen Umständen schnellstmöglich Erfolge vorzeigen zu können. Damit rückte auch die lange vorher erwogene Möglichkeit, einen Menschen ins All zu schießen, in der Mittelpunkt aller Planungen. Koroljow erhielt schließlich im Sommer 1956 den offiziellen Auftrag zur Entwicklung eines bemannten Raumschiffes unter der Bezeichnung &#8222;Wostok&#8220; und begann dann Anfang 1958 mit intensiveren Planungen. Etwa zur gleichen Zeit verkündeten die Amerikaner stolz, dass man es schaffen werde, als erste Nation binnen weniger Monate einen Menschen ins All und wohlbehalten zurückzubringen.</p>



<p>Der Weg zu diesem Ziel war für die Sowjets weit weniger steinig als für die Amerikaner. Letztere hatten bereits im voraus massive Rückschläge in ihrem unbemannten Programm hinnehmen müssen und verfügten über keine ausreichend leistungsfähige Rakete, die eine vergleichsweise schwere bemannte Kapsel ins All hätte hieven können. Anders die Sowjets: ihnen stand die universell einsetzbare und sehr leistungsfähige Interkontinentalrakete R-7 (&#8222;Semjorka&#8220;) zur Verfügung, deren Konstruktion in wesentlichen Bereichen auf der deutschen A-4 (auch bekannt als V-2) beruhte, welche man nach Kriegsende in die Sowjetunion brachte und dort weiterentwickelte. Letztlich konnte Koroljow für das bemannte Raumschiff auch einfach auf die Zenit-Kapsel zurückgreifen.</p>



<p>In dieser Kapsel mit einem Durchmesser von 2,3 Metern ließ sich mühelos ein Kosmonaut samt Lebenserhaltungssystem unterbringen. Zu Beginn des Wostok-Programms war allerdings das letztendliche Missionsszenario mehr als unklar.</p>



<p>So erwog man anfangs, ähnlich wie es die Amerikaner dann auch verwirklichten, einen ballistischen Flug mit Hilfe einer Höhenrakete durchzuführen und somit die Erde nicht zu umkreisen. Einer der energischsten Gegner dieses Plans war letztendlich Koroljow selbst, der zwar um die relative technische Leichtigkeit eines solchen Unterfangens wusste, aber auch erkannte, dass dies kein wirklicher Raumflug war. Die Amerikaner ließen sich nur durch die Formel &#8222;schneller &#8211; höher &#8211; weiter&#8220; (zumindest in den Augen der Öffentlichkeit) schlagen, und da war eine Erdumkreisung, also ein orbitaler Flug, weitaus besser geeignet als ein kleiner ballistischer Hopser.</p>



<p>Parallel zu jenen Planungen wurde die Oberstufe Block-E für die bereits angesprochene R-7-Rakete konzipiert. Bereits 1957 qualifizierte sich die R-7 durch den erfolgreichen Sputnikstart für ihren Einsatz in der Raumfahrt. Durch die erhöhte Nutzlast war allerdings eine modifizierte Oberstufe nötig, welche die mehrere Tonnen schwere Wostok-Kapsel auf eine ausreichend hohe Bahn bringen konnte. Koroljow dachte bei Block-E noch weiter: so ließen sich mit dieser Oberstufe in Kombination mit der nun dreistufigen R-7, welche in abgewandelter Form noch heute das Rückgrat der russischen Raumfahrt bildet, alle Arten schwerer Erdsatelliten, aber auch Mond- und Planetensonden ins All bringen.</p>



<p>Dennoch konnte man die Zeit nicht aus den Augen verlieren. Mit Abschluss der Vorarbeiten im April 1958 wurde klar, dass man sich viel Zeit und Energie sparen könnte, indem man auf ein ausgefeiltes Landesystem verzichtete und stattdessen den Kosmonauten nach dem Wiedereintritt in einer bestimmten Höhe aus der Kapsel hinauskatapultieren und unabhängig von der eigentlichen Kapsel landen ließe. Im gleichen Zug mit Abschluss der Planungsphase wurde eiligst eine Kommission für bemannte Weltraumflüge unter Vorsitz von Konstantin Rudnew, seines Zeichens bereits Vorsitzender des Komitees für Verteidigungstechnologie (GKOT), gebildet, um die Anstrengungen des Wostok-Programms besser zu koordinieren und zu zentralisieren. Zu Rudnews Stellvertreter wurde Sergei Koroljow selbst berufen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_04_320.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_04_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>R-7 in der Version Luna beim Start.</figcaption></figure></div>



<p>Der Rat der Chefkonstrukteure der UdSSR fasste im November 1958 den Beschluss, einen bemannten Raumflug intensiv vorzubereiten und diesem als ziviles Projekt allerhöchste Priorität selbst vor vergleichbaren militärischen Plänen einzuräumen. Auch wurde hier der Beschluss gefasst, die Mission auf alle Fälle als orbitalen Flug durchzuführen. Bereits Anfang 1959 konnte man mit dem Bau der Wostok-Kapsel beginnen und war damit im Vergleich zu den Amerikanern erneut im zeitlichen und organisatorischen Vorteil. Ungünstig auf die Qualität des gesamten Projekts wirkte sich der Brauch aus, Konstruktion und Bau gleichzeitig ablaufen zu lassen. Damit wurde es kaum möglich, die Kapsel auf der Erde zu erproben und man nahm auch weitere Risiken in Kauf, um das Wettrennen ins All für sich zu entscheiden. Jedenfalls konnte man im Herbst dieses Jahres im Werk Kuibyschew (heute Samara) ein erstes &#8222;elektrisches Analog&#8220;, eine komplette Kapsel ohne Hitzeschild, fertig stellen.</p>



<p>Mit diesem Schritt wurde die maßgebliche technische Ausgestaltung des Programms abgeschlossen, und die neue Oberstufe machte die R-7 zu einer der erfolgreichsten, sichersten und zuverlässigsten Trägerraketen der Welt und einem langlebigen Arbeitspferd der sowjetischen Raumfahrt.</p>



<p>Etwa parallel mit der Fertigstellung des elektrischen Analogs begann man eine intensivere Testphase, die mit Abwurftests mit der Wostok-Kapsel begann. Im Gegensatz zu den USA konnte man viele wertvolle Monate Zeit sparen, da man aufgrund der Kugelgestalt nicht erst, wie bei den Mercury-Kapseln der NASA mit ihrer Kegelform der Fall, das Flugverhalten der Kapsel untersuchen musste. Ebenfalls wurde eine Reihe von Katapulttests durchgeführt, um die Landesequenz, neben dem Start der risikoreichste Teil der gesamten Mission, zu simulieren.</p>



<p>Die Feuertaufe bestand das Wostok-Raumschiff am 15. Mai 1960, als man eine vereinfachte unbemannte Kapsel (Wostok 1KP, &#8222;prostjeschij&#8220; = &#8222;einfach&#8220;) unter der Bezeichnung &#8222;Korabl 1&#8220; (Raumschiff 1, im Westen irreführend auch als Sputnik 4 bezeichnet) in eine annähernd kreisförmige Erdumlaufbahn brachte.</p>



<p>Im Gegensatz zur späteren Variante, glich Korabl 1 eher dem Zenit-Satelliten und besaß zwei Solarpaneele, dafür aber keinerlei Lebenserhaltungs- oder Landesysteme. Auch über eine Hitzeschutzschicht für den Wiedereintritt verfügte die Kapsel noch nicht. Zur Unzufriedenheit aller Beteiligten gab es enorme Probleme mit der Sprechfunkverbindung, die man probeweise zum Raumschiff aufbaute. Am 19. Mai kam es zum Test des Bremstriebwerks TDU, womit man einen wesentlichen und sehr riskanten Teil der Mission nachstellte. Durch einen Fehler in einem Infrarotsensor orientierte sich Korabl 1 allerdings falsch, und das Triebwerk leitete nicht den Abstieg ein, sondern brachte das Raumschiff auf eine noch höhere Umlaufbahn. Später verglühten Kapsel und Geräteteil wie geplant in der Atmosphäre.</p>



<p>Einen derben Rückschlag erhielt das Programm am 28. Juli desselben Jahres, als eine vollständig ausgerüstete und mit der später eingesetzten Version annähernd identische Kapsel (Bezeichnung Wostok 1K No. 1) mit den beiden Hunden Tschaika und Lisitschka an Bord etwa 19 Sekunden nach dem Start infolge eines Triebwerksschadens in einem der Außenblöcke explodierte und rund 2.000 Meter vom Startplatz entfernt aufschlug und zerschellte. Die Hunde hatten dabei nicht die Spur einer Chance, was die Notwendigkeit eines Havarierettungssystems drastisch vor Augen führte.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_03_320.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_03_260.jpg" alt=""/></a><figcaption><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif" alt="" width="4" height="4">Weltraumhündin Strelka nach der Landung.</figcaption></figure></div>



<p>Der Fehlstart wurde selbstverständlich nicht bekannt gegeben, stattdessen wiederholte man den Start bereits am 19. August, woraufhin die Kapsel mit der Bezeichnung Korabl 2 (Sputnik 5) mit den beiden Hunden Belka und Strelka sowie zwei Ratten und vierzig Mäuse an Bord die vorgesehene Erdumlaufbahn erreichte. Bereits am 20. August, nach rund 17 Erdorbits, landete die Kapsel sicher nahe der Ortschaft Orsk. Die an Bord befindlichen Tiere wurden wie geplant aus der Kapsel katapultiert und dabei einer Beschleunigung von bis zu 10 g ausgesetzt, überlebten aber die Strapazen und bewiesen die Einsatzfähigkeit des Verbundes R-7/Block E/Wostok. Unterdessen beobachteten auch die Amerikaner die Vortastversuche der Sowjets mit Besorgnis, schließlich ließen Ergebnisse ihres Mercury-Programms weiterhin auf sich warten.</p>



<p>Im August 1960 wurden weitere Details zu den folgenden, unbemannten Missionen klar. Es wurden verschiedene Designveränderungen, Vereinfachungen und Masseeinsparungen, aber auch Einzelheiten zum Rettungssystem und zum Raumanzug SK-1 besprochen und beschlossen. Am 19. September unterbreiteten dann verschiedene Persönlichkeiten, unter ihnen Koroljow, der Chef der Raketentruppen Nedelin, der stellvertretende Ministerpräsident Ustinow sowie der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR Keldysch, dem ZK der KPdSU die Empfehlung, den Termin für den ersten bemannten Raumflug in den Dezember zu verlegen. Die Zustimmung von ZK und Ministerrat kam am 11. Oktober und machte den Weg für den Raumflug frei.</p>



<p>Doch damit war es nicht geschehen. Einzelne Systeme, darunter der lebenswichtige Schleudersitz, erwiesen sich als nicht funktionsfähig, bzw. wiesen Fehlfunktionen auf, welche bei einem Test des Schleudersitzes sogar das Leben eines Probanden forderten. Damit wurde ungewiss, ob sich der Termin im Dezember einhalten lassen würde.</p>



<p>Den Ausschlag für die Streichung des Fluges im Dezember gab letztendlich die &#8222;personelle Lücke&#8220;, welche eine Explosion der neu konstruierten Interkontinentalrakete R-16 aus dem OKB Jangel am 24. Oktober 1960 auf einem Startpodest des Kosmodroms Baikonur hinterließ. Rund 100 führende Raumfahrtspezialisten kamen bei dem Inferno ums Leben, unter ihnen der Chef der Raketentruppen, Marschall Nedelin, gleichzeitig einer der maßgeblichen Förderer der Raumfahrtprogramms.</p>



<p>Man entschied sich aus Sicherheitsgründen für zwei weitere unbemannte Flüge im Dezember. Den Auftakt bildete am 1. Dezember Korabl 3 (1K No. 5), bei dem unter anderem die beiden Hunde Ptscholka und Muschka an Bord waren.</p>



<p>Beim Einleiten der Rückkehr befand sich die Kapsel wegen eines Defekts im Stabilisierungssystems in einer taumelnden Bewegung. Der Schubvektor des Bremstriebwerks war deshalb nicht genau entgegen der Flugrichtung gerichtet. Obwohl das Triebwerk die vorgesehene Zeit brannte, war infolge dessen die Bremswirkung zu gering. Das an Bord des Raumschiffs befindliche Selbstzerstörungssystem war so programmiert, dass es aktiviert wurde, wenn nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach der Zündung des Bremstriebwerks die Bremsverzögerung des Wiedereintritts einsetzte. Man wollte damit verhindern, dass das Raumschiff im Ausland landet und in fremde Hände fällt. Genau das war nun der Fall, weshalb das Selbstzerstörungssystem in Aktion trat und das Raumschiff in Stücke riss.<br><em>(Quelle: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band der Sieg Koroljows, Seite 387.)</em></p>



<p>Der Termin für den bemannten Start rutschte daher weiter ins Jahr 1961.</p>



<p>Doch auch das folgende Korabl-Raumschiff (1K No. 6) stand unter keinem glücklichen Stern. Beim Start am 22. Dezember 1960 kam in der Oberstufe der Wostok-Rakete (Block E) erstmals das neue Triebwerk RO-7 zum Einsatz. Bei allen vorherigen Starts wurde noch das ältere RO-5 verwendet. Prompt kam es mit dem neuen Triebwerk zu Problemen: Es versagte, sodass nur ein ballistische Flug über eine Entfernung von 3.500 km möglich war. Die Notlandung erfolgte bei ca. minus 40 Grad Celsius in Jakutien. Wegen eines durchgebrannten Kabels war allerdings die Kabine mit den Hunden Kometa und Tschutka nicht aus der Kapsel katapultiert worden. Das erwies sich nun als Glücksfall, denn trotz des strengen Frostes blieben die Hunde dadurch am Leben und konnten nach zwei Tagen stark unterkühlt aber ansonsten unversehrt geborgen werden.<br><em>(Quellen: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band: Der Sieg Koroljows, Seiten 387/388. Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p>Auch dieser Vorfall gab zu denken, der erste bemannte Raumflug musste unter allen Umständen erfolgreich verlaufen. Der Tod eines Raumfahrers könnte dem gesamten sowjetischen Programm den Todesstoß versetzen. Um die Gefahren zu minimieren, modifizierte man die Kapsel unter der Bezeichnung 3KA erneut. So erhöhte man z.B. die Stärke des aus Asbest bestehenden Hitzeschutzschildes von 3 auf 13 cm. Ebenfalls erging der Beschluss, dass der erste Raumflug die Erde nur einmal (= 90 Minuten) anstelle der geplanten 17-mal (was einem eintägigen Flug entspräche) umrunden sollte. Unterdessen kündigten die Amerikaner ihren ersten suborbitalen Flug für den 28. April 196a an. Die Parteiführung drängte nun, den Flug unter allen Umständen vor diesem Termin durchzuführen.</p>



<p>Um einige abschließende Tests durchzuführen, fertigte man sogenannte &#8222;Space Dummies&#8220;, also menschengroße und -schwere Puppen, welche dem Wostok-System das &#8222;Space Proof&#8220;-Siegel verleihen sollten. Die Dummies trugen auch bereits die für die späteren bemannten Flüge vorgesehenen Raumanzüge des Typs SK-1. Bei dem anderthalbstündigen Flug von Korabl 4 (3KA No. 1) am 9. März 1961 lief dann auch alles wie geplant, und sowohl der an Bord befindliche Hund Tschernuschka, als auch der Dummie „Iwan Iwanowitsch“ waren nach der Landung rund 260 km nordöstlich der Stadt Kuibyschew (heute Samara) wohlauf.</p>



<p>Bei dem Start von Korabl 5 (3KA No. 2) am 25. März waren in Baikonur erstmals sechs Kosmonautenkandidaten anwesend. Auch dieser Flug mit dem Hund Swjosdotschka und dem Dummie &#8222;Iwan Iwanowitsch Nr. 2&#8220; an Bord verlief planmäßig, nur bei der Landung wurde das eigentliche Zielgebiet um rund 660 km verfehlt und die Kapsel ging rund 80 km von der Gebietshauptstadt Udmurtiens, Ishewsk, entfernt nieder.<br><em>(Quelle: Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p>Mit diesem abschließenden Tests gaben die Konstrukteure ihr &#8222;Go&#8220; und schon der nächste Flug würde Anfang April bemannt durchgeführt werden können.</p>



<p><strong>Die Kosmonautengruppe Nr. 1</strong><br>Der menschliche Faktor für einen Raumflug wurde von Koroljow zu keinem Zeitpunkt unterschätzt, und so begann man Anfang 1959 mit der akribischen Suche nach geeigneten Kandidaten und mit einer strengen Auswahlprozedur. Für die zukünftigen &#8222;Lieferanten&#8220; von Kosmonauten qualifizierten sich automatisch mehrere Extremberufe, wie z.B. Leistungssportler, U-Boot-Fahrer, Bergsteiger usw. Koroljow bevorzugte für den Job als Raumfahrer allerdings eher Jagdflieger. Für eine Rekrutierung gab es einen ganzen Kriterienkatalog, der folgende Parameter vorsah: maximal 36 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und 70 bis 72 kg schwer.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_05_400.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_05_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Kosmonautengruppe Nr. 1<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p>Unterstützt wurde die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Wershinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wurde. Mehr als 3.000 Piloten wurden von der &#8222;Kommission für das Thema Nr. 6&#8220;, die Tarnbezeichnungen waren aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen. Den Ausschlag für die Rekrutierung gab ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So musste man ein &#8222;reines&#8220; Verhältnis zur Partei haben, sowie eine &#8222;saubere&#8220; Biographie vorweisen können. Nur Leute mit einwandfreier Vergangenheit würden sich letztendlich so für Propagandazwecke nutzen lassen, wie man es sich seinerzeit vorstellte.</p>



<p>Die 400 Auserwählten wurden in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und im Herbst 1959 in Moskau eingehender untersucht. Die meisten von ihnen disqualifizierten sich durch Mangel an Ausdauer, sodass schließlich nur noch 30 Anwärter übrig blieben, deren Zahl im Januar 1960 nochmals auf 20 verringert wurde und schließlich als erste Kosmonautengruppe vorgestellt wurde. Bis zu jenem Zeitpunkt war allen Rekrutierten der eigentliche Zweck ihrer Auswahl verschwiegen worden, da man keinerlei Risiko eingehen wollte und man durch das Bekanntwerden der Bemühungen um baldest mögliche Erfolge die nationale Sicherheit und das internationale Prestige bedroht sah.</p>



<p>Die 20 Kandidaten begannen am 14. März 1960 eine Art Grundtraining auf dem Moskauer Zentralflughafen &#8222;M. W. Frunse&#8220;. Der Unterrichtsplan bestand hauptsächlich aus Lektionen in Physik, Himmelsmechanik, Raketentechnik und Biologie, speziell Medizin. Die Ausbildung wurde geleitet von Raumfahrttheoretikern, Raketenwissenschaftlern und Konstrukteuren vom OKB-1. Kurioserweise befanden sich unter den Ausbildern auch einige, welche später selbst in All flogen: so z.B. Makarow, Jelissejew und Feoktistow. Die praktische Ausbildung bestand aus Fallschirmspringen, Flügen mit der MiG-15 UTI (mit der 1968 Gagarin tödlich verunglückte), Parabelflügen mit einer TU-104, aber auch aus nervenzehrenden Aufenthalten in isolierten Barokammern.</p>



<p>Die Raumfahrer wurden auf Schritt und Tritt beobachtet und jeder Mangel wurde von den Ausbildern protokolliert, die psychische und physische Verfassung während des Trainigs genau verfolgt. Die Ausbildung selbst entspricht nicht mehr den heutigen Methoden, da man damals mangels Wissen über die Einflüsse der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus die Trainingseinheiten nicht &#8222;weltraumgerecht&#8220; gestalten konnte.</p>



<p>Da eine Ausweitung des gesamten bemannten Weltraumprogramms abzusehen war, veranlasste man auf Beschluss des ZK der KPdSU am 11. Januar 1960 die Gründung eines zentralen Kosmonauten-Ausbildungszentrums. Bereits im Sommer dieses Jahres war die grundlegende Infrastruktur geschaffen worden und man konnte das Training dort, weit besser vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, aufnehmen. Das ZPK (&#8222;Zentr Podgotowki Kosmonawtow&#8220;), heute wohl eher als &#8222;Sternenstädtchen&#8220; bekannt, war von nun an das Zentrum der Bemühungen um einen bemannten Raumflug und die Trainingseinheiten wurden intensiviert, um den Kreis der möglichen Kosmonauten weiter einzugrenzen. Der erste Chef des ZPK wurde Oberst Jewgeni Karpow, die Kosmonautenausbildung leitete fortan Nikolai Kamanin, aufgrund seiner Verdienste als Pilot zu jener Zeit bereits Held der Sowjetunion.</p>



<p>Alle Arbeiten liefen planmäßig, die Ausbildung schritt voran und das Fluggerät war bereits fertig, so dass man bereits im Dezember 1960 das Zeitalter der Präsenz des Menschen im Weltall einläuten wollte. Am 31. Mai wurden sechs der 20 Kandidaten ausgewählt, am Wostok-Programm teilzunehmen. Dabei handelte es sich um Gagarin, Titow, Nikolajew, Popowitsch, Kartaschow und Warlamow. Die restlichen 14 Rekruten schieden zwar damit nicht aus dem Trainingsprogramm aus, wurden allerdings nicht speziell im Wostok-Simulator ausgebildet, was ab Juli geschah. Am 18. Juni wurden die Anwärter ins Herstellerwerk Kuibyschew gebracht, wo sie zum ersten Mal das Wostok-Raumschiff in voller Pracht sahen und von niemand Geringerem als Sergei Koroljow gezeigt bekamen.</p>



<p>Obwohl bis dahin alles planmäßig verlief, traten zu jenem Zeitpunkt mehrere unvorhersehbare Ereignisse ein, welche die Kosmonautengruppe verkleinerten, veränderten und somit die gesamte Planung durcheinander brachten. Zunächst disqualifizierte sich Anatoli Kartaschow und wurde, nachdem nach einem Zentrifugentest am 16. Juli ein Gefäßriss an der Wirbelsäule festgestellt wurde, durch den Kampfpiloten Neljubow ersetzt und erst einmal zurückgestellt. Gänzlich aus dem Raumfahrtprogramm entfernt wurde er erst am 7. April 1962, nachdem er sich für Überbelastungen als untauglich erwies.</p>



<p>Am 24. Juli 1960 verletzte sich Walentin Warlamov bei einem Badeausflug infolge eines Kopfsprungs an der Halswirbelsäule und wurde durch Waleri Bykowski ersetzt. Warlamow war fortan Ausbilder des ZPK im Fach Astronavigation.</p>



<p>Ein schwerer und auch äußerst tragischer, tödlich endender Unfall trug sich am 23. März 1961, also nur kurze Zeit vor dem Start von Gagarin, in einer Isolationskammer des ZPK zu. Kandidat Bondarenko warf einen für medizinische Untersuchungen im Rahmen eines 10-tägigen Aufenthaltes in der Isokammer mit Alkohol getränkten Wattebausch auf eine elektrische Heizplatte, welche sich sofort entzündete und aufgrund der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch abgeriegelten Kammer sofort alles in Brand steckte. Bondarenko versuchte zunächst selbst vergeblich das Feuer zu löschen, bevor er Alarm schlug. Als der Druckausgleich mit der Kammer hergestellt werden konnte, war Bondarenko zwar am Leben, hatte aber derart starke Verbrennungen erlitten, dass er acht Stunden später starb.</p>



<p>Der Vorfall wurde wegen dem befürchteten &#8222;schädlichen&#8220; Abfärben auf das bis dahin geltende Image von den erfolgreichen sowjetischen Errungenschaften in der Raumfahrt bis 1986 totgeschwiegen. Bereits wenige Jahre später ereignete sich mit Apollo 1 eine ähnliche Katastrophe, welche ebenfalls auf die Verwendung von reinem Sauerstoff unter Niedrigdruck als Atmosphäre und auf das Fehlen einer schnell zu öffnenden Luke zurückzuführen war.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_06_400.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_06_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Start von Wostok 1 mit Juri Alexejewitsch Gagarin.<br>(Foto: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p>Obwohl dieser Zwischenfall den Initiatoren des sowjetischen Raumfahrtprogramms zu denken gab, sah man keinen Grund, dieses zu stoppen. Symbolisch bekamen die sechs Anwärter nach ihren Prüfungen am 17. und 18. Januar den Titel &#8222;(Flieger-) Kosmonaut&#8220; verliehen, durften sich aber öffentlich nicht so nennen, da man auch die Mitglieder der Kosmonautengruppe zur Verschwiegenheit nach außen verpflichtete. Letztendlich galt es, unter den sechs Verbliebenen, denjenigen herauszusuchen, der einerseits die besten Testresultate an den Tag legte, andererseits aber auch mit Charme und Charakter für die Propagandamaschinerie verwertbar war.</p>



<p>General Kamanin gab Juri Gagarin bereits Ende März zu verstehen, dass er sich Hoffnung machen dürfe, als erster ins All zu fliegen. Gagarin zeichnete sich in allen Disziplinen dadurch aus, immer zur Leistungsspitze zu gehören und nirgendwo zu schwächeln. Gleichzeitig besaß er zwar einen starken, aber keinesfalls einen arroganten Charakter, wie es wohl z. B. bei Grigori Neljubow, dem zweiten Ersatzmann von Wostok 1, der Fall war. Dieser konnte es mental kaum verkraften, nicht der Erste gewesen zu sein und bekam auf Anordnung Kamanins keine weitere Flugnominierung. Ein nächtlicher Alkoholexzess am 4. Mai 1962 führte schließlich zu seiner Entlassung aus dem Kosmonautenkorps, einer Strafversetzung in den Fernen Osten. Das löste bei ihm Depressionen aus und führte am 18. Februar 1966 zum Selbstmord, als er sich an der Bahnstation Ippalitowka in Sibirien von einem Zug erfassen ließ und sofort starb. Auch sein Name wurde aus den Annalen der sowjetischen Raumfahrt entfernt, sein Schicksal blieb lange Zeit unbekannt.</p>



<p><strong>Flugverlauf</strong><br>Im Rahmen des Wostok-Programms wurden 6 Missionen durchgeführt.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Wostok 1: 12. April 1961. Juri Gagarin.<br>Start um 7.07 Uhr MEZ<br>Einmalige Erdumkreisung, Rückkehr nach 108-minütigem Flug (= 41.000 Kilometer Flugstrecke). Landung Gagarins am Fallschirm separat von der Kapsel, nahe Smelowka, 26 Kilometer südwestlich von Engels.</li><li>Wostok 2: 06. August 1961. German Titow.<br>Durchführung von 17 Erdumkreisungen (= 1d 1h 17min; 703.000 Kilometer). Erstmals Filmaufnahmen und Experimente unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit. Titow litt an akuter Weltraumkankheit, klagte über Übelkeit und Orientierungslosigkeit. Zeitweise Ausfall der bordeigenen Temperaturregulierung, sinken der Bordtemperatur auf 6 °C. Erfolgreiche Landung im Gebiet Krasnij Kut bei Saratow.</li><li>Wostok 3: 11. August 1962. Andrijan Nikolajew.<br>Ernsthafte Probleme gab es beim Start, als sich ein Kabelmast nicht wie geplant von der Rakete löste, sondern erst wenige Sekunden vor dem Start zur Seite schwenkte. Das hätte unter Umständen katastrophale Folgen haben können, doch zum Glück ging alles gut. 24 Stunden später startete von der gleichen Startrampe Wostok 4. Wie schon bei vorangegangenen Flügen gab es erneut Probleme mit der Klimaanlage der Kapsel. Dennoch endete der Flug mit einem neuen Dauerflugrekord. Nach 3d 22h 22min und 64 Erdorbits landete Nikolajew nahe der kasachischen Stadt Karakalinsk.</li><li>Wostok 4: 12. August 1962. Pawel Popowitsch.<br>Start nur einen Tag nach Wostok 4 von der selben Startrampe. Durchführung des ersten Gruppenfluges der Geschichte. Näherung bis auf 6,5 Kilometer, was zwar direkten Funkkontakt aber keinen Sichtkontakt ermöglichte. Nikolajew und Popowitsch schwebten erstmals frei in ihren Kabinen, keiner von beiden litt wie Titow unter der damals vollkommen unerforschten Weltraumkrankheit. Auch bei Wostok 4 bereitete die Klimaanlage Probleme. Die Landung erfolgte aufgrund eines Missverständnisses einen Tag früher als geplant, nur 7 Minuten nach Wostok 3 nahe der Ortschaft Atas, südlich von Karaganda. Popowitsch hatte bei seinem Flug 48 mal die Erde umrundet.</li><li>Wostok 5: 14. Juni 1963. Waleri Bykowski.<br>Ursprünglich war ein Dreierflug mit Komarow, Bykowski und einem weiblichen Raumfahrer geplant, was allerdings am 1. April wieder verworfen wurde. Wostok 5 war gleichzeitig eine Vorbereitung auf kommende Mondmissionen und sollte acht Tage dauern. Durch gefährliche Sonnenaktivität wurde der Start vom 11. Juni an mehrmals verschoben. Doch auch am 14. Juni fiel während des Countdowns überraschend ein Steuerkreisel aus und eine Schnur verhedderte sich unter Bykowskis Sitzschale. Beide Probleme wurden entgegen den Vorschriften und auf Bykoskis ausdrücklichen Wunsch bei laufendem Countdown behoben. Das erreichte Apogäum war letztendlich zu niedrig, um tatsächlich acht Tage im Orbit zu verweilen. Die Landung erfolgte deshalb schon am 19. Juni nach fünf Flugtagen und 81 Erdorbits, rund 540 km nordwestlich der kasachischen Stadt Karaganda.</li><li>Wostok 6: 16. Juni 1963. Walentina Tereschkowa.<br>Zwei Tage nach Bykowski brach die 26-jährige Textilarbeiterin Walentina Tereschkowa ins All auf. Während des Fluges wurde der Gruppenflug von Wostok 3 und 4 weitestgehend wiederholt, die beiden Raumschiffe näherten sich bis auf 5 Kilometer. Die offizielle Version, dass Tereschkowa die Schwerelosigkeit erstaunlich gut vertrug, ist aufgrund widersprüchlicher Berichte anzuzweifeln. Mitunter musste sie ermahnt werden, Befehle der Bodenkontrolle korrekt auszuführen. Zudem aß und trank sie nur wenig. Tereschkowa landete nach 48 Erdumrundungen knapp drei Stunden vor ihrem Kollegen Bykowski, 620 km nordöstlich von Karaganda, und damit sehr weit vom eigentlichen Zielgebiet entfernt. Der Abstand der Landeorte der beiden Kapseln lag bei rund 800 km. Am Landeort verschenkte Walentina Tereschkowa ihre nicht verbrauchten Lebensmittel an die örtliche Bevölkerung, sodass es unmöglich war, ihren realen Lebensmittelverbrauch zu bestimmen.</li></ul>



<p><strong>Programmende</strong><br>Offensichtlich plante Koroljow ursprünglich noch mindestens einen weiteren Wostok-Flug für 1964. Gleichzeitig war aber allen Beteiligten klar, dass die technischen Möglichkeiten und damit auch die propagandistische Verwertbarkeit an ihre Grenzen gestoßen waren. Das geplante Nachfolgeraumschiff Sojus ließ weiter auf sich warten, so dass man verschiedene Ersatz-Missionen mit abgewandelten Wostok-Raumschiffen plante.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_07_260.jpg" alt=""/><figcaption>Wostok-Kapsel nach der Landung.</figcaption></figure></div>



<p>Koroljow schlug 1962 vor, aus dem Raumschiff Wostok 3KA ein manövrierfähiges &#8222;Wostok 3KA-Tsch&#8220; abzuleiten, welches mit unbemannten Zusatzmodulen gekoppelt werden konnte. Dadurch hätte man nicht nur wichtige Erfahrungen im Bereich der Kopplungstechnik gewonnen, sondern hätte gleichzeitig die erste bemannte Raumstation mit einer Masse von 15 bis 25 Tonnen aufgebaut. Denkbar wäre auch eine direkte Weiterentwicklung zu einem Mondraumschiff gewesen. Wostok 3KA-Tsch stieß leider auf wenig Gegenliebe, so dass sämtliche dahingehenden Studien und Entwürfe zwar Einzug in unbemannte Programme (Zenit) fanden, die letztendliche Verwirklichung aber zu viel Zeit und Geld in Anspruch genommen hätte.<br><br>Schließlich kündigten die Amerikaner 1964 den Flug ihrer &#8222;Gemini&#8220;-Raumschiffe an und Koroljow konterte mit einer schlichten Modifikation des existenten Wostok-Systems, wozu er den Schleudersitz zu Gunsten von bis zu drei Sitzschalen entfernte. Das machte unter anderem Modifikationen am System für die weiche Landung erforderlich.<br><br>Das neu geschaffene Raumschiff wurde auf den Namen &#8222;Woßchod&#8220; getauft, um dem Westen vorzugaukeln, man hätte ein völlig neues, revolutionäres System geschaffen. Damit endete die glorreich Wostok-Ära.<br><br><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li><a href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li>Von Gagarin zur Raumstation Mir; S. 6ff.; Alfred Gugerell</li><li>Raumfahrt Concret 1/01 (16); S. 12f; Stefan Wotzlaw</li><li>Das Wostok-Programm; Stefan Wotzlaw</li></ul>
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