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	<title>Medizincheck &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Medizincheck &#8211; Raumfahrer.net</title>
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		<title>Expedition 19</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Nov 2010 23:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Mission der ISS-Expedition 19 Autor: Günther Glatzel &#38; Paul Blasl. Mit dem Start des russischen Raumschiffes Sojus-TMA 14, der 11:49 Uhr UTC erfolgte, gelangte der Kern der ISS-Expedition 19, bestehend aus dem Kommandanten Gennadi Padalka und dem Bordingenieur Michael Barratt ins All. Die beiden arbeiteten bis Mitte Oktober in der Raumstation. Kurzzeitig dabei war [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Die Mission der ISS-Expedition 19</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Autor: <a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehemalige/" data-wpel-link="internal">Günther Glatzel</a> &amp; <a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehemalige/" data-wpel-link="internal">Paul Blasl</a>.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ec-19.png" alt="" width="295" height="295"/><figcaption>Beginn:  26. März 2009<br>Ende:  29. Mai 2009<br>Dauer:  63 Tage<br><br><br><br>Besatzungsmitglieder</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Start des russischen Raumschiffes <em>Sojus-TMA 14</em>, der 11:49 Uhr UTC erfolgte, gelangte der Kern der ISS-Expedition 19, bestehend aus dem Kommandanten Gennadi Padalka und dem Bordingenieur Michael Barratt ins All. Die beiden arbeiteten bis Mitte Oktober in der Raumstation. Kurzzeitig dabei war auch Charles Simonyi, der seinen zweiten, selbst bezahlten Raumflug unternahm. Von den drei Raumfahrern, die mit Sojus-TMA 14 ins All gelangten, war Gennadi Padalka, der bereits seinen dritten Flug absolvierte, der erfahrenste. Er war bei zwei Langzeitmissionen bereits mehr als ein Jahr im Erdorbit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der letzten Phase der Annäherung übernahm auf Anweisung der Bodenstation Kommandant Padalka die Steuerung des Raumschiffes. Zuvor hatte die Automatik mehrfaches, kurzzeitiges Versagen eines Steuertriebwerks festgestellt, wollte daraufhin das Rendezvous abbrechen und das Raumschiff in eine Sicherheitsdistanz bringen. Padalka erklärte aber während des Fluges mit Handsteuerung, das Raumschiff fliege sich &#8222;wie in der Simulation&#8220;. Seiner Meinung nach wären alle Triebwerke funktionstüchtig.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-presse01.jpg" alt="" width="259" height="216"/><figcaption>Pressekonferenz aus der Umlaufbahn<br>(Bild: NASA-TV)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Docking mit der ISS am 28. März, dem obligatorischen Sicherheitsbriefing, einer Pressekonferenz und einer kurzen Eingewöhnungsphase übernahm die neue Besatzung am 2. April das Kommando über die Station. Fünf Tage später kehrte die alte Stammbesatzung, Michael Fincke und Juri Lontschakow, gemeinsam mit Charles Simonyi zur Erde zurück. Koichi Wakata, wurde zunächst in die Expedition-19-Crew übernommen und bei der nächsten Shuttle-Mission abgelöst.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ec-19-crew_big.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ec-19-crew.jpg" alt="" width="296" height="237"/></a><figcaption>v.l. Michael Barratt, Gennadi Padalka und Koichi Wakata<br>Bilder: NASA</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Mission wurden umfangreiche Forschungsarbeiten im Auftrag der beteiligten Raumfahrtagenturen NASA (USA), Roskosmos (Russland), ESA (EU), JAXA (Japan) und CSA (Kanada) vorgenommen. Sie betrafen die Fachbereiche Medizin, Biologie, Physik, Materialforschung, Erderkundung, Technologie und Astrophysik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Experiment Multi-User Droplet Combustion Apparatus – Flame Extinguishment Experiment (MCDA-FLEX, NASA) wurde die Effektivität von Feuerlöschsystemen in der Schwerelosigkeit erforscht. Zunächst im Modell untersucht, dienten die Experimente dazu, ein neues System für das in Entwicklung befindliche Orion-Raumschiff zu definieren. Das Experiment Kaskad (БТХ-26, Roskosmos) hatte das Studium der Kultivierung verschiedener Zelltypen unter kontrollierten Bedingungen zum Inhalt. Dazu wurde ein spezieller Bioreaktor verwendet. Im Rahmen von WAICO (Waving and Coiling, ESA) wurde untersucht, wie das Wachstum von Pflanzenwurzeln in der Schwerelosigkeit abläuft. Diese Versuche wurden mit Pflanzen der Gattung Arabidopsis in der Biolab Facility, einer Art Gewächshaus, vorgenommen. Vor allem wollte man herausfinden, ob das wellen- bzw. wickelförmige Wachstum der Wurzeln unabhängig vom Vorhandensein der Schwerkraft ist. Beim Experiment Rad Silk (JAXA) wurden die Auswirkungen lang anhaltender kosmischer Strahlung auf Eier von Seidenraupen der Gattung Bombyx mori erforscht. Das wohl außergewöhnlichste Experiment (ISS Moon Score) kam ebenfalls von den Japanern. Während der Mission wurden etwa 100 Bilder vom Mond angefertigt. Diese wurden zur Erde übertragen und bildeten durch Lage und Größe der Krater die Grundlage für die Noten einer Raumstations-Mond-Symphonie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beginn des Inkrements 19 markierte gleichzeitig die heiße Phase der Rückkehrvorbereitungen der alten Stationsbesatzung. Die russischen Piloten Lontschakow und Padalka arbeiteten mit einem speziellen Flugsimulationsprogramm, das die Reaktionsfähigkeit in Stresssituationen feststellen soll (Pilot-M/NEURO), testeten bzw. trainierten die Kommunikation zwischen Station und Raumschiff beim Ablegemanöver und überprüften das ASN-M, eine Komponente des russischen Satelliten-Navigationssystems an Bord der Station. Zur Nachbereitung der Kopplung der neuen Besatzung am Heck der Station wurden außerdem verschiedene Arbeiten vorgenommen. So wurde das Kopplungsaggregat inspiziert, die Sojus an Bordnetz und Luftstrom der Station angeschlossen, verschiedene Geräte im Raumschiff deaktiviert, die Sokol-Anzüge getrocknet und die speziell angepassten Sitzschalen für Simonyi und Wakata in den Raumschiffen <em>Sojus-TMA 13</em> bzw. 14 getauscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zum Transfer biologischer Proben für verschiedene Experimente aus dem Raumschiff in eine spezielle Kühleinrichtung der Station (Konjugatsija, Bioemulsija, Bioekologija, Astrovaccine und Polygen in CryoGem 03) wurde Dakon-M, ein Beschleunigungsmesser des Systems Izgib deaktiviert. Mit diesem Gerät können Beschleunigungen, die im normalen Betrieb oder bei besonderen Ereignissen, in diesem Falle der Kopplung von <em>Sojus-TMA 14</em> an die Station, genauer gemessen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sich die Mitglieder der Expedition 18 auf ihre Rückkehr vorbereiteten, wurde bei den Neuankömmlingen die Anpassung an die Schwerelosigkeit zum Untersuchungsgegenstand. Bei SLEEP wurde der Einfluss des Lichtes auf das Befinden einer Person untersucht. Die schnellen Hell-Dunkel-Zyklen beeinflussen den Schlaf-Wach-Rhythmus der Raumfahrer. Dazu trug der Proband eine sogenannte Actiwatch, die sowohl dessen Aktivität als auch die Lichtintensität protokollierte. Eine ganze Woche lang war Koichi Wakata das Untersuchungsobjekt. Im Rahmen von Bisphosphonates nahm er außerdem ein spezielles Medikament ein, mit dem man eine Verringerung des Knochenabbaus in der Schwerelosigkeit erreichen will. Weitere Untersuchungen betrafen Blutdruck, Herz-Kreislauf-System, ein Belastungs-EKG, Lungenfunktion und Hörvermögen. Michael Fincke nahm hingegen an den Experimenten Integrated Immune (II) und Nutrition teil. Bei Nutrition werden Blut- und Urinproben genommen, ein Fragebogen zur Ernährung ausgefüllt sowie vor und nach der Rückkehr Knochen, oxidative Beschädigungen und hormonelle Änderungen untersucht. Es handelte sich um eine komplexe Studie zur Erforschung der physischen Veränderungen im menschlichen Körper bei längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit. Bei II wurde hingegen die Entwicklung des Immunsystems beobachtet. Dazu wurden Speichelproben genommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koichi Wakata arbeitete erstmals mit dem japanischen Manipulator (<em>JEM RMS</em>). Dabei führte er eine Reihe von Bewegungen aus und kontrollierte immer wieder die Genauigkeit und Handhabbarkeit. Bei der folgenden Shuttle-Mission wurden diese Fertigkeiten für das Andocken einer größere Außenplattform am <em>Kibo</em>-Modul benötigt. Viele der dort ablaufenden Experimente können ohne Außenbordarbeiten mittels Roboterarm betreut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Arbeiten betrafen die Messung von Umweltparametern innerhalb der Station (Experiment Expert mit Messung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftströmung), die Aktivierung einzelner biologischer Proben (CryoGem), weitere Tests einer neuen GPS-Antenne, das Daten-Managementsystem im <em>Columbus</em>-Modul, die Kalibrierung einer Anlage zur Untersuchung von Flüssigkeiten und Verbrennungsprozessen (Fluids &amp; Combustion Facility) sowie das Zuführen frischen Sauerstoffs zur Stationsatmosphäre aus dafür vorgesehenen Vorräten des Transportschiffs <em>Progress-M 66</em>. Reguläre Wartungen betrafen unter anderem ein Luftfiltersystem sowie eine Kondenswasser-Rückgewinnungsanlage, Neustarts verschiedener Computer, Inspektionen der Sportgeräte, das Auswechseln beziehungsweise Aufladen verschiedener Batterien in einem Feuermelder und mehreren Messgeräten, die Aufbereitung von bei Außenbordarbeiten benutzten CO<sub>2</sub>-Filtern in <em>Quest</em>, Sicherung und Upload wissenschaftlicher Daten (Matrjoschka, Econ) sowie die Inspektion aller Luken im US-basierten Teil der <em>ISS</em>.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss017-arkenu-krater-libyen01a.jpg" alt="" width="299" height="198"/><figcaption>Arkenu-Krater in Libyen<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrfach wurde via Amateurfunk Kontakt zu Bildungseinrichtungen in Kanada, Italien und Japan aufgenommen. Erdbeobachtungen (Crew Earth Observation) hatten überwiegend Einschlags- und Vulkankrater in Ghana, Mauretanien, Algerien, Equador und Kolumbien im Visier. Am 1. April standen auch einige Inseln im Fokus der Observation und Foto-Dokumentation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Charles Simonyi nahm nur an wenigen Aktivitäten der Stationsbesatzung teil. Er führte eigene Messungen zur Strahlenbelastung durch, hatte mehrfach via Amateurfunk, Videokonferenz oder IP-Telefon Kontakt zur Erde und fotografierte interessante Gebiete und Phänomene des Heimatplaneten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während also Michael Fincke und Juri Lontschakow verstärkt Sport trieben, abschließende medizinische Untersuchungen an sich vornahmen oder vornehmen ließen, Proben von Experimenten für den Rücktransport vorbereiteten, mit einem speziellen Computerprogramm Flugsimulationen unter Zeitdruck und medizinischer Beobachtung (ein Elektroaculogramm zeichnete die Augenbewegungen auf) bewältigten und ein stundenlanges Landetraining absolvierten, begannen bei Gennadi Padalka, Michael Barratt und Koichi Wakata verschiedene Untersuchungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neu war das Experiment Tipologija, bei dem man mittels EEG, psychologischer Tests und Frage-Antwort-Spiel herausfinden wollte, wann es um die Leistungsfähigkeit eines Langzeitraumfahrers besser oder schlechter bestellt war. Am liebsten wäre den Wissenschaftlern eine Anzeige, die angibt, welche Belastung dieser oder jener Proband in der aktuellen Phase schadlos verträgt. Gennadi absolvierte das Experiment erstmalig. Dabei musste er Farbtests bestehen und ein Computerfragespiel möglichst fehlerarm lösen. Das EEG wurde über eine Kappe mit Kopfelektroden abgenommen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-bcat-4.jpg" alt="" width="295" height="246"/><figcaption>BCAT 4<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den medizinischen Tests, die Koichi Wakata absolvierte kam Anfang April ein Langzeit-EKG hinzu. Dazu trug er ein transportables Gerät, das seine Werte auch im Schlaf aufzeichnete. Schließlich musste auch noch ein Ernährungsfragebogen ausgefüllt werden, was dann auch Michael Barratt erstmals vornehmen durfte. Weitere erwähnenswerte Experimente betrafen facettenartiges Kristallwachstum durchsichtigen organischen Gewebes in einer Anlage zur Physik von Flüssigkeiten in <em>Kibo</em> (FACET in Fluid Physics Experiment Facility), die Aktivierung eines Messgerätes zur Bestimmung von Beschleunigungswerten im US-Labor <em>Destiny</em> (SAMS = Space Acceleration Measurement System), die Untersuchung des Einflusses veränderter optischer Wahrnehmung u. a. durch optische Täuschungen auf die Motorik (3D Space), die Inbetriebnahme eines automatischen Experiments zur fotografischen Erfassung der Bewegungen von Kolloid-Verbindungen in einer Dispersion über sechs Tage (Binary Colloid Alloy Test 4, BCAT) sowie die Aktivierung mehrerer biologischer Proben unter kontrollierten thermischen Bedingungen (22 °C) zum Studium des Schwerkraftsinns von Pflanzen (Polca und GraviGen). Weitere Experimente betrafen die Einschätzung von Langzeiteinwirkungen geladener Partikel auf den Menschen (ALTEA) sowie das kanadische Experiment BISE (Bodies in the Space Environment), bei dem Michael Barratt durch eine Brille nur das Bild eines Computermonitors sah, auf dem Gegenstände und Buchstaben dargestellt waren. Untersuchungsgegenstand ist das Oben-Unten-Empfinden, das der Astronaut dabei hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wartungstechnisch wurde an Lebenserhaltungs- und Versorgungssystemen (Elektrolysesystem zur Sauerstoffgewinnung, CO<sub>2</sub>-Absorber, Wasseraufbereitungsanlagen) gearbeitet sowie Luftstrom, Fenster und Sportgeräte inspiziert. Außerdem wurden Inspektionen an Feuermeldern und einem Feuerlöschsystem sowie an medizinischen Geräten wie einem portablen Notfall-Defibrillator und dem Crew Health Care System Rack vorgenommen. Routinemäßige Arbeiten bestanden im Kontrollieren der Luftströmungssensoren, der Luftqualität (NH<sub>3</sub> und CO), der neuen Wasseraufbereitungsanlage, der sanitären Einrichtungen, der Sportgeräte und dem täglichen Aktualisieren des Inventurverzeichnisses. Amateurfunkkontakt bestand zu Schulen in Japan und Frankreich, Untersuchungsobjekte bei der Erdbeobachtung waren die Anden in Bolivien, der Santa-Maria-Vulkan in Guatemala, Sedimentfächer (Megafans) in Algerien, ausgewählte Bereiche in Arizona und New Mexico und die deutsche Hauptstadt Berlin. Erwähnenswert ist auch ein Bildungsprojekt. Im Rahmen von Fisika-Obrasowanije wurden Experimente mit &#8222;fliegenden Untertassen&#8220; ausgeführt und aufgezeichnet.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-kibo-schleuse01a-1.jpg" alt="" width="322" height="268"/><figcaption>Koichi Wakata in der <em>Kibo</em>-Luftschleuse, die für den Transfer von Experimenten zwischen dem Innenraum und einer Plattform außenbords gedacht ist.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Koichi Wakata und Michael Fincke arbeiteten an der Luftschleuse im Modul <em>Kibo</em>. Dabei wurden Transportsicherungen an der Schleusensteuerung und -anzeige, an einer Ventilbox und am Gleitschlitten entfernt und die Antriebswelle überprüft. Den Schlitten kann man zum Beladen in das Modul fahren und zum Entladen natürlich auch aus der Station. Dort wird dann im Normalfall mit dem japanischen Manipulator gearbeitet. Die Schleuse hat einen Innendurchmesser von 1,4 m und eine Länge von 2 m. Transferfracht darf die Abmessungen 64 x 83 x 80 cm nicht überschreiten und maximal 300 kg träge sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Merlin-Kühlbehälter musste nach einem Fehlalarm abgeschaltet werden. In ihm werden normalerweise Speisen und Getränke der Raumfahrer gekühlt. Eine ganze Weile war man auch noch mit der Nachbereitung der Außenbordeinsätze der <em>Discovery</em>-Besatzung beschäftigt. In den letzten Tagen wurden mehrere CO<sub>2</sub>-Absorber-Patronen &#8222;ausgebacken&#8220; und die Flüssigkeiten in den Kühlkreisläufen der verwendeten Raumanzüge gefiltert. Mit Iodverbindungen versetzt, vermeidet man auch biologische Kontaminationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein nicht neues aber möglicherweise ernstes Problem stellte ein beschädigter Radiator an der Gitterstruktur dar. Hier hatte sich ein Teil der Verkleidung gelöst, so dass die Kühlschlangen an einer kleinen Stelle freilagen. Dadurch könnte die Belastung auf das Material wachsen und ein Leck entstehen. Mit diesem Problem mussten sich aber die Techniker auf der Erde auseinandersetzen. Eine Reparatur während einer der nächsten Shuttle-Missionen wurde erwogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dakon-M, ein Messsystem für Beschleunigungen in der Mikrogravitationsumgebung der Station wurde aktiviert und überprüft. Beim Andockvorgang von <em>Sojus-TMA 14</em> waren keine Daten aufgezeichnet worden, dies funktionierte beim Abkoppeln von <em>Sojus-TMA 13 besser</em>. Am 8. April, wegen ungünstiger Bodenverhälnisse am vorhergesehenen Landeort einen Tag später als ursprünglich vorgesehen, koppelten Michael Fincke und Juri Lontschakow mit ihrem Raumschiff Sojus-TMA 13 von der Station ab und kehrten wenige Stunden später auf die Erde zurück. Auch der erste Weltraumtourist, der zweimal im All war, Charles Simonyi, hatte damit sein großes Abenteuer erfolgreich abgeschlossen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-dextre02.jpg" alt="" width="295" height="246"/><figcaption><em>Dextre</em> wird für einen Trainingseinsatz vorbereitet.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wendeten sich die drei Raumfahrer der ISS-Expedition 19 auch neuen Aufgaben zu. Der kanadische Roboter <em>Dextre</em>, der seit seiner Installation an der Außenseite des Moduls <em>Destiny</em> gewartet hatte, wurde an den 18 Meter langen Manipulatorarm der Station gekoppelt und in Richtung Gitterstruktur transportiert. Hier nahm man anschließend einige Übungen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn eines Langzeitaufenthaltes werden zunächst viele medizinische Parameter aller Besatzungsmitglieder gemessen, um im Verlaufe des Aufenthaltes in der Schwerelosigkeit auftretende Veränderungen später genau bestimmen zu können (u. a. Experimente CCISS, Periodic Health Status und Pnevmokard). Messungen der Wadenmuskulatur, der Körpermasse, des Blutdrucks, der Herz-Kreislauf- und Lungenfunktion gehören ebenso dazu wie Durchblutungsmessungen (Hirn, Finger sowie Photoplethysmogramm), Aufzeichnung von Herzgeräuschen, Atemfrequenzbestimmung, Urin- und Blutanalysen. Dazu diente eine ganze Reihe von Experimenten und Routineuntersuchungen, denen sich Gennadi Padalka, Michael Barratt und Koichi Wakata unterzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Massebestimmung kann man keine normale Waage verwenden. Stattdessen kamen in <em>Swesda</em> und <em>Columbus</em> verschiedene Geräte zum Einsatz, bei denen ein Balken, an dem der Raumfahrer festgeschnallt ist, in Schwingungen versetzt wird. Bei bekannter Federkonstante lässt sich aus der Periodendauer die (träge) Masse berechnen. Weitere Experimente zum Komplex Physiologie waren Nutrition (Einfluss der Ernährung auf körperliche Veränderungen), SLEEP (Schlaf-Wach-Rhythmus), Biorhythm (Langzeit-EKG), Sonokard (kontaktfreie Überwachung möglichst vieler Körperfunktionen im Schlaf und beim Sport), Hematokrit (Messung der Abnahme der Anzahl der roten Blutkörperchen bei längeren Raumflügen) und Bisphosphonates (Medikamente gegen Knochenabbau).</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-wakata-columbus-mass-measurement01.jpg" alt="" width="316" height="263"/><figcaption>Koichi Wakata auf der &#8222;Waage&#8220; SLAMMD (Space Linear Acceleration Mass Measurement Device)<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch psychische Veränderungen wurden erforscht. Bodies in the Space Environment (BISE) untersucht mittels PC und einer „Brille“, mit der alles außer dem Bildschirminhalt ausgeblendet wird, wie Raumfahrer in der Schwerelosigkeit oben und unten empfinden. Dazu sehen sie die Buchstaben p und d auf verschiedenen Hintergrundbildern. Die Buchstaben sind praktisch identisch, wenn man sie um 180° dreht. Die Raumfahrer müssen sich nun kurzfristig entscheiden. Präfrontale Hirnfunktionen und räumliche Wahrnehmung waren genauso Forschungsgegenstand wie der Einfluss der in diesem Fall nicht vorhandenen Gravitation auf Hirnaktivitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen von WinSCAT (Spaceflight Cognitive Assessment Tool for Windows) wurden mittels Frage-Antwort-Test die kognitiven Fähigkeiten in Abständen von 30 Tagen bestimmt. Untersucht wurden Lern- und Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen und mathematisch-logische Fertigkeiten. Michael Barratt war erster Proband. Zusätzlich wurden von den einzelnen Besatzungsmitgliedern private medizinische Konferenzen (PMC) mit Betreuern auf der Erde abgehalten und Fragebögen zum persönlichen Befinden, zur Zusammenarbeit in Teams (innerhalb der Station sowie mit den Kontrollzentren) und eventuellen Zwischenfällen ausgefüllt (Wsaimodeistwije/Interactions).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Experimentiert wurde auch zu Verbrennungsvorgängen in der Schwerelosigkeit (Fluids &amp; Combustion Facility mit Methanol), Colloiden (BCAT-4), Kristallwachstum (CGBA 5 &amp; FACET) und Technologie (ENose). Bei FACET beispielsweise wurde das facettenartige Wachstum durchsichtiger organischer Materialien in der Schwerelosigkeit aufgezeichnet. Die meisten dieser Untersuchungen benötigten nur einen gringen Betreuungsaufwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erdbeobachtung rückte zudem verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses. Neben den obligatorischen Observationen besonderer Vorkommnisse auf der Erde (Crew Earth Observation, Uragan bzw. Ekon), bei denen man u. a. die Städte Peking, Pjöngjang, Belgrad, Minneapolis/St. Paul, Kairo, Teheran, Athen, Mumbai, Dehli, Wien, Prag, Bratislawa, Budapest, Baku, Berlin, Riad, Tunis, Khartoum, Nouakchott (Mauretanien), Austin, Houston, Muskat (Oman) und Mexico City im Fokus hatte, wurden auch die italienische Erdbebenregion um L’Aquila, der Drei-Schluchten-Staudamm, Zentral-Japan, die Region um Baikonur, der Slate-Island-Krater in Kanada, der Redoubt-Vulkan in Alaska, die Karpaten, der Sewan-See, die Flüsse Don und Wolga, die Kurilen und Kamtschatka im Detail fotografiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neu aufgebaut wurde die Multispektralkamera AgCam (Agricultural Camera), die von Studenten der University of North Dakota entwickelt wurde und mit der sich landwirtschaftlich interessante Phänomene untersuchen lassen. Im sichtbaren Licht und im nahen Infrarot ließen sich Aussagen z. B. über Reifegrad, Schädlingsbefall oder ökologische Parameter gewinnen. Beobachtungsregionen waren Felder, Wiesen, Wälder und Feuchtgebiete im Norden der USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenfalls neu installiert wurde ein Pflanzenexperiment im Lada-Gewächshaus. Hier kann das Wachstum von Pflanzen von der Aussaat über die Befruchtung bis zur Ernte in der Schwerelosigkeit unter kontrollierten Bedingungen beobachtet und aufgezeichnet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reparaturarbeiten wurden am Trainingsfahrrad Cycle Ergometer with Vibration Isolation System (CEVIS) und mehreren Steuercomputern (TVS) vorgenommen. Breiten Raum nahmen auch mikrobiologische Analysen von Wasserproben sowie Untersuchungen der Luftqualität (Formaldehyd-Konzentration) und des Geräuschpegels an 54 Messpunkten ein. Dazu verwendete Koichi Wakata ein spezielles Schallpegelmessgerät (Sound Level Meter). Darüber hinaus wurden Luftstromsensoren, Lebenserhaltungssystem und hygienische Einrichtungen täglich, andere Komponenten wie Feuerlöscher, Sauerstoffgeneratoren oder CO<sub>2</sub>-Absorber in festgelegten Intervallen oder bei bestimmten Anlässen kontrolliert. Weitere Wartungsarbeiten betrafen die Toilette (Austausch von Schläuchen und weiterer mobiler Teile gegen neue), die Extravehicular Mobility Units (EMU), die US-Raumanzüge, (Versetzen der Kühlflüssigkeit mit Iod zur Vermeidung bakteriologischer Kontaminationen), verschiedene Computer (Reboots, Antivirenupdate), Avionics Rack 3 sowie Luftventilatoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amateurfunkkontakt bestand mit Schülern in Japan sowie mit verschiedenen Einrichtungen in Russland aus Anlass des 48. Jahrestages des ersten Raumfluges am 12. April 1961. Natürlich gab es auch höchstoffizielle Kontakte mit Roskosmos, Energia, dem Institut für biologisch-medizinische Probleme (IBMP) sowie dem Gagarin-Trainingszentrum im Sternenstädtchen in der Nähe von Moskau, Pressekontakte mit CNN und ABC sowie private Familienkonferenzen. Am 16. April feierte Michael Barratt seinen 50. Geburtstag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koichi testete für die japanische Frauenuniversität Tokio einen neuen Bordanzug mit fantastisch anmutenden Eigenschaften. Er ist antibakteriell, desodorierend, wasseraufsaugend, thermisch isolierend, schnelltrocknend, feuerresistent, antistatisch, komfortabel und attraktiv.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-canadarm2-fma01-1.jpg" alt="" width="290" height="242"/><figcaption>Der 18 Meter lange Stationsmanipulator wird bewegt.<br>(Bild: NASA-TV)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem <em>Dextre</em> (Special Purpose Dexterous Manipulator &#8211; SPDM) von der Erde aus ferngesteuert an einen zukünftigen Testort transportiert wurde, trainierte die <em>ISS</em>-Besatzung den praktischen Umgang mit dem Space Station Remote Manipulator System <em>SSRMS</em> (<em>Canadarm2</em>) und testete dabei einen speziellen Algorithmus, mit dem Fehlstellungen des Arms vor dem Ankoppeln an einer Power &amp; Data Grapple Fixture (PDGF) erkannt und automatisch Anpassungen vorgenommen werden sollen (Force Moment Accomodation). Allerdings kam es dabei zu einer Bewegung um etwa 10 cm, die nicht von den Astronauten veranlasst wurde. Daraufhin wurde das FMA zunächst wieder dektiviert. Weitere Untersuchungen folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Tage lang waren Michael Barratt und Koichi Wakata mit der regulären Wartung des aktiv schwingungsgedämpften Laufbandes TVIS beschäftigt. Diese Arbeiten wurden im Verbindungsknoten <em>Unity</em> vorgenommen und komplett gefilmt. Nach dem Zerlegen des Sportgerätes wurden das Lamellenband selbst und die Rolllager ausgetauscht. Ein Schwungrad konnte nicht gewechselt werden, da man das Ersatzteil nicht fand. So wurde das gebrauchte Teil geschmiert und erneut eingesetzt. Zusätzlich wurden die Steuerelektronik ausgewechselt, ausgefranste Drahtseile erneuert, das Gerät wieder zusammengesetzt, ausgerichtet und getestet. Am Ergometer CEVIS wurde ebenfalls gearbeitet. Hier wurde allerdings nur eine Anzeige ausgetauscht. Das Kraftsportgerät ARED wurde lediglich einer gründliche Inspektion unterzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wiederbelebtes, für die Expedition 19 aber neues Experiment ist Relaksatsija. Dabei werden Leuchterscheinungen in der Erdatmosphäre studiert. Zunächst vom <em>Swesda</em>-Fenster Nr. 2 aus wurden Chemoluminiszenz und atmosphärische Lichtphänomene spektral analysiert. Später wurden im Fenster Nr. 9 eine UV-Kamera, ein Spektrometer sowie ein Camcorder und ein Computer zur Datenaufzeichnung und Steuerung installiert. Mit der neuen AgCam (Agricultural Camera) wurden von <em>Destiny</em> aus multispektrale Bilder bestimmter Regionen im Norden der USA gewonnen. Aus den Daten lassen sich Rückschlüsse auf Bodenfeuchtigkeit, Schädlingsbefall, Reifegrad und zu erwartende Erträge bei Feldfrüchten, auf Weide- und Grasland sowie in Feuchtgebieten und Wäldern ziehen. Im Rahmen der Langzeiterdbeobachtungen Crew Earth Observation, Uragan und Ekon wurden u. a. die Flüsse Oder, Ganges, Mississippi und Wolga, die Taman-Schlammvulkane, Galapagos und die Darwin-Inseln sowie ein längst erstarrter Lavafluss in Arizona fotografiert. In diesem schroffen Felsgebiet wurde später das neue NASA-Mondauto LER (Lunar Exploration Rover) getestet. Die „Luftbilder“ hatten dabei denselben Zweck, wie die Aufnahmen des Mars Reconnaissance Orbiter für die Marsrover Spirit und Opportunity.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-erdbeobachtung01.jpg" alt="" width="304" height="253"/><figcaption>Gennadi Padalka und Koichi Wakata beim Fotografieren.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Gennadi Padalka verwendete die Messaparatur Expert dazu, Umweltparameter an schwer zugänglichen Stellen der Station zu bestimmen, um das Korrosionsrisiko einschätzen zu können. Gemessen wurden Temperatur, Feuchtigkeit, Luftstrom und Wärmeverluste mittels Infrarot-Thermometer, Thermohygrometer, Wärmeverlust-Anemometer und Ultraschall-Analysator. Einige Zeit investierte er auch in das Bildungsprojekt Fisika Obrasowanije. Das Teilexperiment Phase behandelt dabei die langsame, vollständige Trennung von Flüssigkeit und Gas in einer Dispersion in der Mikrogravitation. Das Teilexperiment UFO (fliegende Untertasse) beschäftigte sich dagegen mit Schweben und Rotation einer flachen Scheibe mit und ohne Präzession. Von allen Experimenten wurden Bild- und Videoaufzeichnungen gemacht, die später an Schulen und Hochschulen verwendet wurden. Weitere Spezialaufgaben für den Kommandanten waren die Vorbereitung des zweiten, neu eingetroffenen Orlan-MK-Raumanzuges (Aktivierung und Drucktest, Überprüfung der Schnittstellen, Vorbereitung des Telemetriesystems, Installation von Sauerstofftank, Lithiumhydroxidkanistern, Lampen und Batterien), die Reinigung und den teilweisen Austausch von Luftventilatoren zur Erhaltung des Luftstroms, den Transfer von Gasen und Treibstoffen aus dem angedockten Frachter <em>Progress-M 66</em>, die Reaktivierung des Sauerstoffgenerators Elektron (nach Filtertausch und Neuverkabelung), die Reinigung von Kameralinsen, Abdeckkappen und eines CCD-Sensors in einer Kamera, Datensicherung (z. B. vom ESA-Außenexperiment Exposure-R) sowie die Beschäftigung mit Computerproblemen. Der Terminalcomputer TVM 1 (aus Deutschland) lief immer noch nicht kontinuierlich (Abbruch nach 80 Minuten).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorbereitet wurde das Experiment CARD, das bereits 2006 von Thomas Reiter auf der <em>ISS</em> durchgeführt wurde. Blutvolumen und Blutdruck nehmen bei längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit ab. Dieser Effekt tritt auch bei bestimmten Krankheitsbildern auf der Erde auf. Man untersuchte nun, ob die zusätzliche Einnahme von Salz diesem entgegenwirkt. Dazu waren umfassende kardiologische Tests nötig. Ebenfalls in der Vorbereitungsphase befand sich Stimul 1. Hierbei soll der Proband einen speziellen Anzug tragen, in dessen Hosenbeinen Elektroden eingenäht sind, die bestimmte Muskelfasern elektrisch stimulieren. Der wesentliche Teil der dabei verwendeten Ausrüstung traf aber erst mit dem nächsten Progress-Frachter auf der Station ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dutzende automatische Experimente liefen währenddessen weiter und bedurften hin und wieder der Betreuung (Datenübertragung, Batterie- oder Probenwechsel, kleinere Reparaturen). Außerdem wurden der Gesundheitszustand der Raumfahrer eingehend überwacht und medizinische Untersuchungen fortgeführt. Reinigungsarbeiten, Sport, Status-Checks (Kühlgeräte GLACIER, MELFI, MERLIN), Luft- und Wasseranalysen komplettieren das Arbeitsprogramm der dreiköpfigen <em>ISS</em>-Besatzung. Zudem mussten die Lebenserhaltungssysteme kontrolliert und gewartet werden. Ein kleines Problem bereitete dabei die Wasseraufbereitungsanlage. Ein Rückschlagventil funktionierte nicht wie vorgesehen, deshalb waren die Abwasserbehälter jetzt zu 70% gefüllt. Die Bodenkontrolle erarbeitete einen Weg, das mittlerweile als überflüssig eingestufte Ventil auszubauen. Glücklicherweise sind alle hygienischen Einrichtungen in der Station doppelt vorhanden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-fisika-lt01.jpg" alt="" width="313" height="261"/><figcaption>Gennadi Padalka mit Bildungsauftrag.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">In der Nacht vom 22. zum 23. April fand ein Struktur- und Dynamiktest für das Solarzellenmodul S4 statt. Dazu wurden Triebwerke etwa 5 Minuten lang wechselseitig gezündet. Dabei wurden Kräfte und Bewegungen an bestimmten Punkten von S4 gemessen. Für das zweite Steuerbordelement mit Solarzellen S6 wurde ein analoger Test in der Nacht vom 26. zum 27. April durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende April wurde das Acoustic Measurement Protocol initiiert. Dazu trugen Gennadi Padalka, Michael Barratt und Koichi Wakata kleine Mikrofone sowie Messgeräte und Speicher am Körper. Hiermit wurden die Lärmpegel, denen die Raumfahrer ausgesetzt sind, über einen längeren Zeitraum erfasst. Außerdem wurden auch stationäre „akustische Dosimeter“ eingeschaltet. Diese Untersuchungen werden während jeder ISS-Expedition zweimal vorgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach wurde das Frachtraumschiff <em>Progress-M 66</em> auf seinen Abflug vorbereitet. Dazu überprüfte Koichi verschiedene Verbrauchsgüter, wie Blutanalyse-Kits und Transportverpackungen, auf ihre weitere Verwendbarkeit. Nicht mehr nutzbare Materialien wurden aussortiert und ins Progress-Raumschiff transportiert. Bis zum 4. Mai allerdings wurde <em>Progress-M 66</em> noch zur Kontrolle der Rollbewegungen der gesamten Station und für eventuelle Ausweichmanöver verwendet. Außerdem wurde Luft aus einem speziellen Tank des Raumschiffes dazu verwendet, die Atmosphäre in der Station aufzufrischen. Zusätzlich wurden verschiedene Tests ausgeführt und die Treibstoffleitungen durchgespült.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziele von Erdbeobachtungen waren u. a. die Galapagosinseln, Kilauea und Mauna Lea auf Hawaii, der Tschadsee, die Städte Bukarest, Mexico City, Key Largo, Rio de Janeiro und Tucson, die Insel Madeira sowie der Villarrica-Vulkan in Chile. Vorgenommen wurden auch biochemische Urinanalysen sowie Untersuchungen der Luft- und Wasserqualität. Dabei wurde Wasser aus der Urinaufbereitungsanlage für hygienische Zwecke als geeignet eingestuft und freigegeben. Als Trinkwasser lässt es sich erst dann verwenden, wenn das gelöste Iodid ausgefiltert wurde. Im Rahmen von ALTEA (Anomalous Long Term Effects on Astronauts) wurden 6 Dosimeter in der Station aktiviert, mit denen die Strahlenbelastung gemessen wurde. Auf demselben Gebiet wurde auch mit den Experimenten Matrjoschka und Tissue Equivalent Proportional Counter Detector geforscht. Dabei wurden der menschliche Körper bzw. lebendes Gewebe durch spezielle Materialien simuliert und damit praxisnähere Daten gewonnen. Im Rahmen von Bildungsprogrammen wurden die Experimente Try Zero G und Photo-Moon durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere wissenschaftliche Experimente waren EarthKAM (Earth Knowledge Acquired by Middle School Students), bei dem mittels elektronischer Kamera Bilder von Gebieten der Erdoberfläche angefertigt und zur Auswertung an Schulen übertragen wurden, Sonokard, bei dem Daten des Herz-Kreislaufssystems (EKG) ohne Anlegen von Elektroden einfach durch Tragen eines sensitiven T-Shirts gewonnen wurden, SLEEP zur Untersuchung der Auswirkungen der Lichtbedingungen auf Schlaf-Wach-Rhythmus und Arbeitsfähigkeit der Raumfahrer sowie Bodies in the Space Environment (BISE), bei dem mittels computergenerierter Bilder der Zusammenhang zwischen psychischer und körperlicher Wahrnehmung untersucht wurde.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-bise02.jpg" alt="" width="314" height="262"/><figcaption>Michael sieht nur den Inhalt des Computerbildschirms. Im Rahmen von BISE wird das Lageempfinden in der Schwerelosigkeit erforscht.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen von Tipologija wurde gemessen, wie das menschliche Gehirn in Stresssituationen reagiert und welches Stresslevel für das normale Arbeiten in der Raumstation geeignet ist. Dabei trug Gennadi Elektroden für ein EEG während er verschiedene Aufgaben löste. Dazu gehörten adaptives Training nach Lüscher, mathematische Problemlösungsprozesse aber auch Computerspiele wie Minesweeper und Tetris. Ein physikalischer Versuch, den Michael Barrat durchführte, war SPICE (Smoke Point in Co-flow Experiment). Dabei wurden Verbrennungsprozesse im kontrollierten und von der Stationsluft hermetisch abgeschirmten Umfeld der Microgravity Science Glovebox (Handschuhbox für Wissenschaft in der Mikrogravitation) so gesteuert, dass man den Punkt genau bestimmen konnte, an dem es zu rauchen begann. Der diesmal verwendete Brennstoff enthielt 75% Propylen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tests am neuen russischen Orlan-MK-Raumanzug (integriertes EKG) konnten abgeschlossen werden, während im US-Schleusenmodul <em>Quest</em> aufgeräumt wurde. Außerdem wurde das Ladegerät 4 untersucht, das zuvor für die Tiefentladung einer Batterie verantwortlich war. Im russischen Ausstiegsmodul <em>Pirs</em> waren reguläre Tests an Schaltern und Sicherungen an der Reihe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Probleme gab es immer noch mit Computern in verschiedenen Stationsmodulen. Eines konnte offenbar dadurch beseitigt werden, indem man nach dem Herunterfahren für kurze Zeit die Batterien entfernte. Nach dem erneuten Hochfahren schien alles normal zu funktionieren. Am Telemetriesystem in <em>Swesda</em> wurde weiter gearbeitet. Außerdem wurde ein internes russisches Kommunikationssystem für Telefonie, Telegrafie, Kommunikation während Außenbordarbeiten, Packet-Email und Steuersignale mit an- bzw. abfliegenden Raumschiffen (TORU) getestet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gennadi Padalka nahm an sich selbst eine komplexe Erfassung wichtiger Parameter in Ruhe und unter Belastung vor. Dabei wurden die Bewegung des Herzmuskels (Kinetokardiogramm), die Durchblutung von Lunge (Rheoplethsmogramm) und Gehirn (Rheoenzephalogramm) sowie die Herzfrequenz aufgezeichnet, während der Proband für jeweils 3 Minuten eine Leistung von 125, 150 bzw. 175 Watt auf dem VELO-Ergometer halten musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurden verschiedene chemisch-biologische Parameter in der Station überwacht. Koichi Wakata überprüfte die Petrischalen, in denen fünf Tage zuvor Proben aus der Stationsluft bzw. von verschiedenen Oberflächenabstrichen kultiviert worden waren, auf Keimbelastung. Weitere Systeme erfassten die Belastung der Stationsluft oder verschiedener Wasserreservoire mit biologischen oder chemischen Substanzen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/progress-kopplung-pirs01.jpg" alt="" width="302" height="252"/><figcaption>Ein Progress-Raumschiff koppelt von der ISS ab.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. Mai wurde das Beladen des Frachters <em>Progress-M 66</em> abgeschlossen. Zuletzt war noch Urin aus der Station in leere Tanks des Raumschiffs umgepumpt worden. Als abschließende Arbeiten vor dem Abkoppeln wurden ein Temperatursensor und eine Lampe zur Wiederverwendung entnommen, die Steuerung der Triebwerke vom Stationscomputer auf die Bordelektronik des Frachters umgeschaltet, der Kopplungsmechanismus in der Außenluke des Ausstiegsmoduls Pirs eingebaut, einige Halteklammern gelöst, ein Schlauch zur Belüftung und Thermoregulierung demontiert und die Luken geschlossen. Nach dem etwa einstündigen Dichtheitstest war <em>Progress-M 66</em> zum Abflug bereit. Die Abkopplung erfolgte am 6. Mai um 16:17 Uhr UTC. Zuvor hatten Padalka und Michael Barratt ein dreistündiges Training am Fernsteuerungssystem TORU für an- und abfliegende Raumschiffe absolviert. Nach dem Abkoppeln wurde in der Station ein Amateurfunksystem aktiviert, über das Untersuchungen zu Interferenzen mit dem Telemetriesystem des Frachters vorgenommen werden konnten. <em>Progress-M 66</em> flog noch zur Durchführung von Plasmaexperimenten bis zum 18. Mai autonom. Dann wurde das Raumschiff über dem Pazifik zum Absturz gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 5. Mai wurde der Stationsmanipulator <em>Canadarm2</em> auf dem Mobilen Transporter (MT) in eine für eine Fahrt günstige Position gebracht. Der MT wurde am folgenden Tag, von der Erde aus ferngesteuert, von Arbeitsstation 4 nach 7 verlegt. Am 7. Mai wurde das Videosystem des <em>Space Station Remote Manipulator System</em>s (SSRMS), wie der Manipulator offiziell heißt, dazu verwendet, einen <em>CETA</em>-Transportkarren sowie das Drehgelenk zur Rotation der Solarzellen auf der Backbordseite (Portside Solar Alpha Rotary Joint, SARJ) zu begutachten und photometrisch zu vermessen. Außerdem wurde im Gegenlicht der Ausstoß von Ammoniak aus einem Radiator des Gitterelements <em>S1</em> aufgezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Arbeiten betrafen Wartung und Reinigung verschiedener Stationskomponenten (Sportgeräte, Lebenserhaltungssystem, Luftstromventilatoren und -filter), Status-Checks an verschiedenen Experimenten (BCAT, Rastenija), die Analyse von Luft- und Wasserproben, Inventur und Überprüfung von EVA-Zubehör in <em>Quest</em>, die Neuanordnung von Beschleunigungsmesssensoren (SAMS), das Bereitlegen von Werkzeugen und Hilfsmitteln für die Anfang Juni anstehenden Ausstiege, die Inspektion von Feuerwarn- und -löschsystemen sowie ein einstündiges Notfalltraining. Ein Problem entstand im weiterentwickelten russischen Telemetriesystem. Von den neuen Raumanzügen des Typs Orlan-MK wurden bis dato keine Daten empfangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. Mai startete der zweite russische Frachter mit digitaler Steuerung, <em>Progress-M 02M</em>, von Baikonur aus ins All. An Bord befanden sich 2,59 Tonnen Treibstoff, Versorgungs- und Verbrauchsgüter, Bekleidung, Ersatzteile, Experimentiergut, Dokumentationen, Wasser, Luft und Sauerstoff. Zur Fracht gehörte auch der dritte Orlan-MK-Raumanzug. Der 33. ISS-Progress-Frachter koppelte am 12. Mai nach ausgiebigen Tests vollautomatisch am Schleusenmodul <em>Pirs</em> an. Die Besatzung, die für Notfälle an einem Fernsteuerungssystem bereit stand, musste nicht eingreifen. Beim ersten Raumschiff dieses überarbeiteten Progress-Typs im Dezember letzten Jahres hatte eine unsinnige Entfernungsangabe dazu geführt, dass der automatische Anflug abgebrochen und per Handsteuerung angedockt werden musste. Am Tag nach dem Kopplungsmanöver wurde der Frachter gesichert, geöffnet und an das Bordversorgungs- und Kontrollsystem der Station (Luft, Temperatur, Energie) angeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Mai wurde der Mobile Transporter samt Manipulatorarm von Arbeitsstelle 7 zurück nach 4 verlegt. Mit Hilfe einer Kamera am <em>Canadarm2</em> wurde am nächsten Tag der Ausstoß von etwa 20 kg Ammoniak aus dem Kühlsystem der Station aufgezeichnet. Auch von der Erde aus wurden die Auswirkungsen dieses Ausstoßes auf die umgebende Hochatmosphäre beobachtet. Damit wurde aber auch der Kühlkreislauf A, einer von insgesamt 4 vorhandenen, trockengelegt. Vor einiger Zeit hatte man eine Beschädigung am Radiator auf Gitterelement <em>S1</em> festgestellt. Materialermüdung oder Mikrometeoritentreffen könnten dort einen Riss entstehen lassen, durch den Kühlmittel verlorengeht. Im schlimmsten Fall könnte sämtliches Kühlmittel entweichen, da es kein Messgerät für die noch vorhandene Ammoniakmenge gibt. Deshalb hat man sich entschlossen, den betreffenden Kühlkreislauf zu deaktivieren. Die anderen Kühlschleifen bieten ausreichend Kapazität zum Abführen der Wärme, die in den elektrischen Anlagen im Außenbereich der Station entsteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reparaturarbeiten wurden an einer verstopften Kondenswasserleitung im Europäischen Labormodul <em>Columbus</em> vorgenommen. Experimentelle Tätigkeiten betrafen unter anderem die Pflege und Überwachung der Gerstenpflanzen im Lada-Gewächshaus (Experiment Rastenija), die Neuausrichtung der Kristallisationszelle 2 in einer entsprechenden Anlage im Modul <em>Kibo</em> (Experiment FACET), die Erforschung von Verbrennungsprozessen und insbesondere der Temperatur, ab der bei verschiedenen Brennstoffen Rauchbildung auftritt (Experiment SPICE) oder die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten wie Lern- und Konzentrationsvermögen, Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis, räumlicher Vorstellung und mathematisch-logischen Fertigkeiten (WinSCAT).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Vorbereitung der Ankunft des neuen Ausstiegs-, Kopplungs- und Forschungsmoduls <em>MIM 2</em> installierte Gennadi Padalka neue Steuerungs- und Navigationshardware im Kopfteil des Servicemoduls <em>Swesda</em>.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-fliegender-teppich01.jpg" alt="" width="312" height="260"/><figcaption>Koichi schwebt auf einem fliegenden Teppich durch das Kibo-Labor. Japaner!<br>(Bild: JAXA/NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Koichi Wakata demonstrierte für Bildungszwecke das Verhalten verschiedener Körper in der Schwerelosigkeit (u. a. Bekleidung, ein fliegender Teppich und Wasser). Außerdem fanden mehrere Konferenzen mit dem Flugleitzentrum statt. Funkkontakt wurde auch zu Teilnehmern der flämischen Weltraumtage in Leuven (Belgien), Schülern der Besyo-Grundschule in Saitama (Japan) und Reportern des Rossiski Kosmos Magazin aufgenommen. Außerdem eröffnete Koichi im russischen Fernsehen die Abstimmung beim &#8222;Eurovision Song Contest&#8220; aus dem Weltall. Erdbeobachtung spielte Mitte Mai dagegen kaum eine Rolle. Lediglich Gletscher und Küstenbereiche in Südamerika wurden fotografiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 18. Mai wurde durch das japanische Besatzungsmitglied Koichi Wakata das fehlerhaft arbeitende Rückschlagventil innerhalb der Wasseraufbereitungsanlage der Station nach mehreren Stunden Arbeit erfolgreich ausgebaut. Letztere funktioniert durch eben dieses als überflüssig angesehene Bauteil seit Anfang Mai nicht mehr. Nach einem Dichtheitscheck der Anlage wurde ihr Vorratstank zu etwa 35% mit Urin aus der russischen Toilette befüllt. In der Nacht auf Dienstag folgte ein erfolgreicher Testlauf und so war die Wasseraufbereitungsanlage endlich bereit, Trinkwasser zu gewinnen. Wakata füllte noch am selben Tag deren Vorratstank wieder auf und schloss am Mittwoch die Anlage an die amerikanische Toilette der Raumstation an, sodass weitere Umfüllaktionen hinfällig wurden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-erstes-aufbereitetes-wasser.jpg" alt="" width="290" height="291"/><figcaption>Die Crew trinkt symbolisch das erste an Bord der Station aufbereitete Wasser.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der 20. Mai war auch der Tag, an dem die 19. Langzeitbesatzung schließlich grünes Licht bekam, das Wasser aus der Aufbereitungsanlage zu trinken. Zahlreiche Gäste versammelten sich dafür im ISS-Kontrollzentrum in Houston und im Marshall Space Flight Center in Huntsville, wo die Anlage geplant und konstruiert worden war. Während einer Videokonferenzschaltung sprach die Besatzung einen kurzen Toast aus, bevor sie schließlich das erste Mal recyceltes Wasser aus Päckchen trank. Man rechnet damit, dass die Aufbereitungsanlage die Menge an Wasser die zur Station geliefert werden muss in Zukunft um ungefähr 65% verringern wird. Die jährlichen Einsparungen betragen mehrere Millionen US-Dollar. Zudem ist es ein hervorragendes Beispiel für Technologie, die bei zukünftigen Reisen zu Mond, Mars und darüber hinaus unabdingbar sein wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben diesem wichtigen Ereignis in der Geschichte der Internationalen Raumstation, führte die 19. Langzeitbesatzung weiter Experimente und Wartungsarbeiten durch. So wurde durch Michael Barratt das Experiment SLEEP (Sleep-Wake Actigraphy &amp; Light Exposure during Spaceflight) fortgeführt, bei dem die Schlafzyklen, aber auch wie stark das Besatzungsmitglied Licht im Laufe des Tages ausgesetzt ist, durch Detektoren in einem Armband aufgezeichnet werden. Außerdem nahm Koichi Wakata Alendronat-Tabletten ein. Letzteres ist Teil eines Experiments, das Medikamente testen soll, die dem bis dato noch ungelösten Knochenschwund bei Langzeitaufenthalten im All entgegenwirken sollen. Der derzeitige Kommandeur der ISS, Gennadi Padalka, unterzog sich einem russischen Experiment, das unter anderem mit Hilfe eines Blutdruckmessgerätes die Arbeitsweise des Herzens in der Schwerelosigkeit genauer als bisher untersuchen soll. Dafür musste Padalka mehr als eine Stunde ohne Sprechen und Bewegung verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wurden erste Vorbereitungen für den Besuch des Space Shuttles Endeavour im Juni getroffen. Vor allem ging es darum, Equipment und Fracht, die von der Raumfähre zur Erde zurückgebracht werden soll, für die Abreise zu sammeln und zu verpacken. Gennadi Padalka und Michael Barratt trainierten erstmals für das Shuttle-RPM (Rotation Pitch Maneuver). Dabei wurden die Besatzungsmitglieder auf das Schießen der Fotos vom ankommenden Space Shuttle vorbereitet, wenn letzteres seine berühmte Drehung um die Querachse vollführt, um eventuelle Schäden des Hitzeschildes zu entdecken. Sie haben werden dafür nur etwa nur 90 Sekunden Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 21. Mai wurden die ersten konkreten Vorbereitungen für den nächsten Ausstieg vorgenommen, der für den 5. Juni geplant war. Gennadi Padalka und Michael Barratt sahen sich den Zeitplan dafür an und bereiteten Equipment vor. Im Übrigen führte Padalka die Installation von Systemen, die für die Kopplung mit dem neuen Modul <em>Poisk</em> (MIM 2) von Bedeutung sind, im Modul <em>Swesda</em> fort.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss019-destiny-wakata-manipulatorsteuerung.jpg" alt="" width="315" height="287"/><figcaption>Koichi Wakata an der Steuereinheit für den SSRMS im Modul Destiny.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Aufgaben gehörte auch die Weiterführung der Reparatur eines Ergometers der Station, bei dem vor einiger Zeit eine bedeutende Diskrepanz zwischen der eingestellten und der tatsächlichen Belastung beobachtet wurde. Koichi Wakata reinigte das Innere des Sportgeräts gründlich mit Zahnbürste und Staubsauger. Zuvor setzte Koichi Wakata den Stationsmanipulator SSRMS auf die dritte PDGF (Power &amp; Data Grapple Fixture) der <em>Mobile Base System</em> genannten Plattform, um ihn in eine günstige Position zur visuellen Überwachung des Roboterarms Dextre zu bringen. Außerdem führte er am 22. Mai eine Überprüfung eines weiteren Roboterarms am japanischen Labormodul <em>Kibō</em> durch.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss020-crew05-1.jpg" alt="" width="326" height="272"/><figcaption>Die ISS-Expedition 20 bei ihrer ersten Videokonferenz<br>(Bild: NASA-TV)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Eintreffen der Besatzung des Raumschiffes <em>Sojus-TMA 15</em> begann eine neue Etappe der Nutzung der <em>Internationalen Raumstation</em>. Erstmals bestand die Stammbesatzung der <em>ISS</em> aus 6 Raumfahrern, die obendrein noch alle beteiligten Staaten bzw. Staatenbünde repräsentierten. Dieser Schritt wurde auch politisch angemessen gewürdigt. Das am 27. Mai gestartete Raumschiff <em>Sojus-TMA 15</em> hatte zwei Tage später, gegen 12:34 Uhr UTC, erfolgreich an der <em>ISS</em> angekoppelt. 14:15 Uhr wurden nach ausgiebigen Dichtheitstests die Luken zwischen Raumschiff und Station geöffnet und die Neuankömmlinge willkommen geheißen. Beim ersten Videotermin wurden Grüße und Glückwünsche rund um die Welt ausgetauscht, vor allem kamen Verwandte der Raumfahrer zu Wort. Danach wurde das Sicherheitsbriefing absolviert und man begann als ISS-Expedition 20 gemeinsam mit der Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Erde hingegen wurden die neue Nutzungsphase von Offiziellen der Raumfahrtagenturen gewürdigt und Zukunftsperspektiven diskutiert. Dabei wurde u. a. auch einer Veröffentlichung widersprochen, Russland verfolge Pläne, das eigene Segment von der <em>ISS</em> abzukoppeln. Man wolle vielmehr die ISS in ihrer Gesamtheit so lange wie möglich effektiv nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>ISS</em>-Expedition 20, der die Raumfahrer Gennadi Padalka, Michael Barratt, Koichi Wakata, Frank de Winne, Robert Thirsk und Roman Romanjenko angehören, ist die bisher internationalste Crew eines Raumfahrzeugs überhaupt. Mit der Aufstockung der Besatzung wird zudem die wissenschaftliche Arbeit einen erheblich größeren Anteil an den Arbeiten aller Besatzungsmitglieder einnehmen, nämlich etwa 50%.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Lärmmessungen, Medizin und SPHERES</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/laermmessungen-medizin-und-spheres/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 11:40:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[ISS]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">https://test-portal.raumfahrer.net/?p=32364</guid>

					<description><![CDATA[<p>In der letzten Woche wurden wieder einmal umfangreiche Messungen der Lärmbelastung an Bord der Internationalen Raumstation durchgeführt. Außerdem spielte medizinische Forschung eine große Rolle. Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA. Zur Messung der Lärmbelastung werden sogenannte akkustische Dosimeter verwendet. Diese messen und summieren die Geräuschpegel, denen die Raumfahrer im Verlaufe von 24 Stunden ausgesetzt [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">In der letzten Woche wurden wieder einmal umfangreiche Messungen der Lärmbelastung an Bord der Internationalen Raumstation durchgeführt. Außerdem spielte medizinische Forschung eine große Rolle.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/30062009134019_small_1.jpg" alt="NASA" width="357" height="279"/><figcaption>
Am vorigen Sonntag feierte man den 51. Geburtstag des Kommandanten Padalka, natürlich auch mit einem längeren Kontakt zu den Lieben daheim. 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Messung der Lärmbelastung werden sogenannte akkustische Dosimeter verwendet. Diese messen und summieren die Geräuschpegel, denen die Raumfahrer im Verlaufe von 24 Stunden ausgesetzt sind. Dazu dienen ein Mikrofon am Kragen und Elektronik am Handgelenk, ähnlich einer Armbanduhr. Zusätzlich verwendet man stationäre Lärmpegelmesser. Derartige Messkampagnen werden zweimal pro Expedition durchgeführt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderes umfassendes Experiment, Braslet-M, befasst sich mit der Messung des Blutvolumens und Veränderungen in Herzfunktion und Blutbewegung. Dazu wird ein Ultraschallgerät u. a. zur Erfassung von Echokardiogrammen verwendet. Gemessen und aufgezeichnet wird die Aktivität des Herzens, der Blutdurchfluss im Herzen und in den unteren Extremitäten. Das Experiment besteht aus verschiedenen Untersuchungen, die in internationaler Kooperation entwickelt wurden. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/30062009134019_small_2.jpg" alt="NASA" width="352" height="277"/><figcaption>
Bereits am 12. Juni wurde diese Aufnahme von einem Kurilen-Vulkan gemacht. 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Experimente der Woche waren Bisphosphonates, Pnevmokard, BISE, Integrated Cardiovascular, Rastenija 2, Matroschka, CGBA, eNose, SPICE, Pilot-M/Neuro, Wsaimodeistwije, Tipologija und Expert. Darüber haben wir bereits in vorangegangenen Ausgaben von ISS Aktuell berichtet. Außerdem laufen an der Außenseite der Station mehrere Experimente automatisch ab. Hin und wieder müssen einmal Daten gesichert und zur Erde übertragen werden. Diese Woche betraf dies das ESA-Experiment Expose-R, das am Service-Modul Swesda installiert ist. Beobachtungsobjekte auf der Erde waren in dieser Woche u. a. Mauritius, der Tropensturm Andres im Pazifik und die Städte Nizza, Johennesburg, Washington D. C., Los Angeles, San Francisco.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 22. Juni wurden am Batteriekomplex 2 im Modul Sarja Lade-/Entladeeinheit und Steuerungselektronik gewechselt. Letztere überwacht insgesamt 49 Parameter, um die Batterien optimal und möglichst lange nutzen zu können. Sarja verfügt über 6 derartige Batterieeinheiten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 23. Juni wurde damit begonnen, das Nachfüllen von Kühlmitteln in den Modulen Destiny, Columbus und Kibo nachzuholen. Außerdem wurde der Kopplungsmechanismus zwischen Pirs und dem angedockten Transportraumschiff Progress-M 02M demontiert. Der 33. Progress-Frachter der ISS soll am 30. Juni abkoppeln und wird bereits mit Abfällen und nicht mehr benötigten Geräten beladen. Progress-M 02M wurde am 8. Mai gestartet und hatte nach gründlicher Überprüfung der Systeme erst am 13. Mai an der Station angedockt. Der Frachter verfügt über eine digitale Steuerung und soll Mitte Juli die neu installierten Rendezvoussysteme an Swesda-Zenit testen. Erst danach wird er in den dichten Schichten der Erdatmosphäre zum Verglühen gebracht. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/30062009134019_small_3.jpg" alt="NASA" width="358" height="282"/><figcaption>
Die Innenraumsatelliten SPHERES werden getestet. 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. Juni wurde im Raumschiff Sojus-TMA 14, mit dem Gennadi Padalka, Michael Barratt und der nächste Weltraumtourist, wahrscheinlich dem Kanadier Laliberté, zur Erde zurückkehren werden, eine Kühl- und Luftentfeuchtungseinheit ausgetauscht. Hier hatte bereits während des Fluges zur Station ein Ventilator seinen Dienst versagt, so dass auf eine Backupeinheit umgeschaltet werden musste. Die angedockten Sojus-Raumschiffe sind 6 Monate lang ständig in Betrieb, da sie in Notfällen für eine sofortige Rückkehr zur Erde benutzt werden. In der vorangegangenen Nacht hatte man von der Erde aus einen Reboost-Test mit den Triebwerken des angekoppelten Frachters durchgeführt. Im Verlaufe des Tages wurden dann die drei SPHERES-Innenraumsatelliten (Synchronized Position Hold, Engage, Reorient, Experimental Satellites) getestet und für einen weiteren Testlauf vorbereitet. Koichi Wakata drehte einen Film, in dem er Unterschiede zwischen den Begriffen Masse und Gewicht erklärte und verdeutlichte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 25. Juni wurde Treibstoff aus dem Progress-Raumschiff in die Hochdrucktanks des FGB-Moduls Sarja umgepumpt. Über die ganze Woche verteilt wurden bereits Sauerstoff und Stickstoff aus speziellen Gastanks des Frachters in die Station abgelassen um deren Atmosphäre aufzufrischen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Padalka und Roman Romanenko führten am darauffolgenden Tag einen Test der TORU-Systeme durch. Mittels TORU kann ein an- oder abfliegendes Progress-Raumschiff von Hand aus der Station heraus gesteuert werden. Am Tag zuvor hatte man bereits mittels Computertest die Reaktionen der Akteure in Stresssituationen getestet (Pilot-M/Neuro). </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Übersicht aller ISS Aktuell:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://www.raumfahrer.net/category/iss/" data-wpel-link="internal">ISS-Aktuell-Archiv</a></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Raumcon:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3793.msg103593#msg103593" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">ISS-Hauptthema (ab 22. Juni)</a></li></ul>
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		<item>
		<title>Sechse fliegen um die Welt</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sechse-fliegen-um-die-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 16:04:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[ISS]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Computer]]></category>
		<category><![CDATA[Medizincheck]]></category>
		<category><![CDATA[Pirs]]></category>
		<category><![CDATA[Raumstation]]></category>
		<category><![CDATA[Strahlenbelastung]]></category>
		<category><![CDATA[Swesda Modul]]></category>
		<category><![CDATA[Wartungsarbeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Abwandlung des Märchentitels &#8222;Sechse ziehen um die Welt&#8220; versehen die Raumfahrer Gennadi Padalka, Michael Barratt, Koichi Wakata, Roman Romanenko, Robert Thirsk und Frank deWinne auch nach Absage der Endeavour-Mission gegenwärtig ihren Dienst auf der Internationalen Raumstation. Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA. Koichi Wakata freut sich derweil über einen weiteren Monat im Orbit. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">In Abwandlung des Märchentitels &#8222;Sechse ziehen um die Welt&#8220; versehen die Raumfahrer Gennadi Padalka, Michael Barratt, Koichi Wakata, Roman Romanenko, Robert Thirsk und Frank deWinne auch nach Absage der Endeavour-Mission gegenwärtig ihren Dienst auf der Internationalen Raumstation.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koichi Wakata freut sich derweil über einen weiteren Monat im Orbit. Er hätte im Rahmen der Mission STS 127 abgelöst werden sollen. 
<br>
Im Mittelpunkt der experimentellen Arbeiten standen einmal mehr die Raumfahrer selbst. Zu den medizinischen Vorhaben gehörten die Untersuchung der Wirksamkeit einer neuen Medikamententherapie gegen den bisher unaufhaltsamen Knochenabbau in der Schwerelosigkeit (Experiment Bisphosphonates), die Anpassung des Biorhythmus&#8216; an die veränderten Gegebenheiten in der Station (Biorhythm), Veränderungen der Wahrnehmung im Verlaufe eines längeren Aufenthaltes unter Mikrogravitationsbedingungen (BISE, 3D Space), Anpassungen im Stoffwechsel und in der Arbeit des Herz-Kreislauf-Systems (Sonokard, CARD, Integrated Cardiovascular, Nutrition) sowie Hörtests. Im Rahmen einiger Untersuchungen werden 24 Stunden lang Urinproben genommen sowie EKG-Aufzeichnungen angefertigt. Außerdem werden Blutproben entnommen und eingefroren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund eines stark erhöhten Laufgeräusches eines Ventilators im GLACIER-Kühlapparat wurde dieser zunächst abgeschaltet und darin enthaltene Proben in ein anderes Kühlsystem (MELFI) verlegt. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/22062009180439_small_1.jpg" alt="NASA" width="341" height="268"/><figcaption>
Roman Romanenko arbeitet im Swesda-Modul. (Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich gelungen ist die vollständige Wiederherstellung des Systems von Navigations- und Steuerungscomputern im Service-Modul Swesda. Die Computer stammen aus Deutschland und sind in dreifacher Ausführung da. Eines der drei Systeme war in den letzten Monaten ausgefallen, mehrere Reparaturversuche brachten keine Verbesserung. Am 17. Juni wurde nun die Kette 1 ausgetauscht. Nach einer ausgiebigen Überprüfung von der Erde aus, konnte einen Tag später vermeldet werden, dass das System nun wieder komplett einsatzbereit ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wartungsarbeiten wurden an allen wichtigen Lebenserhaltungssystemen (Sauerstofferzeugung, CO<sub>2</sub>-Absorption, Luftstrom, Wasseraufbereitung, Kondenswassersammlung, Toilette und Temperaturregulierung sowie an den Sportgeräten vorgenommen. Außerdem wurden verschiedene Feuermelder und -löschgeräte gewartet bzw. ausgeauscht. 
<br>
Nach den Außenbordeinsätzen Anfang Juni wurde im Ausstiegsmodul Pirs nun wieder das Experiment Matrjoschka-R in Betrieb genommen. Dazu wurde es mit neuen Blasendetektoren ausgestattet und die Elektronikbox Lulin 5 aktiviert. Blasenkammern können nicht nur die Anzahl und Energie der eintreffenden Partikel anzeigen sondern auch deren Flugrichtung. Matrjoschka-R ist eine mehrschichtige Puppe, in die in mehreren Lagen verschiedene Detektoren für Teilchen- und EM-Strahlung eingearbeitet sind. Damit kann man feststellen, welche Strahlungsdosen auch im Inneren des simulierten menschlichen Körpers wirken. Außerdem gibt es über die gesamte Station verteilt eine Vielzahl weiterer Dosimeter. Bei Außenbordarbeiten tragen die Raumfahrer zusätzliche Messgeräte, deren Dosis vor und nach dem Event abgelesen werden. Aus Deutschland stammt die ERNObox, in der verschiedene Strahlungsmessgeräte eingebaut sind. Die Box, in der ein neuentwickelter SPARC-Prozessor (LEON 2), programmierbare Hilfsprozessoren (FPGA) und neuartige mikromechanische Systeme ihre Arbeit verrichten, funktioniert nach einem Software-Update nicht mehr korrekt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/22062009180439_small_2.jpg" alt="NASA" width="329" height="258"/><figcaption>
Frank de Winne reinigt die Clean Bench in Kibo. (Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen verschiedener Erdbeobachtungsexperimente (Crew Earth Observation, Uragan, Seiner) wurden u. a. die Städte Baikonur (Kasachstan), Sofia (Bulgarien), Jakarta (Indonesien), Kairo (Ägypten), München, Rom und Lahorc (Pakistan) sowie der Vesuv (Italien), die Coast Mountains (Kanada), Einschlagskrater in Libyen und die Nazca-Linien fotografiert. Außerdem wurden Aufnahmen von Fischereizonen nordwestlich von Afrika gemacht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Sauerstoffzuführungssystem Elektron im russischen Modul Swesda wurde nach Arbeiten am fehlerhaft arbeitenden Telemetriesystem BITS2 mehrmals über Nacht deaktiviert und am Morgen wieder eingeschaltet. Auch sonst wurde der Luftqualität große Beachtung geschenkt. Es existieren mehrere Messeinrichtungen, welche die Belastung mit potentiell schädlichen Substanzen untersuchen. In dieser Woche wurde speziell nach Spuren von Vinylchloriden, Ethanol und Ethylenoxid gefahndet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gestern feierte der gegenwärtige Kommandant der ISS, Gennadi Padalka, seinen 51-sten Geburtstag. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Raumcon:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3793.msg102375#msg102375" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">ISS-Hauptthread ab 15. Juni</a></li></ul>
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		<title>Routine und ein Ausstieg, der keiner war</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/routine-und-ein-ausstieg-der-keiner-war/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 12:07:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[ISS]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Canadarm 2]]></category>
		<category><![CDATA[Destiny]]></category>
		<category><![CDATA[DEXTRE]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Medizincheck]]></category>
		<category><![CDATA[Wartungsarbeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Langsam zieht Routine in die Arbeit der Neuankömmlinge auf der ISS ein. Außerdem wurden mit einem &#8222;internen&#8220; Ausstieg die Vorbereitungsarbeiten für die Ankunft eines kleinen Forschungs-, Ausstiegs- und Kopplungsmoduls im November weitgehend abgeschlossen. Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA. Zu den Routineexperimenten gehört eine ganze Reihe medizinischer Untersuchungen. So werden Puls, Blutdruck, mitunter auch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Langsam zieht Routine in die Arbeit der Neuankömmlinge auf der ISS ein. Außerdem wurden mit einem &#8222;internen&#8220; Ausstieg die Vorbereitungsarbeiten für die Ankunft eines kleinen Forschungs-, Ausstiegs- und Kopplungsmoduls im November weitgehend abgeschlossen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/14062009140756_small_1.jpg" alt="NASA" width="362" height="285"/><figcaption>
Frank de Winne schaut durch eine Isolationsbrille auf den Bildschirm eines Laptops (Experiment BISE = Bodies in the Space Environment) 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Routineexperimenten gehört eine ganze Reihe medizinischer Untersuchungen. So werden Puls, Blutdruck, mitunter auch Herz- und Lungenfunktionen in Ruhe oder bei Belastung gemessen. Im Rahmen von Integrated Cardiovascular wurden auch Ultraschallbilder vom arbeitenden Herzen gemacht. Über Urin-, Speichel- und Blutproben (Experiment Nutrition) lassen sich Erkenntnisse über Veränderungen der Knochenmasse und der Wirksamkeit dagegen eingenommener Medikamente ableiten. Eine &#8222;anstrengende&#8220; Untersuchung musste Roman Romanenko erstmals über sich ergehen lassen. Während einer anderthalbstündigen Phase (Experiment Pnevmokard), die er ohne Bewegungen oder Unterhaltung in völliger Ruhe zubringen musste, wurden EKG, Puls, Blutdruck, Durchblutung, elektrischer Widerstand oder Atemfrequenz gemessen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Frank de Winne und Robert Thirsk hingegen beschäftigten sich im Rahmen eines monatlichen Gesundheitschecks (PFE) u. a. mit mit einem Belastungs-EKG, Koichi Wakata trug am 11. und 12. Juni Sensoren und Aufzeichnungsgerät für ein 24-Stunden-Langzeit-EKG (Experiment BIORHYTHM). Ebenfalls Bestandteil des medizinischen Programms waren Hörtests, das Ausfüllen von Fragebögen zur Ernährung (FFQ), zur Interaktion in der Station und mit Bodenstellen (Wsaimodeistwije) sowie zur Erfassung von Veränderungen kognitiver Leistungen bei Langzeitaufenthalten im Weltraum (WinSCAT, BISE) und zu Auswirkungen wechselnder Lichtbedingungen auf den Tag-Nacht-Rhythmus (SLEEP). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. und 9. Juni wurde Dextre, der Special Purpose Dexterous Manipulator (SPDM), von der Erde aus gesteuert mittels Space Station Remote Manipulator System (SSRMS) vom Mobile Service System PDGF 2 an die Außenseite des US-Labors Destiny verlegt. Der Stationsmanipulator selbst wurde an der Power &amp; Data Grapple Fixture (PDGF) am Modul Harmony stationiert. Von hier aus wird der Canadarm 2 während der Mission STS 127 operieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 10. Juni absolvierten Gennadi Padalka und Michael Barratt ihren zweiten Ausstieg, der eigentlich keiner war. Sie wechselten im Kopfteil des Swesda-Moduls einen Lukendeckel gegen einen Kopplungskonus. Dadurch wird das Andocken eines speziellen Progress-Frachters möglich, der im November ein neues Modul zur Internationalen Raumstation bringen soll. Wir <a class="a" href="https://www.raumfahrer.net/kurzer-einsatz-im-luftleeren-modulteil/" data-wpel-link="internal">berichteten</a> darüber.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/14062009140756_small_2.jpg" alt="NASA" width="392" height="310"/><figcaption>
Der silzilianische Vulkan Ätna. 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenstand von Erdbeobachtungen (Crew Earth Observation, Uragan, Ekon und Seiner) waren in dieser Woche u. a. Aral- und Issyk-kul-See (Usbekistan bzw. Kirgisistan), der Ätna (Italien), das Terski-Hochland zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer (Russland), die Städte Sewastopol (Ukraine), Madrid, Istanbul, die Inseln Madeira, Galapagos und Darwin, Fischfanggebiete an der Nordwestküste von Afrika sowie die Raumfahrtstartplätze Baikonur und Cape Canaveral. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Amateurfunkkontakt bestand zu Bildungseinrichtungen in Japan, China und Belgien. Padalka und Romanenko wurden außerdem vom chinesischen Fernsehen CCTV interviewt. Dabei ging es um die Vorbereitung einer Fernsehsendung anlässlich des 60. Jahrestages der Unterzeichnung eines Freundschaftsabkommens zwischen China und der damaligen Sowjetunion am 14. Februar 1950. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Koichi Wakata absolvierte den dritten Teil der Experimentierreihe &#8222;Try Zero G&#8220;. Hierfür waren von interessierten Japanern verschiedene Experimente vorgeschlagen worden, darunter auch das Fliegen auf einem Teppich in der Schwerelosigkeit. Diesmal ging es aber um Gemeinsamkeinkeiten und Unterschiede bei verschiedenen Situationen mit und ohne Ventilatoren. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/14062009140756_small_3.jpg" alt="NASA" width="361" height="284"/><figcaption>
Das Laufband der Station muss repariert werden. Anstatt die Bewegungen der Raumfahrer beim Training zu dämpfen, schaukelt es diese unter bestimmten Bedingungen hoch. 
<br>
(Bild: NASA)
</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Reparatur- und Wartungsarbeiten wurden vor allem an Sportgeräten, am amerikanischen Sauerstoffgenerator und an allen Lebenserhaltungssystemen der Station vorgenommen. Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit der Nachbereitung des &#8222;internen Ausstiegs&#8220; vom 10. Juni sowie der Vorbereitung der Ausstiege der Endeavour-Crew, vor allem dem Aufladen von Batterien, dem Bereitlegen von Werkzeugen und der Überprüfung der Funktionsfähigkeit. Die Luke zum an Pirs angekoppelten Progress-Frachter wurde wieder geöffnet, das Raumschiff weitgehend deaktiviert und wieder an die Steuerung, Stromversorgung und Wärmeregulierung der Station angeschlossen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings wird die Mission STS 127 aufgrund eines Lecks an einer Wasserstoffabsaugvorrichtung zumindest um mehrere Tage <a class="a" href="https://www.raumfahrer.net/endeavour-start-verschoben/" data-wpel-link="internal">verschoben</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Raumcon:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3793.msg101605#msg101605" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">ISS-Hauptthema (ab 7. Juni)</a></li><li><a class="a" href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3711.msg101821#msg101821" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">ISS &#8211; russisches Segment (ab 10. Juni)</a></li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sojus Descent Training</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sojus-descent-training/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Kamera]]></category>
		<category><![CDATA[Medizincheck]]></category>
		<category><![CDATA[Trainingsprogramm]]></category>
		<category><![CDATA[Wiedereintritt]]></category>
		<category><![CDATA[Zentrifuge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://test-portal.raumfahrer.net/?p=75276</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zentrifuge &#8211; Sojus Descent Training &#8211; oder: mehr als nur im Kreis fahren! In diesem Bericht erzählt Andreas P. Bergweiler exklusiv für Raumfahrer.net von seinen Erlebnissen während eines Kosmonauten-Trainings in Russland. Autor: Raumfahrer.net Redaktion. Wenn Sie weitere Informationen zu Andreas Bergweiler und seinem Weg zur ISS lesen möchten: Auf der Internet-Seite space-affairs.com können Sie sein [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Zentrifuge &#8211; Sojus Descent Training &#8211; oder: mehr als nur im Kreis fahren!</p>



<h4 class="wp-block-heading">In diesem Bericht erzählt Andreas P. Bergweiler exklusiv für Raumfahrer.net von seinen Erlebnissen während eines Kosmonauten-Trainings in Russland.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Autor: <a href="https://www.raumfahrer.net/redaktion/" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net Redaktion</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie weitere Informationen zu Andreas Bergweiler und seinem Weg zur ISS lesen möchten: Auf der Internet-Seite <a href="https://www.space-affairs.com/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">space-affairs.com</a> können Sie sein Tagebuch über das <em>Sea Survival Training for Cosmonauts</em> lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Text: © Andreas P. Bergweiler (<a rel="noreferrer noopener follow" href="https://space-affairs.com/de" target="_blank" data-wpel-link="external">Space-odyssey.com</a>)</em></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri1.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auf meiner neuesten Reise nach Russland hatte ich nicht nur das Bedürfnis, 38 Jahre Erdschwerkraft zu überwinden. Ich wollte auch das andere Extrem spüren lernen, welches ich schon beim Aufstieg der Ilyushin 76 zur Parabel gespürt hatte: Beschleunigungskräfte, sogenannte G-Forces, die auf einem lasten und manche Bewegungen schier unmöglich machen. Also begab ich mich am Morgen des 04.09.2003 in einen berühmten Komplex im GCTC (Gagarin Training Cosmonaut Centre), die Zentrifuge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zentrifuge wurde durch eine schwedische Spezialfirma gebaut und zählte bis vor kurzem zu den größten der Welt. In ihr lassen sich Beschleunigungskräfte aufbauen, die jenseits von 30 G liegen! Stellen Sie sich vor: Sie wiegen auf der Erde 80 Kilogramm (um bei unserem Beispiel vom Parabelflug zu bleiben). Es ist zwar nicht möglich, einem Menschen mit einer solchen Belastung zu konfrontieren, aber dies ist ja auch nur ein Gedankenspiel. Bei einem Gewicht von 80 Kilogramm würden Sie in der Zentrifuge bei 30 G 2.400 Kilogramm wiegen! (80kg x 30G = 2.400 Kilogramm). Fast zweieinhalb Tonnen! Sie können sich vielleicht vorstellen, dass dies kein Mensch überleben würde. Aber kommen wir zum nächsten Schritt in der Sache &#8222;How to feel like a Cosmonaut!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>11.00 Uhr:</strong><br>Mit, zugegeben, etwas &#8222;weichen&#8220; Knien betrete ich den Vorraum der Zentrifuge und werde dann in einen Raum geführt, wo mich eine Ärztin erwartet. &#8222;Oberkörper frei&#8220; meint sie in Russisch und ich folge auf ihren Ton. Sie legt mir Elektroden an, die meine Herztätigkeit, Atmung, Blutdruck und Puls während der Fahrt mit der Zentrifuge messen werden. Sie sprüht mir Alkohol auf die Haut, dieser ist sehr kalt. Grosse &#8222;Mitleidsbekundungen&#8220; von ihrer Seite gibt es nicht, ich bemerke wieder, dass ich hier unter Professionellen bin, die wissen was sie tun. Nach 10 Minuten sitzen die Elektroden richtig und ich kann mich wieder anziehen. In meinen Gedanken bin ich in der Zeit, als ich die Zentrifuge zum ersten mal live gesehen habe, bei einer Kurzbesichtigung vor meinem Trip zum Water Survival Training in Sochi im September 2001. Damals lief ich unter der Zentrifuge mit Michael Schultz, meinem Begleiter, hindurch und war fasziniert von der Größe der Halle und der Zentrifuge. Damals hätte ich niemals zu träumen gewagt, eines Tages auch einmal mit dieser Zentrifuge zu fahren.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri3.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">An Raumfahrern wird hier getestet, ob sie die Beschleunigungskräfte aushalten, die beim Start und insbesondere beim Wiedereintritt in die Atmosphäre mit der <em>Soyuz</em>-Kapsel auftreten. Beim Start beträgt die G-Force ca. 3,2 G über eine Dauer von sieben Minuten, (unterbrochen von kurzzeitigem Änderungen der Kräfte während der Stufenabtrennung) beim Wiedereintritt zwischen 3,2 und 4,5 G. Nur in Ausnahmesituationen wird die Stärke dieser Kräfte überschritten. Es ist in der Geschichte der russischen Raumfahrt nur insgesamt dreimal vorgekommen, dass die Raumfahrer höheren Belastungen ausgesetzt waren. Erst jüngst in der Geschichte: der Rückflug der ISS-Besatzung 6 mit dem funkelnagelneuen <em>Soyuz-TMA</em> Raumschiff: Ihre Rückflugbahn war nicht optimal, und sie stürzten in einer ballistischen Rückkehrflugbahn der Erde entgegen. Dabei wurden Kräfte aufgebaut, die teilweise bei 9 &#8211; 10 G gelegen haben müssen. Zum Vergleich: Beim amerikanischen <em>Space Shuttle</em> treten sowohl beim Start als auch bei der Landung max. 4 G auf. Dies hat natürlich etwas mit der Konzeption der Raumschiffe zu tun, ist der <em>Space Shuttle</em> eher ein Gleiter, ist die russische <em>Soyuz</em>-Kapsel eine konische Tonne, die von 28.000 Stundenkilometern auf knapp 600 Stundenkilometer abgebremst wird, wenn sie sieben Minuten lang in einer Hülle aus ionisiertem Gas durch die Atmosphäre rast. Ist die Rückkehrkurve optimal, treten an der Aussenhaut Temperaturen jenseits von 1.800 Grad Celsius auf, der Hitzeschild brennt fast vollkommen ab und die Kosmonauten an Bord der <em>Soyuz</em> können durch diue Fenster sehen, wenn am Raumschiff ihre Außenhaut abgeschweißt wird! Aber, die Vergangenheit hat defintiv gezeigt: eine sehr sichere, wenn auch sehr anstrengende Rückreise zur Erde. Aber ich denke, eine solche Reise kann ja nun mal auch nicht mit einem Ausflug nach Teneriffa oder Mallorca verglichen werden, die sie in jedem Reisebüro für wenige Euro buchen können!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück aus dem Bereich &#8222;Ausflug in die Technik&#8220; zur Zentrifuge: Nachdem ich den ärztlichen Check über mich habe ergehen lassen, werde ich von Personal zum Zentrifugen-Federsessel geführt, der eher wie ein elektrischer Stuhl aussieht. Ich komme mir vor, als hätte mein letztes Stündlein geschlagen und befände mich auf dem Weg zur Vollstreckung des Urteils. Quatsch, Andreas &#8211; reiße ich mich zusammen, absolut unnötig dieser Vergleich.<br>Ich setze mich auf einem Schemel und ziehe Fußschoner über. Dann setze ich mich nach hinten in den Sitz, der der dem in einer <em>Soyouz</em>-Kapsel gleicht. Ich muss jedoch an dieser Stelle bemerken, dass dieser Sitz wesentlich bequemer ist. Der Sitz in einer <em>Soyouz</em> ähnelt eher einer &#8222;Sitzwanne&#8220;. Ist jedoch nicht unbequem, wenn man die richtige Sitzposition gefunden hat. Ausserdem ist es die beste Sitzposition, um die Kräfte, die beim Start und bei der Landung auftreten, verteilen zu können. Hautsächlich wirken sie auf Rücken und Brust, einen sehr stabilen und dennoch flexiblen Bereich des menschlichen Körpers.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri5.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich die richtige Sitzposition eingenommen habe, wird meine medizinsiche Verkabelung mit dem Sitz befestigt, so dass die Ärtze im Raum weiter oben sofort meinen Herzschlag und mein weiteres Wohlbefinden beobachten können. Ich fühle mich nicht mehr aufgeregt und lasse die Dinge auf mich zukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Techniker und ein Arzt betreuen mich und schnallen mich richtig fest, so dass ich mich kaum bewegen kann. Eine zu lockere Sitzpostion hätte viele blaue Flecken zur Folge, genauso eine zu feste. Wichtig ist, dass ich nichts Festes in den Taschen meiner Overalls habe, was mir während der Fahrt Blessuren zufügen könnte. Also mache ich meine Taschen leer, so dass ich wirklich sicher sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>11.30 Uhr</strong><br>Der Sitz wird auf einem Fahrgestell in Richtung der Luke der Zentrifuge geschoben. Von meiner Sitzposition sieht sie eher aus wie das Maul eines Ungeheuers, welches nur auf eine Mahlzeit wartet. Mein Sitz wird in die richtige Höhe gebracht und auf einem Schlitten in die Zentrifuge manöveriert. Messinstrumente und Arretierungen werden befestigt, ich sehe einige Köpfe über mir, auch von Thomas Kraus, meinem Begleiter, der Fotos macht. Alle lächeln mir zu, ich muss wohl tatsächlich aussehen, als würde ich auf eine Reise gehen, von der ich nicht wiederkehre.<br>Ich blicke mich in der Zentrifuge um. Es können zwei Kosmonauten zur gleichen Zeit geprüft werden, links neben mir befindet sich noch eine Luke mit einem Schlitten, der jedoch leer ist. Weiterhin bemerke ich vor meinen Augen in ungefähr 30 Zentimetern Höhe ein Kreuz. Irgendwie komme ich mir jetzt schon vor, als würde ich auf eine Reise zu den Sternen gehen und bemerke den ungeheuren Aufwand, der notwendig ist, einen Menschen auf eine solche Reise zu schicken. Der Mensch hat im Laufe der letzten hundert Jahre einiges hinzugelernt: Sei es zu fliegen mit Motorkraft (Gebrüder Wright, Kitty Hawk/USA 1903) oder sei es der erste Mensch im All (Juri Gagarin, 12. April 1961). Die Technik hat sich verfeinert, die Methoden sind teilweise wohl angenehmer geworden, aber die Art hat sich nicht geändert. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, und dies macht eine bemannte Raumfahrt auch so teuer, schließlich will man einen Menschen oder gleich mehrere nicht nur nach oben schicken, sondern auch, dass sie heil wieder runterkommen!</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri4.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach weiteren fünf Minuten wird die Luke hinter mir geschlossen und ich bin alleine. Stille macht sich breit und ich höre ein elektrisches Summen. Die Gangway wird zurückgefahren und mir kommt der Film &#8222;Contact&#8220; mit Jodie Foster in den Sinn, als sie als Astronomin Elenor Arroway auf die Reise zu den Sternen geht, jedoch recht weit von der Erde weg, um den ersten Kontakt mit einer ausserirdischen Kultur herzustellen, die sie an den Rand ihres Seins führt. Wie die Bilder sich gleichen, denke ich!<br>Der Lautsprecher erwacht: &#8222;Hallo Andreas, hier ist Zorja&#8220;, sagt meine deutsche Übersetzerin. &#8222;Wir sind hier alle im Kontrollraum und können Sie sehen auf dem Monitor. Sie sehen wie ein Held aus!&#8220;<br>Gut, dass das TV-Bild nur schwarz-weiß ist, denke ich, denn ansonsten könnte man sehen, dass ich eine etwas rötere Gesichtsfarbe bekomme. &#8222;Hallo an alle&#8220; sage ich verlegen und grinse in das Auge der Kamera. Wieder fällt mir ein Film ein: 2001- A Space Odyssey. Das Auge des Computers HAL 9000. Genauso sieht dieses Kameraauge aus, aber binnen Sekunden habe ich meinem Geist die Möglichkeit gegeben, diese Kamera einfach zu vergessen. Ich fühle mich alleine und höre in meinem Kopf einen Countdown.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas setzt sich in Bewegung. Die Zentrifugenkuppel wird in eine andere Positin gefahren, so dass ich nun wirklich nicht mehr liege, sondern tatsächlich sitze. Dann, nach kurzer Zeit, setzt sie sich in Bewegung. Zuerst langsam. Ich kann es noch nicht einschätzen, wie schnell sie sich bewegt, urplötzlich höre ich die Stimme &#8222;1G&#8220; aus dem Lautsprecher. Hmm, &#8211; denke ich, das bekommst Du ja gar nicht mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;2G&#8220; höre ich aus dem Lautsprecher. Hmm, denke ich wiederrum, gestern beim Ansteigen während der Parabel habe ich mich schwerer gefühlt. Ich merke, wie die Zentrifuge rotiert, versuche zu erahnen, wie schnell. Es gelingt mir jedoch nicht. &#8222;3G&#8220; sagt Zorya über den Lautsprecher und ich fühle, wie die Schwere sich meiner bemächtigt. Als erstes bemerkt man es am Atmen. Das Atmen wird schwerer und man muss sich mehr anstrengen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri10.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Geht es Dir gut?&#8220;, fragt mich eine Stimme im Lautsprecher. &#8222;Are you feeling allright?&#8220; &#8222;Yes. I´m feeling very good!&#8220; sage ich zurück, und das ist noch nicht einmal gelogen. Ich rolle mit den Augen und bewege den Kopf ein wenig nach links und rechts, um ein wenig Gefühl für die veränderten Kräfte zu bekommen. Ich bemerke, wie sich mein Augeninnendruck erhöht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Look at the cross!&#8220; sagt der Arzt, dessen Stimme ich erkenne. Ich konzentriere mich und fixiere mit meinen Augen das Kreuz, welches sich in 30 Zentimetern Entfernung vor meinen Augen befindet. Meine Augen bleiben ruhig und fangen nicht an zu zittern. Das bemerke ich sofort, habe ich doch in Büchern von Astronauten gelesen, dass so die Bewegung der Augen kontrolliert wird, um später während des Raumfluges zu kontrollieren, dass man die richtigen Anzeigeinstrumente und die richtigen Knöpfe im Auge hat. Zittert das Auge, kommt es zu Doppelbildern, und somit zu Fehleinschätzungen. Menschen, die damit ein Problem haben, sind für einen Raumflug nicht geeignet, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;4G&#8220; höre ich die Stimme wieder sagen. So, denke ich. Da bin ich also unterwegs in der Zentrifuge, festgeschnallt im Federsessel. Eine kleine &#8222;Space Odyssey&#8220;. Noch habe ich die Erde nicht verlassen, denke aber, es könnte auch jetzt gleich passieren. Ich fühle mich gut und die Fahrt mit der Zentrifuge geht weiter. Das Gewicht auf meiner Brust wird immer größer, und ich beginne mehr über den Bauch zu atmen (Bauchatmung), weil die Muskulatur des Brustkorbes nun mehr Kraft aufwenden muss.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri9.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Versuchen Sie in die Kamera zu winken!&#8220; höre ich Zorya sagen. Und ich versuche es. Mein Gott, ich werde schwerer und schwerer, und jetzt soll ich auch noch in die Kamera winken? In der linken Hand halte ich einen Joystick fest. Ich halte mit den Fingern einen Knopf gedrückt, dieser Knopf gibt mir die Sicherheit, die Zentrifugenfahrt jederzeit unterbrechen zu können, wenn es mir zuviel wird. Loslassen ist unter diesen G-Kräften einfacher als drücken und somit müsste man nur den Joystick loslassen und die Fahrt würde aufhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rotiere weiter, die Kraft steigt weiter an. Ich fühle mich gut und schaffe es, meine rechte Hand so hoch zu heben, dass die Kamera sie erfasst. Ich winke in die Kamera und grinse wahrscheinlich sehr dämlich, aber dies ist mir in dem Fall egal. Sie kennen bestimmt Filme, wo Helden mit G-Kräften konfrontiert werden. Alles verzieht sich, und Sie erkennen sich in einem solchen Fall nicht wieder. Die Haut auf den Wangen wird nach hinten gezogen, sie kommen sich vor, als würde Ihnen jemand Tesafilm-Streifen auf die Wangen kleben und auf die Stirn, und dann kräftig nach hinten ziehen. Die Höchstbelastung an diesem Tag liegt bei 7.5 G. Dies ist schon eine Extrem-Situation in der Raumfahrt. In den Anfangstagen der Raumfahrt war die Höchstbelastung jedoch normal. Die damaligen Testpiloten mussten im Training G-Kräfte widerstehen, die jenseits von 10 G lagen. So erreichte z.B. Alan B. Shepard, der erste Amerikaner im All beim Rücksturz mit seiner <em>Mercury</em>-Kapsel fast 14 G. Eine immense Belastung für den Astronauten, wenn dies auch nur für Sekunden anhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach sieben Minuten endet die Fahrt. Die Kräfte gehen wieder langsam herunter und ich höre eine Stimme im Lautsprecher. &#8222;So, jetzt geht die Fahrt wieder runter. 4 G &#8211; 3 G &#8211; 2 G &#8211; 1 G!&#8220;<br>Dann stoppt die Zentrifuge, die Kapsel wird wieder in eine steilere Position gestellt, so dass ich wieder liege. Die Fahrt ist zu Ende, es kommt mir so vor, als wäre nur eine Minute vergangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich höre, wie die Gangway rangefahren wird und an die Kapsel schlägt. Kurz darauf wird die Luke wieder geöffnet und ich sehe den betreuenden Arzt, der sagt: &#8222;Welcome on Earth, Earthling!&#8220;.<br>Ich muss lachen. Dann schieben sie mich aus der Zentrifuge hinaus und viele andere stehen um mich rum und grinsen mich an. Thomas sagt: &#8222;Das sah einfach Klasse aus! Du auf dem Monitor!&#8220; &#8222;Ja danke&#8220;, meine ich zu ihm, &#8222;ich kann ja die nächste Rolle von Bruce Willis in Armageddon 2 freiwillig übernehmen!&#8220;</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/centri11.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sitz wird zurückgerollt, dann werde ich befreit und stehe auf. Komischerweise schwanke ich nicht und habe die vollkommene Kontrolle über mich und meinen Gleichgewichtssinn. Gut, man merkt schon, dass man sich in einer hohen Belastung befunden hat, und ich weiß auch, dass ich einen Tag später definitiv Muskelkater haben werde, aber was macht schon so ein bisschen Muskelkater! Nichts. Muskelkater ist uninteressant, wenn man sich auf einer solchen Reise, wenn auch nicht lange, befunden hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fahrt mit der Zentrifuge hat mich wieder einen Schritt weitergebracht. Vielleicht werden mich diese Dinge wirklich zu den Sternen bringen. Ich habe mir es auf jeden Fall fest vorgenommen und auch die Ärzte und Psychologen bestätigen mir: &#8222;You have the Right Stuff!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In zwei Tagen entgegengesetzte Kräfte zu spüren: an einem Tag die Schwerelosigkeit, vollkommen frei im Raum schwebend, am nächsten Tag fest in den Sitz gepresst mit voller Beschleunigungskraft. Ein wahrhaft aussergewöhnliches Erlebnis. Und das Schöne dabei ist: wenn ich auf den Jahrmarkt gehe, bekommt mich keiner in eine Achterbahn oder in ein Extrem-Have-Fun-Teil. Aber, es ist eine Kopf-Sache! Alles spielt sich im Kopf ab. Sicherlich muss man Vertrauen haben in die, die einen betreuen. Man muss vertrauen haben in die Technik, ansonsten kann man sich nicht auf eine Reise vorbereiten, die einen in höhere Sphähren bringen wird. Defintiv nicht!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie überwinde ich 38 Jahre Schwerkraft?</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/wie-ueberwinde-ich-38-jahre-schwerkraft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Flugzeug]]></category>
		<category><![CDATA[Medizincheck]]></category>
		<category><![CDATA[Parabelflüge]]></category>
		<category><![CDATA[Schwerelosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Training]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In diesem Bericht erzählt Andreas P. Bergweiler exklusiv für Raumfahrer.net von seinen Erlebnissen auf einem Parabelflug während eines Kosmonauten-Trainings in Russland. Autor: Raumfahrer.net Redaktion. Wenn Sie weitere Informationen zu Andreas Bergweiler und seinem Weg zur ISS lesen möchten: Auf der Internet-Seite space-affairs.com können Sie sein Tagebuch über das Sea Survival Training for Cosmonauts lesen. Text: [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">In diesem Bericht erzählt Andreas P. Bergweiler exklusiv für Raumfahrer.net von seinen Erlebnissen auf einem Parabelflug während eines Kosmonauten-Trainings in Russland.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Autor: <a href="https://www.raumfahrer.net/redaktion/" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net Redaktion</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie weitere Informationen zu Andreas Bergweiler und seinem Weg zur ISS lesen möchten: Auf der Internet-Seite <a href="https://www.space-affairs.com/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">space-affairs.com</a> können Sie sein Tagebuch über das <em>Sea Survival Training for Cosmonauts</em> lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Text: © Andreas P. Bergweiler (<a href="https://space-affairs.com/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">Space-odyssey.com</a>)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach fast zwei Jahren &#8222;Abstinenz&#8220; vom Kosmonautentraining beginne ich mit meiner Reise erneut am 03.09.2003 indem ich mit der Lufthansa wieder nach Moskau fliege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich im Flugzeug sitze, habe ich die Gedanken im Kopf, die ich damals am 12.09.2001 hatte, als ich zu meinem ersten Abenteuer aufbrach, dem &#8222;Sea Survival Training for Cosmonauts&#8220;.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zerog5.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Damals war es die erste Reise in Richtung Moskau, mittlerweile ist es die dritte. Anfang Juni diesen Jahres war ich auch über Pfingsten in Moskau, um einige vorbereitende Dinge zu klären für den Parabelflug und ich habe einige Gespräche mit Igor Rudyaev, dem <em>Foreign Economic Deputy</em> von Star City führen können. Im Laufe der Zeit ist Igor ein sehr guter Freund geworden, den ich sehr gern mag. Im Juli 2002 war er auf einem Kurzbesuch in Deutschland und besuchte mich in Waldesch, und dieser Besuch hat unsere Freundschaft vertiefen können, als er während einer Geburtstagsfeier meine gesamte Familie kennen lernte. Wir saßen bis halb sechs Uhr morgens auf der Terasse und fachsimpelten. Wie ich diesen Abend überstehen konnte, weiß ich heute nicht mehr, hatte er doch nachmittags bei seiner Ankunft eine gute Flasche russischen Wodkas als Gastgeschenk mitgebracht, die wir in zwei Stunden leerten. Normalerweise wollte abends er wieder zu seinem Hotel in Frankfurt fahren, jedoch war das auch gesundheitlichen Gründen nicht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend des 03.09. bekommt die Gruppe, mit der ich auf den Parabelflug gehe, einen kurzen medizinischen Check-Up und die mitgebrachten medizinischen Atteste werden durch den Medical-Service überprüft. Für einen Parabelflug sollte man sich in einem normalen körperlichen Gesundheitszustand befinden. Bluthochdruck und erhöhter Pulsschlag sind nicht lebensbedrohlich wenn sie nicht einen Wert von 160/100 RR übersteigen, höher sollten sie jedoch nicht sein. Auch ist erforderlich, dass eine gründliche ärtzliche Voruntersuchung in Deutschland erfolgt ist, wo auch psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden, wie z.B. Schizophrenie und Klaustrophobie. Stellen Sie sich einmal vor, wenn sie es in einem Fahrstuhl schon nicht aushalten, wie Sie sich an Bord einer <em>Ilyushin</em> fühlen, die keine Fenster hat und sie wissen nicht genau, wo Sie sich befinden!</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zerog3.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem medizinischen Check bekommen wir eine Einweisung, was ein Parabelflug bedeutet. Eine Videopräsentation zeigt eindrucksvolle Bilder von vorangegangenen Parabelflügen. Ich staune, als ich ein sehr bekanntes Gesicht aus der Formel-1 auf dem Bildschirm sehe, David Coulthard dreht sich in der <em>Ilyushin</em> um seine eigene Achse, einige Einstellungen später wird gezeigt, wie er in seinem Silberpfeil sitzt und dieser während der Parabel in Schwerelosigkeit versucht, sich selbstständig zu machen, wäre er nicht mit Seilen so arretiert, dass er nicht bis an die Decke schweben kann!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bilder des Kosmonautentrainings werden gezeigt, und einige Mitglieder der Gruppe sitzen dort in der Runde im dunklen Raum mit offenem Mund. Winter-Training, <em>Water-Survival Training</em>, <em>Desert-Training</em>, <em>Jet-Training</em> und <em>Mission Training</em>. Die russische Raumfahrt hat sich im Laufe der letzten Jahre an die neuen internationalen Gepflogenheiten der Kosmonautik angepasst: inhaltlich wird noch das selbe Training vollzogen wie in den 70er Jahren, wenn auch mit modernerer Technik. Jedoch befinden sich mittlerweile internationale Astronauten in Star City, die die zukünftigen Besatzungen der Internationalen Raumstation bilden oder auch auf zukünftigen Shuttle-Missionen Module andocken werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Videopräsentation stellt sich der Leiter des Parabelflugteams vor, sein Name ist Boris. Er ist der Chefinstruktor, und er erläutert in knappen Worten, welche Sicherheitsbedingungen vor, während und nach dem Flug eingehalten werden müssen. Ein anderer Instruktor erklärt das Verhalten während der Schwerelosigkeit und ich fühle mich sofort wieder zurückversetzt in mein Training in Sochi. Wenn man solch einen Weg beschreitet, wie ich ihn versuche zu gehen, muss man lernen, seinen Kopf frei zu bekommen und die &#8222;Angst&#8220; zu unterdrücken. Man muss sich gehen lassen können, denn die Instruktoren verlangen viel von einem. Man muss wissen, warum man nach rechts gehen muss, wenn sie sagen: &#8222;Geh nach rechts!&#8220;. Eine gute Teambereitschaft ist schon mal eine angenehme Ausgangssituation, wenn man sich anschickt, zu den Sternen aufzubrechen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Chefmediziner des Parabelflugtrainings betritt den Raum und erklärt ungefähr eine Viertelstunde lang die medizinischen Auswirkungen des Parabelflugs. Als sehr unangenehm wird von den meisten Teilnehmern der Steigflug empfunden: wenn die Maschine sich auf einer Flughöhe von 6.000 Meter befindet und sie mit ihrem Steigflug beginnt: im 45 Grad Winkel steigt sie mit Vollgas in Richtung 10.000 Meter Marke. Durch die Beschleunigung wird an Bord alles zweimal schwerer! Wiegen sie z.B. am Boden 80 Kilogramm, so wiegen Sie während des Steigfluges 160 KG!</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zerog2.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann mir dieses Gefühl schwer vorstellen an diesem Abend. Sicherlich kenne ich diese Gefühle vom Achterbahnfahren wie viele andere auch, nur ist es eben nicht so wie auf der Achterbahn. Während sich bei der Achterbahn sämtliche Effekte nur innerhalb von wenigen Sekunden abspielen, dauert der Steigflug mehrere Minuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin müde und blicke auf die Uhr. Ein sehr langer Tag neigt sich seinem Ende entgegen. Alle sind müde und wollen nur noch ins Bett. Der Arzt sagt, dass es besser ist, nicht mehr als 8 Stunden Schlaf vor einem Parabelflug zu haben und nicht weniger als 6 Stunden. Ich blicke auf meine Uhr und sehe, das ich gerade noch 7 Stunden schaffen könnte, wenn ich mich anstrenge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stunde später liege ich im Hotelzimmer auf dem Bett und in meinem Kopf befinden sich sehr viele Gedanken über Kosmonauten und Training. Einerseits bin ich müde, andererseits bin ich total aufgekratzt in Erwartung des Parabelfluges am nächsten Morgen. Irgendwann gegen ein Uhr morgens schlafe ich ein, und ich träume vom Fliegen &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>04.09.2003 &#8211; What goes up, must come down!</strong><br>Gegen sieben Uhr rappelt mein Handy und ich nehme eine lange warme Dusche. Das Wetter in Russland sieht ganz gut aus, als ich aus dem Fenster blicke. Kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen und es sieht so aus, als würde es ein hervorragender Tag werden. Nach der Dusche lege ich meinen Flightdress an, einen selbstbesorgten Original US-Navy-Fighter Overall, ein seltenes Stück Stoff in Deutschland. Er ist feuerresistent, jedoch sehr angenehm zu tragen. Es ist die Sommerausführung, im Winter würde ich mir in ihm wohl den Hintern abfrieren. Nachdem ich meine persönlichen Dinge geregelt habe, treffe ich mich mit der Gruppe und ein Bus bringt uns zur Einfahrt von Star City, wo schon die Crew der <em>Ilyushin 76 MDK</em> auf uns wartet. Von weitem erkenne ich schon Igor, es freut mich, dass er da ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer kurzen Begrüßung ziehen die ersten &#8222;Wölkchen&#8220; am Himmel auf und ich beginne zu &#8222;beten&#8220;, dass das Wetter halten soll. Denn es wäre fatal, wenn der Parabelflug wegen einem Wetterproblem nicht statt finden könnte. Nebenbei bemerkt gibt es nur drei Möglichkeiten, dass ein Parabelflug nicht starten kann: entweder technische Defekte am Flugzeug, Wetterprobleme oder gesundheitliche Probleme. Ich erfahre an diesem Morgen, dass es in der 35-jährigen Geschichte der russischen Raumfahrt nur sehr selten vorgekommen ist, dass ein Parabelflug nicht gestartet oder abgebrochen worden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem kurzen Smalltalk mit Boris und Igor sitze ich im Bus, der uns zum nahegelegenen militärischen Flugplatz bringt. Nach einer kurzen Einlasskontrolle bewegt sich der Bus über das Flugfeld und ich bemerke sehr viele Flugzeuge, die auf den Rollfeldern stehen: <em>Antonov´s AH 124</em>, <em>Ilyushin 86</em>, mehrere Turbopropflugzeuge. Nach fünf Minuten weiterer Fahrt hält der Bus an und wir steigen aus. Vor uns, die <em>Ilyusin 76 MDK</em>. Sie ist ein Spezialflugzeug und eignet sich sowohl für Parabelflüge mit &#8222;lebenden Objekten&#8220; als auch für Laborflüge, in denen das Verhalten von Flüssigkeiten oder Kristallen oder anderen Materialien überprüft werden kann.<br>Ich betrachte mir die Maschine. Sie sieht sehr gut in Schuss aus. Von der russischen Technik ist der Westen nicht immer begeistert, einige russische Maschinen sind in Europa erst gar nicht zugelassen, entweder aus Lautstärkegründen, aus Emissionsgründen oder aus technischen Gründen.<br>Ich gehe um die Maschine herum, mache einige Fotos und betrachte mir das Fahrwerk. Das Profil sieht recht gut aus, denke ich, dann bekommen wir die Anweisung, uns ins Innere des Flugzeugs zu begeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich in die Maschine komme, bin ich überrascht, so groß sieht sie von außen gar nicht aus. Ein ungefähr 20 bis 30 Meter langer Innenraum zeigt sich, ca. fünf Meter breit, vier Meter hoch. Er ist gut ausgepolstert am Boden und der Decke, direkt hinter dem Eingang befindet sich das Kommandopult der Instruktoren. Hier werden medizinische Daten erfasst und die Bewegungen und Übungen koordiniert.<br>Ich sehe einen russischen Offizier mit der berühmten großen Schirmmütze. Irgendwie kommt mir der Offizier bekannt vor, dann erkenne ich ihn: Es war mein &#8222;Chefarzt&#8220; während des Überlebenstrainings in Sochi. Ich begrüße ihn, er erkennt mich und wir geben uns die Hand. Leider habe ich seinen Namen vergessen, später erfahre ich, das er auch Juri heißt! Ich kenne mittlerweile soviele Juris, dass ich sie manchmal gar nicht auseinanderhalten kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder heißt es: kurzer medizinischer Check. Blutdruck und Puls werden gemessen und der Arzt fragt nach meinem Wohlbefinden. Mein Blutdruck ist an diesem Morgen mehr als in Ordnung und ich fühle mich sehr gut. Nachdem der Routinecheck vollzogen ist, schaue ich mir die Maschine etwas genauer an. Die <em>Ilyushin</em> ist ein Transportflugzeug, ich erkenne den Hubkran, auf dem 2.800 Kilogramm steht. Ich gehe in Richtung Cockpit, komme aber nicht weit, weil ich von einem Besatzungsmitglied nicht durchgelassen werde. Okay, denke ich, ich bin an Bord eines Militärflugzeugs und habe dafür Verständnis.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zerog6.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Dann beginnt wieder die Sicherheitsbelehrung und man legt uns Fallschirme an! Fallschirme werden Sie fragen? Habe ich mich zunächst auch gefragt, aber es ist aus Sicherheitsgründen erforderlich, während der Startphase Fallschirme zu tragen. Die Instruktoren zeigen sich geduldig, für jede Körpergröße gibt es einen speziellen Fallschirm. Ich bin bisher einmal in meinem Leben Tandem gesprungen, ein einmaliges Erlebnis und fühle mich in diese Zeit zurückversetzt. Nur war damals jemand dabei, der wusste, was zu tun ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer halben Stunde Belehrung und Einweisung in die Sicherheitsmaßnahmen an Bord sitzen wir alle auf dem Boden. Bei der ersten Parabel wird empohlen, sich an einer Stange festzuhalten, um den Körper genügend Zeit zu lassen, sich in seiner Umgebung zurecht zu finden. Einige aus der Gruppe denken wohl nicht daran, was ich schon an den Gesichtern erkennen kann. Da ich weiß, warum Instruktoren sagen, man solle sich festhalten, denke ich nicht weiter darüber nach und tue es ganz einfach!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 20 Minuten startet der Pilot die vier Düsentriebwerke, es wird laut an Bord und man kann sich nur mit Schreien verständigen. Ich bemerke eine innere Aufregung. Nichts Nervöses, ich bin gespannt auf das Gefühl der Schwerelosigkeit und kann es kaum erwarten. Neben mir sitzen Johan und Steven, zwei Jungs aus Schweden. Zu den beiden komme ich noch ausführlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Maschine scheint ewig über das Rollfeld zu fahren und man bekommt nicht richtig mit, dass man sich auf einmal in die Luft erhebt. Die Maschine ist binnen Minuten auf ihrem vorgeschriebenen Kurs. Da sie keine Fenster im Innenraum besitzt, ist eine Orientierung nicht richtig möglich. Ich besitze ein ausgezeichnetes Orientierungsvermögen und bemerke die Flugbewegungen der <em>Ilyushin</em>. 20 Minuten benötigt sie zum Steigen und irgendwann bemerke ich, dass wir unsere Flughöhe erreicht haben. Das Warten beginnt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zerog9.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Boris lächelt und macht seine Scherze. Ich vergaß noch etwas zu erwähnen: Ein guter Bekannter sendete mir vor meiner Reise nach Russland original Kotztüten der British-Airways mit der Aufforderung, sie nach der Benutzung vorne bei den Piloten abzugeben, schließlich sind diese auch Schuld an einem &#8222;etwaigen&#8220; Desaster, wenn man seinen Mageninhalt begutachten kann! Die Instruktoren tragen &#8222;Mülltüten&#8220; bei sich. Gottseidank sind diese nicht durchsichtig, denke ich und Boris macht seine Scherze. Er meint, das Entgeld zur Benutzung eines &#8222;Kotzbeutels&#8220; beträgt fünf Dollar! Geschäftiges Völkchen, diese Russen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während meiner Überlegungen bemerke ich urplötzlich, dass ich schwerer werde und meine Beine kaum bewegen kann. Die Gruppe verfällt in Aufregung und jeder hat bemerkt, dass die Maschine sich anschickt, die erste Parabel im 45 Grad Steigwinkel zu nehmen. Urplötzlich springt Boris in die Höhe und greift an die vier Meter hoch gelegene Decke des Flugzeuges. Ich sehe dies und denke: Das ist es, die Schwerelosigkeit beginnt. Ich drücke mich mit den Füssen von dem weichgepolsterten Boden ab, aber falle schnell wieder auf den Boden! Nichts mit Schwerelosigkeit und bemerke, das Boris sich schon lange wieder auf dem Boden der Tatsachen befindet! Verwunderung macht sich breit, habe ich die Schwerelosigkeit verschlafen? Erst später erfahre ich: Professionelle und ausgebildete Piloten, die Parabeln fliegen dürfen, können kurz vor der Schwerelosigkeit einen Zustand von 0,6 G bewirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch in Gedanken werde ich von einer Sekunde auf die andere von der Schwerelosigkeit überrascht: Ich bemerke, wie sich die Schwerelosigkeit vom Heck des Flugzeuges aus ausbreitet, ich sitze ungefähr in der Mitte. Meine Füße vor mir bewegen sich urplötzlich in Richtung Decke. Festhalten, denke ich, nur nicht loslassen und mein Verstand siegt! Ich drehe mich auf den Kopf, die Füße stehen an der Decke. Ich sehe meine schwedischen Kollegen, wie sie sich um die eigene senkrechte Achse drehen wie in einem Karusell und ein Instruktor führt behutsam Ihre Hände zurück zur Haltestange. Mein Geist bekommt nicht richtig mit, dass ich nach 38 Jahren zum ersten Mal schwerelos bin! Ich sehe die Welt mit anderen Augen und fühle mich sehr gut. Es ist, als würde mein Geist meinen Körper verlassen und mich selber bei dem Zustand der Schwerelosigkeit beobachten können. Ein nun fast nicht zu beschreibendes Gefühl (Boris meint später in einer ruhigen Sekunde zu mir: &#8222;Zero-G is better than Sex!&#8220;) bemächtigt sich meiner, es ist fast ein metaphysisches Erlebnis. Tausende von Gedanken schießen mir durch den Kopf, ich denke komischerweise an Schwarze Löcher und deren Übergänge der Materie, &#8222;Event Horizon&#8220; genannt. Wie ich darauf komme, weiß ich nicht mehr. Ich bewege mich wieder nach unten, dann wieder nach oben, immer die Stange festhaltend. Was um mich herum passiert, bekomme ich nur wie in einem Traum mit: ich sehe etwas, aber ich weiß nicht was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauso schnell wie die Schwerelosigkeit begonnen hat, endet sie wieder. Im Flugzeug befindet sich eine Lampe, die anzeigt, wenn die Schwerelosigkeit dem Ende zugeht und dann sollte man sich schleunigst wieder in Richtung &#8222;Boden&#8220; des Flugzeugs bewegen, auch wenn man zunächst nicht weiß, wo der Boden in Wirklichkeit ist.<br>Die erste Parabel geht zu Ende und die Beschleunigungskräfte wachsen wieder auf 2 G an, was aber durch meinen Geist nicht mehr so wahrgenommen wird wie beim Aufstieg der <em>Ilyushin</em> in die Parabel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ganze wird zehnmal wiederholt, ich schwebe durch die <em>Ilyushin</em> wie ein Vogel. Freifliegend, um die eigene Achse drehend, an der Decke des Flugezeuges (mit Unterstützung eines Instruktors wohlgemerkt) entlangrollend. Ich gewöhne mich an die Schwerelosigkeit. Mir wird weder schlecht, noch bin ich euphorisch! Während der Parabeln manifestiert sich der Gedanke in mir, wie es ist, über einen längeren Zeitraum schwerelos zu sein. Ich bin auf einem Flug in mein inneres Ich und gehöre nun zu den Menschen auf der Welt, die seit 1961- sei es durch Parabelflüge oder durch Flüge in den Weltraum, den Verlust der Schwere auf diese Art erleben durften und ich bin stolz auf mich selber. Hätte man mich vor drei Jahren gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, hätte ich gesagt: Niemals. Wie soll ich nur so ein Ziel erreichen?</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zerog1.jpg" alt=""/><figcaption>(Bild: © Andreas P. Bergweiler)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Und nun habe ich die Schwerelosigkeit erlebt. Ein schwer zu beschreibendes Gefühl. Man muss es selbst erlebt haben, um es nur annähernd beschreiben zu können. Oder versuchen Sie mal, die Gefühle beim Sex zu beschreiben, wenn ich Boris zitieren darf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 1,5 Stunden kehren wir zum Militärflughafen zurück und landen sicher auf dem Rollfeld. Der ganze Flug geht wie in Minutenschnelle vorbei. Die Schwerelosigkeit dauert bei jeder Parabel nur ca. 25 bis 27 Sekunden. Hört sich nicht viel an, aber machen Sie mal folgenden Versuch. Blicken Sie auf Ihre Uhr und prüfen einmal selber nach, wie lange 27 Sekunden andauern können, eine halbe Ewigkeit für Sie, Millisekunden für mich in der Schwerelosigkeit!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich aus dem Flugzeug steige und wieder &#8222;festen&#8220; Boden unter mir spüre, möchte ich am liebsten sofort wieder einsteigen und das Ganze nochmal erleben. Aber ich denke, es wird ein nächstes Mal geben! Unvorstellbar. Mir gehen Gedanken durch den Kopf: Vor sieben Jahren baute ich meine erste eigene Homepage im Internet, die sich der Themen Raumfahrt und Astronomie angenommen hatte, weil es in der Zeit keine guten deutschsprachigen Homepages zu den Themen gab. Und 4 Jahre später durfte ich mit amerikanischen und russischen Raumfahrern trainieren, was es heißt, eine <em>Sojus</em> nach einer Notlandung zu verlassen und im Meer zu überleben. Sechs Jahre später laufe ich an der Decke einer <em>Ilyushin</em> entlang! Mein Weg manifestiert sich im Kopf: Ich muss in den Weltraum. Muss dieses in meinem Leben zu meiner Erfahrung machen! Meine Seele besteht darauf! Und ich werde diese Erfahrung mit allen teilen!</p>
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		<title>Expedition 6</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/expedition-6/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 May 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumstationen]]></category>
		<category><![CDATA[Spaceshuttle]]></category>
		<category><![CDATA[Experimente]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Mission der ISS-Expedition 6 Autor: Günther Glatzel. Das Arbeitsprogramm der sechsten Stammbesatzung umfasste 19 neue oder fortlaufende Experimente der NASA sowie eine Vielzahl von Untersuchungen unter russischer Regie, woran aber auch europäische und japanische Forschungsinstitute oder Firmen beteiligt waren. Insgesamt waren 47 Experimente geplant, die meisten davon wurden bereits bei vergangenen Missionen begonnen. Neu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Die Mission der ISS-Expedition 6</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Autor: <a href="mailto:">Günther Glatzel</a>.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ec-6.png" alt="" width="316" height="308"/><figcaption>Beginn:  24. November 2002 um 0:50 Uhr UTC durch Start von STS 113<br>Ende:  4. Mai 2003 um 2:04 Uhr UTC durch Landung von Sojus-TMA 1<br>Dauer:  161 d 01 h 15 min<br><br><br>Besatzungsmitglieder</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Das Arbeitsprogramm der sechsten Stammbesatzung umfasste 19 neue oder fortlaufende Experimente der NASA sowie eine Vielzahl von Untersuchungen unter russischer Regie, woran aber auch europäische und japanische Forschungsinstitute oder Firmen beteiligt waren. Insgesamt waren 47 Experimente geplant, die meisten davon wurden bereits bei vergangenen Missionen begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neu auf der ISS war Investigating the Structure of Paramagnetic Aggregates from Colloidal Emulsions (InSPACE). Hierbei wurden erstmals Daten über das Verhalten magnetischer Partikel in magnetorheologischen Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit gesammelt. Derartige Flüssigkeiten waren vollkommen neu. Sie erlauben durch das Anlegen äußerer Magnetfelder geräuschlose und nahezu verzögerungsfreie Bewegungen in mechanischen Systemen. Welche Auswirkungen schnell wechselnde Magnetfelder auf die Verteilung der magnetischen Partikel haben, war Hauptgegenstand der Untersuchungen. Magnetisch steuerbare Flüssigkeiten sollen in Zukunft bei Brems-, Kupplungs- und Dämpfungssystemen oder in der Robotik angewendet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite neue Experiment untersuchte die Vergröberung von Partikeln in verschiedenen Materialien, die allgemein als Materialermüdung bekannt ist. Sind in einer Verbindung Partikel unterschiedlicher Größen vorhanden, so geben die kleineren Partikel Atome an die größeren ab. Dadurch verringert sich die Festigkeit des Materials. Dies ist beispielsweise bei Turbinenschaufeln so. Aber auch aus dem Alltag sind solche Effekte bekannt, so bei der Kondensation von Tröpfchen aus Wasserdampf in der Atmosphäte (Wolkenbildung). Beim Experiment Coarsening in Solid-Liquid-Mixtures 2 (CSLM 2) wurde die Kinetik wachsender Zink-Partikel in einer Blei-Zink-Matrix unter Mikrogravitation untersucht. Beide Experimente wurden in der Microgravity Science Glovebox durchgeführt und konnten daher erst nach deren Reparatur aktiviert werden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/ec-6-crew.jpg" alt="" width="315" height="252"/><figcaption>v.l.: Donald Pettit, Kenneth Bowersox und Nikolai Budarin<br><br>Bilder: NASA</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Kenneth Bowersox nahm während der gesamten Mission am Experiment Foot/Ground Reaction Forces During Space Flight (FOOT) teil. Dabei wurden Veränderungen an Knochen und Muskeln im unteren Bereich des Körpers und an den Beinen gemessen. Dazu trug der Astronaut tagsüber eine spezielle Hose (LEPS &#8211; Lower Extremity Monitoring Suit), in der 20 sorgfältig platzierte Sensoren untergebracht waren sowie eine Sensorbinde an einem Oberarm. Mit den Sensoren wurden die elektrische Muskelaktivität, Beugungswinkel an Hüft-, Knie- und Fußgelenken sowie die Andruckkraft der Füße gemessen und über in den Anzug eingearbeitete Leitungen zu einem Speicher übertragen (max. 14 Stunden). Mit der zusätzlichen Armbinde wurden Vergleiche in der Belastung von Armen und Beinen ermöglicht. Außerdem wurden Messungen zur Stärke von Knochen und Muskeln vor und nach dem Raumflug auf der Erde vorgenommen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/zeolite.jpg" alt="" width="284" height="235"/><figcaption>In der Schwerelosigkeit gezogene Zeolit-Kristalle sind vergleichsweise groß.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Bei PCG-STES (Protein Crystal Growth &#8211; Single Thermal Enclosure System) kam der Probenbehälter 10 zum Einsatz. Er enthielt 81 verschiedene Kammern, in denen individuelle Experimente mit verschiedenen Proteinen abliefen. Endprodukt der etwa viermonatigen Kristallisationsphase waren extrem große, reine und fehlerarme Kristalle, die sich besonders gut zur Analyse mittels Neutronenbeugung eigneten. Diesmal gehörten Albumin, Apoferritin, Ferritin, Glucose Isomerase, Glucocerebrosidase und Cytochrome P450 zu den verwendeten Substanzen. Ein neuer Probenbehälter kam auch beim Zeolite Crystal Growth Experiment (ZCG) zum Einsatz. Von besonderem Interesse war für die Forscher die Eignung der wabenartigen Hohlkristalle zur Speicherung von Wasserstoff, einem Energieträger der Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ganze Reihe interessanter Untersuchungen wurden auch von der sechsten ISS-Crew weiter geführt. Beim Experiment Rastenija 2 wurden Salatpflanzen im LADA-Gewächshaus gezogen. Salat könnte ein wichtiger Vitaminlieferant im Weltraum sein. Von Interesse war auch hier der Einfluss der Schwerelosigkeit auf Wachstum und Entwicklung der Pflanzen. Untersucht wurden aber auch die Funktionalität des Gewächshauses, die Widerstandfähigkeit und die Anpassung an die außergewöhnlichen Bedingungen im Weltraum (Mikrogravitation, Strahlung) und die Ethylenkonzentration im russischen Segment der ISS.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen des Experimentes Biopsy wurde den Raumfahrern vor und nach dem Flug Gewebe aus der Wadenmuskulatur entnommen. Dadurch ließen sich Muskelveränderungen durch einen längeren Aufenthalt in der Schwerelosigkeit genauer feststellen. Bei Mobility wurden Tests vorgenommen, mit denen man herausfinden konnte, wie ein körperliches Training während des Raumfluges gestaltet werden muss, um die Wiederanpassung an die Schwerkraft zu erleichtern. Gearbeitet wurde dabei vor allem mit dem Laufband (Treetmill).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa 90% aller Erwachsenen tragen den Epstein-Barr-Virus (EBV) in ihrem Körper. Normalerweise bleibt er inaktiv. In der Schwerelosigkeit reaktiviert er sich jedoch oft und kann zu Beeinträchtigungen führen. Über Blut- und Urinproben will man dem Mechanismus dieser Reaktivierung auf die Schliche kommen. Biorisk und Biodegradatsija haben den Einfluss des Weltraumes auf die Lebensfähigkeit von Bakterien und Pilzen als Untersuchungsgegenstand. Zum einen lagern sich Bakterien- und Pilzkolonien an unzugänglichen Stellen an und können dort langfristig Materialschäden verursachen. Zum anderen sind sie ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt und oftmals unverzichtbar. Von Interesse war für die Forscher der Einfluss der Sonnenaktivität auf Modifikationen und Mutationen sowie die Entwicklung von Resistenzen und Agressivität. Gleichzeitig sollte aber auch abgeschätzt werden, inwiefern nützliche Bakterien bei einem längeren Aufenthalt im Weltraum lebensfähig bleiben. Bei Pulse wurde die autonome Regulation des kardiorespiratorischen Systems bei längeren Aufenthalten in der Schwerelosigkeit erforscht. Dazu wurden EKG, Sphygmogramm (Pulsfrequenz), Pneumotachogramm (Atemfrequenz), Pumpvolumen und Atemvolumen aufgezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Experiment diente der Erprobung des multifunktionalen Gerätekomplexes Skorpion zur automatischen Erfassung der wichtigsten Umgebungsparameter in der Station. Dazu gehörten Beschleunigungswerte, elektromagnetische Felder, Strahlungswerte und klimatische Bedingungen (Temperatur, Luftdruck, Luftzusammensetzung, Luftfeuchtigkeit). Außenbords angebracht war das Experiment Platan. Die Apparatur blieb mehrere Monate im Einsatz und erfasste langsame Eisenkerne solaren oder galaktischen Ursprungs mit Energien von 30 bis 200 MeV sowie Mikropatikel in der Umgebung der Station.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/evarm1.jpg" alt="" width="319" height="180"/><figcaption>Dosimeter für Außenbordeinsätze<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den fortgeführten Forschungen gehörten auch die Untersuchung von Veränderungen der Lungenfunktion (PuFF &#8211; Pulmonary Functions in Flight), das Ausfüllen von Fragebögen zur Zusammenarbeit innerhalb der Crew und mit dem Bodenpersonal (Crew Interaction), die Beobachtung natürlicher und vom Menschen verursachter Phänomene auf der Erde und in der Erdatmosphäre (Crew Earth Observation, Uragan, Molnija SM, EarthKAM), die Messung der Strahlenbelastung innerhalb und außerhalb der Station (EVA Radiation Monitoring, BraDos), die Erfassung von minimalen Beschleunigungen, die durch Bewegungen der Raumfahrer, Bahnmanöver oder Kopplungen verursacht werden (MAMS, SAMS, IZGIB), Studien zum erhöhten Nierensteinrisiko (Renal Stone) sowie zum Muskel- und Knochenverlust bei Langzeitaufenthalten im Weltraum (Bone Loss, Profilaktika), die Analyse von Triebwerksabgasen und die Dynamik von Partikeln der Triebwerksdüsen (Relaksatsija, Kromka), die Untersuchung gesundheitlich bedeutsamer Veränderungen im Mundraum (Parodont), die Überprüfung der Effizienz von Medikamenten (Farma), die Aufzeichnung von Veränderungen der Herzaktivität bei Belastung (Kardio-ODNT), die Erarbeitung von Vorhersagen für Strahlenbelastungen (Prognos), die Dokumentation bioproduktiver Zonen der Weltmeere (Diatomeja), die Abschätzung der zu erwartenden Erosion der Außenhaut der Station (Meteoroid), die Messung der verschiedenen Bahnparameter der Station (Tensor, Vektor T), die Bestimmung langfristiger Formveränderungen der Station (Priviazka), die Messung magnetischer Interferenzen innerhalb der Station und deren Einfluss auf laufende Experimente (Iskaschenije), die Erprobung eines kommerziellen, globalen Zeit-Systems (GTS) oder die Registrierung von Partikeleinschlägen und deren Auswirkungen auf verschiedene Testmaterialien (HPAC, SEED, MISSE).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Wochen waren die drei Raumfahrer in erster Linie damit beschäftigt, laufende Experimente zu kontrollieren, turnusmäßige Wartungsarbeiten auszuführen und neue Materialien geordnet unterzubringen. Außerdem wurde ein weiterer Reparaturversuch am Sauerstofferzeuger Elektron im Modul <em>Swesda</em> unternommen. Die ersten medizinischen Untersuchungen im Rahmen der Experimente FOOT, Renal Stone, PuFF und GASMAP wurden Anfang Dezember durchgeführt. Dabei wurden Blut- und Urinproben genommen sowie Lungenvolumen und -funktion (Gasaustausch) gemessen. Im Rahmen der Erderkundung wurden u. a. Vulkane in Mexiko und Guatemala, Inselregionen (Kuba, Hawaii, Bounty Island, Mali), Korallenriffe vor Yukatan, Luftverunreinigungen durch Großstädte und Staubwolken über afrikanischen Wüstengebieten beobachtet und fotografiert. Am 17. Dezember begann die Arbeit mit dem Experiment Zeolite Crystal Growth. Außerdem wurden mit dem Stationsmanipulator mehrere Trainingseinheiten absolviert. In der Human Research Facility wurde eine Festplatte getauscht und damit auch gleich die Software auf den neuesten Stand gebracht. Außerdem wurde der Einsatz eines neuen, schnelleren Datenrekorders vorbereitet (HCOR &#8211; High-Rate Communications Outage Recorder). Wenn die Station keinen Funkkontakt zu einer Bodenstation oder zu einem Relaissatelliten hat, werden die in dieser Zeit anfallenden Daten auf diesem Rekorder zwischen gespeichert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch &#8222;Stoßen gegen die Wände&#8220; verursachten die Raumfahrer kurzzeitige Störungen der Mikrogravitation, deren Werte mit verschiedenen Messaparaturen erfasst wurden. Budarin arbeitete an einem Pflanzenwachstumsexperiment im LADA-Gewächshaus und an der Rekonfiguration des automatischen Radar- und Kopplungssystems KURS. Kurz vor Weihnachten wurde die Station für 3 Tage in eine Position gebracht, in der die Steuerbordseite in Flugrichtung wies. Dadurch sollte eine Abkühlung in einigen Bereichen der Station erreicht werden. Schließlich wurde auch im Weltall der Alltag durch das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel verschönert.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/iss-with-p1.jpg" alt=""/><figcaption>ISS nach Anbau des backbordseitigen Gitterelements P1 im Dezember 2002.<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach der Katastrophe mit der Columbia am 1. Februar 2003 wurden die Arbeiten fortgesetzt. Die Versorgung war durch das unbemannte Transportraumschiff <em>Progress</em>-M 47 sichergestellt, welches am 4. Februar am Swesda-Modul angekoppelt hatte. Allerdings wurde beschlossen, die nächsten Stammbesatzungen der Station um eine Person zu verringern, so dass im Raumschiff mehr Platz für Fracht blieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sechste Stammbesatzung der Internationalen Raumstation landete mit dem Raumschiff <em>Sojus</em>-TMA 1 am 4. Mai in der kasachischen Steppe. Aus noch ungeklärter Ursache wurde der eigentliche Landepunkt um etwa 460 Kilometer verfehlt. Die Landung fand ansonsten ohne Komplikationen statt. Möglicherweise wurden konstruktionsbedingte Veränderungen gegenüber der vorherigen Version von Sojus-Raumschiffen nicht korrekt berücksichtigt. Sojus-TMA erlaubt es, kleinere und größere Personen als bisher zu transportieren. Außerdem wurde die Computertechnik modernisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><sub><em>Der vorliegende Artikel wurde 2003 für www.raumfahrt.de bzw. www.raumfahrtgeschichte.de geschrieben und nach Schließung der Seiten 2006 vom Autor (GG) in die Wikipedia eingetragen. Es handelt sich also nicht um eine Kopie aus der Wikipedia sondern im Gegenteil um die Vorlage. Der Originalartikel ist noch abrufbar auf den Seiten der HTWK Leipzig.</em></sub></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Artikel:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/ssaf-11a/" data-wpel-link="internal">Mission STS 113 (SSAF-11A)</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/ssaf-9p/" data-wpel-link="internal">Progress-M1 9 (SSAF-9P)</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/ssaf-10p/" data-wpel-link="internal">Progress-M 47 (SSAF-10P)</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/ssaf-5s/" data-wpel-link="internal">Sojus-TMA 1 (SSAF-5S)</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/ssaf-6s/" data-wpel-link="internal">Sojus-TMA 2 (SSAF-6S)</a></li></ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/expedition-6/" data-wpel-link="internal">Expedition 6</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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