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	<title>R-7 &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>R-7 &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<item>
		<title>Havarie der Startanlage 31/6 am Kosmodrom Baikonur beim Start von Sojus MS-28 auf Sojus-2-1А</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/havarie-der-startanlage-31-6-am-kosmodrom-baikonur-beim-start-von-sojus-ms-28-auf-sojus-2-1%d0%b0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Dec 2025 20:10:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Start von Sojus MS-28 auf Sojus-2-1А wurde die zur Startvorbereitung benötigte, beim Start aber entfernte und gesicherte Arbeitsplattform durch den Feuersturm der abfliegenden Rakete von ihrem Abstellort losgerissen und kopfüber in den rund 20m tieferen Abgas-Kanal geschleudert und zu Schrott zertrümmert.Ein Portalbeitrag vom Raumfahrer.net Autor HausD. Quelle: Besuch vor Ort, Barmin I. W, ESA, [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Beim Start von Sojus MS-28 auf Sojus-2-1А wurde die zur Startvorbereitung benötigte, beim Start aber entfernte und gesicherte Arbeitsplattform durch den Feuersturm der abfliegenden Rakete von ihrem Abstellort losgerissen und kopfüber in den rund 20m tieferen Abgas-Kanal geschleudert und zu Schrott zertrümmert.<br>Ein Portalbeitrag vom Raumfahrer.net Autor HausD.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: Besuch vor Ort, Barmin I. W, ESA, Roskosmos, Oborona </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bau der ersten Startanlage für die R-7 Rakete des Kosmodroms Baikonur</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Museum des Kosmodroms Baikonur hängt unter Glas eine Zeichnung, die für den Bau der ersten Startanlage für die R-7 Rakete auf dem Kosmodrom gefertigt wurde.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/1-up039649.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="Es ist eine „technologische“ Zeichnung auf der Bauabläufe dargestellt werden Bild/Foto M.H. priv." data-rl_caption="" title="Es ist eine „technologische“ Zeichnung auf der Bauabläufe dargestellt werden Bild/Foto M.H. priv." data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="400" height="296" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/1-up039649-400x296-1.jpg" alt="" class="wp-image-149459" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/1-up039649-400x296-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/1-up039649-400x296-1-300x222.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Es ist eine &#8222;technologische&#8220; Zeichnung auf der Bauabläufe dargestellt werden Bild/Foto M.H. priv.</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Auf der Zeichnung wird dargestellt und beschrieben, wie das Betonieren der obersten Schicht der Startanlage für die R-7 Rakete im Rohbau erfolgen muss.<br>Man sieht, wie die LKWs frischen Beton heranfahren und in einer bestimmten Reihenfolge abkippen müssen, daneben noch die grobe Form der ringförmigen Vertiefung, in der die Rakete, 4 Aussenblocks und ein Zentralblock, aufgestellt werden muss. Das ist der spätere GAGARINS START auf dem Platz 1 des Kosmodrom-Geländes.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich über die Bezeichnung Platz Nr. nn wundert, der sei an das deutsche System der Land-Gerichtsbarkeit erinnert, dort ist das die Grundstücks-Nummer einer Liegenschaft, wie sie im Grundbuch eingetragen ist.<br>Die ersten Starts von dort erfolgten noch mit der einfachen Trägerrakete, 4 Aussenblocks und ein Zentralblock, die als erste Nutzlast den SPUTNIK 1 in einen Erdorbit brachte.<br>Doch mit der Zeit standen größere Lasten auf dem Programm.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/2-up039643.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="Die Startanlage PU 6 auf dem Platz 31 Foto/Quelle: Buch Barmin I. W. (Herausg.)" data-rl_caption="" title="Die Startanlage PU 6 auf dem Platz 31 Foto/Quelle: Buch Barmin I. W. (Herausg.)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="267" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/2-up039643-400x267-1.jpg" alt="" class="wp-image-149461" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/2-up039643-400x267-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/2-up039643-400x267-1-300x200.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/2-up039643-400x267-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Startanlage PU 6 auf dem Platz 31<br>Foto/Quelle: Buch Barmin I. W. (Herausg.)</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Der Start eines Menschen und natürlich auch die sichere Landung, dazu Schutzanzüge und Ausrüstung für den Notfall, und nicht zuletzt der Wunsch, mehrere Raumschiffe zu starten und im All zu einer kleinen Station zu verbinden. Für diesen Zweck wurde mit den Erfahrungen der ersten Startanlage mit dem Bau einer zweiten, nordöstlich von der ersten, begonnen. Sie befindet sich auf dem Platz 31 und ist die Starteinrichtung (ru. Abk. PU) Nr.6 des Kosmodroms Baikonur.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Bau der&nbsp; Starteinrichtung Nr. 6 gibt es ein Buch, in dem zum ersten Mal detailliert die Struktur der Starteinrichtung beschrieben wurde, und sie gilt als Vorbild für die weiteren Startanlagen für die späteren Sojus-Raketen<br>(Buch von Бармин И.В./Barmin I. W. (ред./Herausg.) über &#8220; Технологические объекты наземной инфраструктуры ракетно-космической техники (инженерное пособие). Книга 1&#8243;) <a href="http://www.twirpx.com/file/877620/" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">Buchquelle: Barmin I. W. (Herausg.)</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Bau der Starteinrichtung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Startanlage mit einer Höhe von 30 Metern ist von der ebenen Erde aus in den Abgaskanal hineingebaut.<br>Die aufgestellte Rakete ragt rd. 7 m von oben in das Bauwerk hinein und dort müssen die Startvorbereitungsarbeiten erfolgen.<br>Dazu gibt es eine Arbeitsplattform, die rd. 20 m breit ist und auf Schienen unter die Rakete gerollt wird.<br>Im folgenden Bild sieht man rechts und links jeweils eine Galerie mit starken Brüstungswänden.<br>Auf diesen Brüstungswänden liegen die Schienen auf denen die Arbeitsplattform nach vorn in die Arbeitsstellung und nach hinten in die gesicherte Ruhestellung gefahren werden kann.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/3-up039658.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="Die Ansicht in die Startanlage hinein Bild: ESA" data-rl_caption="" title="Die Ansicht in die Startanlage hinein Bild: ESA" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="340" height="266" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/3-up039658-340x266-1.jpg" alt="" class="wp-image-149463" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/3-up039658-340x266-1.jpg 340w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/3-up039658-340x266-1-300x235.jpg 300w" sizes="(max-width: 340px) 100vw, 340px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Ansicht in die Startanlage hinein<br>Bild: ESA</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/4-up039650.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="Die Service-Plattform aus dem Inneren heraus gesehen Bild: ESA" data-rl_caption="" title="Die Service-Plattform aus dem Inneren heraus gesehen Bild: ESA" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="266" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/4-up039650-400x266-1.jpg" alt="" class="wp-image-149465" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/4-up039650-400x266-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/4-up039650-400x266-1-300x200.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/4-up039650-400x266-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Service-Plattform aus dem Inneren heraus gesehen<br>Bild: ESA</figcaption></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bilder stammen vom Bau der Startanlage für die weiterentwickelte SOJUS &#8211; 2 a und b.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zum Aufbau der Arbeitsplattform</strong></p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/5-up039305.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="Ansicht von unten – die acht auf- und abfahrbare kleinen Plattformen Bild: ESA" data-rl_caption="" title="Ansicht von unten – die acht auf- und abfahrbare kleinen Plattformen Bild: ESA" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="266" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/5-up039305-400x266-1.jpg" alt="" class="wp-image-149468" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/5-up039305-400x266-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/5-up039305-400x266-1-300x200.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/5-up039305-400x266-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Ansicht von unten &#8211; die acht auf- und abfahrbare kleinen Plattformen<br>Bild: ESA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Kabinenplattform befinden sich acht ab- und auffahrbare kleinere Plattformen, die über Hydraulikstempel bewegt werden können.<br>Das zugehörige Hydrauliksystem ist auf der Kabinenplattform montiert und besteht aus einer Pumpeneinheit, einem Verteiler und den zugehörigen Versorgungsleitungen.<br>Über den Verteiler werden die Hydraulikzylinder, die Regelung der Hub- und Senkgeschwindigkeit sowie das Ein- und Auskuppeln der Anschläge über Steuerventile gesteuert, die sich auf dem Bedienfeld befinden.<br>Die elektrische Ausrüstung zur Steuerung der Kabine und des Betriebs der Signal- und Beleuchtungssysteme ist auf der Plattform, den Säulen, den Serviceplattformen und den Strukturelementen des Startsystems montiert. Es gibt einen Elektromotor für den Fahrmechanismus, vier Elektromotoren für den Kreisdrehmechanismus, einen Elektromotor für die Pumpeneinheit, ein Bedienfeld und ein Bedienfeld mit einer Reihe von elektrischen Geräten, Anzeigen und Bedienknöpfen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Während des Baus auf Wostotschny sah <br>der senkrechte Schutzschirm etwa so aus:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/6-20231030205544-b3b55694.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="Die Plattform mit dem Schirm (roter Pfeil) bei der Erprobung der Verfahrbarkeit. Foto : RosKos-Video &quot;Kosmonawtika&quot;" data-rl_caption="" title="Die Plattform mit dem Schirm (roter Pfeil) bei der Erprobung der Verfahrbarkeit. Foto : RosKos-Video &quot;Kosmonawtika&quot;" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="225" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/6-20231030205544-b3b55694-400x225-1.jpg" alt="" class="wp-image-149470" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/6-20231030205544-b3b55694-400x225-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/6-20231030205544-b3b55694-400x225-1-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Plattform mit dem Schirm (roter Pfeil) bei der Erprobung der Verfahrbarkeit. <br>Foto : RosKos-Video &#8222;Kosmonawtika&#8220;</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">In der aktuelle Version der Serviceplattform ( 8U0216M, M für modifiziert) wird das Hydrauliksystem über elektromagnetische Ventile gesteuert, die von den entsprechenden Endschaltern angesteuert werden. Der Antrieb erfolgt nicht mehr über eine Kette, sondern über vier Elektromotoren.<br>Es gibt damit auf der Serviceplattform drei Arbeitsebenen: die Plattform selbst und darüber noch zwei Ebenen, die die Erreichbarkeit bei der Startvorbereitung der Rakete gewährleisten.</p>
</div>
</div>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/7-20231030205545-97a26f9f.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="Rot umrandet – Der Schutzschirm zur offenen Seite des Starttischs Gelb umrandet – Die Arbeitsplattform von unten gesehen Cyan umrandet – Die Stützstreben von der Arbeitsplattform zum Schirmfachwerk Foto : Roskosmos-Liszewa" data-rl_caption="" title="Rot umrandet – Der Schutzschirm zur offenen Seite des Starttischs Gelb umrandet – Die Arbeitsplattform von unten gesehen Cyan umrandet – Die Stützstreben von der Arbeitsplattform zum Schirmfachwerk Foto : Roskosmos-Liszewa" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="800" height="573" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/7-20231030205545-97a26f9f-400x286-1.jpg" alt="" class="wp-image-149472" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/7-20231030205545-97a26f9f-400x286-1.jpg 800w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/7-20231030205545-97a26f9f-400x286-1-300x215.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/7-20231030205545-97a26f9f-400x286-1-768x550.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Rot umrandet &#8211; Der Schutzschirm zur offenen Seite des Starttischs<br>Gelb umrandet &#8211; Die Arbeitsplattform von unten gesehen<br>Cyan umrandet &#8211; Die Stützstreben von der Arbeitsplattform zum Schirmfachwerk<br> Foto : Roskosmos-Liszewa</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Räume auf und unter der Ebene -8,400 unter der Null-Ebene</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/8-up039306.jpg" data-rel="lightbox-image-7" data-magnific_type="image" data-rl_title="Startrampe – unterirdische Betriebs-Räume für die Serviceplattform Grafik/Quelle: Buch Barmin I. W. (Herausg.)" data-rl_caption="" title="Startrampe – unterirdische Betriebs-Räume für die Serviceplattform Grafik/Quelle: Buch Barmin I. W. (Herausg.)" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="332" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/8-up039306400x332.jpg" alt="" class="wp-image-149475" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/8-up039306400x332.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/8-up039306400x332-300x249.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Startrampe &#8211; unterirdische Betriebs-Räume für die Serviceplattform <br>Grafik/Quelle: Buch Barmin I. W. (Herausg.)</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Die Serviceplattform ist in diesem Bereich verfahrbar, links steht sie in der Ruhestellung und beim Start, rechts über dem gewürfelten, schrägen Teil zum Abgaskanal hin, unter der Rakete bei der Startvorbereitung.<br>Die Schienen, auf denen sie steht oder verfahren wird, sind im Abstand von der Mitte aus, jeweils 8.50m entfernt.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Am jeweiligen Standort kann die Serviceplattform arretiert werden, dazu gibt es neben den Schienenenden ein kräftiges Ösenpaar, indem es mit jeweils einem massiven Bolzen gesichert werden muss.<br>Auf der Startplattform darf ab der 1/2 Stunden-Bereitschaft kein Personal mehr sein, das bedeutet, dass die Serviceplattform in ihre Grundstellung gebracht und in dem (in der Zeichnung) linken Raum sicher abgestellt wurde.<br>Das Schutzschild deckt dann die eingefahrene Arbeitsbühne hauptsächlich beim Start ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche Kräfte wirken dort</strong></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/9-up045047.jpeg" data-rel="lightbox-image-8" data-magnific_type="image" data-rl_title="Hier ist die Arbeitsbühne noch nicht vollständig eingefahren. Foto: oborona.gov" data-rl_caption="" title="Hier ist die Arbeitsbühne noch nicht vollständig eingefahren. Foto: oborona.gov" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="400" height="266" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/9-up045047-400x266-1.jpg" alt="" class="wp-image-149476" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/9-up045047-400x266-1.jpg 400w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/9-up045047-400x266-1-300x200.jpg 300w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2025/12/9-up045047-400x266-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Hier ist die Arbeitsbühne noch nicht vollständig eingefahren.<br>Foto:&nbsp;<em>oborona.gov</em></figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Offenbar hat die startende Rakete einen wesentlich kräftigeren Abgasstrahl entwickelt, oder war ein wenig zu schnell auf vollem Schub und der Abgasstrahl hat zu stark an dem Schutzschild gezogen.<br>Das hat die Sicherung, falls sie angelgt war, nicht gehalten …<br>Als dann der Abgasstrahl hinter den Schutzschild fahren konnte, hat er das gesamte Teil kopfüber in den Abgaskanal geschmettert.<br>Von dem was da lag, wird nichts mehr brauchbar sein, was wiederum bedeutet, dass die Service-Plattform komplett neu angefertigt werden muss.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bernoulli-Prinzip wurde hier schon einige Male diskutiert und aus dem Physik-Unterricht ist vlt. noch als Versuch bekannt:<br>Man bläst durch zwei nebeneinander gehaltene Blätter Papier und, nicht wie erwartet gehen die Blätter auseinander, nein sie kleben förmlich zusammen.<br>Beim Erreichen des maximalen Schubs beim Start hat der Gasstrom aus den Düsen die maximale Abgasgeschwindigkeit und erzeugt auf dem Stand dementsprechend den minimalen Druck. So wurde die Kabine mit dem großen Schutzschild als Angriffsfläche einfach aus der Nische herausgesaugt, wo sie zwar geparkt war. Aber offenbar ohne die nötige und vollständige Sicherung, ev. sogar eine Seite vergessen zu sichern, was die rd. 90° verdrehte Lage im Abgaskanal erklären könnte.<br>Noch einige Zahlen zu der akustischen, also über die Luft übertragene Schallleistung: Die liegt in 10 m Abstand vom Entstehungsort bei einem Schallleistungspegel L<sub>ak</sub> = 180 dB (bis 190 dB) und das entspricht einer akustischen, also mechanischen Leistung P<sub>ak</sub> von 1 MW (bis 10 MW).</p>



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<li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=20780.msg581670#msg581670" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Reparatur des Startplatzes-31/6 in Baikonur</a></li>
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		<title>Russland startet Frühwarnsatellit Kosmos 2.510</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/russland-startet-fruehwarnsatellit-kosmos-2-510/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Weyrauch]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2015 18:40:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[41032]]></category>
		<category><![CDATA[Fregat]]></category>
		<category><![CDATA[Fregat-M]]></category>
		<category><![CDATA[Frühwarnsatellit]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmos 2510]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Plesetsk]]></category>
		<category><![CDATA[Plessezk]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Raketenstart]]></category>
		<category><![CDATA[Sojus]]></category>
		<category><![CDATA[Sojus-2.1b]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 17. November 2015 um 7:34 Uhr MEZ (9:34 Uhr Moskauer Zeit) wurde auf einer Sojus-2.1b-Rakete mit Fregat-M-Oberstufe der Frühwarnsatellit Kosmos 2.510 von der Rampe 4 des Startkomplexes 43 in Plessezk im Norden Russlands aus gestartet. Es handelt sich dabei möglicherweise um einen Satelliten eines neuen Typs namens Tundra bzw. 14F142. Ein Beitrag von Thomas [&#8230;]</p>
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]]></description>
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<h4 class="wp-block-heading">Am 17. November 2015 um 7:34 Uhr MEZ (9:34 Uhr Moskauer Zeit) wurde auf einer Sojus-2.1b-Rakete mit Fregat-M-Oberstufe der Frühwarnsatellit Kosmos 2.510 von der Rampe 4 des Startkomplexes 43 in Plessezk im Norden Russlands aus gestartet. Es handelt sich dabei möglicherweise um einen Satelliten eines neuen Typs namens Tundra bzw. 14F142.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Interfax, Kommersant, Raumfahrer.net, RIAN, russianforces.org, russianspaceweb.com, Russisches Verteidigungsministerium, Sputnik</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um 7:36 Uhr MEZ (9:36 Uhr Moskauer Zeit) erfasste das Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau die gestartete Rakete &#8211; eine Variante von Koroljows berühmter <a href="https://www.raumfahrer.net/r-7/" data-wpel-link="internal">R-7</a> &#8211; mit der Nutzlast für die Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO &#8211; Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) des russischen Verteidigungsministeriums.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Satellit an Bord der schon im Jahr 2009 hergestellten <a href="https://www.raumfahrer.net/sojus-2/" data-wpel-link="internal">Sojus 2.1b</a> wurde nach dem 1845. R-7-Start insgesamt in einen hochelliptischen Orbit mit einem Apogäum &#8211; dem erdfernsten Bahnpunkt &#8211; von etwa 38.552 Kilometern über der Erdoberfläche und einem Perigäum &#8211; dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt &#8211; von rund 1.626 Kilometern sowie einer Inklination, der Neigung gegen den Erdäquator, von 63,4 Grad gebracht. Für einen Umlauf benötigt Kosmos 2.510 auf dieser Bahn rund 714 Minuten, also etwas unter 12 Stunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums äußerte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti (Russisch: РИА Новости), dass der neue Satellit zum geplanten Zeitpunkt im Zielorbit ausgesetzt worden sei. Nach Angaben der gleichen Quelle habe man mit dem Erdtrabanten eine stabile Telemetrie-Verbindung etabliert, und könne auf die, wie vorgesehen funktionierenden, Satellitensysteme zugreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zahlreiche Beobachter aus Ost und West vermuten, dass es sich bei dem neuen Satelliten um den ersten Frühwarnsatelliten eines neuen &#8222;Tundra&#8220; genannten Typs mit dem Erzeugniscode 14F142 handelt. Der Einsatz solcher Raumfahrzeuge soll als Teil eines integrierten Weltraumsystems, russisch EKS für Единой космической системы bzw. Jedinaja Kosmitscheskaja Systema genannt, erfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsprechend kursiert für den jetzt gestarteten Satelliten auch die Bezeichnung EKS 1. Das russische Verteidigungsministerium bezeichnet das Raumfahrzeug in einer Presseerklärung als Raumapparat neuer Generation im Interesse des Verteidigungsministeriums. In einer englischsprachigen <a href="https://web.archive.org/web/20220122113529/https://eng.mil.ru/en/news_page/country/more.htm?id=12065995@egNews" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Meldung</a> ist von einem &#8222;new generation space module&#8220; die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Hersteller von 14F142-Satelliten haben Beobachter <a href="https://web.archive.org/web/20220403103048/https://www.energia.ru/english/index.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Energia</a> identifiziert. Zu Grunde gelegter Satellitenbus könnte eine Konstruktion mit der Bezeichnung <a href="https://web.archive.org/web/20210614140834/https://www.energia.ru/english/energia/usp/usp.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">USP</a> für &#8222;Universal Space Platform&#8220; sein. Die Nutzlast zur Erkennung von Raketenstarts kommt mutmaßlich vom zentralen Institut für Wissenschaft und Forschung Kometa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung eines russischen satellitenbasierten Frühwarnsystems und erste Starts erfolgten bereits in den 1970ern. Seit Beginn der 1980er Jahre wurden Satelliten des Typs US-K regelmäßig eingesetzt, um Raketenstarts, insbesondere solche der Vereinigten Staaten von Amerika, mit optischen Teleskopen und Infrarotsensoren festzustellen und zu orten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine sinnvolle Beobachtung rund um die Uhr werden mindestens vier Satelliten benötigt, da sie auf ihren hochelliptischen Bahnen nur etwa sechs Stunden die Landmasse der USA beobachten können. Ins All transportiert wurden die zuletzt genutzten Satelliten von <a href="https://www.raumfahrer.net/molnija/" data-wpel-link="internal">Molnija-M-Rake</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.raumfahrer.net/molnija/" data-wpel-link="internal">ten</a>, ebenfalls eine Variante der R-7.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der drittletzte Molnija-M-Start erfolgte am 23. Oktober 2007, als mit Kosmos 2.430 ein Frühwarnsatellit des Typs US-K transportiert wurde. Am 2. Dezember 2008 erfolgte ebenfalls ein Start eines solchen Satelliten auf einer entsprechenden Rakete. Der als Kosmos 2.446 bezeichnete Satellit und Kosmos 2.430 waren bis zum Start von Kosmos 2.469 am 30. September 2010 auf der letzten Molnija-M-Rakete die einzigen betriebsfähigen russischen Frühwarnsatelliten auf hochelliptischen Umlaufbahnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland setzte wie die Vereinigten Staaten von Amerika zusätzlich auch Frühwarnsatelliten im Geostationären Orbit ein, aktuell verfügt Russland jedoch über kein solches betriebsfähiges Raumfahrzeug im Geostationären Orbit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der geostationäre Frühwarnsatellit Kosmos 2.440, ein im Juni 2008 gestartetes Raumfahrzeug des Typs 71kh6 bzw. US-KMO, ist seit dem Frühjahr 2010 nicht mehr verwendbar. Als Nachfolger wurde Kosmos 2.479 am 30. März 2012 &#8211; Auslegungsbetriebsdauer zwischen fünf und sieben Jahren &#8211; ins All gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kosmos 2.479 hörte jedoch bereits im April 2014 auf zu senden, hielt also wie sein Vorgänger nur etwa zwei Jahre. Regelmäßig erforderliche Manöver zum Bahnerhalt endeten. Die russische Zeitung Kommersant meldete seinerzeit, der Satellit habe Probleme mit von einem Lieferanten aus dem Ausland bezogenen Akkumulatoren zur Speicherung elektrischer Energie bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kosmos 2.510 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.032 und als COSPAR-Objekt 2015-066A.</p>



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<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=13906.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">EKS-1 (Kosmos-2510) auf Sojus 2.1b</a></li></ul>
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		<title>Molnija</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/molnija/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 17:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raketen]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Baikonur]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Molnija]]></category>
		<category><![CDATA[Molnija-M]]></category>
		<category><![CDATA[Plesetsk]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Molnija bildete Jahre lang das Rückgrat der russischen Raumfahrt und startete nicht nur die ersten russischen Kommunikationssatelliten, sondern auch die ersten Sonden zu Venus und Mars. Ein Beitrag von Daniel Maurat. Geschichte Nach den Erfolgen der Sputnik-Satelliten und der ersten Luna-Sonden wollte man in der Sowjetunion weitere Erfolge verbuchen. Nachdem das Wostok-Programm schon angelaufen [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Die <em>Molnija</em> bildete Jahre lang das Rückgrat der russischen Raumfahrt und startete nicht nur die ersten russischen Kommunikationssatelliten, sondern auch die ersten Sonden zu Venus und Mars.</h4>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Daniel Maurat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichte</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/molnija.jpg" alt=""/><figcaption>Eine Molnija beim Start der <br>Vonussonde Venera 1 am<br> 12. Februar 1961<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Erfolgen der <em>Sputnik</em>-Satelliten und der ersten <em>Luna</em>-Sonden wollte man in der Sowjetunion weitere Erfolge verbuchen. Nachdem das <em>Wostok</em>-Programm schon angelaufen ist, dachte man daran, einfache Raumsonden zu den nächsten Planeten, also Venus und Mars, sowie schwerere Raumsonden und sogar Lander zum Mond zu schicken. Doch bisher fehlte eine Rakete (die <em>Luna</em> konnte gerade einmal 400 kg zum Mond bringen). So beauftragte man den Hersteller der <em>R-7</em>, das Konstruktionsbüro <em>OKB 1</em> unter dem legendären Chefkonstrukteur Sergeji Koroljow damit, eine neue Rakete auf Basis der <em>R-7</em> zu entwickeln, die in der Lage sein sollte, die von ihr geforderten Aufgaben zu erfüllen. Doch es stellte sich nun ein neues Problem: Um die Sonden zu ihrem Ziel zu bringen, muss die Oberstufe eine Freiflugphase machen. Dies steigert die Nutzlast zum Ziel, da sonst die Zielstellung, eine Sonde zu Mars oder Venus zu schicken, nicht erreichbar wäre. Solch eines Flugprofils bedurfte also eine Wiederzündung einer mit Flüssigtreibstoff betriebenen Oberstufe im Orbit, ein Verfahren, dass noch nie zuvor durchgeführt wurde. Doch schließlich konnte man dieses Problem lösen: Man nutze einen weiteren, kleineren mit Festtreibstoff betriebenen Triebwerksblock, der zuerst gezündet wurde. Durch den Schub des Triebwerksblocks sammelte sich der Treibstoff am Boden der Tanks und gewährleistete so den regelmäßigen Treibstofffluss zum Triebwerk, ein elementarer Bestandteil des Betriebs eines Treibwerkes. Nach der Zündung des Haupttriebwerks wird der zusätzliche Triebwerksblock abgetrennt. Danach ist die Stufe nicht mehr fähig, nochmal zu zünden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die zweite Stufe war eine Neuentwicklung. Sie war um einiges größer als die bisher eingesetzte <em>Block E</em> in der <em>Wostok</em> und hatte auch schubstärkere Triebwerke. Genauso wie in der zuvor eingesetzten <em>Block E</em> nutze man die heiße Stufentrennung zum Zünden und Trennen der zweiten von der ersten Stufe. Sie wurde zum integralen Bestandteil späterer Varianten der <em>R-7</em> und wird, natürlich modernisiert, noch in den Trägern vom Typ <em>Sojus</em> genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren &#8222;offiziellen&#8220; Namen erhielt die 8K78, als sie die ersten Satelliten der <em>Molnija</em>-Serie (russ. Молния für Blitz) startete. Gemäß der damals üblichen Praxis benannte man gleich die ganze Rakete nach dem Satelliten, wodurch die 8K78 zur <em>Molnija</em> wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Versionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt gab es zwei Versionen der <em>Molnija</em> mit mehreren Unterversionen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K78 Molnija</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 8K78 <em>Molnija</em> war die erste sowjetische Rakete, die in der Lage war, interplanetare Sonden zu starten. Dazu entwickelte man im Konstruktionsbüro <em>OKB 1</em> zwei neue Stufen, die neue Zweitstufe <em>Block I</em> sowie die <em>Block L</em>, das Herzstück der <em>Molnija</em>. Sie diente vor allem zum Start von Raumsonden vom Typ <em>Venera</em> (russ. Венера für Venus) sowie vom Typ <em>Mars</em> (russ. Марс für Mars), später auch Sonden vom Typ <em>Zond</em> (russ. Зонд für Sonde) und auch die ersten Kommunikationssatelliten vom Typ <em>Molnija</em> (später bekam die von ihnen Umlaufbahn den Namen <em>Molnija-Orbit</em>), denen die Rakete ihren Namen verdankt. Ihren Erststart erlebte sie am 20. Januar 1960, noch nur mit einem Modell der <em>Block L</em>, um so die neue Zweistufe <em>Block I</em> zu testen. Von ihren 26 Starts waren ganze 13 Fehlschläge, wobei meistens das Problem die <em>Block L</em>-Oberstufe war. Sie zündete nämlich entweder nur kurz oder überhaupt nicht. Deswegen flog sie nur bis 1965 und wurde dann durch die verbesserte <em>Molnija M</em> ersetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K78M Molnija M</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/molnija_m.jpg" alt=""/><figcaption>Eine der letzten Vetreter der <br>Molnija-M am 23. Oktober 2007 <br>auf der Rampe. An Bord der <br>Frühwarnsatellit Oko 84.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Molnija M</em> war eine stark verbesserte Version der <em>Molnija</em>, wobei vor allem die Eliminierung des Konstruktionsfehlers in der <em>Block L</em>. Sie wurde schnell zum Arbeitspferd der sowjetischen Raumfahrt, neben der anderen Varianten der <em>R-7</em>, der <em>Tsyklon</em> und der <em>Proton</em>, und war im Gegensatz zu ihrem Vorgänger eine der erfolgreichsten Varianten der <em>R-7</em>. Eine weitere Neuerung waren die verschiedenen Varianten der <em>Block L</em>, die zur Verfügung standen. Damit wurde die Rakete etwas flexibler. Doch der Nachteil der einmaligen Wiederzündung der <em>Block L</em> blieb für die Rakete ein Manko bis zum Ende. Sie startete zum ersten Mal dabei am 19. Februar 1964 und startete bis zu ihrem letzten Flug am 30. September 2010 nicht weniger als 297 Mal, einen auch für eine Version der <em>R-7</em> nicht schlechter Wert. Dabei gab es ganze 20 Fehlschläge, wobei hier die meisten auch auf die <em>Block L</em> zurückzuführen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die verschiedenen Versionen der <em>Molnija</em> besaßen alle drei Stufen mit vier Boostern:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Die vier eingesetzten <strong>Booster</strong>, auch als <em>Block B, W, G, D</em> (russ. Блок Б, В, Г, Д) bekannt, waren verbesserte Versionen der Booster der <em>R-7</em>. Genauso wie ihre Vorgänger waren sie 19 m lang, hatten einen Basisdurchmesser von 2,68 m und wogen voll betankt 43,4 t. Als Treibwerke nutzte man zunächst pro Booster ein <em>NPO Energomash RD-107-8D74PS</em>, die noch von der <em>Sputnik</em> stammten. Sie lieferten je einen Schub von 995,3 kN (im Vakuum) und brannten 119 Sekunden lang. Später benutze man ein verbessertes <em>NPO Energomash RD-107-8D727</em> mit einem Schub von 995,3 kN (im Vakuum) bei einer Brenndauer von 120 Sekunden. Als Treibstoff nutze man wie schon zuvor in den vorherigen Versionen der <em>R-7</em> die Treibstoffkombination aus <em>RP-1</em> (Kerosin) als Treibstoff und <em>LOX</em> (flüssiger Sauerstoff) als Oxydator.</li><li>Die <strong>erste Stufe</strong>, auch <em>Block A</em> (russ. Блок А), entsprach im Großen und Ganzen der Erststufe der <em>Wostok</em>-Rakete. Sie war 28 m lang, hatte einen Maximaldurchmesser von 2.99 m und wog voll betankt 100,6 t. Das zunächst eingesetzte einzelne Vierkammertriebwerk vom Typ <em>NPO Energomash RD-108-8D75K</em> mit einem Schub von 912 kN (im Vakuum) bei einer Brenndauer von 305 Sekunden. In der <em>Molnija M</em> nutzte man schon das <em>NPO Energomash RD-107-8D727</em>-Triebwerk mit einem Schub von 976,7 kN (im Vakuum) bei 291 Sekunden Brenndauer. Wie in den Boostern nutze man als Treibstoff <em>RP-1</em> und als Oxydator <em>LOX</em>.</li><li>Die <strong>zweite Stufe</strong> mit dem Namen <em>Block I</em> (russ. Блок И) war eine Neuentwicklung für die <em>Molnija</em>. Die Stufe an sich war 6,80 m lang, hatte einen Durchmesser von 2,58 m und wog voll betankt 24,8 t. Das einzelne in der <em>Molnija</em> genutzte <em>OKB Kosberg RD-0108</em>-Triebwerk lieferte einen Schub von 298 kN bei einer Brenndauer von 250 Sekunden. Später nutze man ein verbessertes Triebwerk vom Typ <em>KBKhimAvtomatiki RD-0110</em>-Triebwerk mit einem Schub von 298,1 kN bei einer Brenndauer von 241 Sekunden. Als Treibstoff nutzte man dabei wie in den unteren Stufen <em>RP-1</em> und <em>LOX</em> als Oxydator.</li><li>Die <strong>dritte Stufe</strong>, die <em>Block L</em> (russ. Блок Л), war das Herz der <em>Molnija</em> und der Urvater der wohl berühmtesten russischen Oberstufe, der <em>Block D</em>. Die Stufe an sich war 3,32 m lang, hatte einen Durchmesser von 2,58 m und wog voll betankt 5,72 t. Die Treibstoffzuladung konnte so verändert werden, dass die Stufe beim Start zwischen 5,72 und 4,99 t wog. Das einzelne <em>OKB Koroljow S1-5400</em>-Triebwerk lieferte für 250 Sekunden Brenndauer einen Schub von 63,8 kN. Für die Wiederzündung nutze man einen speziellen abwerfbaren Triebwerksblock, den sogenannten <em>BOZ</em> (russ. БОЗ), die den Treibstoff am Boden der Tanks sammelte und so einen zuverlässigen Treibstofffluss gewährleistete. Als Treibstoff nutze man den auch in der restlichen Rakete genutzten Treibstoffmix aus <em>RP-1</em> und <em>LOX</em>.<br><br>Nachdem die erste Version der <em>Block L</em> eine miserable Statistik hatte, entwickelte man sie weiter. Daraus wurden in den Jahren folgende Versionen:<br><br><ul><li>Eine verbesserte Version der <em>Block L</em> (russ. Блок Л) mit einem verbesserten <em>OKB Isajew S1-5400A</em>-Triebwerk.</li><li>Die <em>Block ML</em> (russ. Блок МЛ) war eine verbesserte Variante mit einem neuen <em>11D33</em>-Triebwerk mit einem Schub von 66,3 kN Schub bei einer reduzierten Brenndauer von 200 Sekunden</li><li>Die <em>Block MWL</em> (russ. Блок МВЛ) war eine Spezialversion der <em>Block ML</em> mit einer etwas höheren maximalen Nutzlast.</li><li>Die <em>Block 2BL</em> (russ. Блок 2БЛ) entsprach der <em>Block 2BL</em>, hatte aber eine reduzierte Brenndauer von 163 Sekunden.</li><li>Die <em>Block 2BLM</em> (russ. Блок 2БЛМ) war eine verbesserte Variante der <em>Block 2BL</em>. Die Hauptveränderung war vor allem das neue <em>11D33M</em>-Triebwerk.</li><li>Die <em>Block SOL</em> (russ. Блок СОЛ) hatte ein geringeres Leergewicht, was der Nutzlast zugutekam.</li></ul></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Starts</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Molnija</em>-Raketen starten zwischen 1960 und 2010, also in einem Zeitraum von über 50 Jahren, insgesamt ganze 318 Mal, eine sehr gute Startrate für jede Rakete. Dabei gab es 29 Fehlschläge, wobei die meisten in den frühen Jahren der Rakete geschahen. Dies lag an dem schon genannten Konstruktionsfehler in der <em>Block L</em>. Als Startplätze kamen dabei der Kosmodrom Baikonur in Kasachstan mit den <em>R-7</em>-Rampen 1 (auch <em>Gagarins Start</em> genannt) sowie die Startrampe 31 und der Kosmodrom Plessetsk in Nordrussland mit den Startrampen SK-1 / 41/1, SK-2 / 16/2, SK-3 / 43/3 und SK-4 / 43/4 zum Einsatz. Als Nutzlasten startete die Rakete nicht nur die ersten sowjetischen interplanetaren Raumsonden vom Typ <em>Venera</em>, <em>Mars</em> und <em>Zond</em> oder fortgeschrittene Mondsonden vom Typ <em>Luna</em>, sondern auch eine Reihe von Kommunikationssatelliten vom Typ <em>Molnija</em>, sondern auch Frühwarnsatelliten vom Typ <em>US-K</em> und Forschungssatelliten der <em>Prognoz</em>-Reihe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die <em>Molnija</em>, nachdem sie ihre Kinderkrankheiten überwunden hatte, hatte sie doch einige Nachteile gegenüber anderen Trägern wie der <em>Sojus-Fregat</em>: Durch die <em>BOZ</em>-Triebwerkseinheit konnte die Stufe nur ein einziges Mal wiedergezündet werden, was ihr Einsatzspektrum einschränkte. Die <em>Fregat</em> dagegen kann mehrere Male wiedergezündet werden und so sind viel mehr Bahnen erreichbar als für die <em>Molnija</em>. So ging die Startrate nach dem Ende der UdSSR immer mehr runter und die Produktion wurde eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Webseiten:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.russianspaceweb.com/vostok_lv.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">RussianSpaceWeb.com</a></li><li><a href="https://space.skyrocket.de/doc_lau/vostok.htm" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Daten bei <em>Gunther&#8217;s Space Page</em></a></li><li><a href="https://historicspacecraft.com/Rockets_Russian.html#Molniya" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">HistoricSpaceCraft.com</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20240727190731/http://www.b14643.de/Spacerockets_1/East_Europe_1/Semyorka/Description/Molniya/Frame.htm" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Daten zur <em>Molnija</em> bei Norbert Brügge</a></li></ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/molnija/" data-wpel-link="internal">Molnija</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
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		<item>
		<title>Sputnik</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sputnik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raketen]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Satelliten]]></category>
		<category><![CDATA[8A91]]></category>
		<category><![CDATA[8K71PS]]></category>
		<category><![CDATA[Erdumlaufbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Laika]]></category>
		<category><![CDATA[Nutzlast]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
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		<category><![CDATA[Sputnik]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Grundlage der Trägerrakete für die sowjetischen Sputnik-Satelliten war die ballistische Interkontinentalrakete (ICBM) R-7, intern auch „Semjorka“ (die Siebente) genannt, welche ab 1954 im Versuchskonstruktionsbüro OKB-1 entwickelt wurde. Ein Beitrag von Uwe Rätsch und Daniel Maurat. Geschichte Zum Transport der ab Mitte der 1950er Jahren verfügbaren thermonuklearen Sprengköpfe über interkontinentale Entfernungen wurde im OKB-1 im Jahre [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Grundlage der Trägerrakete für die sowjetischen <em>Sputnik</em>-Satelliten war die ballistische Interkontinentalrakete (ICBM) <em>R-7</em>, intern auch „Semjorka“ (die Siebente) genannt, welche ab 1954 im Versuchskonstruktionsbüro OKB-1 entwickelt wurde.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Uwe Rätsch und Daniel Maurat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichte</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_1.jpg" alt=""/></a><figcaption>Der historische Start einer <em>R-7 Sputnik</em>-Rakete am 4. Oktober 1957 mit dem ersten Erdsatelliten <em>Sputnik 1</em> an Bord<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Transport der ab Mitte der 1950er Jahren verfügbaren thermonuklearen Sprengköpfe über interkontinentale Entfernungen wurde im OKB-1 im Jahre 1954 mit der Entwicklung einer leistungsstarken Interkontinentalrakete begonnen. Die Typenbezeichnung der Rakete lautete R-7 (Erzeugnis 8K71), die Flugerprobung begann im Mai 1957.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der für damalige Verhältnisse gewaltigen Größe der Rakete eignete sie sich auch für den Transport von Raumflugkörpern in eine Erdumlaufbahn. Insbesondere Chefkonstrukteur Sergej Koroljow hegte insgeheim schon seit längerer Zeit den Traum, mit seinen Raketen Satelliten ins All zu befördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der R-7 war dafür nun endlich das erforderliche Transportmittel verfügbar. Nun musste nur noch die sowjetische Führung für das Vorhaben begeistert werden, insbesondere der Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow. Bei einem Besuch des OKB-1 am 27. Februar 1956 sprach Koroljow Chruschtschow auf die Möglichkeit an, mit der R-7 einem künstlichen Erdsatelliten in den Weltraum zu befördern, mit dem Hinweis, dass man damit einen würdigen sowjetischen Beitrag für das Internationale Geophysikalische Jahr leisten könne. „Wenn es der Hauptaufgabe nicht schadet, so tun sie es“ war Chruschtschows Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt arbeitete das OKB-1 schon geraume Zeit an der Entwicklung eines Erdsatelliten, der zunächst nur als Objekt D bezeichnet wurde. Mit dem erfolgten staatlichen Segen war es nun möglich, sich mit ganzer Kraft dieser Aufgabe zu widmen. Dabei stieß man allerdings auf enorme Schwierigkeiten und bald war klar, dass Objekt D im geplanten Startjahr 1957 nicht fertig werden würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Koroljow aufgrund der Verzögerungen mit Objekt D befürchtete, dass die Amerikaner ihm beim Start des ersten Erdsatelliten zuvorkommen könnten, ordnete er den Bau zweier Exemplare eines einfachen Erdsatelliten an. Er wurde PS-1 (PS = Prostjeschij Sputnik = einfachster Erdsatellit) genannt und war als Kugel von 58 Zentimetern Durchmesser konzipiert. Mit vier langen Stabantennen, die das Äußere des Satelliten komplettierten, hatte man ein äußerst symbolträchtiges Erscheinungsbild geschaffen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_sat.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_sat.jpg" alt="" width="310" height="233"/></a><figcaption>Die bekannteste Nutzlast der Rakete: der erste Erdsatellit <em>Sputnik 1</em><br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei R-7-Raketen wurden dem Erprobungsprogramm für Interkontinentalraketen (ICBMs) entnommen und an die Erfordernisse zum Start eines Erdsatelliten angepasst. Mit der ersten Rakete (Erzeugnis 8K71PS Nr. M1-1) wurde am 4. Oktober 1957 der weltweit erste Erdsatellit Sputnik 1 auf einer erdnahen Umlaufbahn abgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljows Raumfahrtpläne stießen bei der Sowjetführung zunächst kaum auf Interesse. Die internationale Reaktion auf den Sputnik-Start kam für die Führungsriege deshalb völlig überraschend. Nun erst erkannte man, welch enormes politisches Kapital man mit den Raumfahrterfolgen erzielen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chruschtschow fragte bei Koroljow an, ob man zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des 40. Jahrestages der Oktoberrevolution nicht eine weitere kosmische Erstleistung hinbekommen könnte. Er dachte dabei an den Flug eines Lebewesens, dabei vor allem an einen Hund. Allerdings war das Oktoberjubiläum bereits vier Wochen nach dem ersten Sputnik-Start. Die Zeit für die Vorbereitung und Durchführung der Mission war also denkbar knapp, doch Koroljow sagte zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Vorhaben verwendete man im OKB-1 das Reserveexemplar der Trägerrakete des ersten Sputniks. Ebenfalls existierte ein Reserveexemplar von Sputnik 1, das man nun mit einer Hundekabine aus dem Höhenraketenprogramm kombinierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sputnik 2 genannte Erdsatellit mit der Hündin Laika gelangte am 3. November 1957 mit der zweiten Rakete des Typs 8K71PS (Nr. M1-2) erfolgreich auf seine Umlaufbahn. Der Satellit blieb auch im Orbit mit dem Mittelblock der Trägerrakete verbunden. Eine Rückkehr des Satelliten war nicht vorgesehen. Aufgrund der kurzen Zeitspanne, die vom Beschluss bis zum Start des ersten Biosatelliten zur Verfügung stand, war es unmöglich, für die Hundekabine ein wirksames Temperaturregelungssystem zu konstruieren. Die Temperatur in der Kabine erreichte deshalb recht schnell kritische Werte und Laika starb bereits nach kurzer Zeit an Überhitzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der ursprünglichen Planung sollte der als Objekt D bezeichnete größere Forschungssatellit als erster starten, doch nun war er erst als dritter im Reigen der Erdsatelliten an der Reihe. Für seinen Start hatte man eine Spezialversion der Semjorka mit der Codebezeichnung 8A91 entwickelt. Sowohl von der Trägerrakete als auch vom Satellit wurden zwei Exemplare hergestellt. Der erste Start der Rakete 8A91 (Nr. B1-2) mit Objekt D am 27. April 1958 war jedoch ein Fehlschlag, da die Rakete 88 Sekunden nach dem Abheben unverhofft explodierte. Daraufhin kamen am 15. Mai 1958 die Reserveexemplare von Satellit und Rakete (Nr. B1-1) zum Einsatz. Diesmal klappe alles wie am Schnürchen. Objekt D erreichte die geplante Umlaufbahn und wurde der Öffentlichkeit als Sputnik 3 präsentiert. Mir diesem Start endeten die Raumfahrteinsätze der R-7 in zweistufiger Konfiguration.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die R-7 wurde im OKB-1 als Zweistufenrakete konzipiert, wobei um einen zentralen Mittelblock (der ersten Stufe) vier konische Seitenblöcke als zweite Stufe angeordnet waren. Sowohl der zentrale Block A als auch die vier Seitenblöcke B, W, G ,D wurden auf der Startrampe gleichzeitig gezündet und sorgten für den nötigen Startschub.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Leerbrennen der Seitenblöcke wurden diese abgetrennt. Anschließend lief nur noch Block A weiter und besorgte den weiteren Aufstieg von Rakete und Nutzlast. Dieses Prinzip nennt man Parallelstufung. Es wird bis in die Gegenwart bei allen Trägerraketen der R-7-Reihe angewendet. Sowohl die 8K71PS als auch die 8A91 besaßen noch keine Oberstufe. Sie bestanden nur aus den fünf Raketenblöcken, über die bereits die R-7 ICBM verfügte. Erst bei den folgenden R-7-Trägerraketenmodellen wurden zusätzliche Oberstufen eingeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erste Stufe</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Stufe (Block A) war keulenförmig, hatte maximal 2,95 m Durchmesser und mit Nutzlastspitze eine Gesamtlänge von 29,17 m (8K71PS) bzw. 30,21 m (8A91). Als Triebwerk wurde ein RD-108 verwendet, dass über vier Brennkammern und vier Steuerdüsen verfügte. Der Startschub belief sich auf 718 kN (Version 8D75PS eingesetzt in der 8K71PS) bzw. 627 kN (Version 8D77 eingesetzt in der 8A91). Als Treibstoff wurde die Kombination Kerosin/Flüssigsauerstoff (LOX) verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweite Stufe</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier Seitenblöcke B, W, G, D der zweiten Stufe waren je 19,8 m lang und hatten einen Basisdurchmesser von 2,68 m. In jedem Seitenblock war ein Triebwerk des Typs RD-107 (Version 8D74PS bzw. 8D76) verbaut, das jeweils über vier Brennkammer und zwei Steuerdüsen verfügte. Jedes RD-107 erzeugte 794 kN Startschub, der im Vakuum schließlich auf 971 kN anwuchs. Wie schon bei der Erststufe kam ebenfalls die Treibstoffkombination Kerosin/Flüssigsauerstoff zum Einsatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten des Gesamtpakets</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/techdatgesamtpaket500.jpg" alt=""/></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auswirkungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>R-7</em> stieß das Tor in den Weltraum auf und markierte den Startschuss für ein zwölfjähriges Rennen in den Weltraum und später zum Mond. Sie wurde schnell zum Arbeitspferd der Sowjets und ihre Abkömmlinge fliegen auch heute noch in den Weltraum. Ihre Nutzlasten hatten auch einen großen Einfluss, denn sie ebneten den Weg für die heutige Satelliten, die heutzutage nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind, so etwa Kommunikationssatelliten, Satelliten für das GPS oder Wettersatelliten, die die Vorhersage des Wetters unterstützen. All diese Satelliten basieren auf die Art von Satelliten, die die <em>Sputniks</em> widerspiegelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellenverzeichnis (Auswahl)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; R-7 „Semjorka“ &#8211; Russlands kosmisches Arbeitspferd, Stefan Wotzlaw, RID 2000<br>&#8211; Das Raketentypenbuch, Eugen Reichl, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2007<br>&#8211; Norbert Brügge (Website zu R-7 Modellen)<br>&#8211; Gunther´s Space Page (Website zu R-7 Sputnik)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Artikel:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sputnik-technische-daten/" data-wpel-link="internal">Technische Daten</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sputnik-startliste/" data-wpel-link="internal">Startliste</a></li><li><a href="/raketen-index-russland/" data-wpel-link="internal">R-7</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/luna-wostok/" data-wpel-link="internal">Wostok</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sojus/" data-wpel-link="internal">Sojus</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sojus-2/" data-wpel-link="internal">Sojus 2</a></li></ul>
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		<item>
		<title>Projekt Wostok</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/projekt-wostok/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Apr 2004 13:32:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor den Amerikanern einen Menschen ins All zu bringen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Alexander Höhn. Update 2017 durch Uwe Rätsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten</strong><br>Das Wostok-Raumschiff bestand aus zwei wesentlichen Elementen: der kugelförmigen Kapsel (Durchmesser: 2,3 m, Volumen: 1,6 m³, Masse: 2,46 t) für den jeweiligen Raumfahrer inklusive der benötigten Steuerkontrollen sowie einem angrenzenden doppelkegeligen Geräteteil (Durchmesser: 2,43 m, Länge: 2,25 m, Masse: 2,27 t), welcher im wesentlichen das Bremstriebwerk samt Treibstoff beinhaltete.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_02_260.jpg" alt=""/><figcaption>Ein frühes Wostok-Modell<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Erde zurückgeführt werden konnte nur die kugelförmige Kapsel, die zum Schutz vor der Reibungshitze beim Wiedereintritt mit einer 3 bis 11 Zentimeter dicken Asbest-Kunstharz-Verbundschicht umhüllt war. Der Gesamtkomplex hatte eine Masse von 4,73 t, im Verbund mit Block-E sogar 6,17 t. Wostok war 4,41 m lang, bzw. mit Block-E 7,35 m.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Kapselwand existierten drei mit 1,2 m Durchmesser recht große Luken, durch die der Kosmonaut einstieg, der Fallschirm herausgeschossen bzw. Gerätschaften installiert wurden. Drei kleinere Luken mit einem Durchmesser von jeweils 25 cm dienten der Erdbeobachtung und als Navigationshilfe bzw. als optisches Visier und ließen sich während des Wiedereintritts durch kleine Jalousien verschließen. Die technische und wissenschaftliche Ausrüstung der Kapsel mit einer Masse von knapp 800 kg bestand hauptsächlich aus Telemetrie- und Kommunikationssystemen, aber auch Landesensoren und dem Landefallschirm. Der Kosmonaut saß auf einer Art Schleudersitz, welcher vor der Landung herauskatapultiert wurde. Grund für diese Prozedur war der Umstand, dass man mit der kugelförmigen Kapsel nur ballistische Landungen durchführen konnte, was für den Raumfahrer Belastungen bis 10 g bedeutete und es außerdem erschwerte, die Kapsel vor dem Aufschlag genügend abzubremsen. Somit hielt man die Sicherheit des Kosmonauten für vorrangig und ließ ihn separat an einem Fallschirm landen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schleudersitz diente im Falle einer Havarie der Trägerrakete auf der Startrampe oder in den ersten Flugsekunden ebenfalls als Sicherheitssystem, welches den Kosmonauten aus dem direkten Gefahrenbereich hätte retten können. In der Kapsel herrschte irdische Normalatmosphäre. Von dem ursprünglichen Plan, wie die Amerikaner reinen Sauerstoff zu verwenden, sah man aufgrund der damit verbundenen Gefahren ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geräteteil blieb während des Fluges zwei über Kreuz angeordnete metallene Spannbänder mit der Kapsel verbunden, welche nach Brennschluss des Triebwerks bzw. unmittelbar vor dem Wiedereintritt abgesprengt wurden. Als Triebwerk fand das Issajews TDU-1 auf Basis von Salpetersäure und einem Amintreibstoff mit einem 45 Sekunden langen Schub von 15,83 kN Verwendung. Das Manövrieren im Raum wurde von mit 2 x 16 Stickstoffdüsen verbundenen Infrarotsensoren gesichert. Zur Versorgung des Raumschiffs sowie aller Systeme inkl. Kapsel wurden außen 14 Druckgasbehälter mit Sauerstoff, Stickstoff und reiner Luft angebracht. Als primäre (und einzige) Energiequelle dienten chemische Batterien mit einer Betriebsdauer von 10 Tagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entwicklung</strong><br>Zu Beginn der sowjetischen Raumfahrt lagen die Wurzeln jedes Programms natürlich im militärisch-industriellen Komplex. Dies wussten auch die Konstrukteure, allen voran Sergei Koroljow, die mit zivilen Projekten keinerlei Chance auf eine Finanzierung oder nennenswerte staatliche Unterstützung gehabt hätten. Die Rüstungsindustrie spielte generell eine entscheidende Rolle bei der Präsenz der UdSSR im Weltall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das OKB-1, also Koroljows Konstruktionsbüro, erhielt 1956 den Auftrag einen Foto-Aufklärungssatelliten unter der Bezeichnung &#8222;Zenit&#8220; zu entwickeln. Zenit sollte mangels leistungsstarker Übertragungstechnik die geschossenen Bilder in einer kleinen Kapsel zur Erde zurückführen, um sie erst dort zu entwickeln und auszuwerten. Mit diesem Programm war bereits vor dem Start von Sputnik die Instrumentalisierung der Raumfahrt als direkte (Spionage) aber auch als indirekte (Propaganda) Waffe des Kalten Krieges beschlossene Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Umstand bewog den damaligen Parteichef Chruschtschow, dem gesamten Raumfahrtprogramm höchste Priorität einzuräumen und dieses militärisch und technisch nutzbar zu machen, um unter allen Umständen schnellstmöglich Erfolge vorzeigen zu können. Damit rückte auch die lange vorher erwogene Möglichkeit, einen Menschen ins All zu schießen, in der Mittelpunkt aller Planungen. Koroljow erhielt schließlich im Sommer 1956 den offiziellen Auftrag zur Entwicklung eines bemannten Raumschiffes unter der Bezeichnung &#8222;Wostok&#8220; und begann dann Anfang 1958 mit intensiveren Planungen. Etwa zur gleichen Zeit verkündeten die Amerikaner stolz, dass man es schaffen werde, als erste Nation binnen weniger Monate einen Menschen ins All und wohlbehalten zurückzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg zu diesem Ziel war für die Sowjets weit weniger steinig als für die Amerikaner. Letztere hatten bereits im voraus massive Rückschläge in ihrem unbemannten Programm hinnehmen müssen und verfügten über keine ausreichend leistungsfähige Rakete, die eine vergleichsweise schwere bemannte Kapsel ins All hätte hieven können. Anders die Sowjets: ihnen stand die universell einsetzbare und sehr leistungsfähige Interkontinentalrakete R-7 (&#8222;Semjorka&#8220;) zur Verfügung, deren Konstruktion in wesentlichen Bereichen auf der deutschen A-4 (auch bekannt als V-2) beruhte, welche man nach Kriegsende in die Sowjetunion brachte und dort weiterentwickelte. Letztlich konnte Koroljow für das bemannte Raumschiff auch einfach auf die Zenit-Kapsel zurückgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Kapsel mit einem Durchmesser von 2,3 Metern ließ sich mühelos ein Kosmonaut samt Lebenserhaltungssystem unterbringen. Zu Beginn des Wostok-Programms war allerdings das letztendliche Missionsszenario mehr als unklar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erwog man anfangs, ähnlich wie es die Amerikaner dann auch verwirklichten, einen ballistischen Flug mit Hilfe einer Höhenrakete durchzuführen und somit die Erde nicht zu umkreisen. Einer der energischsten Gegner dieses Plans war letztendlich Koroljow selbst, der zwar um die relative technische Leichtigkeit eines solchen Unterfangens wusste, aber auch erkannte, dass dies kein wirklicher Raumflug war. Die Amerikaner ließen sich nur durch die Formel &#8222;schneller &#8211; höher &#8211; weiter&#8220; (zumindest in den Augen der Öffentlichkeit) schlagen, und da war eine Erdumkreisung, also ein orbitaler Flug, weitaus besser geeignet als ein kleiner ballistischer Hopser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zu jenen Planungen wurde die Oberstufe Block-E für die bereits angesprochene R-7-Rakete konzipiert. Bereits 1957 qualifizierte sich die R-7 durch den erfolgreichen Sputnikstart für ihren Einsatz in der Raumfahrt. Durch die erhöhte Nutzlast war allerdings eine modifizierte Oberstufe nötig, welche die mehrere Tonnen schwere Wostok-Kapsel auf eine ausreichend hohe Bahn bringen konnte. Koroljow dachte bei Block-E noch weiter: so ließen sich mit dieser Oberstufe in Kombination mit der nun dreistufigen R-7, welche in abgewandelter Form noch heute das Rückgrat der russischen Raumfahrt bildet, alle Arten schwerer Erdsatelliten, aber auch Mond- und Planetensonden ins All bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch konnte man die Zeit nicht aus den Augen verlieren. Mit Abschluss der Vorarbeiten im April 1958 wurde klar, dass man sich viel Zeit und Energie sparen könnte, indem man auf ein ausgefeiltes Landesystem verzichtete und stattdessen den Kosmonauten nach dem Wiedereintritt in einer bestimmten Höhe aus der Kapsel hinauskatapultieren und unabhängig von der eigentlichen Kapsel landen ließe. Im gleichen Zug mit Abschluss der Planungsphase wurde eiligst eine Kommission für bemannte Weltraumflüge unter Vorsitz von Konstantin Rudnew, seines Zeichens bereits Vorsitzender des Komitees für Verteidigungstechnologie (GKOT), gebildet, um die Anstrengungen des Wostok-Programms besser zu koordinieren und zu zentralisieren. Zu Rudnews Stellvertreter wurde Sergei Koroljow selbst berufen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_04_320.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_04_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>R-7 in der Version Luna beim Start.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rat der Chefkonstrukteure der UdSSR fasste im November 1958 den Beschluss, einen bemannten Raumflug intensiv vorzubereiten und diesem als ziviles Projekt allerhöchste Priorität selbst vor vergleichbaren militärischen Plänen einzuräumen. Auch wurde hier der Beschluss gefasst, die Mission auf alle Fälle als orbitalen Flug durchzuführen. Bereits Anfang 1959 konnte man mit dem Bau der Wostok-Kapsel beginnen und war damit im Vergleich zu den Amerikanern erneut im zeitlichen und organisatorischen Vorteil. Ungünstig auf die Qualität des gesamten Projekts wirkte sich der Brauch aus, Konstruktion und Bau gleichzeitig ablaufen zu lassen. Damit wurde es kaum möglich, die Kapsel auf der Erde zu erproben und man nahm auch weitere Risiken in Kauf, um das Wettrennen ins All für sich zu entscheiden. Jedenfalls konnte man im Herbst dieses Jahres im Werk Kuibyschew (heute Samara) ein erstes &#8222;elektrisches Analog&#8220;, eine komplette Kapsel ohne Hitzeschild, fertig stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem Schritt wurde die maßgebliche technische Ausgestaltung des Programms abgeschlossen, und die neue Oberstufe machte die R-7 zu einer der erfolgreichsten, sichersten und zuverlässigsten Trägerraketen der Welt und einem langlebigen Arbeitspferd der sowjetischen Raumfahrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa parallel mit der Fertigstellung des elektrischen Analogs begann man eine intensivere Testphase, die mit Abwurftests mit der Wostok-Kapsel begann. Im Gegensatz zu den USA konnte man viele wertvolle Monate Zeit sparen, da man aufgrund der Kugelgestalt nicht erst, wie bei den Mercury-Kapseln der NASA mit ihrer Kegelform der Fall, das Flugverhalten der Kapsel untersuchen musste. Ebenfalls wurde eine Reihe von Katapulttests durchgeführt, um die Landesequenz, neben dem Start der risikoreichste Teil der gesamten Mission, zu simulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feuertaufe bestand das Wostok-Raumschiff am 15. Mai 1960, als man eine vereinfachte unbemannte Kapsel (Wostok 1KP, &#8222;prostjeschij&#8220; = &#8222;einfach&#8220;) unter der Bezeichnung &#8222;Korabl 1&#8220; (Raumschiff 1, im Westen irreführend auch als Sputnik 4 bezeichnet) in eine annähernd kreisförmige Erdumlaufbahn brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zur späteren Variante, glich Korabl 1 eher dem Zenit-Satelliten und besaß zwei Solarpaneele, dafür aber keinerlei Lebenserhaltungs- oder Landesysteme. Auch über eine Hitzeschutzschicht für den Wiedereintritt verfügte die Kapsel noch nicht. Zur Unzufriedenheit aller Beteiligten gab es enorme Probleme mit der Sprechfunkverbindung, die man probeweise zum Raumschiff aufbaute. Am 19. Mai kam es zum Test des Bremstriebwerks TDU, womit man einen wesentlichen und sehr riskanten Teil der Mission nachstellte. Durch einen Fehler in einem Infrarotsensor orientierte sich Korabl 1 allerdings falsch, und das Triebwerk leitete nicht den Abstieg ein, sondern brachte das Raumschiff auf eine noch höhere Umlaufbahn. Später verglühten Kapsel und Geräteteil wie geplant in der Atmosphäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen derben Rückschlag erhielt das Programm am 28. Juli desselben Jahres, als eine vollständig ausgerüstete und mit der später eingesetzten Version annähernd identische Kapsel (Bezeichnung Wostok 1K No. 1) mit den beiden Hunden Tschaika und Lisitschka an Bord etwa 19 Sekunden nach dem Start infolge eines Triebwerksschadens in einem der Außenblöcke explodierte und rund 2.000 Meter vom Startplatz entfernt aufschlug und zerschellte. Die Hunde hatten dabei nicht die Spur einer Chance, was die Notwendigkeit eines Havarierettungssystems drastisch vor Augen führte.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_03_320.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_03_260.jpg" alt=""/></a><figcaption><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif" alt="" width="4" height="4">Weltraumhündin Strelka nach der Landung.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fehlstart wurde selbstverständlich nicht bekannt gegeben, stattdessen wiederholte man den Start bereits am 19. August, woraufhin die Kapsel mit der Bezeichnung Korabl 2 (Sputnik 5) mit den beiden Hunden Belka und Strelka sowie zwei Ratten und vierzig Mäuse an Bord die vorgesehene Erdumlaufbahn erreichte. Bereits am 20. August, nach rund 17 Erdorbits, landete die Kapsel sicher nahe der Ortschaft Orsk. Die an Bord befindlichen Tiere wurden wie geplant aus der Kapsel katapultiert und dabei einer Beschleunigung von bis zu 10 g ausgesetzt, überlebten aber die Strapazen und bewiesen die Einsatzfähigkeit des Verbundes R-7/Block E/Wostok. Unterdessen beobachteten auch die Amerikaner die Vortastversuche der Sowjets mit Besorgnis, schließlich ließen Ergebnisse ihres Mercury-Programms weiterhin auf sich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1960 wurden weitere Details zu den folgenden, unbemannten Missionen klar. Es wurden verschiedene Designveränderungen, Vereinfachungen und Masseeinsparungen, aber auch Einzelheiten zum Rettungssystem und zum Raumanzug SK-1 besprochen und beschlossen. Am 19. September unterbreiteten dann verschiedene Persönlichkeiten, unter ihnen Koroljow, der Chef der Raketentruppen Nedelin, der stellvertretende Ministerpräsident Ustinow sowie der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR Keldysch, dem ZK der KPdSU die Empfehlung, den Termin für den ersten bemannten Raumflug in den Dezember zu verlegen. Die Zustimmung von ZK und Ministerrat kam am 11. Oktober und machte den Weg für den Raumflug frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch damit war es nicht geschehen. Einzelne Systeme, darunter der lebenswichtige Schleudersitz, erwiesen sich als nicht funktionsfähig, bzw. wiesen Fehlfunktionen auf, welche bei einem Test des Schleudersitzes sogar das Leben eines Probanden forderten. Damit wurde ungewiss, ob sich der Termin im Dezember einhalten lassen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Ausschlag für die Streichung des Fluges im Dezember gab letztendlich die &#8222;personelle Lücke&#8220;, welche eine Explosion der neu konstruierten Interkontinentalrakete R-16 aus dem OKB Jangel am 24. Oktober 1960 auf einem Startpodest des Kosmodroms Baikonur hinterließ. Rund 100 führende Raumfahrtspezialisten kamen bei dem Inferno ums Leben, unter ihnen der Chef der Raketentruppen, Marschall Nedelin, gleichzeitig einer der maßgeblichen Förderer der Raumfahrtprogramms.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man entschied sich aus Sicherheitsgründen für zwei weitere unbemannte Flüge im Dezember. Den Auftakt bildete am 1. Dezember Korabl 3 (1K No. 5), bei dem unter anderem die beiden Hunde Ptscholka und Muschka an Bord waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Einleiten der Rückkehr befand sich die Kapsel wegen eines Defekts im Stabilisierungssystems in einer taumelnden Bewegung. Der Schubvektor des Bremstriebwerks war deshalb nicht genau entgegen der Flugrichtung gerichtet. Obwohl das Triebwerk die vorgesehene Zeit brannte, war infolge dessen die Bremswirkung zu gering. Das an Bord des Raumschiffs befindliche Selbstzerstörungssystem war so programmiert, dass es aktiviert wurde, wenn nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach der Zündung des Bremstriebwerks die Bremsverzögerung des Wiedereintritts einsetzte. Man wollte damit verhindern, dass das Raumschiff im Ausland landet und in fremde Hände fällt. Genau das war nun der Fall, weshalb das Selbstzerstörungssystem in Aktion trat und das Raumschiff in Stücke riss.<br><em>(Quelle: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band der Sieg Koroljows, Seite 387.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Termin für den bemannten Start rutschte daher weiter ins Jahr 1961.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch das folgende Korabl-Raumschiff (1K No. 6) stand unter keinem glücklichen Stern. Beim Start am 22. Dezember 1960 kam in der Oberstufe der Wostok-Rakete (Block E) erstmals das neue Triebwerk RO-7 zum Einsatz. Bei allen vorherigen Starts wurde noch das ältere RO-5 verwendet. Prompt kam es mit dem neuen Triebwerk zu Problemen: Es versagte, sodass nur ein ballistische Flug über eine Entfernung von 3.500 km möglich war. Die Notlandung erfolgte bei ca. minus 40 Grad Celsius in Jakutien. Wegen eines durchgebrannten Kabels war allerdings die Kabine mit den Hunden Kometa und Tschutka nicht aus der Kapsel katapultiert worden. Das erwies sich nun als Glücksfall, denn trotz des strengen Frostes blieben die Hunde dadurch am Leben und konnten nach zwei Tagen stark unterkühlt aber ansonsten unversehrt geborgen werden.<br><em>(Quellen: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band: Der Sieg Koroljows, Seiten 387/388. Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dieser Vorfall gab zu denken, der erste bemannte Raumflug musste unter allen Umständen erfolgreich verlaufen. Der Tod eines Raumfahrers könnte dem gesamten sowjetischen Programm den Todesstoß versetzen. Um die Gefahren zu minimieren, modifizierte man die Kapsel unter der Bezeichnung 3KA erneut. So erhöhte man z.B. die Stärke des aus Asbest bestehenden Hitzeschutzschildes von 3 auf 13 cm. Ebenfalls erging der Beschluss, dass der erste Raumflug die Erde nur einmal (= 90 Minuten) anstelle der geplanten 17-mal (was einem eintägigen Flug entspräche) umrunden sollte. Unterdessen kündigten die Amerikaner ihren ersten suborbitalen Flug für den 28. April 196a an. Die Parteiführung drängte nun, den Flug unter allen Umständen vor diesem Termin durchzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um einige abschließende Tests durchzuführen, fertigte man sogenannte &#8222;Space Dummies&#8220;, also menschengroße und -schwere Puppen, welche dem Wostok-System das &#8222;Space Proof&#8220;-Siegel verleihen sollten. Die Dummies trugen auch bereits die für die späteren bemannten Flüge vorgesehenen Raumanzüge des Typs SK-1. Bei dem anderthalbstündigen Flug von Korabl 4 (3KA No. 1) am 9. März 1961 lief dann auch alles wie geplant, und sowohl der an Bord befindliche Hund Tschernuschka, als auch der Dummie „Iwan Iwanowitsch“ waren nach der Landung rund 260 km nordöstlich der Stadt Kuibyschew (heute Samara) wohlauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem Start von Korabl 5 (3KA No. 2) am 25. März waren in Baikonur erstmals sechs Kosmonautenkandidaten anwesend. Auch dieser Flug mit dem Hund Swjosdotschka und dem Dummie &#8222;Iwan Iwanowitsch Nr. 2&#8220; an Bord verlief planmäßig, nur bei der Landung wurde das eigentliche Zielgebiet um rund 660 km verfehlt und die Kapsel ging rund 80 km von der Gebietshauptstadt Udmurtiens, Ishewsk, entfernt nieder.<br><em>(Quelle: Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem abschließenden Tests gaben die Konstrukteure ihr &#8222;Go&#8220; und schon der nächste Flug würde Anfang April bemannt durchgeführt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Kosmonautengruppe Nr. 1</strong><br>Der menschliche Faktor für einen Raumflug wurde von Koroljow zu keinem Zeitpunkt unterschätzt, und so begann man Anfang 1959 mit der akribischen Suche nach geeigneten Kandidaten und mit einer strengen Auswahlprozedur. Für die zukünftigen &#8222;Lieferanten&#8220; von Kosmonauten qualifizierten sich automatisch mehrere Extremberufe, wie z.B. Leistungssportler, U-Boot-Fahrer, Bergsteiger usw. Koroljow bevorzugte für den Job als Raumfahrer allerdings eher Jagdflieger. Für eine Rekrutierung gab es einen ganzen Kriterienkatalog, der folgende Parameter vorsah: maximal 36 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und 70 bis 72 kg schwer.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_05_400.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_05_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Kosmonautengruppe Nr. 1<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt wurde die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Wershinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wurde. Mehr als 3.000 Piloten wurden von der &#8222;Kommission für das Thema Nr. 6&#8220;, die Tarnbezeichnungen waren aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen. Den Ausschlag für die Rekrutierung gab ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So musste man ein &#8222;reines&#8220; Verhältnis zur Partei haben, sowie eine &#8222;saubere&#8220; Biographie vorweisen können. Nur Leute mit einwandfreier Vergangenheit würden sich letztendlich so für Propagandazwecke nutzen lassen, wie man es sich seinerzeit vorstellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 400 Auserwählten wurden in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und im Herbst 1959 in Moskau eingehender untersucht. Die meisten von ihnen disqualifizierten sich durch Mangel an Ausdauer, sodass schließlich nur noch 30 Anwärter übrig blieben, deren Zahl im Januar 1960 nochmals auf 20 verringert wurde und schließlich als erste Kosmonautengruppe vorgestellt wurde. Bis zu jenem Zeitpunkt war allen Rekrutierten der eigentliche Zweck ihrer Auswahl verschwiegen worden, da man keinerlei Risiko eingehen wollte und man durch das Bekanntwerden der Bemühungen um baldest mögliche Erfolge die nationale Sicherheit und das internationale Prestige bedroht sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 20 Kandidaten begannen am 14. März 1960 eine Art Grundtraining auf dem Moskauer Zentralflughafen &#8222;M. W. Frunse&#8220;. Der Unterrichtsplan bestand hauptsächlich aus Lektionen in Physik, Himmelsmechanik, Raketentechnik und Biologie, speziell Medizin. Die Ausbildung wurde geleitet von Raumfahrttheoretikern, Raketenwissenschaftlern und Konstrukteuren vom OKB-1. Kurioserweise befanden sich unter den Ausbildern auch einige, welche später selbst in All flogen: so z.B. Makarow, Jelissejew und Feoktistow. Die praktische Ausbildung bestand aus Fallschirmspringen, Flügen mit der MiG-15 UTI (mit der 1968 Gagarin tödlich verunglückte), Parabelflügen mit einer TU-104, aber auch aus nervenzehrenden Aufenthalten in isolierten Barokammern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Raumfahrer wurden auf Schritt und Tritt beobachtet und jeder Mangel wurde von den Ausbildern protokolliert, die psychische und physische Verfassung während des Trainigs genau verfolgt. Die Ausbildung selbst entspricht nicht mehr den heutigen Methoden, da man damals mangels Wissen über die Einflüsse der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus die Trainingseinheiten nicht &#8222;weltraumgerecht&#8220; gestalten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da eine Ausweitung des gesamten bemannten Weltraumprogramms abzusehen war, veranlasste man auf Beschluss des ZK der KPdSU am 11. Januar 1960 die Gründung eines zentralen Kosmonauten-Ausbildungszentrums. Bereits im Sommer dieses Jahres war die grundlegende Infrastruktur geschaffen worden und man konnte das Training dort, weit besser vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, aufnehmen. Das ZPK (&#8222;Zentr Podgotowki Kosmonawtow&#8220;), heute wohl eher als &#8222;Sternenstädtchen&#8220; bekannt, war von nun an das Zentrum der Bemühungen um einen bemannten Raumflug und die Trainingseinheiten wurden intensiviert, um den Kreis der möglichen Kosmonauten weiter einzugrenzen. Der erste Chef des ZPK wurde Oberst Jewgeni Karpow, die Kosmonautenausbildung leitete fortan Nikolai Kamanin, aufgrund seiner Verdienste als Pilot zu jener Zeit bereits Held der Sowjetunion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Arbeiten liefen planmäßig, die Ausbildung schritt voran und das Fluggerät war bereits fertig, so dass man bereits im Dezember 1960 das Zeitalter der Präsenz des Menschen im Weltall einläuten wollte. Am 31. Mai wurden sechs der 20 Kandidaten ausgewählt, am Wostok-Programm teilzunehmen. Dabei handelte es sich um Gagarin, Titow, Nikolajew, Popowitsch, Kartaschow und Warlamow. Die restlichen 14 Rekruten schieden zwar damit nicht aus dem Trainingsprogramm aus, wurden allerdings nicht speziell im Wostok-Simulator ausgebildet, was ab Juli geschah. Am 18. Juni wurden die Anwärter ins Herstellerwerk Kuibyschew gebracht, wo sie zum ersten Mal das Wostok-Raumschiff in voller Pracht sahen und von niemand Geringerem als Sergei Koroljow gezeigt bekamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl bis dahin alles planmäßig verlief, traten zu jenem Zeitpunkt mehrere unvorhersehbare Ereignisse ein, welche die Kosmonautengruppe verkleinerten, veränderten und somit die gesamte Planung durcheinander brachten. Zunächst disqualifizierte sich Anatoli Kartaschow und wurde, nachdem nach einem Zentrifugentest am 16. Juli ein Gefäßriss an der Wirbelsäule festgestellt wurde, durch den Kampfpiloten Neljubow ersetzt und erst einmal zurückgestellt. Gänzlich aus dem Raumfahrtprogramm entfernt wurde er erst am 7. April 1962, nachdem er sich für Überbelastungen als untauglich erwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. Juli 1960 verletzte sich Walentin Warlamov bei einem Badeausflug infolge eines Kopfsprungs an der Halswirbelsäule und wurde durch Waleri Bykowski ersetzt. Warlamow war fortan Ausbilder des ZPK im Fach Astronavigation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schwerer und auch äußerst tragischer, tödlich endender Unfall trug sich am 23. März 1961, also nur kurze Zeit vor dem Start von Gagarin, in einer Isolationskammer des ZPK zu. Kandidat Bondarenko warf einen für medizinische Untersuchungen im Rahmen eines 10-tägigen Aufenthaltes in der Isokammer mit Alkohol getränkten Wattebausch auf eine elektrische Heizplatte, welche sich sofort entzündete und aufgrund der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch abgeriegelten Kammer sofort alles in Brand steckte. Bondarenko versuchte zunächst selbst vergeblich das Feuer zu löschen, bevor er Alarm schlug. Als der Druckausgleich mit der Kammer hergestellt werden konnte, war Bondarenko zwar am Leben, hatte aber derart starke Verbrennungen erlitten, dass er acht Stunden später starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorfall wurde wegen dem befürchteten &#8222;schädlichen&#8220; Abfärben auf das bis dahin geltende Image von den erfolgreichen sowjetischen Errungenschaften in der Raumfahrt bis 1986 totgeschwiegen. Bereits wenige Jahre später ereignete sich mit Apollo 1 eine ähnliche Katastrophe, welche ebenfalls auf die Verwendung von reinem Sauerstoff unter Niedrigdruck als Atmosphäre und auf das Fehlen einer schnell zu öffnenden Luke zurückzuführen war.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_06_400.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_06_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Start von Wostok 1 mit Juri Alexejewitsch Gagarin.<br>(Foto: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl dieser Zwischenfall den Initiatoren des sowjetischen Raumfahrtprogramms zu denken gab, sah man keinen Grund, dieses zu stoppen. Symbolisch bekamen die sechs Anwärter nach ihren Prüfungen am 17. und 18. Januar den Titel &#8222;(Flieger-) Kosmonaut&#8220; verliehen, durften sich aber öffentlich nicht so nennen, da man auch die Mitglieder der Kosmonautengruppe zur Verschwiegenheit nach außen verpflichtete. Letztendlich galt es, unter den sechs Verbliebenen, denjenigen herauszusuchen, der einerseits die besten Testresultate an den Tag legte, andererseits aber auch mit Charme und Charakter für die Propagandamaschinerie verwertbar war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">General Kamanin gab Juri Gagarin bereits Ende März zu verstehen, dass er sich Hoffnung machen dürfe, als erster ins All zu fliegen. Gagarin zeichnete sich in allen Disziplinen dadurch aus, immer zur Leistungsspitze zu gehören und nirgendwo zu schwächeln. Gleichzeitig besaß er zwar einen starken, aber keinesfalls einen arroganten Charakter, wie es wohl z. B. bei Grigori Neljubow, dem zweiten Ersatzmann von Wostok 1, der Fall war. Dieser konnte es mental kaum verkraften, nicht der Erste gewesen zu sein und bekam auf Anordnung Kamanins keine weitere Flugnominierung. Ein nächtlicher Alkoholexzess am 4. Mai 1962 führte schließlich zu seiner Entlassung aus dem Kosmonautenkorps, einer Strafversetzung in den Fernen Osten. Das löste bei ihm Depressionen aus und führte am 18. Februar 1966 zum Selbstmord, als er sich an der Bahnstation Ippalitowka in Sibirien von einem Zug erfassen ließ und sofort starb. Auch sein Name wurde aus den Annalen der sowjetischen Raumfahrt entfernt, sein Schicksal blieb lange Zeit unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flugverlauf</strong><br>Im Rahmen des Wostok-Programms wurden 6 Missionen durchgeführt.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Wostok 1: 12. April 1961. Juri Gagarin.<br>Start um 7.07 Uhr MEZ<br>Einmalige Erdumkreisung, Rückkehr nach 108-minütigem Flug (= 41.000 Kilometer Flugstrecke). Landung Gagarins am Fallschirm separat von der Kapsel, nahe Smelowka, 26 Kilometer südwestlich von Engels.</li><li>Wostok 2: 06. August 1961. German Titow.<br>Durchführung von 17 Erdumkreisungen (= 1d 1h 17min; 703.000 Kilometer). Erstmals Filmaufnahmen und Experimente unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit. Titow litt an akuter Weltraumkankheit, klagte über Übelkeit und Orientierungslosigkeit. Zeitweise Ausfall der bordeigenen Temperaturregulierung, sinken der Bordtemperatur auf 6 °C. Erfolgreiche Landung im Gebiet Krasnij Kut bei Saratow.</li><li>Wostok 3: 11. August 1962. Andrijan Nikolajew.<br>Ernsthafte Probleme gab es beim Start, als sich ein Kabelmast nicht wie geplant von der Rakete löste, sondern erst wenige Sekunden vor dem Start zur Seite schwenkte. Das hätte unter Umständen katastrophale Folgen haben können, doch zum Glück ging alles gut. 24 Stunden später startete von der gleichen Startrampe Wostok 4. Wie schon bei vorangegangenen Flügen gab es erneut Probleme mit der Klimaanlage der Kapsel. Dennoch endete der Flug mit einem neuen Dauerflugrekord. Nach 3d 22h 22min und 64 Erdorbits landete Nikolajew nahe der kasachischen Stadt Karakalinsk.</li><li>Wostok 4: 12. August 1962. Pawel Popowitsch.<br>Start nur einen Tag nach Wostok 4 von der selben Startrampe. Durchführung des ersten Gruppenfluges der Geschichte. Näherung bis auf 6,5 Kilometer, was zwar direkten Funkkontakt aber keinen Sichtkontakt ermöglichte. Nikolajew und Popowitsch schwebten erstmals frei in ihren Kabinen, keiner von beiden litt wie Titow unter der damals vollkommen unerforschten Weltraumkrankheit. Auch bei Wostok 4 bereitete die Klimaanlage Probleme. Die Landung erfolgte aufgrund eines Missverständnisses einen Tag früher als geplant, nur 7 Minuten nach Wostok 3 nahe der Ortschaft Atas, südlich von Karaganda. Popowitsch hatte bei seinem Flug 48 mal die Erde umrundet.</li><li>Wostok 5: 14. Juni 1963. Waleri Bykowski.<br>Ursprünglich war ein Dreierflug mit Komarow, Bykowski und einem weiblichen Raumfahrer geplant, was allerdings am 1. April wieder verworfen wurde. Wostok 5 war gleichzeitig eine Vorbereitung auf kommende Mondmissionen und sollte acht Tage dauern. Durch gefährliche Sonnenaktivität wurde der Start vom 11. Juni an mehrmals verschoben. Doch auch am 14. Juni fiel während des Countdowns überraschend ein Steuerkreisel aus und eine Schnur verhedderte sich unter Bykowskis Sitzschale. Beide Probleme wurden entgegen den Vorschriften und auf Bykoskis ausdrücklichen Wunsch bei laufendem Countdown behoben. Das erreichte Apogäum war letztendlich zu niedrig, um tatsächlich acht Tage im Orbit zu verweilen. Die Landung erfolgte deshalb schon am 19. Juni nach fünf Flugtagen und 81 Erdorbits, rund 540 km nordwestlich der kasachischen Stadt Karaganda.</li><li>Wostok 6: 16. Juni 1963. Walentina Tereschkowa.<br>Zwei Tage nach Bykowski brach die 26-jährige Textilarbeiterin Walentina Tereschkowa ins All auf. Während des Fluges wurde der Gruppenflug von Wostok 3 und 4 weitestgehend wiederholt, die beiden Raumschiffe näherten sich bis auf 5 Kilometer. Die offizielle Version, dass Tereschkowa die Schwerelosigkeit erstaunlich gut vertrug, ist aufgrund widersprüchlicher Berichte anzuzweifeln. Mitunter musste sie ermahnt werden, Befehle der Bodenkontrolle korrekt auszuführen. Zudem aß und trank sie nur wenig. Tereschkowa landete nach 48 Erdumrundungen knapp drei Stunden vor ihrem Kollegen Bykowski, 620 km nordöstlich von Karaganda, und damit sehr weit vom eigentlichen Zielgebiet entfernt. Der Abstand der Landeorte der beiden Kapseln lag bei rund 800 km. Am Landeort verschenkte Walentina Tereschkowa ihre nicht verbrauchten Lebensmittel an die örtliche Bevölkerung, sodass es unmöglich war, ihren realen Lebensmittelverbrauch zu bestimmen.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Programmende</strong><br>Offensichtlich plante Koroljow ursprünglich noch mindestens einen weiteren Wostok-Flug für 1964. Gleichzeitig war aber allen Beteiligten klar, dass die technischen Möglichkeiten und damit auch die propagandistische Verwertbarkeit an ihre Grenzen gestoßen waren. Das geplante Nachfolgeraumschiff Sojus ließ weiter auf sich warten, so dass man verschiedene Ersatz-Missionen mit abgewandelten Wostok-Raumschiffen plante.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_07_260.jpg" alt=""/><figcaption>Wostok-Kapsel nach der Landung.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljow schlug 1962 vor, aus dem Raumschiff Wostok 3KA ein manövrierfähiges &#8222;Wostok 3KA-Tsch&#8220; abzuleiten, welches mit unbemannten Zusatzmodulen gekoppelt werden konnte. Dadurch hätte man nicht nur wichtige Erfahrungen im Bereich der Kopplungstechnik gewonnen, sondern hätte gleichzeitig die erste bemannte Raumstation mit einer Masse von 15 bis 25 Tonnen aufgebaut. Denkbar wäre auch eine direkte Weiterentwicklung zu einem Mondraumschiff gewesen. Wostok 3KA-Tsch stieß leider auf wenig Gegenliebe, so dass sämtliche dahingehenden Studien und Entwürfe zwar Einzug in unbemannte Programme (Zenit) fanden, die letztendliche Verwirklichung aber zu viel Zeit und Geld in Anspruch genommen hätte.<br><br>Schließlich kündigten die Amerikaner 1964 den Flug ihrer &#8222;Gemini&#8220;-Raumschiffe an und Koroljow konterte mit einer schlichten Modifikation des existenten Wostok-Systems, wozu er den Schleudersitz zu Gunsten von bis zu drei Sitzschalen entfernte. Das machte unter anderem Modifikationen am System für die weiche Landung erforderlich.<br><br>Das neu geschaffene Raumschiff wurde auf den Namen &#8222;Woßchod&#8220; getauft, um dem Westen vorzugaukeln, man hätte ein völlig neues, revolutionäres System geschaffen. Damit endete die glorreich Wostok-Ära.<br><br><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li><a href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li>Von Gagarin zur Raumstation Mir; S. 6ff.; Alfred Gugerell</li><li>Raumfahrt Concret 1/01 (16); S. 12f; Stefan Wotzlaw</li><li>Das Wostok-Programm; Stefan Wotzlaw</li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Woßchod 3KD/3KV &#8211; Das Comeback der Sowjets</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/wosschod-3kd-3kv-das-comeback-der-sowjets/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2004 15:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Woschod]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://test-portal.raumfahrer.net/?p=17647</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bereits vor Abschluss des Flugprogramms von Wostok war klar, dass sich die Sowjetraumfahrt in Kürze vor einem Dilemma stehen würde. Die Wostok-Ära war an ihr Ende gekommen, jedoch ließ das als Nachfolger konzipierte Sojus-Raumschiff weiterhin auf sich warten. Aus dieser Not heraus wurde schließlich eine Tugend gemacht und es entstand das Raumschiff &#8222;Woßchod&#8220; (zu dt.: [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Bereits vor Abschluss des Flugprogramms von <em>Wostok</em> war klar, dass sich die Sowjetraumfahrt in Kürze vor einem Dilemma stehen würde. Die <em>Wostok</em>-Ära war an ihr Ende gekommen, jedoch ließ das als Nachfolger konzipierte Sojus-Raumschiff weiterhin auf sich warten. Aus dieser Not heraus wurde schließlich eine Tugend gemacht und es entstand das Raumschiff &#8222;<em>Woßchod</em>&#8220; (zu dt.: Aufstieg, Transkription auch als &#8222;Wosschod&#8220; oder Wos-chod&#8220;).</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Felix Korsch.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/voskhod_start_260.jpg" alt=""/><figcaption>Woßchod 1 (?) unmittelbar vor dem Start. (Bild: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konstruktionsarbeiten forderten zahlreiche Kompromisse. So konnte man bei mehrköpfigen Besatzungen die Raumfahrer nicht mehr hinauskatapultieren und so eine &#8222;weiche&#8220; Landung garantieren. Vielmehr änderte man das Landeszenario und montierte nun kleine Feststofftriebwerke an den Fallschirmtrossen, um die Geschwindigkeit unmittelbar vor dem Aufsetzen zu verringern. Um Platz für zwei bis drei Raumfahrer in der eh schon engen Kapsel zu schaffen, montierte man die Konturensessel jeweils um 90° versetzt und man installierte zusätzlich eine Art Stoßdämpfer, um die Landeenergie abzufangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die technischen Daten von <em>Woßchod</em> entsprachen weitestgehend denen von <em>Wostok</em>, denn weder an den Flugsystemen noch an den Instrumenten wurden erwähnenswerte Veränderungen vorgenommen. Somit ist <em>Woßchod</em> auch eher eine Modifikation von <em>Wostok</em> als eine echte Weiterentwicklung. Ursprünglich plante Koroljow für das Jahr 1964 einen weiteren, finalen <em>Wostok</em>-Flug. Doch die Regierung hatte andere Pläne, zumal das <em>Wostok</em>-System ausgereizt war und jede weitere Mission nur eine Wiederholung einer vorigen wäre. Dies hätte einerseits den Nutzen im Vergleich zum enormen Kostenaufwand gegen Null gesenkt, andererseits auch keine propagandistische Verwertung erlaubt. Letztendlich war der Geldfluss aus Moskau zu jedem Zeitpunkt vor allem von letzterem abhängig, und Koroljow blieb nichts anderes übrig, als nach einer Alternative zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der designierte Nachfolger für <em>Wostok</em>, Sojus, welcher gleichzeitig den Wettlauf zum Mond vorantreiben sollte, ließ trotz intensiver Anstrengungen weiter auf sich warten. Ein Programmstopp würde, so wusste auch Koroljow, unweigerlich den Ausstieg der Sowjetunion aus der bemannten Raumfahrt bedeuten. Gleichzeitig würde man damit den Amerikanern einen uneinholbaren Vorsprung einräumen und ihnen quasi &#8222;kampflos&#8220; das ferne Ziel, den Mond, überlassen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/voskhod2_260.jpg" alt=""/><figcaption>Leonow und Beljajew vor dem Start in ihrer Kapsel. (Bild: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die logischen nächsten Schritte der Sowjetunion im Orbit wären der Start von mehrköpfigen Besatzungen, umfangreiche Steuermanöver, Kopplungstests und Raumausstiege gewesen &#8211; unentbehrlich für den geplanten Mondflug. Zusätzlich unter Druck geriet man Anfang 1964, als die Amerikaner den Start ihres zweisitzigen Gemini-Raumschiffes ankündigten. Am 4. Februar folgte postwendend die Anweisung an Koroljows OKB-1, ein dreisitziges Raumschiff binnen weniger Monate zu konzipieren, zu testen und schließlich fliegen zu lassen, um somit der Welt neue Sensationen und Erstleistungen präsentieren zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljow stand freilich nicht ganz ohne Konzepte da, konnte er doch auf den Entwurf des &#8222;<em>Wostok</em> Tsch&#8220;, einer mehrsitzigen Weiterentwicklung von <em>Wostok</em> 3, zurückgreifen. Hochtrabende Pläne und technische Neuerungen konnten in jener kurzen Zeitspanne natürlich nicht implementiert werden. Immerhin: &#8222;<em>Woßchod</em>&#8222;, wie das Projekt nun genannt wurde, bedurfte keiner langen Entwicklungszeit, da im wesentlichen nur das Innere der <em>Wostok</em>-Kapsel verändert wurde. Koroljow gab seinen Ingenieuren den Auftrag, gleich zwei verschiedene Versionen zu entwickeln &#8211; Typ 3KW für eine Dreimannbesatzung und Typ 3KD für einen Raumausstieg inklusive Luftschleuse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Idee zu einem Ausstieg eines Raumfahrers wurde maßgeblich von der Ankündigung der NASA beeinflusst, mit <em>Gemini 4</em> im Frühjahr 1965 erstmals die Luken in den freien Raum zu öffnen. Bereits 1964 plante Koroljow den Weltraumspaziergang eines Hundes, doch der Regierungsbeschluss vom 13. April 1964, welcher gleichzeitig die Rahmenbedingungen für das <em>Woßchod</em>-Programm setzte, forderte einen Menschen als ersten &#8222;Aussteiger&#8220;.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/voskhod_integration_260.jpg" alt=""/><figcaption>Woßchod 1 in der Montagehalle. (Bild: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Erstaunlicherweise benötigte man vor jedem der beiden Flüge nur jeweils einen unbemannten Testflug (Kosmos 47 und 57) um die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems unter Beweis zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flugverlauf</strong><br>Im Rahmen des <em>Woßchod</em>-Programms wurden 2 Missionen durchgeführt.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><em>Woßchod</em> 1: 12. Oktober 1964. Wladimir Komarow, Konstantin Feoktistow, Boris Jegorow.<br>Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt waren Missionen nicht mehr nur auf einen Piloten beschränkt. Vielmehr gab man hier zwei Zivilisten, Jegorow (Arzt) und Feoktistow (leitender Konstrukteur), die Möglichkeit, als Wissenschaftler an einem Flug teilzunehmen. Letzterer hatte nur am <em>Woßchod</em>-Raumschiff mitgearbeitet, da ihm Koroljow einen Platz im Raumschiff zusicherte. Beide litten an der Raumkrankheit. Die Kapsel landete nach erfolgreicher Mission (16 Orbits, 1d 17min) wie vorgesehen.</li><li><em>Woßchod</em> 2: 18. März 1965. Alexej Leonow, Pawel Beljajew.<br>Diese Mission stand unter keinem guten Stern, explodierte der einen Monat zuvor als Generalprobe gestartete Kosmos 57 doch im All durch ein aus Versehen ausgelöstes Selbstzerstörungssignal in 168 Einzelteile. Letztendlich führte man den unter zahlreichen lebensbedrohlichen Pannen leidenen Flug doch durch und Leonow konnte vor den Amerikanern als erster Mensch in den freien Raum aussteigen. Die Landung erfolgte nach 18 Orbits (1d 2h 2min) über 3200 Kilometer vom geplanten Landeort entfernt, die Kosmonauten waren jedoch wohlauf.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Programmende</strong><br>Das <em>Woßchod</em>-Programm endete abrupt, da interne Kontroversen immer lauter geführt wurden und sich das Militär als missachtet ansah. <em>Woßchod</em> 3 mit Boris Wolynow und Georgi Katys wurde nur wenige Wochen vor dem geplanten Starttermin (November 1965, das Training war fast beendet) abgesagt. <em>Woßchod</em> 4 (Flug einer weiblichen Besatzung, mit Raumausstieg), <em>Woßchod</em> 5 (chirurgische Versuche an Tieren), <em>Woßchod</em> 6 (Ausstieg mit einer mobilen Manövriereinheit) und <em>Woßchod</em> 7 (Herstellung künstlicher Gravitation durch Verbindung mit der Drittstufe der Rakete und Rotation des Gesamtkomplexes) fanden ebenfalls nie statt.<br><br>Im Januar 1966 starb schließlich Sergej Koroljow, der jahrelange Chef aller Planungen auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt. Alle Raumfahrt-Programme wurden daraufhin abgebrochen und neu organisiert/strukturiert.<br><br><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="http://www.astronautix.com/v/voskhod.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/project/voskhod.htm</a></li><li><a rel="noreferrer noopener follow" href="http://www.astronautix.com/v/voskhod-3kv.html" target="_blank" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.comcraft/vosod3kv.htm</a></li><li>Von Gagarin zur Raumstation Mir; S. 17ff.; Alfred Gugerell</li><li>Raumfahrt Concret 1/01 (16); S. 13; Stefan Wotzlaw</li><li>Das <em>Wostok</em>-Programm; Stefan Wotzlaw</li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sputnik 1 &#8211; mit 80 Kilo um die Welt</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sputnik-1-mit-80-kilo-um-die-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jun 2002 18:23:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Baikonur]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sputnik, der Begleiter. Seinen Namen hatte er von Konstantin Ziolkowski schon 1895 bekommen. Gut sechzig Jahre später fliegt er wirklich: groß wie ein Hundekorb, keine 100&#160;Kilo schwer und nach 1.400&#160;Erdumläufen ist er schon wieder vom Himmel gefallen. Trotzdem: Er wird für alle Zeiten das Symbol für den Schritt des Menschen in den Orbit bleiben. Hier [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading"><em>Sputnik</em>, der Begleiter. Seinen Namen hatte er von Konstantin Ziolkowski schon 1895 bekommen. Gut sechzig Jahre später fliegt er wirklich: groß wie ein Hundekorb, keine 100&nbsp;Kilo schwer und nach 1.400&nbsp;Erdumläufen ist er schon wieder vom Himmel gefallen. Trotzdem: Er wird für alle Zeiten das Symbol für den Schritt des Menschen in den Orbit bleiben. Hier ist seine Geschichte.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Lutz Growalt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/Sputnikasmnasa.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/Sputnikasmnasa260.jpg" alt="Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)"/></a><figcaption>Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war <em>Sputnik 1</em> nur die Notlösung – ursprünglich hatten die Russen vorgehabt, als sowjetischen Beitrag zum &#8222;Internationalen Geophysikalischen Jahr&#8220; 1957/58 einen großen Satelliten von anderthalb Tonnen – ausgerüstet mit einem kompletten wissenschaftlichen Instrumentenpark – in den Orbit zu bringen. Die Rakete dafür hatten sie: eine umgebaute Interkontinentalrakete <em>R-7</em>, ausgelegt für eine Nutzlast von fünf Tonnen und den Transport der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe. Das geplante Satellitenprojekt hatte sich dann aber als dermaßen kompliziert herausgestellt, dass der Satellit wahrscheinlich erst nach Ablauf des Geophysikalischen Jahres fertig geworden wäre.<br><br>Man sattelt also um: klein, technisch simpel und schnell zu entwickeln soll er sein, der russische Beitrag zum Geophysikerjahr. Dafür besteht die Aussicht, den &#8211; im Grunde technisch überlegenen -Amerikanern, hoffnungslos in Prioritätsstreitereien, einander zuwiderlaufende Interessen und Budgetauseinandersetzungen verstrickt, ein Schnippchen zu schlagen.<br><br>Also gibt es wenig Aufregendes in Sputniks Innerem: ein Temperaturmesser für die Innen-, einer für die Außentemperatur, eine Radioanlage für zwei Frequenzen, zwei Batterien &#8211; das war&#8217;s. Die innere Kugel ist mit Stickstoff unter Überdruck gefüllt. Die Hülle des Ganzen, 58&nbsp;cm im Durchmesser, ist nicht viel mehr als zwei ausgestanzte und gepreßte Aluminiumbleche von zwei Millimeter Stärke, zwei Halbkugeln die Sputnik sein typisch kugeliges Aussehen geben.<br><br>Diese Kugelform, so geht die Sage, verdankt <em>Sputnik 1</em> – trotz anderslautender offizieller Begründungen – im Grunde dem ästhetischen Empfinden seines Ziehvaters, des großen Sergeij Koroljow. Die ersten Sputnik-Entwürfe zeigten überwiegend Kegelformen. Koroljow jedoch war von vorneherein der Ansicht, daß die Kugel das Symbol der Vollkommenheit sei – gerade gut genug für &#8222;seinen&#8220; Sputnik.<br><br>Immerhin verbindet man mit dem simplen Innenleben ein einfaches wissenschaftliches Experiment: Hagelt es Steine über der Erdatmosphäre? Das Verfahren ist denkbar einfach. Die Daten über die Innentemperatur Sputniks werden mit dem Telemetriesignal zur Erde übertragen. Träfe ein Mikrometeorit den Sputnik, käme es zu einem Druckabfall im Inneren der gasgefüllten Kugel. Der Druckverlust ließe die Temperatur des Stickstoffs schlagartig abfallen, was wiederum an den Temperaturwerten direkt ablesbar wäre. Also ist Sputnik eine wissenschaftliche Satellitenmission, die ein richtiges Experiment trägt: einen &#8222;Mikrometeoritendetektor&#8220;.<br><br>Natürlich ist die wissenschaftliche Seite im Grunde völlig nebensächlich &#8211; trotz Geophysikerjahr. Koroljow, kreativer Kopf der sowjetischen Raketenentwicklung, und sein Team sehen die Chance, als Erste in den Orbit zu kommen – und natürlich nutzen sie sie.<br><br>Sie leisten Verblüffendes: Die Zeit drängt und die Entwicklung des ganzen <em>Sputnik</em> dauert nur vier Wochen. Koroljow verhält sich während der Entwicklung seines <em>Sputnik</em> wie ein werdender Vater: Augenzeugen erinnern sich, daß er den &#8222;Kleinen&#8220; umhegt, das Glattpolieren persönlich überwacht und es dem heranreifenden Satelliten insgesamt an nichts mangeln läßt. Gleichzeitig &#8211; auch hier ganz werdender Vater &#8211; bringt er den Sorgen und Nöten seines &#8222;großen Babys&#8220;, der mächtigen <em>R-7</em>, die ebenfalls mit erheblichen Schwierigkeiten kämpft, in dieser Zeit nur wenig Interesse entgegen.<br><br>Dabei sind es gerade diese Schwierigkeiten mit der <em>R-7</em>, die das ganze Projekt gefährden. Koroljow hatte mit seinen Oberen – eher an Interkontinentalraketen als an Satelliten interessiert –&nbsp;einen <em>Deal</em> gemacht: Wenn er zwei erfolgreiche Flüge seiner <em>R-7</em> als Interkontinentalrakete vorweisen kann, darf er seinen Satelliten schießen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/sputnik1mockupnasa2k.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/sputnik1mockupnasa260.jpg" alt="Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)"/></a><figcaption>Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklungsarbeiten für den &#8222;Kleinen&#8220; gehen bereits ihrem Ende entgegen, als endlich –&nbsp;nach drei schmerzlichen Fehlschlägen –&nbsp;der erste erfolgreiche Start mit der <em>R-7</em> im späten August&nbsp;1957 gelingt. Auch er zweite Flug, zwei Wochen später, ist erfolgreich. Damit ist der Weg frei für <em>Sputnik&nbsp;1</em>, dessen Entwicklung mittlerweile abgeschlossen ist.<br><br>Um den Starttermin hatte es in den letzten Tagen des September&nbsp;1957 noch Aufregung gegeben: Koroljow hatte als Starttermin ursprünglich auf den 6.&nbsp;Oktober 1957 festgelegt. Nun hatte sich aber herausgestellt, daß amerikanische Wissenschaftler für diesen Tag die Veröffentlichung eines Papiers unter dem vielsagenden Titel &#8222;Satellit über dem Planeten&#8220; angekündigt hatten. Koroljow argwöhnte nun, dass die Amerikaner an diesem Tag den Versuch eines Satellitenstarts wagen könnten, dessen Vorbereitungen im Geheimen abgelaufen waren –&nbsp;in letzter Minute entschließt er sich, den geplanten Sputnik-Start um zwei Tage vorzuziehen, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Amerikaner ihm in letzter Minute die Butter vom Brot nehmen.<br><br>Nachdem Sputnik schließlich zum letzten Mal überprüft und unter seiner Haube an der Spitze der <em>R-7</em> sicher verstaut ist, dämmert der 3.&nbsp;Oktober 1957 herauf: Rollout. Kurz zuvor hatte es noch Hektik gegeben: eine der Bordbatterien Sputniks war defekt und mußte ausgetauscht werden. Rakete und Sputnik verlassen auf einem Eisenbahnwaggon langsam die Montagehalle auf dem Weg zum Startplatz. Das Entwicklungsteam, allen voran Sergeij Koroljow, geht bedächtig schweigend die anderthalb Kilometer vom Hangar bis zur Rampe. Am frühen Morgen des 4.&nbsp;Oktober beginnt die Betankung der Rakete. Koroljow ist an allen Stellen zugleich, kontrolliert, vergewissert sich, dass alles glattläuft.<br><br>Am Abend dieses 4.&nbsp;Oktober ist die Startanlage am Kosmodrom Baikonur in grelles Schweinwerferlicht getaucht. Im Blockhaus –&nbsp;dem Startbunker direkt an der Startrampe –&nbsp;finden die letzten Systemüberprüfungen statt. Alle sind nervös –&nbsp;auch Koroljew –&nbsp;während die lange eingeübten Prozeduren ausgeführt werden.<br><br>Um exakt 22:28,34&nbsp;Uhr Moskauer Zeit am 4.&nbsp;Oktober 1957 zünden die 24&nbsp;Triebwerke der <em>R-7</em> und die mächtige Rakete steigt auf einer Säule aus Feuer und Rauch in den wolkenbedeckten Nachthimmel über der Steppe von Kasachstan.<br><br>Die <em>R-7</em> hatte zwar glatt abgehoben –&nbsp;doch während des Flugs stellen sich Probleme ein. Nach 16&nbsp;Sekunden Flugzeit fällt der Kontrollmechanismus, der für die gleichmäßige Leerung der Kraftstofftanks sorgen soll, aus. Dadurch liegt der Treibstoffverbrauch zu hoch. Gegen Ende der Brennphase fällt zudem eine der Kraftstoffpumpen aus, wodurch die Triebwerke eine Sekunde zu früh abschalten –&nbsp;Sputniks Orbit liegt, wie sich später herausstellt, 80&nbsp;Kilometer niedriger als geplant.<br><br>Dennoch: exakt 324,5&nbsp;Sekunden nach dem Start werden Rakete und Satellit voneinander getrennt – <em>Sputnik 1</em> ist im Orbit angekommen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/nsput1explodednasa.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/nsput1explodednasa260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Innenaufbau von Sputnik 1 &#8211; Modell (Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer im Blockhaus wissen davon zunächst nichts: Die Rakete verschwindet aus dem Funkbereich der Startkontrolle. Weltweit verteilte Radiostationen für permanenten Funkkontakt gibt es noch nicht –&nbsp;die lokale Empfangsstation ist in einem Lieferwagen untergebracht, der 800&nbsp;Meter von der Startrampe entfernt parkt, dazu sind einige Beobachtungsposten in verschiedenen Teilen des Landes eingerichtet worden.<br><br>Das Gespann verschwindet hinter dem Horizont. Funkstille. Der kleine Raum im Blockhaus ist überfüllt. Jede Unterhaltung erstirbt. Eine Handvoll Menschen in einem winzigen Raum, allesamt Pioniere, atemlose Spannung, während alle auf die erlösende Nachricht warten. Dann, endlich, nach sechs endlosen Minuten kommt die Nachricht, daß die Beobachtungsstation in Kamtschatka das Signal aufgenommen hat. Jubel bricht los –&nbsp;doch Koroljow hält die Feiernden zurück: &#8222;Wartet mit der Feier. Die Leute in der Station könnten sich irren. Warten wir ab bis die Signale von unserer eigenen Station empfangen werden, nachdem der Satellit um die Erde geflogen ist.&#8220;<br><br>Nach langen Minuten gespannter Still ertönt auch in der Empfangsstation vor Ort das Pieppieppiep von <em>Sputnik 1</em>. Es wird in den folgenden Stunden auf zahllosen Amateurfunkempfängern in aller Welt fiepsen: Sputnik ist da! Viele &#8211; Raketeningenieure, nüchterne Männer, die gewohnt sind mit Zahlenkolonnen und Reißbrett zu hantieren &#8211; haben Tränen in den Augen, als sie endlich das Piepsen ihres &#8222;Kleinen&#8220; in der Umlaufbahn hören.<br><br>Völlig anders die Reaktion bei den Mächtigen in Moskau: Wer annimmt, Chruschtschow habe nach Erhalt der Nachricht vom erfolgreichen Sputnik auf dem Tisch getanzt, der irrt. Nikita Chruschtschow, Schreckgespenst der &#8222;freien Welt&#8220; und immer darauf bedacht, den Amerikanern ein Progpaganda-Bein zu stellen, hat die Erfolgsmeldung &#8222;beinahe apathisch&#8220; aufgenommen: &#8222;&#8230;schon wieder so ein Raketenstart von Koroljow&#8220;. Chruschtschow selbst erinnert sich später, seine Raketenexperten telefonisch beglückwünscht zu haben und danach in aller Ruhe zu Bett gegangen zu sein.<br><br>Erst am 6.&nbsp;Oktober, als die Nachricht von Sputnik sich wie ein Steppenbrand durch die Gazetten der Welt gefressen hatte, erkennt Chruschtschow das propagandistische Potential des Coups, den Koroljow und seine Mannschaft gelandet haben. Die PRAWDA, Speerspitze der russischen Propaganda –&nbsp;die zuvor nur verhalten-technokratisch über <em>Sputnik 1</em> berichtet hatte – jubelt auf der ersten Seite: &#8222;Der Welt erster künstlicher Satellit in der Sowjetunion gebaut&#8220; und veröffentlicht zahlreiche Glückwunschadressen aus aller &#8211; vornehmlich der westlichen &#8211; Welt.<br><br>Natürlich greift auch Chruschtschow zu: Sputnik gibt ihm reichlich Gelegenheit, seine Gegenspieler auf der anderen Seite der Welt in überschwenglichen Reden zu ärgern. Die PRAWDA titelt am 8.&nbsp;Oktober mit: &#8222;Russen haben den Wettlauf gewonnen!&#8220;<br><br>Die amerikanischen Offiziellen reagierten &#8211; ganz im Gegensatz zur öffentlichen Meinung &#8211; verhalten auf den Start Sputniks: Keine Spur von Panik oder einem &#8222;Pearl Harbour&#8220; der Amerikaner. Eisenhower, der die Nachricht von Sputnik beim Golfspielen entgegennahm, sagt später, dass der Start des Sputnik ihn &#8222;kein Jota&#8220; berührt habe. Mitglieder des Stabs im Weißen Haus bezeichneten Sputnik als &#8222;dummes Flitterzeugs&#8220; und als &#8222;hübschen wissenschaftlichen Trick&#8220; –&nbsp;ein amerikanischer Admiral sprach in einem Interview gar von einem &#8222;dummen Klumpen Metall, den jeder starten könnte&#8220;.<br><br>Ganz anders die öffentliche Meinung der westlichen Welt, vorneweg die amerikanischen Zeitungen. Hier zündet Sputnik. Die Wogen gehen hoch. Das zumal die Amerikaner &#8211; von den Verzögerungen des <em>Vanguard</em>-Programms gebeutelt &#8211; außerstande scheinen, Sputnik etwas entgegenzusetzen.<br><br>Und hier liegt wohl die bleibende Bedeutung von Sputnik: Die Amerikaner, mit riesigen technologischen Ressourcen und fähigen Leuten, sehen sich, unter dem Druck ihrer eigenen öffentlichen Meinung, gezwungen das zu tun, was sie vom rein technisch-wissenschaftlichen Standpunkt schon in den frühen 50er Jahren hätten tun können: eine Strategie formulieren, Prioritäten setzen, klare Strukturen schaffen, in die Hände spucken und anfangen.<br><br>Vom heutigen Standpunkt aus sehen wir die Dinge nüchterner: Mit Sputnik begann die Weltraumfahrt. Das steht in jedem Schülerlexikon. Mit Sputnik begann aber auch die Reihe jener seltsam anmutenden Raumfahrt-Insellösungen die ihre Existenz realpolitischem Profitstreben verdanken: <em>Sputnik</em>, das <em>Apollo</em>-Programm und wahrscheinlich demnächst die Internationale Raumstation <em>ISS</em>. Jedes für sich eine technologische Glanztat &#8211; und ein zivilisatorischer Fortschritt.<br><br>Doch wenn als sie dann fertig sind, unsere &#8222;modernen Weltwunder&#8220;, stehen wir eine Weile staunend drumherum – und wenden uns dann anderen Dingen zu, statt auf einer konsequenten Weiterverfolgung des eingeschlagenen Wegs zu bestehen.<br><br>Was bleibt, sind Renommee-Projekte, eine Fassade ohne Haus dahinter – in diesem Sinne war Sputnik erst gestern, und wir haben wir uns seither nicht entscheidend von der Stelle bewegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; &#8222;Korolev, Sputnik, and The International Geophysical Year&#8220; Asif A. Siddiqi<br>&#8211; &#8222;Vanguard &#8211; A History&#8220;, Mc Laughlin Green, C., und Lomask, M., NASA-SP 4202, Washington D.C., 1970<br>&#8211; &#8222;Korolev&#8217;s Triple Play: Sputniks 1, 2, and 3,&#8220; aus: James J. Harford, Korolev: &#8222;How One Man Masterminded the Soviet Drive to Beat America to the Moon&#8220; (John Wiley: New York, 1997).<br>&#8211; &#8222;Sputnik and the Origins of the Space Age&#8220;, Roger D. Launius<br>&#8211; New York Times, Artikel vom 5. &#8211; 10.Oktober 1958<br>&#8211; &#8222;Encyclopedia Aeronautica&#8220;, Mark Wade, astronautix.com<br>&#8211; Spacecraft Information &#8222;Sputnik 1&#8220;, JSC/NSSDC</p>
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